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Archiv für November, 2010

Advent I: Mihca, Yrubnub und Ryemtruf

25. November 2010 ffranc Keine Kommentare

Freitag, 26. November 2010, 19.00 Uhr, Kunst- und Gewerbeverein, Keplerstr., Regensburg
Ausstellungseröffnung: UNI MIT KUNST gibt einen Einblick in das künstlerische Schaffen der Dozenten und Studierenden des Instituts für Kunsterziehung der Universität Regensburg. Das ganze geht bis 22. Dezember.
www-kunst.uni-regensburg.de | www.kunst-und-gewerbeverein.de

Freitag, 26. November 2010, ab 20.00 Uhr, Büro, Keplerstr., Regensburg
Party: DJ Mihca (Garbo-Kino) bis 3.00 Uhr am Plattenteller, Weihnachtsbier-”Anstich” und viele andere Specials. Dass dies Teil des Donaumeile-Kneipenshuffles ist sollte man lieber verschweigen…
www.buero-regensburg.de | www.altstadtkinos.de

Freitag, 26. November 2010, 20.30 Uhr, Wintergarten, Dreifaltigkeitsplatz, Landshut
Konzert: Hotpants Romance, drei Mädchen aus Manchester machen wilden Garagensound. Sollte man gesehen und gehört haben. Glückliche Landshuter!
www.myspace.com/hotpantsromance | www.gaststaette-wintergarten.de

Samstag, 27. November 2010, 11.00 Uhr, Pupille Schief, Andreasstadel, Regensburg
zum Beginn der Adventszeit zeigt das Puppentheater Weihnachtsmann im Gänsebauch - ein bewegliches Bilderbuch. Weitere Vorstellungen um 14.00 und 15.00 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 Euro.
www.pupille-schief.de

Samstag, 27. November 2010, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg
Premiere: Bunbury oder wie wichtig es ist, ernst zu sein von Oscar Wilde, in einer Inszenierung von Axel Stöcker. Weitere Vorstellungen 29.11, 1./2./4./11./12./17./20./22./
27./28./30. Dezember 2010 und auch noch in 2011.
www.theaterregensburg.de

Sonntag, 28. November 2010, 15.00 Uhr, Historisches Museum, Dachauplatz, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Berthold Furtmeyr - Meisterwerke der Buchmalerei mit Arbeiten des regensburger Buchmalers und Illustrators des 15. Jahrhunderts. Kultusminister Heubisch ist auch dabei. Die Austellung geht bis 13.02.2011. Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr -So. 10.00 Uhr – 16.00 Uhr / Do 10.00 Uhr – 20.00 Uhr
www.regensburg.de

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Buch: Abgebrannt - 24 Gedichte zum Fest

23. November 2010 sgruen 2 Kommentare

Bald nun ist Weihnachtszeit!

(Sigrid Grün)

Wer kennt sie nicht, die netten Gedichteinlagen, die Kinder zu Weihnachten unterm Tannenbaum zum Vortrag bringen müssen und die einem die Wartezeit auf das liebe Christkind „versüßen“ sollen? „Advent, Advent der Christbaum brennt…“ – oder wie war das noch?
Kai Meinig, der junge Verfasser von „Abgebrannt“, hat sich diesem beliebten Genre der vorweihnachtlichen Besinnunglosigkeitsliteratur gewidmet und entsprechend „abgebrannte“ Lyrik verfasst. Hier wird das bekannte „reim-dich-oder-ich-fress-dich“-Schema satirisch variiert. Mal was anderes!
Sicherlich würden sich Tante Gerdi und Opa Hannes über das Buch freuen, das von der Aufmachung her sehr schön gestaltet ist und an die Ausstattung der bibliophilen Inselbücherei-Serie erinnert. Aber hoffentlich verstehen die Beschenkten auch Spaß!
Das Buch eignet sich auch hervorragend als Adventskalender, denn es beinhaltet exakt 24 Gedichte.
Unbedingt erwähnen muss man auch die Illustrationen, die der Autor selbst angefertigt hat. Da findet man z.B. die Darstellung eines handgefertigten Holzweihnachtsmannes „oliginal Elzgebilge“ - und dazu passend das globalisierungskritische Gedicht.
Hier wird Traditionelles mit Moderem verbunden – und heraus kommt eine bunte Mischung aus richtig „abgebrannten“ Weihnachtseindrücken.
Für Weihnachtsfans und Weihnachtshasser gleichermaßen ein großer Spaß!

Kai Meinig (Autor und Illustrator)
Abgebrannt. 24 Gedichte zum Fest
www.lieber-guter-weihnachtsmann.de

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Estland Goldgelb

22. November 2010 lweser 1 Kommentar

Chris Kraus´ brandneuer Film Poll beim Heimspiel-Filmfest in Regensburg am Mittwoch, den 17. November 2010

„Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, als ich mein erstes „Werthers Echte“ von meinem Großvater bekam.“ Poll ist genauso wie dieser bekannte Werbespot, nur mindestens 127 min länger.

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Doch beginnen wir von vorn. Chris Kraus zählt seit Vier Minuten zu den großen deutschen Regisseuren. Weltweit erhielt der Film aus dem Jahr 2006, 50 Preise. Sein neuer Film ist brandneu und lief bisher nur auf den Filmfestivals in Toronto, Rom, Hof und Biberach. In die deutschen Kinos kommt der Film Anfang Februar 2011. Schön für Regensburg und für das Heimspielfestival, dass sie also zu den ersten gehören, die ihn zeigen durften. Poll war der einzige Film des Festival, der vorher nicht gesichtet worden ist, sondern blind, auf Grund des Chris Kraus Vorgängerfilmes Vier Minuten, eingeladen wurde.

Im Sommer 1914, kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, wird eine adlige, deutsche Familie im vom zaristischen Russland besetzten Baltikum gezeigt. Die vierzehnjährige Oda von Siering (Paula Beer) reist nach dem Tod ihrer Mutter, aus Berlin zu ihrem Vater (Edgar Selge) und dessen neuen Familie ins estnische Poll. Sie fühlt sich einsam und verloren, bis sie auf einen verletzten, estnischen Anarchisten (Tambet Tuisk) trifft. Sein wahrer Name bleibt im gesamten Film unbekannt. Oda nennt ihn Schnaps. Sie rettet und versteckt ihn, was für sie und ihre Familie lebensgefährlich ist. Der Film basiert lose auf das Leben und die Tagebücher der Schriftstellerin Oda Schaefer (1900 – 1988, geb. Kraus), die ganz nebenbei die Großtante des Regisseurs war und deren Werk heute so gut wie vergessen ist.

Nun ist es ja prinzipiell zu begrüßen, dass die Geschichte der Balten, einschließlich der Deutschbalten, thematisiert und einem größeren Kreis vertraut gemacht wird. Die baltischen Völker hatten jahrhunderte unter der Deutschen Vorherrschaft, dann hatten Deutsche und Balten unter russischer Besatzung zu leiden. Die Deutschen wurden schließlich “heim ins Reich” geholt oder vertrieben und die Balten mussten ein weiteres halbes Jahrhundert unter sowjetischer Besatzung leben. Dieses Kapitel europäischer Geschichte dürfte aus dem Bewusstsein der meisten Europäer (dem der Welt sowieso) völlig verschwunden sein. Doch das Estland des frühen 20. Jahrhunderts mit seinen politischen und ethnischen Verwicklungen, wird in Poll nur zur phantastischen Kulisse für eine ziemlich schwülstig inszenierte Liebesgeschichte. Und eine Liebesgeschichte ist es letztlich. Es ist die schwärmerische Liebe eines kleinen Mädchens zu einem Idol. Der Film ist übrigens, abgesehen vom Regisseur, ein frauendominierter Film. Produktion, Kamera, Setdesign, Kostüme, Maske und Musik lagen in Frauenhand. Die romantisch entrückte, leicht skurrile Ausstattung kommt mit Sicherheit gut an. Schließlich ist „Shabby Chic“ total angesagt. Aber mal ehrlich, durch diese aufgesetzte, golden schimmernde Patina wird die Geschichte doch eher ins Fantasy-Milieu enthoben, statt in der Realität verankert.

Positiv fiel mir der Umgang mit Sprache auf. Die Dreisprachigkeit, verschiedene Dialekte und Akzente sind in Poll hervorragend umgesetzt und fast kunstvoll verwoben. Zwar bleibt die Verständlichkeit dabei manchmal auf der Strecke, doch das unterstützt die durch die Sprache erzeugte Authentizität nur. Richy Müller, Jeanette Hain und Edgar Selge sprechen einen so ungewohnten, da heute sicher ausgestorbenen Dialekt, dass der Zuschauer nie vergessen kann, wo und wann die Geschichte ungefähr verortet ist. Im Gegensatz dazu steht das Hochdeutsch Odas, die ja in Berlin aufwuchs. Außerdem wird immer wieder die Besatzungssprache, das Russische gesprochen, auch von Jeanette Hain und Edgar Selge. Tambet Tuisk, der estnische Superstar aus Film und Theater spricht Estnisch und Deutsch und wurde dabei übrigens nicht synchronisiert. Die meisterhafte Handhabung der Sprache zeichnet natürlich auch die Schauspieler aus.

Dennoch kann man Poll in fast allen Bereichen mit den Worten: „Weniger wäre mehr“, kritisieren. Zu oft wurde zu dick aufgetragen: zu dramatische Kamerafahrten, zu Gelb-Gold, zu kitschig, zu theatralische Gesten, zu lange Spielzeit. Schade!

Ein Interview, dass wir mit Chris Kraus und Tambet Tuisk führten ist [-> hier ] nachzulesen.

Poll von Chris Kraus
D/A/EST 2010, 129 min
Mit: Paula Beer, Edgar Selge, Tambet Tuisk, Jeanette Hain, Richy Müller
Kinostart: 03. Februar 2011, auch in Regensburg
www.poll-derfilm.de | www.heimspiel-filmfest.de

Josef Hader rettet Garbo und Ostentor-Kino

19. November 2010 lweser Keine Kommentare

Vier neue Gesellschafter übernehmen nach der Insolvenz der Ostentor-Kino GmbH das älteste Programmkino in Deutschland. Regensburg kann sich freuen.

Achim Hofbauer, Claudia Eis und Richard Kattan im Ostentor-Kino

Achim Hofbauer, Claudia Eis und Richard Kattan im Ostentor-Kino

Es wurde ja schon mehrere Jahre gemunkelt, dass es dem Ostentorkino in Regensburg schlecht gehe. Nach einer plötzlichen Krankheit des Kinogründers Werner Hofbauer, der fast vierzig Jahre lang das Ostentor-Kino betrieb, stand es dann fest: die “Ostentor-Kino GmbH” musste Insolvenz anmelden. Doch die gute Nachricht war, dass sich alte Mitstreiter aus der Kinoszene um eine Rettung bemühten. Nun ist es sicher: Seit 15. Oktober wird das älteste Programmkino Deutschlands von vier Gesellschaftern als “NFS GmbH” weiterbetrieben. AKF-Mitbegründer und Geschäftsführer sowohl des AKFs, als auch der einst des Ostentorkinos GmbH, Richard Kattan und Garbo-Kino-Betreiber Achim Hofbauer, sowie die zwei Steuerfachangestellten Claudia Eilis und Christine Uhl sind diese Retter. Zukünftig wird also eine klare Arbeitsteilung in Programmgestaltung und Filmdisponenz und in kaufmännische Arbeit stattfinden. Ansonsten bleibt alles gleich. Der Schwerpunkt wird weiterhin auf anspruchsvollem Programmkino liegen. Dabei wird, wie auch bisher das Ostentor auf europäische und das Garbo-Kino auf amerikanische Filme spezialisiert bleiben. Ausnahmen natürlich eingeschlossen. So wird der neue Josef Hader, ohne den laut Achim Hofbauer, schon lange weder Garbo noch Ostentor-Kino mehr existieren würden, natürlich in beiden Kinos laufen. Nur das Open-Air-Kino wird es wie auch schon in diesem Jahr, nicht mehr geben. Das Open-Air-Kino gehört nämlich schon lange zum größten Schuldenfaktor des Ostentors.
Der neue Name NFS, ist übrigens eine kleine Hommage an Werner Hofbauer. Der wollte sein Kino früher “Filmstudio” nennen. Der offizielle Name lautet nun also “Neues Filmstudio”
Der bisherige Start der neuen Gesellschaft, war jedenfalls positiv. Es liefen in diesem guten Monat bereits drei Filme (Am Anfang war das Licht, In ihren Augen und Sophie Coppolas Somewere), die einen hohen Publikumszuspruch fanden.
Wenn, was alle hoffen, Werner Hofbauer wieder ganz genesen sein wird, wird er übrigens weiterhin zum Ostentor-Kino gehören. Es ist fest eingeplant, dass er als Filmvorführer wieder in “sein” Kino zurückkehrt.
Wir wünschen dem Ostentor-Kino und ihren neuen Betreibern alles Gute und weiterhin viele Zuschauer und Werner Hofbauer baldige Genesung und eine erfolgreiche Rückkehr in die Kinoszene. (Man munkelt ja er sei bereits beim “Heimspiel-Filmfest” gesehen worden.)

www.altstadtkinos.de

Film Noir Redux

19. November 2010 lweser Keine Kommentare

Im Schatten von Thomas Arslan beim Heimspiel-Filmfest in Regensburg am Mittwoch, den 17. November 2010

Man kann Thomas Arslans Im Schatten leicht mit Benjamin Heisenbergs Der Räuber vergleichen. Beide Filme stammen aus dem Jahr 2010, in beiden steht ein Gangster im Mittelpunkt, beide wurden von der Kritik hochgelobt und vom Publikum verschmäht, beide kommen mit wenig Dialogen aus und brillieren dafür durch starken Bilder. Kein Wunder: Kameramann beider Filme ist Reinhold Vorschneider. Dennoch ist Im Schatten noch viel reduzierter als Der Räuber.

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Trojan (Mišel Matičević) ist jener Gangster, der sich als eiskalter Engel durch den Film schlägt. Dass er dabei weder so schön, noch so elegant wie Alain Delon ist (was zwar schon auf Forest Whitaker zutraf), verankert den Film ein bisschen in der deutschen Realität. Nach seiner Entlassung verlangt er von seinem einstigen Komplizen seinen Anteil. Der will aber nicht teilen und schickt ihm seine Killer auf den Hals. Auch ein korrupter und skrupelloser Polizist (Uwe Bohm) hat es auf Trojan abgesehen. Nur auf die Pflichtverteidigerin Dora (Karoline Eichborn) und sein ehemaliger Partner Nico (Rainer Bock) kann er sich verlassen und plant mit ihnen einen neuen Coup.

Der Film spielt vor allem in Hotelzimmern und Autos, anonymen Cafes oder Parkplätzen. Der kühle Protagonist agiert in kühler Umgebung. Die Kameraarbeit unterstützt jene inhaltliche und motivische Reduktion durch starre, lange Einstellungen ohne dramatische Fahrten. Im Schatten funktioniert ohne ellenlange Dialoge und ohne überflüssiges Drumherum. Die Sprache dieses Filmes sind einzig die Bilder. Welch wohltuende Kino-Essenz.

Im Schatten von Thomas Arslan, D 2010, 85 min. mit Mišel Matičević, Karoline Eichborn, Uwe Bohm u.a.
Seit Oktober 2010 in den Kinos, nur leider nicht (mehr) bei uns.

www.peripherfilm.de | www.heimspiel-filmfest.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Veranstaltungen vom 19. bis 25.11.2010

19. November 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 19. November 2010, 20.00 Uhr, Turmtheater, Am Watmarkt, Regensburg
Buchpremiere Barbara Krohn: Alltagsrettung. Nach Krimis gibt’s wieder kurze Prosatexte. Eintritt: 10/8 €
www.barbara-krohn.de | www.regensburgerturmtheater.de

Freitag, 19. November 2010, 20.30 Uhr, Buchhandlung Dombrowsky, Kassians-Pl., Regensb.
Der Zürcher Hansjörg Schertenleib liest aus seinem neuen Roman Cowboysommer, danach legt der Autor Musik der 70er Jahre auf. Eintritt: 8/6 €sublime1110
www.shertov.com | www.dombrolit.de

Freitag, 19. November 2010, 23.00 Uhr, Leerer Beutel, Regensburg
S | U | B | L | I | M | E Meets Lost Club, Regensburg meets München, Markus Guentner meets Marc Zimmermann, Eintritt: 5 €
www.sublime-music.de

19.11.2010-13.02.1011, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Markus Lüpertz. Mythos und Metamorphose
www.kunstforum.net

Samstag, 20. November 2010, 19.00 Uhr, konstantin b., Regensburg
Vernissage: Köpfe I Malerei und Objekte von Erich Gohl

Samstag, 20. November 2010, 20.00 Uhr, KunstvereinGRAZ, Regensburg
Smrt, tma a jiná strašidla / Tod und Dunkelheit und andere Gespenster. Tschechisch-deutscher literarischer Abend mit gelesenen, gesungenen und gespielten Texten von Mácha und Němcová bis Hrabal und Jirous und vielen anderen. Gelesen von Lucie Klárová, Christof Heinz und Jana Věžníková - im Rahmen der Bambini di PRA-HA-Ausstellung.
www.kunstvereingraz.de

Donnerstag, 25. November, 19 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Einführungsvortrag zur Ausstellung Markus Lüpertz. Mythos und Metamorphose, mit Dr. Andrea Madesta, Direktorin, 6/4 €

Donnerstag, 25. November 2010, 20.30 Uhr, W1, Weingasse, Regensburg
Mal wieder was Frisches im W1 und zwar aus dem HELL-Chiemgau: L’egojazz. Klingt wirklich sehr interessant…
legojazz.net | www.myspace.com/w1_regensburg

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„Landschaft wird zu Emotion“

17. November 2010 lweser Keine Kommentare

Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow stellen Eine Stadt wird erpresst (D 2007) beim Heimspiel-Filmfest in Regensburg vor und eröffneten damit die Werkschau Dominik Graf, Freitag, 12. November 2010, Akademiesalon im Andreasstadel

Kohle und Diamanten

Der Titel Eine Stadt wird erpresst erinnert zunächst an Fritz Langs Filmklassiker M. Eine Stadt sucht einen Mörder. Die Titel in denen die Stadt Subjekt ist, suggerieren ein Gemeinschaftsgefühl, einen festen Zusammenhalt der Einwohner der Stadt durch eine gemeinsame Bedrohung. Bei M durch die Angst um ihre Kinder. Bei Eine Stadt wird erpresst glaubt man zuerst dieses Gemeinschaftsgefühl bezöge sich auf die durch Bombendrohungen erpresste Stadt Leipzig, doch der Fokus des Filmes verschiebt sich im Verlauf in Richtung Gralwitz, einem Dorf am Rande des Braunkohletagebaus. Heuersdorf ist der Name des realen Drehortes. Heuersdorf gibt es heute nicht mehr, so wie Horno, Groß- und Klein Lieskow und viele weitere Dörfer im Osten, die vom hoch subventionierter Tagebau gefressen wurden.
Mehrere Spuren führen nach Gralwitz. Als einer der erpressten Diamanten dort gefunden wird, scheint sich der Verdacht zu bestätigen. In Günter Naumann (Thomas Neumann), dem Sponsor der heimischen Fußballmannschaft und Initiator des genossenschaftlichen alternativen Energiebetriebes, erkennt Kommissar Kalinke (Uwe Kockisch) den Vater eines vor zwanzig Jahren tödlich verunglückten Kindes. Kalinke wurde der Fall von der Staatssicherheit entzogen, woraufhin der prominente Schuldige durch Vertuschung unbestraft blieb. Diese tragischen Elemente des Filmes überfrachten ihn nicht, sondern geben ihm Tiefe. Kalinkes lakonische Erwiderungen auf den widerlichen Oberstaatsanwalt, der ihn einfach nur weg haben will oder (Jung-) Kommissar Ronny Banderes (Misel Maticevic) Stehgreif-Gesangseinlagen bei einem endlosen von dem Erpresser verordneten Im-Kreis-Fahren, lockern ihn auf. So ist Eine Stadt wird erpresst weit mehr als ein perfekter - weil von der ersten bis zur letzte Minute spannender - Krimi. Zudem profitiert er gleich von einer ganze Riege hervorragender Schauspieler. Neben bereits erwähnten zählen auch Julia Blankenburg als (Jung-) Kommissarin Maria Rogalla und Arved Birmbaum als Gesamteinsatzleiter.

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Aus dem Papierkorb zum vierfachen Grimmepreis

Im anschließenden Filmgespräch gaben Rolf Basedow und Dominik Graf Einblick in ihre Zusammenarbeit. Basedow und Graf kennen sich bereits seit der Filmhochschule. Seither arbeiten sie immer wieder zusammen. Zuerst führte Basedow ebenfalls Regie, später arbeite er als Cutter (auch für Graf) und dann als Drehbuchautor. Von den zwölf beim Heimspiel gezeigten Filmen Dominik Grafs, hat an gut der Hälfte Basedow mitarbeitet. Das Drehbuch für Eine Stadt wird erpresst schrieb Basedow eigentlich als SOKO Leipzig-Beitrag in Spielfilmlänge. Doch der vorgesehene Regisseur fand keinen Zugang dazu und so war das Drehbuch eigentlich schon fast im Papierkorb, als Basedow Graf das Drehbuch zeigte. Der Autor und sein Lieblings-Regisseur, der Regisseur und sein Lieblings-Autor. Nicht ohne Grund ist diese jahrelange Zusammenarbeit so fruchtbar und vielfach ausgezeichnet. Hier sprechen zwei die gleiche Sprache – auch ohne Worte. Beide, Basedow und Graf sind sehr sympathisch und bescheiden und immer geneigt den Beitrag ihres Kollegen über den eigenen zu heben.
Mit vier Preisen belohnte das Aldolf-Grimme-Institut in Marl Eine Stadt wird erpresst. Neben Drehbuchautor Rolf Basedow, Regisseur Dominik Graf und Hauptdarsteller Uwe Kockisch, erhielt auch Kameramann Alex Fischerkoesen 2008 den renommierten Fernsehpreis. Fischerkoesen unterstützt mit seiner Kameraarbeit ein Anliegen Grafs und Basedows, welches in Eine Stadt wird erpresst besonders deutlich wird und sie mit „Landschaft wird zu Emotion“ beschreiben. Kaum kann man den ausweglosen Kampf der kleinen Gemeinde gegen den übermächtigen nimmersatten Energiegiganten glaubwürdiger darstellen als hier. Der riesige Tagebau mit seinen monströsen Abraumbaggern, die zum Betrieb in einer Stunde mehr Energie verbrauchen als ein Vier-Personen-Haushalt in einem Jahr. An seinem Rande ein doppelt zum Sterben verurteiltes Dorf.

Eine Stadt wird erpresst ist übrigens neben Dem Skorpion als weiterer Dominik Graf Film, in der SZ-Cinemathek “Deutsche Thriller” auf DVD erschienen. Die drei letzten Folgen der aktuellen Graf/Basedow-Krimiserie Im Angesicht des Verbrechens laufen am 19. November 2010 ab 21.45 Uhr in der ARD. Und das beste kommt wie immer zum Schluß: am Mittwoch, den 17. November, um 16.30 Uhr im Kino Wintergarten wird Domink Graf erneut auf den Heimspiel-Filmfest anwesend sein. Eine Stunde lang heißt es dann IM GESPRÄCH - Domink Graf. Der Eintritt ist übrigens frei! Im Anschluss laufen noch zwei Filme der Dominik Graf-Werkschau.

www.heimspiel-filmfest.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Super Start für Heimspiel 2010 in zwei ausverkauften Kinos

13. November 2010 lweser Keine Kommentare

Heimspiel. Das Festival des deutschen Films - Eröffnung mit Benjamin Heisenbergers Der Räuber am 11. November 2010 in den Kinos im Andreasstadel

Das fängt ja gut an - um nicht zu sagen: Das fängt ja super an! Wegen des großen Andrangs wurde der diesjährige Eröffnungsfilm des Heimspiel-Filmfestivals gestern kurzerhand in zwei statt in einem Kino gezeigt. Festivalleiter Sascha Keilholz übernahm die Eröffnung im Wintergarten und Festivalveranstalter Medard Kammermeier im kleinen DVD-Kino im Akademiesalon. Aber eröffnet hat das Festival in Wirklichkeit Alexandra mit dem Song „Sehnsucht - das Lied der Taiga“. Medard Kammermeier ist nämlich nicht nur „Ein grummiger, älterer Herr mit wenig Haaren“, sondern auch mit Humor. An einem Holzpfosten neben der Kasse hängt immer das Cover der Platte, die Herr Kammermeier vor seinen Vorführungen spielt. (Beim nächsten Mal einfach darauf achten.)

Das diesjährige Heimspiel hat ein geringeres Budget, als das des letzten Jahres. Bemerkenswert, dass die Qualität des Programms und die Anzahl der Gäste, nicht hinter dem des letzten Jahres zurückbleiben. Im Gegenteil, was die Anzahl der Veranstaltungen und die der Gäste betrifft übertrifft das diesjährige Festival das letztjährige sogar. Das Institut für Medienwissenschaft unterstützt das Filmfest mit einem Praxisseminar. So besteht das Team vor allem aus Studenten.

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Der Räuber von Benjamin Heisenberg wurde mit Preisen und Lob nur so überhäuft. In Regensburg lief der Film zwei Wochen lang in der Filmgalerie, vermutlich vor ebenso wenigen Besuchern, wie in ganz Deutschland. Ein Phänomen, das die Festivalveranstalter bereits im Vorfeld ansprachen. Dabei ist Der Räuber wirklich sehenswert.

Johann Rettenberg (Andreas Lust) ist Marathonläufer und Bankräuber. Der Film basiert auf einen Roman von Martin Prinz nach dem wahren Fall des Johann Kastenberger im Österreich der 70er und 80er Jahre. Nachdem Rettenberg nach sechs Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat er nur ein Ziel: laufen – ob beim Marathon oder beim Banküberfall, ist zweitrangig. Er ist ein Getriebener, der keine sozialen Bindungen einzugehen vermag.
Das macht die erste Hälfte des Filmes etwas langatmig. Rettenberg trainiert allein, redet mit keinem, sein Gesicht ist ausdruckslos, selbst der Sex (mit einer früheren Bekannten, bei der er vorübergehend wohnt) wirkt wie ein Trainingsprogramm. Doch spätestens ab seiner Flucht, entfaltet der Film einen atemlosen Sog, der seine volle Wirkung nicht zuletzt der beeindruckenden Kameraarbeit von Reinhold Vorschneider verdankt, der übrigens auch Thomas Arslans Im Schatten, der ebenfalls beim Heimspiel läuft, fotografierte. Nachdem Rettenberg die ganze Nacht auf der Flucht war, glaubt man ihn in der Morgendämmerung in Sicherheit. Doch weit gefehlt: ein Hundebellen ist zu hören und ein kleiner Lichtschein im Wald. Man ist ihm also auf den Fersen. Plötzlich sind zwei, dann drei und immer mehr
Lichtpunkte zu sehen, bis der gesamte umliegende Wald damit übersät ist. Erst breitet sich Angst, dann Panik, dann Resignation aus – bei Rettenberg ebenso wie beim Zuschauer. Doch das Ende kann noch hinausgezögert werden. Die Hundertschaften ziehen an ihm vorbei, wie später, als hunderte Polizeiwagen auf der Autobahn an ihm vorüberziehen, da Rettenberg bereits ein neues, der Polizei noch unbekanntes Auto gestohlen hat. Rettenberg, der durch den Schlafentzug und eine Wunde, die ihm eine Geisel mit einem Taschemesser zugefügt hat, immer schwächer wird, verblutet langsam auf dieser Fahrt. Hervorragend ist auch hier die Kameraarbeit. Rettenberg und das Bild wird immer blasser, während blitzlichtartig dunkle Bilder seiner Freundin, zu einer bedrohlichen Musik, aufscheinen, dazu die monotone Bewegung der Scheibenwischer. Der Tod streckt seine Hand aus, das Bewusstsein geht und das Unterbewusstsein bahnt sich seinen Weg. Das Auto wird stetig langsamer bis es auf dem Seitenstreifen zum Stehen kommt. Das wäre ein schöner Schluss: nur die Scheibenwischer setzen erbarmungslos ihre monotone Bewegung fort. Doch leider muss Retteberg am Ende seine Freundin anrufen. Sie weint, während er verblutend nur noch unverständliche Worte von sich gibt. Eine Bekehrung dieses im ganzen Film emotionslosen Menschen? Ein bisschen Romantik? Ein kleines Happy End? Vielleicht wäre das vorher geschilderte Ende das überzeugendere und konsequentere gewesen.

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www.derraeuber.de | www.heimspiel-filmfest.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Veranstaltungen vom 12. bis 18 November 2010

11. November 2010 lweser Keine Kommentare

heimspiel2010
11.-17. November 2010, Kinos im Andresstadel, Regensburg
Heimspiel. Das Regensburger Filmfest
Eintritt: Einzeltickets: 7 € / 5 €, Dauerkarte: 45 € / 30 €
Unsere Tipps:
Donnerstag, 11. November 2010, 20.00 Uhr, Wintergarten, Eröffnung mit dem Film: Der Räuber von Benjamin Heisenberg, A / D 2010
Freitag, 12. November 2010, 20.30 Uhr, Akademiesalon, Eröffnung Werkschau Dominik Graf mit ihm und seinem Film Einen Stadt wird erpresst
Samstag, 13. November, 16.30 Uhr, Wintergarten, Vortrag und Diskussion: Quality TV und Kino - Ein deutsches Dilemma? Mit den Gästen Herbert Schwab, Oliver Schwabe, Jan Bonny, Christoph Bach, Rolf Basedow; Eintritt: frei
Dienstag, 16. November, 16.30 Uhr, Wintergarten, Vortrag Prof. Thomas Elsässer. Das Filmwerk als Standort und Netzwerk… ; Eintritt: frei
Mittwoch, 17. November, 16.30 Uhr, Wintergarten, Im Gespräch Dominik Graf; Eintritt: frei
Mittwoch, 17. November, 21.00 Uhr, Wintergarten, POLL von Chris Kraus, D 2010
Alles unter www.heimspiel-filmfest.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Freitag, 12. November 2010, 19.00 Uhr, ArtAffair, Neue-Waag-Gasse, Regensburg
Vernissage: Pure Painting II, mit Arbeiten von Kasia Blekiewicz, Anna Bocek, Ralf Koenemann, Jörg Schemann. Was bei Pure Painting I los war, kann man bei uns nachlesen. Die Ausstellung geht bis 23.01.2011.
www.art-affair.net

Samstag, 13. November 2010, 20.00 Uhr, KunstvereinGRAZ, Schäffnerstr., Regensburg
Rayk Amelang und Nadja Plagens präsentieren Bambini di PRA-HA - Malerei aus Prag, mit Werken von Ales Brazdil, Jakub Hubalek, Martin Krajc & Jan Mraz. Einführende Worte spricht Anette Loy. Die Ausstellung geht bis 04.12.2010.
www.kunstvereingraz.de

Samstag, 13. November 2010, 21.00 Uhr, Büro, Keplerstr., Regensburg
Besuch aus Österreich: Hauk. Das Trio aus Wiener Neustadt macht Dialekt-Folk mit viel Quetsch’n und Gitarre ohne wirklich wie STS zu klingen. Ein Glück!
www.haukmusik.at | www.buero-regensburg.de

Dienstag, 16. November 2010, 20.30 Uhr, Buchhandlung Dombrowsky, St.-Kassians-Platz, Regenburg
Der Verleger Klaus Wagenbach wurde im Juli 80 Jahre alt. Heute gibt es einen Vortrag und Gespräch mit dem Titel Die Freiheit des Verlegers über ein langes und erfolgreiches Verlegerleben. Eintritt: 8 € / 7 €
www.dombrolit.de | www.wagenbach.de

Mittwoch, 17. November 2010, 19.30 Uhr, Stadtbücherei, Haidplatz, Regensburg
Buchvorstellung und Lesung: Harald Grill Gehen lernen. Dicky Dick-Dickens und Lurchi-Hefte in Regensburg. Eintritt: frei
www.haraldgrill.de

Donnerstag, 18. November 2010, 20.00 Uhr, Kinos im Andresstadel, Regensburg
Im Rahmen der Reihe Cinoche zeigt Marianne Mion heute La mariée était en noir / Die Braut trug Schwarz* (1968) vom Truffaut avec la belle, la magnifique, l’inégalable Jeanne Moreau. Natürlich auf französisch mit französischen Untertitel.
www.kinos-im-andreasstadel.de

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Lohrbuchpräsentation heute im Goldenen Fass

11. November 2010 lweser Keine Kommentare

Hörbuch: “Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren.”

Nach der Hörbuchanthologie Das Leben ist zum Verrücktwerden schön. Böhmische Geschichte literarisch herausgegeben von Arthur Schnabl aus dem Jahr 2007, erscheint jetzt eine weitere Anthologie mit Literatur aus und über eine tschechische Region, diesmal aus Mähren. Wieder wurde sie von Arthur Schnabl zusammengestellt und herausgegeben, wieder erscheint sie im Regensburger Lohrbär-Verlag.

Mähren, der kleine Bruder Böhmens, wird oft übersehen. Dabei stammen nicht wenige berühmte Persönlichkeiten aus dem östlichen Drittel der tschechischen Republik. Kürzlich gab es zu diesem Thema auch eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Regensburg. Ferdinand Porsche und Sigmund Freund, sowie der Pionier der Vererbungslehre, der Augustinermönch Gregor Mendel stammen aus Mähren. Doch von ihnen gibt es keine Texte auf diesem “Sampler”. Und auch nicht von Milan Kundera, der wohl nicht wollte. Dafür können wir Texte von Marie von Ebner Eschenbach, die in Mähren geboren wurde, hören, von Robert Musil, der in Brün aufwuchs, von Peter Härtling, der in Olmütz zur Schule ging, von Jan Skácel, Joseph Roth, Hermann Ungar, Ota Filip, Erica Pedretti, Jiri Krachtovil und Rainer Kunze.

Lenka Hubácková und Arthur Schnabl lesen die Texte. Musikalisch werden sie von Sepp Frank mit Akkordeon und Bass unterstützt.

maehrenlohrHeute, Donnerstag, den 11. November 2010 um 20.00 Uhr wird im Goldenes Fass (Spiegelgasse) in Regensburg das Hörspiel präsentiert. Der Eintritt ist frei.

Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren

Arthur Schnabel (Hrg.)

2 CD, 148 min, mit 8-seitigem Booklet

17,90 €

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www.lohrbaerverlag.de | www.goldenes-fass-regensburg.de