Der Einfluss der französischen Sprache im Deutschen und im Bairischen.
Ludwig Zehetner zu Gast bei der Deutsch-Französischen Gesellschaft Regensburg in der Weinschenkvilla am 22. Januar 2010.
Kennen Sie die Deutsch-Französische Gesellschaft? Um ehrlich zu sein, ich bis heute nicht. Gut, ich weiß wohl, dass es sie gibt. Ich weiß auch, dass zur französischen Film- und Kulturwoche in Erscheinung tritt, dass sie irgend ein Problem mit der Napoleon-Mahntafel hat - aber Genaueres? - Nein das wusste ich nicht.
Schön, dass das seit heute nicht mehr so ist. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Regensburg gibt es tatsächlich schon seit 20 Jahren. Ungefähr 500 Franzosen gibt es wohl in Regensburg. Die Mitgliedszahlen bewegen sich momentan um die 115, etwa zur Hälfte aus Deutschen und zur Hälfte aus Franzosen bestehend. Entsprechend gibt es auch einen binationalen Vorstand: die gebürtige Französin Catherine Hummel und den Deutschen Romanisten Prof. Jochen Mecke.
Am Freitag lud die Gesellschaft in der Weinschenkvilla zum Vortrag über den Einfluss der französischen Sprache im Deutschen und im Bairischen. Doch bevor ich den Redner, den man nicht vorstellen muss, vorstelle, muss ich etwas über den Ort des Geschehens sagen. Denn dabei handelt es sich mit Sicherheit um einen der schönsten Räumlichkeiten Regensburgs. Die märchenhafte Günderzeit-Villa mit Eckturm, wurde 1898/99 von dem Regensburger Architekten Joseph Koch für den jüdischen Bankier Max Weinschenk erbaut. Seit 1980 gehört das Gebäude dem Bezirk Oberpfalz, der es Vereinen und Verbänden zur Verfügung stellt. Der Vortrag fand im Vestibül statt. Der kleine Saal wird von einem riesigen mehrteiligen Fenster mit Bleiverglasung dominiert. Davor schlängelt sich eine Treppe mit gusseisernem Geländer. Türen und Türstöcke sind wie der Rest des Gebäudes im Stil des Historismus. Überall hängen Kristall-Lüster und auch einige ältere Gemälde. Ein mehr als gebührender Empfangssaal also.
Dr. Ludwig Zehetner (geb. 1939) ist Honorarprofessor für Bairische Dialektologie an der Universität Regensburg.
123 Entlehnungen aus dem Französischen gibt es im Bairischen, sagt Zehetner zum Einstieg. Das klingt erstmal nach nicht viel, entspricht aber 5,3% des Wortschatzes (oder aller Entlehnungen?). Diese Wörter sind natürlich nicht erst seit Napoleon im Bairischen zu finden, sondern es gibt sie bereits seit dem 14. Jahrhundert. Zehetner erzählt zur Verdeutlichung eine kleine Anekdote und benutzt dabei bewusst viele dieser französischen Entlehnungen und betont sie ebenso bewusst bairisch. Anschließend macht er sich daran, einige dieser französischen Entlehnungen genauer zu betrachten. Dabei geht er auf die Ursprünge ebenso ein, wie auf die Bedeutungsverengungen bzw. -Veränderungen. Eines der Beispiele ist “Bordell” dass ursprünglich eine Bretterhütte bezeichnet. Laut Zehetner eignet sich das Bairische auf Grund seiner ähnlichen Phonologie besonders für Französische Entlehnungen. Als Beispiel gibt er unter Anderem das Fehlen des harten Kehlkopflautes an. Auch grenzt er echte Französische Entlehnungen gegen die sogenannten “Volksetymologien” ab. Dabei handelt es sich um innerdeutsche Entlehnungen, die irrtümlicherweise für französische gehalten werden. Zu den Geläufigsten zählen übrigens “Fisimatenten” (Herkunft nicht völlig geklärt) und “justament“ (eigentlich von “just am Ende“). Schließlich ging Zehetner noch auf die Tatsache ein, dass heute viele dieser französischen Entlehnungen nicht mehr geläufig sind und zunehmend durch englische verdrängt werden. Auch hierzu seien einige Beispiele genannt: Billet wird durch Ticket ersetzt oder Büro durch Office. Als am Ende des offiziellen Vortrages die Zuhörer zu Wort kamen, offenbarten sich noch eine Vielzahl weiterer interessanter Besonderheiten, die einmal mehr bewiesen, dass es sich nicht um ein abstraktes, rein wissenschaftliches Thema handelt, sondern um einen lebendigen Bestandteil der Alltagssprache.

Dr. Ludwig Zehetner (links) im Gespräch
Mit dem Ende des Vortrages war die Veranstaltung noch lange nicht vorbei. In lockerer Atmosphäre wurde bei französischem Wein und bayrischem Bier weiter diskutiert. Dabei wurde (etwas verspätet) auch ein französischer Brauch gepflegt: Es gab Couronne des Rois / Drei-Königs-Kuchen. Traditionell gibt es diesen in Frankreich am Drei-Königs-Tag. Darin befindet sich eine Bohne und wer die erwischt, wird mit einer Krone bekränzt und ist der König des Abends. In dem Film Molière von Ariane Mnouchkine aus dem Jahre 1978 ist dieser Brauch übrigens sehr schön zu sehen.
Alles in Allem ein äußerst interessanter Abend, bei dem ich viel gelernt habe. Die Themen entsprangen vielfältigen Bereichen, von Geschichte, über Sprachwissenschaft bis zur Kulturwissenschaft. Nahegebracht auf eine lebendige und unterhaltsame Art. Einfach ein wahres Vergnügen!
Vielversprechende deutsch-französische Termine zum Vormerken:
Mittwoch, 18. März 2010, 13.30 - 17.00 Uhr, Andreasstadel, Regenburg
Tag der Francophonie in Bayern / Jour de la Francophonie en Bavière
05. - 12. Mai 2010, Andreasstadel, Regensburg
Französische Film- und Kulturwoche / Semaine culturelle du cinéma Français
Das diesjährige Thema: Die Regionen Frankreichs / Les régions de France.
Samstag, 24. Juli 2010, 12.00 Uhr, Jahninsel und Andreasstadel, Regensburg
Picknick der Kulturen in Weiß / Pique-nique des cultures en blanc
Die Deutsch-Französische Gesellschaft und der Deutsch-Spanische Verein El Puente, sowie der Jahninsel-Schwimmverein laden zum Picknick.
Mehr Infos: www.dfg-Regensburg.de
LITERATUR-TIPP: Büfflamott -> Böfflamott von Ludwig Zehetner
In: Ludwig Zehetner: Basst scho! Band 1, Kapitel 2, Edition Vulpes, Regensburg 2009; 208 Seiten; 18,00 €.