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Archiv für April, 2010

Ein Schiff wird kommen

29. April 2010 lweser Keine Kommentare

30.04-11.09. 2010, MS Regensburg, 19.30 bzw. 20.00 Uhr, Das Regensburger Schiff oder Herr Schikaneder (er)findet die Zauberflöte, Eine Posse in zwei Akten nach Emanuel Schikaneder von Michael Kohlhäufl und Michala Schießl mit Martin Hofer, Heinz Müller, Heike Ternes u.A. Regie: Dirk Arlt, eine Produktion des Kulturturm Regensburg; Eintritt: 24 € zzg. VVG; Die einzelnen Termine und Startzeitenfinden Sie unter www.regensburgerturmtheater.de

Freitag, 30. April 2010, 21.00 Uhr, Büro, Regensburg, Konzert: Bratfisch Eintritt frei

Freitag, 30. April 2010, 21.00 Uhr, Kammerspiele, Kleines Haus, München, Konzert: 3 Normal Beatles. Eintritt: 9 / 5 €

Samstag, 01. Mai 2010, 19.00 Uhr, Spital-Keller, Regensburg, CD-Präsentation Uncle Sally. www.uncle-sally.de

Samstag, 01. Mai 2010, 20.30 Uhr, Zimmer 4, Regensburg, Konzert: Der Postmann und der Mann ohne Hund. www.derpostmannunddermannohnehund.de |

05.-12. Mai 2010, Andreasstadel, Regensburg, Französische Film- und Kulturwoche/ Semaine Culturelle du Cinéma Francais; das diesjährige Thema: »Ich und die anderen / Les autres et moi-même«. Diesmal leider ohne den legendären Eröffnungsabend, aber dafür spielen die Negerländer französische Lieder.

Cd-Tipp: Visionen von Gerald Humel

27. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Eindrucksvolles vom “Dramatiker der Klänge”

(Sigrid Grün)

Gerald Humel zu hören, ist keine sehr entspannende Angelegenheit - das muss gesagt werden. Seine Musik eignet sich nicht zum eben mal Nebenbeihören oder zum “Abschalten”. Es geht überaus dramatisch zu und die Kompositionen erfordern Konzentration. Humel zu hören ist als ob man ein Bühnenstück verfolgen würde.

Neben dem aus zwei Sätzen bestehenden Konzert für Bratsche und Ensemble sind auf dieser Einspielung vom modern art sextett sieben Visionen für Bariton und Ensemble enthalten. Diese Stücke sind Vertonungen von Nicolas Born-Gedichten.

Gerald Humel (1931-2005), Sohn tschechischer Einwanderer in Ohio, war ein Erzähltalent. In seinen Erzählungen stand aber nie die “friedliche Erbauung” im Mittelpunkt, ihn interessierte der “dramatische Konflikt”: “Man hat mich einen narrativen Komponisten genannt und das bin ich wohl mein ganzes Leben lang gewesen. Es ist nicht meine direkte Absicht, aber aus meinem Unterbewusstsein heraus möchte ich, dass meine Musik eine Geschichte erzählt. Musik besitzt für mich den emotionalen Gehalt des Dramas und es geht um erzählerische Qualität, die der Musik zu Eigen ist und sich auf die Zuhörer übertragen kann.”

Humels Musik ist ungeheuer expressiv, erinnert an Tanztheater oder an Stummfilme. Das modern art sextet (Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier), der Trompeter Raphael Mentzen und der Bariton Simon Berg interpretieren die Stücke überaus dramatisch. Bei den Visionen kommen noch die Gedichttexte von Nicolas Born (1937-1979) hinzu, die mal poetisch, mal verstörend sind. Beispielsweise im Liebesgedicht:
Es ist Frühling, schlanker Trompetenjubel des Brandenburgischen Konzerts
der Kaffeeduft steht still vor unserm Fenster
am Mantelhaken bleiben Husten und Schwermut
und im Park sind fremde Wesen gelandet in Kinderwagen auf den grünen Rasenflächen
ein schönes Stück Machtwechsel
Hier wächst der Andenkaktus, die Felsen
sind blinde Säcke aus Stein, unbarmherzige Statuen die das Tal bewachen.

Oder der sozialkritische Protest im Puff (eines Bürgers im Essener Puff 1966):
Auch das noch: Negerinnen!
Sind wir hier in Deutschland
Oder wo sind wir hier?

Born verweist in seinen Gedichten immer wieder auf das “Wahnsystem Realität”. Seine ausdrucksstarke Sprache eignet sich hervorragend für die Vertonung. Dies hat Gerald Humel erkannt.
Hier gilt es zwei große Künstler zu entdecken - und eine wunderbare Interpretation.

Gerald Humel (Komponist); Simon Berg (Bariton); Jean-Claude Velin (Viola); modern art sextet
Visionen
www.KlassikCenterKassel.de
ca. 63 Minuten
Best.-Nr.: 4032824000627

Buch-Tipp: Großmutter

22. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Die Idylle als Möglichkeit zu überleben

(Sigrid Grün)

In Tschechien kennt es jeder: Babička von Božena Němcová (1820-1862). Der Name ist eigentlich ein Pseudonym, tatsächlich hieß sie Barbara Novotna und nach der Hochzeit ihrer Mutter Pankl - oder eben tschechisch Barunka Panklová. Der Vater der Autorin, Johannes Pankl, war Kutscher der Herzogin von Sagan, die im Sommer in Ratibořice weilte. Nemcova war das uneheliche Kind des böhmischen Dienstmädchens Theresia Novotná und Johannes Pankls - so lautet zumindest die offizielle Version. Gerüchten zufolge soll Barbara die Tochter des Fürsten Metternich und der Herzogin Katharina Wilhelmine von Sagan sein, oder die uneheliche Tochter von Dorothea, der jüngsten Schwester der Herzogin. Diese Version trifft wohl am ehesten zu. Barbara wuchs deutschsprachig auf. Als sie fünf Jahre alt war, kam zur Betreuung der Kinder die tschechischsprachige Großmutter ins Haus, die später als “Babička” in die Weltliteratur eingehen sollte.
1837 heiratete sie den fünfzehn Jahre älteren Finanzwachangestellten Josef Nemec, den ihre Eltern für sie ausgesucht hatten. Sie wurde nie richtig glücklich mit ihm. Erst als sie in Prag wohnte und einen großen Freundeskreis sowie diverse Affären hatte, ging es ihr besser. Als ihr Mann vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde, musste Němcová die Familie mit ihren Honoraren durchbringen. Die Lage spitzte sich immer mehr zu, die Ehepartner entfremdeten sich zusehends und Božena Němcová wurde schließlich krank.
1853 starb dann ihr ältester Sohn Hynek - aus Verzweiflung und “sich selbst zum Trost” begann sie die “Großmutter” zu schreiben, in der sie sich ihre Kindertage idyllisch verklärt ins Gedächnis ruft. Den durchschlagenden Erfolg ihres Hauptwerkes sollte sie nicht mehr miterleben. Die Autorin verstarb am 20. Januar 1862 in Prag.

Božena Němcová ist wohl die bekannteste Frau Tschechiens - sie findet sich z.B. auch auf dem 50-Kronen-Schein und es existieren zahlreiche Denkmäler, Gedenksteine, Tafeln etc., die an Němcová erinnern. Sie hat zahlreiche Märchen verfasst, u.a. “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”. “Die Großmutter” ist ihr Hauptwerk. In Tschechien ist es mittlerweile in über 350 Auflagen erschienen.

“Großmutter” ist ein Sittengemälde der damaligen Zeit, eine biedermeierliche Idylle. Die Protagonistin Barunka lässt darin die Erinnerungen an ihre Kinderjahre Revue passieren, die vor allem von ihrer Großmutter geprägt waren. Diese tritt als Verkörperung der Weisheit und Güte in Erscheinung. Sie kümmert sich liebevoll um Haus und Hof und hat immer ein offenes Ohr für die Nöte ihrer Mitmenschen. Im Mittelpunkt stehen kleine Geschichten aus dem Alltag im Dorf am Fuße der herzöglichen Sommerresidenz. Es geht um die Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft, die oft arm sind - und Gerüchten zufolge z.B. Eichhörnchen essen müssen. Oft muss man auch schmunzeln, weil Němcová ihre Figuren so menschlich charakterisiert. Allerdings findet man auch düstere Elemente, wie beispielsweise die Episode um die wahnsinnige Viktorka. Stets spielen die Wertvorstellungen der Großmutter eine wichtige Rolle. Sie ist der Mittelpunkt - nicht nur der Familie, sondern auch gewissermaßen des ganzen Dorfes, denn ihr Tod wird von der gesamten Gemeinde betrauert.
Němcovás Stil ist ruhig und von einem etwas traurigen aber auch verklärenden Grundton getragen. Sie taucht die ganze Szenerie, das Leben im “Großmuttertal” gewissermaßen in ein goldenes Licht. Aber gerade wenn man um die Hintergründe im Hinblick auf die Entstehung des Romanes weiß, kann man daran nichts kitschiges finden. Die biedermeierliche Idylle wird zum Trost angesichts eines unglücklichen Lebensschicksals.

Wer das Großmutter-Tal selbst besuchen möchte und die Schauplätze mit eigenen Augen sehen will, muss ins ostböhmische Česká Skalice reisen. In der Nähe dieses Städtchens, in dem es natürlich auch ein Němcová-Museum gibt, liegt Ratibořice. Und dort, unter dem Schloss, wohnte die Autorin einst - hier stimmen Roman und Leben nicht überein, denn Němcová hat den Schauplatz in ein hölzernes Haus am Fluss (die “Alte Bleiche”) versetzt. Das ist ja auch viel romantischer…

Božena Němcová (Autorin)
Großmutter
www.dtv.de
288 Seiten

Das Regensburger Schiff oder Herr Schikaneder u.a.

22. April 2010 lweser Keine Kommentare

Noch bis 13. Juni 2010, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg
Permanent Trouble. Aktuelle Kunst aus der Sammlung Kopp München. Siehe www.kunstforum.net

Freitag, 23. April 2010, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Illustration-Art mit Arbeiten von Yvonne Winkler (München), Mareike Auer (Wien/Krems), Citybyss (Polen) und Florian Hauer (Berlin).
www.kunstvereingraz.de

Freitag, 23. April 2010, 20.00 Uhr, W1, Weingasse, Regensburg
.klein aus Hamburg spielt großartige Musik im W1. Support ist Tatjana Diamando aus Regensburg. Eintritt 4 €
www.kleinmusik.de | www.myspace.com/tatjana.diamando | www.myspace.com/w1_regensburg

Samstag, 24. April 2010, 22.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg
Renaissance von Christian Volckman (F 2006) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: diesmal ab 12 Jahren, Weitere Infos zur Reihe:
hardline.blog.de

30.04. - 11.09.2010, 19.30 bzw. 20.00 Uhr, MS Regensburg, Abfahrt Donaumarkt, Regensb.
Das Regensburger Schiff oder Herr Schikaneder (er)findet die Zauberflöte, Eine Posse in zwei Akten nach Emanuel Schikaneder von Michael Kohlhäufl und Michala Schießl mit Martin Hofer, Heinz Müller, Heike Ternes u.A. Regie: Dirk Arlt, eine Produktion des Kulturturm Regensburg; Eintritt:24 € zzg. VVG; Die einzelnen Termine und Startzeitenfinden Sie unter www.regensburgerturmtheater.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Monologe in der Mittelschicht

21. April 2010 lweser Keine Kommentare

Alan Bennett: Ein Kräcker unterm Kanapee

Nach dem großen Erfolg von Die souveräne Leserin werden nach und nach alle älteren Werke Alan Bennetts wiederaufgelegt, manche erscheinen, wie Ein Kräcker unterm Kanapee erstmals auf Deutsch. Der Band versammelt sechs Monologe (eine Mischung aus Kurzgeschichte und Theaterstück), die Alan Bennett 1987 für die BBC geschrieben hat. Der britische Sender inszeniert sie und zeichnete sie auf. In Buchform erschien Ein Kräcker unterm Kanapee 1988 in Großbritannien unter dem Titel Talking Heads.

In jeder Erzählung steht jeweils eine Person im Mittelpunkt, die einen Monolog hält. Alle sechs kommen eher von der Verliererseite des Lebens - jedoch nicht in ihrer Selbstwahrnehmung. Ob diese gestörte Selbstwahrnehmung ein Schutzmechanismus ist oder auf mangelnden Intellekt zurückzuführen ist, bleibt offen. Aus der beschränkten Sichtweise der Protagonisten ziehen die Texte sowohl ihre Tragik, wie ihre Komik.
Die ersten drei Geschichten vermitteln einen eher positiven Grundton, die man als Leser den Monologisierenden in all ihrer Tragik, zugestehen kann. In ein Splitter im Zucker führt der psychisch gestörte Graham und seine leicht demente Mutter eine eheähnliche Beziehung, die in Gefahr gerät, als seine Mutter ihren Jugendfreund Mr. Turnbull wiedertrifft, der ihr den Hof macht. Als Mr. Turnbull sich als Betrüger herausstellt, triumphiert Graham. Er erkennt nicht, dass seine Mutter dadurch eine große Freude genommen wird und ihr gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis inzestuöse Züge trägt. Die für beide gewohnte Mutter-Sohn-Beziehung ist wiederhergestellt. Nur so kann er glücklich sein. Susan, die Pfarrersehefrau in Ein Bett zwischen Linsen ist vielleicht die positivste der Protagonisten. Zum einen durch eine recht kritische Haltung ihrer Umgebung gegenüber, zum anderen dadurch, dass sie sich weiterentwickelt. Sie überwindet durch das Verhältnis zu ihrem indischen Lebensmittel- (und Spirituosen-) Händler ihren Alkoholismus - nur ihren Zynismus überwindet sie nicht. Miss Ruddock, die zwanghafte Beschwerdebriefschreiberin in Frau mit Füllfederhalter entwickelt sich ebenfalls weiter. Als sie in Folge ihres uneinsichtigen Verhaltens ins Gefängnis kommt, ist sie unter Verbrechern das erste Mal glücklich - weil sie auch das erste Mal gebraucht wird.
Die letzten drei Geschichten hingegen sind eher von einem negativen Duktus geprägt.
Die Komparsin Lesley aus Ihre große Chance ist zwar von einem ungeheurem Tatendrang und Optimismus beseelt, doch keiner der Leser kann glauben, dass sie sich nicht ausgenutzt fühlt, wenn sie mit jedem aus der Filmbrache schläft und dennoch von keinem ernst genommen wird. Auch Muriel in Aufrecht weiter sagt sich am Ende “Ich bin kein tragischer Typ” doch ihr Abstieg ist bereits vollzogen. Nach dem Tod ihres kriminellen Mannes, der ihre Tochter jahrelang missbraucht hat, wird sie von ihrem Sohn um sämtliches Vermögen betrogen. Doch all das erkennt sie in ihrer grenzenlosen Naivität nicht. Die vorher so reiche, aktive und sozial anerkannte Frau, lebt jetzt völlig verarmt und isoliert in einem Ferienhaus und schaut den ganzen Tag ungefiltert fern. Niemand wird bemerken, wenn sie stirbt. Schließlich hat sie, so wie Doris, die Fünfundsiebzigjährige aus Ein Kräcker unterm Kanapee, nichts mehr vor sich als den Tod. Was Doris von den Protagonisten der anderen Geschichten unterscheidet: sie erkennt es: “Jetzt ist es sowieso vorbei.” Ob sie erkannt hat, dass ihr Putz-Komplex sie in diese Situation gebracht hat, bleibt wiederum offen.

Alle sechs Geschichten sind, gemäß ihrem ursprünglichen Verwendungszweck, mit Regieanweisungen versehen. Bennett lässt alle seine Protagonisten in einer einfachen, dennoch jeweils eigenen Sprache drauflos erzählen. Mit wenigen Worten vermag er uns die Lebensrealität der Einzelnen Personen zu vermitteln. Wenn man Bennett einen Vorwurf machen kann, dann den, dass außer Graham, alle seine doch recht beschränkten Protagonisten Frauen sind, die noch dazu alle eher der Mittel- bis Unterschicht zuzuordnen sind. Gibt es nicht auch beschränkte Top-Manager, die nicht über ihre Bilanzen hinausblicken können?

Ein Kräcker unterm Kanapee ist wieder in der schönen SALTO-Reihe des Wagenbach-Verlages erschienen. Der Band ist mit einem Nachwort von Alan Bennett versehen, indem er selbstkritisch und selbstironisch seine Texte reflektiert.

einkraeckeruntermkanapee
Ein Kräcker unterm Kanapee

von Alan Bennett

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Wagenbach Verlag, 2010
144 Seiten. Rotes Leinen, fadengeheftet
15,90 €

www.wagenbach.de

Cd-Tipp: Jindrich Feld - Chamber Music for Flute I

20. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Von verspielt bis dramatisch

(Sigrid Grün)

Jindřich Feld (1925-2007) gehörte zu den bekanntesten tschechischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das tschechische Label Arcodiva bringt nun sein umfangreiches Werk für Flöte auf 3 Cds heraus. Auf der ersten Cd der Kammermusik für Flöte sind das 1994/95 entstandene Qintetto capriccioso für Flöte, Viola, Violoncello und Harfe, das Divertimento (1996) für Flöte und Gitarre, die Erinnerung an Mozart - Zauberflöte Solo (2001), die Cinq inventions (1975) für zwei Flöten, die Sonatine americaine (1995) für Flöte und Piano und ein Trio (1963) für Flöte, Violine und Violoncelle enthalten.

Der Flötist Carlo Jans setzt Felds Kompositionen wunderbar beschwingt und leichtfüßig um. Jans ist Flötist, Dirigent und Professor am Luxemburger Konservatorium. Neben Jans sind weitere hochkarätige Musiker auf dieser Einspielung zu hören, u.a. die tschechische Harfenistin Kateřiná Englichová sowie das Martinů Quartett.

Besonders beeindruckend ist, dass die Flöte hier als ausgesprochen facettenreiches Instrument zur Geltung kommt. Mit Flötenklängen assoziiert man gemeinhin eher “liebliche” Klänge, man denkt an Mozarts Zauberflöte o.ä. Doch Feld demonstriert, dass die Flöte auch in modernen Kompositionen wirkt. Von verspielt bis dramatisch, von ruhig bis aufgewühlt, Felds Stücke - die übrigens überwiegend Auftragsarbeiten waren - loten die unterschiedlichsten Emotionen aus.
Ein spannender und abwechlungsreicher Hörgenuss!

Jindřich Feld (Komponist); Carlo Jans (Flöte)
Chamber Music for Flute I
www.KlassikCenterKassel.de
ca. 53 Minuten
Best.-Nr.: 8594029811188

Buch-Tipp: Fischköpf und Wasserratzen

20. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Auf Entdeckungstour durch die “nasse” Oberpfalz

(Sigrid Grün)

Menschen aus dem “hohen” Norden Deutschlands werden ja gerne mal als “Fischköpf” abgewertet. Aber in der Oberpfalz? Da soll es diese Spezies auch geben? Allein schon der Titel dieses großformatigen Buches, das der Bezirk Oberpfalz im vergangenen Jahr herausgebracht hat, macht neugierig. Und wenn man dann einmal angefangen hat, in dem herrlich bebilderten Buch zu blättern, liest man sich unweigerlich fest. Man ist sofort fasziniert von der facettenreichen oberpfälzer Wasserwelt, die gar nicht so unspektakulär ist, wie man das vielleicht meinen - oder vielmehr vor der Lektüre dieses Buches gemeint haben - mag.

Dr. Josef Paukner (in Zusammenarbeit mit Dr. Thomas Ring) hat sich auf den Weg gemacht, um “Wasser, Fische und Menschen in der Oberpfalz” zu entdecken. Herausgekommen ist ein höchst interessanter und vor allem bereichernder Blick auf eine faszinierende Kulturlandschaft, die einiges zu bieten hat.
Die Geschichte der Oberpfalz ist eng mit der Geschichte der oberpfälzer Gewässer verknüpft. Um diese These zu untermauern, muss man nicht zwangsläufig die mächtige Donau heranziehen. Auch die Teichwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Die Oberpfalz ohne Teiche und Seen? Kaum vorstellbar! Und dann erfährt man, dass es in der gesamten Oberpfalz nur einen einzigen (!) natürlich entstandenen See gibt - den Kleinen Arbersee im Bayerischen Wald, der übrigens erst im Zuge der Landkreisreform 1972 oberpfälzisch wurde.

Auf dem Weg durch die “nasse” Oberpfalz begegnet der Autor zahlreichen Menschen, die mit dem Wasser zu tun haben. Da gibt es zum Beispiel den Wassermeister Johann Mühlbauer, der erzählt, wie sauber das Wasser in Neunburg vorm Wald ist. Der Leser erfährt eine Menge über die Trinkwasserversorgung - in Wort und Bild - und über die Bodenwöhrer Senke, die noch öfter Thema sein wird.
Es geht um eine Begegnung mit dem Betriebsleiter des Forstbetriebs Roding, Hubert Meier, der uns die Waldweiher in der Nähe von Bodenwöhr zeigt. Es geht um die Fischwelt im Weißen Regen, durch die der Biologe Dr. Thomas Ring führt - und hier erfährt man auch gleich noch, was Elektrofischen ist und wie es funktioniert.
Und es geht um viele andere Menschen, die sich um die oberpfälzer Gewässer kümmern und sich damit hervorragend auskennen.
Der Autor schafft es, sämtliche Facetten eines spannenden Themas auszuleuchten. Und zwar auf eine sehr lebendige und sympathische Weise. Der Ton ist nie belehrend oder trocken (wie auch, bei solch einem Thema?), sondern immer lebensnah.

Auf dem Weg durch die Wasserwelten der Oberpfalz gelangen wir von den Teichlandschaften, Flüssen und Bächen im Oberpfälzer Wald schließlich nach Regensburg und damit an die Donau, die sämtliche Gewässer der Region auffängt und bis ans Schwarze Meer trägt.

Dem Autor gelingt es, für ein Thema zu sensibilisieren, das uns alle betrifft: Unsere eigene unmittelbare Umwelt, die wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Nachkommen intakt halten sollten. Und letztendlich sind die Gewässer in der Region nicht nur wichtig als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als Trinkwasserreservoir für den Menschen, sondern auch als Raum der Erholung, in dem man die Schönheit der Natur direkt vor der eigenen Haustür erleben kann.

Dr. Josef Paukner (Autor)
Fischköpf und Wasserratzen. Wasser, Fische und Menschen in der Oberpfalz
www.bezirk-oberpfalz.de
222 Seiten

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Buch-Tipp: Kreis ohne Meister

17. April 2010 sgruen Keine Kommentare

“Auch Totsein ist eine Kunst” (Max Kommerell)

(Sigrid Grün)

…die Stefan George ziemlich gut beherrscht haben muss, denn immerhin wurde er insgesamt drei Mal umgebettet…

Den Preis der Leipziger Buchmesse 2010 in der Kategorie Sachbuch hat Ulrich Raulff zu Recht erhalten, denn “Kreis ohne Meister” ist ein Buch, das sowohl den akademischen Diskurs bereichert, als auch interessierte Nicht-Wissenschaftler unterhalten kann.

Stefan George, gemeinsam mit Rilke und Hofmannsthal der bekannteste deutschsprachige Lyriker des 20. Jahrhunderts, war nicht nur zu Lebzeiten eine gefeierte Persönlichkeit. Sein Nachleben ist vor allem im Zusammenhang mit dem Kreis von Intellektuellen und Künstlern, die er um sich geschart hatte von Interesse.
Dieser Geschichte des Nachlebens, einer “Gespenstergeschichte für Erwachsene” (Aby Warburg) widmet sich Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach/Neckar und ehemaliger Feuilletonchef der FAZ.

Alles fängt mit einem Ehrensäbel an, der einem rheinischen Museum übergeben worden ist. Raulff, damals noch Feuilletonchef, sollte exklusiv darüber berichten, denn der Säbel hatte keinem Geringeren als Oberfähnrich Schenk Graf von Stauffenberg gehört. Und der Hitlerattentäter gehörte ebenso wie Ernst Kantorowicz, Ernst Gundolf, Ludwig Klages und einige mehr, dem “geheimen Deutschland” an, jenem exklusiven Kreis um den Dichter Stefan George.
Raulff erzählt nun vom Fortleben des Meisters George nach seinem Tod. Und damit beginnt die Geschichte am 4.Dezember 1933 (das wäre übrigens Rilkes 58. Geburtstag gewesen). An diesem Tag verstarb George in Anwesenheit einiger seiner Jünger. Und bereits der Anfang ist spukhaft und voller Geheimisse. Fortan treten die Mitglieder des Kreises ein schweres Erbe an, denn die Botschaft des charismatischen Meisters will tradiert und ausgelegt sein.
Hier geht es also um einen versprengten Haufen von Künstlern und Intellektuellen, die ganz nach Maßgaben des Meisters (an welche er sich selbst allerdings nicht immer hielt) leben wollen. Sie frönen dem Gedächtniskult um ihren verstorbenen Messias und kriegen sich dabei gegenseitig oft ganz schön in die Wolle.
Besonders interessant ist, dass Raulff in seinem Buch auch auf “Abtrünnige”, wie z.B. Rudolf Borchardt eingeht.
Es ist faszinierend, den Ausführungen des Autors zu folgen, denn vor unseren Augen entfaltet er ein schillerndes Panorama deutscher Geschichte - und zugleich wird der Leser hervorragend unterhalten.
Raulff räumt auf mit der Verklärung Georges. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der Lyriker zu Lebzeiten ein arger Wüterich sein konnte und bisweilen geschimpft hat “wie ein Rohrspatz”?
“Kreis ohne Meister” ist vor allem aber auch die Geschichte eines Zerfalls, denn in den sechziger Jahren löste sich der Kreis schließlich auf. Der Tod von Ernst Kantorowicz 1963 markierte dabei einen wichtigen Punkt, der 100. Geburtstag Georges 1968 ist schließlich das Ende - “George ist tot”. Und hundert Jahre nach seiner Geburt, wird schließlich auch Kritik am Meister laut. Dreißig Jahre nach ihrer Entstehung werden Rudolf Borchardts Jamben veröffentlicht und schnell wird klar, was diese Gedichte haben - und George stets gefehlt hat, “eine klare, unmissverständliche Absage an den Nationalsozialismus”.

Raulff schreibt lebendig und äußerst charmant. Es ist eine große Freude, sich intensiv in das Thema einzulesen.
Besonders hervorzuheben sind übrigens auch die über 80 Fotos, die vom Treiben des “geheimen Deutschland” zeugen.

Ulrich Raulff (Autor)
Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben
www.beck-verlag.de
544 Seiten

“Lerne Tschechisch beim Wandern”

16. April 2010 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Friedrich Brandl, Harald Grill, Bernhard Setzwein: Zu Fuß auf der goldenen Straße. Drei Autoren unterwegs. Begleitet vom Duo De Clarinettes-Basses

Drei Oberpfälzer Autoren wanderten vierzehn Tage lang, im August 2006 im bayrisch-böhmischen Grenzgebiet. Friedrich Brandl (Amberg), Harald Grill (Wald) und Bernhard Setzwein (Waldmünchen) reisten auf der historischen Goldenen Straße von Pilsen nach Amberg. Den Handelsweg lies einst Kaiser Karl IV.  erbauen. Doch die historische Bedeutung steht nicht im Vordergrund der Reise. Wenn man langsam unterwegs ist, sieht man anders - sieht man mehr.

Jeder der drei Autoren setzt sich in seiner eigenen literarischen Sprache mit dem Erlebten auseinander. Die einzelnen Beiträge in ihrer unterschiedlichen Art, ergänzen sich dabei. Friedrich Bandl fasst seine Erlebnisse in reimlosen Gedichten zusammen. Er bedenkt damit die dunklen Stellen am Wegesrand (z.B. Die Schließung der Maxhütte). Harald Grill nutzt die tschechische Sprache, um anhand eines kleinen, ganz persönlichen Sprachkurses die Reise zu reflektieren. So findet sich im Harald Grills Tschechisch-Wander-Kurs unter anderem die Wörter Kamel (Velbloud), heiße Wüstchen (horká klobása), Schnitzel (Rízek), Ertrunkene (Utopenci) und Vorsicht Hund (Pozor Pes). Ein bisschen speise-lastig ist das Ganze allerdings. In der Oberpfalz hält er das Sprach-Konzept aufrecht. Hier philosophiert er, inspiriert von dem schönen Wort Doost. Bernhard Setzwein erzählt kleine Anekdoten in Tagebuchform. Er “trifft” auf der Reise Kaiser Rudolpf II. Dadurch kann er unterhaltsam historische mit gegenwärtigen Elementen konfrontieren. Ganz konsequent bleibt er jedoch nicht bei diesem Konzept.

Das Problem bei Hörbüchern, die von Autoren gelesen werden, ist oft die fehlende Sprechausbildung der Vorleser. Doch das stört hier (zumindest bei Setzwein und Grill) nicht. Bunt und plastisch klingen ihre Erlebnisse. Unterstützt durch ein paar atmosphärischen Naturaufnahmen und auch durch die musikalische Begleitung des Duo De Clarinettes-Basses. Zwischen und zum Teil während der einzelnen literarischen Beiträge spielen die zwei Bass-Klarinettisten Michael Reisinger und Norbert Vollath auf ihren Instrumenten.

Die CD ist im Digipak erschienen. Im mehrseitigen Booklet sind die einzelnen Beiträge im Inhaltsverzeichnis zusammengefasst. Auf einer Karte und einer Tages-Etappen-Liste, kann man den Stationen der Reise folgen. Weiterhin wird das Projekt und alle Beteiligten (auch Musiker, Regisseur und Techniker) kurz vorgestellt. Amüsant und interessant wäre, wenn die Wörter des Harald-Grill-Sprach-Kurses abgedruckt wären. Dafür, gibt es als Bonus ein Gedicht des Pilsner Lyrikers Josef Hrubý.

Also, lassen sie sich inspirieren: wandern und schreiben sie los!

zufussaufdergoldenenstrasse
Zu Fuß auf der goldenen Straße.
Drei Autoren unterwegs.

von Friedrich Brandl, Harald Grill, Bernhard Setzwein

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Verlag Sankt Michaelsbund , 2008
Audio CD, oder
Buch, 176 Seiten, jeweils 16,50 €

www.st-michaelsbund.de | www.brandl-amberg.de
www.haraldgrill.de | www.bernhardsetzwein.de

Kardinalfehler, Kunst und Krempel

15. April 2010 lweser Keine Kommentare

Am 23., 24. und 25. April 2010, kommt Kunst und Krempel nach Regensburg ins Schloss St. Emmeran. Noch können sie sich anmelden. Per Post oder per E-Mail, mit jeweils zwei Fotos (Gesamtansicht und Signatur) des Objektes und einer Kurzbeschreibung der Geschichte des Objektes. Alle weiteren Infos www.kunstundkrempel.de

Samstag, 17. April 2010, 19.00 Uhr, Galerie & Raumstatt, Am Stärzenbach, Regensburg
Vernissage der Ausstellung Herrenlos mit großformatigen Ölgemälden von Peter Schreyer. Einführung: K. Schlichtmeier im Dialog mit dem Künstler. Die Ausstellung geht noch bis 10. Juni 2010.

Samstag, 17. April 2010, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg
Buchpräsentation mit musikalischer Begleitung: Der Kardinalfehler von und mit Schwafi und Die Spackos, Eintritt: 7 €
www.kunstvereingraz.de

Samstag, 17. April 2010, RT-Halle, Regensburg
Galaball der 20er Jahre. Als Abschluss der Ausstellung 20er JAHRE REGENSBURG - Es ist eine Lust zu leben.

21. April 2010, 20.30 Uhr, Bücher Pustet, Regensburg
Lesung: Arno Strobel: Der Trakt, „Der Regenburg-Thriller des Jahres“ prophezeit der Fischer-Verlag. Vielleicht klärt Herr Strobel bei der Lesung einige sich aufdrängende Fragen, wie z.B. wie viele Regensburg-Thriller pro Jahr erscheinen? Oder Wieso ein in Saarlouis geborener, in Luxembourg lebender Autor einen Regensburg-Thriller schreibt? Eintritt: 8/6 €

Samstag, 24. April 2010, 22.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg
Renaissance von Christian Volckman (F 2006) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: diesmal shon ab 12 Jahren, Weitere Infos zur Reihe: hardline.blog.de

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