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Archiv für Juli, 2009

Agratamagatha und Blaue Nacht

30. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

 31. Juli - 02. August: Agratamagatha, Riedenburg; meist ziemlich relaxtes Festival am schönen St. Agatha-Badesee bei Riedenburg, mit Bands wie G.Rag y Los Hermanos Patchekos, The Marble Man, Mason Dixon Line, Zwei Tage ohne Schnupftabak, … Mehr als 25 Bands und das alles auch noch bei freiem Eintritt!!! Mehr Infos und das volle Programm unter: www.agratamagatha.de

Samstag, 1.August 2009 Blaue Nacht Ostdeutsche Galerie Regensburg, 18.00- 24.00 Uhr, In diesem Jahr unter dem Motto: Elemente; mit vielfältigem Programm, unter Anderem: Führungen durch die Paul Kleinschmidt - Ausstellung, Musik von The Burger Project, Ballett mit Nylea Mata Castilla, Kabarett-Programm-Happen: Cabarettziös und  Zack! - Glück! Der Eintritt ist frei. www.kunstforum.net

Buchtipp: Dehio Niederbayern

30. Juli 2009 sgruen Keine Kommentare

Niederbayerische Baudenkmäler

(Sigrid Grün)

Baudenkmäler haben als Zeugen der Vergangenheit eine identitätsstiftende Funktion für die Gegenwart. Ihr Erhalt ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und die Mehrheit der Bevölkerung ist sich dessen bewusst, dass eine kulturelle Verpflichtung zur Denkmalpflege besteht.
Alljährlich nimmt die UNESCO besonders bedeutende Denkmäler in die Welterbe-Liste auf, regelmäßig finden Aktionen wie die Tage des offenen Denkmals statt.

Welche kunsthistorischen Kostbarkeiten sich in unserem unmittelbaren Umfeld befinden, zeigt uns der Dehio.
Hier kann sich der kunstgeschichtlich Interessierte ausführlich über sämtliche Baudenkmäler der Region informieren. Er kann beispielsweise über die bürgerlichen und adeligen Wohnbauten in Landshut nachlesen und an dieser Stelle u.a. erfahren, dass der Gasthof zum Goldenen Löwen früher eines der vornehmsten Weinwirtshäuser war und sich das Schenkrecht auf diesem Haus bis ins Jahr 1493 zurückverfolgen lässt. 1806 wurde im ersten Obergeschoss sogar das Corps Bavaria gegründet.
Oder wer hätte gedacht, dass die Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Tann (Kreis Rottal Inn) um 1800 einen derartigen Zustrom an Gläubigen erlebte, dass sieben Wallfahrtspriester sich um die frommen Pilger kümmern mussten. Etwa 100 Jahre vorher, 1695, hatte ein Einwohner Tanns gemeldet, dass einem Kruzifix in seinem Haus Haare gewachsen seien. Der “Herrgott von Tann” wurde sogleich in die Pfarrkirche überführt, die fortan von Jahr zu Jahr mehr Menschen anlockte.

Nach Ortsnamen geordnet, findet man rasch kirchliche und weltliche Bauten samt grobem geschichtlichen Zusammenhang, Inventar und Restaurantionsgeschichte.
Künstlerverzeichnis, Glossar mit Fachausdrücken sowie ein Kartenanhang ergänzen das fundierte Nachschlagewerk und ermöglichen auch dem Laien einen einfachen Einstieg in die Materie.

Wer mehr über die “Schätze vor der eigenen Haustür” erfahren möchte, bekommt mit dem Dehio das Standardwerk an die Hand, in das er immer wieder einen Blick werfen wird.

Georg Dehio: Niederbayern

Georg Dehio: Niederbayern

Georg Dehio (Autor); Michael Brix (Bearbeitung)
Bayern II. Niederbayern
Deutscher Kunstverlag
831 Seiten für 58,00 Euro

Sonja Lenz - Eine Künstlerin aus Bruckberg

29. Juli 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Die Künstlerin Sonja Lenz

Die Künstlerin Sonja Lenz

Sonja Lenz aus Bruckberg bei Landshut ist sowohl Malerin als auch Autorin. Ihre ausdrucksstarken Bilder und ihre Lyrik haben uns dazu angeregt, sie zu ihrem Leben und ihrem künstlerischen Schaffen zu befragen.

Die Künstlerin wurde 1947 in Freising geboren. Unter ihren Vorfahren findet man Musiker, eine Tänzerin sowie Kirchenmaler.

1954 zogen ihre Eltern nach Addis-Abeba. Das 7-jährige Mädchen blieb bei den Großeltern in Deutschland und wurde schließlich 1956 von den Eltern nach Äthiopien geholt. Dort besuchte sie zunächst die deutsche Schule (heute „Deutsche Botschafterschule“), wechselte aber rasch an das französische Lycee. Sie war eine Musterschülerin, erhielt Auszeichnungen und wurde sogar von Kaiser Haile Selassie eingeladen. Diese Einladung konnte sie allerdings nicht wahrnehmen, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in Freising war. In ihrer Kindheit spielten Bücher eine wichtige Rolle. Sie hütete sie wie einen Schatz. Im Alter von neun Jahren schrieb sie erste Texte.
Fehlendes Spielzeug regte die Fantasie an. Lenz entwarf Kleider für die Barbiepuppen der amerikanischen Freundinnen. Einfache Alltagsgegenstände boten ihr interessante Spielmöglichkeiten:
“Ich hortete und sortierte Silberpapier und Förmchen aus teuren, aber seltenen Pralinenschachteln, um sie winzigen Christbäumen (Akazienzweigen) anzustecken und spielte ‘Weihnachten’. Ich habe meine Schatztruhe mit mir wertvollen Dingen unter einen Bananenbaum mit dazugehörigem Text eingegraben, das Schicksal beschwörend, dass ich sie, ‘wenn ich einmal groß bin’ wiederfinde.”

Afrika hat Sonja Lenz maßgeblich geprägt. Das Thema findet auch in ihrer Kunst seinen Niederschlag. Expressive Motive sind charakteristisch für ihre Bilder. Auf knallige Farben verzichtet die Malerin.

Nach dem Putsch gegen Kaiser Haile Selassie und einem Erdbeben, entschloss sich der Vater dazu, wieder nach Deutschland zu ziehen.

1996 begann Sonja Lenz, sich ernsthaft mit Kunst zu beschäftigen. Nachdem die jüngste ihrer drei Töchter „aus dem Gröbsten heraus“ war, machte ein Künstlerehepaar sie mit den Grundlagen vertraut: „Kohle, Kreide, Kasein, meist Packpapier. Acryl kam ein paar Jahre später dazu.“ Krankheiten warfen die Künstlerin zurück, vermittelten aber auch neue Impulse. Sie experimentierte viel und gern. Es entstand eine Vielzahl von Bildern und Texten und die Überzeugung: „Folge dem Gefühl und entwickle es für dich selbst, spiele wie ein Kind, lasse es zu.“

Lenz ist ungeheuer vielseitig interessiert. Sie spielt mit viel Freude Theater und möchte sich auch gerne im Singen versuchen. Bislang fehlte ihr dazu allerdings die Zeit. Im Bereich der Malerei gefällt ihr Picasso (nur als Künstler) sowie Otto Dix und seine Zeit. Vor allem aber mag sie Archaisches, sie „mag es, wenn sie spüren kann, dass etwas wahrhaftig ist“.

Sonja Lenz hat ihre Bilder bereits auf mehreren Einzel- und Gesamtausstellungen präsentiert. Sie verspürt jedoch keinen Drang sich „anzubiedern“. Die Impulse dazu kommen meist zu ihr – und sie sagt dann ja. Ausstellungen sieht sie in letzter Zeit auch anders als früher:
“Ich finde es mehr und mehr anstrengend und für mich unwichtig. Die Zeiten sind irgendwie nicht dafür gedacht, zu viel Aufwand, zu viel heiße Luft, es gibt mir nicht mehr das, was ich früher so nötig hatte: Anerkennung.”

Heute leitet Sonja Lenz Projekte, engagiert sich als Künstlerin gemeinsam mit Kindern beispielsweise in der Afghanistan-Hilfe. Sie gibt Kurse, vermittelt den Teilnehmern Impulse und möchte ihren Mitmenschen vor allem eines nahe bringen:
“Ihr könnt alle schreiben und malen und singen und spielen - trau dich - öffne dich, zeig “wer bist du, willst du sein” (nach einem ihrer neuesten Texte).

Mit Joseph Beuys ist sie der Meinung: “Jeder ist ein Künstler.”

In ihren Texten verarbeitet sie meist persönliche Erfahrungen, schreibt auch oft für Menschen, die ihr nahe stehen. Der Gedichtband Schritte in jede Himmelsrichtung, den sie gemeinsam mit ihren Töchtern Rebecca, Jessica und Saskia verfasst hat, ist im Lumen-Verlag erschienen. Er ist ihrem Mann gewidmet.

Ein sehr starker Text ist auch die unveröffentlichte Reisebeschreibung, die Lenz im Jahr 2000 anlässlich eines Äthiopien-Aufenthaltes verfasst hat. Darin reflektiert sie Erlebnisse aus ihrer Kindheit, vergleicht Schauplätze und Atmosphäre im Äthiopien der 50er und 60er Jahre mit der aktuellen Lage im Land. Vor allem aber erzählt sie von Begegnungen mit faszinierenden Menschen, die auf eindrucksvolle Weise zeigen, wie sie den oft harten afrikanischen Alltag trotz zahlreicher Widrigkeiten meistern.
Bald will Sonja Lenz wieder nach Äthiopien reisen.

Einen kleinen Einblick in das Schaffen der vielseitigen Künstlerin kann man sich auf folgenden Seiten verschaffen:

www.kunstraum.com

www.lyrikecke.de

Buchtipp: Love, Revolution und wie Kater Haohao nach Hollywood kam

27. Juli 2009 sgruen Keine Kommentare

Kids of Mao and Coke

(Sigrid Grün)

Peking im Juni 1989: Der junge Dawei ist Comiczeichner und bringt sein eigenes Comiczine heraus: “Kids of Mao & Coke”. Er hat sich in die Studentenführerin Kleine Kim verguckt und ist auch am 4. Juni 1989 auf der Suche nach ihr. Auf dem Tian’anmen Platz wird er Zeuge des Massakers, das die Regierung zur Niederschlagung der Studentenproteste angeordnet hat. Kleine Kim findet Dawei zwar nicht, dafür aber einen völlig verstörten Kater, den er mit nach Hause nimmt. “Haohao” (kleines Mäuschen) wird nicht nur Daweis Mitbewohner - immerhin kann das Tier sprechen! - sondern auch sein Sohn.
Dawei schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Versucht sich in verschiedenen Jobs, gerät in Konflikt mit der Regierung (seine ganze Familie hat China bereits Richtung Westen verlassen) und lernt auch einige Frauen kennen…
Eines Tages landet er bei einer Pekinger Zeitung und soll fortan Artikel schönen. Er kann auf westliche Presseerzeugnisse zugreifen (zu Recherchezwecken) und das anspruchsvolle Kätzchen verguckt sich immer mehr in die Welt des schönen Scheins. Haohao fasst den Entschluss, nach Hollywood zu gehen, um Cartoonstar zu werden. Über eine Freundin Daweis schafft er es tatsächlich, muss sich anfangs allerdings mit ziemlich miesen Jobs durchschlagen und hat letztendlich doch noch Erfolg. Doch jeder Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Diese werden offenbar, als Dawei in die USA reist, um seinen Kater zu besuchen. Amerika ist nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten…

Li Dawei hat mit “Love, Revolution und wie Kater Haohao nach Hollywood kam” ein einzigartiges Buch geschrieben, das die “neue Generation” in China unglaublich gut porträtiert. Hier pulsiert das Leben im jungen China, hier werden der schöne Schein und der kurze Ruhm beschrieben, die so viele Menschen (und Katzen) locken. Das Lebensgefühl einer ganzen Generation wird wunderbar lebendig rübergebracht.
Der Autor hat mit diesem Buch einen Roman mit autobiographischen und fantastischen Elementen angereichert - herausgekommen ist mehr als nur eine unterhaltsame Geschichte. Als Leser erfährt man, wie sich (junge) Menschen im China der Neunziger gefühlt haben. Hier wird Geschichte lebendig und vor allem nicht tabuisiert.
Sprechende Tiere blicken in China übrigens auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter waren sie populär - und zwar bei weitem nicht nur bei Kindern!

“Love, Revolution und wie Kater Haohao nach Hollywood kam” ist eine wunderbare Lektüre, die mit Comics versetzt, vor allem auch jüngere Leser anspricht. Die Sprache ist gut verständlich, die Handlung stets spannend, die Botschaft weise.
Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen!

Li Dawei (Autor)
Love, Revolution und wie Kater Haohao nach Hollywood kam
Knaus Verlag
320 Seiten für 19,95 Euro

Die entfesselten Nachtigallen

27. Juli 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Im Herbst 1996 wurde Fanfare Ciocarlia entdeckt. Die Roma-Blaskapelle aus dem rumänischen Zece Prajini, einem kleinen Dorf “am Ende der Welt” tourt nun schon seit über 10 Jahren durch die ganze Welt und bringt mit ihrem temporeichen Balkan Beat die Konzertsäle zum Kochen. Fünf Alben haben die 12 Gypsy-Funk-Jünger bereits veröffentlicht. Das jüngste, Queens and Kings, ist wieder mal ein Fest: Eine große Familienfeier, auf der Roma-Musiker aus ganz Europa dem Zuhörer ein Musikerlebnis vom Feinsten bieten. Hier mischen sich orientalische Klänge mit Funk, Jazz, brasilianischem Lambada und natürlich ordentlich Balkan Beat.

Fanfare Ciocarlia sind durch ganz Europa gereist, um gemeinsam mit Roma-Virtuosen aus Serbien, Mazedonien, Bosnien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Frankreich zu musizieren. Alt trifft hier neu, Traditionelles wird modernisiert, Lebensfreude und Sehnsucht verleihen den Liedern mal den entfesselten Sound, der einen an rumänische Hochzeiten denken lässt, mal schwingt die Trauer der großen aber leider unerfüllten Liebe mit.

In spanischer Sprache und in Romani singen und spielen Jony Iliev, Saban Bajramovic, Florentina Sandu, Ljiljana Butler, Mitsou, Esma Redzepova, Sabrina Romero (Kaloome), Dan Armeanca sowie Antoine “Tato” Garcia und Christ Mailhe (Kaloome) mit den Blechblasderwischen von Fanfare Ciocarlia.
Mit dabei ist übrigens auch die Neuinterpretation von Born to be wild, die einigen vielleicht aus Borat bekannt vorkommt.
Das 2007 veröffentlichte Album ist übrigens Ioan Invancea gewidmet, dem Patriarchen an der Klarinette, der im Herbst 2006, fast genau 10 Jahre nachdem die Band entdeckt wurde, verstorben ist.

Das ist der perfekte Sound für den Sommer - wild und lebendig.

Wer die Urgewalt der Blaskapelle Nachtigall live miterleben möchte, kann dies auf dem Konzert am 7. August 2009 im Thon Dittmer Palais tun. Im Rahmen des Klangfarben Festivals, das in diesem Jahr vom 7. bis zum 9. August stattfinden wird, kann man die 200 Beats/Minute am eigenen Leib erfahren.

Die neuesten Alben von Fanfare Ciocarlia sind bei Asphalt Tango, einem Berliner Label erschienen, das neben der Roma-Blaskapelle auch noch viele andere feine Musiker aus Osteuropa in seinem Programm hat.

www.asphalt-tango.de

Fanfare Ciocarlia - Queens and Kings

Fanfare Ciocarlia - Queens and Kings

Karten für das Konzert von Fanfare Ciocarlia, das im Rahmen des Klangfarben Festivals stattfindet, gibt es u.a. in der Tourist-Info im Alten Rathaus, in der Buchhandlung Dombrowsky, beim Kartenvorverkauf im DEZ und natürlich beim Veranstalter selbst und in einigen weiteren Vorverkaufsstellen.

www.klangfarben.org

Von wegen Sommerloch…

23. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

24. Juli, 7./8./15. August 2009. ZACK! - GLÜCK! - nur nicht nach Berlin! 20.30 Uhr. Garten des Museumscafés, Regensburg.
Das neue musikalisches Kabarettprogramm von und mit Meike Fabian und Bettina Schönenberg. Andreas Rüsing begleitet die Schauspielerinnen live am Piano, und Reinhold Bauer spielt Percussion. Weitere Infos unter www.schauspielcompagnia-regensburg.de

24./25. Juli 2009 Kurz- und Stummfilme auf der Burg in Kallmünz, 19.30 Uhr
Die für das letzte Wochenende geplante Veranstaltung wurde wegen Schlecht-Wetter auf dieses Wochenende verschoben. Zu sehen werden sein: 3 Kurzfilmen von Jungfilmern und der Stummfilm-Klassiker Nosferatu mit Live Musik.

25. Juli -.06. September 2009 Miteinander-und der Prozess dazwischen. Objekte und Zeichnungen von Hyosook Moon, Galerie Konstantin B. Am Brixner Hof 11, Regensburg

Samstag, 25. Juli 2009 Sommerfest der Neuen Filmbühne am Bismarckplatz. unter Anderen mit den Zofen

Donnerstag, 30.Juli 2009, 22.30 Uhr, Bodega, Regensburg: The Burger Project. Vier Griechen, die wohl Irgendetwas zwischen skurrilen Pop-Punk, Happy Hardcore und japanische klassische Musik machen. So in etwa sehen sie jedenfalls auf dem Flyer auch aus. Mehr unter: www.myspace.com/theburgerproject

Keine Probleme an Bord

23. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Seit einigen Tagen sehen Jogger, Spaziergänger und Radler, die zwischen Donau und Schillerwiese in Regensburg ihren Freizeitaktivitäten nachgehen, ein unbekanntes Schwimmobjekt: “Hakuna Matata” steht auf dem floßähnlichen Gebilde mit rotem Häuschen. Ob wohl der gegenüberliegende Ruderclub eine schwimmende Saftbar eröffnet hat oder ob gar Fahrendes Volk von Rumänien oder Bulgarien die Donau aufwärts gekommen ist?

Nein, Marek und Luise wollen zum Schwarzen Meer. Aber eigentlich ist selbst diese Aussage schon falsch, da zu konkret. Denn die Lebenseinstellung der beiden “Flößer” ist mit dem abgegriffenem Satz “Der Weg ist das Ziel” zusammenzufassen. Wie weit sie letztendlich wirklich kommen, was ist, wenn der Winter einbricht, ihr Boot zerschellt oder sie von Piraten überfallen werden, wird sich zeigen, wenn es soweit ist. Deshalb ist ihnen auch egal wie lang die Fahrt dauern wird. Wenn es ihnen irgendwo gefällt, wie in Regensburg, bleiben sie länger. Gut, in Regensburg haben sie einen Freund und dann war da noch das Bürgerfest…

Die Hakuna Matata mit ihren Eignern Marek Und Luise vor Pfaffenstein

Die Hakuna Matata mit ihren Eignern Marek Und Luise vor Pfaffenstein

Vorbereitung und Floßbau

Dieser Freund hat übrigens auch etwas damit zu tun, dass sie mit dem Floß unterwegs sind. Im Jahre 2000 hat er auf der Elbe eine Floßfahrt von Dresden nach Hamburg unternommen. Marek wollte damals eigentlich mit. Private Gründe verhinderten das. Nun will er es nachholen - mit Luise. Und was sind schon knapp 600 km zwischen Dresden und Hamburg. Wenn, dann musste es eine richtige Herausforderung sein. Also vielleicht ca. 2500 km von Donaueschingen zum Schwarzen Meer? Aber so ein Projekt bedeutet, trotz der lockeren und ungezwungen Herangehensweise der Beiden: Vorbereitung. “Wir sind ja keine Pioniere” sagt Luise, “da kann man schon auf die Erfahrungen Anderer zurückgreifen“. Dank des Internets ist das heute zum Glück alles kein Problem mehr. Tatsächlich gibt es neben einer Vielzahl Donau-Kreuzfahrt-Reisebücher auch einige Literatur zu alternativen Donaureisen mit Kanu oder Paddelboot. Da beide keinerlei Erfahrung mit der Fortbewegung im Wasser hatten, waren es vor allem grundlegende Informationen zum Floßbau und zu Genehmigungen, die sie sich telefonisch oder im Internet besorgen mussten. Nach ungefähr drei Monaten Vorbereitung ging es an die Umsetzung. Marek (30) stammt aus Chemnitz und verdingt sich als reisender Tischler. Luise (22), deren Heimatstadt Berlin ist, verdiente zuletzt ihren Lebensunterhalt als Kellnerin in einem Restaurant in der Schweiz. Nun eignete sich weder Chemnitz noch Berlin als Ausgangspunkt für eine Donaureise. Es musste ein Ort gefunden werden, wo genügend Platz vorhanden war, um das Floß zu bauen ohne Jemanden zu stören und wovon es bis zur Donau nicht all zu weit war, schließlich mussten sie das Floß, wenn es fertig war dorthin bringen. Wie so oft, spielte der Zufall dabei gehörig mit. Der erste Bauernhof, der sich ihnen durch familiäre und freundschaftliche Beziehungen auftat, erwies sich leider als ungeeignet. Doch deren Besitzer vermittelte sie an eine Familie in Peterzell im Südschwarzwald. Hans-Hartwig Lenzner und Antje Lützow entschieden sich nach kurzer Bedenkzeit dafür Mark und Luise zu helfen. Drei Wochen bauten Marek und Luise ihr Floß, während sie, wie selbstverständlich auf dem Untermühlbachhof in die Familie Lützow integriert wurden. Die Familie hatte ohnehin viele Mitglieder. Neben den bereits erwähnten Ehepaar gehörten, mehrere Kindern und einigen Tieren dazu. Auf zwei Leute mehr am Essenstisch kam es da nicht an. Marek und Luise erhielten sogar das Holz, welches sie zum Bau brauchten kostenlos von ihnen. Sie versuchten sich für die erwiesene Unterstützung durch kleine Arbeiten auf dem Hof zu bedanken. Mal hackten sie Holz, dann strichen sie ein Geländer oder räumten eine Scheune auf. Die selbstlose Hilfe, die ihnen von den Lützows entgegengebracht wurde, sollte ihnen auf ihrer Reise noch oft begegnen. Den Beweis lieferte sogleich der Besitzer einer Autovermietung. Er stellte ihnen äußerst günstig ein Fahrzeug für Transport des 1,3 Tonnen schweren Wasserfahrzeugs zu Verfügung.

Leinen los und Schiff ahoi

Am 07. Juni 2009 war es dann soweit. In Günzburg, 20 Kilometer nord-östlich von Ulm, sollte das mit 14 Schwimmkörpern, zwei Rudern und einem Motor versehene, ca. 3 x 4 Meter große Floß, zu Wasser gelassen werden. Ein richtiger kleiner Stapellauf war das wohl, bei dem viele Leute aus dem Ort, aber auch Familie Lützow und Luises Eltern anwesend waren. Das Schiff wurde mit Sekt auf den Namen Hakuna Matata getauft. Ein Satz aus der afrikanischen Sprache der Swahili, der übersetzt soviel bedeutet wie „Es gibt keine Probleme“. Ein frommer Wunsch mag man denken angesichts der ihnen bevorstehenden ca. 2500 Kilometer Donauweg.
Die ersten Kilometer hatten sie ein paar Passagiere an Bord. Eine Freundin mit zwei Kindern und einem Hund. Da war schnell klar, dass das Floß für so viele Leute auf Dauer zu klein war. Und Marek und Luise waren froh, dass sie sich nur zu zweit und nicht wie ursprünglich geplant zu sechst, auf das Abenteuer eingelassen hatten.

Bis zum Donaudurchbruch in Weltenburg ist der Motorverkehr auf der Donau verboten. Dementsprechend angenehm, ohne lästige Motorboote oder Dampfer deren Wellengang kleine Boote sofort in gefährliches Schwanken versetzt, verlief die Fahrt meistens. Naja, meistens. Bei Dillingen wurde eine Schleuse gewartet. Die Wartung war tatsächlich mit 14 Tagen veranschlagt. Zum Glück trafen sie einen netten Bauern, der ihr Floß auf den Hänger seines Traktors lud. Die Schleuse war umfahren. Wieder ein netter Mensch der selbstlos und unkompliziert Hilfe leistete.

Doch eine unangenehme Begegnung hatte sie bisher. Und zwar in Regensburg. Ein Anwohner oder Passant fühlte sich nämlich belästigt und zwar vom Anblick des unbekleideten Mareks in der Donau. Zum Glück gehörte der von ihm gerufenen Polizist wieder zu den Guten. Aber ihre Papiere wollte er doch sehen. Die waren jedoch vollzählig: eine Art Zulassung für das Boot und die Wassernutzungsgenehmigung vom Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg.

„Die Donau hat uns schon viel genommen“ sagt Marek, als ich die beiden auf ihre Blumenkästen anspreche. Nicht nur einer der Blumenkästen, auch ihre beiden Fahrräder seinen unabhängig voneinander schon auf Tauchgang gewesen. Das erste konnten sie, da es in relativer Ufernähe passiert ist, noch selbst bergen. Mit viel Geduld und einer 4 Meter langen Leiter. Doch beim zweiten hatten sie keine Chance. Ungläubig schaue ich ihre beiden Fahrräder an. Was die Donau einmal in ihren Fängen hat, gibt sie nicht ohne Weiteres her, vor allem nicht bei Hochwasser. Und zur Zeit herrschte Hochwasser. Allein in Regensburg liegen wohl hunderte Fahrräder in der Donau. Erst im Letzen Jahr wurden einige davon geborgen und zu einen riesigen gut 10-Meter-hohen Berg aufgetürmt. „Wir hatten schon den Fahrradschlüssel hinterhergeworfen“ da wir die Hoffnung aufgegeben hatten, gestand Luise. Doch dann probierten sie es doch noch bei der Feuerwehr. Die einzige Taucherstaffel im Umkreis von 100 Kilometern sei in Kelheim. Was für ein Zufall. „Aber für die Kosten eines Feuerwehreinsatz könnten sie sich zwei neue Fahrräder kaufen„, gab ich zu bedenken. Die Feuerwehrleute waren so entgegenkommend, dass sie den Einsatz als Übung deklarierten, so dass sie keinerlei Kosten hatten. „Wir haben uns mit einem Kasten Bier bedankt“.

Unglaublich! Und das in Deutschland „Da glaubt man ja wieder an das Gute im Menschen“. „Das tun wir sowieso“ erhielt ich als Antwort. Wahrscheinlich ist genau diese Einstellung die Voraussetzung um ein solches Wagnis einzugehen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen, denen sie begegnen, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Marek und Luise ein Stück Freiheit leben, von dem die Andern träumen.

Aber das alles ist ja erst der Anfang. Hoffentlich wird es so bleiben. Inzwischen haben die beiden Regensburg wieder verlassen. Also ihr zwei: weiterhin viele nette Menschen auf eurer Reise und allzeit eine Handvoll Wasser unter dem Kiel.

Schwäne über Regensburg

22. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Tschaikowski: Schwanensee. Corps de Ballet der Staatsoper Breslau. Thurn und Taxis Schlossfestspiele, Regensburg, 20. Juli 2009.

Siegfried und Odette

Siegfried und Odette

1877 wurde Tschaikowskis Schwanensee unter dem Titel Lebedinoje osero vom Ballett des Bolschoi-Theaters in Moskau zur Choreographie von Wenzel Reisinger uraufgeführt - und war zunächst wenig erfolgreich. Im Laufe der Zeit unterlag das Werk vielen Veränderungen und Kürzungen. Der schwerwiegenste Eingriff ist die Änderung des Schlusses zum Happy End. Nunmehr gilt Schwanensee als der Ballett-Klassiker schlechthin.

Die Inszenierung des Balletts der Staatsoper Breslau (Die Staatsoper Breslau wurde bereits für Aida verpflichtet) konnte man in passendem Ambiente des fürstlichen Schlosses Thurn und Taxis im Rahmen der gleichnamigen Schlossfestspiele erleben.

Das Ballett in vier Akten basiert auf einem in vielen Ländern verbreiteten Märchen. 1.Akt: Prinz Siegfried trifft nach dem Fest seiner Volljährigkeit im Park auf eine Gruppe Schwäne. Sein Jagdtrieb erwacht und er folgt ihnen in den Wald. 2. Akt: Die Schwäne entpuppen sich als schöne Mädchen, deren schönste Odette ist. Sie sind am Tage in Schwangestalt gebannt. Zauberer Rothbart (ursprünglich Odettes Stiefmutter in Eulengestalt) ist dafür verantwortlich. Nur wahre Liebe kann den Zauber brechen. Siegfried und Odette verlieben sich und schwören sich ewige Treue. 3. Akt: Beim Ball, auf dem Siegfried sich eine Braut aussuchen soll, erscheint Rothbart mit seiner Tochter Odile, die Odette zum Verwechseln ähnlich sieht. Siegfried entscheidet sich für sie. Plötzlich erblickt er durch das Fenster einen weißen Schwan und Siegfried eilt voll Verzweiflung davon. 4. Akt: Am See im Wald begegnen sich Siegfried und Odette. Rothbart kommt hinzu. Ein Kampf entbrennt und Odette und Siegfried sterben in den Fluten.

Die Choreographie dieses Abends verkürzt den ersten Akt, in dem Siegfried seine Volljährigkeit feiert auf einen Prolog und versucht im vierten Akt mehrere Fassungen zu einem offenen Schluss zu vereinen. Beim Kampf zwischen Siegfried und Rothbart scheint letzterer die Oberhand zu erlangen. Siegfried bleibt allein und verzweifelt am See zurück.

Die Choreographie und Ausstattung des ersten und dritten (Gesellschaftsbilder), sowie des zweiten und vierten Aktes (Schwanenbilder), unterscheiden sich augenscheinlich voneinander. Es zeichnen dafür nämlich zwei verschiedene Choreographen verantwortlich. (So bereits in der St. Petersburger Aufführung von Petipa und Iwanow von 1895.) Während die sogenannten weißen Akte (2. und 4. Akt) von Viktor Smirnov-Golovanov klassisch und schlicht inszeniert wurden, benutzt im ersten und dritten Akt Ewa Wycichowska verstörende Elemente und Kostüme. So treten zum Beispiel zwei Tänzer im Reigen der Bewerberinnen um den Prinzen auf, noch dazu in roten Strümpfen und Strapsen. Dem Publikum scheint es gefallen zu haben, denn die beiden Tänzer erhielten einen besonders begeisterten Schlussapplaus. Odette und Odile werden von der 21-jährigen Ukrainerin Aleksandra Liaszenko getanzt. Die Doppelrolle war so bereits bei Reisinger angelegt, wurde in späteren Aufführungen aber auch gelegentlich mit zwei Tänzerinnen besetzt.

Zu Recht gilt dieses Ballett als Inbegriff seiner Gattung. Nur ein echtes Orchester hätte wohl die Aufführung an diesem Abend noch perfektionieren können.

Totale im fürstlichen Schloss

Schwanensee - Totale im fürstlichen Schloss

Von großen und von kleinen Leuten

21. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Joseph Berglinger: Napoleon in Alteglofsheim. Napoleon Schloss Festspiele, Alteglofsheim 17. - 26. Juli 2009

Titel

2. Chevauléger-Regiment Thurn & Taxis

Schloss Alteglofsheim beherbergte am 22. April 1809 einen weltberühmten und gefürchteten Mann: Napoleon. Er verbrachte nach der Schlacht von Eggmühl und vor der Schlacht um Regensburg eine Nacht dort.

Das Kulturforum des Schlosses nahm die 200ste Jährung des Ereignisses zum Anlass um ein Theaterstück zum Thema in Auftrag zu geben. Der Regensburger Schriftsteller und Regisseur Joseph Berlinger wurde mit der Aufgabe des Schreibens und der Inszenierung betraut.

Zwar basiert das Stück auf ein historisches Ereignis mit der historische Figur Napoleons als Protagonisten. Dennoch ist es ein Stück über die kleinen Leute, über die einfache Land-Bevölkerung. Vor allem die Frauen, sind die eigentlichen Helden des Stückes. Berlinger fragt nach dem, was am Rande des historisch überlieferten Ereignisses geschehen sein könnte. Während die Bevölkerung unter Plünderungen und Brandschatzungen, zuerst der Österreichischen und dann der Napoleonischen Truppen leidet, bemühen sich zwei Mägde um die Gunst des großen Feldherren.

Berlingers Szenen wirken assoziativ und stark visuell. Passend dazu nennt er die einzelnen Akte des Stückes „Bilder”.

Im sogenannten Zwergerlgarten des Schlosses spielt das erste Bild. Hier erhält der Zuschauer einen Einblick in das geschundene Dorf Alteglofsheim. Sowohl in den Nischen entlang der Mauern, als auch im Zentrum des Gartens finden zeitgleich die Spielszenen statt. Der Besucher kann beim Durchstreifen des Gartens nach eigenen Gutdünken Reihenfolge und Verweildauer bestimmen. Er kann einen Blick in die Baderstube werfen, in der akkord-amputiert wird, den Frauen des Dorfes zusehen, wie sie über das weitere Verfahren mit einem gefangenen Österreichischen Soldaten diskutieren, während die Napoleonischen Reiter Einlass ins Schloss begehren. Überall stolpert man über Verwundete, Flüchtlinge und verwaiste Kindern.

Auch auf dem Weg zur Spielstätte des zweiten Bildes begegnen dem Zuschauer Menschen des Dorfes und ein berittenes Flügelwesens aus einer anderen Welt.

Frauensturm und Bürgermeister

Frauensturm und Bürgermeister

Die Spielstätte des zweiten Aktes gleicht einem kleinen Amphitheater im Garten. Hier treffen verschieden Menschen aufeinander. Die Weiler Simone (hervorragend gespielt von Eva Sixt) ist jene Magd, welche mit einem Lied Napoleons Aufmerksamkeit erlangen will. Der Frauenthaler Georg (Rainer Sporer) begleitet sie an der Quetschen. Wer hier wen schikaniert bleibt offen.  Ihre Konkurrentin, die Danzer Maria (Ruth Wahl) wittert ihre Chance. Es wird gezankt und gezickt und schließlich eine Wette geschlossen. Die Danzerin scheint sich mit einem österreichischen Attentäter (Hans Steinberger) verbunden zu haben, der Napoleon nach dem Leben trachtet. Auch der „Frauensturm“ aus dem ersten Bild hat wieder einige sehr gut inszenierte Einsätze. Und endlich tritt auch Napoleon (Martin Hofer) auf. Bei einem Spaziergang durch den Garten begegnet er dem Bürgermeister und Bader (Josef Ettl) der sich soeben in napoleonischen Gesten übt. Nachdem Napoleon seine Kavalleristen empfangen hat und den ihm lästigen Bürgermeister hinfortgeschickt hat, widmet er sich der Schlachtplanung. Hier betritt nun das bereits erwähnte Fabelwesen die Szenerie: eine Stelzenfrau (Lene Husch) in schwarzen Tüll, die Napoleons Eingebungen zu sein scheint. Dem Programmheft entnimmt man, dass sie die Kriegsgöttin darstellen soll. Ein äußerst effektvolles und optisch sehr ansprechendes Motiv. Martin Hofer ist einer der wenigen professionelle Schauspieler in dem Stück. Als Napoleon muss er durchgehend französisch sprechen. Als gebürtiger Schweizer meistert er dies natürlich mit Bravour. Doch auch wenn er nicht spricht, erkennt man in ihm den routinierten Profi. Den Rest leisten, zum Teil sehr überzeugend, Laienschauspieler der Alteglofsheimer und Tahlmassinger Theatergruppe. Sie geben auch ein bairisches Volkslied zum Besten. Das Stück ist weitestgehend im Dialekt angesiedelt. Das verleiht sowohl Authentizität, als auch Charme und ist eine absolute Bereicherung für das Stück.

Die ersten zwei Bilder waren durchgehend sehr atmosphärisch und beeindruckend inszeniert.

Napoleon

Napoleon (Martin Hofer) vom Geist des Krieges (Lene Husch) beflügelt

Nach der Pause fällt das Stück leider, vor allem dramaturgisch, aber auch inszenatorisch, ab. Berlinger trägt einfach ein bisschen zu dick auf. Das dritte Bild spielt vor der östlichen Fassade des Schlosses. Die eingeblendete Videoaufnahme einer nachgestellten Kampfschlacht zerstört Atmosphäre, statt zu schaffen und ist zudem zum Handlungsverständnis völlig überflüssig. Die Wahrsagerszene wirkt ebenfalls sehr aufgesetzt und plakativ. Geschuldet ist das sowohl dem Inhalt, als auch der Musikuntermalung und der elektronische Verstärkung. Die Live-Musik des vierköpfigen Ensembles für alte Musik La Sfera, passt thematisch, wäre ein wenig reduzierter eingesetzt und ohne elektronische Verstärkung, sicher stimmungsvoller.

Zum Schluss kommt die geflügelte Stelzenfrau nochmals zum Einsatz, diesmal in Weiß gekleidet als Friedensbotin. Napoleon läuft ihr nach. Das Stück ist beendet. Doch auf der Wiese neben dem Schloss kommt es zu einem kleinem Nachspiel: Der Friedensengel reitet mit einem kleinem Napoleon davon und hinterlässt ein brennendes Dorf.

Fazit: Trotz des schwachen dritten Aktes, ist Napoleon in Alteglofsheim ein ästhetisch gelungenes, dabei kritisches und vielschichtiges Stück. Berlingers Stärke liegt hier vor allem in den kleinen Szenen der einfachen Leute.

Sie können Joseph Berglingers Napoleon in Alteglofsheim noch an folgenden Terminen sehen: Mi. 22. Juli, Fr. 24. Juli, So. 26. Juli; Beginn jeweils 20.00 Uhr

Kunst, Künstler und Kurator im Kasten

20. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Beat me with your Love 3. Neue Romantik. Kunstverein Graz Regensburg am 10. Juli 2009

Der dritte Teil der Grazer Neue Romantik-Reihe Beat me with your Love entstand mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung. Die Robert Bosch Stiftung fördert mit einem Programm Kulturmanager aus Mittel- und Osteuropa.  Eines der dabei vergebenen Stipendien, erhielt in diesem Jahr Jelena Vukmanovic aus Serbien. Sie wählte den Kunstverein Graz in Regensburg als Praktikums- und Wirkstätte.

Im Rahmen des Robert Bosch Programms kam es bereits am 18. April im Graz zu einem interessant klingenden Projekt: Gogol Elektrifiziert. Dabei handelte es sich um eine Mischung aus historischer Filmkunst und zeitgenössischer Musik. Zum Stummfilmklassiker Schinjel (SU 1926) nach Gogols Erzählung Der Mantel spielten Spilling, zwei Musiker aus St. Petersburg. Da es sich bei Gogol Elektrifiziert um ein Gemeinschaftsprojekt von verschiedenen Stipendiaten der Stiftung handelte, war es neben Regensburg auch in Pforzheim, Hamburg und München zu sehen.

Nun kuratiert Jelena Vukmanovic Beat me with your Love 3. Doch nicht nur das. Sie war gemeinsam mit einem der Künstler auch Teil eines Kunstwerkes.

Im Ausstellungsraum des Kunstvereins befindet sich rechter Hand eine Art Sperrholz-Container. Erst nach Ermutigung trauten sich die Besucher durch die kleinen kreisförmigen Öffnungen in den Wänden zu schauen. Im Inneren erblickte man ein Zimmer im schweren, prunkvoll altmodischen Stil. Darin bewegen sich vier junge Menschen an und um eine Kaffeetafel. Die zwei Damen und zwei Herren sind nach Biedermeir-Mode gekleidete. Anscheinende pflegen sie das Nichtstun, sie blättern in Büchern und betreiben Konveration. Eine der Personen im Kasten ist Jelena Vukmanovic, eine andere Rastko Stefanovic, der Künstler der Rauminstallation Romantiker Salon. Ein romantisches Big Brother des Biedermeier? Die Einführungsrede erklärt die Installation mit einem “Erweckungsversuch romantischer Gefühle” durch Matrialisierung. Die “Rede” bestand übrigens diesmal aus einem Text von Jelena Vukmanovic, den Jürgen Huber bei der Eröffnung der Ausstellung an die Wand schrieb. Der raumfüllende Kuckkasten, bei dem sich der Zuschauer beim Hineinblicken an eine übergroße Laterna magica erinnert fühlen könnte, funktioniert jedenfalls. Die Optik die sich durch den begrenzten Bildausschnitt ergibt, wirkte viel interessanter als sähe man die Personen im offenen Raum oder auf der Bühne. Durch jede Öffnung hatte der Zuschauer einen anderen Bildausschnitt, so dass nie zwei Betrachter das gleiche Bild sehen. Auch verstärkt die Abgeschlossenheit des Mikrokosmus die Illusion und der der Betrachter wird zum voyeuristischen Zeitreisenden.

Die Fotoserien von Jelena Prekajski (Zrenjanin / Serbien), die im Nebenraum zu sehen ist, greift Thema und Interieur der Installation auf. Rasktko Stefanovic und eine Dame im bereits bekannten Gewandt posieren darauf als flirtendes Liebespärchen. Eine Fotolovestory in Candleligthe-Milieu. War es nicht das, was Herr Huber eigentlich nicht wollte?

Eine weitere Frage bleibt nach Beat me with your Love 3: Was ist das neue an dieser Romantik?

 

im Romantikersalon im GRAZ

Stefanovic und Vukmanovic im Romantikersalon

Im letzten Quartal des Jahres ist übrigens noch ein weiters Gruppenprojekt mit Mitgliedern der Boschstiftung geplant. Dann werden Zeichentrickfilme aus dem ehemaligen Ostblock von sibirischen Musikern live vertont. Auch dieses Projekt wird wieder verschiedene deutsche Städte bereisen.

beat me with your love 3.  Neue Romantik. bis 31.07.2009
Kunstverein Graz Schäffnerstraße 21. Hinterhof.
Öffnungszeiten: Do bis So 16.00 bis 19.00 Uhr
mehr unter: www.kunstvereingraz.de