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Highlights im Regensburger Schlosshof

16. Juni 2017 sgruen Keine Kommentare

Schlossfestspiele bieten im Juli ein abwechslungsreiches Programm

Verdis Oper Aida bildet den diesjährigen Auftakt der Regensburger Schlossfestspiele. Am 14.7 ist Premiere, am 15.7 folgt die zweite Aufführung. Das Kinderstück ist “Ronja Räubertochter”, das wie jedes Jahr um 10.30 Uhr gespielt wird.
Es folgen Konzerte von Ronan Keating (16.7), Amy Macdonald (17.7), Zucchero (18.7), Haindling (19.7), Max Mutzke (20.7), Art Garfunkel (21.7), Sting (22.7) und José Carreras (23.7).

Nähere Informationen und Karten gibt’s unter:
www.schlossfestspiele-regensburg.de

Die Wüstung Irlbrunn zwischen Haugenried und Kelheim

29. Mai 2017 sgruen Keine Kommentare

Wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen

(Sigrid Grün)

Ein schmuckes Forsthaus mitten im Nirgendwo. Der Ort hat keinen Namen mehr. Vor 200 Jahren war hier eine Siedlung, die im Laufe des 20. Jahrhunderts endgültig zur Wüstung wurde. Etwa 100 Wüstungen, also aufgegebene Siedlungen, gibt es in Bayern. Irlbrunn im niederbayerischen Landkreis Kelheim ist eine davon. Knapp hinter der Grenze zum Landkreis Regensburg, im großflächigen Frauenforst gelegen, trifft man auf eine große Lichtung. Hier befand sich ab 1713 eine Glashüttensiedlung. Als die Hütte bereits wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1742, schloss, wanderten fast alle Bewohner ab. Das Fleckchen lag schon für damalige Verhältnisse zu abgelegen.
Das Forsthaus
Mitte des 19. Jahrhunderts lebten noch etwa 20 Menschen in der Forstsiedlung. Es wurden immer weniger und der Weiler wurde 250 Jahre nach seiner Gründung zur Wüstung. Das letzte Haus der Siedlung wurde 1975 abgerissen. Geblieben ist nur noch ein Forsthaus in der Nähe. Es wurde 1866 erbaut und stand viele Jahrzehnte leer, bis die Bayerischen Staatsforsten das Schmuckstück aus seinem Dornröschenschlaf erweckten. Heute finden verschiedene Veranstaltungen im abgelegenen Forsthaus statt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde eine Streuobstwiese mit alten und seltenen Obstsorten angelegt.

Einer der Froschteiche

Einer der Froschteiche

An den Wochenenden liegt das kameraüberwachte Anwesen verlassen da. Bei gutem Wetter kommen ab und an Radfahrer vorbei und wundern sich über das Waldhaus, das von Wiesen, Wald und Tümpeln umgeben ist.
Die Wüstung ist ein Dorado für passionierte Naturfotografen. Vor allem die Teiche mit reichen Frosch- und Insektenpopulationen sind ein echtes Juwel für Naturfreunde.

Froschvergnügen

Froschvergnügen

Spaziergänger können den umliegenden Wald erkunden und sich auch etwas gruseln: Im 19. Jahrhundert wurde im Forsthaus nämlich ein Förster ermordet - die Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Wo sich einst eine Siedlung ausbreitete, sind heute nur noch Wiesen mitten im Wald zu finden.

Wo sich einst eine Siedlung ausbreitete, sind heute nur noch Wiesen mitten im Wald zu finden.

Für den nächsten Ausflug gilt also: Warum nicht mal ein Ort, dem alle den Rücken gekehrt haben?

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Nathan Hill liest in Regensburg aus “Geister”

2. November 2016 sgruen Keine Kommentare

US-Autor Nathan Hill liest in der Buchhandlung Dombrowsky

Am Donnerstag, den 10. November ist der junge US-Autor Nathan Hill in der Regensburger Buchhandlung Dombrowky (St. Kassiansplatz 6) zu Gast, um aus seinem Debütroman “Geister” zu lesen.
Die Lesung beginnt um 20.oo Uhr. Karten gibt es direkt in der Buchhandlung.

“Geister” ist ein Roman über Liebe und Selbstbestimmung und eine amerikanische Gesellschaftsgeschichte, die die Verhältnisse in Chicago aufgreift.

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Buchtipp: An ihrer Seite sein von Barbara Preitler

30. Oktober 2016 sgruen Keine Kommentare

Hervorragender Leitfaden für freiwillige und ehrenamtliche Helfer

(Sigrid Grün)

Wer als Freiwilliger in der Flüchtlingshilfe mitarbeitet, sieht sich oft mit traumatisierten Menschen konfrontiert. Wie soll man mit ihnen umgehen? Was ist überhaupt ein Trauma? Und was gilt es im Umgang mit Traumatisierten besonders zu beachten, welche Schwierigkeiten können auftauchen?
Diesen Fragen widmet sich die erfahrende Psychologin, Psychotherapeutin und Supervisorin Dr. Barbara Preitler, die bereits seit über 20 Jahren mit Flüchtlingen arbeitet.
Das Buch ist speziell für Menschen konzipiert, die über keine psychologische Ausbildung verfügen. Die Autorin erklärt fundiert und unaufgeregt, was eine Traumatisierung ist und wie man den Folgen in der psychosozialen Arbeit begegnen kann. Dabei sollen Freiwillige nicht als Traumatherapeuten aktiv werden - hier müssen Experten ran! -, sondern lernen, inwiefern sie traumatisierte Flüchtlinge unterstützen können und was es zu beachten gilt. Hier ist z.B. auch der Umgang mit Aggressionen von Interesse. Speziell bei der Arbeit mit Flüchtlingen spielt auch die Kommunikation mit einem Dolmetscher eine wichtige Rolle. Auch das Thema “traumatisierte Kinder” wird erörtert.
Das Buch ist sachkundig und gut verständlich geschrieben. Es ist eine Bereicherung für alle, die mit Flüchtlingen arbeiten.

Barbara Preitler (Autorin)
An ihrer Seite sein. Psychosoziale Betreuung von traumatisierten Flüchtlingen
www.studienverlag.at
172 Seiten, 14,90 Euro

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Inklusives Tanzprojekt in Regensburg

22. September 2016 sgruen Keine Kommentare
Farben tanzen, Lebensfreude zeigt sich pur
(Christine Allgeyer)
Wenn Begeisterung körperlich wird, bitzelt es bisweilen auf der Haut. Das tut es, wenn man den Tänzerinnen und Tänzern aus der Bischof-Wittmann-Schule begegnet, ihnen beim Tanzen zusieht. Am 9. und 10. Oktober 2016 haben sie ihren Auftritt „Live und in Farbe” im Unitheater Regensburg. Der Choreograf und Tanzpädagoge Wolfgang Maas bringt ein inklusives Tanzprojekt auf die Bühne, das mitreißt und begeistert. Seit der Engel-Gala 2011 arbeitet Maas einfühlsam und auf künstlerisch hohem Niveau mit den jungen Tänzerinnen und Tänzern.
Nach ihrem letzten großen Erfolg in 2015 sind Wolfgang Maas und das Therapeutinnen-Team aus der Bischof-Wittmann-Schule, ein Förderzentrum der Katholischen Jugendfürsorge mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, auch in diesem Jahr ihrem Vorhaben treu geblieben und bringen Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Behinderung gemeinsam auf die Bühne. Warum das Tanzprojekt für die therapeutische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen so wertvoll ist, schildert die Physiotherapeutin Evi Federl: „Im Tanz können wir unsere therapeutischen Ziele viel verständlich machen. Verbal geht das ja oft nicht. Und der Tanz ist ein Weg mit einem Ziel, den die Kinder und Jugendlichen motiviert mitgehen können.”
„Ich bin ein Stern und ich schwebe.”
Florian (16 Jahre) muss regelmäßig trainieren und am Ball bleiben, damit seine Hüfte beweglich bleibt. Als Stern und beim Tanzen fällt ihm das leicht – immer und immer wieder dreht und windet er sich. Die Bewegungswechsel trainieren seine Hüfte. Evi Federl kann ihm in der Einzeltherapie klar machen, dass er durch die Übungen seinen tänzerischen Beitrag verbessert. „Ich bin der Florian. Ich bin ein Stern und ich schwebe”, erzählt Florian, „mein Solo mache ich mit einem Erdball. Das wird sehr schön sein.” Sophie (11 Jahre), Alys (15 Jahre) und Sarah (16 Jahre) tanzen mit Florian in „Farbenlos”. „Ich bin eine Prinzessin und habe eine goldene Krone”, sagt Alys und sie ist so stolz auf ihre Rolle. Wenn sie tanzt, dann ist es Lebensfreude pur für Alys.
„Sie lassen einfach los und tanzen.”
Damit die Kinder und Jugendlichen eine bessere Vorstellung von ihren Rollen bekommen, suchen die Therapeutinnen nach guten Vergleichen: „Beweg dich wie ein Wurm, du fliegst wie ein Turmfalke …” Die Physiotherapeutin Sabrina Schmidmeister arbeitet ebenfalls seit 2011 im Tanzprojekt. „Über die Jahre sehen wir, wie sich die älteren Schülerinnen und Schüler motorisch und kognitiv weiterentwickeln”, so Schmidmeister, „sie können sich ihre Schritte besser merken, sind viel selbstständiger und brauchen bei weitem nicht mehr so viel Führung und Anleitung. Auch Amelie Stoll, die Ergotherapeutin im Team,  ist begeistert von den Kindern. „Sie lassen einfach los und tanzen. Das finde ich toll.” Die Logopädin Kathrin Straubinger komplettiert das Team – professionelle Rahmenbedingungen für gute Arbeit, findet Evi Federl. „Der therapeutische Ansatz geht Hand in Hand mit Wolfgangs künstlerischer Arbeit. Dadurch wird es ein Gesamtkunstwerk” lacht Evi Federl.
Aufführungen im Theater der Universität Regensburg:
• Sonntag, 9. Oktober 2016, 16.00 Uhr: „Farbenlos!”, inklusives Tanztheater der Bischof-Wittmann-Schule und der OTH Regensburg, künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas. „Rosa sieht Rot”, Gastspiel: inklusives Tanztheater aus Bremen, Tanz und Choreografie: Neele Buchholz, Corinna Mindt, Szenische Überarbeitung und Unterstützung: Lars Mindt. „Ich & Du”, inklusive Dance-company „Upside Down”, Künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas
• Montag, 10. Oktober 2016, 19.00 Uhr: „Farbenlos!”, inklusives Tanztheater der Bischof-Wittmann-Schule und der OTH Regensburg, künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas.  „Bla, Bla, Bla!”, exklusives Tanztheater der Partnerklassen der Bischof-Wittmann-Schule an der Mittelschule Lappersdorf, Künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas. „Ich & Du”, inklusive Dance-company „Upside Down”, Künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas.
• Rahmenprogramm:  „Miniaturen”, „Die Herbstzeitlosen” – Tanztheater Ü50. Kleine Soli und Gruppenszenen als Appetizer vor der Vorstellung zeigen, Tanz ist für Jedermann und jede Frau! Im Foyer ca. 30 Minuten vor (!) jeder Vorstellung
• Kartenvorverkauf bei der TOURIST INFORMATION im Alten Rathaus: 10 Euro und an der Abendkasse 12 Euro

Regensburger Tanztage

21. September 2016 sgruen Keine Kommentare

Im November starten die Tanztage

Am Anfang dieser Tanztage stehen die beiden überragenden Duette der letzten Jahre: JAN MARTENS aus Belgien mit “Sweat Baby Sweat” (4.11., Theater Universität) und STEPHEN SHROPSHIRE aus den USA mit “My Everlasting” (6.11., Theater Universität) haben zwei so unterschiedliche wie tief berührende Stücke zur Mann-Frau-Beziehung geschaffen. Zusammen mit ihren wunderbaren Tänzerpaaren wurden sie auf internationalen Festivals von Publikum und Medien gleichermaßen gefeiert und mit Preisen ausgezeichnet.

Die SOLOTANZNACHT vereint an zwei Abenden (18. und 19.11., Theater Universität) die Preisträger des internationalen Wettbewerbs von Stuttgart mit ihren prämierten Stücken. Zu erleben sind LOUIS THURIOT aus Belgien, SARAH MURPHY aus Kanada, sowie MOUNIR ALI aus Ägypten, RAVID ABARBANEL aus Israel und HOOR MALAS aus Syrien. Beeinflusst von den Eindrücken des Bürgerkrieges thematisiert die in Damaskus lebende Tänzerin in ihrem Stück “Regression” das Verhalten von Menschen in Not- und Kriegssituationen.

Weiterer Höhepunkt dieser Tanztage: Das Gastspiel der legendären HUBBARD STREET II aus den USA (13.11., Velodrom). Die junge Kult-Company aus Chicago begeistert mit ihrer Technik und Dynamik und ihrem unglaublich vielseitigem Repertoire. Nach Regensburg kommen sie mit ihrem neuen Programm und einer Weltpremiere. „Schnittig, nervig, äußerst cool – eine elektrische Mixtur aus brodelnder Energie!“ (Chicago Sunday Times) „Eine der innovativsten Compagnien des modernen Tanzes.” (Deutsche Welle)

Begleitet werden die Tanztage 2016 von Tanzfilmen, einer  Ausstellung mit Tanzfotografie und dem JALLA CLUB, der inzwischen unverzichtbaren Worldbeat-Festival-Party (18.11., Theater Alte Mälzerei).

Tickets gibt es ab sofort an den bekannten Vorverkaufsstellen und in der Alten Mälzerei. Auch in diesem Jahr gilt für Vorstellungen im Theater der Alten Mälzerei und im Theater der Universität das Kombikarten-Angebot. Für zwei Vorstellungen 10% Ermäßigung und für drei Vorstellungen 15% Ermäßigung. Kombikarten gibt’s nur im Büro der Alten Mälzerei.
Ticketreservierungen unter: info@alte-maelzerei.de oder (0941) 78 88 10.

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Eine Nacht mit 007 auf den Regensburger Schlossfestspielen

25. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Furioses Finale

Sein Name ist Bond. James Bond. Und er lockte Fans von 8 bis 88 in den Regensburger Schlosshof. Fast jeder Bondsong ist ein Ohrwurm. Das Wetter auf der Abschlussveranstaltung war perfekt. Ein angenehmer Sommerabend, kein Tropfen Regen.
Auf der Bühne: Das Radio-Sinfonieorchester Pilsen mit einem ausgesprochen engagierten und sichtlich begeisterten Dirigenten: Christian Schumann allein war schon ein Hingucker. Das Orchester wusste durch eine großartige Performance zu überzeugen. Mal gefühlvoll, mal kräftig - das Zusammenspiel war perfekt. Hinzu kamen - vor allem vor der Pause - zwei begnadete Sänger: Dennis LeGree mit einer herrlich souligen Samtstimme und Joyce van de Pool, die vor allem bei den Höhen in Adeles “Skyfall” brillierte.
Vor der Pause waren vor allem bekannte Bond-Songs wie “Golden Eye” oder “Goldfinger” sowie Medleys aus bekannten Bond-Motiven zu hören, in der zweiten Hälfte nach der Pause überzeugte das Konzept schließlich durch ein absolut gelungenes Zusammenspiel von Film und Musik. Während auf der Leinwand vor allem Ausschnitte aus neueren Bondstreifen zu sehen waren, wurden diese Szenen live vom Orchester begleitet. Damit hatte man einen Film- und Musikgenuss der ganz besonderen Art.
An diesem Abend stimmte einfach alles - die Szenenauswahl, die Musik und natürlich die Atmosphäre. Die wahrscheinlich “coolste” Veranstaltung der diesjährigen Schlossfestspiele war ein absolutes Muss für Bond-Fans.

007

Tom Jones auf den Regensburger Schlossfestspielen

22. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Der “Tiger” rockt die Schlossfestspiele

(Sigrid Grün)

Tom Jones ist eine Legende. Der “Tiger”  hat es wie kaum ein anderer geschafft, sich über Jahrzehnte zu halten und sowohl ein junges als auch ein älteres Publikum gleichermaßen zu begeistern. Selbst mit 76 schaffte Jones es, ein Konzert ohne Pause zu geben, in dem er seine sämtlichen Facetten von soulig bis kräftig präsentieren konnte.
Ob Hits wie “Sex Bomb”, “What’s new Pussycat”, “Fly me to the Moon” oder “Delilah”, das den Sänger selbst sichtlich bewegte, oder weniger bekannte Songs - die Energie und die Stimmgewalt, mit der Tom Jones brillierte, waren ein Genuss für das Regensburger Publikum, das den Briten schließlich mit Standig Ovations und lautem Jubel feierte. Mit dem Voranschreiten der Show hielt es immer weniger Zuseher auf ihren Sitzen.
Die Mischung aus Gefühl und Power machen Jones sowohl für das weibliche als auch für das männliche Publikum attraktiv. Und genau diesen Mix konnte man im Regensburger Schlosshof hautnah miterleben.
Der “Tiger” hielt sich nicht lange mit dem begeisterten Applaus des Publikums auf, sondern performte einen Song nach dem nächsten. Ein bisschen mehr Beifall hätte er sich selbst schon gönnen können!
Selbst die Fürstin konnte nicht an sich halten und würdigte die Poplegende mit einem entzückten “We love you!”.

Carmen auf den Regensburger Schlossfestspielen

16. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Gelungener Auftakt der diesjährigen Schlossfestspiele

Carmen gehört mit Arien wie der “Habanera” (L’amour est un oiseau rebelle) und “Près des remparts de Séville” und einer Geschichte um Liebe, Leidenschaft und tödliche Eifersucht zu den beliebtesten und meistgespielten Opern. Bei der Uraufführung im März 1875 sah das noch ganz anders aus. Georges Bizets bekanntestes Werk entpuppte sich als Flop. Die Rezeption der Oper änderte sich wenig später, als “Carmen” in Wien aufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Bizet allerdings schon tot. Er verstarb im Alter von nur 36 Jahren an einem Herzleiden. Man sagt, dass “Carmen” ihm das Herz gebrochen habe…

Auf den Regensburger Schlossfestspielen markierte Bizets Meisterwerk den Auftakt, der Schlossinnenhof bot eine perfekte Kulisse für die Oper in der Inszenierung der Staatsoper Prag unter Leitung von Tomasz Brauner.
Doch bevor die Geschichte um leidenschaftliche Liebe und Eifersucht begann, bat Veranstalter Reinhard Söll um eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Nizza. Ein bewegender Moment.
Die Inszenierung war solide, der Gesang überzeugte durch hohe Professionalität.
Alles in allem war der Opernabend eine gelungene und unterhaltsame Auftaktveranstaltung, die zwischen dem Anschlag in Nizza und dem Putschversuch in der Türkei einen schönen Kontrapunkt zum Tagesgeschehen setzte.

Buchtipp: Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

20. August 2015 sgruen Keine Kommentare

Eleonore von Aquitanien erzählt ihr Leben

(Sigrid Grün)

Eleonore von Aquitanien ist eine der schillerndsten Frauenfiguren des Mittelalters. Sie war nicht nur französische, sondern auch englische Königin und Mutter von Richard Löwenherz. Die fränkische Autorin Sabine Weigand hat ihr nun einen historischen Roman gewidmet, der - wie bei Weigand üblich - intensiv recherchiert ist und auch mit Originalquellen versehen wurde.
Bei ihrem neuen Roman wendet Weigand einen sehr gelungenen erzählerischen Kniff an: sie lässt Eleonore selbst von ihrem Leben berichten. In einer Rahmenerzählung, die im Jahr 1200 spielt, holt sie ihre Enkelin Blanche aus Kastilien ab, um das Mädchen nach Frankreich zu bringen, wo sie mit dem französischen König vermählt werden soll. Die mittlerweile schon betagte Eleonore beginnt ihr Leben zu erzählen, um ihre Enkelin über das Leben als Königin aufzuklären und um sich alles noch mal vor Augen zu führen und von der Seele zu reden. Und das ist eine ganze Menge. Eleonore wurde zu Lebzeiten verehrt und verachtet. Sie war eine starke Frau, die immer Wert darauf legte, an der Herrschaft beteiligt zu sein. Vor allem ihr Herzogtum Aquitanien lag ihr immer am Herzen.
Bereits früh verliert sie die Mutter und etwas später auch den Vater. Noch als Kind wird sie aber mit dem französischen Thronfolger, Ludwig VII. verheiratet. Doch was sie erwartet ist keineswegs der leidenschaftliche Mann, den sie sich unter einem König vorgestellt hatte. Stattdessen ist ihr Gatte ein Frömmler, der seinen ehelichen Pflichten kaum nachzukommen vermag. Sie versucht ihm trotzdem eine gute Frau zu sein, leidet aber zusehends unter Ludwig, der immer noch unter der Fuchtel seiner Mutter steht. Auf dem Weg ins Heilige Land - Eleonore fährt mit auf den Kreuzzug - kommt es schließlich zum Bruch. Zwei Töchter schenkt sie ihrem Mann, aber keinen Thronfolger. Sie treibt Ludwig schließlich dazu, die Ehe auflösen zu lassen und heiratet unmittelbar danach den sehr viel jüngeren Henry Plantagenet, der bald nach der Hochzeit englischer König wird und somit Eleonore zur Königin macht. Zu Beginn der Ehe kennen Liebe und Leidenschaft kaum Grenzen. Genau wie Ludwig verehrt Henry Eleonore aufgrund ihrer Schönheit, mit dem Unterschied, dass Henry das auch entsprechend zum Ausdruck bringen kann. Die Ehe ist sehr “ertragreich” - vier Söhne und drei Töchter werden geboren und erreichen das Erwachsenenalter. Doch sowohl Henry als auch Eleonore sind machthungrig und keiner will nachgeben. Gemeinsam mit ihren ersten drei Söhnen versucht Eleonore den Tyrannen Henry zu stürzen…
Hier begegnen dem Leser bekannte historische Gestalten wie Bernhard von Clairvaux, Hildegard von Bingen, Richard Löwenherz, Johann Ohneland und viele andere. Auch ohne historische Vorkenntnisse gewinnt man einen guten Einblick in die Machtverhältnisse zwischen den Capetingern und den Plantagenets. Auch die Kreuzzugsthematik wird behandelt.
Sabine Weigand ist wieder einmal ein opulenter, spannender und hervorragend recherchierter historischer Roman gelungen, der den Leser in die Welt des Mittelalters entführt. Die Sprache und der Witz sind dabei modern und machen die Lektüre zu einer sehr angenehmen und rundum gelungenen Lektüre.

Sabine Weigand (Autorin)
Das Buch der Königin
www.fischerverlage.de
460 Seiten