Buchtipp: Kulturwissenschaftliches Jahrbuch - Moderne
Migration und Moderne
(Sigrid Grün)
Migration ist ein grundlegendes Thema in der Gegenwartsgesellschaft. Das hohe Konfliktpotenzial und die Komplexität der Materie sorgen dafür, dass das Thema sowohl in der Gesellschaft als auch in der (Kultur)wissenschaft kontrovers diskutiert wird.
Die Beiträge im vorliegenden Band beschäftigen sich interdisziplinär mit Migrationsprozessen und Entwicklungen, die in diesem Bereich stattfinden. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Darstellung des Themas Migration in der Literatur, im Film und in der Kunst. Welche Rolle der literarischen Darstellung von Migrationsprozessen in der Literatur zukommt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Autoren, die sich damit auseinandersetzen in den letzten Jahren vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurden. Eines der prominentesten Beispiele in jüngster Zeit ist mit Sicherheit die Nobelpreisträgerin des vergangen Jahres, Herta Müller. „Migration“ ist – neben den Erfahrungen mit der kommunistischen Diktatur in ihrem Heimatland Rumänien – eines der wichtigsten Themen, um die ihr Schreiben kreist. Gerade hier stellt sich die Frage: „Was ist Migrationsliteratur?“ Ist Müller überhaupt eine Migrantin? Gibt es so etwas wie Migranten im klassischen Sinne überhaupt? Diese und vielen weiteren Fragen werden in dem Beitrag „Migratorische Kultur-, Identitäts- und Literaturkonzepte. Hybridität und Metissage – Diaspora, Nomadismus und Kosmopolitismus“ von Helga Mitterbauer (Graz) aufgegriffen. Weitere Aufsätze beschäftigen sich z.B. mit den Themen Identität im Exil und in der Diaspora („Theoretische Ansätze subjektiver Religiosität dauerhaft exilierter jüdischer Autoren – Feuchtwanger, Wolfskehl, Canetti“ von Christoph Schmitt-Maaß), „nationale Identität in der niederländischen und deutschen Migrationsliteratur“ (Liesbeth Minnaard) oder mit Aspekten der postjugoslawischen Exilliteratur (Elena Messner).
Die Sektion zum Bereich „Migration“ stellt eindeutig „Migrationsliteratur“ in den Mittelpunkt, während die zweite Abteilung, „Moderne“ neben Literatur auch Kunst und Wissenschaftsgeschichte thematisieren.
Die dritte Sektion umfasst schließlich kulturwissenschaftliche Forschungsberichte, die sich u.a. musikalischen Identitäten von Jugendlichen in transkulturellen Kontexten (Lisa Gaupp, Hannover), MigrationsautorInnen in Frankreich 1981-2008 (Ursula Mathis-Moser, Innsbruck) oder dem Ramadan in Österreich (Valeria Heuberger) widmen.
Im letzten Abschnitt findet man schließlich Rezensionen von aktuellen Neuerscheinungen aus dem Bereich „Kulturwissenschaft“.
Fazit: Ein facettenreicher und interessanter Band zu den Theman „Migration“ und „Moderne“, wobei der Schwerpunkt auf dem Bereich Migrationsliteratur liegt. Für literatur- und kulturwissenschaftlich Interessierte sehr zu empfehlen!
Helga Mitterbauer; Katharina Scherke (Herausgeberinnen)
Moderne. Kulturwissenschaftliches Jahrbuch 2008/4. Migration
www.studienverlag.at
296 Seiten





