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“Verbrennungen” im Akademietheater Regensburg

12. Mai 2013 sgruen Keine Kommentare

Intensiv, berührend und zutiefst beeindruckend

(Sigrid Grün)

Wajdi Mouawads “Incendies” / “Verbrennungen” ist eines der beliebtesten zeitgenössischen Stücke. Seit der deutschsprachigen Erstaufführung im Jahr 2006 war Mouawads Familiendrama in sehr unterschiedlichen Inszenierungen zu sehen. Mal opulent, wie etwa im Burgtheater, mal auf nur vier Darsteller reduziert, wie zum Beispiel in Bochum. Das Regensburger Akademietheater zeigte von Mittwoch bis Freitag zum letzten Mal eine zutiefst beeindruckende Inszenierung mit den diesjährigen Absolventen der Akademie für Darstellende Kunst.

Das Thema beherrscht immer noch die Weltnachrichten. Derzeit ist insbesondere Syrien ein akuter Krisenherd. Die mediale Aufarbeitung des Nahostkonfliktes wird auch in Meike Fabians Inszenierung von “Verbrennungen” an den Anfang gestellt. Die Schauspieler tragen aktuelle Zeitungsmeldungen vor - jeweils mit Quellenangabe. Anhand dieser Meldungen wird aufgezeigt, wie sich die Geschichte des Konfliktes immer weiter fortsetzt. Stets lassen sich Zorn und Rache als Ursache von Gewalt ausmachen. Ein Gewaltexzess befeuert den nächsten.
Acht Akteure, fast alle - mit Ausnahme von Nawal (Ella Schulz) - in mehreren Rollen besetzt, ergründen das Trauma von Nawal und die Tragödie eines Landes. Vorbild ist der Libanon, in dem der Autor geboren wurde. Nach einer Kindheit in Beirut, floh die Familie schließlich vor dem Bürgerkrieg nach Paris. Später siedelte sie ins kanadische Montreal über, wo Mouawad heute noch lebt und arbeitet.
Jeanne (Anna Günther), die beherrschte Mathematikerin und Simon (Johannes Aichinger), der unbeherrschte Boxer, sind Zwillinge. Der Notar Hermile Lebel (Benjamin Oeser) eröffnet das Testament der Mutter Nawal. Sie hatte die letzten fünf Jahre ihres Lebens geschwiegen, einen Tag vor dem 16. Geburtstag der Zwillinge war sie verstummt. Ihrer Tochter Jeanne vermacht Nawal Marwan eine Jacke aus grünem Tuch, Simon ein rotes Heft. Und jeder der beiden erhält einen Auftrag. Jeanne soll ihren und Simons Vater finden und ihm einen Umschlag überreichen. Simon soll einen Bruder, von dem die Zwillinge nichts wussten, finden und ihm ebenfalls einen Umschlag übergeben. Zunächst reagieren die Hinterbliebenen ablehnend, insbesondere Simon weigert sich vehement, den letzten Willen seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Doch Jeanne macht sich schon bald auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Mutter und damit auch nach einem integralen Bestandteil ihrer eigenen Identität. Sie reist ins Heimatland von Nawal und erfährt Dinge, die sie zutiefst erschüttern. Während sie mit dem Walkman dem auf Kassetten gebannten Schweigen der Mutter lauscht, ergründet sie die Geschichte einer Frau, die eine ganz andere war, als ihre Kinder gedacht haben. Auch Simon reist schließlich mit dem Notar Hermile Lebele in den Nahen Osten. Und was er dort erfährt, ist eigentlich mehr, als er ertragen kann. Die Geschichte wird aber nicht nur aus der Perspektive von Jeanne und Simon erzählt, sondern setzt sich aus  immer wieder auftauchenden Rückblenden zusammen, die sich zum Schluss zu einem großen Ganzen fügen. Erzählt wird die Geschichte von Nawal im Alter von 14-19 Jahren, mit 40 und mit 60 Jahren. Die junge Nawal verliebt sich in Wahab (János Kapitány) und bekommt einen Sohn, der ihr gleich nach der Geburt weggenommen wird. Nach dem Tod der Großmutter Nazira (Veronika Conrady) gibt sie ihr das Versprechen, lesen und schreiben zu lernen und dem ewigen Zorn, der von Generation zu Generation weitergetragen wird, ein Ende zu setzen. Nawal schafft es tatsächlich, das Dorf zu verlassen und kehrt als gebildete Frau zurück, die sich mit der gleichaltrigen Sawda (Hannah Baus) befreundet und sich mitten im grausamen Bürgerkrieg, der gerade wütet, auf die Suche nach ihrem Sohn macht. Von den Schrecken des Krieges, insbesondere von einem bestimmten Massaker schwer traumatisiert, setzt sie sich ein Ziel und stellt ihr Leben in den Dienst des Kampfes um ein Ende des Krieges. Schließlich landet sie in der “Hölle Kfar Rayat”. In diesem Gefängnis sitzt sie 10 Jahre und wird gefoltert. Und hier laufen auch über 20 Jahre später, als Jeanne und Simon sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln machen, alle Fäden zusammen…

Mouawads Stück ist viel mehr als eine Familiengeschichte, es ist der Versuch zu verstehen, wie sich menschliche Gewaltexzesse immer fortsetzen. Meike Fabian ist mit nur acht Darstellern eine behutsame und trotzdem ungeheuer intensive Inszenierung gelungen, die das Publikum zutiefst bewegt hat. Die Darsteller konnten durchweg überzeugen, schlüpften sie doch im Laufe des Stückes in insgesamt über 20 Rollen. Insbesondere die Leistungen von János Kapitány als Heckenschütze Nihad, Benjamin Oeser als Notar Hermile Lebel und natürlich Ella Schulz intensive Darstellung von Nawal sind hervorzuheben. Man kann der Regisseurin und den Darsteller zu dieser Inszenierung nur gratulieren und man wünscht sich noch viele weitere derart starke Stücke im jungen Regensburger Akademietheater.

www.adk-regensburg.de

BurgFlair Open Air und Spectaculum Nordgavia vom 9. bis zum 11. Mai in Parsberg

6. Mai 2013 sgruen Keine Kommentare

Burgspektakel und ordentlich was auf die Ohren in historischem Ambiente

(Sigrid Grün)

Kommende Woche ist ordentlich was los auf der schönen Parsberger Burg. Von Donnerstag (ab 17.00 Uhr) bis einschließlich Samstag locken musikalische Leckerbissen und das 4. Mittelalterfest Spectaculum Nordgavia mit Kinderprogramm, Greifvogelshow, Handwerkskunst, Gauklern, Markt- und Lagerleben und Marktbespielung.

Am Donnerstag (9. Mai) gibt es beim BurgFlair Open Air Konzerte von Stefan Dettl, Moop Mama, Fuadadeimuada und Acoustic Circus. Am Freitag (10. Mai) rocken Mono Inc., Letzte Instanz und Vermaledeyt das Spectaculum. Und das alles in der wunderschönen historischen Kulisse der Parsberger Burg!

Mehr Infos und Tickets gibt es hier:

www.gavia-events.de

“Verbrennungen” von Wajdi Mouawad vom 8. bis zum 10. Mai im Akademietheater

3. Mai 2013 sgruen Keine Kommentare

Veranstaltungstipp und Verlosung

Mit “eindrucksvoller Sprachgewalt” (Die Welt) erzählt der im Libanon geborene Autor von der Reise der Geschwister Jeanne und Simon in die Vergangenheit ihrer verstorbenen Mutter Nawal, die aus dem Krieg im nahen Osten in den Westen geflohen war. Ihr letzter Wille überträgt den Zwillingen die Aufgabe, zwei Briefe zu übermitteln: einen an ihren tot geglaubten Vater, den anderen an einen unbekannten Bruder. Widerwillig nehmen die beiden die Reise in die Heimat ihrer Mutter auf sich. Die Suche nach den eigenen Wurzeln führt sie in die kollektive Tragödie des Krieges zurück.

“Ein tief bewegendes Familienportrait über das Schweigen zwischen den Generationen” (Theater der Zeit)

Es spielen die diesjährigen Absolventen der Fachakademie:

Hannah Baus, Veronika Conrady, Anna Günther, Ella Schulz, Johannes Aichinger, Janos Kapitany, Benjamin Oeser.

Kultur Ostbayern verlost 5 x 2 Karten für jede der Veranstaltungen. Schickt Euren Wunschtermin (Mittwoch, Donnerstag oder Freitag) unter dem Stichwort “Verbrennungen” an sigrid.gruen@kultur-ostbayern.de

Das Los entscheidet. Viel Erfolg!

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Weitere Infos und Karten gibt es hier:

www.adk-regensburg.de

Buch-Tipp: “untitled” von Joachim Bessing

14. April 2013 sgruen Keine Kommentare

Liebenderweise

(Sigrid Grün)

Was nützt die Liebe in Gedanken? Nichts, denn das soll sie auch überhaupt nicht. Aber, dass sie alles sein kann, in Zeiten von iPad und iPhone, das zeigt uns Joachim Bessing in seinem neuen Roman “untitled”, der so heißt wie das letzte von Martin Margiela kreierte Parfum, das nach Buchsbaum und Weihrauch riecht und ein bisschen wie der Aschenbecher vom Vorabend. “Untitled”, “ohne Betreff” steht auch über den Nachrichten, die sich die Liebenden in diesem Roman zusenden. Die überwiegend digitale Liebe, die trotz der Entkörperlichung so stark körperlich ist, dass der Schmerz schier unerträglich wird, ist Bessings großes Thema.

Vor einem Bücherregal in einer Berliner Privatwohnung kommen sie sich näher. Der Ich-Erzähler und J., die Philosophin Julia. Ein Büchlein über den antiken Philosophen Plotin (”Plo-tiehn!”) ist der erste Gesprächsgegenstand der beiden und dann wird auf dem Klo geküsst. Nein, nicht geküsst. Zahncreme wird “küssenderweise” aus dem Gesicht entfernt. Und das ist die größte Kusserfahrung, die der Erzähler jemals gemacht hat. Seelenverwandte haben sich gefunden. Doch Julia ist verheiratet und das möchte sie auf keinen Fall ändern. Und so nimmt die Geschichte den Lauf, den solche Geschichten eben nehmen. Man kennt es ja, vom Werther natürlich und von vielen anderen.
Überlandflüge, Modeschauen, Drogen - das war die Welt des Modejournalisten bis zu diesem denkwürdigen Moment vor dem Berliner Bücherregal. Von da an ist seine Welt Julia. Alles andere rückt in den Hintergrund. Tausende Nachrichten, (”Im Zweifel für den Zweifel!” lautet die erste), Songs und Fotos werden verschickt. Der jeweils andere ist stets gegenwärtig. Und wenn sie sich dann wirklich sehen wird phänomenal geküsst. Aber meistens sehen sie sich nicht im Real Life. Die Liebe ist überwiegend virtuell und so intensiv, wie Liebe nur sein kann. Ist das dann überhaupt noch Liebe, fragt der Protagonist einmal seine Therapeutin, oder ist es schon Wahn? Auf alle Fälle ist es irre intensiv und es kostet fast das Leben, das nur noch Julia ist. Wie ist es, wenn man alles verliert und da nur noch Schmerz zu sein scheint, wenn nicht nur das iPhone, sondern auch noch das Gesicht zerbricht? Joachim Bessing lässt seinen digitalen Werther davon erzählen. Viel hat sich nicht geändert, am Leiden an der Liebe. Nur können wir mittlerweile ganz anders daran teilhaben. Joachim Bessing ist ein Roman gelungen, der unsere Zeit und das alles verschlingende Thema Liebe so präzise einfängt, dass es schlichtweg nicht möglich ist, sich der Geschichte zu entziehen. Unbedingt lesen!

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Joachim Bessing (Autor)
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www.kiwi-verlag.de
304 Seiten

Buch-Tipp: Rund um Regensburg - Rother Wanderführer

12. April 2013 sgruen Keine Kommentare

Der beste Wanderführer für die Region

(Sigrid Grün)

“Rund um Regensburg” ist der vierte Wanderführer der Autorin Eva Krötz. Die passionierte Wandererin und Radfahrerin wurde zufällig Autorin. Als sie auf der Suche nach einem guten Wanderführer für den Oberpfälzer Wald war, wandte sie sich an den Rother Verlag, der für seine guten Wanderführer bekannt ist. Da das Gebiet damals noch eine weiße Fläche auf der Rother-Deutschlandkarte war, fragte der Verlag gleich nach, ob Eva Krötz nicht selbst einen Wanderführer für die Region verfassen wolle. Nachdem sie eine Beispieltour (”Steinerne Wand”) entworfen und dem Rother Verlag zugeschickt hatte, war schnell klar, dass sie den Wanderführer machen würde. Die Überarbeitung des Wanderführers “Bayerischer Wald” und der neue Band zum “Goldsteig” folgten. Nun widmet die Regensburger Autorin sich der Region rund um ihre derzeitige Heimatstadt. Auf 52 Touren führt sie uns durch die Domstadt (Tour 1) und durch das abwechslungsreiche Umland.
Dabei gelingt es ihr, die Vielfalt dieser Region pefekt einzufangen. Von den anmutigen Landschaften im Altmühl- und Labertal, über stadtnahe Wanderungen, Donaurandbruch und Gäuboden bis hin zu den urigen Landschaften des Bayerwaldes und dem Hollertauer Hopfenland ist alles dabei. Eva Krötz, die seit ihrer Kindheit wandert und ihre Leidenschaft zum Beruf machen konnte, hat für jeden Geschmack die passende Wanderung parat. Ob mit Kindern (diese Strecken sind besonders abwechslungsreich, so dass keine Langeweile aufkommt - etwa die Kolmberger Steinewanderung, bei der man zahlreichen Fantasiegestalten aus Stein begegnet - Tour 14), anspruchsvoll (z.B. mit abschüssigen Wegen), kurz (1,5 Stunden) oder lang (knapp 7 Stunden) - 52 Touren mit zahlreichen abwechslungsreichen Varianten abseits der offiziell markierten Wanderwege bieten jedem die Möglichkeit, die Region wandernd zu erkunden.
Jede Wanderung ist ausführlich beschrieben - insbesondere die Varianten abseits der markierten Pfade versprechen dabei besondere Erlebnisse. Die Ausgangspunkte sind häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Höhenunterschiede, Anforderungen, Einkehrmöglichkeiten und zusätzliche Tipps (etwa zu besonderen Sehenswürdigkeiten an der Strecke) ergänzen die Tourbeschreibung. Zahlreiche Farbfotos, Kartenausschnitte und Höhenprofile vermitteln sehr gut, was auf einen zukommt. Besonders sympathisch sind die Fotos, von denen so manches dem Betrachter ein Lächeln auf die Lippen zaubert, etwa, wenn die Autorin vergeblich versucht, den “Wackelstein” hoch über dem Regental (Tour 20) zu bewegen - das Geheimnis ist, dass man sich einfach auf den Stein stellen muss!
Die GPS-Tracks für alle Wanderungen kann man sich beim Verlag kostenlos (mit Passwort) herunterladen.

Mittlerweile arbeitet Eva Krötz schon an neuen Projekten. Derzeit bereitet sie ein Wanderbuch für den Bayerischen Wald vor, das im Rother Verlag in der Reihe “Wandern & Einkehren” erscheinen wird. Deshalb hofft sie auf viele Sonnentage im Mai, denn dann wird sie die Wanderungen entwerfen und die Fotos machen. Die Lieblingstour der Autorin ist übrigens die Kaitersberg-Arber-Hochtour, die härteste Tour hat sie im Rahmen der Goldsteig-Wanderung absolviert. 30 Kilometer an einem Tag und dazu noch das frühe Aufstehen sind wahrlich kein Spaziergang! Auf ihren Touren erlebt sie aber auch häufig Lustiges, vor allem dann, wenn ihr Wanderer mit einem ihrer Führer begegnen. Manchmal spricht sie diese Leute an, erwähnt aber nie, dass sie die Autorin des kompakten roten Büchleins ist, das ihr Gegenüber in Händen hält.
Ein Jahr lang hat Eva Krötz für den neuen Wanderführer recherchiert. Jedes Wochenende waren sie und ihr Mann gemeinsam unterwegs. Das Wetter spielt für sie keine große Rolle. Viele Strecken sind bei jeder Witterung reizvoll. Für den dieses Jahr spät anbrechenden Frühling empfiehlt die Autorin die lieblichen Landschaften des Bayerischen Jura - etwa über den Alpinen Steig zur Ruine Loch (Tour 35). An den Kalkmagerrasenhängen blühen zur Zeit die Küchenschellen. Auch die Kuppenalb (Wanderung zur Wallfahrtskirche am Habsberg - Tour 39) sei derzeit besonders zu empfehlen. Am Wochenende soll es perfektes Wanderwetter geben - Eva Krötz’ neuer Wanderführer ist der perfekte Begleiter für einen Ausflug in die Region!

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Eva Krötz (Autorin)
Rother Wanderführer. Rund um Regensburg. Bayerischer Jura - Vorderer Bayerischer Wald.
www.rother.de
223 Seiten; 187 Fotos

Film-Tipp: Doogie Howser. Staffel 1

7. April 2013 sgruen Keine Kommentare

Das Wunderkind der 90er ist endlich wieder da!

(Sigrid Grün)

Serien aus der eigenen Kindheit und Jugend boomen bei der Generation 30+. Auf manche Serien warten Fans lang und geduldig, um sich dann wie Schneekönige auf ihr Erscheinen zu freuen. Grund zur Freude gibt es nun für alle Doogie-Fans, denn die erste Staffel mit 26 Folgen ist seit diesem Jahr endlich in deutscher Sprache da!

Wir schreiben das Jahr 1989. Douglas “Doogie” Howser (Neil Patrick Harris) ist 16 und macht gerade wie jeder normale amerikanische Jugendliche seinen Führerschein. Bei der Prüfung ist er ein etwas ängstlicher Fahrer, drückt aber ordentlich auf die Tube, als er sieht, dass sich ein Verkehrsunfall ereignet hat. Sofort ist er als Ersthelfer zur Stelle und rettet dem Verletzten ein Bein, wenn nicht sogar das Leben. “Was ist das für ein Junge?”, fragt sich der Fahrprüfer und die Mutter lächelt stolz: “Das ist mein Sohn. Er ist Arzt!”
Das ist der Auftakt der Serie um das Wunderkind Doogie Howser, das innerhalb von 6 Wochen die Highschool absolviert, ein Princeton-Studium erfolgreich abschließt und mit 14 als Arzt zu praktizieren anfängt. Zwei Jahre später steigt man als Zuseher in das Leben des Wunderknaben ein. Doogie ist kein klassischer Nerd (naja, also, kein ganz klassischer…), sondern ein junger, etwas neunmalkluger Arzt, der mit den gleichen Pubertätsproblemen zu kämpfen hat wie seine Altersgenossen. Sein Alltag wird auf der einen Seite bestimmt von dem harten Job im Krankenhaus, wo er Leben rettet, aber auch Patienten verliert und auf der anderen Seite dem Hormonchaos eines ganz normalen 16-Jährigen. Freund Vinnie Delpino (Max Casella) ist besessen von seinem ersten Sex, erbricht sich aber jedes Mal, wenn’s wirklich zur Sache geht. Doogie hingegen ist kein Möchtegern-Casanova, sondern eher der treusorgende Typ von Nebenan. Seine Freundin Wanda küsst er beim Erntetanz zum ersten Mal und lässt sich dann ordentlich Zeit. Immerhin sind wir im prüden Amerika der ausklingenden 80er Jahre. Im Lauf der Zeit gibt es natürlich auch Beziehungsprobleme und allerlei andere kleine Katastrophen, die Doogie Abend für Abend seinem elektronischen Tagebuch anvertraut.

“Doogie Howser” ist Kult. Die charakteristische Titelmelodie, das coole Computer-Tagebuch und natürlich der smart-brave Doogie und sein ganzes Umfeld - hier stimmt einfach alles. In puncto Bildqualität ist zu sagen: 90er absolut authentisch! Wer will eine perfekte Bildqualität, wenn sie in den 90ern nach VHS und nicht nach DVD aussah?
Die Darsteller wissen zu überzeugen und es zeichnet sich schon ab, dass viele von ihnen große Karrieren vor sich haben. “Doogie”-Darsteller Neil Patrick Harris spielte nicht nur in “Starship Troopers”, “Harold und Kumar” und zahlreichen anderen Kinofilmen mit, sondern ist vor allem als Barney Stinson aus “How I met your Mother” bekannt geworden. Und auch der Vinnie-Darsteller Max Casella spielte u.a. in “Ed Wood”, “Reine Nervensache” und den “Sopranos”. Viele weitere interessante Informationen zur Serie und ihren Darstellern kann man dem Booklet entnehmen, das der DVD-Box beiliegt.
“Doogie Howser” ist lustig, natürlich oft auch unfreiwillig komisch und informativ. Das medizinische Know-how einer ganzen Generation speist sich vermutlich weitgehend aus dieser Serie. Ohne Doogie könnten wir wahrscheinlich nicht so sicher eine Blinddarmentzündung diagnostizieren, wie wir es eben können. Danke, Doogie!

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Steven Bocho, David E. Kelly (Drehbuch)
Doogie Howser. Staffel 1.
www.mammut-home-entertainment.com
Gesamtlänge: ca. 650 Minuten

Buch-Tipp: Der Komet

6. März 2013 sgruen Keine Kommentare

Was wäre wenn…?

(Sigrid Grün)

… der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand nach dem ersten (gescheiterten) Attentatsversuch in Sarajewo kehrt gemacht hätte und nicht der Erste Weltkrieg losgebrochen wäre? Auch nicht der Zweite Weltkrieg und der Kalte Krieg? In dieser Geschichte ist Franz Ferdinand vernünftig: “Ich bin doch ned deppat, i fohr wieder z’haus!”, entscheidet er und das Habsburgerreich, Europa und der unbedeutende Rest der Welt haben das ganze herrliche 20. Jahrhundert vor sich… Was bedeutet das? Das gute alte Europa ist ein Kontinent voller Kultur, Juden und Psychoanalytiker, Deutschland ist führende Forschernation, der Mond preußische Kolonie, Wien ist das Zentrum der Welt - der Wiener Schmäh allgegenwärtig - und Amerika ein unbedeutender Kontinent, der von Hinterwäldlern und Cowboys beherrscht wird, die gerne mal ein dubioses Getränk namens Loka Koka (oder so ähnlich) konsumieren. Anglizismen? Fehlanzeige! Ein langhaariger Finne aus Karelien erfindet ein “tragbares, von einer Batterie betriebenes Telefon” und nennt es matkapuhelin - ein ins Deutsche schier nicht übersetzbares Wort.

Und zwei Menschen träumen ein Jahrhundert, das ganz anders verläuft als es in der Realität dieser Geschichte der Fall ist. Biehlolawek und D. in Grusinien sehen Nacht für Nacht im Traum Tod und Vernichtung, Kriege und Deportierte. Sie sehen Unfassbares, das ihren Psychoanalytikern kalte Schauer über den Rücken jagt. ‘Wie kann man nur von solch grotesken Alpträumen heimgesucht werden?’, fragt man sich in Wien und in Georgien. Dabei sind die beiden Analysanden völlig unbedeutende Personen. Biehlolawek soll zwar einen geisteskranken Großvater namens Hüttler gehabt haben, der sich als Porträtpostkartenmaler verdingte, der georgische D. soll mit einem ehemals kriminellen Poeten verwandt sein. Aber wirklich aufschlussreich ist das ja nicht…

Und dann droht Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich das Unheil über diese ganze wunderbare Welt hereinzubrechen. Der Wiener Hofastronom Dudu Gottlieb wird in die preußische Kolonie auf dem Mond beordert und dort erfährt er, dass ein Komet erwartet wird. Währenddessen vergnügt sich seine Ehefrau Barbara mit dem unscheinbaren Jüngling Alexej von Repin. Als der Kaiser den Untergang der Welt proklamiert, versinken manche in der Depression und andere werden von einem seltsamen Endzeitaktionismus heimgesucht…

Hannes Stein ist mit diesem klugen und amüsanten Buch ein wunderbares Gedankenexperiment gelungen, dessen Lektüre einfach ein großer Spaß mit vielen Aha-Erlebnissen ist. Es gelingt ihm, den Charme der Donaumonarchie so fabelhaft ins anbrechende 21. Jahrhundert herüberzuretten, dass es eine wahre Freude ist, sich in die von ihm beschriebene Zeit hineinzuversetzen. Die vielen kleinen Anspielungen lassen den Leser nicht selten laut auflachen und über das grausame 20. Jahrhundert nachdenken, das so ganz anders hätte laufen können. Ein Leseerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

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Hannes Stein (Autor)
Der Komet
www.galiani.de
272 Seiten

“Deine Mutter” in der Mälze

8. Februar 2013 sgruen Keine Kommentare

Moop Mama bringen die Mälze zum Kochen

(Sigrid Grün)

Wer Nase und vor allem Ohren voll hat von Gangstas und Rumgepose, der sollte, bevor er sich enttäuscht vom deutschsprachigen HipHop abwendet, mal bei Moop Mama reinhören.

Die Münchner Kapelle um den Creme-Fresh MC Keno ist wirklich was besonderes.
Hier trifft eine richtige Jazz-Band auf fette Reime, die durchaus mal ins Politische gehen können.
Sieben Bläser treffen auf zwei Drummer und einen hauptamtlichen MC (auch gerne mit Gästen).

Das Album „Deine Mutter“ spricht auch Leute an, die sonst vielleicht keinen HipHop hören. Erstaunlich ist, dass hier nur mit echten Sounds und Instrumenten, gearbeitet wird, u.a. ist auch ein waschechtes Sousaphon dabei, was für einen ordentlichen cruisingtauglichen Wums sorgt.

HipHop direkt von der Straße, das kann man hier ruhig auch mal ein bisschen wörtlicher verstehen als sonst, Moop Mama sind eine Marching Band mit HipHop-Vocals. Marching Bands sind ursprünglich Bläserbands, die gerne in Massen auf öffentlichen Plätzen aufmarschieren, gerne auch mal mit politischer Attitüde, was ja in Bayern auch als Charivari eine gewisse Tradition hat.

Eine andere Eigenbezeichnung ist auch Urban Brass und ich denke das trifft den Sound ganz gut. Moop Mama sind immer für unangekündigte Überraschungskonzerte gut, die fast im Sinne eines Flashmobs plötzlich in der Fußgängerzone auftauchen und richtig einheizen.

Entsprechend ist auch das spontane und die Überraschung auf dem Album Programm, der HipHop-Kenner wird immer wieder ironische Seitenhiebe und unerwartete Zitate finden. Busta Rhymes „Fire it Up“-Sound angespielt durch Sousaphon bei König der Stadt oder auch „Paranoia“, das ein Urgestein des deutschen HipHops zumindest in Andeutung in die heutige Zeit hebt: Paranoia von Die Allianz, anno 1993. Wohlgemerkt, nicht geklaut, aber stellenweise äußerst geschickt zitiert.

Keno und Fatoni die beiden MC´s kommen spürbar aus der Freestyle-Battle-Szene – es ist oft unglaublich wie schnell und wendig ihnen die Worte über die Lippen kommen. Kein Wunder, sie gewannen zwischen 2002 und 2005 fast sämtlicher Münchner Battle-Contests.

Für Komplettisten hier nochmal schnell die Auflistung der Instrumente, die auf dem Album verwendet werden: mit dabei Trompete, Altsaxophon, Tenorsaxophon, zwei Posaunen, das bereits erwähnte Sousaphone und Drums.

Meine Anspieltipps sind übrigens „Orientierungssinn“, eine Jazzfusion mit tollen Drums und nachdenklichem Text, ein wirklich total relaxter Song; das bereits erwähnte Paranoia mit seinem eher politischen Anspruch, gleichzeitig ein partytauglicher Abgehsong und Helden, der letzte Song aus dem ich hier ein sehr passendes Zitat bringen will: „Doch diese Band hier macht sich auf den Weg. Hier kommt das erste wirklich neue Ding seit einigen Jahren. Wie ein schwarzer Präsident in den Vereinigten Staaten. Hast Du Angst, Du brauchst keine zu haben. Denn wir sind nur gekommen um Dir Einen zu blasen und zwar so…“ und dann folgt ein fantastisches Trompetensolo…traumhaft, das nenne ich nicht nur Humor sondern auch Sinn für Musik. Moop Mama haben´s einfach drauf.

Das Konzert war ausverkauft, die Mälze voll und die Stimmung gigantisch - Moop Mama aus München bewiesen eindrucksvoll, dass deutscher HipHop einfach großartig sein kann!

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Moop Mama
Deine Mutter
www.millaphon.com
45 Minuten

Moop Mama spielen am Mittwoch in der Mälze

3. Februar 2013 sgruen Keine Kommentare

Urban Brass vom Feinsten

(Sigrid Grün)

HipHop + Blasmusik = Urban Brass! Moop Mama aus München, das sind sieben Bläser, 2 Drummer und Rapper Keno von Creme Fresh - und das ist vor allem ein Konzerterlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Kritische und politische Texte auf der einen Seite und ein richtig grooviger Sound auf der anderen Seite - so kann man die Musik von Moop Mama charakterisieren. Seit 2011 gibt es “Deine Mutter”, das erste komplette Album.
Am Mittwoch, den 6. Februar spielen die Jungs ab 20.30 Uhr in der Alten Mälze in Regensburg (Einlass ab 19.30 Uhr).

Weitere Infos und Karten gibt es hier:
www.alex-bolland.de

“Deine Mutter” ist bei Millaphon erschienen:
www.millaphon.com

Und ein richtig schönes Lied zur Einstimmung auf das Konzert und auf den Frühling gibt’s hier:
www.youtube.com

Buchtipp: Und wer küsst mich? Absolute Beginners - Wenn die Liebe auf sich warten lässt

20. Dezember 2012 sgruen Keine Kommentare

Absolute Beginner berichten

(Sigrid Grün)

Früher gab es die “alte Jungfer” und den “Hagestolz”, was keine Seltenheit, aber auch abwertend war. Heute sind Menschen ohne sexuelle und/oder Beziehungserfahrung im 21. Jahrhundert angekommen. Einige von ihnen sind im Netz im Forum “Absolute Beginner” aktiv und Maja Roedenbeck macht mit ihrem jüngsten Buch auf das Phänomen aufmerksam. Wir leben in einer Gesellschaft, die oversexed (und underfucked, wie es so schön heißt) ist. Schon Jugendliche leiden, wenn sie mit 13 noch nicht so weit sind wie Gleichaltrige. Was aber ist mit Menschen, die z.B. jenseits der 30 noch nie Sex hatten oder keine einzige Beziehung?
Zunächst einmal kann man festhalten: Solche Menschen sind keine Seltenheit und sie sind keineswegs Freaks. Von vielen weiß man es überhaupt nicht.
Sehr schön ist in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Buch: “Einer, der Klavier spielen kann, fragt einen, der das nicht kann: ‘Warum kannst du das denn nicht? Das kann doch nicht so schwer sein! Da muss man doch nur ein paar Tasten drücken!’ Klingt absurd, oder? Jeder weiß, dass zum Klavierspielen mehr dazu gehört als bloß Töne erzeugen durch unbeholfenes Tastendrücken. Und ganz sicher weiß das der Klavierspieler selbst. So eine Frage würde er nicht stellen. Warum fragt dann einer, der Kontakt aufnehmen, flirten, Partner finden kann, einen Absolute Beginner, der das nicht kann: ‘Warum kannst du das denn nicht? Das kann doch nicht so schwer sein! Da muss man doch nur ausgehen und jemanden ansprechen?’ Die Antwort ist dieselbe wie beim Klavierspielen. Weil zum Partnerfinden mehr dazu gehört als diese methodischen Schritte. Weil man dazu mehr können muss als eine Anleitung befolgen.” (Verena, 26)
Wie ist das Buch gegliedert? Zunächst beschreibt die Autorin, worum es geht und welche Gründe es haben kann, dass viele Leute keinen Partner finden. Interessant ist hier, dass es in puncto Gender große Unterschiede gibt. Es gibt mehr männliche ABs - aber eben meist aus anderen Gründen als bei weiblichen ABs. Erläutert werden Gründe wie Bindungsangst, Schüchternheit, Perfektionismus, aber auch gesellschaftliche Aspekte.
Schließlich geht es um die Geschichten von einigen ABs und ABinen. Es melden sich Menschen zwischen Anfang 20 und Ende 40 zu Wort, die erzählen, wie es bei ihnen dazu gekommen ist, dass sie (noch) ABs sind. Bemerkenswert ist, dass auch schon recht junge Menschen sehr unter ihrer Unerfahrenheit leiden. Aber man muss einfach sehen, unter welchem Druck - vor allem Männer - mit Anfang 20 schon stehen. Erzählt werden die unterschiedlichsten Geschichten. Da geht es um eine Frau, die sich lange Zeit keine Gedanken über potenzielle Partner machen konnte, weil sie ihre eigene Geschichte zunächst verarbeiten musste. Es geht um einen Mann, der ursprünglich Priester werden wollte und deshalb den Anschluss verpasst hat oder um einen AB, der sich dazu entschlossen hat, zumindest sexuelle Erfahrungen mit Prostituierten nachzuholen. Die Geschichten zeigen sehr gut, wie unterschiedlich die Gründe geartet sind, die dazu führen können, dass man ein AB bleibt. Und manche Geschichten haben ein “happy end”.
Zum Schluss gibt es auch noch Tipps für ABs - von ABs und von Experten (etwa Psychologen).
Das Buch ist auf alle Fälle eine sehr interessante und einfühlsame Einführung in das Thema. Die Autorin bricht eine Lanze für Menschen, die (noch) ABs sind - das ist eine wichtige Botschaft, denn es ist einfach nicht in Ordnung Menschen wegen ihrer Unerfahrenheit zu stigmatisieren, was in unserer Gesellschaft immer noch sehr häufig der Fall ist. Hier kann man an das Zitat anknüpfend einfach nochmal sagen: “Können Sie Klavier spielen? Waaaas? Sie können es nicht??? Warum nicht? Das ist ja unglaublich!!”

9783861536888

Maja Roedenbeck (Autorin)
Und wer küsst mich? Absolute Beginners - Wenn die Liebe auf sich warten lässt
www.christoph-links-verlag.de
200 Seiten