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Archiv für September, 2009

Wer ist Anderson?

30. September 2009 ffranc Keine Kommentare

Anderson, am 06.09.2009, im Club Heimat, Regensburg

Zugegeben, unsere gemütliche kleine Großstadt ist nicht gerade der Nabel der Pop-Welt. Dennoch begibt es sich manchmal, dass auch Wir uns gelegentlich irgendwo zwischen Brust und Scham befinden. Anfang der achtziger Jahre z.B. holte ein gewisser Jürgen Teipel eine noch unbekannte Band namens Die Toten Hosen in die Bachgasse, Mitte der Neunziger spielte Barbara Manning im Kowalski (oder Kowalski II) in der Lederergasse, ihre Begleitband hieß Spoke bzw. Calexico. Und Heute? Heute spielen Anderson in der Heimat im Taubengässchen.
Was haben diese Drei gemeinsam? Als sie hier spielten, kannte sie kaum einer, darum waren bei allen Veranstaltungen nur eine handvoll Zuschauer. Und was unterscheidet sie? Calexico und die Toten Hosen treten bestenfalls noch in der Münchner Olympia-Halle auf und kosten 40 Euro. Anderson spielen für “ein Mal Hut ‘rumgehenlassen”. Dass Anderson auch mal so enden werden ist eher nicht zu erwarten, das Zeugs dazu hätten sie jedoch allemal.

It runs in the family - Anderson (Jeroen & Bas) im Club Heimat

It runs in the family - Anderson (Jeroen & Bas) im Club Heimat

Anderson sind Bas und Jeroen aus Rotterdam, der größten Hafenstadt Europas, und sehen irgendwie ein Bisschen so aus wie schwule Matrosen. Sind sie aber nicht. Anderson machen einfach nur Popmusik, ausgezeichnete sogar. Ausgerüstet mit Labtop und Gitarre sind sie angetreten die Pop-Welt zu erobern und nicht zu revolutionieren. Denn zugegeben, mordsmäßige Originalität sieht anders aus, so klangen die Pet Shop Boys mehr oder minder schon vor 25 Jahren und so ähnlich klingen zig andere Bands heute, dennoch verzaubern uns Anderson einfach mit wunderbaren Melodien, sanften Arrangements und einer grundsympathischen Ausstrahlung. Und wenn sie mit Schmunzeln und liebreizendem Englisch mit holländischem Akzent mehrmals darauf hinweisen, dass sie “professional” seien, oder dass das nächste Lied ein “Hit” sei, so muss dies nicht als Understatement verstanden werden. Denn ungelogen, jedes Lied ist ein potentieller Nummer-Eins-Hit. Egal ob dancefloortauglicher Kracher oder luftige Ballade, Anderson klingen dabei immer sehr sanft und eingängig.

Alle, die dieses wunderbare Konzert verpasst haben, können sich gerne auf Andersons Myspace-Seite davon überzeugen, wie gut sie sind, oder er besogt sich irgendwie ihre letzte, bereits im vergangenen Jahr erschienene Cd “It Runs in the Family”. Es ist ein sehr schön gestaltetes Digipak, eine Art Konzept-Album, auf dem jedes Lied einem imaginären, irgendwo auf der Welt verstreuten Familienmitglied gewidmet ist. Dazu passend sind der Cd Postkarten beigelegt, jeweils eine für jeden Verwandten mit dem entsprechenden Text drauf. Schöne Idee, schöne Musik!

www.myspace.com/andersonnl

Viel los in Regensburg

25. September 2009 lweser Keine Kommentare

Donnerstag, 24. September, 20.00 Uhr, Kunst- und Gewerbeverein, Jahreslesung des Schriftsteller-Verbandes Ostbayern, u.A. mit lokalen Berühmtheiten wie: Rolf Stemmle, Barbara Krohn, Friedrich Brandl, Florian Sendtner, Marita A. Panzer, Karin Holz u.v.m.  

Donnerstag, 24. September, 20.00 Uhr, Theater im Spital-Keller, Regensburg, Herbert Rosendorfers Stück Kellnerin Anni, Theatergruppe Spinnrad.

ab Donnerstag, 24.September 2009, Markus Mittermeier: Short Cut To Hollywood, Filmstart. Nach seinem Überraschungserfolg Muxmäuschenstill des beinah Regensburger (Pentling), auf jeden Fall Ostbayrischen Schauspieler und Filmemacher Markus Mittermeiers neuer Film. Läuft im Ostentor-Kino in Regensburg.

Donnerstag-Samstag 10-19.00 Uhr; Neupfarrplatz, 4. Ungarnmarkt

ACHTUNG - ÄNDERUNG: Der für Freitag, 25. September 2009 im W1 (Regensburg) geplante Auftritt der Kanadier Trike, mit Roman S. als Ein-Mann-Vorband entfällt leider aus tourtechnischen Gründenà wird aber im November nachgeholt!

Samstag, 26.September 2009 Galerien-Abend Regensburg, 18.00-24.00 Uhr,
dabei oder einfach offen: Bäumler, Graz, Kirim, Kunst- und Gewerbeverein, kleine Galerie, Schmuckgalerie Brigitte Berndt, Kunstkontor Westnerwacht; Ausstellungseröffnungen bei: Galerie Konstantin B. (Jahresauslese), Kunstkabinett (Werke des kürzlich verstorbenen Paul Flora), Galerie Hammer (japanische Maler Tatsuhiko Yokoo), Galerie Raumstatt
Gedisst aber trotzdem super: Art Affair!!!

Dienstag, 29. September 2009, Donau Arena, Paul Potts. Nein, nicht der kambodschanische Schlächter und Völkermörder, sondern: vom Handy-Verkäufer zum Star-Tenor, UK sucht den Superstar machts möglich.

Mittwoch, 30. September 2009, Bücher Pustet: Rolf Stemmle: Buchpräsentation des 344. Bandes der Richard Wagner-Werk-Interpretations-Reihe

Zeig mir deins, ich zeig dir meins

23. September 2009 lweser 1 Kommentar

Rauminstallation und Malerei von Dana Lürken und Rayk Amelang im Kunstverein Graz, Regensburg

Rayk Amelang, gebürtiger Dessauer und Graz-Mitglied seit 2008, zeigt gemeinsam mit der Münchnerin Dana Lürken Seins, ihr und uns und Ihrs, ihm und uns. Der Ausstellungstitel ist wohl anlehnt an die Internet-Kunst-Plattform in der Dana Lürken ihre Arbeiten präsentiert: www.Zeige-Deine-Kunst.de

Wir zeigen alle: Lürken, Herzer, Amelang (Bild), Amelang (echt)

Wir zeigen alle: Lürken, Herzer, Amelang (Bild), Amelang (echt)

Rayk Amelang zeigt Malerei (Acryl) auf ungrundierter Leinwand und eine Fotoserie. Unschwer zu Erkennen: Künstler und Inhalt der Kunst sind identisch. Selbstbildnisse also. Popart auch. Besser: Comicart. Und Fotorealismus. Nach projizierten Fotos, malt Amelang. Die Lokalisation seiner Figur auf und in der Leinwand scheint vorrangig. Zum Teil nur minimale Unterschiede in den einzelnen Bildern. Der Hindergrund nebensächlich, entweder die pure Leinwand oder nur angedeutet. Looking for Astronauts und Waiting for the Superheroes. Man merkt wo Amelang herkommt. Ich meine damit nicht den Osten (Um das zu merken müsste es nämlich Kosmonaut heißen.), sondern aus der Graffiti-Szene und von der Street Art.

Was bleibt von und mit Dana Lürken

"Was bleibt" von und mit Dana Lürken

Dana Lürkens Installationen mit dem Titel Was bleibt besteht aus einem Sammelsurium von Erinnerungsstücken aus dem Nachlass ihrer Großmutter. Kleine Papierschnipsel eines vergangenen Lebens. Lebensäußerungen, die uns die Verstorbene vorstellbar machen. Ihr Bild und das ihres Lebens entsteht von selbst vor unserem geistigen Auge. Automatisch kommen Fragen. Warum, hat sie genau den Zeitungsausschnitt aufgehoben? Was ist mit dem Testament, welches nur im Falle, dass sie bei der Entbindung ihres Kindes sterbe, geöffnet werden dürfe, geschehen? (Der Umschlag ist offen.) … Ein Flohmarktbesuch. Dort kommen die gleichen Fragen, wenn  der (oft komplette) Nachlass von Menschen veräußert wird. Hier sind die Postkarten, Photos, Sterbebildchen, Zeitungsausschnitte, Notizen, Handarbeiten usw. in einer Art Herrgottswinkel und vereinzelt an den gegenüberliegenden Wänden angeordnet.

Dazu passt die etwas ältere Installation, die im Hauptraum zu sehen ist. Sie trägt den Titel 11 Minuten. Zu sehen ist ein altes Ehebett. Davor steht ein Fernsehapparat auf dem ein Schwarz-Weiß-Video läuft. Darauf nur eine Fahrt über Schienen. Zwei Menschen, die einander ihre Liebesbekundungen entgegen flüstern bis schreien. Sie beginnt, er antwortet. 11 Minuten lang immer die gleichen zwei Sätze - doch unterschiedlich gefärbt. Ein gemeinsames Leben, zusammengefasst in 11 Minuten? Treffend bemerkt Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden, der die äußerst lange Einführung hielt, am Ende seiner Vorlesung: “Zwei Parallelen schneiden sich im Unendlichen.” Zwar meint er damit die sehr unterschiedlichen Arbeiten, der zwei unterschiedlichen Künstler, doch man könnte es genauso gut auf die parallel verlaufenden Gleise beziehen. Eine Parallelität, die von den zwei Ehebetten aufgenommen wird. Zwei Menschen; die ihr Leben miteinander teilen, treffen sich vielleicht erst in der Unendlichkeit? - Vielleicht.

Zwei Künstler treffen sich jedenfalls schon mal im Graz und zeigen uns das Ihre. 

 

Zeig mir deins, ich zeig dir meins bis 04. Oktober 2009, Kunstverein Graz, Schäffnerstraße 21, Regensburg, Öffnungszeiten: Do bis So 16.00 bis 19.00 Uhr
Auch während des Galerien-Abends mit kleinem Rahmenprogramm zu sehen; mehr unter: www.kunstvereingraz.de.

Hunger!

23. September 2009 lweser Keine Kommentare

Knut Hamsun: Hunger, gelesen von Oskar Werner

Am 4. August 2009 wäre der der norwegische Nobelpreisträger Knut Hamsun 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt Hörbuch Hamburg eine kleine Besonderheit heraus: Die Neuauflage einer Aufnahme des SWR einer gekürzten Lesung von Hunger aus dem Jahr 1961. Der Leser ist kein geringerer als der große, 1984 verstorbene Oskar Werner.

Hunger (norw.: Sult) erschien 1890. Der handlungsarme Roman ist geprägt von assoziativen Beobachtungen und Gedanken des Ich-Erzählers. Es handelt sich um einen anonymen, jungen und gebildeten Mann, der am Rande der Gesellschaft lebt. Er versucht dem Hungertod zu entkommen und läuft ständig Gefahr obdachlos zu werden. Er schafft es mehr schlecht, als recht, einzig durch die gelegentliche Veröffentlichung einiger seiner Artikel und das Versetzen seiner gesamten Habseligkeiten im Pfandhaus. Der Hunger beherrscht bald sein gesamtes Denken. Im Hunger entwickelt er Wahnvorstellungen und eine gesteigerte Beobachtungsgabe. Die Not bringt ihn immer wieder in moralische Zwickmühlen. So versetzt er seine Weste um einem Mann zu helfen, den er selbst beinah nach Geld gefragt hätte. Er stürzt sich auf die Kuchen einer armen Kuchenfrau, der er vor mehreren Tagen Geld geschenkt hatte, da er die Schuld es ungerecht erhalten zu haben, nicht ertragen konnte. Er lehnt jede ihm angebotene Hilfe aus Stolz ab. Wäre die gesamte Situation nicht so tragisch, würde er in seiner unangemessenen Eitelkeit lächerlich wirken.

Die Hörbuch-Version ist stark gekürzt. Dadurch wirkt die Erzählung dichter, verliert jedoch ein wenig seine psychologischen Feinheit. Oskar Werner ist die ideale Besetzung für die Rolle. Die gedämpfte, fast monotone Stimme, zwischen Resignation und Wahn und Werners typischer Wiener Zungenschlag prägen die Darstellung.

Die Doppel-CD ist in einem ansprechendem Digipak erschienen.

Fazit: Eine bedrückende, fesselnde und seltene Produktion, die durch ihre Wiederauflage der Vergessenheit entrissen wurde.

Und hier unser Ostbayern-Bezug: Unser jüngst nach Kopenhagen ausgewanderter Schinderwies-Label-Betreiber Archie Müller, heiratet in die Familie des Mannes ein, der 1966 Hunger verfilmte und dafür in Cannes für die Goldene Palme nominiert wurde: Henning Carlsen.

hunger

Knut Hamsun: Hunger
Gekürzte Lesung von Oskar Werner
Hörbuch Hamburg (2009)
2 Audio-CDs, 156min; 19,95 €

Irm und Emmy

22. September 2009 lweser Keine Kommentare

Werner Fritsch: Enigma Emmy Göring, gelesen von Irm Hermann

Dies ist ein fiktiver Monolog von Emmy Göring, der Ehefrau von Hermann Göring. Im lockeren Plauderton erinnert sie sich ihres Lebens, das immer von starken Männern dominiert wurde, zu denen sie aufsah, die sie bewunderte. Sei es ihren Vater, ihren Mann, Hitler oder Gründgens.

Emmy Görings Erinnerungen plätschern naiv und versnobt dahin und amüsieren dabei köstlich. Ich kann mir keine bessere Besetzung für Emmy vorstellen als Irm Hermann. Hermann, typische Fassbinder-Laienschauspielerin (und Ex-Geliebte), spielt nicht, sondern ist Emmy. Sie gibt alles. Die typische Hermann-Intonation, mit zu unterdrücken versuchten bairischen Akzent. Herrlich! (Ganz nebenbei: Es gibt auch eine optische Ähnlichkeit zwischen Emmy und Irm. Ein Vergleich ermöglicht das CD-Cover.)
Die literarische Figur der Emmy Göring ist laut Fritsch über zehn Jahre entstanden. Fritsch hat sowohl die Prozessakten (Emmy Göring stand 1948 wegen ihrer Nazimachenschaften vor Gericht.), als auch ihre 1967 erschienene Biographie An der Seite meines Mannes gelesen. Dort hat er ihren „Tonfall, den Grad der Verblendung und Verblödung“ studieren können. Das war für die Entstehung, neben den „genuin grotesken” Fakten Hauptquelle für das Hörspiel.

Hier wird bloßgestellt, was im Deutschland der Nazizeit stark verbreitet und dadurch so gefährlich wurde: eine unkritische Bewunderung, die auf Oberflächlichkeiten beruht und damit einem Hitler den Aufstieg ohne Hindernisse ermöglichte.

Ist das kritisch genug? Ist das nicht nur banale, politisch unkorrekte Unterhaltung? Darf man das - dürfen das Deutsche? Ja, sie müssen! Lächerlich-Machen und Bloßstellen ist eine Form der Kritik. Eine unverbissene, einfallsreiche und intelligente.

Fazit: Eine ironische Persiflage, mit hervorragendem Unterhaltungseffekt!

Werner Fritsch wurde 1960 in Waldsassen/Oberpfalz geboren. 1987 erschien sein Roman Cherubim. Er veröffentlicht seither regelmäßig Prosa und Dramen, sowohl für Theater, Rundfunk und Kino. Enigma Emmy Göring ist eine Produktion des SWR, wurde 2006 Hörspiel des Jahres und erhielt 2007 den ARD-Hörspielpreis. Werner Frisch lebt in Hendelmühle (Oberpfalz) und in Berlin.

enigmaemmygoering

Werner Fritsch: Enigma Emmy Göring
Der Hörverlag; (2008)
1 Audio CD, 54 min; 14,95 €

Wohin in Regensburg?

17. September 2009 lweser Keine Kommentare

Donnerstag, 17. September, 19:30 Uhr. Leerer Beutel, Bertoldstr. 9, Regensburg
Wahltalk - Eine Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten der Region.
Das Motto der Diskussion: „Was macht die Bundestagswahl für die jungen Leute interessant“ ist Inhalt der Veranstaltung. Im Rahmen der Podiumsdiskussion sollen die Politiker für die jugendrelevanten Themen sensibilisiert werden.
Folgende Politiker werden den jungen Leuten und Vertretern der Jugendverbänden Rede und Antwort stehen:
Peter Aumer CSU, Karl Söllner SPD, Jürgen Huber Grüne, Horst Meierhofer FDP, Claudia Wiest ÖDP, Richard Spieß Die Linke, Suat Kasem Piratenpartei.

Freitag, 18. September, 19:00 Uhr. Kunst- und Gewerbeverein, Ludwigstraße, Regensburg
Ausstellungseröffnung 83. Jahresschau - Alles was der Verein zu bieten hat.
www.kunst-und-gewerbeverein.de

Freitag, 18. September, 20:00 Uhr. Neuer Kunstverein, Dr.-Gessler-Str. 2, Regensburg
Ausstellungseröffnung Freiraum - Bilder von Valentin Vitanov. Einführung: Reiner R. Schmidt.
www.neuerkunstverein.de

sublime09091

Freitag, 18. September, 22:30 - 04:00 Uhr. Gloria, Regensburg
S | U | B | L | I | M | E , diesmal mit einem Konzert der Niederländischen Band LAWN, danach legen Pacult und Markus Guentner auf. Eintritt: 8 Euro,
mehr Infos: www.sublime-music.de, www.myspace.com/lawnmusic

Samstag, 19. September, 20.00 Uhr.
Gloria
, Regensburg
Laut Gestimmt 2.0 - Die Wahlparty
Dabei treten die Regensburger Bands Nice Guy Eddie (Indie-Pop), Demograffics (Hip Hop) und Lokomotive Blokshoij (Balkan-Pop) auf.
Eintritt: 1 €

 Samstag, 19. September, 20.00 Uhr, W1, (Weingasse) Regensburg, The Transisters (Post-Punk/New Wave frisch aus Italien), Support: Simonized Hairdryers, Eintritt: unglaubliche 4,00 €

19./20. September, Sa. ab 13:00 Uhr, So. ab 12.00 Uhr. Stadtamhof
Weinfest Stadtamhof -
Wein, Weib und Gesang u.a. am Sonntag: die 7 Sinalcos und die Ukulele-Freunde

Sonntag, 20. September, ab 11.00 Uhr. Theater am Bismarckplatz
Theaterfest Regensburg
Zur Eröffnung der neuen Theatersaison bietet das Theaterfest alljährlich die Möglichkeit das Theater näher kennenzulernen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und ein buntes Programm für Groß und Klein.

Sonntag, 20. September, 21.00 Uhr. Club Heimat, Taubengässchen, Regensburg
Kleinmeister - Indie-Pop aus Rosenheim www.kleinmeister.com
Der Eintritt ist mal wieder frei.

donumenta09

20.09. - 08.11. Donumenta 2009, Slowakei

www.donumenta.de

 

Sonntag, 20. September, 11.00 Uhr.
Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Ausstellungseröffnung Perfect Asymmetry I.
Zeitgenössische Kunst aus der Slowakei

Donnerstag, 24. September, 19.30 Uhr.
Minoritenkirche / Historisches Museum,
Regensburg
offizieller Festakt zur Eröffnung der
Donumenta 2009 Slowakei
durch Regina Hellwig-Schmid (Iniziatorin), Hans Schaidinger (OB), Marek Madaric (Kulturminister SK), Emilia Müller (Staatsministerin), Multiinstrumentales Musikpanorama (?) von Titus Waldenfels & Michael Reiserer.
und direkt im Anschluss:

Donnerstag, 24. September, 21.00 Uhr.
Leerer Beutel, Bertoldstraße 9, Regensburg
Ausstellungseröffnung Perfect Asymmetry II.
Zeitgenössische Kunst aus der Slowakei

Ab Donnerstag, 24. September, 20.45 Uhr (Sa. + So. auch 16.00 Uhr). Ostentorkino
Markus Mittermeier: Short Cut To Hollywood, Filmstart.
Nach dem Überraschungserfolg Muxmäuschenstill, des beinah Regensburger (Pentling), auf jeden Fall Ostbayerischen Schauspielers und Filmemachers Markus Mittermeier, jetzt sein neuer Film.
Läuft im Ostentor-Kino in Regensburg. www.altstadtkinos.de

CD-Tipp: Shakespeare auf Bairisch 2

16. September 2009 sgruen Keine Kommentare

Weltliteratur aus Bayern und auf Bairisch

(Sigrid Grün)

Shakespeares Königsdramen gehören zweifelsohne zu den Meisterwerken der Literatur, die man sich dauernd vornimmt zu lesen, es aber irgendwie nie ganz hinbekommt. In den tragischen Geschichten um Richard II, Heinrich IV und Heinrich V kommen Dinge zur Sprache, die bis heute aktuell sind. Es geht um Ehre (”Was ist Ehre? Ein Wort. Was steckt in dem Wort Ehre?” Falstaff in König Heinrich IV, 1. Teil), Liebe und Gerechtigkeit. Es geht um Rache und um erbitterte Kämpfe und es geht ums Saufen, “weil im Wein liegt das Wahre” (Valentin Staffinger in Die ehrhaften Abenteuer vom Heinzi und am Staffinger).

Was für eine fulminante Bearbeitung der Königsdramen über die Rosenkriege! Hätte Shakespeare seine Lancaster-Tetralogie nicht schon Ende des 16. Jahrhunderts verfasst, könnte man glatt glauben, dass er bei Curt Werner und Oscar Schmidt abgeschrieben hat, denn auch der zweite Teil von Da Shakespeare auf Bairisch steht dem Original in keiner Weise nach. Es ist eine Freude, diesem “dramatischen Weltliteraturhoagartn” beizuwohnen.
In der Gschicht vom Pfleger Langkastner (!) geht es um den rigiden Ehrbegriff, der Kaspar Langkastner dazu treibt, nicht nur den Wilderer aus dem Geschlecht der Jorgl (!), sondern auch seinen eigenen Sohn in die Verbannung zu schicken. Vor dem historischen Hintergrund der sich wandelnden Situation in Bayern im Jahr 1597 (Regierungsantritt des Kurfürsten Maximilian I.) bekommt die Geschichte auch den entsprechenden sozialkritischen Anstrich. Überaus spannend und lebendig wird die Geschichte um die verfeindeten Familien, die Jägersippe Langkastner und die Wilderer vom Jorgl-Hof, erzählt.
Die ehrhaften Abenteuer vom Heinzi und am Staffinger greift die unglückliche Beziehung der beiden Häuser erneut auf. Analog zum englischen Vorbild zieht der Heinzi mit dem Weinliebhaber Valentin Staffinger um die Häuser. Der bairische Falstaff wird hier treffenderweise als dick wie ein “auseinandgfallener Semmelknödl” charakterisiert - sehr schön! Thematisiert wird hier die Zeit der Napoleonischen Kriege.

Wie bereits im ersten Teil von Da Shakespeare auf Bairisch sorgen hochkarätige Schauspieler wie Conny Glogger (Erzählerin, Jorglin, Radigunde, Urschl, Burgl), Ferdinand Dörfler (Lenz Langkastner, Sepp, Heinrich Langkastner), Winfried Frey (Prolog, Clement Jorgl, Quirin, Peter Jorgl, Girgl u.a.) und Peter Weiß (Kaspar Langkastner, Harti, Bartl Langkastner, Valentin Staffinger) dafür, dass die Hörbücher unglaublich authentisch und wunderbar herzhaft interpretiert sind. Die musikalischen Einlagen (Toni Bartl jun., Daniel Neuner und Eduard Schönach) tragen weiterhin dazu bei, dass man davon ausgehen kann, dass Shakespeare seine wahre Freude an dieser Darbietung gehabt hätte.

Unbedingt anhören!

Curt Werner; Oscar Schmidt (Autoren); Conny Glogger; Ferdinand Dörfler; Winfried Frey; Peter Weiß (Sprecher); Toni Bartl jun.; Daniel Neuner; Eduard Schönach (Musik)
Da Shakespeare auf Bairisch 2
www.tebito.de
2 Cds für 14,80 Euro

CD-Tipp: Shakespeare auf Bairisch

16. September 2009 sgruen Keine Kommentare

Der wahre Shakespeare

(Sigrid Grün)

Shakespeare auf Bairisch? Ja, passt das denn? Darf man das überhaupt? - Unbedingt! Curt Werner und Oscar Schmidt haben einige bekannte Shakespeare-Dramen an den Nordrand der Alpen verfrachtet - der Grübelprinz Hamlodi ist zwar zunächst in “Dänemark drent”, lebt später aber auch in seinen geliebten Bergen, trägt bairische Tracht und geht auf die Jagd. Und man wird das Gefühl nicht los, dass Hamlodi, der Lura und de zwiderne Kath fast ein bisschen überzeugender und authentischer sind, als die “großen” Vorbilder Hamlet, King Lear und Katharina aus “Der Widerspenstigen Zähmung”.

Die einzelnen Stücke sind absolut gelungen arrangiert - für den passenden musikalischen Rahmen sorgen Toni Bartl junior (Hannesla) mit der Steirischen Harmonika, Andy Asang (Kontrabass, Gitarre) sowie Trevor Morriss (Mandoline, Gitarre).
Die Sprecher setzen die Texte kongenial um. Christoph Süß trägt Die traurige Gschicht vom Grübelprinz Hamlodi in gereimter Form vor, Peter Weiß gibt De Gschicht vom Lura zum Besten und Conny Glogger verleiht der Zwidernen Kath ihre Stimme.
Die Erzählungen orientieren sich zwar nicht immer exakt an der Vorlage, aber was macht das schon? Hier bekommt man einen lebendigen und lebensnahen Shakespeare präsentiert, der der bairischen Lebenswelt absolut gerecht wird.

Ein großes Hörvergnügen für alle Shakespeare- und Literaturliebhaber, die mal Lust auf einen amüsanten Hoagartn der besonderen Art haben. Die hochkarätige Besetzung garantiert auf den 2 Cds ein zweistündiges Literaturerlebnis, das man so schnell nicht vergisst!

Curt Werner; Oscar Schmidt (Autoren); Conny Glogger; Christoph Süß; Peter Weiß (Sprecher)
Da Shakespeare auf Bairisch
www.tebito.de
2 Cds für 14,80 Euro

Vandalismus als Alltagsphänomen

15. September 2009 lweser Keine Kommentare

Maren Lorenz: Vandalismus als Alltagsphänomen

Eine Veröffentlichung des Hamburger Instituts für Sozialforschung.

vandalismus_Maren Lorenz: Vandalismus als Alltagsphänomen
158 Seiten; 12,00 €; (gebunden)
Hamburger Edition; Februar 2009)

Graffiti-Szene vs. Graffiti-Kunst

14. September 2009 ffranc Keine Kommentare

Lack Auf Wand, 04. - 06.09.2009, u.a. im Andreasstadel Regensburg

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Lack auf Wand, nicht auf Beton, hieß die mehrtätige von Emanuel Jesse, Eva Karl und Phuc Hyunh organisierte Veranstaltung zum Thema Graffiti.

Eröffnet wurde diese mit dem Film “WholeTrain” des Münchner Regisseurs Florian Gaag. Der Film begann, wie man es erwarten konnte, mit hektischen Schnitten und fetten Beats, fand jedoch im Lauf der Zeit zu einem erfreulicherweise viel ruhigeren Tempo. Insgesamt ist der Streifen in sich schlüssig und straff, die Akteure agieren sehr glaubwürdig, die Geschichte wird pointiert und realistisch dargestellt.
Darin erzählt der Regisseur und Autor von einer jungen Sprayer-Crew, die im wesentlichen drei Probleme hat: die gegnerische Gang, die viel bessere Graffiti produziert, die Polizei, die illegale Sprayer bekämpfen muss und zu guter Letzt, sich selbst. Die Crew ist alles, und das einzige Lebensziel ist es, ein immer wieder gigantischeres Graffito auf einen Vorortzug zu bannen. Dass es dabei nicht im geringsten um Kunst geht, sondern um einen Wettbewerb zwischen männlichen, testosterongeladenen Jugendgruppen, die sich gegenseitig beweisen wollen wer das größte und imposanteste Ding hinkriegt, ist somit folgerichtig. Die Kreativität erübrigt sich in Imponiergehabe und Möglichkeiten nicht von der Polizei erwischt zu werden.
Dass dies alles von Rezipienten mit einem Hang zu dieser Subkultur als besonders toll empfunden wird, ist klar. Und um sein Klientel vollends zu befriedigen beendet Gaag seinen Film nicht damit, dass die gegnerischen Crews in quasi friedlicher Koexistenz zusammen einen Zug besteigen, nein, nach einer längeren Schwarzblende lässt er eine komplett besprühte S-Bahn aus dem Nichts auftauchen und macht damit klar, dass es doch das Wichtigste ist den Längsten zu haben.

Die anschließende Diskussionsrunde bot ein Bild, sehr ähnlich dem, den der Film abgab. Unter der Moderation von BR-Journalist Thomas Muggenthaler hatte sich eine illustre Runde zusammengefunden. Florian Gaag, Martin Schmack (Immobilien), Stefan Göler (Akademie), Christain Schlegl (CSU), Andreas Kaiser (Anwalt), Franz Rebl (Malermeister) und Dr. Joachim Fuhrmann (HNO-Artzt ?!?) saßen einer Schar Baseball-Cap-beschmückter Jugendlicher gegenüber. Von den Podiumsgästen hatten im wesentlichen nur Schmack und Schlegl etwas zu sagen. Während der eine über seinen Ärger mit vollgeschmierten Fassaden klagte, versuchte sich der CSU-Mann in kumpelhaftem Verständnis und im Versprechen sich bei Stadt und Wirtschaft für die Jugendlichen einzusetzen. Die andere Seite wusste auch nur mit üblichen Forderungen zu glänzen: mehr Fläche, mehr Verständnis, mehr Unterstützung, mehr, mehr, mehr…

Der Versuch Gölers über einen möglichen künstlerischen Aspekt im Graffiti zu reden, wurde von der Mehrheit der Anwesenden schnell abgewürgt und für pädagogische Besserwisserei befunden. Die drei Organisatoren waren redlich bemüht der Runde neue Impulse zu geben, doch um ehrlich zu sein, ein gemütlicher Treff der Jugendlichen bei Cola und Kuchen in Schlegls Büro wäre passender gewesen als diese öffentliche Diskussionsrunde.

Soviel zur Graffiti-Szene. Zum Glück ging es am nächsten Tag hauptsächlich um Kunst im Umfeld von Graffiti. Hierzu wurden im Akademiesalon schnell die Werke der eigentlich laufenden Ausstellung abgehängt. Der Raum wurde recht aufwendig neu gestaltet, man gab sich wirklich Mühe, der geplanten Ausstellung den passenden Rahmen zu geben. Die für 19.00 Uhr angekündigte Ausstellungseröffnung sollte doch erst eine halbe Stunde später stattfinden, um dann nach weiteren 30 Minuten ihren offiziellen Vollzug in Form einer Theke mit Sektgläsern und einem DJ an komischen Plastik-Turntables zu zelebrieren. Kein Künstler, keine Begrüßung, kein Hallo, kein Wort. Ob das frech, originell und passend ist, oder doch eher bloße Verachtung soll jeder selbst entscheiden. Die Bilder jedenfalls hingen, und man konnte sie in Augenschein nehmen. Die Stilvielfalt war ebenso groß wie die Qualitätsunterschiede. Von gesprühten Tags auf Leinwand, über Pop-Art-mäßiger Schablonenmalerei bis hin zu Dave de Leeuws comichaften, grellbunten und filigranen Bildern. Schön anzusehen sind die Werke des Holländers nicht, ziemlich derbe und hässliche Fratzen sind das, jedoch sehr ausdrucksstark und stilsicher.

Die 24 h-Galerie am Ende des Dultplatzes

Die 24 h-Galerie am Ende des Dultplatzes

Wer wissen will was die Szene oder die Künstler sonst noch so drauf haben, begebe sich zur 24 h-Galerie, jenen Betonwänden am westlichen Ende des Dultplatzes, an denen die Jungs mit den Spraydosen legal ran dürfen, und begutachte die dieser Tage neu angebrachten Graffiti, oder er werfe einfach mal wieder einen Blick auf seine Hauswand gegenüber.

www.lack-auf-wand.de