Archiv

Archiv für Juni, 2010

Festival-Overkill, da hilft nur eines: sich zerreißen!

24. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

festivals

Zuerst die Festivals im Überblick:

19. Juni - 10. Juli 2010, diverse Locations, Regensburg,
Zwischen Abscheu und Ekstase - im zeitalter industrieller Kultur. Unter diesem Titel packen Albert Plank und Säm Wagner vom Kunstverein GRAZ (endlich und zu recht, und passend zum Gothic Treffen) die alten regensburger Performance- und Musikgruppen Délir Noir und Lyssa Humana wieder aus. “Mords-Spaß” zwischen Throbbing Gristle, Otto Mühl und Nekromantik.
www.kunstvereingraz.de | zwischen-abscheu-und-ekstase.blogspot.com

24. - 26. Juni 2010, ab 10.00 Uhr, Leerer Beutel, Bertoldstraße, Regensburg
Festival Grenzenlos. Eine neue Reihe im Leeren Beutel in deren Mittelpunkt in diesem Jahr die Regensburger Partnerstadt Pilsen steht. Mit dabei ist der Jazzclub, das Restaurant, die Filmgalerie und die MS Regensburg. Am 25. Juni werden 15.00 Uhr bei kostenlosem Eintritt in der Filmgalerie tschechische Trickfilme gezeigt. Zu sehen ist natürlich Der kleine Maulwurf, sowie Die Hand von Jiri Trnka. 20.00 Uhr läuft dann Ich habe den englischen König bedient - ein Film von Jiri Menzel aus dem Jahr 2006, der schelmenhaft durch die Geschichte Böhmens Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts führt. Dabei werden sensible Themen berührt, wie die Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen. Am Abend gibt es dann im Konzertsaal des Hauses die Party Sublime mit einem „Czech Spezial“ mit den Djs Markus Guentner, sowie Ayli & Bally.
www.sublime-music.de | www.jazzclub-regensburg.de | www.filmgalerie.de

25. - 27. Juni 2010, ab 15.00 Uhr, Ostnerwacht, Regensburg
Ostengassenfest der Sozialen Initiativen Regensburg, nach dem Altstadt-Gassenfest 2005, 2006 und 2008 im Regierungsviertel, wird in diesem Jahr in der Ostengasse und drumherum gefeiert. Das Programm ist echt üppig.
www.sozialeinitiativen.de

25. - 27. Juni 2010, ab 13.00 Uhr, Villa Park, Regensburg,
Das Regensburger Gothic Treffen ist heuer “etwas” größer als nur ein Gruppenbild und anschließendes Grillen im West-Park. Ein Drei-Tages-Festival im Villa-Park ist nun daraus geworden. Am Freitag besteht die Möglichkeit für Normalsterbliche (!) bei freiem Eintritt den schwarzen Mittelalter-Markt zu besuchen. Am Samstag und Sonntag wird die ganze Palette düsterer Musik geboten mit den Headlinern Clan Of Xymox und QNTAL am Samstag, sowie Suicide Commando und Combichrist am Sonntag.
www.regensburger-gothic-treffen.de

25. und 26. Juni 2010, ab 15.00 Uhr, Jahninsel, Regensburg,
Jahninselfest mit durchgehend stattfindender Kleinkunst, Firlefanz und Schnick-Schnack für Kiddies und viel Musik aus aller Welt und der Umgebung u.a. mit den Spermbirds und dem ollen aber volkommen liebenswerten TV Smith (The Adverts).
www.jahninselfest.de

…und die Veranstaltungen im einzelnen:

Donnerstag, 24. Juni 2010, 19.00 Uhr, Garbo, Weißgerbergraben, Regensburg
Nach der Premiere im Museumshof, nun der neue Erik Grun endlich im großen Kino: Boarisch heiradn. Nach Boarisch pilgern wieder deftiges aus der niederbayerischen Küche. Zu sehen noch bis zum 30. juni, jeweils um 19.00 Uhr.
www.altstadtkinos.de

Freitag, 25. Juni 2010, 19.00 Uhr, Galerie Art Affair, Neue Waag Gasse, Regensburg
Vernissage der Ausstellung SHENG JI. Zeitgenössische chinesische Kunst aus der Sammlung Ma Choi. Das ganze geht noch bis zum 08. August 2010.
www.art-affair.net

Freitag, 25. Juni 2010, 20.00 Uhr, Kunstverein GRAZ, Schäffnerstr., Regensburg
Vortrag von Dr. Helmut Hein im Rahmen von Zwischen Abscheu und Ekstase. Regensburgs Kulturkritiker spricht über Délir Noir und Lyssa Humana im Spiegel der Kritik und vielleicht auch über in Vergessenheit geratene Skandale von einst. Eintritt: 5,- €.
www.kunstvereingraz.de | zwischen-abscheu-und-ekstase.blogspot.com

Freistag, 25. Juni 2010, 23.00 Uhr, Leerer Beutel, Bertoldstraße, Regensburg
S|U|B|L|I|M|E. Im Rahmen des Festivals Grenzenlos gibt es heute ein Czech Special mit tschechischen Trickfilmen und den DJs Markus Guentner und Ayli & Bally. Klasse!
www.sublime-music.de

Samstag, 26. Juni 2010, 20.00 Uhr, Haus der Schreine, Freystadt
Délir Noir im Haus der Schreine. Treffpunkt ist 19 Uhr im KunstvereinGRAZ. Danach Fahrt mit einem klimatisierten Reisebus nach Freystadt in die Welt des Künstlers Franz Pröbster Kunzel. Besuch der Äcker des heiligen Irrsinns. Einführung in seine Arbeiten. Performance und Konzert Delir Noir. Rückfahrt nach Regensburg in den Kulturspeicher und freier Eintritt zu der Aftershowparty des Regensburger Gothictreffens mit EBM, Industrial, Noise. Jeder Teilnehmer erhält den Ausstellungskatalog incl. einer Audio CD.
Was für ein Programm! Ist aber glaube ich schon ausverkauft (24/19 Euro).
www.kunstvereingraz.de | zwischen-abscheu-und-ekstase.blogspot.com

Samstag, 26. Juni 2010, 22.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg
The Chaser (Na Hong-Jin, Südkorea 2008) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: ab 18 Jahren.
hardline.blog.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Sonntag, 27. Juni 2010, ab 12.00 Uhr, Leerer Beutel, Bertoldstraße, Regensburg
Im Rahmen des Regensburger Gothic Treffen gibt es im Leeren beutel neben einer Ausstellung mit Schwarzer Kunst und Lesungen mit Herrn von Aster zwei empfehlenswerte Kammermusik-Schmankerl: Diodati um 13.30 Uhr und Bacio di Tosca um 15.30 Uhr. That’s true Gothic! Der Eintritt für alles beträgt 9,- Euro.
www.regensburger-gothic-treffen.de | www.diodati.de | www.bacio-di-tosca.de

29. Juni - 05. September 2010, Städtische Galerie Leerer Beutel, Regensburg
Surrealismus in Ost und West - Kiro Uehara und Max Ernst. Collagen und dreidimensionale Materialbilder des zeitgenössischen japanischen Künstlers Kiro Uehara. Öffnungszeiten:
Di - So: 10.00 - 16.00 Uhr.
www.regensburg.de

Mittwoch, 30. Juni 2010, 21.00 Uhr, Kino Wintergarten im Andreasstadel, Regensburg
Der Horror nimmt kein Ende: Pelts von Dario Argento ist eine Episode aus der Fernsehserie Masters of Horror aus den jahre 2006. Im Vorprogramm gibt’s den Zeichentrick Happy Tree Friends und zwei Trailer: Kifferwahn und Nackt unter Leder. Da ist Alain Delon nackt und Marianne Faithful unter Leder, und beide auf einem Motorrad, glaube ich. Der abend nennt sich Kurators Wahl im rahmen von Zwischen Abscheu und Ekstase.
zwischen-abscheu-und-ekstase.blogspot.com | www.kinos-im-andreasstadel.de

Was macht eigentlich Bischof Manfred an diesem Wochenende?

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Postdrama und Holocaust

24. Juni 2010 lweser 1 Kommentar

Main-Franken-Theater Würzburg: Uraufführung: BRD-Fragmente von Johanna Kaptein, Regie: Nada Kokotovic, mit Maria Brendel, Anne Diemer, Anne Simmering, Anna Sjöström bei den 28. Bayerischen Theatertagen, Theater am Haidplatz, Regensburg

(c) Mainfrankentheater Würzburg

(c) Mainfrankentheater Würzburg

Die 1974 geborenen Autorin Johanna Kaptein gewann mit dem Stück BRD-Fragmente 2009 zum Thema “60 Jahre Bundesrepublik - gestern, heute und morgen” den Leonhard-Frank-Preis des Mainfrankentheaters Würzburg. Im Mai dieses Jahres wurde das Stück dann in Würzburg uraufgeführt. Regie führte die Kroatische Regisseurin Nada Kokotovic. Am Samstag war sie mit ihrer Inszenierung bei den Bayerischen Theatertagen in Regensburg zu Gast. Ausverkauft war die Vorstellung jedoch nicht.

In einer Art Präludium winden sich drei Frauen in Zwangsjacken mit den Farben der deutschen Nationalflagge auf einer einfachen Bühne mit schwarzen Stellwänden. Daraufhin tritt eine Frau im weißen Brautkleid auf. Sie wird von den drei andern, nun in schwarz gekleideten Frauen, misshandelt. Zwanzig Minuten vergehen bis der erste Satz fällt.
Assoziativ, fragmentarisch und nicht chronologisch führt das Stück durch die einzelnen Dekaden der bundesdeutschen Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit dem Holocaust. Die Frau in weiß, das Opfer, singt immer wieder zwischen den einzelnen Fragmenten, zwischen den Jahrzehnten, jiddische Lieder der vierziger Jahre. Weitere “Themen” sind die RAF (in ihren Anfängen als Protest und in ihrer späteren radikalen Form), Gewalt von Müttern an ihren Kindern, das Wirtschaftswunder.
Das Stück ist für drei bis fünf Personen gedacht und besitzt keine Einteilung als die in Jahrzehnte. Kein dramatisches Personal, keine Figurenrede, kaum Regieanweisungen - ganz und gar postdramatisches Theater. Der Suada entfaltet seine sprachliche Kraft und entwickelt eine eigenen Musikalität. Ein bisschen erinnert das sogar an Jelinek. Bei Kokotovic rannte Kaptein mit Inhalt und Form wohl offenen Türen ein. In enger Zusammenarbeit mit der Autorin entstand jene redigierte Bühnenfassung. Nochmals wurde reduziert, der Blick konzentriert. In der ersten Fassung stand ein Gebet nach einer Begegnung mit einem Rabbi am Ende des Stückes. Hier stehen am Ende nur die Namen der Opfer. “Die Namen sind Gebet genug” sagt Kokotovic dazu und hat recht. Diese Aufzählung ist der berührendste Moment des Stückes.

www.bayerische-theatertage.de | www.theaterwuerzburg.de

Leonce und Lena - ein Jahr danach

23. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger: Leonce und Lena, mit Texten von G. Büchner, A. Schopenhauer, Theater im Hesperidengarten, Wenzenbach

Ein Jahr nach der Hochzeit von Leonce und Lena in Büchners gleichnamigen Stück ist die Handlung des diesjährigen Dramas von Joseph Berlinger angesiedelt. Aufgeführt wird es im Hesperidengarten, zwölf Jahre nach der Aufführung von Büchners Stück (Regie: Joseph Berlinger) an jenem Ort, zwölf Jahre auch nach der Geburtsstunde des Sommertheaters in der romantischen Gärtnerei bei Wenzenbach. Seither gibt es fast jedes Jahr ein Theaterstück von Joseph Berlinger dort zu sehen. Das Besondere daran ist, dass das Publikum meist während der Aufführung zu den verschiedenen Bühnen auf dem Anwesen wandert. Berlinger arbeitet stark visuell, dementsprechend nennt er seine Szenen Bilder.

leonceundlena_1

Im ersten Bild wird Büchners Stück als Theateraufführung während der Festlichkeiten zum ersten Hochzeitstag von Leonce und Lena zusammengefasst. Das geschieht mittels Verkehrsschilder. Braut und Bräutigam werden jeweils durch ein Einbahnstraßenschild symbolisiert - natürlich in verschiedene Richtungen weisend. Kurz darauf bemerkt der Hofstaat, dass Leonce fehlt. Im restlichen Stück zetert und klagt Lena über den ungetreuen Gemahl, der ihr noch vor einem Jahr die Sterne vom Himmel oder doch zumindest ein Theater, das Zerschlagen aller Uhren, das Verbieten aller Kalender usw. versprochen hat. Während die Zuschauer von Szene zu Szene, von Ort zu Ort wandern, entfaltet Berlinger mittels skurriler und deutlicher Bilder die Essenz des Büchnerschen Lustspiels und liefert die Interpretation in der letzten Szene gleich mit.
Das büchnersche wie das berglingersche Lustspiel kritisiert unter dem Mantel des Lustspiels mit absurd-melancholischen Mitteln soziale Missstände. Der Gegensatz der Stände, bzw. der Klassen wird durch das Verhältnis der Protagonisten zur Arbeit aufgezeigt. Lenas (und Leonces) Alltag ist geprägt von Müßiggang und Langeweile. Diese Langeweile gipfelt im letzten Bild. Nachdem Lena (Eva Sixt) Leonces Foto in winzige Stücke zerschnitten hat, befielt sie ihrer Gouvernante (Anika Kühl) die Stücke wieder zusammenzutragen. Mittels eines Siebes muss sie die einzelnen Fetzen aus dem Sand sieben, während Lena träge auf einer Schaukel in einem angedeuteten goldenen Käfig sitzt. Unverkennbar ist die bildliche Parallele zu Aschenputtel. Vielleicht ist eine sadistische Intention Lenas, (wie die der Stiefmutter bei Aschenputtel) bei diesem Befehl tatsächlich nicht ganz auszuschließen. Extremer Müßiggang vermag seltsame Blüten zu treiben. Letztlich ist der Schmerz um den Verlust Leonces ebenfalls nur Zeitvertreib. leonceundlena_2-280“Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile […]” Entgegen dem Prinzip des Müßiggangs durch Lena, stellt Berlinger den Gärtner (Fritz Barth), der jedoch auch deutliche Züge von Büchners König Peter trägt. Dieser zeichnet sich nämlich durch eine Vorliebe fürs Denken aus. Doch während bei Büchner diese Vorliebe ebenfalls nur eine Marotte der Reichen ist, versucht Berlinger zusätzlich mit den philosophischen Ergüssen (aus der Feder Schopenhauers), die er den Gärtner in den Mund legt die Sozialkritik des Stückes zu untermauern. Doch wieder wandelt sich der Moment zur absurd-rührenden Situation, denn keiner hört zu, wenn der Gärtner die Welt erklärt und ihre Missstände anklagt.

Berlinger nimmt danach jede Kritik an seinem Stück und der Inszenierung vornweg und lässt Gärtner und Handwerksgesellen im Marcel Reich Ranicki Intonation Stück und Aufführung auseinandernehmen. Am Ende greift Berlinger wieder zum beliebten Mitteln der Videoeinspielung - ein Rückblick, wohl in der Erinnerung Lenas, auf die Hochzeit vor einem Jahr. Der fahrende Gesell (Julius Kreupl) spielt überflüssigerweise E-Gitarre und Eva Sixt singt natürlich.

Joseph Berlinger ist mit Leonce und Lena wieder eine frische Inszenierung geglungen und der Hesperidengarten kann nach zweijähriger Pause an seine erfolgreiche Sommertheatertradition anknüpfen.

Alle Vorstellungen (inklusive Zusatztermine) sind ausverkauft. Ein Besuch des Hesperidengartens lohnt aber auch ohne Theater. Neben Pflanzen jeder Art gibt es im Cafe auch Kaffee.

www.hesperidengarten.info

Spiel und Kampf

22. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

Bayerisches Staatsschauspiel München: Thomas Bernhard: Ritter, Dene, Voss, Regie: Antoine Uitdehaag mit Stefan Hunstein, Ulrike Willbach, Barbara Melzl bei den 28. Bayerischen Theatertagen, Theater am Bismarckplatz, Regensburg

(c) Bayerisches Staatsschauspiel / Thomas Dashuber

(c) Bayerisches Staatsschauspiel / Thomas Dashuber

Thomas Bernhard - Alles-Zerstörer und Menschenfeind. Einst galt er als Nestbeschmutzer in Österreich, heute ist er das Lieblingskind der deutschsprachigen Bühnen. Zwei Stücke sind von ihm bei den 28. Bayerischen Theatertagen in Regensburg vertreten. Ritter, Dene, Voss schrieb er 1986 den Schauspielern Ilse Ritter, Kirsten Dene und Gert Voss auf den Leib. Drei Geschwister stehen im Mittelpunkt des Stückes. Der Bruder Ludwig Worringer kommt nach einem längeren Psychiatrie-Aufenthalt wieder nach Hause, wo er von seinen beiden Schwester, erwartet wird. Zu Ludwig und der Familien-Konstellation wurde Bernhard durch Ludwig Wittgenstein und dessen Neffen Paul inspiriert. Entsprechen ist der Ludwig des Stückes ist genialer Philosoph.

Das zu Hause ist ein von Familienerbstücken dominierte gehobene bürgerliche Wohnung. Die schräge Bühne auf der Bühne (Tom Schenk) erinnert an einen Boxring, der schwarz-weißen Fliesenboden an ein Schachbrett. Die Übergänge zwischen Spiel und Kampf sind fließend. In einem Warm-up definieren die beiden Schwestern ihre Positionen. Die ältere (Ulrike Willbach) tippt Ludwigs Manuskripte, bekümmert ihn gluckenhaft und beansprucht die Position von Mutter und Geliebter. Die jüngere raucht eigentlich nur Kette und säuft ohne Unterlass. Die Figur in dieser Interpretation erinnert stark an Patsy aus Absolutly Fabulous. Barbara Melzl gibt die jüngere Schwester gelangweilt und völlig affektiert. Hochhackig stakst sie durch das Bühnebild. Ständig reckt sie ihre Beine in irgendeiner Weise in die Luft und verrenkt sich dabei. Beide Schwestern buhlen um die Gunst ihres Bruders. Bernhard spart dabei nicht mit inzestuösen Andeutungen. Ludwig (Stefan Hunstein) leidet vor allem am allgegenwärtigen Geist und Erbe seiner verstorbenen Eltern. Er zetert und schimpft in typischer bernhardscher Manier über Tapeten, Theater, Musik, Malerei, Interieur und Ärzte. Er verrückt Möbel und zerschlägt Porzellan. Er spielt mit seinen Schwestern und tyrannisiert sie. Schnell ist klar, er gefällt sich darin den Irren zu spielen, da ihn nur diese Rolle erlaubt, all das zu sagen und zu tun. Er kann die festgefahrenen Rituale und Bindungen nicht ertragen. Nur in Steinhof, dem Irrenhaus, ist er vor dem normalen Wahnsinn des Alltags sicher. Er wird nicht lange zu Hause bleiben.

www.bayerische-theatertage.de | www.bayerischesstaatsschauspiel.de

Die 28. Bayerischen Theatertage haben begonnen

20. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

theatertagelogoDie von August Everding ins Leben gerufenen Theatertage, fanden erstmals 1983 in Nürnberg statt. Intention Everdings war es die bayerische Theaterszene in ihrer Vielfalt, konzentriert an einen Ort, der Öffentlichkeit zu präsentierten. Damals, 1983, waren elf Theater mit jeweils einer Produktion vertreten. Regensburg ist zum dritten Mal (zuvor 1988 und 2004) Austragungsort der Bayerischen Theatertage. Erfolgreiche Festivals wachsen bekannter Weise. 28 Jahre später sind also 27 Theater mit insgesamt 49 Produktionen, davon 13 Ur- und Erstaufführungen, vertreten.
Allein um Präsentation geht es dann aber doch nicht. Ein bisschen Konkurrenz ist durchaus angesagt. Es werden nämlich zwei Preise vergeben. Die siebenköpfige Jury, die den Hauptpreis in Höhe von 15.000 Euro vergeben wird, besteht übrigens ausnahmslos aus Männern. Was ist da los? Wie kann 2010 so etwas geschehen? Ein bisschen mehr Ausgewogenheit hätte man bei einem solch großen und professionellen Festival schon erwarten dürfen.
Aber nicht der Preis, sondern die Produktionen stehen im Mittelpunkt. Und da darf man dem Programm nach, durchaus mit viel Abwechslung rechen.
www.bayerische-theatertage.de

Fußball oder Theater?

17. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 18. Juni 2010, 19.30 Uhr, Stadtbücherei, Haidplatz, Regensburg
Lesung: György Dalos: Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa. donumenta-warm up. Am 16. September startet offiziell die donumenta. Diesmal ist Ungarn Gastland.
www.donumenta.de

18. Juni bis 4. Juli 2010. 28. Bayerische Theatertage in Regensburg
16 Tage lang sind 46 Stücke von 26 bayerischen Theatern an fünf Spielstätten in Regensburg zuerleben.
www.bayerische-theatertage.de

Sonntag, 20. Juni 2010, 15.00 Uhr, Herzogspark, Regensburg
Schönwerth-Picknick: Aus Anlass des 200. Geburtstags des amberger Märchensammlers Franz Xaver von Schönwerth liest Erika Eichenseer Märchen aus der Oberpfalz und anderwo… Der Eintritt und die musikalische Begleitung sind frei.
www.schoenwerth.de

Sonntag, 20. Juni 2010, 20.00 Uhr, Jazzclub, Leerer Beutel, Regensburg
Das Brazil Jazz Ensemble der Hochschule für Musik in Nürnberg leugnet hoffentlich seine fränkische Herkunft und bringt’s tropisch. Eintritt 15 - 10 €
www.jazzclub-regensburg.de

ab Monntag, 21. Juni 2010, 20.00 Uhr, Filmgalerie, Leerer Beutel, Regensburg
Die Tunisreise. Ein Film von Bruno Moll. Was verbindet den schweizer Maler Paul Klee und den tunesischen Filmemacher Nacer Khemir mit dem Maghreb?
www.filmgalerie.de

Veranstaltungstipp: Burghofspiele Falkenstein

11. Juni 2010 sgruen Keine Kommentare

Der Traum vom Fliegen

(Sigrid Grün)

Am kommenden Samstag wird im Innenhof der Falkensteiner Burg die Premiere des Stückes Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? stattfinden.

Nach mehreren Shakespeare-Stücken und den Abenteuern des Odysseus inszeniert Regisseur Till Rickelt nun ein relativ unbekanntes Stück, in dem es um den Traum vom Fliegen in den Zeiten der beginnenden Französischen Revolution geht. Man kann gespannt sein!

Vom 19.6 bis zum 31.7 spielt die Falkensteiner Truppe das Stück mehrfach. Die lauschige Atmosphäre im Burghof sollte man sich nicht entgehen lassen!

Termine, Preise und Anfahrtsweg finden Sie unter www.burghofspiele-falkenstein.eu

Kein Fußballfieber, nur Hitze

10. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 11. Juni 2010, 19.00 Uhr, Kunst und Gewerbeverein, Ludwigstr., Regensburg
Vernissage: Große Ostbayerische Kunstausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler. Die “Leistungsschau” der Künstler aus der Oberpfalz und Niederbayern ist anschließend bis zum 4. Juli zu besuchen.
www.kunst-in-ostbayern.de

Freitag, 11. Juni 2010, 20.30 Uhr, Hesperidengarten, Schnaitterhof, Wenzenbach
Premiere: Leonce und Lena II, ein Stück von Joseph Berlinger nach Motiven von Georg Büchner, mit Eva Sixt, Anika Kühl, Fritz Barth, Julius Keupl. Man kann vorher (19.00 Uhr) auch dort essen, weitere Termine: 16. 17. 20 22. 27. Juni
www.hesperidengarten.info

Freitag, 11. Juni 2010, 23.00 - 4.00 Uhr, Foyer Filmgalerie, Leerer Beutel, Regensburg
Die gute alte Foyerparty hat sich in letzter Zeit rar gemacht. Jetzt ist sie als Partyreihe mit Namen POW! wieder da. Diesmal mit Bobbel, den Pop Perlen Picken- und Chatte Grise-Djs. Eintritt: 3 €, und das Bier kostet statt 3,50 wie bei der Zündfunkparty auch wieder faire 2 €.
www.filmgalerie.de

Samstag, 12. Juni 2010, ab 12.00 Uhr, Haidplatz, Regensburg
Christopher-Street-Day Wie immer mit Tanten, Tunten und diesmal vielleicht auch mit Trike… Vermutlich aber doch nur mit Abba und Marianne Rosenberg.
www.csd-regensburg.de

Samstag, 12. Juni 2010, 19.00 Uhr, Galerie & Raumstatt, Am Stärzenbach, Regensburg
Eröffnung der Ausstellung Expressiv mit Acryl-Arbeiten der Künstlerin Marike Heaslip - auch ein bemerkenswerter Name. Die Einführung hält der Psychotherapeut Jörg Meyer und die Ausstellung läuft noch bis zum 23. Juli.

Samstag, 12. Juni 2010, 20.00 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Permanent Trouble. Aktuelle Kunst aus der Sammlung Kopp München, Finissage Night, live: Moodorama und (auf dem Flyer steht “gegen” vielleicht gibt es ja einen Kampf) den VJs Blink & Remove, 20 Uhr Warm-up, inkl. Rundgang durch die Ausstellung, 22 Uhr Party im Grafiktrakt.
www.kunstforum.net | www.myspace.com/moodorama | www.blinkandremove.net

16. Juni 2010, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg
Premiere des Musicals Jekyll & Hyde von Frank Wildhorn. Mit Musical-Star Randy Diamond in den Titelrollen. Mit diesem Namen würde man den Herrn sicher in einem anderen Business vermuten.
Weitere Vorstellungen: 6./9./11. (15 Uhr) /14./15./16./18. (15 Uhr) /20./22./25. Juli 2010, jeweils 19.30 Uhr.
www.theater-regensburg.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Mundart ist Welterbe?

3. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

05./06. Juni 2010, ab 18.00 Uhr, Stadtamhof, vorm Spital, Regensburg
8. Oberpfälzer Mundartfestival mit sagenumwobenen Interpreten wie SAUGLOCKNLÄUTN, DA DING, MUSICATASTROPHA, HIRNBEISS u.a. Heimatvertreter ist SCHAFI mit seinen SPACKOS, und einen Österreicher gibt’s aa. Dafür keine Franken.
www.mundartfestival-regensburg.de

Samstag, 05. Juni 2010, 20.30 Uhr, L.E.D.E.R.E.R., Lederergasse, Regensburg
Ohne Wenn und Aber - aber immer anders – anders als erwartet – erwartet die Zuhörer Texte der Postmänner über den PostmannunddenMannohneHund. Abendgarderobe mitbringen! Warum?
www.derpostmannunddermannohnehund.de | www.lederer-ev.de

Samstag, 05. Juni 2010, 20.30 Uhr, Buchhandlung Dombrowsky, Regensburg
Nein keine Lesung sodern ein Konzert: G. Rag y los Hermanos Patchekos aus München 7 spielen auf. Ob die auch beim Mundartfestival einen Platz hätten? Eintritt: 18 €/15 €
www.g-rag.de | www.dombrolit.de

Sonntag, 06. Juni 2010, 11 - 18 Uhr, div. Locations, Regensburg
Welterbetag 2010, Unter dem Motto “Menschen im Welterbe - früher und heute” Führungen und mehr rund um Johannes Kepler, Mark Aurel, Rabbi Jehuda he-Chasid, Familie Roritzer, Karolina Gerhardinger, Karl Theodor von Dahlberg. Außerdem gibt es das 1. Regensburger StraßenTheaterFestival Kulturpflaster.
www.unesco.de | www.regensburg.de

Sonntag, 06. Juni 2010, 21.00 Uhr, Club Heimat, Taubengässchen, Regensburg
Nach den isländischen FM Belfast gibt’s wieder Gäste aus dem hohen Norden. The Ghost von den Färöer Inseln spielen lieblich Elektro-Indie-Pop. Eintritt ist 7 bzw. 9 Euro.
www.myspace.com/theghostband1 | www.heimat-regensburg.de

Mittwoch, 09. Juni 2010, 20.00 Uhr, Kunstverein GRAZ, Schäffnerstr., Regensburg
Zwei Tage vor Beginn der WM in Südafrika stellen Stefan Mayr und Dominik Prantl in Regensburgs Fußball-Headquarter ihr Buch Grätscher, Terrier, Wasserträger vor, ein Pamphlet wider der modernen Spielkultur.
www.kunstvereingraz.de | www.eichborn.de

Donnerstag, 10. Juni 2010, 18.00 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche galerie, Regensburg
Wer am Tage vor Beginn der WM zeitgenössische Kunst kompetent und aus erster Hand vermittelt bekommen möchte, geht heute zur Direktorenführung durch die Ausstellung Permanent Trouble mit KOG-Chefin Dr. Andrea Madesta.
www.kunstforum.net

Donnerstag, 10. Juni 2010, 20.00 Uhr, W1, Weingasse, Regensburg
The Marble Man aus Traunstein, einst Bestseller aus dem Hause Schinderwies, stellt sein neues Album Later, Phoenix… vor. Support ist der heimische Jungspund Levin Yael (was’n Name!?), der sound-mäßig wunderbar zum Marble Man passen soll. Eintritt 5 €
www.themarbleman.de | www.jungekultur-regensburg.de

10. Juni - 18.Juli 2010, Passau, 52. Europäische Woche Passau,
alles unter: www.ew-passau.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Herr und Knecht und nackte Haut

2. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

Bertolt Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti, Freilichttheater im Thon-Dittmer-Palais

Finnland hat derzeit Hochkonjunktur im Regensburger Theater. Nach Finnischer Tango im Turmtheater, spielt nun auch das Freilufttheaterstück in dem skandinavischen Land kurz vor Russland. Bertolt Brecht schrieb Herr Puntila und sein Knecht Matti während seines Finnlandexils 1940. Das Volksstück basiert auf eine Vorlage der finnischen Dichterin Hella Wuolijoki. Die bisherigen Temperaturen sorgen jedenfalls schon mal für Authentizität.

Großgrundbesitzer Puntila ist nüchtern ein rücksichtsloser Kapitalist. Doch wenn er betrunken ist, ist er “fast ein Mensch”. Er verbrüdert sich mit seinem Knecht (Hubert Schedlbauer) und will ihm seine Tochter (Anna Dörnte) zur Frau geben.
Typisch brechtisch wartet das Stück mit einer Mischung aus Gesellschaftskritik und Anzüglichkeit auf. Versetzt ist das Stück mit Liedern (komponiert von Paul Dessau, bzw. auf alte Volkslieder basierend). Gesungen werden sie von von Mirko Greza, dem Hauptdarsteller des letzten Freilichttheaterstücks (Molières Der eingebildet Kranke). Brecht wollte mit Herrn Puntila das Genre Volksstück der Trivialität entreißen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Moral und Unterhaltung.

(c) Theater Regensburg

(c) Theater Regensburg

Ein Theatervergnügen ist die Aufführung schon allein wegen des großartigen Hauptdarstellers Anton Schieffer. Seine ausgeprägte Bühnenpräsenz und sein großartiges Spiel überzeugen von der ersten Minute an. Das ist von Brecht so allerdings nicht gewollt. Er verlangte dass Matti so besetzt sein müsse, dass zwischen ihm und Puntila eine echte Balance zustande käme und die moralische Überlegenheit Mattis klar erkennbar würde. Das ist vielleicht ein bisschen viel verlangt, wenn das Stück doch in eine ganz andere Richtung weist. Bei der Regensburger Inszenierung liegt die Sympathie jedenfalls klar bei Puntila.

Für eine Gleichberechtigung der Klassen kämpft Brecht - natürlich, die zwischen Mann und Frau ist ihm herzlich egal. Im Gegenteil, Brecht galt als ausgemachter Chauvinist. Puntila trägt wie Baal im gleichnamigen Stück von 1918 klar Brechtsche Züge. Regisseur Michael Bleiziffer lässt als Gegengewicht glücklicherweise nur die Männer im Adamskostüm erscheinen.

Bertolt Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti, Regie: Michael Bleiziffer, Freilichttheater im Thon-Dittmer-Palais
Weitere Vorstellungen: 2., 4., 5., 8., 9., 10., 11., 15., 16. Juni sowie am 6., 13., 14. und 15. Juli jeweils um 20.30 Uhr.
www.theaterregensburg.de