Buch-Tipp: Kap meiner Hoffnung
Bewegender Bericht einer Kinderärztin
(Sigrid Grün)
Die Kinderärztin Irina André-Lang hat lange Jahre in Regensburg gelebt und auch ihre Facharztausbildung in der Donaustadt absolviert. Nun hält die 1960 in Singen geborene Ärztin Rückschau auf ihr bewegtes Leben. Gemeinsam mit dem Journalisten Harald Rast hat sie ein Buch verfasst, das ebenso einfühlsam wie schonungslos ist.
Darin geht es um ihre Arbeit in Südafrika und um ihr eigenes Leben. André-Lang erzählt ihre Lebensgeschichte, die geprägt ist von Schicksalsschlägen, die kaum zu verkraften sind. Im Alter von 28 Jahren wird sie Witwe, da ihr Mann mit Mitte 40 an einem Hirntumor stirbt. Sie tritt die Flucht nach vorne an, reist nach Südafrika, weil sie in Zeiten der Apartheid Handlungsbedarf sieht. Im Alter von knapp 30 Jahren erlebt sie den menschenverachtenden Rassismus, der ein ganzes Land traumatisiert. Nach ihrer Rückkehr nach Regensburg beschließt sie, ihre Facharztausbildung schnellstmöglich zu absolvieren und dann nach Südafrika zurückzukehren. In der Zwischenzeit tut sich eine Menge am Kap - Mandela kommt 1990 frei, 1994 kommt es erstmals zu einer allgemeinen und freien Wahl in Südafrika und damit zum Ende des Apartheid-Regimes. Der ANC (African National Congress) gewinnt überragend und Mandela wird zum ersten Präsidenten des neuen Systems. Eine neue Zeit bricht an und die fertig ausgebildete Kinderärztin begibt sich wieder in das Land ihrer Träume. Dort hat sich zwar einiges geändert, doch die Lage im Land ist immer noch geprägt von Not und Elend. Als Kinderärztin erlebt Irina André-Lang täglich, was es bedeutet in Afrika zu (über)leben. Krankheiten wie Cholera fordern unzählige Todesopfer, weil kein sauberes Wasser zur Verfügung steht, Kinder leiden an Unterernährung und an Magen-Darm-Infekten, die oft lebensbedrohlich sind. Frühgeburten stehen an der Tagesordnung und die medizinische Versorgung ist keineswegs für alle Bevölkerungsteile gewährleistet. Zwar ist die Versorgung kostenlos, doch nützt dies wenig, wenn nicht genügend Ärzte zur Verfügung stehen und die Ausstattung der Krankenhäuser alles andere als hinreichend ist. Unter schwierigsten Bedingungen schafft es die unermüdlich arbeitende Kinderärztin, das Leben derer zu retten, die für die Zukunft des Landes stehen. Sie selbst fühlt sich angesichts der Kinder, die sich täglich sterben sieht, wie eine “Managerin eines Massensterbens” (S. 160). Und Jahr für Jahr zeichnet sich eine immer schlimmer werdende Katastrophe ab: AIDS. Die Tragweite dieser “Geißel des schwarzen Kontinents” wird nicht gesehen. Die Bedrohung ignoriert. Es wird nicht genügend aufgeklärt und sogar führende Politiker geben allen Ernstes an, dass es sich bei AIDS um eine Folge der Mangelernährung handeln würde, die man durch den Verzehr roter Beete (!) u.ä. heilen könnte. Irina André-Lang setzt sich unermüdlich dafür ein, dass endlich eine Aufklärung stattfindet und dass das Versagen der Politik ein Ende hat. Sie kämpft gegen die weitere Tabuisierung des Themas, das das Leben in Südafrika wie kaum ein anderes beherrscht - etwa 20% der Menschen im Land sind HIV-positiv.
“Kap meiner Hoffnung” ist ein sehr persönliches Buch, in dem Irina André-Lang die Lage in Südafrika ohne Schönfärberei aufzeigt, aber auch ihr eigenes Leben Revue passieren lässt. Die Begegnungen mit zahllosen Menschen, die ihre Entwicklung geprägt haben. Nicht zuletzt die Begegnung mit ihrem zweiten Mann, dem Südafrikaner Peter, der sie durch die wohl schwerste Zeit ihres Lebens - ihre Brustkrebserkrankung - begleitet hat. Die Autorin ist zum Glück wieder genesen und widmet ihr Leben weiterhin den Menschen in Afrika.
Ein spannendes, wichtiges und zutiefst bewegendes Buch, das die Augen öffenen kann. “Kap meiner Hoffnung” regt zum Nachdenken an über das Land der Fußball-WM 2010. Unbedingt lesen!
Irina André-Lang mit Harald Rast (Autoren)
Kap meiner Hoffnung. Als Kinderärztin in Südafrika
www.a1-verlag.de
272 Seiten








