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Archiv für Juni, 2009

Z steht für Zofen, nicht für Zorro

30. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Die Zofen am 20.06. Probebühne der Schauspielschule im Schenkerturm, Regensburg

Die Zofen Ingrid Z., Aria Z. und Lala Z. im Schenkerturm

Die Zofen Ingrid Z., Aria Z. und Lala Z. im Schenkerturm

Es ist schon länger her da man im Zündfunk regelmäßig mit einem Song mit der Textzeile “Du bist so dumm wie ein Stück Brot, Weizenmehl Typ 405” beglückt wurde. Dieser schmissige Slogan stammt weder von berliner Deutsch-Rappern noch von hamburger Indie-Poeten, nein, Die Zofen, Regensburgs wildeste Girl-Group, hatten uns diese Worte geschenkt.  Und dann waren sie plötzlich weg, die Zofen, wie von der Bildfläche verschwunden.
Seit damals sind einige Jahre vergangen und nun sind sie wieder da. Zuerst am 22. Mai im Turmtheater und jetzt fast ein Monat später, als Nachtisch für die hartgesottenen Fans, im Schenkerturm. Zugegeben, zum Bersten gefüllt war der Theatersaal der Schauspielschule nicht, doch die Stimmung entsprach der eines vollen Konzerthauses.

Musikalisch und textlich klingen sie schwer nach 1982, nach Neuer Deutscher Welle oder nach Nelly the Elephant von den Toy Dolls, aber auch ein Bisschen wie die Lassie Singers. Bettina Schönenberg, alias Aria Z (Gesang), dürfte allen Regensburgern noch als Theaterensemble-mitglied oder von der legendären Kabarett Reihe Sex & Crime, die unter Anderem im Allegro stattfand, bekannt sein. Ihr Gesang hat auch bei den Zofen etwas kabarettartiges (was durchaus positiv zu verstehen ist). Die Bühnenshow scheint eine Persiflage auf alle Rockposer zu sein. Was Status Quo können, können die Zofen schon lange, nur viel besser! Martina Reiz, alias Lala Z (Gitarre) scheint das Posen als Ausdruck männlicher Machoallüren erfunden zu haben. Rock on baby! Die unsäglichen Rockbitches-Kostüme der Zofen tun ihr Übriges. Sie erscheinen als der ironische Kontrapunkt zum männlichen Gehabe.
Und warum gibt es die Zofen jetzt wieder? “Die Songs waren halt da und sind immer noch gut” so Ingrid I Punkt oder Ingrid Z. (an Bass und Drumcomputer). Für wahr ein Argument, dem man einfach nicht widersprechen kann.

Im Großen und Ganzen, sind die Zofen nicht nur eine Band, sondern (Achtung Abnutzung) ein Gesamtkunstwerk und ihre Konzerte machen einfach nur Spaß!

www.diezofen.de

Regensburger Bairisch - Eine Bestandsaufnahme

28. Juni 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Die Stadt Regensburg ist eine sprachliche Insel im oberpfälzisch-niederbayerischen Dialektmeer. Der Regensburger hat keinen nordbairischen Zungenschlag wie der Umlandbewohner, sondern seine ganz eigene “Regensburger Goschen”. Diese Stadtmundart, wie sie aktuell gesprochen wird, hat nun Dr. Nadine Kilgert-Bartonek ausführlich dokumentiert. Zunächst in ihrer 2008 erschienenen Dissertation Glossarium Ratisbonense. Zum Wortschatz gebürtiger RegensburgerInnen zu Beginn des 21. Jahrhunderts und nun in der abgespeckten Variante ihrer Doktorarbeit: Regensburger Bairisch. Ein Wörterbuch zur Stadtsprache.

Warum spricht der Regensburger anders als der Schierlinger oder der Schwandorfer? Als Regensburg 1245 Freie Reichsstadt wurde, begann es damit, sich bewusst vom bairischen Umland abzugrenzen. Nicht nur die Lautung unterscheidet die Stadtmundart vom Umlanddialekt. Auch der Regensburger Wortschatz kennt mundartliche Besonderheiten, wie z.B. den Karthauser oder den Kaffbomber.

Vor über 300 Jahren hat Johann Ludwig Prasch, ein Regensburger Barock-Gelehrter die lebendige Regensburger Stadtsprache im Glossarium Bavaricum dokumentiert. Endlich gibt es nun ein aktuelles Werk zum Thema. Wer sich für die wissenschaftlichen Hintergründe, wie z.B. Befragungsmethodik, Forschungslage und eine kleine Regensburger Sprachgeschichte interessiert, kann guten Gewissens zur Dissertation (Glossarium Ratisbonense) greifen. Doktorvater war übrigens Professor Ludwig Zehetner, der Regensburger Experte auf dem Gebiet der Dialektologie. Wer auf den allzu wissenschaftlichen Teil verzichten möchte, wird mit dem neu erschienenen Regensburger Bairisch. Ein Wörterbuch zur Stadtsprache rundum glücklich werden.

Hier wird dem Leser immer wieder vor Augen geführt, wie lebendig und facettenreich der (Regensburger) Dialekt ist. In der Standardsprache wird man nie die Treffsicherheit und Farbigkeit der Mundart zum Ausdruck bringen können. Ein “aufgstellts Mausdreckel” trifft’s halt irgendwie besser als der schnöde “Besserwisser”, “Druck dick!” wirkt sehr viel nachdrücklicher und vor allem unprätentiöser als “Verschwinde!” und unter einer “Hutzelbrüh” (hutzlbria) kann man sich gleich eine ganz schön langweilige Suppe vorstellen.

Gegliedert ist das Buch folgendermaßen: Nach einem Geleitwort von Ludwig Zehetner folgt eine kurze Einführung von der Autorin. Im ersten - sehr umfangreichen - Teil, wird der “einfache Mundartwortschatz” aufgegriffen, im zweiten Kapitel folgt der spezifisch regensburgische Wortschatz nach Sachgruppen (vom Andreasstadel bis zum Weichser Radiweiberl) gegliedert, den dritten Abschnitt bildet schließlich der phraseologische Wortschatz, in dem Regensburger Redewendungen, Redensarten und Sprichwörter erläutert werden.

Fazit: Ein faszinierender und ungeheuer unterhaltsamer Beitrag zur Dialektologie - und ein Muss für jeden Regensburger und alle, die es werden wollen!

"Regensburger Bairisch" von Dr. Nadine Kilgert-Bartonek

"Regensburger Bairisch" von Dr. Nadine Kilgert-Bartonek

Dr. Nadine Kilgert-Bartonek (Autorin):
Regensburger Bairisch. Ein Wörterbuch der Stadtsprache
edition vulpes
146 Seiten für 18,- Euro



Dr. Nadine Kilgert (Autorin):
Glossarium Ratisbonense. Zum Wortschatz gebürtiger RegensburgerInnen zu Beginn des 21. Jahrhunderts
edition vulpes
304 Seiten für 22,- Euro

 

Katzenklon, Katzenklon

26. Juni 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Wird Zeit, dass die (ost)bayerischen Bierbrauer mal so richtig gewürdigt werden. Ihren sumerischen Kollegen wurde bereits vor etwa 8000 Jahren ordentlich Respekt gezollt. Bier, die “Muttermilch der Zivilisation” war damals immerhin so wichtig, dass die Brauer nicht in den Krieg ziehen durften - sie wurden zu Hause einfach zu dringend gebraucht. Und die Babylonier kannten schon über 20 Biersorten. Unglaublich, oder? Wer jetzt noch genau wissen möchte, warum Bier ein ganz besonders gesunder Saft ist, sollte einmal einen Blick in dieses Buch werfen.

Reinhard Renneberg, Professor für Analytische Biotechnologie in Hongkong hat hier ganz seinem Motto “Science is fun!” entsprechend, 80 lehrreiche und unterhaltsame “Biolumnen” gesammelt, die jeden auch nur geringfügig an Naturwissenschaft Interessierten garantiert glücklich machen werden. Hier erfährt der Leser aus erster Hand, was für verrückte Dinge täglich von Wissenschaftlern ersonnen werden. Man erfährt auch eine Menge über Alltagsgegenstände wie Jeans, Waschmittel (in Japan wird nur kalt oder höchstens lauwarm gewaschen), über Klonkätzchen und Klonhündchen (ganz schön knifflige Angelegenheit - viel viel schwieriger als Katzen), über Koffein und Ecstasy, über den Lackmustest (jeder spricht davon, aber weiß jemand, was dahinter steckt?), über den gentechnisch manipulierten Glowfish und Antidepressiva. Und und und… Man kann gar nicht mehr aufhören, dem gewitzen Professor auf seiner Reise durch die Welt der Biotechnologie zu folgen. Dazu gibt’s die possierlichen Cartoons von Manfred Bofinger und von Ming Fai Chow. Bofinger ist während der Entstehungsphase des Buches leider schwer erkrankt und schließlich verstorben. Ein junger chinesischer Kollege trat in seine Fußstapfen.

So sollte Wissenschaft viel öfter vermittelt werden: Lebendig und mit Witz. Man kann Renneberg zu diesem gelungenen Buch nur beglückwünschen. Als Leser kann man sich genüsslich zurücklehnen und einige lehrreiche und amüsante Stunden verbringen. Und beim nächsten Mal gibt’s für die Bekannten im Biergarten eine richtig schöne Gratisstunde in Biotechnologie.

"Katzenklon, Katzenklon - und andere Biotechnologie-Geschichten" von Reinhard Renneberg

"Katzenklon, Katzenklon - und andere Biotechnologie-Geschichten" von Reinhard Renneberg

Reinhard Renneberg
Katzenklon, Katzenklon und andere Biotechnologie-Geschichten
Spektrum Akademischer Verlag
252 Seiten für 9,95 Euro

Wohin bei soviel Auswahl?

25. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Für all jene die nicht vor den Massen die an diesem Wochenende Regensburg durchfluten werden, fliehen, hier unsere persönlichen Bürgerfesttipps (zum Teil auch am Rande davon):

Freitag 26.06.2009 18.00 Neupfarrplatz: Ungarische Gastband, kenne sie zwar nicht, hört sich aber interessant an
18.00- 23.00 Bismarkplatz: verschiedene Indiebands
23.00 Neue Filmbühne (drinnen): Zurück zur Utopie (Dirschl und Ackermann, ohne Starzinger)
Samstag, 27.06.2009 19.00 Bismarckplatz: Sutcliffe
20.30 Bismarckplatz: Chief Joseph
21.00 L.E.D.E.R.E.R. (drinnen): Zurück zur Utopie (Dirschl und Ackermann, wieder ohne Starzinger)
Sonntag, 28.06.2009 16.30 Thundorferstraße: Die Zofen

Fr-So: Das Allerbeste aber, wenn einem in der Stadt alles zu viel wird: über die Steinerne nach Stadtamhof und im Innenhof von Mälzerei Hermann traditioneller Zithermusik lauschen.

“Ich will nicht sein wie Alle Anderen!”

24. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Maren Ade: Alle Anderen, Ostentorkino Regensburg

Kaum hatten wir das Glück Lola Randls Die Besucherin sehen zu dürfen, schon gibt es wieder einen herausragenden Film einer jungen deutschen Regisseurin. Alle Anderen ist Maren Ades (Jahrgang 1976) zweiter Langfilm. Auf der Berlinale 2009 wurde er mit dem Silbernen Bären, dem Großen Preis der Jury, ausgezeichnet.

Der Inhalt ist recht schnell zusammengefasst: ein junges aber ungleiches Paar, wird im Urlaub mit sich selbst konfrontiert. Die Situation gerät aus den Fugen, als Gitte und Chris auf ein befreundetes Paar treffen. Das erinnert nicht nur ein bisschen an Martin Walsers Ein fliehendes Pferd. Der Unterschied: bei Alle Anderen geht von dem befreundeten Paar keine sexuelle Anziehung für die beiden aus. Allein die Spieglung ihrer Beziehung im Umgang mit den Anderen genügt, um das fragile Konstrukt in Frage zu stellen und schließlich zu zerbrechen.

Dass die Geschichte dennoch ganz anders und viel dynamischer wirkt, liegt nicht nur daran , dass die Protagonisten und ihre Beziehung jünger sind. Es  ist vielmehr der Hauptfigur Gitte geschuldet. Und sie wiederum, wie der gesamte Film, lebt von Birgit Minichmayrs Präsenz und schauspielerischer Kraft. Birgit Minichmayr (geboren 1977 in Linz) hat ihr Können bereits am Wiener Burgtheater und mittlerweile auch in sehr vielen Film bewiesen. Zahlreiche Preise erkennen ihre einzigartige schauspielerische Leistung an. Darunter der silberne Bär als beste Darstellerin der Berlinale 2009 für ihre Rolle in Alle Anderen.

Welche Frau wäre nicht gern wie Gitte. Sie ist schön, witzig, klug und - kompromisslos? Nicht ganz, denn für Chris versucht sie durchaus Kompromisse einzugehen. Nur warum? Was will sie eigentlich von diesem Langweiler? Die Liebe kann man sich nicht aussuchen. Genau darin liegt natürlich die Spannungskraft. Chris ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um Gittes bereichernde Einzigartigkeit zu würdigen. Da geschehen schnell gegenseitige Verletzungen. Eine Bedrohung liegt die ganze Zeit in der Luft, auch dann, wenn der Film komische Szenen hat. Damit spielt Maren Ade natürlich auch. Drei große Überraschungsmomente gibt es in Alle Anderen. Jedes Mal ist sich der Zuschauer lange nicht sicher, ob nun die Tragödie ihren vollen unaufhaltsamen Lauf genommen hat.

Alle Anderen läuft im Ostentorkino in Regensburg.

Alle Anderen, Deutschland 2009, 119 min Regie: Maren Ade Darsteller: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans- Jochen Wagner, Nicole Marischka

Jeden Tag ein Köpfl Bier

24. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

1. Spitalfest, St. Katharinenspital, Regensburg, 20./21. Juni 2009

Über das Spitalfest bin ich mehr oder weniger gestolpert. Zwar hatte ich in den letzen Tagen das Banner mit der Ankündigung gesehen, doch ich hatte eigentlich nicht explizit vor dieses Fest zu besuchen. Am Wochenende gab es ja in Regensburg und Stadtamhof einen Kultur-Overkill. Allein auf dem Dreieck Jahninsel-Spital-Grieser Spitz gab es drei mehrtägige Veranstaltungen: Jahninselfest, Spitalfest und Nachwuchsbandcontest. Die Geschmacklosigkeit eines überdimensionalen, aufblasbaren Bierkrugs vor dem Spital zeigte mir auch sogleich, welche der drei Veranstaltungen ich definitiv nicht besuchen würde. Aber muss man, wenn man für eine Kulturseite arbeitet nicht aufgeschlossener für breitgefächerte Kulturangebote sein? Und nun ja, das Spital: älteste Brauerei Regensburgs und einzige noch in Stadtamhof, mit wirklich gutem Bier und Teil des Weltkulturerbes. Also! Ich überwandt meine natürliche Abwehr. Und wurde zum Teil sehr positiv überrascht!

Volksfest im Hof der Spital-Brauerei

Volksfest im Hof der Brauerei

Das Spital hatte sich wirklich Mühe gegeben und ein sehr gutes Konzept als Grundlage. Man vergisst ja oft, dass das Spital eine Stiftung mit Alten- und Pflegeheim ist und nicht nur eine Brauerei mit großem Touristenbiergarten. Beim Fest konnte man alle Abteilungen der Stiftung kennenlernen. Es gab Kaffee und Kuchen in der Cafeteria und der Terrasse des Altenheimes. Im Garten konnten die Kinder auf Pferden reiten. In der Stiftskapelle wurde am Sonntag ein Gottesdienst gehalten. Und an Führungen konnte man wahlweise durch die Brauerei, die Stiftsanlage oder das Spitalarchiv teilnehmen.

Im Bereich des Getränkedepots waren Bierbänke und -Tische, sowie eine Bühne aufgestellt. Es gab Spanferkel, Steckerlfisch und natürlich Bier und das auch noch zu wirklich fairen Preisen. Sieben junge Trachtler sangen und bliesen, ganz ohne elektrische Verstärkung Bayerische Lieder. Und das hat mich vielleicht am meisten überrascht. Keinen gruseligen Halli Galli oder Herz-Schmerz Quälerein mit völkstümlichen Anleihen, sondern tradiertes Liedgut und Eigenkompositionen, vorgetragen von jungen gutaussehenden Menschen im passenden G’wandt. Die 6 lustigen Fünf ist der Name der Band, und auf die Fahne haben sie sich wohl den Erhalt altbayerischer Blasmusik geschrieben.

Aber ein paar Vorurteile wurden dann doch noch bestätigt. Die befürchtete Horrorkombo kam nämlich im Anschluss an Die 6 lustigen Fünf und vertrieb die gute Stimmung und mich.

Bei der Brauereiführung lernte ich dann nicht nur einiges über das Bierbrauen im Allgemeinen, sondern auch über die Historie und die Umstände der Spitalbrauerei im Besondern. Die alten Räume der Brauerei haben so viel Atmosphäre, dass ich ganz ins Schwärmen geriet. Das Regensburger Reinheitsgebot ist übrigens, ebenso wie das Münchner, älter als das bayerische (1516). Damals wurde allerdings nur Hopfen, Malz und Wasser erwähnt. Man wusste zwar, dass in der Nähe von Bäckereinen besonders gutes Bier gebraut wurde, doch dass das an den in der Luft befindlichen Hefesporen lag, war noch nicht bekannt. Ein altes Märchen transportierte die Erfahrung bereits: “Heute back ich, morgen brau ich…” Das Malz erhielt man bis letztes Jahr noch vom traditonellen Familienbetrieb gegenüber: Mälzerei Hermann. Der alte Stiftungscharakter wurde damals so umgesetzt, dass jedem Bewohner am Abend ein Köpfl (0,83 Liter) Bier zustand.

Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr wieder ein Spitalfest geben wird (vielleicht ohne aufblasbaren Bierkrug). Dann möchte ich unbedingt das Archiv mit den historischen Schriften kennenlernen.

Braukessel und alte Biertragl'n

Braukessel und alte Biertragl'n

Brauereiführungen (und weitere Führungen) gibt es übrigens das ganze Jahr hindurch. Mehr Infos unter: www.spital.de

Die 6 lustigen Fünf sind wieder in Stadtamhof beim Bürgerfest in oben genannter Mälzerei Hermann zu hören und zu sehen. www.die6lustigen5.de

Auf Isegrimms Fährte…

23. Juni 2009 jneidh Keine Kommentare

(Jan Neidhardt)

Der Wolf polarisiert. Die einen lieben ihn, die anderen fürchten ihn eher. -Das kommt immer auch auf den eigenen Standpunkt an. Heute ist die Angst vorm Wolf doch selten geworden. -Aber echte wildlebende Wölfe draußen im Wald, fast vor der Haustür? Na, vielen Dank… Gelegentlich steht ja auch mal was in der Zeitung über die Wölfe, z.B. im Bayerischen Wald, die angeblich zurückkehren. Der Wolf jedenfalls ist ein besonderes Tier, das schon in der Vergangenheit eine spezielle Beziehung zum Menschen hatte und um diese Verbindung geht es im Buch Wolfsspuren in Bayern - Kulturgeschichte eines sagenhaften Tieres von Gertrud Scherf. Bayern als waldreiches Land hat dem Wolf schon in der Vorzeit eine Heimat gegeben und in eine direkte Konkurrenzsituation mit dem Menschen treten lassen. Der “Hass” auf den Wolf ist allerdings keineswegs so “uralt” wie man meinen könnte - ursprünglich konnten sich schließlich Mensch und Wolf noch aus dem Wege gehen und es war genug für alle da. Im Verlauf des Mittelalters wuchs aber die (menschliche) Bevölkerung und man drang auch in die letzten Rückzugsgebiete vor…

Der volkskundliche Bild- und Textband macht das anhand von archivalischen Fundstücken sehr gut deutlich. Der Wolf hat in Namen und Ortsnamen seine Spuren hinterlassen, ebenso in Wappen aber auch Sagen, Märchen und Liedern - erstaunlich, was man alles finden kann, wenn man sich näher mit dem Thema “Wolf” beschäftigt.

Auch der Phantasie wird ein freier Spielraum überlassen, Mythologisches und Märchenhaftes mischt sich und erzählt von Urängsten, aber auch vom Wolf als freiem Tier, das sich nicht unterjochen lässt und für Energie und List steht.

Wolfsspuren in Bayern ist ein umfassendes Buch für alle, vielleicht auch volkskundlich und regionalgeschichtlich interessierten Freunde des Wolfs, darüber hinaus ein toller Bildband mit schönen Tierfotographien, sowie ein umfangreiches Quellenverzeichnis zum Weiterlesen. Mit einem Vorwort von Tierfilmer Erik Ziemen.

"Wolfsspuren in Bayern" von Gertrud Scherf

"Wolfsspuren in Bayern" von Gertrud Scherf

Gertrud Scherf
Wolfsspuren in Bayern - Kulturgeschichte eines sagenhaften Tieres
Buch und Kunstverlag Oberpfalz
126 Seiten für 24,90 Euro

Süße Teile und fette Torten

23. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Paul Kleinschmidt. Lust an der Malerei.  Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Eröffnung 20. Juni 2009

Dr. Ulrike Lorenz hat die Ostdeutsche Galerie aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und in die Mitte des kulturellen Regensburger Lebens gerückt. Nun hat sie das Kunstforum und Regensburg wieder verlassen. Ihr Posten ist bis dato unbesetzt. Dr. Gerhard Leistner hält die wissenschaftliche Leitung inne und kuratierte die Ausstellung Paul Kleinschmidt. Lust an der Malerei, die am Samstag im Rahmen der Regensburger Museumsnacht eröffnete wurde.

Mit Paul Kleinschmidt (1883-1949) schließt die Ostdeutschen Galerie an ihre bisher erfolgreichsten Ausstellungen an: Otto Dix (1891-1969) Welt & Sinnlichkeit von 2005 und Lovis Corinth. (1858-1925) Die Geburt der Moderne von 2008. 1903 begegneten sich Corinth und Kleinschmidt. Kennzeichen beider ist ihr besonderer Pinselstrich. Mit Dix hat Kleinschmidt das Sujet gemeinsam. Beide gelten als Chronographen des großstädtischen Nachtlebens der 20er und 30er Jahre. Eines ist jedoch Kleinschmidts ganz eigenes Kennzeichen: er malte nur dicke, meist hässliche Frauen. Kleinschmidts Menschen haben oft einen gewisse Ähnlichkeit mit Schweinen. Im Graphiktrakt der Ausstellung kann man diese Beobachtung an Hand einer Schweineskizze verifizieren. Kein besonderes Kompliment eigentlich für sein favorisiertes Model, seine eigene Ehefrau. Ein weiteres Steckenpferd des Malers ist der Zirkus und das Boudoir. Sein intimer Blick in die Toilette der Damen mit Fokus auf Korsetts, Strümpfe und Stiefel, entzaubert und kokettiert gleichermaßen. In seinen Café- und Bargemälden ist außerdem seine Vorliebe für süße Teilchen und gefüllte Etagèren zu erkennen. Prall und üppig wie seine Frauendarstellungen.

Die Ausstellung setzt sich zusammen aus 60 Gemälden und 50 Grafiken. Die Exponate stammen aus eigenen Beständen und aus privaten Leihgaben. Die Paul Kleinschmidt-Gesellschaft fördert die Ausstellung.

Der Vorsitzender der Paul Kleinschmidt-Gesellschaft Herr Klaus Michael Bilger, dessen Vater die Gesellschaft gegründet hat, selbst wohl mittlerweile annährend Neunzig, hatte Paul Kleinschmidt noch kennengelernt. Seine Anekdoten bereicherten die sonst oft trockenen Einführungen und Begrüßungen. So wusste er zu berichten, dass Paul Kleinschmidt seine Frau und Muse, die sehr eifersüchtig gewesen sei, nach schwerwiegenden Streitigkeiten stets gesiezt habe. So lange bis er sie zu einem Glas Wein ins Künstlercafé ausführte und ihr dort in aller Form wieder das Du anbot. Herr Bilger fügte hinzu dass diese Methode zwar unkonventionell sei, doch dass gar nicht miteinander zu reden vielleicht auch einige Vorteile habe. An einer weiteren netten Geschichte lies er die Gäste teilhaben, die er 2003 bei einer Ausstellung vom ehemaligen Elektriker Paul Kleinschmidts erfuhr. Dieser habe, nachdem Kleinschmidt Ende des Krieges ausgebombt wurde und anschließend in eine Behelfsmansarde ohne Elektrizität zog, für das nötige Licht gesorgt. Nachdem Kleinschmidt ihn nicht bezahlen konnte und ihm eines seiner Werke anbot, entschied sich der Elektriker lieber für ein herumliegendes Päckchen Nudeln.

Abgerundet wurde die Ausstellung, passend zu einem Bild des Künstlers aus seiner New Yorker Phase, durch einen Auftritt von Muck & His Swinging Buddies, die amerikanischen Blues, Jazz und Swing der 20er bis 40er Jahre spielten.

Paul Kleinschmidt: Selbstbildnis mit Frau beim Maskenball

Paul Kleinschmidt: Selbstbildnis mit Frau beim Maskenball

Paul Kleinschmidt. Lust an der Malerei. Bis 30.08.2009 Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg. Öffnungszeiten: Di - So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr. Eintritt: 4,00 €, ermäßigt: 2,00 €. Beachten sie auch das umfangreiche Begleitprogramm. Mehr unter: www.kunstforum.net.

Quo vadis Ostbayern?

22. Juni 2009 sgruen 1 Kommentar

(Sigrid Grün)

Was ist der Unterschied zwischen Ostfriesland und Ostbayern?
Ersteres liegt im äußersten Nordwesten, Letzteres im Südosten Deutschlands. Und weiter? Ostfriesland ist jedermann ein Begriff, nicht nur weil es in den 80ern und 90ern eine wahre Flut an Ostfriesenwitzen gab, sondern auch, weil die Region historisch gewachsen ist.
Und Ostbayern? Seit wann gibt es diese Regionenbezeichnung überhaupt und welches Gebiet gilt gemeinhin als Ostbayern? Warum wehren sich viele “Ostbayern” vehement dagegen, ebendies zu sein? Und wie wird es weitergehen mit Ostbayern? Diesen und noch vielen weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Band.

Der Begriff Ostbayern wird schon länger kontrovers diskutiert. Nun hat Dr. Helmut Groschwitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, anlässlich des Herbstsymposiums 2007 der ALO (Arbeitskreis Landeskunde Ostbayern an der Uni Regensburg) die Ergebnisse der Tagung vom 31.10.07 zusammengetragen. Und dieser Tagungsband hat es wirklich in sich!

Hier kommen, neben Groschwitz, weitere kompetente Vertreter sämtlicher relevanter Fachrichtungen zu Wort. Dr. Diethard Schmid, ehemaliger Geschichtsprofessor, äußert sich zu den historischen Hintergründen, der Geograf Prof. Dr. Dietrich Manske erläutert die geografische Dimension, Dr. Rosemarie Spannbauer-Pollmann von der Universität Passau beleuchtet die sprachgeschichtliche Situation und Prof. Dr. Daniel Drascek, Leiter des Lehrstuhls für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, berichtet von Ostbayern im kulturellen Transformationsprozess. Abschließend findet man noch interessante Statements von den Vertretern unterschiedlicher Institutionen aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Kirche, Medien u.v.m.
Eine Zusammenfassung des Abschlussvortrags rundet den Tagungsband noch ab.

Während die Befürworter der Bezeichnung Ostbayern, also zum Beispiel Vertreter aus dem Bereich Wirtschaft, das immense Potenzial der Region sehen, fürchten die Gegner einen Identitätsverlust. Was passiert denn nun mit dem Oberpfälzer und dem Niederbayern, wenn das “neue” Ostbayern sie einfach verschluckt? Und überhaupt: Osten klingt doch auch ein bisschen - hmmm, sprechen wir’s doch ganz offen aus! - schäbig und grau. Wer will sich schon damit identifizieren? Südbayern - ja freilich! Da leuchtet das Alpenglühen, da jodelt der Seppl und da bimmeln fröhlich die Kuhglocken. Aber Osten? Nein danke! Kein Wunder, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung so gering ist…

Dabei ist die Region ausgesprochen attraktiv - vor allem nach der Öffnung der Grenzen in Richtung Osten. Vom Rand zur Mitte - das ist der Weg Ostbayerns. Und seien wir doch mal ehrlich, was kann ein englischsprachiger Zeitgenosse schon mit der Bezeichnung Upper Palatinate anfangen? Oder mit Lower Bavaria?
Also, das klingt doch auch ein bisschen schäbig, oder? East Bavaria hingegen, das ist - zumindest für englische Rezipienten - durchaus positiv konnotiert. Das weiß auch Dr. Manske vom Lehrstuhl für Regionalgeografie an der Uni Regensburg zu berichten. Rein geografisch wäre also nichts einzuwenden gegen die Bezeichnung Ostbayern. Aber Geografie ist nun mal nicht alles! Ostbayern ist und bleibt ein künstliches Konstrukt, dem die kulturelle Koheränz fehlt. Das heißt aber noch lange nicht, dass Ostbayern keine Chance hat. Es ist einfach noch unterwegs und sollte es mal ankommen, bliebe eigentlich nur noch eine Frage offen: Kennt jemand einen guten Ostbayern-Witz?

Über Zuschriften unter der Kommentarfunktion würden wir uns sehr freuen!

"Ostbayern - Ein Begriff in der Diskussion" von Helmut Groschwitz (Hg.)

"Ostbayern - Ein Begriff in der Diskussion" von Helmut Groschwitz (Hg.)

Dr. Helmut Groschwitz (Herausgeber):
Ostbayern. Ein Begriff in der Diskussion.
ISBN: 9783868450019
Universitätsverlag Regensburg
96 Seiten für 12,90 Euro

 

DJ Ude und andere Kuriositäten

22. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Pressefoto Bayern 2008. Wanderausstellung des Bayerischen Journalisten-Verbandes und Zeitgleich. Regensburger Fotografien. Kunst- und Gewerbeverein Regensburg e.V. Eröffnung am 19. Juni 2009

Pressefotobayern 2008

Pressefotobayern 2008

Zum neunten Mal fand der Fotowettbewerb des Bayrischen Journalistenverbandes (BJV) statt. Zum ersten Mal ist das Ergebnis, zu sehen in einer Wanderausstellung, zu Gast in Regensburg. Pressefoto Bayern 2008. Es handelt sich also um Fotos, die im Jahr 2008 in Bayern aufgenommen wurden oder sich thematisch mit dem Freistaat beschäftigen. Fast 90 Fotografen sandten 700 Fotos ein. Zu sehen sind über 80 Arbeiten von ca. 40 Fotografen.

Ziel des Wettbewerbes, wie der Ausstellung, ist es den Berufsstand des Fotojournalisten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Hans-Eberhard Hess, Vorsitzender der Jury und Herausgeber der Fachzeitschrift “Photo International”, moniert in seiner Einführung, dass die digitale Verfügbarkeit von Informationen auch zu einer Überflutung von Laienfotos im Pressebereich führt. Zwar räumt er ein, dass darin oft auch die einzige Möglichkeit der Information liegt wie z.B. in der aktuellen Situation im Iran, doch fordert er vehement die Anerkennung seines Berufstandes. Die gezeigte Auswahl, mag ihm zumindest in großen Teilen recht geben.

Ergänzt wird die Ausstellung mit Arbeiten von 14 Regensburger Fotografen. Die Tatsache, dass dabei qualitativ hochwertige und interessante Fotos, z.B. von Stefan Hanke (KZ Dachau) oder Horst Hanske (Sanierung des Theaters Regensburg 1998) zu sehen sind, entschuldigt nur bedingt, dass das Zeitfenster der überregionalen Ausstellung nicht aufgegriffen wurde, zumal der Titel Zeitgleich darauf schließen lässt.

Wer einen Querschnitt hochwertiger Fotos des aktuellen bayrischen Lebens sehen möchte, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen. Und den schönen Katalog gibt es obendrein gratis dazu oder auf www.bjv.de.

Pressefoto Bayern 2008 und Zeitgleich bis 05.07.2009. Kunst- und Gewerbeverein Regensburg .e.V. Ludwigstraße 6, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 12 - 18 Uhr, Samstag/Sonn- u. Feiertag 10 - 18 Uhr. Eintritt: 4,00 €, ermäßigt: 2,00 €