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Archiv für Juli, 2010

Buch-Tipp: Kap meiner Hoffnung

29. Juli 2010 sgruen Keine Kommentare

Bewegender Bericht einer Kinderärztin

(Sigrid Grün)

Die Kinderärztin Irina André-Lang hat lange Jahre in Regensburg gelebt und auch ihre Facharztausbildung in der Donaustadt absolviert. Nun hält die 1960 in Singen geborene Ärztin Rückschau auf ihr bewegtes Leben. Gemeinsam mit dem Journalisten Harald Rast hat sie ein Buch verfasst, das ebenso einfühlsam wie schonungslos ist.
Darin geht es um ihre Arbeit in Südafrika und um ihr eigenes Leben. André-Lang erzählt ihre Lebensgeschichte, die geprägt ist von Schicksalsschlägen, die kaum zu verkraften sind. Im Alter von 28 Jahren wird sie Witwe, da ihr Mann mit Mitte 40 an einem Hirntumor stirbt. Sie tritt die Flucht nach vorne an, reist nach Südafrika, weil sie in Zeiten der Apartheid Handlungsbedarf sieht. Im Alter von knapp 30 Jahren erlebt sie den menschenverachtenden Rassismus, der ein ganzes Land traumatisiert. Nach ihrer Rückkehr nach Regensburg beschließt sie, ihre Facharztausbildung schnellstmöglich zu absolvieren und dann nach Südafrika zurückzukehren. In der Zwischenzeit tut sich eine Menge am Kap - Mandela kommt 1990 frei, 1994 kommt es erstmals zu einer allgemeinen und freien Wahl in Südafrika und damit zum Ende des Apartheid-Regimes. Der ANC (African National Congress) gewinnt überragend und Mandela wird zum ersten Präsidenten des neuen Systems. Eine neue Zeit bricht an und die fertig ausgebildete Kinderärztin begibt sich wieder in das Land ihrer Träume. Dort hat sich zwar einiges geändert, doch die Lage im Land ist immer noch geprägt von Not und Elend. Als Kinderärztin erlebt Irina André-Lang täglich, was es bedeutet in Afrika zu (über)leben. Krankheiten wie Cholera fordern unzählige Todesopfer, weil kein sauberes Wasser zur Verfügung steht, Kinder leiden an Unterernährung und an Magen-Darm-Infekten, die oft lebensbedrohlich sind. Frühgeburten stehen an der Tagesordnung und die medizinische Versorgung ist keineswegs für alle Bevölkerungsteile gewährleistet. Zwar ist die Versorgung kostenlos, doch nützt dies wenig, wenn nicht genügend Ärzte zur Verfügung stehen und die Ausstattung der Krankenhäuser alles andere als hinreichend ist. Unter schwierigsten Bedingungen schafft es die unermüdlich arbeitende Kinderärztin, das Leben derer zu retten, die für die Zukunft des Landes stehen. Sie selbst fühlt sich angesichts der Kinder, die sich täglich sterben sieht, wie eine “Managerin eines Massensterbens” (S. 160). Und Jahr für Jahr zeichnet sich eine immer schlimmer werdende Katastrophe ab: AIDS. Die Tragweite dieser “Geißel des schwarzen Kontinents” wird nicht gesehen. Die Bedrohung ignoriert. Es wird nicht genügend aufgeklärt und sogar führende Politiker geben allen Ernstes an, dass es sich bei AIDS um eine Folge der Mangelernährung handeln würde, die man durch den Verzehr roter Beete (!) u.ä. heilen könnte. Irina André-Lang setzt sich unermüdlich dafür ein, dass endlich eine Aufklärung stattfindet und dass das Versagen der Politik ein Ende hat. Sie kämpft gegen die weitere Tabuisierung des Themas, das das Leben in Südafrika wie kaum ein anderes beherrscht - etwa 20% der Menschen im Land sind HIV-positiv.

“Kap meiner Hoffnung” ist ein sehr persönliches Buch, in dem Irina André-Lang die Lage in Südafrika ohne Schönfärberei aufzeigt, aber auch ihr eigenes Leben Revue passieren lässt. Die Begegnungen mit zahllosen Menschen, die ihre Entwicklung geprägt haben. Nicht zuletzt die Begegnung mit ihrem zweiten Mann, dem Südafrikaner Peter, der sie durch die wohl schwerste Zeit ihres Lebens - ihre Brustkrebserkrankung - begleitet hat. Die Autorin ist zum Glück wieder genesen und widmet ihr Leben weiterhin den Menschen in Afrika.

Ein spannendes, wichtiges und zutiefst bewegendes Buch, das die Augen öffenen kann. “Kap meiner Hoffnung” regt zum Nachdenken an über das Land der Fußball-WM 2010. Unbedingt lesen!

Irina André-Lang mit Harald Rast (Autoren)
Kap meiner Hoffnung. Als Kinderärztin in Südafrika
www.a1-verlag.de
272 Seiten

Blaue Nacht, NY-Folk und Industrial

29. Juli 2010 ffranc Keine Kommentare

Freitag, 30. Juli 2010, 21.00 Uhr, Alte Mälzerei, Regensburg
Für alle, die das Regensburger Gothic Treffen verpasst haben gibt’s einen Nachtisch: Das leipziger Duo STEINKIND spielen Industrial. Eintritt: 9 Euro.
www.steinkind.de | www.alte-maelzerei.de

Montag, 02. August 2010, 21.00 Uhr, heimat, Taubengässchen, Regensburg
Besuch aus Chicago / NYC: Ezra Furman & The Harpoons spielen auf, und als Support sind da noch die münchner Pardon Ms Arden, Eintritt: 9/11 Euro
www.ezrafurman.com | www.myspace.com/pardonmsarden | www.heimat-regensburg.de

Samstag, 7. August 2010, 17.00 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Der Stadtpark stahlt wieder im REWAG-Blau, Blaue Nacht ist’s. Neben dem Besuch der Ausstellungen im Kunstforum gibt’s reichlich Programm, sowohl innen als auch draußen. Mit dabei u.a. Moodorama (schon wieder?), Doris Dubiel, Meike Fabian & Bettina Schönenberg, Tanz_Denken, Mauricio Mandes, Tres Hombres und Salonorchester Salettl.
www.kunstforum.net

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Buchtipp: Kriegsenkel

24. Juli 2010 sgruen Keine Kommentare

Trauma und Zeitgeschichte

(Sigrid Grün)

Die Kölner Journalistin Sabine Bode widmet sich in ihrem Buch Kriegsenkel einem Themenkomplex, mit dem sie sich bereits in früheren Büchern auseinander gesetzt hat. Es geht um den Zusammenhang von Zeitgeschichte und Traumatisierung - unaufgearbeiteter Traumatisierung. Während das Buch Die vergessene Generation - Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen noch die unmittelbar durch Kriegserlebnisse Traumatisierten zu Wort kommen ließ, geht es nun um eine Generation, die eigentlich “glücklich” sein müsste, genoss sie doch eine unbeschwerte Jugend in Friedenszeiten. Doch die “Kriegsenkel”, die etwa zwischen 1960 und 1975 zur Welt kamen, sind keineswegs “unbelastet”, wie Bode feststellt.

Die Autorin hat mit 18 Kriegsenkeln gesprochen und überraschende Parallelen festgestellt. Diffuse Zukunftsängste und die häufig daraus folgende Kinderlosigkeit, ein Mangel an Zuversicht und Halt im Leben - von diesen Emotionen ist das Leben vieler “Friedenskinder” geprägt. Sie berichten in Gesprächen und selbst verfassten Aufzeichnungen ausführlich von ihrem Leben, das stets beherrscht wurde von der Gemütsverfassung der Eltern, also der Kriegskinder, die sich mit dem im Krieg erfahrenen Leid allerdings nie wirklich auseinandergesetzt haben. Stattdessen bekamen ihre eigenen Kinder zu hören, dass alles nur halb so wild gewesen wäre, andere es viel schlimmer getroffen hätten und man selbst sich eigentlich glücklich schätzen könne. Oder: Was eine Eltern-Kind-Beziehung noch stärker belasten konnte - man traf auf Schweigen. Schweigen über das, was man selbst nicht verarbeiten kann. Vergewaltigungen und Gewalt, Hunger und Bombenangriffe, Väter, die nicht oder völlig traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten. Wenn der Mensch in Kriegszeiten auf das nackte Überleben eingestellt ist, verliert er in Friedenszeiten das Gefühl dafür, was Leben heißt und er bleibt - die Traumaforschung hat es schon längst nachgewiesen - in der Vergangenheit stecken. Werden diese Traumatisierungen nicht aufgearbeitet, sondern verdrängt, vergessen und verleugnet, so verschwinden sie keineswegs, sondern werden an die nachfolgenden Generationen weitergegeben, die als Kinder die geistige Fürsorge für die eigenen Eltern übernehmen.
Trotzdem ist Bodes Buch keine Anklage. Die Elterngeneration der Kriegsenkel wird nicht grundsätzlich verurteilt. Vielmehr versucht die Autorin für ein Thema zu sensibilisieren, das in unserer Gesellschaft immer noch viel zu selten diskutiert wird.

Fazit: Ein wichtiges Buch, das die Augen öffnen kann. Ein Buch, dem man viele Leser wünscht, damit endlich eine Diskussion angeregt wird, die das vor über 60 Jahren erfahrene Leid aufarbeiten hilft. Für Kriegskinder, Kriegsenkel und nachfolgende Generationen eine Lektüre, die auf einfühlsame Art und Weise hilft zu verstehen, was los ist mit “den Deutschen”.
Unbedingt lesen!

Sabine Bode (Autorin)
Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation
www.Klett-Cotta.de
304 Seiten

Lauter Sommerfeste

22. Juli 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 23.07.2010, 18.00 Uhr, Neue Filmbühne, Bismarckplatz, Regensburg
Das Filmbühnen-Sommerfest findet natürlich draußen statt. Auf der W1-Bühne treten auf The Trashing Days, Cool Gardens und Sutcliffe aus Nürnberg.
www.myspace.com/thetrashingdays | www.myspace.com/coolgardens | www.sutcliffe.de

23. Juli 2010, 21:00 Uhr, Alte Mälzerei, Regensburg, Konzert: Egotronic
Genre: Elektropunk, Support & Eintritt: 8/10 €, Aftershow: London Beats (UK Connection)

Freitag, 23.07.2010, 21.00 Uhr, Büro, Keplerstraße, Regensburg
Nach dem Bismarckplatz geht’s mit der Langen Sommernacht im BÜRO und Ska von den Losing Sticks aus Regensburg weiter. Anschließend Party bis 4.00 Uhr mit Dj Säm.
www.myspace.com/losingsticks | www.buero-regensburg.de

Samstag, 24.07.2010, 16.00 Uhr, Neue Filmbühne, Bismarckplatz, Regensburg
Das Filmbühnen-Sommerfest Teil II findet ebenfalls draußen statt. Auf der neuen FilmBühne treten auf Zarate, Godspeed Bugkiller (18h00) und SickSickSick (20h00) aus Regensburg.
www.zaratemusic.de | www.myspace.com/godspeedbugkiller | www.myspace.com/sicksicksickmusic

Samstag, 24. Juli 2010, 23.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg
Battl Royal (Kinji Fukasaku, Japan 2000) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: ab 18 Jahren.
hardline.blog.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Sonntag, 25. Juli 2010, 12.00 Uhr, Jahninsel und Andreasstadel, Regensburg
Picknick der Kulturen in Weiß/ Pique-nique des Cultures en Blanc. Die Deutsch-Französische Gesellschaft und der Deutsch-Spanische Verein El Puente, sowie der Jahninsel-Schwimmverein laden zum Picknick. Kommen darf jeder, aber bitte weiß gekleidet. Bitte alles selber mitbringen, vielleicht kann aber auch etwas gekauft werden.
www.dfg-regensburg.de | www.elpuente-regensburg.de

Donnerstag, 29. Juli 2010, 18.00 Uhr, Alte Mälzerei, Regensburg
MÄLZE-SOMMERFEST IM BIERGARTEN Mit Lagerfeuer, Live-Musik von der Regensburger Kultband ZARATE. Für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt. Der Grillchef liefert bestes Essen und verschiedene Getränkespecials sorgen dafür, dass niemand durstig bleibt. Beginn um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
www.alte-maelzerei.de

“Eine neue Zeit bricht an”

20. Juli 2010 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Der Traum vom Fliegen begleitet den Menschen schon seit jeher. Mit ihm verknüpft sich stets auch der Freiheitsgedanke.

Blanchard in schwindelnder Höhe

Blanchard in schwindelnder Höhe

Auf der Burg Falkenstein wird seit Juni ein Stück gespielt, das den ersten bemannten Ballonflug mit den Ereignissen im Vorfeld der Französischen Revolution in Beziehung setzt. Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? von Pit Holzwarth erzählt die Geschichte von Jean Pierre Francois Blanchard (verkörpert von Michael Schmidbauer), der im Herbst 1783 als erster Mensch mit einem Ballon die Erdanziehung überwunden hat. Der Luftfahrpionier sorgt für Begeisterung auf der einen, Furcht auf der anderen Seite. Während der Philosoph und Freigeist Marquis de Condorcet (Holger Radetzky) zur Feier des Tages einen Champagner köpft, kann die Pariser Kellnerin Joseline kaum glauben, was ihr berichtet wird.

Der verbotene Traum vom Fliegen

Der verbotene Traum vom Fliegen

Doch während Blanchard einen euphorischen Höhenflug nach dem nächsten absolviert, muss die bäuerliche Bevölkerung Frankreichs Hunger leiden und sich auch noch immer wieder neue Schikanen der adeligen Landesherren gefallen lassen. Die Familie Potaff wird sogar an Weihnachten vom eigenen Hof vertrieben, weil sie die Steuerschulden nicht mehr bezahlen kann.

Der finstere Abt

Der finstere Abt

In einem nahegelegenen Kloster träumt der Jesuitenpater Josquin (kongenial umgesetzt von Armin Eigenstetter) währenddessen ebenfalls vom Fliegen. Die Zeit - es wird eine Atmosphäre irgendwo zwischen Der Name der Rose und Monty Python heraufbeschworen - ist dafür allerdings alles andere als günstig. Der fanatische Abt Marcellus (furios verkörpert von Dagmar Kölbl) schilt Josquin einen abtrünnigen Sünder, fordert vehement Demut und verordnet Gebetsgesänge.
Die Not der Landbevölkerung holt Blanchard indessen auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Angesichts des grassierenden Elends der französischen Bauern und der himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die den Adeligen alle Rechte einräumen und jene des Volkes zusehends beschneiden, zieht sich der Flugpionier immer mehr zurück und versinkt schließlich in der Depression. Allein die Kellnerin Joseline, in deren Gasthaus Blanchard untergekommen ist, steht ihm in dieser schwierigen Zeit des Zweifels bei. Als schließlich ein Kakaohändler mit einem lukrativen Angebot lockt, beschließt der Erfinder und Ballonflieger aber doch, erneut eine Fahrt zu unternehmen - mit dem Ziel Versailles…

Blanchard, Kakaohändler Duport und Joseline

Blanchard, Kakaohändler Duport und Joseline

Was für ein überbordendes Stück hat der Regisseur Till Rickelt hier inszeniert! 27 spielfreudige Darsteller/innen begeistern das Publikum in aufwändigen Kostümen. Da geht es Schlag auf Schlag, bisweilen wird ein Gag nach dem nächsten abgefeuert und vom Scheitel (extravagante Perückenmode) bis zur Sohle (die rosa Pantöffelchen der Marquise) stimmt hier jedes kleinste Detail. Und wieder gibt es ein multifunktionales Bühnenmobiliar, das mal Ballonfahrerkorb, mal Bett, dann Altar oder Tisch ist. Es geht herrlich unverkrampft und unverschämt zu, z.B. wenn kurzerhand eine Seite aus dem Gebetsbuch gerissen wird, um darauf einen Brief an den König zu notieren.
In einem Stück über die französische Revolution dürfen freilich auch die Volksszenen nicht zu kurz kommen. Diese wirken durch ihre enorme Dynamik sehr authentisch und durch das Mitwirken des Publikums wird die Sache sogar noch spannender.
Die große Frage, die man sich stellt, bevor man das Stück gesehen hat, lautet natürlich: Wie wird das mit dem Fliegen gelöst?
An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Der Ballon steigt tatsächlich höher und höher in die Wolken auf. Man muss es einfach erleben!

"Es lebe der König!"

"Es lebe der König!"

Fazit: Ein Stück, hinter dem viel mehr als reiner Spaß und Unterhaltung stecken. “Eine neue Zeit bricht an. Und ich will dabei sein!” dieses Zitat aus Holzwarths Theaterstück würde sich hervorragend als Motto unserer Zeit eignen, man müsste es nur wagen zu fliegen!

www.burghofspiele-falkenstein.eu

Kultur-Glückwünsche

19. Juli 2010 lweser Keine Kommentare

Die Vielzahl der Jubiläen und Preisträger veranlasst uns dazu, gebündelte Glückwünsche auszusprechen.

Wir gratulieren:

20 Jahre lichtung verlag
Im Jahre 1990 wurde der niederbayerische Verlag von Hubert Ettl und einigen Mitstreitern gegründet. Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren das magazin lichtung und auch unter edition lichtung erscheinen bereits seit einem Jahr Bücher, doch bis dahin auf Vereinsbasis. Die eigentliche Verlagsgründung erfolgt erst im Januar des Jahres 1990. Das Startkapital zur Verlagsgründung wurde über Aufnahmegebühren und Mitgliedsbeiträge zusammengekratzt. Heute, nach fast 100 Büchern und über 100 Ausgaben des magazin Lichtung, kann sich der kleine Verlag mit bayerischer Literatur (mit dem Schwerpunkt auf Ostbayern) noch immer unter den großen Verlagen auf einem globalisierten Buchmarkt behaupten. Auch das magazin lichtung erscheint weiterhin verlässlich alle drei Monate. Grund genug für uns dem lichtung verlag zu gratulieren und weiterhin viel Erfolg und weitere interessante Publikationen zu wünschen.
Unsere lichtung verlag Buchtipps:
Das Regenburg- oder Das Oberpfalz. Reise-Lesebuch. Herausgegeben von Hubert Ettl und Gert Burger bzw. Harald Grill. Die einzelnen literarischen Beiträge z.B. von Harald Grill, Bernhard Setzwein, Florian Sendtner, Barbara Krohn, Eberhard Dünninger, Eckard Henscheid, Eva Demski, Walter Höllerer oder Georg Britting werden mit schwarz-weiß Fotos ergänzt.
Außerdem Bin sofort zurück. Das Buch über den 2007 verstorbenen Regensburger Künstler Wolfgang Grimm.
www.lichtung-verlag.de

Angela Kreuz erhält den Daniil Pashkoff Prize 2010
Die Regensburger Autorin Angela Kreuz erhält den Daniil Pashkoff Prize 2010. Am 4. Juni wurde ihr der Preis in Braunschweig verliehen. Mit ihrer Kurzgeschichte Stink Bugs in der Kategorie “Prose over 21″ erzielte sie den dritten Platz. Die Kurzgeschichte ist mit den anderen Preisträgertexten in der neuen Publikation von Writers Ink Selected Texts from the Daniil Pashkoff Prize 2010 enthalten. Mittlerweile gibt es auch eine deutsche Version des Textes. Vielleicht erscheint er ja demnächst auch, vielleicht sogar in einem regionalen Verlag. Herzlichen Glückwunsch!
www.angelakreuzinfo.de | www.writers-ink.de

Michael Heuberger erhält den Schauspieler-Preis der Bayerischen Theatertage
Der Schauspieler Michael Heuberger wird für seine “herausragende schauspielerische Leistung” als Kreon in Ninao Haratischwilis Medeia. Mein und dein Herz bei den bayerischen Theatertagen ausgezeichnet. Der gebürtige Münchner ist seit 1986 Ensemblemitglied des Regensburger Stadttheaters. Der Preis ist mit 1.500 Euro dotiert. Mit ihm erhielten auch Brigitte Hobmeier (als SUSN in dem gleichnamigen Achternbusch-Stück, Münchner Kammerspiele), Miriam Wagner (als Sichel in Paul Claudels DAS HARTE BROT. Theater Augsburg), Gerd Lohmeyer (in der Titelrolle von John Bergers DIE DREI LEBEN DER LUCIE CABROL. Metropol Theater) diese Auszeichnung.
www.theater-regensburg.de | www.bayerische-theatertage.de

Das Museum Ostdeutsche Galerie wird 40
Im Juni 1970 wurde in dem einzig erhaltenen Gebäude der Oberpfälzer Kreisausstellung von 1910 das Museum der Ostdeutschen Galerie eröffnet, vier Jahre nach der Gründung der Stiftung Ostdeutsche Galerie. Das Gebäude wurde 1871 als Turnhalle gebaut und bereits 1970 im Zuge Oberpfälzer Kreisausstellung von 1910 als Ausstellungshalle umfunktioniert. Auf Grundlage des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes verpflichtet sich die Ostdeutsche Galerie der Förderung von Künstlern auch aus dem deutschgeprägten Mittel- und Südosteuropa. Seit jüngster Zeit heißt das Museum Kunstforum Ostdeutsche Galerie und feiert seine 40 Jahre an 40 Tagen mit einem umfangreichen Programm. Weiter so!
www.kunstforum.net

Glaubenskrieg im Schloss St. Emmeram

18. Juli 2010 lweser Keine Kommentare

Giuseppe Verdi: Nabucco, Text: Temistocle Solero, Regie: György Salmeczi, mit Michele Kalmandi, Peter Berger, Martin Gurbal, Csilla Boross, Jana Wallingerová, Jurrij Gorbunov, Petr Levicek, Daniela Stratková-Sedrlová, Chor und Orchester der Janácek Oper des Nationaltheaters Brünn, bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen 2010, Regensburg

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Am Freitagabend wurde mit der Brünner Inszenierung der Verdi-Dauererfolgsoper Nabucco die diesjährigen Thurn und Taxis Schlossfestspiele im Innenhof des Schlosses St. Emmeram in Regensburg eröffnet. 3000 Zuschauer genossen in wärmster Sommernacht dieser opulenten Inszenierung. Wettertechnisch gab es am Premiereabend einen klaren Vorteil gegenüber der verregneten zweiten Vorstellung am Samstag.

Zugegeben, an das sperrige Bühnenbild musste man sich erst einmal gewöhnen. Doch wenn das geschafft war oder man es aus seinem Aufmerksamkeitsfeld auszublenden vermochte, konnte man sich voll und ganz auf den Kampf der Juden für ihre Freiheit und ihren Glauben im Jahre 578 v. Chr. und die hervorragende Leistung von Sängern, Chor und Orchester konzentrieren.

Die Liebesgeschichte der Handlung zwischen Fenena und Ismael ist dem hehreren Kampf des Volkes Israel für ihre Freiheit gegen die Babyloner untergeordnet. Mit der Uraufführung der Oper 1842 wurde wohl der Nerv der Zeit getroffen. Die Italiener sehnten sich nämlich nach einer Befreiung von der Österreichisch-Habsburger Fremdherrschaft. Das Libretto stammt von Temistocle Solero. Der Auftrag es zu vertonen wurde Verdi, der sich (nach dem Tod seiner beiden Töchter und seiner Frau) in einer schweren persönlichen Krise befand, geradezu aufgedrängt. Verdis Musik ist stark textorientiert. Der musikalische Schwerpunkt liegt bei den Chören. Die Vertonung von Soleros Vers am Anfang des Gefangenenchors “Va Pensiero, sull´ali dorate” (Flieg, Gedanke, auf goldnen Schwingen), wurde zum in ganz Italien gesungenen Befreiungslied und gilt als heimliche Hymne der Italiener.

Fenena (Jana Wallingerová), die Tochter des Babylonerkönigs Nabucco (Michele Kalmandi), hatte einst Ismael (Peter Berger), dem Neffen des jüdischen Königs Zedekia, zur Flucht verholfen, der dereinst als jüdischer Gesandter in Babylon Abigail (Csilla Boross), Fenenas Halbschwester, abwies. Fenena ist mit ihm geflohen. Nun, wo die Babyloner Jerusalem belagert, spricht deshalb der Hohenpriester der Juden Zacharias (Martin Gurba) seinem Volk Mut zu, schließlich habe man Fenena, die man als Geisel einsetzen könne. Doch Abigail gelingt mit ihren Truppen als Hebräer verkleidet, der Vorstoß in die jüdische Stadt. Nochmals gibt sie Ismael die Möglichkeit sich zwischen ihr oder dem Untergang seines Volkes einschließlich Fenena, zu entscheiden. Ismael lehnt ihren Antrag ab und verhilft Fenena zur Flucht zu ihrem Vater. Daraufhin bezichtigt das jüdische Volk Ismale während es gefangen gesetzte wird, des Verrates. Währendessen hatte Nabucco seine Nachfolge nicht an Abigail, sondern an Fenena übertragen, was Erstere bewegt erneut Racheplänen zu schmieden und sich mit dem Baalpriester (Jurrij Gorbunov) zu verbünden. Als Nabucco die Pläne Abigails entdeckt, sucht er sie zu vereiteln und wird von ihr gefangen genommen. Nachdem Nabucco den Gott der Hebräer um Hilfe angefleht hat, gelingt es ihm sich zu befreien, Fenena und die Hebräer zu retten, sowie seine Thron zurückzugewinnen. Er bekennt sich zum jüdischen Glauben und gibt Ismale Fenena zur Frau.

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Die Kostüme sind sehr aufwendig. Wer das mag, wird es mögen, den anderen erscheinen sie vielleicht eine Spur zu opulent. Die funktionale Bühne besteht aus einem zweigeteilten Baugerüst. Im ersten Akt stellt die vordere Seite des Gerüstes wohl den Tempelberg in Jeusaelm dar. Als Abigail mit ihren Mannen eindringt und das jüdische Volk in Fesseln legt, teilt sich der Berg. Die Bühne wird nach dem ersten Akt gedreht. Die Königsburg der Babyloner des zweiten Aktes wird durch die Rückseite der der Bühnenstellwände verbildlicht, die nun den Blick auf die Baugerüste freigibt auf denen ein paar roten Pappbildern im Stile des Futurismus befestigt sind. Sie sollen wohl den anderen Glauben der Babyloner verdeutlichen. Ab dem dritten Akt symbolisieren die schräg gestellten Gerüste die hängenden Gärten von Babylon. In ihrer Mitte thront das Götzenbild des Baals wieder im Stil des italienischen Futurismus.

Gesanglich konnte  neben dem Brünner Opernchor und Barriton Michele Kalmandi (Nabucco) vor allem die Sopranistin Csilla Boross in der Rolle der Abigail überzeugen. Mit große Begeisterung und Bewunderung wurde die Brünner Inszenierung vom Publikum aufgenommen.

www.ndbrno.cz | www.thurnundtaxis.de

Grundkurs Bankenkrise

17. Juli 2010 lweser Keine Kommentare

Staatstheater Nürnberg: Die Kontrakte des Kaufmanns von Elfriede Jelinek, Regie: Stefan Otteni, mit Gina Henkel, Tanja Kübler, Thomas L. Dietz, Stefan Lorch, Felix Axel Preißler und Dietmar Saebisch bei den 28. Bayerischen Theatertagen, Theater am Bismarckplatz, Regensburg

(c) Staatstheater Nürnberg / Marion Bührle

(c) Staatstheater Nürnberg / Marion Bührle

www.bayerische-theatertage.de | www.staatstheater-nuernberg.de

Hitzewelle

15. Juli 2010 ffranc Keine Kommentare

Donnerstag, 15.07.2010, 20.00 Uhr, W1, Weingasse, Regensburg
Es spielen Ziehgäuner und machen laut W1 Bayerischen Brass Balkan Beat Sound und klingen mehr nach Bavarian Rasta Brass. Was soll’s, Hauptsache gute Stimmung. Eintritt 4 €.
www.myspace.com/ziehgaeuner | www.myspace.com/w1_regensburg

16. - 18.07.2010, ganztägig, Hafengelände, Regensburg
Zum 100. Geburtstag des Regensburger Hafen gibt’s ein Hafenfest mit nicht nur geschmackssicheren Darbietungen und vielen offenen Türen.
www.bayernhafen.de

16.07.- 01.08.2010, fast immer 20.30 Uhr, Schloss Thurn & Taxis, Regensburg
Die Thurn und Taxis Schlossfestspiele beginnen (FR. + SA.) heuer mit Nabucco dargeboten vom Nationaltheater Brünn. Weiter gibt’s noch Elina Garanča, Carmina Burana, die WEST SIDE STORY, Max Raabe, Adoro und zum Abschluss Aquarelas do Brasil.
www.odeon-concerte.de

Sonntag, 18.07.2010, 20.00 Uhr, Hesperidengarten, Schnaitterhof, Wenzenbach
Es findet das 11. Literarische Quartett zu fünft statt. Mit dabei sind Christa Meier, Martin Hofer, Helmut Hein, Daniela Weiss und Ulrich Dombrowsky. Besprochen werden Herta Müller: Atemschaukel, Matthias Politycki: Jenseitsnovelle, Judith Herrmann: Alice, Jonas T. Bengtsson: Submarino und Siri Hustvedt: Die zitternde Frau. Das ganze kostet 5 Euro. Was macht eigentlich Herr Reich-Ranicki?
www.hesperidengarten.info | www.dombrolit.de

Mittwoch, 21. Juli, 20 Uhr, Parkdeck des Parkhauses am Petersweg, Regensburg
PARKDECK & THE DRAKE’S PROGRESS “4 YOU NICK” A Nick Drake Memorial. Endlich spielen PARKDECK wieder dort, wo sie herkommen.
www.on-parkdeck.com

Donnerstag, 22.07.2010, 19.30 Uhr, Galerie konstantin b., Am Brixener Hof, Regensburg
Vernissage Intermezzo - neue Zeichnungen und Illustrationen von Peter Engel, noch amtierender E.ON- und Stadt-Kulturpreisträger, zu den Büchern Harry und die Amsel und Walpurgisnacht. Dementsprechend findet eine Lesung mit Musik statt. Die Austellung dauert leider nur bis zum 08. August und sollte bis dahin unbedingt besucht werden.

peterengel

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Buchtipp: Tschechisch fürs Leben

11. Juli 2010 sgruen Keine Kommentare

Am Alltag orientiertes Tschechisch für Fortgeschrittene

(Sigrid Grün)

Es gibt eine recht beachtliche Auswahl an Tschechisch-Lehrwerken für Anfänger. Fortgeschrittene Tschechisch-Lernende müssen schon länger suchen. Das Buch Čeština pro život (Tschechisch fürs Leben - Czech for Life) ist ein Glücksgriff, wenn man auf der Suche nach einem Lehrbuch auf B2-Niveau ist. Es orientiert sich am Alltag in Tschechien und bietet Texte, die absolut auf der Höhe der Zeit sind.

Die Landeskunde spielt eine wichtige Rolle und die Bedürfnisse von Menschen, die tatsächlich in Tschechien leben und/ oder arbeiten möchten. Die Auswahl der Themen ist sehr breit und gelungen. Thematisiert werden Familie, Essen und Trinken, Einkauf, Orientierung (in einer fremden Stadt), Fahrzeuge, Ferien, Jahreslauf, Tagesablauf, Freizeit, Feiern, beim Arzt, Wohnen, Mode und Menschen, Arbeit und bekanntes und unbekanntes Tschechien.

Zunächst wird in einführenden Fragen geklärt, welche Leitfragen im Vordergrund stehen werden, z.B. “Wie orientiert man sich in einer fremden Stadt?” o.ä. Diese Fragen bieten eine wunderbare Diskussionsgrundlage im Kurs. Anschließend folgt ein Text - oft ein Dialog. Schließlich findet der Lernende Fragen zum Text, Übungen, Hörverstehenstests, Konversationsübungen usw. Am Ende eines jeden Kapitels steht ein Vokabelteil mit neuen Wörtern (Tschechisch, Englisch, Deutsch).
Das Buch ist vollständig in tschechischer Sprache verfasst (abgesehen vom Vokabelteil).
Am Ende findet man die Texte von der Cd (Hörverstehen), einen Schlüssel zu den Übungen, wichtige Wendungen und Sätze (nach Lektionen sortiert und jeweils mit Übersetzung) sowie einen kleinen Grammatikanhang.
Die beiden Audio-Cds sind hervorragend gemacht. Die Sprecherstimmen sind angenehm, die Texte werden klar und verständlich gesprochen, klingen aber trotzdem absolut natürlich (keine künstliche Verlangsamung des Sprechens o.ä.)
Auch die Gestaltung ist sehr gelungen. Die einzelnen Kapitel sind farblich jeweils voneinander abgesetzt. Zahlreiche Zeichungen und v.a. Farbfotografien lockern den Textteil auf.

Das Buch ist für fortgeschrittene Lernende absolut empfehlenswert. Auch wenn man noch nicht die komplette Grammatik beherrscht, kann man teilweise damit arbeiten, denn es geht v.a. um Inhalte. Das Buch ist also auch für Intensivkurse (wenn man schon über solide Grundkenntnisse im Tschechischen verfügt) geeignet. Das Buch erhielt im Jahr 2006 sogar einen Preis - und zwar im Wettbewerb “Das schönste tschechische Buch” in der Sparte Lehrbuch. Zu Recht, denn es ist sowohl didaktisch als auch inhaltlich einzigartig.

Alena Nekovářová (Autorin)
Čeština pro život / Czech for Life / Tschechisch fürs Leben
www.akropolis.info
Lehrbuch mit 2 Cds, 264 Seiten, 140 Minuten