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Archiv für Mai, 2009

Zündfunk - Stadtwerke im Graz, Sa. 30. Mai 2009

29. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Der zweite Veranstaltungstipp:

Der blaue Bus ist wieder einmal in Regensburg: am 30 Mai 2009 überträgt der Ü-Wagen ab 19.00 Uhr die Zündfunk-Sendung Stadtwerke live aus dem Graz.
Anschließend legen Roderich Fabian und Achim Bogdahn ab 23.00 Uhr im Scala auf. Nachdem es im diesen Jahr keine Kurzfilmwoche gibt, also auch keine Zündfunkparty, kann man hier das Tanzbein schwingen!

Auf ins Grüne!

29. Mai 2009 sgruen 1 Kommentar

(Sigrid Grün)

Wunderschönes Wetter in Ostbayern und das Wochenende steht vor der Tür!

Unser Veranstaltungstipp für’s Wochenende: GRILLEN! Und wem die ewigen Bratwürschteln schon zum Hals raushängen, sollte mal hier hineinschnuppern: Veggie Grillen - mehr als Gemüse von Susanne Bodensteiner. Schnell noch einen grünen Spargel (der ist vitaminreicher als der weiße!) vom Abensberger Stand geholt und schon kann man sich den Grünen Spargel mit Ziegenkäse-Kresse-Dip zaubern. Wer’s lieber klassisch mag, kann die Tomaten mit Schafskäse-Füllung oder die Kartoffelspalten mit Mojo und Mayo probieren! Und selbst Schleckermäuler kommen voll auf ihre Kosten - mit Früchtepäckchen mit Kokos-Macarpone-Sauce oder Pfirsich mit Himbeersauce. Von zwei Dritteln des Redaktionsteams getestet und für gut befunden. Pflichtlektüre für diesen Sommer!

Susanne Bodensteiner (Autor):
Veggie Grillen. Mehr als Gemüse
Gräfe und Unzer Verlag
48 Seiten für 4,90 Euro

Veggie Grillen - Mehr als Gemüse

Veggie Grillen - Mehr als Gemüse

The Exploding Boy beim Lost Club im Gloria, Fr. 29. Mai 2009

28. Mai 2009 lweser 1 Kommentar

Unser erster Veranstaltungstipp:
Gloria 23.oo Uhr: LOSTCLUB - Die New Wave Kultnacht aus dem Babalu in München mit The Exploding Boy Live aus Stockholm (like Interpol / Editors),  anschließend Marc Zimmermann (München) und die ehemaligen Drunter und Drüber DJs Ayli und Bally

www.myspace.com/lostclub
www.myspace.com/theexplodingboyse

Nettes Ratespiel für Regensburger

28. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Ludwig Bemelmans: Die blaue Donau, Hörspiel, Lohrbär-Verlag

Die Handlung spielt in Regensburg, Ende des 2. Weltkrieges.
Auf einer kleinen Insel in der Donau leben vier Menschen, die dort Rettich anbauen und ein frommes, genügsames Leben, abseits der politischen Geschehnisse, führen.
- Bis Gauleiter Stolz („das Tier mit der menschlichen Stimme„) beschließt, dass dies der Idylle zu viel sei. Durch Intrigen und Tranksahle versucht er dem ein Ende zu bereiten und es gelingt ihm auch - bedingt. Denn auch er muss dabei einige Federn lassen, bis zum Showdown, dem Fliegerangriff der Alliierten.

Das Hörbuch ist ein Who-is-Who der Regensburger Kulturszene (Sogar der Übersetzer hat eine kleine Rolle). Doch was bei kleineren Rollen kaum stört und für den Eingeweihten halbwegs charmante und unterhaltsam sein mag, ist für den, der all die „bunten Hunde“ nicht kennt, doch eher lästig. Zu viele Laien, die versuchen einer Sprecherrolle gerecht zu werden und daran scheitern. Nun, Laienschauspieler bzw. -sprecher müssen aber noch kein Grund für Misserfolg sein (siehe Fassbinder).

Und tatsächlich kann man der kleinen Produktion durchaus etwas abgewinnen.
Zum einem sind nicht alle Sprecher gleich untalentiert. Schließlich gibt es den Erzähler Peter Heeg (Schauspieler!), der doch einiges heraus reißt. Stellvertretend unter den Laien, könnte man Eva Demski (wenngleich vielleicht nicht in der passenden Rolle besetzt) als positive Ausnahme hervorheben und auch Eginhard König hat durchaus einige annehmbare Passagen. Außerdem steht außer Frage, dass das Hörspiel prinzipiell im Dialekt angesiedelt sein sollte. Das verleiht Charme und Authentizität.

Nicht zuletzt profitiert das Hörspiel natürlich von der guten Vorlage, die von Ironie und Satire durchzogen ist und eine treffliche Groteske auf den damaligen Zeitgeist bildet (Bemerkenswert, denn Bemelmans lebte bereits seit 1914 in den USA). Ebenso leistet die Musik der Negerländer einen großen Beitrag zum Gelingen des Hörbuchs. Sie bildet gleichzeitig ethnologische und emotionale Atmosphäre und ist damit tragender Pfosten des Spannungsbogens.

Eine 6-seitige Beilage mit einer Art Vorwort (zum Buch, allerdings und nicht zum Hörspiel), des Übersetzers Florian Sendtner dient als kleine Erhellung der Entstehung der Erzählung. Details über Bemelmans Biographie, seine Verhältnis zu Regensburg, das tatsächliche Regensburg während der Naziherrschaft und die Tatsache dass die Erzählung erst gut 60 Jahre nach ihrer Erscheinung ins Deutsche übersetzt wurde, sind interessante Zusatzinformationen.

Fazit: für Regensburger ein nettes Ratespiel. Auch dem zu empfehlen, der lieber hört als liest, denn das Stück besitzt Qualitäten, die es lohnen sich damit auseinander zusetzen (ob als Buch oder Hörspiel mag jeder selbst entscheiden).

 

Ludwig Bemelmans: Die Blaue Donau

Ludwig Bemelmans: Die Blaue Donau

Ludwig Bemelmans: Die blaue Donau
LohrBär-Verlag
3 Audio CDs für 19,90 Euro

überall im Buchhandel  und direkt beim LohrBär-Verlag
www.lohrbaerverlag.de

Schnellschuss nach Hinten

28. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Erik Grun: Die Mitgift, Premiere im Museumshof, Regensburg, den 15.05.2009

Petrus zumindest ist mit ihm. Erik Gruns Filmvorführungen im idyllischen Innenhof des Museumscafés sind weder von Wölkchen noch Temperatureinbrüchen getrübt. So also auch diesmal, bei der Premiere seines neusten Filmes Die Mitgift. Mit ihm ist scheinbar auch eine große Fangemeinde, denn obwohl Erik Gruns neuer Film nur kurzfristig und bescheiden angekündigt wurde, war die Premiere gut besucht.

Bemerkenswert ist auch Gruns filmischer Output. Auf ungefähr 14 Langfilme hat er es bisher gebracht (ein paar mehr oder weniger, wer zählt das schon so genau). Um auf eine solche Anzahl zu kommen, muss man schnell arbeiten. Fünfeinhalb Tage habe er für Mitgift gedreht und sechs Stunden vierzig Minuten geschnitten. Beachtlich, beachtlich. Doch wenn man den Film sieht, wünscht man sich der Regisseur hätte sich ein bisschen mehr Zeit gelassen.

Xaver (Wolfgang Berger), ein ekelhafter Aufschneider mit kriminellem Charakter, ist Betreuer psychisch kranker Patienten. Dabei scheut er sich nicht seine Schutzbefohlenen zu übervorteilen, wenn es sich anbietet. Um an den vermeintlichen Münzschatz seines neuen Klienten Heinz (Heinz Müller), ein Eisenbahnnarr von naiver Gutgläubigkeit, zu gelangen, zieht er alle Register. Heinz hat ein altes Haus in einer bayrischen Ortschaft geerbt und sich in Anna, die Küchenhilfe des örtlichen Wirtshauses verliebt. Ganz logisch ist die Handlung ab hier dann nicht mehr.

Doch die Zuschauerzahlen geben Erik Grun wohl Recht. Sein Publikum hat er sicher. Er brach mit den Raith-Schwestern sogar den Zuschauerrekord des Garbos. Seit Almrausch (2007) hat Grun sein Genre gefunden: Niederbairisches Volkstheater als Film.  Auch dieser Film wird wieder sein Publikum haben.

Schade, dass Erik Grun in seinen Langfilmen nicht ebenso experimentierfreudig und sorgfältig ist, wie in dem sechsminütigen Vorfilm “Fleischeslust”. Ein Vegetarier (Hans Schröck), ein Fleischesser (Peter Kollross), ein Juror. Ein Wettkampf zwischen zwei Lebenseinstellungen. Je reduzierter die Form, um so stärker scheint Grun. Dabei war der Film nur der Test einer neuen Kamera. Der Test ist geglückt. Fleischeslust wirkt nicht mehr wie ein Amateurvideo, sondern wie Film, wie richtiger echter Film, wie Zelluloid! Die schauspielerischen Leistungen (der Film ist ohne Dialoge) der beiden Hauptdarsteller sind sehr überzeugend, die Kamera (Hubert Lankes) ist perfekt gesetzt. Die Musik (Patrik Ehrlich) schafft eine surreale, bedrohliche Atmosphäre.

 

Erik Grun mit Technik und Publikum

Erik Grun mit Technik und Publikum

 

Erik Grun - Von der Sozialkritik zum niederbairischen Volkstheater
Erik Grun fabuliert gern, dass merkt man nicht nur an der Anzahl seiner Filme, sondern auch im Gespräch. Dass er dabei die Grenze zwischen Realität und Fiktion nicht all zu genau zieht, ist sicher hilfreich für sein künstlerisches Schaffen. In diesem Kontext sind auch alle nachstehenden Informationen zu lesen.

Erik Grun ist Jahrgang 1966 und aufgewachsen in Nordhausen (Thüringen). In seiner Jugend sei er Torwart der DDR-Fußball-Jugendnationalmannschaft gewesen. (Das erfährt man beim traditionellen Regensburger Kurzfilmwochen-Fußballmatch, wo er wirklich beeindruckend hält). Er bezeichnet sich selbst als gescheiterten Schauspieler, einer Stimmbandlähmung wegen. Wenn er in seinen Filmen jedoch eine Rollen übernimt, ist das meist eine Bereicherung, was seine Aussage Lüge straft. 1994 sei er durch einen Zufall nach Bayern gekommen. Im Übergangslager Hannover habe er angegeben ihm sei egal wohin er käme, nur nicht nach Bayern. Dann sei er eingeschlafen, als er auf den Bus nach Baden-Württemberg gewartet habe. Währenddessen seien dann die Richtungsschilder ausgetauscht worden und so sei er doch in Bayern gelandet. In Eggenfelden um genauer zu sein. Dort habe er dann eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert. Als Krankenpfleger arbeitet er noch immer. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Denn obwohl er mittlerweile keine Verluste mehr mit seinen Filmen macht, wird jeder Gewinn gleich wieder in den nächsten Film investiert. Dabei arbeite er immer mit kleinstmöglichem Team, eigentlich noch immer no- statt low-budget. Der aufwendigste Film sei bisher D´Raith-Schwestern und da Blaimer (2008) gewesen. Da habe er mit 120 Statisten in fünf Wirtshäusern gedreht. Doch auch diese Dreharbeiten haben nur neun Tage gedauert.

Mehrere seiner Filmen spielen im Krankenhausmilieu (oder artverwandten). Erik Grun bestätigt, dass das reale Leben ihm zumindest die Impulse für seine Stoffe gebe. “Seine Krankenschwestern” seien auch weiterhin wichtig für sein Schaffen, denn sie seien der Indikator dafür ob seine Filme funktionieren oder nicht. Seit er keine sozialkritischen Inhalte mehr habe, sondern Komödien mache, sehen sie sich die Filme auch gern an. Und diesen Entschluss habe er letztlich treffen müssen. Er musste sich die Frage stellen, ob er Filme machen wolle, die vielleicht einmal im Jahr auf einen Kurzfilmfestival laufen und die Niemanden interessieren, oder eben Filme, die die Leute verstehen und gern sehen. Den Erfolg, den er jetzt habe, sei nur den Umschwung zur Komödie geschuldet. Das bayrische Sujet tue sein Übriges dazu. Seit Marcus H. Rosenmüllers Wer früher stirbt ist länger tot scheint das Bayrische im Film ein Erfolgsgarant zu sein. Genau das, was er mache funktioniere. Er bezieht sich auf Filme wie Grenzverkehr oder Kleinohrhasen. Und damit ist vielleicht alles gesagt.

Nein, etwas gibt es natürlich noch: Der Blick in die Zukunft. Schließlich wäre Erik Grun nicht Erik Grun, wenn er nicht bereits an den nächsten Filmen arbeiteten würde. Seine neuen Projekte sind Bierathon 09 für Juni und Bayernwaldblues für Juli. Der nächste erst wieder im September.

Übrigens: Im Juni wird Die Mitgift im Garbo zu sehen sein

 

“Was das soll - müsst ihr selbst entscheiden”

28. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Perrecy / Sublime im Gloria, Regensburg, 15.05.2009

Endlich! Nach einer Unmenge AC/DC-Cover-Bands und Elvis-Imitatoren gibt es nun endlich auch eine Morrissey / The Smiths-Cover-Band: PERRECY!!!

Zu sehen waren die vier Ingolstädter, bei der Indie-Veranstaltungsreihe Sublime, am vergangen Freitag im Gloria.

Das Gloria, ehemaliges Kino aus den 50er Jahren, jüngstes unter Denkmalschutz stehendes Gebäude und schönster Club Regensburgs, bietet schon den würdigen Rahmen für einen “Morrissey” Auftritt. Die Wände des runden Raums sind noch immer mit dem roten Stoff des Kinos ausgekleidet, und der ehemalige Kino-Balkon bildet den wohl schönsten Backstage-Bereich der Welt. Die Sublime-Parties finden, seit ihrem Weggang aus dem Leeren Beutel, und einer Gastveranstaltung im Polar, jeden dritten Freitag im Monat mit wechselnden DJs im Gloria statt. Zu Gast waren bei ihnen unter anderem Polarkreis 18 (damals noch im Leeren Beutel).

Perrecys Sinn für Dramaturgie zeigt sich bereits in der Auswahl des ersten Songs: mit “Panik“, hat Perrecy sogleich das Publikum auf seiner Seite. Dabei wirkt nur wenig befremdlich, dass die Texte auf Deutsch gesungen werden. Das liegt zum einen daran, dass man die Texte kaum versteht, aber ohnehin kennt und zum anderen an der versierten Begleitband (Ukulele, Bass und Schlagzeug). Wenn man nachliest oder die Songs auf Myspace anhört, erfährt, bzw. hört man, dass die Texte wortwörtlich übersetzt sind, woraus sich ein gewisser Unterhaltungsfaktor mit ironischen Unterton ableiten lässt. Dem Unbedarften verschlossen sich diese Textfeinheiten beim Live-Konzert leider.

Perrecy (Ukulele und Gesang), alias XXXXXXXXXXXX, seines Zeichens XXXXXXXXXXXX (unter Anderen am Ingostädter Theater) und gebürtiger Hamburger, wie er bei der Ankündigung von “Preußisch Blut, bayrisch Herz“ verriet, hat bereits vorher ins Deutsche übersetzte Reggae-Lieder mit Ukulele performt. Perrecy hat Morrissey genau studiert und geht ganz in seiner Rolle auf. Er sagt gern ICH, (auch Morrissey ist als Egomane und Selbstdarsteller bekannt) die Band ist für ihn nur Staffage. Schade, denn die Band ist super. Man merkt sofort: hier sind Profis am Werk und das obwohl sie in dieser Besetzung zum ersten Mal auftraten. Basti Hantzsche (Co Marr) an der E-Ukulele gehört zur alten Besetzung. Bassist Daniel Kizilirmak (Andy Rourke’n Ucker) und Schlagzeuger Martin Funk (Pro Joyce), beide Mitglieder verschiedener Ingolstädter Bands, sind erst zehn Tage vor dem Konzert in die Band eingestiegen. Sie ersetzen die Sluter Gert Rosenacker (Dandy Rourke) und Rene Arbeithuber (No Joyce). Die Zusammenarbeit kam zustande als Slut am Ingolstädter Theater die Dreigroschenoper interpretierte. Rene und Percy hatten vor circa zwei Jahren während eines Morrissey-Konzertes die Idee zu dem Projekt. Durch die Veröffentlichung auf Myspace erlangten sie schnell beachtliche Berühmtheit. Trotz der bisher nur geringen Anzahl an Konzerten, waren sie im Dezember 2008 Vorband von Tomte. Der Rolling Stone, die Süddeutsche und der Zündfunk sind nur einige der renommierten Medien, die über sie berichteten. Seit Neusten gehen bereits Anfragen zu Auftritten in England ein. Morrissey zieht einfach.

Aber sein wir mal ehrlich: ganz neu ist die Idee doch nicht. 1991 haben The Ukrainians bereit eine Platte herausgebracht Pisni iz The Smiths. The Smiths Songs auf Ukrainisch. Ihr Begleitinstrument ist eine ukrainische Mandoline!

“Ich bin Perrecy [...] als ich die Idee hatte [...] Und was das soll - müsst ihr schon selbst entscheiden.”

Perrercy live im Gloria

Perrercy live im Gloria

www.myspace.com/perrecy07
www.sublime-music.de oder www.myspace.com/sublimemusicde
www.gloria-regensburg.de

Besuch der Heimat

27. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Lola Randl: Die Besucherin Premiere im Ostentorkino Regensburg am 14.05.2009 in Anwesenheit der Regisseurin

Das Ostentor sei das erste Kino, welches Lola Randl je besucht habe, gestand die junge Regisseurin, als sie dort am Donnerstag ihren ersten Langfilm Die Besucherin vorstellte.

Lola Randl im Ostentorkino

Lola Randl im Ostentorkino

Und dann beginnt der Film und mit der ersten Einstellung befindet man sich im seinem Sog. Man ist gefangen und fasziniert von der Atmosphäre und von dieser Frau: Agnes ist erfolgreiche Neurowissenschaftlerin, hat einen tollen Mann, eine hübsche Tochter, ein Wahnsinns-Haus. Nur ein eigenes Leben irgendwie nicht, bzw. ihr Leben scheint ohne sie statt zu finden, als sei sie nur Beobachterin davon. Und doch versteht man… Nicht jedem ist die Exaltiertheit und Kontaktfreudigkeit ihrer Schwester gegeben. Sie ist eben anders, kann ihre Gefühle nicht so einfach ausdrücken. Sie wirkt unbeholfen im Umgang mit ihrer Tochter und selbst mit ihrem Mann. Eine erfolgreiche Kommunikation findet zwischen ihnen eigentlich nur dann statt, wenn sie gemeinsam über den Fortgang des Krimis, an dem er grade schreibt, nachdenken. Zuerst verweigert sie auch das: „So etwas darfst du mich nicht fragen.“ Doch im Laufe des Filmes wird dies zum Indikator für ihre Befindlichkeit und zum Begegnungspunkt beider Ehepartner. Schön, wie Lola Randl solche kleinen Motive konsequent im gesamten Film verwendet und entwickelt. Auch bemerkenswert wie genau sie ihre Figuren und deren Beziehung zueinander zeichnet. Sie verliert auch nicht die kleinste Nebenfigur aus dem Auge (wie zum Beispiel die Arzthelferin von Agnes.).

Auch bei der Besetzung, beweist Lola Randl ein äußerst glückliches Händchen. Absolut überzeugend als Agnes ist Sylvana Krappatsch, hier in ihrem Kinodebüt. Seit 2005 ist sie Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Zuvor war sie u.A. am Schauspielhaus Zürich. Samuel Finzi ist gebürtiger Bulgare, jüdischer Abstammung. Er spielt derzeit am Deutschen Theater, zuvor war er u.A. an der Volksbühne Berlin. Als Agnes´ Ehemann, ist er wohl der Sympathieträger des Filmes. Der deutlich ältere Luxemburger André Jung, arbeitet an verschiedenen großen Häusern mit renommierten Regisseuren und ist auch in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen gewesen. Er überzeugt als vom Schicksal schwer getroffener Mann, der sich in Verzweiflung und Verdrängung an Agnes klammert.

Von den alltäglichen Schwierigkeiten des Filmemachens
„Wie man in so jungen Alter einen solchen Erfahrungsschatz besitzen kann“, staunt eine Zuschauerin beim anschließenden Filmgespräch. Tatsächlich ist wohl, um einen solchen Film zu machen, nicht Alter sondern die Fähigkeit des genauen Beobachtens nötig, eine Gabe, die die Regisseurin zweifelsohne besitzt.

Lola Randl schreibt all ihre Drehbücher selbst. Ca. eine Millionen Euro habe die Besucherin letztlich gekostet. Das sei im Filmgeschäft noch immer Low Buget. Die Schauspieler spielen alle für die Hälfte der üblichen Gagen.

Aber auch wenn die Finanzierung gesichert sei, die Schauspieler gefunden und gewonnen wurden, die Crew stehe, wenn alle Drehorte gefunden seien, (da suchte man schon mal drei Monate bis man z.B. das Haus in dem Agnes mit Walter und ihrer Tocher wohnt, finde), gebe es natürlich noch jede Menge Probleme. Auch am Set funktioniere nicht immer alles reibungslos, da brauche es wenn die Nerven blank liegen, weil alle überarbeite sind, auch mal eine „Schnapsklappe“ um die Stimmung zu schwenken und den Zusammenhalt wieder herzustellen.

Vom Drehbuch, über die Finanzierung bis zum letzten Nachdreh und vollständigen Schnitt dauere die Produktion eine Filmes ca. 4 Jahre, erklärt sie. Da müsse man parallel an mehreren Projekten arbeiten. Derzeit schreibe sie an zwei Drehbüchern in verschiedenen Stadien. Zum fortgeschritteneren, verrät sie, begännen, so alles gut gehe, im nächsten Jahr die Dreharbeiten. „ Die Erfindung der Liebe“ ist der Arbeitstitel. Und es ist die Geschichte, die Walter in „Die Besucherin“ gerade schreibt.

Lola Randl und Regensburg
Lola Randl, 1980 in München geboren, kam mit vier Jahren nach Regensburg. 2001 bis 2006 studierte sie in Köln an der Kunsthochschule für Medien. 2007 war sie wieder für ein Jahr in München, als Absolventin der dortigen Drehbuchwerkstatt. Dann kam Berlin, nun lebt sie in der Uckermark nicht weit von Berlin, auch ihre Mutter lebt mittlerweile dort. Dennoch bezeichnet sie sich als Regensburgerin. Zwar sei das schwer, wenn man wie sie an so vielen Orten gelebt habe, aber in Regensburg sei sie die meiste Zeit ihrer Kindheit und Jugend gewesen. Also ja, Regensburg sei ihre Heimat.

Strenggenommen war es ja gar keine Regensburg-Premiere. Nachdem „Die Besucherin“ im Februar 2008 auf der Berlinale in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ seine Premiere feierte, durchlief er sämtliche renommierte Festivals (u.A. in Karlovy Vary). Im November kam er dann nach Regensburg. Hier lief er im Rahmen der Regensburger Kurzfilmwoche. Ein Novum und Einzelfall: ein Langfilm auf der Kurzfilmwoche. Das lag daran, dass Lola Randl nicht nur Regensburgerin ist, sondern auch mit der Regensburger Kurzfilmwoche eng verbunden ist. Ihr Kurzfilm „Blühende Sahara“, lief dort 2002 im Regionalfenster. Vier Weitere, liefen im Deutschen Wettbewerb 2004, 2006, 2007 und 2008. Jedes Mal mit einschlagendem Erfolg: zwei Mal erhielt sie den Hauptpreis und zwei weitere Male eine lobende Erwähnung. 2005 war sie Mitglied der Jury für den Deutschen Wettbewerb. Ja, die Regensburger Kurzfilmwoche habe ihr immer Glück gebracht. Schade, dass es die nun nicht mehr gebe.

Nun also die Premiere zum offiziellen Kinostart. Neun Kopien gibt es von ihrem Film. Neben Regensburg, ist der Film in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Freiburg, Köln und München zu sehen. Eineinhalb Jahre nach der Premiere und während sie bereits wieder an zwei neuen Filmen arbeitet, muss sie sich zurückholen. Zum ersten Mal kein Fachpublikum. Und die Leute waren begeistert, stellten rege Fragen. Einfache Fragen, zumeist zum Inhalt, aber sie waren interessiert und sie waren stolz. Auf diese junge Frau aus Regensburg, die so genau beobachten kann und einen solch beeindruckenden Film gemacht hat.

Die Besucherin,
Regie: Lola Randl,
Deutschland 2008, 104 min,
Darsteller: Sylvana Krappatsch, Samuel Finzi, Jule Böwe, André Jung

Auf nach Ostbayern!

27. Mai 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Ein Reiseführer muss nicht nur was für Touristen sein! Manchmal lohnt es sich auch als Einheimischer, einen Blick hineinzuwerfen. In diesem Dumont Reisetaschenbuch (übrigens dem derzeit einzigen aktuellen Reiseführer, der sich mit der Region Ostbayern beschäftigt) wird man auf alle Fälle viele gute Vorschläge für einen Ausflug oder auch einen Kurzurlaub finden.

Gegliedert ist das Buch folgendermaßen:

Nach dem Schnellüberblick (die Oberpfalz auf der Satellitenkarte) und einführenden Texten folgen Reiseinfos, Adressen und Websites, anschließend ein Panorama mit Daten, Essays und Hintergründen und schließlich der umfangreiche “Unterwegs in Ostbayern”-Teil. Neben Regensburg und Umgebung werden der Bayerische Jura, der Naturpark Oberer Bayerischer Wald, Straubing und der Naturpark Bayerischer Wald, der Nationalpark Bayerischer Wald, die Gegend um Deggendorf und Plattling, Passau und Umland und die “niederbayerische Toscana” in und um Landshut thematisiert. Zum Schluss gibt’s noch Ausflugs- und Tourvorschläge (z.B. Regensburg, Kallmünz, Erlebnispark Gabreta u.v.m.) sowie Karten und Pläne. Als Extra gibt es noch eine Faltkarte zum Herausnehmen.

Der Reiseführer ist sehr übersichtlich aufgemacht. Besonders schön ist die Rubrik Lieblingsorte. Hier haben die Autoren einige persönliche Highlights zusammengestellt, die sich eher fernab von den Touristenströmen befinden.

Das Buch bietet eine sehr gelungene Mischung aus Kultur und Natur - so wie sich das für die facettenreiche Region Ostbayern auch gehört! Der Leser erfährt die wichtigsten (kunst)historischen Hintergründe, ohne von Daten und weniger wichtigen Fakten erschlagen zu werden. Der Stil ist präzise und lebendig, so dass man auch gerne mal zwischendurch einen Blick in das Buch wirft.

Witzige Seiten hat das Buch auch noch! Für Touristen von außerhalb haben die erfahrenen Reiseautoren aus Bayern folgenden Ratschlag: “Umgekehrt sollten Nicht-Bayern besser darauf verzichten, bayerische Schrullen zu imitieren oder gar den Dialekt nachzuahmen. Das kommt nicht gut an und wird als beleidigend oder lächerlich empfunden.” (S. 35) Endlich sagt’s mal einer! Danke dafür.

Fazit: Ein informativer und gut lesbarer Reiseführer - auch und gerade für Einheimische, die ihre Region erkunden wollen fast ein Muss!

Daniela Schetar; Friedrich Köthe (Autoren):
Ostbayern. Regensburg - Bayerischer Wald
Dumont Verlag

288 Seiten für 14,95 Euro

Ostabyern - Regensburg - Bayerischer Wald

Ostbayern - Regensburg - Bayerischer Wald

 

Herzlich Willkommen

21. Mai 2009 admin 1 Kommentar

…auf dem neu entstehenden Kulturportal für Ostbayern.

Wenn ein Baby auf die Welt kommt, sagen alle: „Oh wie süß, oh wie klein!“ Und alle finden’s toll.

Wenn aber eine neue Website das Licht der Netzwelt erblickt, hört man nur: „Ooch, da ist aber noch nicht viel zu sehen…“ 
Aber Babys wachsen und Kulturportale auch! 

In diesem Sinne: „Viel Mut, hau ruck und umso besser schmeckt das Bier nachher!“ (Jakob Arjouni)  

Viel Spaß auf dieser Seite wünschen, 

   Sigrid Grün, Jan Neidhardt und Lysann Weser 

 

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Wenn der Duft von Maiglöckchen Erinnerung weckt

21. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

7. Französische Film- und Kulturwoche: Familles et souvenirs 6. - 13. Mai 2009
Eröffnung am 6. Mai 2009 im Wintergarten/ Kino im Andreasstadel: souvenirs, souvenirs
Fête du muguet (Fest des Maiglöckchens). 1. Mai-Feier am 9. Mai im Orphée

Eine Woche lang im Mai gibt es jedes Jahr in Regensburg ein reges französisches Kulturleben. Die französische Film- und Kulturwoche (Im Folgenden kurz Frankreichwoche genannt) findet in diesem Jahr bereits zum siebten Mal statt. Zu verdanken hat Regensburg das Medard Kammermeier und Marianne Mion, die diese Woche gemeinsam mit Unterstützung von Freunden und Sponsoren im Namen des Arbeitskreis Film, organisieren. Die Frankreichwoche steht in diesem Jahr unter dem Thema “Familles et souvenirs” (Familien und Erinnerungen). Das merkt man der Veranstaltung an. Eine sehr familiäre Stimmung herrschte zumindest bei der Eröffnungsfeier im Wintergarten und bei der Fête du muguet (Fest des Maiglöckchens) im Orphée.

Normalerweise ist der Eröffnungsabend der Frankreichwoche auch ihr Höhepunkt. Mit viel Herzblut treten hier alljährlich zahlreiche Regensburger Künstler auf. Dieses Jahr war die Veranstaltung leider nicht so gut besucht wie in den letzten Jahren und auch der Flow war nicht der gleiche wie in den Jahren zuvor.

Der Abend wurde von Marianne Mion mit entzückendem französischen Akzent eröffnet. Moderator Boris Kasbauer wies darauf hin, dass es sich, trotz der schwarzer Kleidung und des Blumengestecks, nicht um eine Trauerfeier handele, wenngleich Erinnerungen stets auf etwas Vergängliches verweisen.

Der unumstrittenen Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Kosmos Ost Singkreises mit Freunden. Kosmos Ost – die berühmt berüchtigte Fußballdamenmannschaft der Kinokneipe - kann auch singen und beweist dabei viel Kreativität: Ihre Interpretationen, “C’est la ouate” von Caroline Loeb und ein Song von Stereolab waren absolut überzeugend. Besonders hervorzuheben sind auch die Gesangs- und Pfeifdarbietungen von Rainer J. Hofmann und Pedro Alvares Olaneta, die bereits zum zweiten Mal als Duo das Publikum begeisterten. Wie immer ging auch diesmal einiges schief. Der angekündigte Christoph Malz erschien erst gar nicht und ein vom Moderator extra für diesen Abend übersetzter Videoclip wollte partout nicht laufen. Das gehört dazu, und mit mehr Perfektion wäre die Veranstaltung wohl nicht halb so charmant.

Rainer Hofmann & Bertl Wenzl

Rainer Hofmann & Bertl Wenzl

In Frankreich schenkt man sich am 1. Mai Maiglöckchen. Das bedeutet Glück für das gesamte Jahr. Ob das auch am 9. Mai funktioniert? Am 9. Mai jedenfalls feierte das Orphée (das europaweit bekannte Regensburger Restaurant und Hotel französischer Art) im Rahmen der Frankreichwoche, den 1. Mai. Die Tische waren natürlich mit Maiglöckchen geschmückt und es gab eine extra für diesen Abend zusammengestellte Speise- und Getränkekarte. Mit dem Akkordeon sorgte Rainer Hofman (Trio Trikolore) für die angemessene musikalische Untermalung. Unterstützung erhielt er dabei von Bertl Wenzel (Die Negerländer) am Saxophon. Die Gäste waren Exil-Franzosen, Freunde und Bekannte der Organisatoren und weitgereiste Gäste des Hotels.

Auf der Frankreichwoche gibt es außerdem die Party Tour de France mit Thomas Bohnet im leeren Beutel, cinéfête (französisches Kino für Schulklassen), eine multilinguale Lesung mit musikalischer Begleitung, ein interkulturelles Seminar und natürlich jede Menge französische Filme: eine Mischung aus Neuheiten und Klassikern.

Wollen wir hoffen, dass Herr Kasbauer mit der Leugnung einer Trauerfeier Recht hatte und es im nächsten Jahr eine 8. Französische Film- und Kulturwoche geben wird.