Wer ist Anderson?
Anderson, am 06.09.2009, im Club Heimat, Regensburg
Zugegeben, unsere gemütliche kleine Großstadt ist nicht gerade der Nabel der Pop-Welt. Dennoch begibt es sich manchmal, dass auch Wir uns gelegentlich irgendwo zwischen Brust und Scham befinden. Anfang der achtziger Jahre z.B. holte ein gewisser Jürgen Teipel eine noch unbekannte Band namens Die Toten Hosen in die Bachgasse, Mitte der Neunziger spielte Barbara Manning im Kowalski (oder Kowalski II) in der Lederergasse, ihre Begleitband hieß Spoke bzw. Calexico. Und Heute? Heute spielen Anderson in der Heimat im Taubengässchen.
Was haben diese Drei gemeinsam? Als sie hier spielten, kannte sie kaum einer, darum waren bei allen Veranstaltungen nur eine handvoll Zuschauer. Und was unterscheidet sie? Calexico und die Toten Hosen treten bestenfalls noch in der Münchner Olympia-Halle auf und kosten 40 Euro. Anderson spielen für “ein Mal Hut ‘rumgehenlassen”. Dass Anderson auch mal so enden werden ist eher nicht zu erwarten, das Zeugs dazu hätten sie jedoch allemal.

It runs in the family - Anderson (Jeroen & Bas) im Club Heimat
Anderson sind Bas und Jeroen aus Rotterdam, der größten Hafenstadt Europas, und sehen irgendwie ein Bisschen so aus wie schwule Matrosen. Sind sie aber nicht. Anderson machen einfach nur Popmusik, ausgezeichnete sogar. Ausgerüstet mit Labtop und Gitarre sind sie angetreten die Pop-Welt zu erobern und nicht zu revolutionieren. Denn zugegeben, mordsmäßige Originalität sieht anders aus, so klangen die Pet Shop Boys mehr oder minder schon vor 25 Jahren und so ähnlich klingen zig andere Bands heute, dennoch verzaubern uns Anderson einfach mit wunderbaren Melodien, sanften Arrangements und einer grundsympathischen Ausstrahlung. Und wenn sie mit Schmunzeln und liebreizendem Englisch mit holländischem Akzent mehrmals darauf hinweisen, dass sie “professional” seien, oder dass das nächste Lied ein “Hit” sei, so muss dies nicht als Understatement verstanden werden. Denn ungelogen, jedes Lied ist ein potentieller Nummer-Eins-Hit. Egal ob dancefloortauglicher Kracher oder luftige Ballade, Anderson klingen dabei immer sehr sanft und eingängig.
Alle, die dieses wunderbare Konzert verpasst haben, können sich gerne auf Andersons Myspace-Seite davon überzeugen, wie gut sie sind, oder er besogt sich irgendwie ihre letzte, bereits im vergangenen Jahr erschienene Cd “It Runs in the Family”. Es ist ein sehr schön gestaltetes Digipak, eine Art Konzept-Album, auf dem jedes Lied einem imaginären, irgendwo auf der Welt verstreuten Familienmitglied gewidmet ist. Dazu passend sind der Cd Postkarten beigelegt, jeweils eine für jeden Verwandten mit dem entsprechenden Text drauf. Schöne Idee, schöne Musik!






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