Archiv

Archiv für März, 2010

Schwanensee, sowie toter und gelber Schnee

26. März 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 26. März 2010, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg, Ausstellungseröffnung …esse nicht den gelben Schnee. Skulpturen und Installationen vonToni Schmied und  Bilder von Jürgen Huber. Einführung Anja Liechaubal. Bernadette Gölzhäuser singt Frank Zappa-Lieder auf Deutsch

Samstag, 27. März 2010, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg, Zum letzten Mal: Schwanensee. Im Gegensatz zur Aufführung von Corps de Ballet der Staatsoper Breslau im letzten Jahr bei den Turn und Taxis Schlossfestspielen, glänzt die Regensburger Inszenierung durch ein echtes Orchester. Spielleitung: Olaf Schmidt. 19.00 Uhr Werkeinführung.

Samstag, 27. März 2010, 22.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg, Dead Snow (Tommy Wirkola, N 2009) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: ab 18 Jahren, Weitere Infos zur Reihe: http://hardline.blog.de

Dagie egot sich

25. März 2010 lweser Keine Kommentare

Cinema mi Vida: Dagie Brundert, 16. Regensburger KFW, Wintergarten Kino im Andreasstadel, 20. März 2010

 

Dagie verteilt Super8-Kekse, Paul hilft.

Dagie verteilt Super8-Kekse, Paul hilft.

Die Berliner Filmemacherin Dagie Brundert bereichert seit 1988 die Kurzfilmlandschaft mit ihren wunderbaren Super8-Film-Perlen. Sie studierte in Krefeld und Berlin visuelle Kommunikation und experimentelle Filmgestaltung. Auch bei der Regensburger Kurzfilmwoche liefen ihre Filme regelmäßig im Deutschen Wettbewerb. Am Samstag stellte Daggie Brundert innerhalb ihrer Werkschau bei der Kurzfilmwoche eine Auswahl ihres bisher 24-jährigen Filmschaffens vor. Extra für diesen Tag  hatte sie sich ein Dirndl ersteigert. Aber nicht nur das: für das Wohl der Zuschauer verteilte sie selbst gebackene Bio-Super8-Lebkuchen. Daggie ist wie ihre Filme, das merkt man sofort.
Ihr Super8-Filme sind kleine, frische, verspielte und intelligente Geschichten. Sie sind Lieder, Gedichte, Musikvideos, sind abgeschlossene Mikrokosmen oder auch ganze philosophische Theorien, die die Welt erklären. Seltenen sind diese dichten und poetischen Geschichten länger als fünf Minuten (meist liegen sie eher im ein bis drei Minuten-Bereich). Dagie unterteilte die Filme in fünf Blöcke und stelle jeden Film kurz vor - natürlich mit viel Charme und Witz.
Bereits ihr erster Film (aus dem Block “Frühe und selten Sachen“) 23 Barbiepuppen kippen um besitzt die unverkennbare Dagie Brundert-Handschrift. In den drei Filmminuten geschieht nichts, als das, was der Titel vorwegnimmt. Dazu eine einfache, unbeschwerte Kinder-Melodie, gesummt von Daggie selbst. Der Film besitzt bereits alle Merkmale des typischen Dagie Brundert-Filmes: Skurilität, Verspieltheit, Rhythmus und natürlich das Filmmaterial Super8! Früh hat Dagie also ihre filmische Identität gefunden.
Die Filme des zweiten Blocks, “Zeitdehnung im Multiversum“, beschreibt phantastische Phänomene oder Geheimnisse und Gesetzmäßigkeiten des Lebens. Natürlich werden einige Geheimnisse dabei bewahrt. Zeitpunsch oder Simmie Heg und Noitam Rofni geht verschobenem oder durchbrochenem Raum-Zeit-Kontinuum auf den Grund. Die Filme leben von der Bild-Text-Symbiose. Zwei Gummibärwürmer bewegen sich in Simmie Heg und Noitam Rofni über ein Schnittmuster. Dazu hört man Dagie Brundert erklären: “Geheimnis und Information gelangen von A nach B und C usw.” Der Film erklärt weiter, wie Geheimnis und Information mittels Wurmlöchern Raum und Zeit überwinden können.
Der Block “Unterwegs sein und seltsame Dinge tun…” beinhaltet unter Anderem auch den Gewinnerfilm des Max-Bresele-Gedächtnis-Preises des Jahres 2003 Kleiner Havelländischer Hauptkanal. Ein Film zu dem Dagie durch die inhaltliche Spannung im Namen besagten Flusses inspiriert wurde.
Bei den amerikanischen Filmen aus “On the Road in Amerika” war Dagie wohl ein bisschen von der kalifornischen Sonne geblendet. Den Filmen, ausgenommen The Palm Tree Song Line, fehlt der typische Daggie-Witz, nicht aber der Rhythmus. The Palm Tree Song Line vereint beides. Die kalifornischen Palmen sehen wie Noten aus und Dagie lässt sie singen.
Das letzte Film-Kapitel “Ich ego mich” beinhalten sämtlich “egozentrierte” Filme. Dagie Brundert spielt darin die Hauptrolle. Intime Lebensbekenntnisse (Ich & mein Süßer, Foxy Lady in Winterland und Schnee gestern Schnee heute) und Kindheitserinnerungen (Milchwolken Liebe) sind darin zu finden. Aus einigen Filmen lässt sich eine gewisse Anfälligkeit für Wintermelancholie ableiten. Aber der Winter ist ja schon seit jeher für Rückblicke und Reflexionen geeignet.
Gern möchte man nach diesem Programm allen Filmhochschülern und -absolventen, mit ihren glatten Filmen, Dagie Brunderts Werke ans Herz legen, die beweisen, dass weder teure Produktionen, noch technische Hochausstattung oder bekannten Schauspieler nötig sind, um gute und spannende Filme zu machen.

 

Alle Filme von Dagie Brundert sind auf ihrer Homepage zu sehen: www.dagiebrundert.de

Die Kunst Gäste zu führen

22. März 2010 sgruen Keine Kommentare

“Die echte Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern sie mit neuen Augen zu sehen.” (Marcel Proust)

(Sigrid Grün)

Die Regensburger Altstadt und Stadtamhof sind Weltkulturerbe und locken Jahr für Jahr unzählige Touristen in die Region. Doch auch für Einheimische gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Ob man nun beruflich oder privat eine Führung veranstalten möchte - das Buch Gäste professionell führen von Michael Weier ist auf alle Fälle eine große Bereicherung.

Was macht eine gute Führung aus? Wie kann man seine Gäste begeistern? Was ist alles zu beachten? In Weiers Buch findet man Antworten auf diese und viele weitere Fragen. Es ist nämlich durchaus nicht nur reines Faktenwissen, das eine gute Führung ausmacht. Ein Guide muss über eine Vielzahl verschiedener Kompetenzen verfügen: Neben Fachwissen spielen Kommunikation, Didaktik, Animation und Organisation eine ebenso wichtige Rolle wie juristische, technische, emotionale, interkulturelle und sogar eine gewissen medizinische Kompetenz. Ein Gästeführer muss letztlich ein Allround-Talent sein. In Michael Weiers Buch erfährt der Interessierte, worauf es konkret ankommt. Auch Fragen zum Management werden kompetent beantwortet. Vom Training bis zum Feinschliff - hier ist alles enthalten. Zahlreiche Tipps und Checklisten tragen dazu bei, dass man sich effektiv in die Materie einarbeiten kann. So können böse Überraschungen vermieden werden und der Guide kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Weier geht auch auf spezielle Führungen, z.B. für Kinder ein. Das ist wichtig, weil man erfährt, was hier beachtet werden muss. Häufige Fehler - Kinder sind nicht etwa “dumme” Erwachsene, wie das oft angenommen wird - können so von vornherein vermieden werden.

Der Autor, ein Diplom-Geograf mit langjähriger Erfahrung als Gästeführer, hilft dem angehenden oder auch dem erfahrenen Führer dabei, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Ein hilfreiches Fachbuch, das sicherlich viel dazu beitragen kann, den eigenen Vortragsstil zu entwickeln bzw. zu perfektionieren.
Sehr empfehlenswert!

Michael Weier (Autor)
Gäste professionell führen. Ein Leitfaden für die Tourismuspraxis
www.ksb-media.de
157 Seiten

Kritik auf hohem Niveau

20. März 2010 ffranc Keine Kommentare

Regionalfenster, 16. Regensburger KFW, Wintergarten Kino im Andreasstadel, 18. März 2010

Das Alleinstellungsmerkmal Regionalfenster
Der Regionalwettbewerb der Regensburger Kurzfilmwoche fördert direkt das kreative und künstlerische Schaffen regionaler Filmemacher, indem es ihnen die Plattform zur Präsentation ihrer filmischen Werke bietet. Viele Regionalfilmer produzieren ihre Beiträge einzig für die Kurzfilmwoche. Zwar gibt es eine Vielzahl von Jugend-Filmfestivals, auf denen Amateurfilmer die Möglichkeit haben ihre Filme einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch jenseits einer bestimmten Altersgrenze bietet nur die Regensburger Kurzfilmwoche Hobby-Regisseuren die Möglichkeit, ihre Filme auf einem professionellen Festival einem öffentlichen Publikum in einem richtigen Kino zu zeigen.

In diesem Jahr gab es für das Regionalfenster weniger Einreichungen als sonst (38, statt bisher um die 50). Doch es war nicht von vorn herein klar, dass es deshalb nur ein Programm geben würde. Wenn von 38 Einreichungen 20 wirklich zeigenswerte dabei gewesen wären, hätte es auch in diesem Jahr wieder zwei Programme gegeben, verrieten uns Sichter und Organisatoren. Nur ein Regionalfenster also in diesem Jahr. Das kann nur ein Qualitätsgewinn sein, mag man meinen, schließlich fallen solche Filme heraus, die sonst nur hinein gekommen wären, um die zwei Programme zu füllen.
Und tatsächlich ist zumindest die technische Qualität in diesem Jahr wieder recht hoch. Eine Tendenz, die sich bereits in den letzten Jahren abgezeichnet hat.
Die bessere Technik ermöglicht es auch Amateurfilmern zunehmend hochwertigere Filme zu produzieren. Leider (oder zum Glück) kann das oft nicht über die mangelnde Handlung, bzw. die fehlende Idee hinwegtäuschen. Dass inzwischen selbst manche Beiträge des Regionalfensters von Arri, Kodak oder Fuji unterstützt werden (sogar ein HFF-Film ist diesmal dabei), stellt ein wenig die vorher gemachte Aussage als Plattform für Amateurfilmer in Abrede.

Das Gegenteil von gut ist gutgemeint
Betrachten wir die einzelnen Beiträge genauer: Bei Unscene handelt es sich um einen Film, der auch im Sinne der Regisseurin, nicht in den Wettbewerb hätte laufen dürfen. Das Schlimmste für einen Regisseur der eine Tragödie inszeniert, ist sicher, wenn das Publikum lacht. Von einer geübten Sichtungskommission hätte folglich ein solcher Film, auch wenn er unbestritten gut gemeint war, aussortiert werden müssen.
Video killed the Radiostar von Daniel Kapulla und Der Sprung von Schülern des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums, sind thematisch als Jugend-Filme einzuordnen, die auf einem Nachwuchs-Filmfestival vielleicht besser platziert wären. Beiden ist eine gekonnte technische Handhabung zugute zu halten. Letzterer hat übrigens das Manko des Amateurfilmes erkannt (Ton und Sprecher-Leistung) und weitgehend auf Dialoge verzichtet. Von ersterem konnte man das leider nicht behaupten. Die Handlung beider Beiträge ist Selbstzweck. Beide Filme waren in erster Linie für die Macher eine gute Übung, um das Filmhandwerk zu erlernen.
Doch selbst wenn zu den technischen Fertigkeit, ein guter Plot kommt, genügen das noch nicht um einen guten Film zu machen, wie auch No one is an Island von Sebastian Harrer und Selbstverrat von Pius Neumaier, beweisen. Beiden Filmen fehlt das gewisse Etwas.
Der HFF-Film Unsichtbares Licht von Simon Weber (der laut den Kriterien der KFW gar nicht im Regionalfenster laufen dürfte) lebt von einer eigenen, sterilen, fast futuristischen Schwarz-Weiß-Ästhetik. Der in der Strahlentherapie des Universitätsklinikums Regensburg gedrehte Dokumentarfilm wäre jedoch ohne die Kommentare des Arztes stimmiger gewesen. Die Aussagen des Radiologen werden weder dem Schicksal der betroffenen Patienten, noch seiner eigenen Arbeit, gerecht. Schade.

Die richtigen Zutaten für einen gelungenen Film
Der Gen-Zement, eine Boulevard-TV-Magazin-Persiflage von Oliver Gilch und Downhill ein Trasch-Krimi vom letztjährigen Regionalfenster-Gewinner Martin Weck, besitzen drei der benötigten Komponenten für einen guten Film: eine überzeugende Idee, technische Fertigkeiten und eine gelungene Umsetzung. Zwei witzige und überzeugende Filme. Auch Fleicheslust von Erik Grun gehört in diese Kategorie. Doch Grun hat mit seinem Film noch etwas anderes geleistet. Er hat sich auf ein Experiment eingelassen, von dem der Film in enormen Maße profitiert. Er drehte mit einer digitalen Spiegelreflex-Kamera, die durch die geringe Tiefenschärfe eine echte Filmoptik ermöglicht. Der große Teil dieses Lobes gebührt dabei sicher dem Kameramann, dem Regensburger Fotografen Hubert Lankes. Abgesehen von der Auflösung der Handlung (etwas zu banal und leider im Vergleich zum restlichen Film stark abfallend), ist dieser Film perfekt. Durch die Symbiose der überdurchschnittlichen Qualität von Kamera, Licht, schauspielerischer Leistung (auch hier ohne Dialoge) und Musik wird eine überzeugende, spannungsvolle Atmosphäre geschaffen. Gruns bisher bester Film!

Der Reiz der Reduktion
Die drei verbleibenden Filme sind im weitesten Sinne als Kunst-Filme zu bezeichnen. Sie zeichnen sich durch eine innovative Idee und/oder eine individuelle Herangehensweise aus. Alle drei haben eine eigene reduzierte Bildsprache entwickelt. Der Reiz aller drei Filme liegt in Konzentration und Reduktion. Durch den Bruch von Sehgewohnheiten, wird etwas neues, etwas Eigenständiges geschaffen. Die Videoperformance Fuori-Dentro me von Dominique Buchtala, zeigt die Nahaufnahme eines Gesichtsausschnittes (Mund und Zunge). Die Zunge scheint ein lebendes Wesen mit zugleich abstoßender und anziehender Wirkung. Hervorragend! Philip Singh schuf mit einer C-64-Animation ein Musikvideo zum Song Some more Sweets der Regensburger Band Dirschl, Starzinger und Ackermann. Auch hier entfaltet die reduzierte Programmiersprache des alten Commodore 64 eine eigene Ästhetik. Der Titel Telekolleg Spektralanalyse von Weser und Kasbauer nutzt die Erwartungshaltung des Publikums, um sie im Film radikal zu brechen. Das Filmgedicht konzentriert den Blick auf die Dächer von Regensburg während eines Gewitters. Regen und Spiegelung entwickelt einen eigenen kontemplativen Rhythmus.

Das Regionalfenster wird wiederholt: heute 16.00 Uhr und am Dienstag 18.00 Uhr jeweils im Wintergarten Kino im Andreasstadel.

Wenn Kurzfilmwoche ist, wird es warm

19. März 2010 lweser Keine Kommentare

Eröffnung der 16. Regensburger Kurzfilmwoche im Ostentor-Kino am 17. März 2010

“Wenn Kurzfilmwoche ist, wird es warm.” Mit diesem Satz eröffnete Richard Kattan, ehemaliger und erneuter Vorstand des Arbeitskreises Film, am Mittwoch im Ostentor-Kino die 16. Regensburger Kurzfilmwoche. Und damit hat er auf seine unverkennbare lakonische Art, die Hauptneuerung auch schon in einem Satz zusammengefasst. Denn bisher hieß es immer “Wenn Kurzfilmwoche ist, wird es kalt”.

kufi10_eroeffnung
Bis vorgestern konnte man nicht glauben, dass es zwischen März und November einen deutlichen Temperaturunterschied gebe. Zum Glück änderte sich das Wetter jedoch am Tag des Festivalbeginns, so als wolle es dem neuen Team Mut zusprechen. Mut sprach auch ein gut gelaunter Oberbürgermeister Schaidinger der KFW zu. Zum einen durch seine Anwesenheit (immerhin erstmalig außerhalb eines Wahljahres), zum Anderen durch die Erneuerung seines Versprechen, die magere Situation der Stadtkasse dürfe weder die Kultur im Allgemeinen, noch die Kurzfilmwoche im Speziellen, zu spüren bekommen. Er versicherte seine uneingeschränkte Unterstützung und lobte die Arbeit aller Beteiligten. Sie organisieren dadurch ein Festival mit “einer enormen Strahlkraft weit über Regensburg hinaus” und damit meinte er nicht nur “bis Barbing und Zeitlarn“. Dies konnte die neue Kurzfilmwochenleitung Insa Wiese, die zuvor beim Kurzfilmfestival Hamburg arbeitete, nur bestätigen.
Die notwendigen Reden wurden durch drei Kurzfilme aus dem Eröffnungsprogramm und Songs der Würzburger Songwriterin Karo aufgelockert. Schade, dass bei drei von 250 gezeigten Streifen ausgerechnet zwei Animationsfilme ausgewählt wurden. Ein repräsentative Auswahl, war das wohl nicht. Karos stimmungsvoll-melancholische Songs passten sehr schön in die Kinoatmosphäre, und die Anwesenden im gut gefüllten Kino waren voller Begeisterung für diese ruhige Musik. Lust auf Kurzfilme machte die Eröffnung, wie das anschließende Eröffnungsprogramm, welches einen Querschnitt durch alle Wettbewerbe und die Sonderprogramme darstellte, auf jeden Fall.
Und wie bemerkte Richard Kattan zu recht: Das schöne an einem Kurzfilmprogramm ist, dass man es sich anschaut, um überrascht zu werden, während man sich einen Langfilm deshalb anschaut, weil man vorher weiß, was auf einem zukommt.

Also liebe Cineasten: Carpe Wochem!, denn nächsten Donnerstag ist es schon wieder vorbei.

Und noch eine Anmerkung!
In der Kinokneipe, dem Begegnungspunkt zwischen Filmemachern und Publikum, kann man es, selbst als Raucher, nach Kinoschluss nicht mehr aushalten. Der bei der letzten Kurzfilmwoche noch ganz allgemeinverträgliche Konsens (Rauchen im Zelt, Nichtrauchen in der Kneipe), wurde leider in diesem Jahr zu Ungunsten eines Überallrauchens geopfert.

Drei Lesungen und eine Zündfunkparty

18. März 2010 ffranc Keine Kommentare

Samstag, 20. März 2010, 22.00 Uhr, Leerer Beutel, Regensburg
Zündfunkparty. “Die Mutter aller Partys” und Halbzeit der Kurzfilmwoche. Wie immer mit Achim 60 Bogdahn und Roderich Fabian.
www.kurzfilmwoche.de | www.zuendfunk.de

Sonntag, 21. März 2010, 21.00 Uhr, Club Heimat, Regensburg
Der ex-kölner (Verrat!) und neu-berliner (abermals Verrat!) Karpatenhund zu Gast in der Heimat. Früher hießen die mal Locas in Love oder Unser kleiner Dackel. Support sind Oh, Napoleon aus’m Pott. 12 / 15 Euro.
www.karpatenhund.com | www.heimat-regensburg.de

Dienstag, 23. März, 20.00 Uhr, Lesestube Buchhandlung Atlantis, Regensburg
Hans Joachim Schädlich liest aus seinem neuen Roman Kokeschkins Reise. Wahlenstr. 8, Atlantis(at)t-online.de
Hans Joachim Schädlich bei Rowolt

Donnerstag, 25. März 2010,19.00 Uhr. Kunst- und Gewerbeverein, Regensburg
Dieter Lohr, unser Lieblings-Hörbuch-Verleger, liest aus dem Roman: Rebellion im Wasserglas. Im Rahmen 20er JAHRE REGENSBURG - Es ist eine Lust zu leben. Karten gibt’s an der Abendkasse.
www.dieterlohr.de | www.kunst-und-gewerbeverein.de

Donnerstag, 25. März 2010, 20.30 Uhr, Buchhandlung Dombrowsky, Regensburg
Joseph Berlinger und Christoph Lindenmeyer (BR-Moderator und Ex-Zündfunk-Chef) stellen die 5-CD-Edition Bayern Kult Rituale vor, mit Berlinger-Features für den Bayerischen Rundfunk. Eintritt: 7 € / 5 €
www.josephberlinger.de | www.dombrolit.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Das Huhn auf dem Arm

12. März 2010 lweser Keine Kommentare

Stefan Winkelhöfer (Fotos), Harald Grill (Gedichte): Gesichter eines Dorfes. Menschen und Dorf im Wandel der Zeit.

Die Dörfer haben ja eigentlich ihr typisches Gesicht verloren. Begonnen hat es in den 60er Jahren. Nach den Wirtschaftswunder-Zeiten ging es auch den Bauern besser und so wurde saniert. Ohne Rücksicht auf Vergangenheit oder Ästhetik. Dann kam die Landflucht. Kaum einer war noch Bauer. Das rentiert sich einfach nicht mehr. Und wer soll den Hof auch übernehmen, die Jungen würden ohnehin in die Stadt gehen. Die Holz-Scheunen wurden abgerissen und “schöne” neue Beton-Garagen an ihrer Statt errichtet. Die alten Holzfester wurden herausgerissen und durch größere Plastikfester ersetzt, ebenso die Haustüren. Unmotivierte Anbauten, die die alte Substanz völlig ignorierten taten ihr Übriges. Der Hof wurde betoniert. Die Obstbäume machen nur Arbeit, also weg damit. Und überall auf ehemaligen Feldern, wurden neue Wohn-Klötze hochgezogen für all Jenen, die zwar in der Stadt arbeiteten, da aber nicht wohnen mochten oder konnten. Was übrig blieb sehen wir heute in fast jedem (nicht nur) bayerischen Ort. Glatte, hässliche Dörfer, die ihre ursprüngliche Bedeutung, ihre Struktur, ihren Charakter, ihr Gesicht verloren haben.

Der Fotograf Stefan Winkelhöfer hat sich auf die Suche gemacht nach den kleinen Ecken, in denen es noch Überbleibsel und Überlebende von Dörfern im herkömmlichen Sinne gibt. Und er hat sie gefunden. Sicher, die Bilder dieses Buches sind kein repräsentativer Querschnitt für ein heutiges Dorf. Vielmehr sind sie eine Hommage, an etwas, das ganz im Verschwinden begriffen ist. Sie sind eine Huldigung und eine Liebeserklärung an eine vergangene Zeit. Nur wenige Fotos kontrastieren das wirkliche heutige Dorf, z.B. ein Busfahrer vor seinem Bus, ein Fußballer auf dem nächtlichen Feld im Flutlicht (was für ein Wahnsinn eigentlich), ein Bürgermeister in seinem Büro (mit einem Camillo und Pepone Foto an der Wand; wieder ein kleines Fenster in diese vergangene Zeit). Der Großteil der Fotos zeigt jedoch ältere Menschen mit Gesichtern, die Geschichten erzählen. Menschen vor alten Holzscheunen, mit ihren Tieren oder bei der Arbeit. Ein alter Schmied vor dem Feuer mit Sohn und Enkel, an die er die Schmiede längst übergeben hat. Eine Frau in Kopftuch und Schürze auf einer Bank neben einem Marienschrein. Ein Mann in Latzhose beim Sense dängeln auf einem alten Holzblock. Eine weitere Frau, etwas jünger als die erste, aber sicher auch sie schon eine Großmutter, ebenfalls mit Schürze und Kopftuch, vor der offenen Stalltür, im Arm ein Huhn. Ein Mann mit zotteligem Vollbart und Plüschmütze mit seinen Ziegen. Leise Bilder mit einer gewissen Melancholie. Jedes einzelne Bild eine Geschichte, ein Leben.
Harald Grill erzählt in seinen Gedichten die Geschichten, die er zu den Fotos assoziiert. Mit vielen einfachen Bildern, ohne Reime, ganz unaufgeregt, wie die Fotos und wie die Menschen darauf. In einer schlichten Schönheit oder schönen Schlichtheit, fängt er den Alltag auf dem Land ein, fasst ein ganzes Leben zusammen oder nur einen flüchtigen Moment.

Ein kostbares, stilles und melancholisches Buch und eine gelungene Symbiose von Text und Bild. Eine Empfehlung von ganzen Herzen.

gesichtereinesdorfes
Gesichter eines Dorfes. Menschen und Dorf im Wandel der Zeit.

von Stefan Winkelhöfer (Fotos) und Harald Grill (Gedichte)

…………………………………………………………………..

Buch- und Kunstverlag Oberpfalz, 2009
104 Seiten, 52 Bilder, gebunden
24,80 €

www.buch-und-kunstverlag.de
www.haraldgrill.de | www.herrw.com
www.gesichter-eines-dorfes.de

Zwei Kurzfilmfestivals in Ostbayern, gleichzeitig!

11. März 2010 lweser Keine Kommentare

Die Großereignisse vorne weg:
17. - 21. März 2010, 11. Landshuter Kurzfilmfestival, div. Locations, Landshut
Wie immer mit dem Schwerpunkt auf die aktuelle nationale Filmszene, und hoffentlich nicht massiv gestört in seiner vorfrühlingshaften Gemütlichkeit durch das regensburger Pendant.
www.landshuterkurzfilmfestival.de

17. - 24. März 2010, 16. Regensburger Kurzfilmwoche, div. Locations, Regensburg
Fünf Jahre mehr auf dem Buckel und nochmal vordrängeln wollen. Na sowas…
www.kurzfilmwoche.de
……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………

Freitag, 12. März 2010, 19.00 Uhr, Filmbühne, Hinter der Grieb, Regensburg
TORWORT. Wieder eine Fussball-Lesung in der alten Filmbühne. Mit dabei: Parkstadion-Romantiker Stefan Barta, Fußballbuch des Jahres 2008-Autor Christoph Ruf, Bayern-Autor Armin Radtke sowie TORWORT-Vater Sascha Theisen und DJ Schnuphase. Na dann rauf auf den Bökelberg…
www.torwort.de

Freitag, 12. März 2010, 19.00 Uhr, Neuer Kunstverein, Dr.-Gessler-Str. 2, Regensburg
Vernissage der Ausstellung Pixelgames des wilden Künstlerpaars Friederike und Uwe. Einführung durch NKR-Mastermind Reiner R. Schmidt. Die Ausstellung ist bis 24. April zu besuchen, Öffnungszeiten: Do. + Fr. 16.00 - 19.00 Uhr, Sa. 12.00 - 15.00 Uhr
www.neuerkunstverein.de | www.friederike-und-uwe.de

Freitag, 12. März 2010, 19.30 Uhr, Kultursaal, Schulstraße 5, Neutraubling
Premiere von Bunbury - Ernst sein ist alles von Oscar Wilde. Dargeboten von der Jugend vom Theatraubling. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Weitere Aufführungen siehe Link.
www.theatraubling.de

Samstag, 13. März 2010, 11.00 Uhr, Minoritenkirche, Dachauplatz, Regensburg
Start von Motorisierte Mobilität der 20er Jahre Unter diesem Motto werden im Rahmen der 20er Jahre REGENSBURG diverse Fahrzeuge von einst ausgestellt, und das in einer ehemaligen Kirche, die auch mal eine Garage war. Die Ausstellung geht noch bis 30. April. Die Öffnungszeiten entsprechen denen des Historischen Museums.
www.kunst-und-gewerbeverein.de

Samstag, 13. März 2010, 20.00 Uhr, Friedenskirche, Uhdestraße, Dachau
Und weil Kirchen und Dachau grad angesagt sind hier noch ein Out-Of-Ostbayern-Tipp:
Owen Pallett aka Final Fanstasy, der Pop-Poesie-Geigenvirtuose aus Kanada live in Bayern. Ein Glück für alle, die Karten haben und am Samstag nach Dachau können. Und Dank an Säm für die Erinnerung.
www.owenpalletteternal.com

Sonntag, 14. März 2010, 10.00 Uhr, Wintergarten, Kino im Andreasstadel, Regensburg
Sonntag-Matinée Film & Frühstück. Im Rahmen der sehr erfolgreichen Reihe Architektur im Kino läuft diesmal der Horror-Klassiker von Edgar G. Ulmer aus dem Jahr 1934 The black Cat mit den zwei größten Horrordarstellern aller Zeiten Bela Lugosi und Boris Karloff.
www.architektur-im-kino.de

Sonntag, 14. März 2010, 19.30 Uhr, Turmtheater, Am Watmarkt, Regensburg
Hörspiel im Turm: Heute Test von Stanislav Lem. Eintritt ist 6 Euro.
hoerspielimturm.blogspot.com

Dienstag, 16. März 2010, 19.00 Uhr, Kunst- und Gewerbeverein, Ludwigstr., Regensburg
Die Kunst der Verstellung. Marieluise Fleißers Regensburger Jahre als Internatszögling der „Englischen Fräulein” - eine Lesung mit Eva Sixt. Läuft im Rahmen der Ausstellung 20er Jahre REGENSBURG - Es ist eine Lust zu leben.
www.kunst-und-gewerbeverein.de

Dienstag, 16. März 2010, 20.00 Uhr, Akademiesalon, Kino im Andreasstadel, Regensburg
Wunder der Schöpfung. (1924) von Hans Walter Kornblum. Wieder gibt eine seltenen Filmperle in der Filmreihe von Medard Kammermeiers Nerven. Kino der Weimarer Republik. Mit einer Einführung von Viktor Rotthaler. Die Filmreihe läuft im Rahmen der Ausstellung 20er Jahre REGENSBURG - Es ist eine Lust zu leben.
www.kinos-im-andreasstadel.de

Mittwoch, 17. März 2010, 19.00 Uhr, Kinopolis (Kino 7), Am Alten Viehmarkt, Landshut
Opening-Gala des 11. Landshuter Kurzfilmfestival. mit einer Auswahl an Wettbewerbsbeiträgen und internationalen Schmankerln, u.a. das berühmte Alte-Damen-Handy-Duell Kwiz des Belgiers Renaud Callebaut.
www.landshuterkurzfilmfestival.de

Mittwoch, 17. März 2010, 19.00 Uhr, Ostentorkino (Kino 1), Adi-Schmetzer-Str., Regensburg
Eröffnungsfeier der 16. Regensburger Kurzfilmwoche mit dem üblichen Grüßen und Danken und einem kleinen Konzert von Karo aus Würzburg, ihres Zeichens wahlweise die deutsche Anwort auf Feist, die fränkische Gustav oder eben Karo aus Würzburg.
Um 22.00 Uhr gibt’s das Eröffnungsfilmprogramm mit sieben Filmen, jeweils einen aus Regional- und Bayernfenster, internationalem und deutschen Wettbewerb, Rodando (Kuba), Beste Körperfunktionen und einen von Mara Mattuschka.
Anschließend legt Säm in der Kinokneipe auf.
www.kurzfilmwoche.de | www.kinokneipe.de | www.altstadtkinos.de | www.singoutheart.de

Donnerstag, 18. März 2010, 13.30 - 17.00 Uhr, Andreasstadel, Regenburg
Tag der Francophonie in Bayern / Jour de la Francophonie en Bavière. Forum und Theatervorstellung organisiert vom Institut français in München.
www.dfg-regensburg.de | www.francophonie.org

Donnerstag, 18. März 2010, 20.30 Uhr, Buchandlung Dombrowsky, Kassianspl., Regenburg
Es liest aus ihrem neuen Buch Alix, Anton und die anderen die Deutsche Buchpreis-Trägerin Katharina Hacker. Der Eintritt beträgt 8 /10 €.
www.dombrolit.de | www.katharinahacker.de

Donnerstag, 18. März 2010, 22.00 Uhr, Kino Wintergarten, Andreasstadel, Regenburg
Unsere Empfehlung für den zweiten Tag der KuFiWo: das Regionalfenster mit 12 Beiträgen aus der Region inklusive Trickfilm, Doku und Experimentalfilm.
www.kurzfilmwoche.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Tot geglaubte leben länger

10. März 2010 ffranc Keine Kommentare

Noch eine Woche bis zum Beginn der 16. Regensburger Kurzfilmwoche

Wettertechnisch war der letzte Herbst ein Traum, kulturell jedoch klaffte ein großes Loch - keine Kurzfilmwoche! Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und so findet die 16. Regensburger Kurzfilmwoche eben vom 17. bis 24. März statt, unglücklicherweise zeitgleich mit dem Landshuter Kurzfilmfestival. Ansonsten ändert sich beim Traditionsfestival auch unter der neuen Leitung von Insa Wiese und Paul Müller wenig.

kfw16-plakatKernstücke des filmischen Ereignisses bleiben die Wettbewerbe und die Sonderprogramme. Letztere stehen heuer unter dem Motto “Körper”, das vielfältige Sichtweisen auf das menschliche Fleisch zulässt (siehe Plakat). Sieben Programme stehen zur Auswahl, jedes ist mit Sicherheit sehenswert.
Der Länderschwerpunkt ist in diesem Jahr Lateinamerika, vertreten durch die Reihe Rodando. Es sind vier Programme zu sehen, die das Instituto Cervantes zusammen mit dem Filmfestival Valencia zusammengestellt haben. Die Filme sind relativ neue Produktionen aus den Jahren 2003 bis 2007.
Weiter gibt es noch drei Cinema Mi Vida bzw. Cinema Mi Amor Reihen mit allerhand Experimentalfilmen. Noch-AKF-Geschäftsführerin Sabine Schöbel bringt Fremdfilme und einen eigenen. Die bulgarische Österreicherin Mara Mattuschka zeigt einige ihrer, vom Wiener Aktionismus geprägten Werke, die auch in der Körper-Schiene laufen könnten. Und zu guter Letzt stellt die Berlinerin Dagie Brundert 28 ihrer genial kurzen Super-8-Filmblitzlichter vor.
Bei den Blauen Stunden (jeweils um 16 Uhr in der Filmgalerie) besteht die Möglichkeit zu Gesprächen mit Aktiven der Filmbranche. Die Film-Klasse der HFBK Hamburg, der Produzent David Lindner und der Film-Autor Finn-Ole Heinrich werden dabei aus dem Nähkästchen plaudern.

Die Platten-Filme, Poetry in Motion (Film + Live-Texte), die Zündfunk-Party, Das Kinokneipenzelt, das Kinderprogramm, Vorführungen an der Uni und das ganze Drumherum der Kurzfilmwoche bleiben im Prinzip unverändert. Neu ist eine Salsa-Party und die Tatsache, dass es nur noch ein Regionalfenster gibt. Der internationale und der deutsche Wettbewerb sind nun in thematische Blöcke unterteilt und nicht mehr “bunt zusammen gewürfelt”. Eine Orientierung welches Programm einem am ehesten zusagt wird somit erleichtert.

Der Eröffnungsabend bleibt ebenfalls wie gehabt. Los geht’s bei freiem Eintritt am Mittwoch den 17. März um 19.00 Uhr im Ostertorkino mit kurzen Filmen, schnellen Reden und der Musik von Karo aus Würzburg. Im anschließenden Eröffnungsfilmprogramm ist u.a., als Beitrag aus dem Regionalfenster, Erik Gruns Fleisches Lust zu sehen. Danach legt der Pop-Beauftragte für Bund und Länder Säm in der Kinokneipe auf.

Wir wünschen der Kurzfilmwoche viel Erfolg und zahlreiche interessierte Besucher.

Übrigens: Für Gäste aus dem In- und Ausland werden immer noch Betten gesucht. Sachdienliche Hinweise bitte unter 0941 / 560901.

www.kurzfilmwoche.de

Cd-Tipp: Ensemble Esteban spielt Tango Nuevo

10. März 2010 sgruen Keine Kommentare

Zeitlos schön

(Sigrid Grün)

Das Ensemble Esteban gehört zu den besten modernen Tango-Ensembles. Ich habe die Cd mittlerweile unzählige Male gehört und bin immer noch ganz verzaubert von der Ausdruckskraft und der Poesie der Stücke.
Zu hören sind hier vor allem Stücke von Astor Piazzolla, zudem eine Komposition von Bernfried E.G. Pröve sowie Locura Buenos Aires von Leo Weiß.

Der Name Astor Piazzolla (1921-1992) ist untrennbar mit dem Tango Nuevo, einer Weiterentwicklung des traditionellen argentinischen Tangotanzes (Tango Argentino) verknüpft. Zeitgenössische Elemente, aber auch Rückgriffe auf die europäische Kunstmusik und auf den Jazz, tragen zur Veränderung und  Weiterentwicklung der klassischen Form bei. Neben Kontrapunkt und Fugenform ließ Piazzolla auch gerne harmonische Neuerungen in seine Kompositionen einfließen. Damit prägte er einen sehr kunstvollen Tangostil, der sich eher zum Zuhören und weniger zum Tanzen eignete. Ich musste aber feststellen, dass die Stücke auf dieser Cd sich doch auch zum Tanzen eignen, wenn man sich auf die Rhythmenwechsel einstellen kann.

Auf dieser Cd ist die ungewöhnliche Besetzung zu erwähnen, die für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt: Gesang, Violine, Vibraphon, Klavier und Kontrabass. Das Bandoneon fehlt - man vermisst es aber auch nicht. Perez-Paoli, Weiß, Bolte, Pröve und König gelingt es die Stücke derart eingängig und poetisch zu interpretieren, dass man die Cd immer und immer wieder hören muss. Die Auswahl der Stücke ist sehr gelungen - vieles kennt man schon, z.B. Tanti anni prima (Ave Maria), das hier so wundervoll mit Violine und Klavier gespielt wird, dass man am Besten die Augen schließt und einfach nur Kopfkino genießt.

Hingebungsvoll und inspirierend, romantisch und voller Leidenschaft - all diese Facetten des Tango Nuevo findet man hier versammelt. Und schnell wird klar: Tango ist nicht nur ein Tanz, sondern eine Lebensart, die in Tanz und Musik ihren Ausdruck findet.

Tango ist nicht nur ein Tanz, sondern eine Lebensart, die in Tanz und Musik ihren Ausdruck finden - und Tango ist die Sprache der Leidenschaft.

Ensemble Esteban; Astor Piazzolla, Leo Weiß, Bernfried E.G. Pröve (Musiker; Komposition)
Ensemble Esteban plays Music by Piazzolla, Weiß and Pröve
www.KlassikCenterKassel.de
79 Minuten

Categories: Sigrid Grün Tags: , ,