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Archiv für November, 2009

Wieder Kunst, Konzerte und Lesungen

26. November 2009 lweser Keine Kommentare

27. Nov. 2009 - 30. Jan. 2010, Art Affair, Regensburg, Pure Painting. Ausstellungseröffnung: Freitag, 27. November 2009, 19.00 Uhr

Samstag,  28. November 2009,  20 Uhr, W1, Regensburg,  Schwervon! Unterstützt werden die sympathischen New Yorker von der Regensburger Indie-Allstar-Combo Jenny Lund mit ihrem selbst betitelten Musikstil Jedi Pop, die bei dieser Gelegenheit ihren ersten und vorläufig einzigen Auftritt seit fast drei Jahren absolvieren. Der Abend dürfte sich also lohnen!  Eintritt: sagenhafte 4 Euro.

29. Nov. 2009 - 28. Feb. 2010, Kustforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg. Kaleidoskop.  Hölzl in der Avantgarde.  Ausstellungseröffnung: Sonntag, 29. November 2009,  11.00 Uhr

Sonntag, 29. Nov. 2009, 19.00 Uhr, Kunstverein Albrecht-Dürer-Gesellschaft, Nürnberg, Buddy & The Huddle stellen ihr kommendes Album “On The Way To Farrago” vor. Dazu gibt’s Filme des Fürthers Robert Schumann. Eintritt:10/6 €

Sonntag, 29. November 2009, 20.00 Uhr, Kulturspeicher, Regensburg, Lesung: Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott. Eintritt:11/13 €

Dienstag, 01. Dezember 2009, 20.30 Uhr, Buchhandlung Dombrowsky, Regensburg. FERIDUN ZAIMOGLU: Hinterland, Buchhandlung Dombrowsky, St.-Kassians-Platz 6, Eintritt: € 10,- / erm. € 8,-

01. Dez. 2009 - 07. Feb. 2010, Städtische Galerie Leerer Beutel. Regensburg. Horst Janssen Retrospektive.

Freitag, 04. Dezember 2009, 21.00 Uhr, Alte Mälzerei (Club), Regensburg. DIE GOLDENEN ZITRONEN, NEUES ALBUM. Eintritt: 14 €/17 €
www.die-goldenen-zitronen.de

Samstag, 05. Dezember, 20.00 Uhr - 4.00 Uhr, Büro, Regensburg, Konzert: Trashing Days, anschließend Party mit DJ Säm, Eintritt: frei!

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Buchtipp: “Küchenklassiker - neu interpretiert”

26. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Ostbayerischer Sternekoch modernisiert Küchenklassiker

(Sigrid Grün)

Der Sternekoch Hubert Obendorfer aus Neunburg vorm Wald (Restaurant Eisvogel im Landhotel Birkenhof) ist ein ausgesprochen kreativer Koch, der im vergangenen Jahr ein Buch über die ostbayerische Spitzenküche geschrieben hat (”Die feine Ostbayerische Landküche”). In diesem Herbst ist sein neues Buch beim Matthaes Verlag erschienen: Küchenklassiker - neu interpretiert. Obendorfer möchte Dinge, die ihm wichtig sind weitergeben und dafür sorgen, dass Küchenklassiker, also besonders vorbildliche Gerichte, die einen “Zubereitungsstandard gesetzt” haben immer wieder neu entdeckt werden.

Nach einigen einführenden Seiten, in denen der Koch z.B. über Menügestaltung, Menütypen und Produkte und Speisenfolgen im Menü schreibt und mit dem Leser einen kleinen Ausflug in die Küchengeschichte unternimmt, beginnt der aufwändig bebilderte Rezeptteil. Zunächst stellt Obendorfer internationale Klassiker, dann deutsche Klassiker, schließlich moderne Klassiker und zuletzt Obendorfers Klassiker vor. Jede dieser Sparten gliedert sich wiederum in Vorspeise, Suppe, Zwischengang, Hauptgang und Dessert. Auf eine großformatige Farbfotografie (Doppelseite) folgt jeweils eine Doppelseite mit Zutaten, Kochanleitung und ergänzenden Ausführungen zum Gericht. Darin erfährt man (kultur)geschichtliches und Erläuterungen zu Obendorfers Variationen. Das Buch ist also nicht nur ein Kochbuch, sondern führt den Leser auch in die Geschichte der einzelnen Gerichte ein. Warum ist ein Klassiker ein Klassiker? Welche Rolle kommt dem Gericht in der Feinschmeckerküche zu? Was heißt Florentiner Art? Und warum ist die Sacher-Torte eigentlich so berühmt? Diese und viele weitere Fragen werden hier beantwortet.
Wer etwas nachkochen möchte, hat eine große Auswahl - vom klassischen Wiener Tafelspitz über den Hummer Thermidor, den Inbegriff der Luxusküche bis hin zum bodenständigen - aber hier sehr raffiniert angerichteten - Borschtsch. Ob süß oder pikant - Obendorfers Küche hält für jeden vielfältige Geschmackserlebnisse bereit. Die luxuriöse Gestaltung des Bandes wird den exquisiten Gaumenfreuden auch noch sehr schön gerecht.

Sowohl Hobbyköche als auch Profis werden hier sicher einiges finden. Gerade in der Weihnachtszeit will man vielleicht mal etwas besonderes ausprobieren.
Obendorfers Küchenklassiker sind sicher auch ein schönes und hochwertiges Geschenk für alle, die Wert auf eine abwechlungsreiche, klassische und doch außergewöhnliche Küche legen.

Hubert Obendorfer (Autor)
Küchenklassiker neu interpretiert
www.matthaes-verlag.de
271 Seiten für 49,90 Euro

Winterzeit - Märchenzeit

25. November 2009 lweser Keine Kommentare

Die Märchenbraut - die TV-Serie auf DVD

Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs war die (für Ostbayern) nahe Tschechoslowakische Republik recht fern. Doch es gab eine Verbindung in Form der tschechischen Märchen und Kinderserien, die synchronisiert, sowohl im DDR- , als auch im BRD-Fernsehen liefen. Viele dieser Märchen und Serien besitzen mittlerweile Kultstatus, so auch die Die Märchenbraut. In der Tschechoslowakei lief sie unter dem Titel Arabela, in der DDR als Die Schöne Arabella und der Zauberer.  Die Serie ist eine Koproduktion des Tschechoslowakischen Fernsehens und des Westdeutschen Rundfunks. Der Regisseur Václav Vorlíček, inszenierte auch die wohl erfolgreichste tschechische Märchenverfilmung Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Seit diesem Jahr gibt es erstmals die komplette Märchenbraut-Serie auf DVD.

Herr Maier aus der Menschenwelt findet ein Glöckchen, dass den Zauberer Rumburak aus der Märchenwelt, herbeiruft. Ähnlich wie bei Aladins Wunderlampe muss Rumburak Herrn Maier jeden Wunsch erfüllen. Dabei geraten Sie ins Märchenland. Dort wird Herr Maier von Rumburak verführt den Wolf zu töten. Und schon ist die Märchenwelt durcheinander geraten. In Rumburak, der bestraft wird, erwacht eine böse Seite. Er beschließt Rache am König der Märchenwelt zu nehmen und bedient sich dabei Herrn Maiers und der technischen Möglichkeiten der Menschenwelt. Natürlich siegt das Gute am Ende, doch bis dahin müssen jede Menge Abenteuer in beiden Welten bestanden werden.

Die Serie basiert im Wesentlichen darauf, dass die zwei Welten, die Menschen- und die Märchenwelt, miteinander vermischt werden. Aber auch das Motiv der Zeitreise kommt zum Tragen. Dabei werden die verschiedenen Zeiten mit jeweiligen Wertvorstellungen verknüpft, so dass sich folgende Gegensatzpaare ergeben: Gegenwart-Vernunft-Fortschritt und Vergangenheit-Mythos-Tradition. Dabei entstehen natürlich Irritationen. Die typischen Zauber-Utensilien in der Menschenwelt, widerspiegeln eine Wunschvorstellung nicht nur von Kindern. Wer hätte nicht gern Zauberringe, Zauberglöckchen, Zaubermantel, Kristallkugeln, fliegende Koffer usw. Die Menschenwelt der End-Siebziger Jahre wirkt heute zwar ein wenig angestaubt, ebenso auch einige Märchenmasken, und Filmtricks, aber das Grundprinzip der Serie wird sicher auch nach dreißig Jahren noch funktionieren und Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern können.

Die 13 Folgen gibt es auf zwei DVDs im ansprechenden Digipack im Schuber. Die fehlenden Extras kann man entbehren. Doch ein paar Informationen wünscht man sich schon. Die wenigen Angaben auf dem Schuber sind leider zum Teil auch noch falsch.  Schade ist auch, dass bei der Ausgabe die Möglichkeiten des Mediums so vollständig ungenutzt bleiben und nicht einmal die tschechische Orginal-Version mitveröffentlicht wurde.

Übrigens: Die 11-jährige Dana Vávrová (die in diesem Jahr verstorbene Ehefrau von Joseph Vilsmaier, bekannt u.a. aus Herbstmilch) ist hier als Rotkäppchen zu sehen.

maerchenbrautdvdDie Märchenbraut

13-teilige tschechoslowakische TV-Serie
von 1978/1981

Regie: Václav Vorlíček, Hans-Peter Kaufmann

Darsteller: Jana Nagyová, Vladimír Menšík, Jiří Lábus,
Vladimír Dlouhý, Vlastimil Brodský, u.a.

ca. 370 min. 2 DVDs im Schuber.
Universum Film
VÖ: 22.05.2009

weitere halbscharige Informationen unter:
www.die-maerchenbraut.de

Der Knochenmann

24. November 2009 lweser Keine Kommentare

Wolfgang Murnbergers Der Knochenmann auf DVD

Nachdem Josef Hader im Oktober gleich drei Tage hintereinander in Regensburg war, macht nun Wolf Haas auf seiner Lesereise Station in Regensburg (am 29.11.). Im Gepäck hat er, den neusten der Brenner-Krimis, die beide (Hader und Haas) und auch noch den dritten (Wolfgang Murnberger) miteinander verbindet.

Das Trio Haas-Hader-Murnberger verfilmte bisher drei der Haasschen Bestseller: Komm, süßer Tod (2000), Silentium! (2005) und zuletzt Der Knochenmann (2009). Das Drehbuch schrieben die drei (Schriftsteller, Hauptdarsteller und Regisseur) gemeinsam.

In 18 Wochen zog Der Knochenmann allein in Regensburg 10 000 Besucher in die Kinos. Nicht mitgerechnet die Aufführungen ein halbes Jahr später im Open-Air-Kino, die den Besucherrekord in der Freiluft-Saison aufstellten. Gründe genug den Film, der seit 25. September auf DVD zu erhalten ist, noch einmal vorzustellen:
Brenner (Hader), Ex-Bulle und Privatdetektiv, übernimmt für seinen Freund hässliche Jobs: er treibt fällige Raten, bzw. die Autos säumiger Kunden für eine Leasing-Firma ein. Der neue Auftrag führt ihn in das Wirtshaus Löschenkohl (bekannt für ihre Backhendl). Doch Horvath, der Mann den er dort finden soll, ist verschwunden. Wirt, wie Belegschaft scheinen etwas zu verheimlichen. Der Jung-Wirt will, dass Brenner herausfindet, wohin das Geld des Vaters verschwindet. Brenner bleibt - doch letztlich wegen Birgit (Birgit Minichmayr), der Schwiegertochter Löschenkohls, zu der er sich hingezogen fühlt. Beim Näherkommen, entdeckt er in der Kochenmehlmaschine einen menschlichen Finger.

Der Knochenmann hat im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern eine starke persönlichen Ebene. Brenners unnahbare und spröde Fassade blättert hier. Auch der alte Löschenkohl (Josef Bierbichler) scheint ihm, wie dem Zuschauer, im Grunde ganz sympathisch. Vielleicht weil beide doch recht ähnliche Charaktere sind: starr und eigensinnig - und beide sind verliebt. “Es wäre überhaupt nichts passiert, ohne die Liebe”.

Ein paar Details sind leider sehr effektheischend. So ist die Figur des Igors und des Bertis völlig überzeichnet, ebenso wie die absurde Annäherung Bertis und Horvaths. Trotz dessen ist der Film eine grandiose Mischung aus Komödie, Thriller und Krimi. Der gewohnte schwarze Humor, trägt neben der hervorragenden Besetzung zum Gelingen des Filmes bei. Der Film wird immer wieder mit  Fargo - Blutiger Schnee der Cohen-Brüdern verglichen. Dem kann man nicht ganz widersprechen.

Die DVD enthält einige aufschlussreiche und ergänzende Extras. Neben dem Making of und der entfallenen Szenen, eine Aufzeichnung der Pressekonferenz auf der Berlinale und Konzertausschnitte der Sofa Surfers, die den Soundtrack für den Film lieferten. Nicht zu vergessen ist das Rezept für Backhendl im Booklet.

knochenmanndvd1Der Knochenmann

Regie: Wolfgang Murnberger.

Nach dem gleichnamigen Roman von Wolf Haas.

Darsteller: Josef Hader, Josef Bierbichler, Birgit Minichmayr, Simon Schwarz, Stipe Erceg.

121 min, A 2009.
Majestic Filmverleih
VÖ: 25.09.2009

 

weitere Informationen unter:
www.knochenmann-derfilm.de

Kunst im Turmtheater

23. November 2009 lweser Keine Kommentare

Yasmina Reza: „Kunst“, Turmtheater Regensburg

Vor über acht Jahren wurde Yasmina Rezas „Kunst“ bereits am Theater Regensburg aufgeführt. Die Regie führte damals Michael Bleiziffer. In den Rollen: Michael Heuberger, Titus Horst und Martin Hofer.
Nun, da Martin Hofer sein eigenes Theater hat, darf er auch selbst inszenieren. Und natürlich spielt er wieder Marc, den Zyniker unter den drei Freunden. Titus Horst (mittlerweile wie Hofer und Müller freier Schauspieler, nur meist nicht in Regensburg) spielt Serge, den Kunstliebhaber. Heinz Müller mimt den Yvan, den gutmütigen Schlichter.

Kunst“ ist ein Stück über Freundschaft, nicht über Kunst. Das Kunstwerk, ein weißes Bild mit weißen Streifen, für 50.000 €, ist nur ein Motiv. Es ist austauschbar. Auf Grund der unterschiedlichen Einstellungen der drei Freunde zu diesem Bild, offenbaren sich deren Charaktere und werden ihre Positionen in ihrer Freundschaft verortet. Jeder der Freunde hat in seiner Wohnung ein Bild (die Handlung spielt abwechselnd in Serge, Ivans und Marcs Wohnung), durch welches er charakterisiert wird. Das spartanische Bühnenbild, nur weiße Wände und das jeweilige Bild wurde von Reza in den Regieanweisungen bestimmt.
Irgendwann merkt man dem Stück an, dass es von einer Frau geschrieben wurde. Soviel reden Männer nicht über ihre Beziehung zueinander. Über Frauen ja, über Kunstwerke auch. Und das würde auch genügen. Der Zuschauer hat verstanden. Es wäre nicht nötig gewesen die Freundschaftsprobleme mit allen Entfremdungen, Emanzipationsstreben und Eifersüchteleien auch noch direkt anzusprechen. Reza hätte getrost auf die Kraft ihrer Motive vertrauen können.

Die drei Darsteller, Titus Horst, Heinz Müller und Martin Hofer, die auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnen, werden  dem komödiantischen, wie den psychodramatischen Charakter des Stückes gleichermaßen gerecht. Der intime Raum des Turmtheaters (die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum sind wieder fließend), lassen das Publikum die Schauspieler hautnah erleben. (Man sieht sogar die Schweißtropfen auf Hofers Gesicht.) Vor allem die psychisch entblösenden Szenen entfalten so ihre volle Wirkung. So nah ist das Publikum dem Geschehen auf der Bühne selten. Das ist eindringlich und beeindruckend.

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Yasmina Rezas „Kunst“ mit Martin Hofer, Titus Horst und Heinz Müller läuft im Turmtheater Regensburg. Die Termine finden sie unter: www.regensburgerturmtheater.de

Buchtipp: Horst Janssen - Die Retrospektive

22. November 2009 jneidh Keine Kommentare

“Allein bin ich gut, zu zweit eine Katastrophe, ich kann nicht allein sein.”

(Jan Neidhardt)

Vom Dienstag 1.12.09 bis Sonntag 7.2.10 findet in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel in Regensburg die Ausstellung “Horst Janssen - Die Retrospektive” statt.
Anlässlich der Ausstellung, die zunächst im niedersächsischen Oldenburg zu sehen war, hat der Isensee-Verlag (Oldenburg) einen umfangreichen Ausstellungskatalog herausgebracht, der Leben und Werk des Künstlers würdigt.

“Allein bin ich gut,
zu zweit eine Katastrophe,
ich kann nicht allein sein.”
(- Ein programmatischer Spruch des Künstlers, im vorliegenden Buch zitiert auf S.32.)

Horst Janssen, geboren 1929 in Hamburg und in Oldenburg aufgewachsen, wäre in diesem Jahr (am 14. November) 80 Jahre alt geworden. Ein Grund, den vielfach und nicht ganz unbegründet als Rauhbein (s.o.) verschrieenen Graphiker und Zeichner mit einem Katalog zu ehren, der sein Werk im Wandel und als Gesamtes darzustellen versucht. Es ist sicher ein schwieriges Unterfangen, das unglaublich vielschichtige und auch quantitativ umfangreiche Werk zu einer Art Gesamtschau zusammenzufassen. Ich finde die Kombination aus Text und Bild in diesem Buch / Katalog jedenfalls sehr gelungen und ästhetisch ansprechend. Horst Janssen selbst ist vielleicht nicht jedermanns Sache, seine Bilder, an bereits klassischen Vorbildern orientiert, entwickeln eine ganz eigene künstlerische Sprache, die düster-ironisch ist, auch und besonders im Umgang mit der eigenen Person. Kleine Details machen immer den besonderen Reiz eines Bildes von Horst Janssen aus und die Begenung mit der Hässlichkeit wird ebensowenig gescheut wie der Tod, der auch immer gerne mal auf den Bildern vorbeischaut. Menschen wirken auf den Zeichnungen unterschiedlich, oft sehr real, teilweise aber auch erschreckend verfremdet. Wie auch immer, die Bilder von Janssen üben sicher auf jeden Betrachter eine eigenartige Faszination aus.

In diesem Band geht es mit dem Frühwerk los, beginnend in den späteren 40er Jahren mit Arbeiten von der Kunstschule bis zum “späteren Frühwerk” Anfang der 70er Jahre. Selbstpoträts, die zunächst oft recht verstörend wirken können, um in den 80ern mehr Ironie zu entwicklen, folgen. Dann die Frauenbilder (natürlich auch ein sehr wichtiges Thema), Landschaften , Blumen und Stilleben (die ich persönlich besonders mag), Tiere, Porträts und erotische Zeichnungen und abschließend der Tod - Horst Janssen ist ein Maler, den es zu entdecken sich lohnt. Ich denke, dieses Buch bietet dazu eine gute Gelegenheit.

Zusätzlich sollten allerdings auch die Texte im Buch nicht unerwähnt bleiben. Die Beiträge von Heinz Spielmann, Wieland Schmied und Reiner Meyer beleuchten auch die nicht immer einfachen persönlichen Aspekte des Malers und der Leser erfährt, wie Janssen schließlich für die Kunstwelt entdeckt wurde. Der künstlerische Werdegang Janssens wird hier einordnend nachgezeichnet.

Wir halten fest: Ein sehr schöner Bild- und Textband, für alle, die Horst Janssen einmal in seiner ganzen Schaffenskraft erleben wollen, aber auch etwas für Menschen, die sich bisher noch nicht so richtig an den Künstler herangewagt haben, oder ihn überhaupt noch kennenlernen wollen. Eine gelungene Auswahl an Bildern, durchgehend in Farbe und drucktechnisch ohne Fehl und Tadel. Eine Anschaffung, die sich lohnt.

Horst Janssen - Die Retrospektive

Horst Janssen - Die Retrospektive

Horst-Janssen-Museum Oldenburg (Hrsg.)
Horst Janssen - Die Retrospektive - “Mich haben die Götter ungemein bestraft mit ihren Gaben.”
www.isensee-verlag.de
371 Seiten für 26,80 Euro

www.horst-janssen-museum.de

Buchtipp: Ich nix verstehen - Tschechisch

21. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Múzete vyprat to prádlo?

(Sigrid Grün)

Stellen Sie sich vor, Sie sind schon seit einigen Tagen in Tschechien, Ihre Pensionswirtin ist sehr nett, spricht aber leider kein deutsch und Sie können auf tschechisch gerade mal “Guten Tag!” sagen. Um einen richtigen Sprachkurs zu absolvieren hat die Zeit einfach nicht gereicht und die tschechische Sprache ist bekanntlich auch nicht gerade einfach - allein schon der Aspekt, oder wie diese Verform gleich wieder heißt… Jemandem kommentarlos einen Haufen Schmutzwäsche unter die Nase zu halten, gilt als ziemlich unfein. Was tun? Schlagen Sie doch einfach rasch in Ihrem praktischen Ich-nix-verstehen-Büchlein nach - und da! tatsächlich - “Múzete vyprat to prádlo?”. Wer etwas höflicher sein möchte, kann noch ein “prosim!” hinzufügen: “Können Sie diese Wäsche waschen, bitte?”
Unter jedem Wort und Satz steht noch die Lautschrift für alle, die eigentlich keine rätselhaften Lautschriftzeichen entziffern können: “Muuschättä vipratt to praadlo?”
Herz eines der tschechischen Sprache Unkundigen, was willst du mehr?

Das spiralisierte Büchlein hält nicht nur viele praktische Sätze für wichtige Alltagssituationen bereit, sondern rollt sogar die tschechische Grammatik knapp und bündig auf. Der laminierte Umschlag gewährleistet eine ziemliche Unverwüstlichkeit - ich konnte das Teil bislang jedenfalls nicht kaputt kriegen.
Für Paukfreaks gibts noch 300 farbige Vokabelkärtchen, die man sehr schön nebenbei bimsen kann. Die 3 Cds mit den Lehrbuchtexten (von Muttersprachlern gesprochen) und der Vokabeltrainer für den PC runden die Sache noch ab.

Das Paket befindet sich in einem stabilen Plastik-Case, das an die gute alte Videokassettenzeit erinnert.

Fazit
Hände, Füße und dieses Paket können Ihren Tschechienaufenthalt enorm bereichern, gesetzt den Fall, Sie möchten sich nicht gerade über die Vorzüge unseres Gesundheitssystems oder über zeitgenössische armenische Literatur unterhalten. Und siehe da: So einfach kann man mit Tschechen ins Gespräch kommen!

Ich nix verstehen - Tschechisch

Ich nix verstehen - Tschechisch

Swen Selonke (Autor)
Ich nix verstehen - Tschechisch. Express-Sprachkurs
www.ich-nix-verstehen.de
120 Seiten, 3 CDs und Vokabelkärtchen für 29,95 Euro

CD-Tipp: Fanfare Ciocarlia - Live

20. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Live aus dem Hexenkessel

(Sigrid Grün)

Wer Fanfare Ciocarlia vergangenen Sommer im Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais verpasst hat, kann dieses Versäumnis jetzt wenigstens ansatzweise nachholen, denn seit September gibt es den Mitschnitt eines Konzertes im Berliner “Kesselhaus der Kulturbrauerei” auf CD. Und wer die Band schon mal live erlebt hat, kann sich an dieser Aufnahme noch mehr erfreuen, denn er wird einiges wiedererkennen.

Vom getragenen Auftakt, der in einen rasanten Brass-Sound mündet, über virtuose Soli und beeindruckende Gesangseinlagen ist alles dabei. Besonders hervorzuheben ist hier vor allem “Lume Lume”, ein Hörgenuss, der einem den Sound Osteuropas ins Wohnzimmer oder ins Auto holt, wenn man durchs ostbayerische Hinterland brettert. Einige Schmankerl, die man noch nicht vom Regensburger Konzert kannte, sind auch dabei - in Track 10 scheint der leibhaftige Satchmo auf der Bühne zu stehen, der Summertime mit viel Herzblut und markanter Stimme zum Besten gibt.
Alles in allem muss festgehalten werden: Die “Nachtigallen” aus Zece Prajini bestechen durch ihren Wahnsinnssound und können einfach jedes Publikum mitreißen.

Zusätzlich zur Live-Cd liefert das feine Label Asphalt Tango in diesem Paket noch den Film Fanfare Ciocarlia - The Story of the Band mit. Darin wird das “Märchen” von der Entdeckung dieser fantastischen Gypsy Combo erzählt. Die Geschichte ist ja fast schon unglaublich. Im Herbst 1996 wurden die passionierten Musiker vom Berliner Toningenieur Henry Ernst entdeckt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Besonders beeindruckend fand ich übrigens den Auftritt in Japan. Hier sorgten die Musiker samt Tänzerinnen nicht nur auf der Bühne für Furore!
Die Geschichte der Band ist in eine fast schon märchenhafte Rahmenhandlung eingebettet. Ein Dorfjunge aus dem ostrumänischen Zece Prajini (zehn Felder), aus dem Fanfare Ciocarlia stammt, fischt eine Tuba aus einem See. Er lässt sie reparieren und träumt davon, gemeinsam mit der Band die Bühnen der Welt zu erobern.

Ein tolles Paket, das mächtig für Stimmung sorgt - genau das richtige für triste Novemberabende. Eine Audio-Cd zum Feiern und ein Film zum Träumen…
Unbedingt anhören und ansehen!

www.asphalt-tango.de

Fanfare Ciocarlia - Live

Fanfare Ciocarlia - Live

Veranstaltungstipp: Grigorij Sokolov kommt nach Regensburg

20. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Sokolov spielt am 27.11 im Regensburger Audimax

(Sigrid Grün)

Ein weiteres Highlight der aktuellen Konzertsaison können Klassikfans heute in einer Woche, am 27. November, bei den Odeon Konzerten erleben. Grigorij Sokolov, der Pianist aus Sankt Petersburg, wird Schuberts große Sonate D-Dur op. 53 und Schumanns Sonate Nr. 3 f-moll geben.

Bereits 1966 - im Alter von 16 Jahren - gewann Sokolov den renommierten Moskauer Tschaikowsy-Preis. Sowohl im Konzertbetrieb als auch in Aufnahmestudios macht sich der Ausnahmekünstler allerdings bis heute rar. In seinem Auftreten wirkt er oft stoisch, in seinem Spiel entfaltet er eine enorme Kraft.

Wir sind gespannt auf den russischen Ausnahmekünstler und auf seine Schubert- und Schumanninterpretation!

Restkarten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder direkt bei ODEON CONCERTE unter Tel. 0941 - 296000
oder online unter
www.odeon-concerte.de

Kent Nagano dirigierte im Audimax

20. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Stardirigent begeistert das ausverkaufte Audimax

(Sigrid Grün)

Konzerte sind anders. Die Stimmung, das Ambiente, der Klang, das Gewaltige, die Interpretation.
Wiewohl der Zuhörer ein Werk vielleicht in- und auswendig kennen mag, das Erleben eines live dargebotenen Konzertes, das Erleben der Musik wie sie vom Komponisten intendiert war, ist und bleibt etwas besonderes.
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Die Gelegenheit Schuberts 7. (”Unvollendete”) und Bruckners 7. Symphonie zu erleben bot sich letzten Sonntag. Aufgeführt durch das Bayerische Staatsorchester unter Leitung von Kent Nagano, wurde dem Zuhörer musikalisch erlesene Kost geboten.

Gelungen war auch die Gestalung des Abends. Die “Unvollendete” von Schubert bot gut bekannte Romantik, während Bruckners Symphonie Nr.7 in E-Dur, die gewaltig und groß daherkommt, vielleicht auf den ersten Blick weniger zugänglich ist. Bruckner, ein großer Bewunderer Wagners, erlebte erst im höheren Alter mit diesem Werk den Durchbruch als Komponist. Man merkt dem Werk Bruckners Hintergrund als bester Organist seiner Zeit an, die Komplexität und auch die punktiert gesetzten Disharmonien und Crescendi (so 3. ‘Scherzo’ Satz) sind nur mit einem erweiterten Orchesterumfang (Wagnertuben) möglich.

Nagano führte souverän durch die beiden anspruchsvollen Werke und das Orchester wurde seinem außerordentlichen Ruf ebenfalls gerecht. Ein komplett ausverkauftes Audimax (plus Zusatzbestuhlung) und die Begeisterung der Zuhörer nach ca. 90 Minuten zeigten, dass auch in Regensburg ein Bedarf für symphonisch anspruchsvolle Kost besteht. Man kann nur gratulieren zu dem gelungenen Abend und wünscht sich mehr davon.