Rocking Trash
Premiere: Richard O´Briens The Rocky Horror Show, Inszenierung: Axel Stöcker, Choreographie Amy Share-Kissiov im Velodrom Regensburg, 26. Februar 2011
Die Handlung der Rocky Horror Show dürfte hinreichend bekannt sein. Janet und Brad landen nach einer nächtlichen Autopanne in einem Schloss in dem transsexuelle Außerirdische unter Leitung des Frank´N Furter (in Anlehnung an Frankenstein) ihre Spiele treiben. Sie kommen gerade richtig zur Feier seiner größten Schöpfung: sein Retorten-Lustknabe Rocky ist fertig. Vorher muss er aber noch seinen alten Liebhaber Eddie beseitigen. Trash in Reinform, eben.

Bei der Regensburger Inszenierung wurden fast alle Rollen durch Ensemblemitglieder besetzt. Durch Mitglieder sowohl des Schauspiel-, als auch des Musiktheater-Ensembles. Die Ausnahme bilden Markus Engelstädter (ein recht blasser Eddie) und Randy Diamond (ein Frank N´Furter, wie man ihn sich nicht besser wünschen kann). Frank und Brad sind jeweils doppelt besetz – einmal mit einem Schauspieler, einmal mit einem Sänger. Bei der Premiere am Mittwoch spielten jeweils die Sänger die Rolle. Randy Diamond, dessen Name tatsächlich so klingt als wäre er extra für ein Schwulenporno oder eben für die Rock Horror Show gewählt, hat in der letzten Spielzeit Dr. Jekyll und Mister Hyde gespielt, was darauf schließen lässt, dass es sich wohl um seinen richtigen Namen handelt. Die Alternativbesetzung ist Oliver Severin. Julia Baukuss überzeugt (wie auch schon im Blauen Engel) als Janet auf ganzer Linie. Cameron Becker als Brad knödelt bei den Sprechpassagen ein bisschen. Oder liegt es an seinem amerikanischen Akzent? Aber den hat Randy ja auch. Die Zweitbesetzung für Brad ist Daniel Tille, der kurzfristig und äußerst charmant den erkrankten Michael Heuberger als Erzähler vertrat. Die Schauspielerinnen Johanna König und Gabriele Fischer geben die Dienerinnen Columbine und Magenta, der Sänger Michael Berner den Diener Riff-Raff. Der Schauspieler und ehemalige Domspatz Miko Greza ist Dr. Scott. Die Titelrolle des Rocky wird von dem seit 2008/2009 zum Ensembel gehörenden Markus Hamele verkörpert.
Zum Bühnenbild gehörte am Anfang ein echtes Auto, aus dessen Front-Kofferraum der Erzähler das Geschehen kommentierte. Sonst ist die Bühne einfach und funktional. Die zweiteilige Showtreppe ermöglicht es die Transylvanianier dekorativ und wirkungsvoll zu choreographieren und zu inszenieren. Freilich, erinnert das zuweile an Ein Kessel Buntes. Aber schließlich hat eine durchschnittliche Volksmusik-Show heute auch mehr Horror-Elemente als die von Rocky und seinen Freunden. Wer aber geglaubt hat, dass The Rock Horror Show (immerhin hat sie auch fast vierzig Jahre auf dem Buckel) mittlerweile doch nur alte Kamellen sind, hat die Rechung ohne dieses spielfreudige Ensemble und ohne die Zuschauer gemacht. Hier wird einfach alles gegeben. Die Inszenierung ist temporeich und dynamisch, bunt und schrill, hat vielleicht einige Genitalgriffe zu viel… aber was soll´s. Wer will denn hier wem den Spaß verderben. Besser kann die Original-Inszenierung auch nicht gewesen sein. Also: hin gehen und einfach Spaß haben!
Übrigens: Alle Zuschauer, die das erste Mal eine Rocky Horror Show erleben, sollten sich die Kulthandlungen auf Wikipedia durchlesen.
Richard O´Brien: The Rocky Horror Show, Inszenierung: Axel Stöcker, Choreographie Amy Share-Kissiov, musikalische Leitung der Piu Piu Band: Gelsomino Rocco
Weiter Termine: 30./31. Januar, 1./2./3./6./14./15./16./17./18./21.26. Februar, 16./17./23./24./26. März, 10./11. April, 18./25./26. Juni 2011


Freitag, 21. Januar 2011, 23.00 Uhr, Leerer Beutel, Bertoldstraße, Regensburg

