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Archiv für Februar, 2010

Ausstellung im Staimerhaus in Schönhofen

28. Februar 2010 sgruen Keine Kommentare

Jenseits der Spiegel

(Sigrid Grün)

Gestern fand die Vernissage der Ausstellung Jenseits der Spiegel im Schönhofener Staimerhaus statt. Der Künstler Wolfgang Müller zeigt im Rahmen der Ausstellung vor allem Fotografien, die sich mit dem Thema “Spiegelungen” auseinandersetzen. Unter den Objekten finden sich aber auch einige Keramiken, sowie Malereien in Öl und Kreide.

Müller, von Beruf Diplombiologe, lässt sich auch künstlerisch von der Natur inspirieren. Biologische Strukturen sind ein wichtiges Thema. Fossilien, Wurzeln, Baumstämme - diese Motive kehren immer wieder.
Die Fotografien (v.a. der Bäume), zeigen faszinierende Gebilde, die an Fraktale erinnernde Strukturen aufweisen. Die am Computer vollzogenen Spiegelungen erzeugen eine Symmetrie, die das ursprüngliche Motiv verfremdet und so neue Deutungsmöglichkeiten ermöglicht. Bäume werden z.B. zu Gesichtern.

Wer die Ausstellung noch sehen möchte, kann dies während der nächsten beiden Wochenenden tun. Samstags und sonntags ist das Staimerhaus jeweils von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Im neu entstandenen dreistöckigen Haus, gegenüber der Schönhofener Kirche, kann man übrigens auch eine kleine volkskundliche Dauerausstellung besichtigen. Neben Trachten sind alte Uhren aus einer umfangreichen privaten Sammlung zu sehen. U.a. eine sog. Sägeuhr, Fingerringuhren u.v.m.

Informationen zum Künster Wolfgang Müller finden Sie hier: www.artsline.de

CD-Tipp: Mahala Rai Banda - Ghettoblasters

28. Februar 2010 sgruen Keine Kommentare

Der Sound des Südostens

(Sigrid Grün)

Was passiert, wenn die besten Gypsie-Musiker Rumäniens sich zusammentun und gemeinsam Musik machen? Richtig - es entsteht ein verdammt cooler Sound, dem kein Tanzbein widerstehen kann. Mahala Rai Banda ist der beste Beweis dafür. Taraf de Haïdouks (in Rumänien unter dem Namen “Taraful Haiducilor” bekannt), aus Clejani (südwestlich von Bukarest) und Fanfare Ciocarlia aus Zece Prajini singen und spielen auf ihrem ersten gemeinsamen Album, was das Zeug hält.
Wer Fanfare Ciocarlia, die schnellste Brass-Band der Welt kennt und schätzt, wird auch Mahala Rai Banda lieben. Auch hier wechseln sich schnelle und langsame Lieder so perfekt ab, dass man sich die Scheibe auch gut und gerne 5x nacheinander anhören kann, ohne dass Langeweile aufkommt.
Zu den virtuosen Bläsern der Fanfare Ciocarlia kommen hier Violinen, Zimbeln, Akkordion und Kontrabass. Sänger wie Sorin Constantin, Jony Iliev und Dan Armeanca verpassen der Sache noch den letzten Schliff.

Mal rhythmisch, mal voller Schmerz, erinnert dieser Mix mal an Flamenco, mal an Fado.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die perfekte Mischung!
Unbedingt anhören!

www.asphalt-tango.de

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Mini-Tipp: Ausstellung im Staimerhaus in Schöhofen

27. Februar 2010 sgruen Keine Kommentare

Wolfgang Müller zeigt Keramikobjekte und Malerei in Öl und Kreide

(Sigrid Grün)

Heute Abend um 18.30 Uhr findet die Vernissage zur Ausstellung Jenseits der Spiegel im Staimerhaus (unterhalb der Kirche) Schönhofen statt.
Der Verein für Kultur und Brauchtum Nittendorf freut sich über zahlreiche Besucher.

Die Ausstellung ist außerdem noch an folgenden Tagen jeweils von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet:
Sonntag, den 28.02.10
Samstag, den 6.03.10
Sonntag, den 7.03.10
Samstag, den 13.03.10
Sonntag, den 14.03.10

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Wie wär’s mit Schlittschuhlaufen?

25. Februar 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 26. Februar 2010, 20.00 Uhr, Kunstverein GRAZ, Schäffnerstr., Regensburg
Eröffnung der Ausstellung W. A. Hansbauer - Malerei. Die Einführung hält MdG Jürgen Huber. Die Ausstellung ist dann bis zum 20. März zu bewundern.
www.kunstvereingraz.de

zuendfunkonice

Samstag, 27. Februar 2010, 19.30 Uhr, Donau-Arena, Walhalla Allee 22, Regensburg
Discolauf ZÜNDFUNK on ICE mit den DJs Achim 60 und Säm. Endlich wieder die Möglichkeit wie einst Kilius & Bäumler übers Eis zu gleiten. Also rauf auf’m Speicher und die alten Kufendinger auspacken. Wer sie nicht findet: Schlittschuhe können nebenan bei Toms Sportshop für 4,- € ausgeliehen werden. Der Eintritt beträgt 5,- €.
www.bayern2.de/zuendfunk/
Da die Donau-Arena um 22.30 Uhr Feierabend macht, geht die Party anschließend auf klassischem Parkett im Club Heimat (Taubengäßchen) weiter.

Samstag, 27. Februar 2010, 19.00 Uhr. Kunst- und Gewerbeverein, Regensburg
Lesung mit Eginhard König: “Mach ma halt a Revolution damit a Ruah is” und musikalische Garniture: Chansons aus dem München der 20er Jahre mit Angelika Schüdel und Manfred Janikulla. Im Rahmen von 20er JAHRE REGENSBURG - Es ist eine Lust zu leben!
www.kunst-und-gewerbeverein.de

Samstag, 27. Februar 2010, 22.00 Uhr, Kino Akademiesalon im Andreasstadel, Regensburg
Eden Lake (2008) des Briten James Watkins. Aus Florian Scheuerers Reihe HARD:LINE - Kino extrem. Vorsicht, evtl. erst ab 18!
hardline.blog.de

Sonntag, 28. Februar 2010, 19.00 Uhr, Alte Mälzerei - Club, Regensburg
Der ehemalige Stones-Manager Fritz Rau liest kurz vor seinem 80sten Geburtstag aus seinem Leben. Wer hartnäckig nachfragt wird auch erfahren was aus Frau Raus Käsekuchen wurde und wie Hansi der Haussittich in Jimmy Hendrixs Afro-Matte ein Nest bauen wollte. Eintritt ist 14 / 17 €
www.myspace.com/fritz_rau | www.alte-maelzerei.de

Montag, 01. März 2010, 21.00 Uhr, Club Heimat, Taubengässchen, Regensburg
Nicht wirklich originell: Ex-Jeremy Days-Sänger Dirk Darmstädter singt Bob Dylan.
Eintritt: 8 euro.
www.heimat-regensburg.de | www.dirkdarmstaedter.com

Montag, 01. März 2010, 21.00 Uhr, Kino Wintergarten im Andreasstadel, Regensburg
Momentan in aller Munde: Plastic Planet die Doku des Österreichers Werner Boote darüber wie “plastifiziert” wir schon sind. Autor und Regisseur Werner Boote ist heute im Andreasstadel und beantwortet Fragen. Oder wissen Sie wieviel Weichmacher in Ihrem Blut ist?
www.kinos-im-andreasstadel.de | www.plastic-planet.de

Gelungene Mann-Adaption

25. Februar 2010 lweser Keine Kommentare

Buddenbrooks von Thomas Mann, für die Bühne bearbeitet von John von Düffel. Inszenierung: Johannes Zametzer. Velodrom, Regensburg.

Thomas Manns Generationenroman Buddenbrooks. Verfall einer Familie, gehört zu den ganz großen Werken der Weltliteratur, ist wie ein Nationalheiligtum für Deutschland. 1929 erhielt Thomas Mann dafür den Literaturnobelpreis. Vier Mal wurde es seit seinem Erscheinen verfilmt. Gewagt ein solches Überwerk nun auch für die Bühne zu dramatisieren. (Eine Bühnenadadaption gab es übrigens schon 1976 von Hans Hollmann.) John von Düffel hat es 2005 also erneut und dennoch gewagt. Seine ursprünglich siebenstündige Bühnenfassung kürzte und verdichtet Johannes Zametzer in der Regensburger Inszenierung nochmals auf ca. zweieinhalb Stunden. Beide, von Düffel und Zametzer legten den Fokus besonders auf die drei Kinder des Konsuls, auf Tony (Nikola Norgauer), Thomas (Paul Kaiser) und Christian (Roman Blumenschein). In ihrer Generation vollzieht und vollendet sich der Verfall des Unternehmens und der Familie.

Das Bühnenbild von Hannes Neumaier, überzeugt sofort. Der Stand der Buddenbrooks als Kaufmannsfamilie wird durch mehre Reihen großer von der Decke hängender Säcke symbolisiert. Gleichzeitig dienen sie, je nach Höhe in der sie hängen auch als Hindernis, Schutzwall oder Henkersbeil. Sehr ästhetisch, sehr effektiv!

Auch sonst sind Bühnenbild und Kostüme meist angenehm schlicht und zeitlos. Ganz konnte Zametzer jedoch nicht widerstehen und baute ein paar digitale Gegenwartsvehikel (Digitalkamera, Notebook und Camcorder) ein. Um Christians ausschweifende Leben in London zu verdeutlichen, griff Zametzer zur Videoinstallation und zu ohrenbetäubenden Musikeinspielung. Ist das mittlerweile nicht durch?

Weder Von Düffel, noch Zametzer vernachlässigen die ironische, die komische Seite Manns, die vor allem im ersten Teil zum Tragen kommt. Auch dem Originaltext wird durch viele Zitate Genüge getan.
Als durchgängiges, Szenen und Zeiten verbindendes Mittel dient die Familienchronik. Immer wieder liest vor allem Tony daraus vor. Anhand dieser Chronik sucht sie ihre Entscheidungen zum vermeintlichen Nutzen der Familie zu treffen. Später als Thomas sein Testament machen will, entdeckt er den Schlussstrich, den sein Sohn Hanno im Buch gezogen hat. Das Kind spricht aus, was der Zuschauer längst weiß, was die Protagonisten sich jedoch noch nicht eingestanden haben: “ich dachte es kommt nichts mehr”.

Weitere Aufführungen: 25. 26. Februar, 1. 3. 4. 22. 23. März

Halb Dada im Velodrom

23. Februar 2010 lweser Keine Kommentare

DADA - Abend am 19. Februar 2010 im Velodrom, 20er Jahre Regensburg - Es ist eine Lust zu leben

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Die Organisatoren der 20er Jahre - Regensburg - Ausstellung haben sich Einiges einfallen lassen um möglichst allen Aspekten des breiten Spektrums, das das Thema öffnet, gerecht zu werden. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Begleitprogramm umrahmt. Von Freitag bis Sonntag konnte man im Velodrom das 20er Jahre Flair in Form einer Mixtur aus Film, Literatur, Cabaret und Musik erleben. Die einzelnen Tage wurden dabei jeweils einem eigenen Motto unterstellt: Dada, Die Stadt und Das Weib.
Vielleicht wäre ein kleinerer und intimerer Raum für die Veranstaltung geeigneter gewesen, doch die Wahl fiel nicht zufällig auf das Velodrom. Es ist nämlich selbst Teil der Ausstellung. 1898 wurde das Velodrom im Auftrag des jüdischen regensburger Kaufmanns und Tausendsassa Simon Oberndorfer erbaut. Ob darin wirklich Radrennen stattfanden, kann heute nicht mehr belegt werden. Doch es wurden Cabarets und Konzerte aufgeführt und Versammlungen gehalten. 1929 wurde es zu einem Kino, dem Capitol umfunktioniert und das blieb es bis zu seiner Schließung in den 70er Jahren. Nachdem es dann in den 1990er Jahren fast der Abrissbirne zum Opfer fiel, wurde es dank des engagierten Einsatzes einiger Bürger gerettet und diente während der Sanierung des Theaters am Bismarckplatz als Ausweichspielstätte. Seither gehört es zum Theater der Stadt Regensburg. Am Samstag konnte man die Geschichte des Amüsiertempels am Arnulfsplatz und seines Erbauers bei kostenlosen Eintritt im Velodrom hören. Wer das verpasst hat, dem sei das spannende und aufschlussreiche Feature von Josef Berlinger, das 2003 für den Bayrischen Rundfunk produziert wurde, ans Herz gelegt [siehe da].

Doch nun zum ersten der drei Abende: DADA! Eine Bewegung, die als Protest gegen die Unsinnigkeit des 1. Weltkrieges entstand und deren Blütezeit in die 20er Jahre fiel. Eine theoretische Einleitung fehlte an diesem Abend allerdings gänzlich. Beiträge der bekanntesten literarischen Hauptvertretern des Dada (z.B. von Tristan Tzara und Kurt Schwitters) wurden von Heinz Müller gesprochen, gezeichnet, gebrüllt und (vor)getragen. Das Trio Gaisa, Geyer & Kreuzer präsentierten Chansons der 20er Jahre aus Wien und Berlin. Die Revue, aus welcher die einzelnen Lieder stammen, trägt den Titel Rattengift her! Ein wenig befremdlich muten die Texte heute schon an und Ursula Gaisa sollte vielleicht noch ein wenig an ihrem Berliner Akzent arbeiten. Lieder wie Nachtgespenst oder Die zersägte Dame, kommen jedoch auch heute noch gut beim Publikum an.

Das interessanteste des Abends waren sicher die Beiträge der Wochenschauen. Gezeigt wurden sie, wie die anderen filmischen Beiträge, vom Arbeitskreis Film auf dem Originalprojektor des Capitols. Bei einer Sichtung des Gebäudes 1990 wurde er aus einer dicken Schicht Staub geborgen. Genau wie am vergangenen Freitag musste es vor ca. 90 Jahren auch gewesen sein. Die einzigen Geräusche im Raum sind das Knattern des Projektors und die Kommentare des Publikums. Die Empfindungen der damaligen Zuschauer mag freilich ein wenig von den heutigen abgewichen sein. Einige Bilder rufen heute im Vergleich zu damals eine unfreiwillig komische Reaktion hervor. Wenn zum Beispiel gutgebaute, nur mit einem knappen Höschen bekleidete, junge Turner oder „Schupos“ bei sportlichen Übungen gezeigt werden, erinnert uns das einerseits an die faschistische Körperverherrlichungen, die uns z.B. durch Leni Riefenstahls Olympia vertraut sind und löst andererseits auch Assoziationen an die Schwulenszene aus. Verstörend, wirken dagegen die Wochenschauberichte aus Oberschlesien, die hauptsächlich aus Propaganda gegen „polnische Insurgenten“ bestand. Dem Zuschauer des 21. Jahrhundert ist diese Problematik eher wenig vertraut. Aus historischer Sicht ist dies natürlich durchaus beachtenswert, denn es offenbart die enorme Bedeutung der Wochenschau für die Vorbereitung (und später Untermauerung) des Nationalsozialismus.

Top-Thema im Oktober 1928: Turnvater Jahn in der Walhalla

Top-Thema in der Emelka-Wochenschau vom Oktober 1928: Turnvater Jahn in der Walhalla

Außer den Wochenschau-Beiträgen, gab es drei Kurzfilme aus den Jahren 1923 bis 1929 zu sehen. Und wie würde das 20er-Jahre-Gefühl authentischer vermittelt, denn durch musikalische Beleitung. In diesem Fall durch das Regensburger Musikerkollektiv Die Negerländer (hier: Norbert Vollath, Heinz Grobmeier und Bertl Wenzl), die bereits Erfahrung mit Stummfilmbegleitungen gesammelt haben. Eröffnet wurde der Filmreigen von Hans Richters Vormittagsspuk (1927-1928). Der deutsche Maler und Filmemacher aus Berlin, schloss sich 1916, während seiner Züricher Zeit, den Dadaisten an. Später kam er unter dem Einfluss von Viking Eggeling zum experimentellen Film. Vormittagsspuk ist ein Spiel mit Formen und Bewegung, dominiert durch den Rhythmus. Dennoch gibt es eine übergeordnete narrative Struktur: das kurze Aufbegehren der Gegenstände gegen die Menschen. Hans Richter spielt ebenso wie einige befreundete Künstler (Walter Gronostay, Paul Hindemith, Darius Milhaud, Jean Oser) selbst im seinem Film mit. Der Film wurde ebenso wie die Originalmusik von den Nazis als entartete Kunst verbrannt. Die Begleitmusik der Negerländer wirkte an diesem Abend etwas übermotiviert. Polizeibericht Überfall aus dem Jahr 1928 von Ernö Metzner ist ein avantgardistischer Film, der sowohl durch seine realistische Darstellung der sozialen Unterschicht, als auch durch seine filmischen Mittel besticht. Durch Kamera, Schnitt und Zerrbilder gelingt es Metzner eine realistisches Gefühl der Bedrohung zu vermitteln. Damals wurde der Film von der Film-Prüfstelle verboten. Heute hat er, fast 90 Jahren nach seinem Entstehen, noch immer nichts an Wirkkraft und Aktualität eingebüßt. Für mich der beeindruckendste der drei Beiträge, wenngleich eine Verbindung zum Dada nicht erkennbar ist. Der dritte Film Mysterium eines Frisiersalons (1923) ist eine Vorstufe des Splatterfilmes. Regie führte Bertolt Brecht und Erich Engel. Karl Valentin und Blandine Ebinger arbeiten in einem Frisiersalon. Bereits 1923 wird der Friseuralltag durch den Gebrauch von Werkzeugen und den Einsatz von Technik bestimmt (im Film allerdings nicht unbedingt sachgemäß). Da wird elektrifiziert, an Warzen gemeißelt und Köpfe abgeschnitten. Max “Nosferatu” Schreck und Liesl Karlstadt treten hier als leidgeprüfte Kunden auf.

Etwas vergessen? Eigentlich nicht. Nur noch einen Tipp an eine weitere auftretende Person: Gedichte sollte man vortragen und nicht ablesen und wenn man beides nicht kann: es besser lassen.

Im Ganzen ein gutgemeinter Abend, der etwas reduziert und gestrafft vielleicht noch einiges Potential hätte entfalten können.

Scheuerer und Dell - Tradition der 20er Jahre

22. Februar 2010 lweser Keine Kommentare

Rose Heuberger: Drahtgewebe und Eisengesenk. Foto- und Lampenausstellung. galerie konstantin b.
Beitrag zur Ausstellung 20er Jahre Regensburg. Es ist eine Lust zu leben!

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Nun ja, die Fotos der Ausstellung sind eher von mäßiger Qualität. Die schwarz-weißen Analog-Abzüge wirken, bedingt durch fehlendes Licht, blass und flach. Außerdem fehlt ihnen die Schärfe. Die Auswahl der Motive wirkt ebenfalls nicht übermäßig inspiriert.

scheuererunddell2Das fotografierte Objekt hingegen konnte jede Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Die verlassene Schlosserei Scheuerer befindet sich im Hinterhof des Anwesens am Brixener Hof 11, in dem auch die Galerie konstantin b. seit ihrem gezwungenem Wegzug aus Stadtamhof, Quartier fand. Die Schlosserei ist noch heute bereits von der Straße aus zu erkennen: Ein kunstvoll geschmiedetes Schild mit goldenem Schlüssel schmückt die Hausfront. Obwohl der Betrieb bereits seit 1985 ruht, haben die Besitzer des Anwesens keine Kosten und Mühen gescheut, das Schild bei der Sanierung des Hauses, ebenfalls zu restaurieren. Doch nicht nur das: unangetastet befinden sich die Schlosserei noch in ihrer alten Räumlichkeit. Wenn man durch das Fenster sieht, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Seit 1925 ist die Werkstatt an diesem Ort (gegründet wurde sie bereits 1905). Und doch wirkt alles so lebendig. Der Schlossermeister ist nur kurz eine Brotzeit holen und muss gleich wieder da sein, denkt man. Jede Feile, jede Maschine liegt in nostalgischer Patina und schwerer Schönheit da und wartet auf die Rückkehr des Schlossers. Die Entscheidung der Nachkommen die Schlosserei zu erhalten, kann nicht oft genug Anerkennung gezollt werden.

Nicht das erste Mal bezog Galerist Bernhard Löffler die Schlosserei in eine Ausstellung mit ein. 2007, während der Ausstellung Storyboard, der letzten Einzelausstellung von Wolfgang Grimm, konnte man eine Installation des Künslers in der Werkstatt sehen.

Eine an der Wand der Schlosserei montierte Arbeitsleuchte mit Scherenauszug, ist das Bindeglied zum zweiten Teil der Ausstellung, den Lampen. Diese stehen im direkten Zusammenhang zum übergeordneten 20er Jahre Thema. Eine Anzahl an Arbeitsleuchten aus den 20er/30er Jahren, aus der privaten Sammlung des Galeristen, sind dort zu bewundern und zu erwerben. Die meisten dieser Exponate stammen aus dem Hause Kaiser-Idell, entworfen vom Designer Christian Dell, der in den 20ern Werkmeister am Bauhaus in Weimar war.

Drahtgewebe und Eisengesenk - Fotografien von Rose Heuberger und
Design-Klassiker - Arbeitsleuchten der Bauhäusler Marianne Brandt und Christian Dell.

Noch bis 28. März 2010.
galerie konstantin b., Am Brixner Hof 11, Regensburg.
Die Galerie ist jeden Freitag von 16.00 bis 21.00 Uhr geöffnet und nach Vereinbarung. galerie_konstantin_b(at)yahoo.de, Tel.: 0179 / 3 22 00 64

Es ist eine Lust zu leben! Die 20er Jahre in Regensburg

22. Februar 2010 lweser Keine Kommentare

20er Jahre Regensburg. Es ist eine Lust zu leben! - Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg.

Eine Ausstellung dieses Ausmaßes hat es in der bisherigen Geschichte des Kunst- und Gewerbevereins noch nicht gegeben. 100.000 € Fördermittel erhielten sie dafür allein von der Stadt Regensburg. Der Kunst- und Gewerbeverein versucht den vielfältigen Aspekten, die dieses weitreichende Thema berührt, gerecht zu werden und arbeitet mit verschiedenen Institutionen und Einzelpersonen zusammen.

Eginhard König versucht im Einleitungskapitel Die Weimarer Republik im kollektiven Gedächtnis die 20er Jahre historisch-kritisch zu betrachten. Dort wird auch die Wahl für den Untertitel der Ausstellung „Es ist eine Lust zu leben.“ (ein Zitat des Schriftstellers Alfred Kerr nach Ulrich von Hutten) ersichtlich. Es ist die bewusste Entscheidung gegen den vorrangig politisch definierten Begriff „Weimarer Republik“. Die Ausstellungsinitiatoren möchten die 20er Jahre „nicht als Übergangszeit, sondern als Epoche mit Eigenwert, in der widersprüchlichen Tendenzen, Modernes und Beharrendes in ‘Kontrastharmonie’ erscheinen“ verstanden wissen. Das Begleitbuch folgt der Gliederung der Ausstellung in Politik, Wirtschaft, Städtebau und Architektur, Kunst und Kultur, sowie Alltag.

Zwei dieser Kapitel möchte ich genauer betrachten: Viele Städte veränderten sich in den 20er Jahre, so auch Regensburg. Die Fläche Regensburgs verdoppelte sich 1924 durch Eingemeindungen. Die Stadtentwicklung musste sich einem erhöhten Verkehrsaufkommen anpassen. Eine Vielzahl Baugenossenschaften wurden gegründet, um der gestiegenen Wohnungsnachfrage durch Kriegsheimkehrer und Aussiedler gerecht zu werden. Das Buch veranschaulicht durch zahlreiche Pläne, mehreren Faltkarten und Fotos die Entwicklungen und lässt so vor allem Veränderungen sehr gut nachvollziehbar werden. Auch die Architektur begann sich unter dem Einfluss der Modernen zu verändern. Beispiele wie die RT-Halle und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder werden im Buch genauer untersucht. In der Ausstellung werden zudem viele Modelle und Originalentwürfe gezeigt.

Innerhalb der Ausstellung ist der Teil, der sich der Regensburger Kunst- und Kulturszene der 20er Jahre widmet, der interessanteste. Auch dem Buch gelingt es durch viele Beiträge, Querverweise, eine reiche Bebilderung und einzelne Künstlerporträts Regensburg in den verschiedenen künstlerischen Strömungen der 20er Jahre (z.B. Futurismus, Bauhaus, Expressionismus, Symbolismus, Neue Sachlichkeit, Kubismus, Konstruktivismus, Dada, Surrealismus) zu verorten. Nicht zuletzt fällt auch der Zusammenschluss des Initiators der Ausstellung, aus Kunstverein und Gewerbeverein genau in diese Zeit. Seit 1924 gibt es den Kunst- und Gewerbeverein in Regensburg.

Der kiloschwere Begleitband zur Ausstellung ist umfang- und facettenreich, mit einer Vielzahl von Fotos und Karten. Zudem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich überzeugend. Sicher wird er auch nach dem Ende der Ausstellung noch lange Zeit auf dem regensburger Buchmarkt gefragt sein.

20erjahrergbgbuch
20er Jahre Regensburg - Es ist eine Lust zu leben!

Hrsg. vom Kunst- und Gewerbeverein Regensburg e.V.

………………………………………………………………………………………

Dr. Peter Morsbach Verlag, 2009
320 Seiten, mit 3 herausnehmbaren Faltkarten
24,90 €

www.drmorsbachverlag.de | www.kunst-und-gewerbeverein.de

Cd-Tipp: Katerina Englichova - “Fire Dance”

22. Februar 2010 sgruen Keine Kommentare

Eine Oase im Alltag

(Sigrid Grün)

Die tschechische Harfenistin Kateřiná Englichová legt mit Fire Dance ihr neues Album vor - und es ist traumhaft schön.
Die Harfe, eines der ältesten Instrumente der Menschheit, eignet sich nicht nur für verträumt-poetische Stücke, sondern kann eine Vielzahl an Stimmungen ausdrücken. Dies beweist Englichová hier einducksvoll.

Mehrere Stücke wurden eigens für sie komponiert. So z.B. auch Zdeněk Lukáš’ Per tutte le corde - Quintette for Harp, Two Violins and Cello (Op.320). Der außergewöhnliche Klang der Harfe ergibt gemeinsam mit den Streichern ein vollkommen stimmiges Ganzes.
Jan Frank Fischers Two Etudes for Harp Solo lassen den Zuhörer schließlich in eine zauberhafte Welt eintauchen. Harfe pur - einfach nur schön…
Béla Bartóks “Rumänische Folkstänze”, die ja eigentlich zu den Klavierwerken des Komponisten zählen, sind auf der Harfe ebenfalls ein Erlebnis. Es ist übrigens das Lieblingswerk der Harfenistin.
Außerdem kommt man in den Genuss von Claude Debussys Danses pour harpe chromatique avec accompagnement d’orchestre d’instruments a cordes, ein Werk, das zum Repertoire jedes Harfenisten zählt und das Englichova bereits seit ihrer Zeit am Konservatorium begleitet.
Jan Hanuš Trnečeks Fantasy on Smetana’s Tone Poem Vlatava (die Moldau) ist noch nicht lange Teil von Englichovás Repertoire. Während ihrer Schwangerschaft war sie auf der Suche nach einer bekannten und gleichzeitig melodischen Komposition - dieses Stück passte perfekt.
Fire Dance ist eine Miniatur des Walisischen Harfenisten David Watkins, das die Musikerin ebenfalls seit ihrer Zeit am Konservatorium begleitet. Mit diesem kurzen (2:14 Minuten) Stück hat sie übrigens auch das Vorspiel für das Gustav Mahler Jugendorchester für sich entschieden.
Das letzte Werk auf dieser Cd, Sylvie Bodorovás Mysterium druidum for Harp and Strings, wurde ebenfalls eigens für Kateřina Englichová komponiert. Es ist poetisch und voller interessanter Wendungen.
Der faszinierende Klang der Harfe würde sicher auch gut zu Filmen passen. Man kann gespannt sein, was man von Englichova noch zu hören bekommen wird!

Interessant ist übrigens auch, wie die tschechische Musikerin zu ihrem ungewöhnlichen Instrument gekommen ist: Durch Zufall. Als Kind spielte sie zunächst nämlich Klavier. Doch als sich die Frage stellte, welches Instrument sie am Konservatorium studieren sollte, wusste sie, dass sie nicht Pianistin werden wollte. Ihre Versuche als Flötistin waren ihren eigenen Aussagen zufolge eine Katastrophe. Ein Bekannter ihres Vaters brachte sie schließlich auf die Harfe. Was für ein Glück!

Sehr viel mehr als nur “Engelsmusik” - Englichovás Musik ist eine Oase im Alltag. Unbedingt anhören und genießen!

Kateřiná Englichová (Harfe)
Fire dance
www.KlassikCenterKassel.de
59 Minuten

Buchtipp: Watchmen - Alan Moore

20. Februar 2010 jneidh Keine Kommentare

Wer gibt auf die Wächter acht? - Superhelden reloaded

(Jan Neidhardt)

Ok, Superhelden - hab ich mir gedacht - eigentlich nicht so ganz meine Welt..
auch der Stil hat mir anfangs nicht so richtig gefallen, das sah erst alles ein bisschen künstlich aus.

Trotzdem hab ich mir den Band mal vorgenommen, Comic und Film werden ja vielfach diskutiert… Und bin dann aus dem Lesen und Schauen gar nicht mehr herausgekommen. Alan Moore und Dave Gibbons entwerfen mit diesem Comic ein ganz eigenes Universum aus einer tollen Idee, einer gut erzählten Geschichte und unglaublich vielen Querverweisen auf die Literatur, die Philosophie, Wissenschaft und Religion und natürlich das Comicgenre selbst.

Die Idee ist einfach, einen neuen Blick auf die Superhelden zu ermöglichen. Diese werden in einer Zeit gezeigt, zu der ihr Dasein eigentlich überflüssig geworden ist. Der “Keene-Act” verbietet das Vigilantentum. Das Misstrauen der Bürger in ihre einstigen Helden ist zu groß geworden. “Who watches the watchmen?” ein Zitat hergeleitet vom altrömischen Dichter Juvenal prangt an jeder Wand. Die Superhelden müssen sich veränderten Zeiten anpassen. Die einen gehen in Pension (mehr oder weniger glücklich), andere machen im Auftrag des Staats weiter (Wissenschaft und “Dreckarbeit”) , einer scheint sich dem Kommerz zu ergeben und vermarktet sich hemmungslos und schließlich gibt es noch einen (Rorschach, den Maskierten und heimlichen Haupthelden der Story), der auf eigene Faust in der Illegalität weiterhin das Verbrechen bekämpft.

Als ein einstiger Mitstreiter (The Comedian) ermordet wird, warnt Rorschach die anderen, da er vermutet, dass es jemand auf “Maskierte” abgesehen hat. Die Geschichte wendet sich in eine Richtung weltbedrohenden Ausmaßes.

Superhelden als Menschen mit Problemen, vielleicht nicht ganz alltäglichen, aber doch mit Sinnkrisen und anderen Anfechtungen und dem Dilemma, in das einen die eigenen Macht bringen kann, sind sicher nicht der übliche Actionstoff, den man aus Comics gewöhnt ist, da hier doch Schwierigkeiten des menschlichen Lebens im Allgemeinen gezeigt werden.

Spannend ist auch, dass die Welt der Watchmen zwar eine fiktive ist, aber doch sehr viele Probleme, die in den 80ern die westliche Welt beherrschten, verarbeitet werden. Ich will nur kurz als Beispiel den Kalten Krieg, Jugendgewalt und die Medialisierung des täglichen Lebens nennen, die in diesem Comic sehr stark thematisiert werden.

Der Comic ist auch deshalb interessant, weil hier Verbindungen zu verschiedenen literarischen oder anderen künstlerischen Werken eine Rolle spielen. Das macht die Story um so reizvoller, wenn man um die Hintergründe weiß (sie lässt sich aber auch sonst sehr gut lesen, keine Sorge - aber vielleicht bekommt man nach dem Comic ja auch mal Lust z.B. einen Blick in Friedrich Nietzsches “Also sprach Zarathustra” zu werfen…)

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Symbolsprache in diesem Buch - der Smiley, der sich nachher auch auf dem Mars in einem Krater wiederfindet und ähnliche Ideen und die Verbindung von Gerichtsakten, autobiographischen Büchern etc., die jedem Kapitel vorangestellt ist.

Die Bilder sind bewusst in einem etwas unterkühlten Stil gehalten, der eben an diesen für die Superheldencomics typischen erinnert. Vieles ist hier aber grade ästhetisch sehr ansprechend. Oft wird aber auch in grausamen Darstellungen geschwelgt, wobei manches vielleicht auch nicht für Leute mit schwachen Nerven oder Kinder zu empfehlen ist.

Wenn man sich auf diesen Comic einlassen will, wird man auf jeden Fall gefesselt werden und hat mindestens für ein Wochenende genug zu lesen. Die deutsche Ausgabe kommt sogar mit einer recht interessanten Erläuterung (am Schluss) des Comics daher - was die Relevanz des genauen Hinschauens bei dieser Graphic Novel unterstreicht. Leider ist die Übersetzung ins Deutsche meiner Meinung nach nicht immer so gelungen, was aber dem Lesevergnügen eigentlich keinen Abbruch tut - trotzdem der Blick ins englische Original lohnt sich auch.

Alan Moore (Autor)
Watchmen
www.panini-verlag.de
436 Seiten für 29,95 Euro

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