Mason Dixon Line und Polite Sleeper @ Alte Mälzerei Underground am 13.10.2009
& Beige GT @ Kino Wintergarten am 10.10.2009

Mason Dixon Line - Country-Rock aus mittelaterlichen Gemäuern?
Die Mason Dixon Line ist genau genommen die Grenze zwischen Pennsylvania und Maryland, und nicht so genau besehen die zwischen den Nord- und Südstaaten, zwischen Freiheit und Sklaverei. Letztere ist zum Glück schon länger abgeschafft. Schön, aber was hat das mit einer regensburger Band zu tun?
Die Band hat sich nach dieser Linie benannt - Mason Dixon Line, und wollen wohl damit andeuten, dass sie die Inspiration für ihre Musik aus der Mitte der USA beziehen. Country und Rock also. Das setzen sie auch äußerst gekonnt um. Ihre Musik klingt rauh und schnell aus dem Ärmel geschüttelt, ist aber in Wirklichkeit ganz schön vertrackt. Während Bassist Gunther Schuller (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen us-amerikanischen Komponisten und Jazzer) gemächlich dahin zupft, explodiert Schlagzeuger Andi Schuwirth (Seaside Stars) förmlich an seinem Instrument. Sänger und Gitarrist Sebastian Troll trägt seine Songs so inbrünstig und leidenschaftlich vor, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen und zuzuhören. Und zu guter Letzt setzt Martin Haygis (Beige GT) mit seiner eleganten Steel-Guitar die gesamte Musik in den passenden leicht countryesken Rahmen.
Woher diese regensburger Country-Affinität stammt, kann ich mir nicht erklären. Dass Sebastian Troll aus Texas kommt, kann wohl nicht die einzige Erklärung hierfür sein. Andererseits kann es mir auch egal sein, so lange es so klingt wie Mason Dixon Line, und nicht nur die Musiker, sondern auch die Zuhörer offensichtlich einen Mordsspaß dabei haben. Schade ist nur, dass Mason Dixon Line so selten auftritt, und dass man ein Lied wie „Scenic Drive“ nicht erwerben kann, um es sich den ganzes Tag lang anzuhören.
Und damit keiner denkt, ich stünde mit meiner Meinung allein auf weiter Flur, sei hier noch angemerkt, dass Mason Dixon Line die ewige Bestenliste des Zündfunk-Montagsdemos anführt. Es gibt sicher höhere Ehren, aber diese dürften gerne kommen, wenn die Jungs so weiter machen.
Polite Sleeper sind definitiv nördlich der Mason Dixon Line Zuhause, egal ob sie nun aus New York City oder San Francisco kommen. Und das ist auch musikalisch zu verstehen. Hervor gegangen ist das Trio (Jason Orlovich, TimWilson und Michael Curtes) aus der Band The Yellow Press, bei der einst auch Sebastian Troll mitspielte. Ja, so klein ist die Welt und heute sogar im Mälze Underground (wie der Keller jetzt heißt) kurzeitig wiedervereinigt.
Polite Sleeper waren der eigentliche Headliner des Abends, nur gefallen haben sie mir nicht. Am teilweise miserablen Sound der PA lag es nicht. Die Band aus New York klang sehr originell, allein schon die Besetzung (Akkustik-Gitarre, Elektropiano und Percussions) ist recht ungewöhnlich, doch ihre Songs wirkten seltsam amorph. Eigentlich war’s richtige Anti-Musik. Nicht besonders schön, nicht eingängig, stets bemüht nicht in simplem 4/4-Takt zu fallen. Wohl zuviel für eine Band, die man nicht kennt. Auf der Bühne wirkten sie anfangs auch recht sympathisch, doch Sänger Jason, mit seinem ständigen, plötzlichen, hektisch-spastischen Hin-und-Her-Gehoppse, ging auch irgendwann auf den Keks.
Um meinen Konzerteindruck zu überprüfen, habe ich ihre Lider auf Myspace nochmals angehört, und siehe da, die Musik vom Band ist gar nicht schlecht. Also Polite Sleeper, nicht verzagen.
www.myspace.com/masondixonline
www.myspace.com/politesleeper

Beige GT in violett bis pink
Kein Ahnung ob sich Beige GT jemals offiziell aufgelöst haben. Seit ihrem 2004er Album “Cue” hat man von ihnen jedenfalls nichts mehr gehört. Leider. Um so größer war die Überraschung, als langsam durchsickerte, dass sie anlässlich der Wolfgang-Grimm-Buchpräsentation spielen würden. Mein lieber Wolfgang, wenn Du wüsstest, was für Wunder Du vollbringen kannst, also Tote wieder zu den Lebenden zu holen, jetzt wo Du nicht mehr unter uns weilst.
Beige GT 2009 live ist also kein Traum. Das bis zum letzten Platz, und darüber hinaus, vollbesetzte Kino Wintergarten sollte der Beweis sein. Erstaunlich auch, wie die Fünf nach so langer Bühnenabstinenz, und mutmaßlicher kurzer Zeit zum Proben, ihre Sache gemeistert haben. Einzig Hannes Teichmann wurde von seinen Bandkollegen schief angeschaut, als er mit seinem Moog ein Mal im falschen Lied war.
Es war wirklich ein sehr gutes Konzert in einer irgendwie heimeligen Atmosphäre. Man hatte schon das Gefühl, „unsere Jungs sind wieder da, und das ist schön so”. Der große Hit „Heat“ wurde nicht gespielt, dafür viele der Instrumentalstücke, die nach Soundtrack und ein Bisschen nach Chicagoer Schule à la Tortoise klingen. Und ein äußerst mitteilungsfreundlicher Wolfgang Reutter wies zu Recht darauf hin, dass das, was sie hier auf der Bühne tun, bitte gefälligst auch gewürdigt werde. Ist ja auch nicht selbstverständlich, dass sie heute hier spielen.
Recht hat er. Denn jetzt wo man sie wieder hört, merkt man was einem abgeht, echt gute Musik. Neben einigen wirklichen Gassenhauern haben Beige GT eines geschafft, so zu klingen wie Beige GT. Eine Leistung, die nicht jeder für sich in Anspruch nehmen kann. Besonders heutzutage, wo doch die meisten Bands entweder retro oder gänzlich uninteressant klingen. Und noch eines haben Beige GT geschafft, eine der besten Coverversionen der Musikgeschichte. Ihre Interpretation von Aztec Mystics „Night of the Jaguar“ ist an sich schon genial. Die Idee jedoch, einen Detroit-Techno-Klassiker in ein Gitarren-Stück zu verwandeln ist meines Wissens einzigartig.
Wie schade, dass es sie nicht mehr gibt.
www.myspace.com/beigegt