Lola Randl: Die Besucherin Premiere im Ostentorkino Regensburg am 14.05.2009 in Anwesenheit der Regisseurin
Das Ostentor sei das erste Kino, welches Lola Randl je besucht habe, gestand die junge Regisseurin, als sie dort am Donnerstag ihren ersten Langfilm Die Besucherin vorstellte.

Lola Randl im Ostentorkino
Und dann beginnt der Film und mit der ersten Einstellung befindet man sich im seinem Sog. Man ist gefangen und fasziniert von der Atmosphäre und von dieser Frau: Agnes ist erfolgreiche Neurowissenschaftlerin, hat einen tollen Mann, eine hübsche Tochter, ein Wahnsinns-Haus. Nur ein eigenes Leben irgendwie nicht, bzw. ihr Leben scheint ohne sie statt zu finden, als sei sie nur Beobachterin davon. Und doch versteht man… Nicht jedem ist die Exaltiertheit und Kontaktfreudigkeit ihrer Schwester gegeben. Sie ist eben anders, kann ihre Gefühle nicht so einfach ausdrücken. Sie wirkt unbeholfen im Umgang mit ihrer Tochter und selbst mit ihrem Mann. Eine erfolgreiche Kommunikation findet zwischen ihnen eigentlich nur dann statt, wenn sie gemeinsam über den Fortgang des Krimis, an dem er grade schreibt, nachdenken. Zuerst verweigert sie auch das: „So etwas darfst du mich nicht fragen.“ Doch im Laufe des Filmes wird dies zum Indikator für ihre Befindlichkeit und zum Begegnungspunkt beider Ehepartner. Schön, wie Lola Randl solche kleinen Motive konsequent im gesamten Film verwendet und entwickelt. Auch bemerkenswert wie genau sie ihre Figuren und deren Beziehung zueinander zeichnet. Sie verliert auch nicht die kleinste Nebenfigur aus dem Auge (wie zum Beispiel die Arzthelferin von Agnes.).
Auch bei der Besetzung, beweist Lola Randl ein äußerst glückliches Händchen. Absolut überzeugend als Agnes ist Sylvana Krappatsch, hier in ihrem Kinodebüt. Seit 2005 ist sie Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Zuvor war sie u.A. am Schauspielhaus Zürich. Samuel Finzi ist gebürtiger Bulgare, jüdischer Abstammung. Er spielt derzeit am Deutschen Theater, zuvor war er u.A. an der Volksbühne Berlin. Als Agnes´ Ehemann, ist er wohl der Sympathieträger des Filmes. Der deutlich ältere Luxemburger André Jung, arbeitet an verschiedenen großen Häusern mit renommierten Regisseuren und ist auch in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen gewesen. Er überzeugt als vom Schicksal schwer getroffener Mann, der sich in Verzweiflung und Verdrängung an Agnes klammert.
Von den alltäglichen Schwierigkeiten des Filmemachens
„Wie man in so jungen Alter einen solchen Erfahrungsschatz besitzen kann“, staunt eine Zuschauerin beim anschließenden Filmgespräch. Tatsächlich ist wohl, um einen solchen Film zu machen, nicht Alter sondern die Fähigkeit des genauen Beobachtens nötig, eine Gabe, die die Regisseurin zweifelsohne besitzt.
Lola Randl schreibt all ihre Drehbücher selbst. Ca. eine Millionen Euro habe die Besucherin letztlich gekostet. Das sei im Filmgeschäft noch immer Low Buget. Die Schauspieler spielen alle für die Hälfte der üblichen Gagen.
Aber auch wenn die Finanzierung gesichert sei, die Schauspieler gefunden und gewonnen wurden, die Crew stehe, wenn alle Drehorte gefunden seien, (da suchte man schon mal drei Monate bis man z.B. das Haus in dem Agnes mit Walter und ihrer Tocher wohnt, finde), gebe es natürlich noch jede Menge Probleme. Auch am Set funktioniere nicht immer alles reibungslos, da brauche es wenn die Nerven blank liegen, weil alle überarbeite sind, auch mal eine „Schnapsklappe“ um die Stimmung zu schwenken und den Zusammenhalt wieder herzustellen.
Vom Drehbuch, über die Finanzierung bis zum letzten Nachdreh und vollständigen Schnitt dauere die Produktion eine Filmes ca. 4 Jahre, erklärt sie. Da müsse man parallel an mehreren Projekten arbeiten. Derzeit schreibe sie an zwei Drehbüchern in verschiedenen Stadien. Zum fortgeschritteneren, verrät sie, begännen, so alles gut gehe, im nächsten Jahr die Dreharbeiten. „ Die Erfindung der Liebe“ ist der Arbeitstitel. Und es ist die Geschichte, die Walter in „Die Besucherin“ gerade schreibt.
Lola Randl und Regensburg
Lola Randl, 1980 in München geboren, kam mit vier Jahren nach Regensburg. 2001 bis 2006 studierte sie in Köln an der Kunsthochschule für Medien. 2007 war sie wieder für ein Jahr in München, als Absolventin der dortigen Drehbuchwerkstatt. Dann kam Berlin, nun lebt sie in der Uckermark nicht weit von Berlin, auch ihre Mutter lebt mittlerweile dort. Dennoch bezeichnet sie sich als Regensburgerin. Zwar sei das schwer, wenn man wie sie an so vielen Orten gelebt habe, aber in Regensburg sei sie die meiste Zeit ihrer Kindheit und Jugend gewesen. Also ja, Regensburg sei ihre Heimat.
Strenggenommen war es ja gar keine Regensburg-Premiere. Nachdem „Die Besucherin“ im Februar 2008 auf der Berlinale in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ seine Premiere feierte, durchlief er sämtliche renommierte Festivals (u.A. in Karlovy Vary). Im November kam er dann nach Regensburg. Hier lief er im Rahmen der Regensburger Kurzfilmwoche. Ein Novum und Einzelfall: ein Langfilm auf der Kurzfilmwoche. Das lag daran, dass Lola Randl nicht nur Regensburgerin ist, sondern auch mit der Regensburger Kurzfilmwoche eng verbunden ist. Ihr Kurzfilm „Blühende Sahara“, lief dort 2002 im Regionalfenster. Vier Weitere, liefen im Deutschen Wettbewerb 2004, 2006, 2007 und 2008. Jedes Mal mit einschlagendem Erfolg: zwei Mal erhielt sie den Hauptpreis und zwei weitere Male eine lobende Erwähnung. 2005 war sie Mitglied der Jury für den Deutschen Wettbewerb. Ja, die Regensburger Kurzfilmwoche habe ihr immer Glück gebracht. Schade, dass es die nun nicht mehr gebe.
Nun also die Premiere zum offiziellen Kinostart. Neun Kopien gibt es von ihrem Film. Neben Regensburg, ist der Film in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Freiburg, Köln und München zu sehen. Eineinhalb Jahre nach der Premiere und während sie bereits wieder an zwei neuen Filmen arbeitet, muss sie sich zurückholen. Zum ersten Mal kein Fachpublikum. Und die Leute waren begeistert, stellten rege Fragen. Einfache Fragen, zumeist zum Inhalt, aber sie waren interessiert und sie waren stolz. Auf diese junge Frau aus Regensburg, die so genau beobachten kann und einen solch beeindruckenden Film gemacht hat.
Die Besucherin,
Regie: Lola Randl,
Deutschland 2008, 104 min,
Darsteller: Sylvana Krappatsch, Samuel Finzi, Jule Böwe, André Jung