“Allein bin ich gut, zu zweit eine Katastrophe, ich kann nicht allein sein.”
(Jan Neidhardt)
Vom Dienstag 1.12.09 bis Sonntag 7.2.10 findet in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel in Regensburg die Ausstellung “Horst Janssen - Die Retrospektive” statt.
Anlässlich der Ausstellung, die zunächst im niedersächsischen Oldenburg zu sehen war, hat der Isensee-Verlag (Oldenburg) einen umfangreichen Ausstellungskatalog herausgebracht, der Leben und Werk des Künstlers würdigt.
“Allein bin ich gut,
zu zweit eine Katastrophe,
ich kann nicht allein sein.”
(- Ein programmatischer Spruch des Künstlers, im vorliegenden Buch zitiert auf S.32.)
Horst Janssen, geboren 1929 in Hamburg und in Oldenburg aufgewachsen, wäre in diesem Jahr (am 14. November) 80 Jahre alt geworden. Ein Grund, den vielfach und nicht ganz unbegründet als Rauhbein (s.o.) verschrieenen Graphiker und Zeichner mit einem Katalog zu ehren, der sein Werk im Wandel und als Gesamtes darzustellen versucht. Es ist sicher ein schwieriges Unterfangen, das unglaublich vielschichtige und auch quantitativ umfangreiche Werk zu einer Art Gesamtschau zusammenzufassen. Ich finde die Kombination aus Text und Bild in diesem Buch / Katalog jedenfalls sehr gelungen und ästhetisch ansprechend. Horst Janssen selbst ist vielleicht nicht jedermanns Sache, seine Bilder, an bereits klassischen Vorbildern orientiert, entwickeln eine ganz eigene künstlerische Sprache, die düster-ironisch ist, auch und besonders im Umgang mit der eigenen Person. Kleine Details machen immer den besonderen Reiz eines Bildes von Horst Janssen aus und die Begenung mit der Hässlichkeit wird ebensowenig gescheut wie der Tod, der auch immer gerne mal auf den Bildern vorbeischaut. Menschen wirken auf den Zeichnungen unterschiedlich, oft sehr real, teilweise aber auch erschreckend verfremdet. Wie auch immer, die Bilder von Janssen üben sicher auf jeden Betrachter eine eigenartige Faszination aus.
In diesem Band geht es mit dem Frühwerk los, beginnend in den späteren 40er Jahren mit Arbeiten von der Kunstschule bis zum “späteren Frühwerk” Anfang der 70er Jahre. Selbstpoträts, die zunächst oft recht verstörend wirken können, um in den 80ern mehr Ironie zu entwicklen, folgen. Dann die Frauenbilder (natürlich auch ein sehr wichtiges Thema), Landschaften , Blumen und Stilleben (die ich persönlich besonders mag), Tiere, Porträts und erotische Zeichnungen und abschließend der Tod - Horst Janssen ist ein Maler, den es zu entdecken sich lohnt. Ich denke, dieses Buch bietet dazu eine gute Gelegenheit.
Zusätzlich sollten allerdings auch die Texte im Buch nicht unerwähnt bleiben. Die Beiträge von Heinz Spielmann, Wieland Schmied und Reiner Meyer beleuchten auch die nicht immer einfachen persönlichen Aspekte des Malers und der Leser erfährt, wie Janssen schließlich für die Kunstwelt entdeckt wurde. Der künstlerische Werdegang Janssens wird hier einordnend nachgezeichnet.
Wir halten fest: Ein sehr schöner Bild- und Textband, für alle, die Horst Janssen einmal in seiner ganzen Schaffenskraft erleben wollen, aber auch etwas für Menschen, die sich bisher noch nicht so richtig an den Künstler herangewagt haben, oder ihn überhaupt noch kennenlernen wollen. Eine gelungene Auswahl an Bildern, durchgehend in Farbe und drucktechnisch ohne Fehl und Tadel. Eine Anschaffung, die sich lohnt.

Horst Janssen - Die Retrospektive
Horst-Janssen-Museum Oldenburg (Hrsg.)
Horst Janssen - Die Retrospektive - “Mich haben die Götter ungemein bestraft mit ihren Gaben.”
www.isensee-verlag.de
371 Seiten für 26,80 Euro
www.horst-janssen-museum.de