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Archiv für Juli, 2011

Die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts in einer Person: Ré Soupault

30. Juli 2011 lweser Keine Kommentare

Ausstellung: Ré Soupault. Eine Künstlerin im Zentrum der Avantgarde, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg

Leben: Aus Pommern um die Welt

Ré Soupault wurde 1901 als Meta Erna Niemeyer in Bublitz/Pommern geboren. Sie studierte von 1921 bis 1925 am Bauhaus in Weimar. Ihre Lehrer waren unter anderem Walter Gropius, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten und Oskar Schlemmer. Sie arbeitete von 1923 -1924 für den Avantgartfilmer Viking Eggeling an dessen Film Diagonal- Symphonie. re-soupault-transformationskleid
1926 heiratete sie den Dadaisten Hans Richter. Als Renate Green oder Re Richter arbeitete sie als Modejournalistin, später als Mode-Designerin mit eigenem Label. 1933 lernte sie Phillipe Soupault, den Mitbegründer der französischen Dada- und Surrealistenbewegung kennen, den sie 1937 heiratete. 1934 begann sie zu fotografieren und die Reportagen Philippe Soupaults zu bebildern. Sie wurde selbst Journalistin, Schriftstellerin und Fotografin. Zusammen mit ihrem Mann lebte Sie in Tunis. Dort entstanden unter anderen Berichte und Fotoreportagen über Frauen aus dem „Quartier réservé“. Aus Tunis konnten sie 1942 in letzter Minute vor den Nazis und den Vichy-Schergen unter Zurücklassen alle ihrer Habe (darunter Rés komplette Fotoausrüstung und Negative) fliehen. Sie lebten in New York und Paris, kamen durch die ganze Welt. Sie arbeitete als Übersetzerin, Filmemacherin und Journalistin. Übersetzte vor allem auch die Arbeiten ihres Mannes, von dem sie eine Zeit lang getrennt lebte. 1988 tauchen ihre verlorengegangen geglaubten Negative aus den Jahren 1933-1942 wieder auf. Der Fotoband Eine Frau allein gehört allen. Fotos aus dem „Quartier réservé in Tunis“ erschien, gefolgt von einer Ausstellung in Heidelberg und Krefeld. 1990 starb Philippe Soupault in Paris. Bis auch Ré Soupault 95jährig 1996 in Versailles starb folgten weiter Ausstellungen.
Sie bestimmte Manfred Metzner als ihren Nachlassverwalter, der ihr Leben und Werk bis heute aufarbeitet und in zahlreichen Ausstellungen präsentiert.

Werk und Wirken: Im Schatten

Das Leben der Fotografin, Journalistin, Mode- und Filmmacherin gäbe Stoff genug für einen spannenden Roman. Sie bewegte sich im Inneren der Avantgarde-Bewegung. Kam mit Sergej Eisenstein, Kurt Schwitters, Gisèle Freund, Man Ray, André Kertesz, Erich Maria Remarque, Karl Jaspers, André Breton, Max Ernst, Tristan Tzara, und vielen Anderen zusammen. Dennoch blieb sie stets im Schatten. Im Schatten wovon? Ihrer männlichen Kollegen? Ihres Mannes? Immerhin übersetzte sie seine Bücher, was ihr eigenes künstlerisches Schaffen während dieser Zeit verhinderte. Ein Vergleich von Satre und de Beauvoir will sich aufdrängen. Doch ob dem wirklich so war, bleibt zu untersuchen. Ihr Nachlass ist jedenfalls noch lange nicht vollständig ausgewertet.

Zu Ausstellung und Katalog

Bereits 1999 war in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg und in der Kunsthalle Mannheim eine Fotoausstellung von Rés Tunis-Aufnahmen zu sehen. Nun kommt wieder eine Ausstellung ihrer Werke aus Mannheim zu uns. Dadurch kehrt auch die ehemalige Direktorin der Ostdeutschen Galerie Ulrike Lorenz wieder nach Regensburg zurück. Sie konzipierte und kuratierte gemeinsam mit Manfred Metzner und Inge Herold die Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim, die alle Bereiche Ré Soupaults Schaffens beleuchtet. Ergänzt wird Rés Werk durch die Arbeiten ihrer Weggefährten.
So sind Arbeiten von Vertretern des Bauhauses, die künstlerisch oder privat mit Ré verbunden waren, in der Schau vertreten. Es sind zwei Versionen der Diagonal-Symphonie zu sehen. Sehr interessant ist der Verbleib des Filmes nach Eggelings Tod. Das Buch zur Ausstellung beleuchtet dies ausgiebig, ebenso wie das unrühmliche Verhalten Hans Richters, nicht nur im Zusammenhang mit Eggelings Film.
Ein recht umfangreiches Konvolut an Fotos der bedeutendsten Fotografen der 20er und 30er Jahre (zum Teil Originalabzüge, zum Teil Neue) versammelt die Ausstellung. Besonders hoch ist der Anteil der Fotografinnen in dieser Zeit. So sind neben Man Ray, André Kertesz, Umbo (Otto Umbehr) und Henri Cartier-Bresson, vor allem Frauen wie Germaine Krull, Florence Henri, Marianne Breslauer, Lotte Jacobi, Lucia Maholy, Ilse Bing, Gisèle Freund mit zahlreichen Fotos vertreten. Das interessanteste Kapitel von Rés eigenen, fotografischen Schaffen ist zweifelsohne die bereits erwähnte Serie aus dem „Quartier réservé“ in Tunis. Als erste Frau gelang es ihr sowohl eine Genehmigung zum Besuch, als auch zum Fotografieren des abgegrenzten Viertels, in dem von der islamischen Gesellschaft verstoßene Frauen lebten, zu erhalten.
Die Arbeit als Modeschöpferin ist unter anderem mit dem Nachbau ihres Transformationskleides, sowie mit einer Neuinterpretation von Dorothee Schumacher aus dem Jahr 2010 vertreten. Man Ray fotografierte übrigens sowohl die Ré-Sport Kollektion, als auch Ré privat.
Ré Soupaults Arbeit als Journalistin, Autorin und Übersetzerin ist ein weiteres Kapitel der Ausstellung gewidmet. Es sind einigen Originalmanuskiptseiten zu sehen, sowie Tonbeiträge zu hören. Der Katalog vertieft auch hier.

Der Katalog zur Ausstellung, ist mit 265 Seiten und zahlreichen Abbildungen sehr umfangreich und ebenso hervorragend gegliedert und sorgfältig erarbeitet, wie die Ausstellung selbst. Er ist optisch, wie inhaltlich wertvoll und nicht nur Ré Soupault-Begeisterten zu empfehlen, sondern allen, die sich für die Avantgarde-Bewegung im allgemeinen interessieren.

Die Ausstellung Ré Soupault. Eine Künstlerin im Zentrum der Avantgarde ist noch bis 04. September 2011 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg zu sehen.
www.kunstforum.net

 

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Ré Soupault
Eine Künstlerin im Zentrum der Avantgarde

Herausgeber: Inge Herold , Ulrike Lorenz , Manfred Metzner

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Verlag Das Wunderhorn, 2011

264 Seiten. Klappenbroschur

29,80 €

www.wunderhorn.de

Festivalzeit: Bayreuth, Bregenz, Salzburg oder…

28. Juli 2011 lweser Keine Kommentare

29. - 31. Juli 2011, Nürnberg
Bardentreffen, u.a. mit den Lokalmatadoren WrongKong, den münchner Japanern Coconami und Spanien-/Latin-Schwerpunkt. Und noch immer for free!
www.bardentreffen.de

29. - 31. Juli 2011, Badesee St. Agatha, Riedenburg
10 Jahre Agratamagatha und seit zwei Jahren für 5,00 €. Mit Nice Guy Eddie, Marble Man, Bassline Paranoia, und, und, und
www.agratamagatha.de

29. - 30. Juli 2011, Jahninsel, Regensburg
Jahninselfest, einen Monat später als gewohnt, aber noch da mit u.a. Texta, Brushes Held Like Hammers, Skaos, The Prosecution… 14 Euro für zwei Tage, 8 für einen
www.jahninselfest.de

Freitag, 29. Juli 2011, 20.00 Uhr, Kunstverein GRAZ, Schäffnerstr., Regenburg
Zum Anschluss der Ausstellung Westpakete - Kaffeekunst, Strumpfhosenmalerei, D-Markcollagen, Familienfotos werden alle Kunstwerke (60-80) von Christoph Maltz versteigert. Besser als ebay!
www.kunstvereingraz.de

Freitag, 29. Juli 2011, 20.00 Uhr, Turmtheater, Am Watmarkt, Regenburg
Premiere: Traumfrau verzweifelt gesucht. Komödie von Tony Dunham, Regie: Thomas Arlt, mit Anne Clausen und Tobias Ostermeier
weitere Vorstellungen: am 30. und 31. Juli sowie ab 11. August
www.regensburgerturmtheater.de

Samstag, 30. Juli 2011, 17.00-…Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Die Blaue Nacht“ heißt jetzt Nacht in blau. Sonst bleibt alles gleich. Es gibt wieder Kurzführungen, Musik, Theater, Lesungen und Artistik
www.kunstforum.net

Samstag, 30. Juli 2011, 23.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg
Bedevilled (ROK 2010,Jang Cheol-Soo) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: ab 18 Jahren. Weitere Infos zur Reihe:
hardline.blog.de

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101 Jahre Phantom der Oper

27. Juli 2011 lweser Keine Kommentare

Phantom der Oper – Musical Gala, Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2011, Regensburg
mit: Ethan Freeman (Phantom), Beatrix Reiterer (Christine), Nikolaj Alexander Brucker (Raoul), Sonja Kirchberger (Erzählerin);
vermutlich Neues Sinfonieorchesters Berlin & Chor, musikalische Leitung: Gregor Dubuclet

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Gaston Lerouxs Schauerroman Le Fantôme de l´Opéra erschien 1910 und wurde sofort zum großen Erfolg. Schon 1925 verfilmte Rupert Julian den Stoff. Der Film wurde zum Klassiker des Genres und löste eine ganze Gruselfilmwelle aus. Bereits 1929 wurde der Film mit einer Tonspur unterlegt. Es folgten weitere Verfilmungen, Bühnebearbeitungen und literarische Adaptionen. 1984 hatte Ken Hills Musicalversion Uraufführung, die auf Opernauszüge von Mozart, Offenbach und Gounod basiert. Arthur Kopid und Maury Yeston schufen nach Lerouxs Stoff (noch vor Lloyd-Webber) das Musical Phantom, das wegen urheberrechtlicher und finanzieller Probleme aber erst 1991 in Houston uraufgeführt wurde. Andrew Lloyd-Webbers Musical-Version The Phantom of the Opera feierte hingegen schon 1988 in London Premiere und ist mittlerweile die bekannteste Adaption des Stoffes und Lloyd Webbers erfolgreichstes Werk.

Anlässlich des hundertsten Geburtstages (im Jahr 2010) des Romans von Leroux, gibt es nun also die Musical-Gala mit den bekanntesten Songs sowohl von Lloyd-Webber, als auch von Yeston und Hill, teilweise in englischer, teilweise in deutscher Version. Trotz Erzählerin (eine recht unkonzentrierte, wenig überzeugende Sonja Kirchberger als Marie Dupont, der Enkelin Lerouxs) wirkte das ganze etwas konfus und arg zusammengestückelt. So wurden auch Songs aus Love never dies, dem Phantom-Fortsetzungsstück von Andrew Lloyd-Webber von 2010 ganz zusammenhanglos eingeschoben. Das Bühnenbild bestand hauptsächlich aus drei Leinwänden, auf die einfallslose Fotos im Stile von Glückwunschkarten in Wechsel mit Paris-Bildern projiziert wurden. Die zurückhaltende Illumination, die die Fassade des Schlosses mit einbezog hätte eigentlich genügt. Die hochkarätige Besetzung brilliert stimmlich, muss sich darstellerisch aber beschränken. Das angedeutete Spiel ist im Duell des Phantoms und Rauls am witzigsten eingesetzt. Ethan Freeman als Phantom, sowie Nikolaj Alexander Brucker als Raoul überzeugten gesanglich auf ganzer Linie. Beatrix Reiterer meistert die Partie der Christine, die das gesamte stimmliche Spektrum erfordert, meisterlich. Das Publikum dankte Dirigent Gregor Dubuclet und dem Orchester als diese nach der Pause, Jacques Offenbachs „Can Can“ mit komödiantischer Einlage von Dubuclet einschmuggelten, mit größten Applaus. Dieser Einschub kam so gut an, dass am Ende Zugabenrufe den „Can Can“ erneut forderten. Eine Bitte, die prompt erfüllt wurde. Die zweite Zugabe bestand dann aus einer Zusammenfassung der Gala, in der die größten Hits nochmals komprimiert dargeboten wurden.

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Das Dschungelbuch bei den Regensburger Schlossfestspielen

26. Juli 2011 sgruen Keine Kommentare

Griechische Uhren im indischen Dschungel

(Sigrid Grün)

Die Tribüne im Innenhof des fürstlichen Schlosses war komplett gefüllt, als am Sonntag Vormittag Christian Berg die großen und kleinen Zuschauer durch den Dschungel führte. Doch wo ist dieser Dschungel überhaupt, wollte der gewitzte Erzähler gleich zu Beginn der Vorstellung wissen. “Afrika!”, “Indien!” und “Australien!”, kamen die Rufe aus dem Publikum - letzteres quittierte Berg schlagfertig mit dem Kommentar: “Australien? Wohl zu viel Dschungelcamp geguckt!” Die Zuschauer durften schließlich per Applaus abstimmen und verorteten die Szene richtig in Indien.

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Und dann ging es richtig los: Mogli, das Menschenjunge wächst im Dschungel auf. Als sich der Tiger Shir Khan ankündigt, der dem kleinen Menschen nach dem Leben trachtet, wird beschlossen, dass Mogli aus dem Dschungel raus, in eine Menschensiedlung am Rande des Urwalds muss. Panter Baghira soll diese Aufgabe übernehmen. Doch was ist eine Menschensiedlung überhaupt? Der Erzähler holt ein Kind aus dem Publikum. Leider kann der erste Junge den Begriff vor lauter Aufregung nicht erklären - oder vielleicht wollte er einfach nur mal auf der großen Bühne sitzen. Der zweite Junge weiß es dann zum Glück und verrät auch noch seine Adresse dazu.

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Doch Mogli will nicht in die Menschensiedlung. Er liebt den Dschungel, denn hier ist seine Heimat. Auf seiner Reise durch den Dschungel begegnet er dann den witzigsten und gefährlichsten Tieren des Urwalds: Dem Elefantenkind Duda, dem Affenkönig Kind Louie, der Riesenschlange Kaa und natürlich dem gemütlichen Bären Balu, der Mogli von der Hektik der Menschen erzählt und ihm erklärt, was eine Uhr ist. Prompt möchte der Erzähler wissen, wer von den anwesenden Kindern eine Uhr hat. Ein Junge aus dem Publikum kommt auf die Bühne. Wer er sei, woher er komme und woher er die Uhr habe, möchte Berg wissen. “Aus Griechenland!”, antwortet der kleine Jonas und Christian Berg freut sich. “Oh, das ist aber toll! Wenn wir das alle machen würden, hätten wir ein Problem weniger!” Schließlich bedankt er sich noch für den Gag.

Und dann trifft Mogli endlich auf den bösen Shir Khan. Doch natürlich siegt das Gute über das Böse - Mogli zieht den Tiger damit auf, dass er keine Freunde hätte, holt sich die Bestätigung vom Publikum. Hier wird der böse Tiger richtig fertig gemacht und alle spotten mit. Eine Szene, die vielleicht nicht ganz nett ist, immerhin wird hier demonstriert, wie die Masse einen Einzelnen durch Spott und Häme zu Fall bringen kann.

Am Ende geht Mogli dann doch mit dem Menschenmädchen mit in dessen Dorf. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

“Das Dschungelbuch” in der der Bearbeitung von Christian Berg und Konstantin Wecker kam gut an beim Publikum, obgleich es sich gegen Ende etwas in die Länge zog und man immer mehr Kinder fragen hörte: “Wie lange dauert’s noch?”

Christian Bergs etwas klamaukiger Humor war auch nicht unbedingt allen Zuschauern zugänglich. Welcher 5-jährige kennt schon das Dschungelcamp? Und warum ist eine Uhr aus Griechenland eine feine Sache? Manche Fragen blieben offen. Auch der Affenkönig King Louie, der “voll konkret” herumprollte, war wohl eher für etwas größere Kinder (vielleicht) lustig.

Das Stück war trotzdem ein großer Erfolg und die kleinen und großen Zuschauer hatten einen Heidenspaß - auch wenn sie vielleicht nicht an den gleichen Stellen lachten. Die Leistung der nur 5 (!) Schauspieler und Sänger war beachtlich und die von Konstantin Wecker komponierten Songs - allen voran natürlich der “Dschu-Dschu Song” - sind einfach Ohrwürmer.

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Martin Grubinger bei den Regensburger Schlossfestspielen

26. Juli 2011 sgruen Keine Kommentare

Eine rhythmische Reise um die Welt

(Sigrid Grün)

Wer den österreischischen Multipercussionisten Martin Grubinger (noch) nicht kennt, sollte das auf alle Fälle ändern, denn der 28-jährige Ausnahmeschlagzeuger hat den Rhythmus einfach im Blut.
Am vergangenen Sonntag schaffte er es gemeinsam mit seinen nicht weniger begabten Mitstreitern (Martin Grubinger & friends) auf alle Fälle, das Publikum der Schlossfestspiele in rasende Begeisterung zu versetzen. Der Applaus, die Begeisterungsrufe und das Füßetrommeln waren stellenweise beinahe so frenetisch wie die Performance, die man eigentlich gesehen haben muss - in Worten lässt sich der Zauber eigentlich nicht zusammenfassen.

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Martin Grubinger ist viel mehr als ein Musiker, in seiner Konzentration und seiner Körperlichkeit wirkt er eher wie ein Zeremonienmeister, wie ein Zauberer, der in der kraftvollen Klangperformance vollkommen aufgeht. Dabei ist er kein bisschen arrogant oder verschroben. Charmant und voller Begeisterung erzählt er zwischen den Stücken von den Rhythmen, den Komponisten, den Besonderheiten und stellt seine Kollegen vor. Kurz: Der junge Ausnahmemusiker ist einfach durch und durch sympathisch. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus der ganzen Welt, spielte er Percussionstücke von allen Kontinenten. Afrikanische, südamerikanische und australische Rhythmen sorgten dafür, dass den Zuhörern in dieser kalten Regensburger Julinacht warm wurde.
Wie ein Klangkaleidoskop schillerten die Stücke in allen nur erdenklichen Farben. Salsaklänge und Afrikanische Rhythmen wechselten sich mit zeitgenössischen Stücken, etwa von Iannis Xenakis (1922-2001), dem “Schutzheiligen der Percussionisten” (Grubinger) ab.
Klavier, E-Gitarre und Bläser unterstützen die Percussionisten Sabine Pyrker, Rainer Furthner, Ismael Barrios, Martin Grubinger und seinen ehemalige Lehrer Leonhard Schmidinger bei mehreren Stücken.
Spätestens bei der Zugabe konnte man sich sicher sein: Grubinger muss ein Zauberer sein! So mühelos kann kein normaler Musiker das vollbringen, was der Percussionist hier zeigte.
Ein unglaublich vielfältiger Abend! Man kann nur hoffen, dass Martin Grubinger noch öfter in Regensburg zu Gast sein wird!
Wer noch nie in den Genuss eines Live-Konzertes von Grubinger & Friends gekommen ist, hat wirklich etwas verpasst!

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Ein gekürzter Jedermann, volkstümlich und rustikal

22. Juli 2011 lweser Keine Kommentare

Hugo von Hoffmannsthal: Jedermann, Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2011, Regensburg
mit Gudrun Landgrebe, Christine Neubauer, Peter Willy Willmann, …

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Hugo von Hoffmannsthals Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes war bereits zu seiner Erstaufführung 1911 ein Anachronismus. Ein Mysterienspiel in Knittelversen wie im Mittelalter, aber schwer vereinbar mit einer Zeit des Aufbruchs, dem Höhepunkt der Moderne, der Zeit von Bauhaus und Dada. Auf mittelalterliche Vorlagen griff Hoffmannsthal tatsächlich zurück. Auf eine englische Bearbeitung einer anonymen Moralität The Someonynge of Everyman (Erstdruck 1509), sowie auf Hans Sachs Comedi von dem reichen sterbenden Menschen, der Hecatus genannt aus dem Jahr 1549. Das alles (wie einige weitere) sind Bearbeitungen eines Stoffes, der auf das 12. Jahrhundert zurückgeht. Hoffmannsthal übernahm den allegorischen Charakter der Vorlage. Es treten der personifizierte Mammon, die „Guten Werke“, sowie der Tod auf. Auch Gott und Teufel erhalten ihren Auftritt.
Max Reinhardt war Regisseur sowohl der Uraufführung 1911 in Berlin, als auch der Wiederaufführung 1920 auf dem Salzburger Domplatz, als Herzstück der damals von ihm mitgegründeten Salzburger Festspiele. Somit war er wohl maßgeblich für den Erfolg des Stückes mitverantwortlich. Nicht von ungefähr erinnert das Ganze übrigens an die Oberammergauer Passionsspiele. Hoffmannsthal nannte sie explizit als Vorbild.

Peter Willy Willmann, Hauptdarsteller und Regisseur der Aufführung der Schlossfestspiele, die auch 2004 hier schon einmal zu Gast war, hat kräftig gestrichen. Der Teufel flog raus. Gott kommt nur noch als Stimme aus dem Off (Otto Sanders) vor. So verliert die ohnehin magere Handlung nochmals an Substanz. Stattdessen wird auf Show gesetzt. Ein bisschen Falknerei, Kutschfahrt, die Buhlschaft (Christine Neubauer) auf einem Shire Horse, ein paar Fackeln, Gaukler und ein bisschen Pyrotechnik. Was alles recht hübsch aussieht, über die mangelnden Inhalte jedoch nicht hinwegtäuschen kann. Die Volkstümlichkeit des Stückes wird mit ein paar Laiendarstellern verstärkt, unter denen die Hausherrin nicht die schlechteste Figur abgibt. Auch die Tonqualität ließ zu wünschen übrig. Da knarzte, knacke und rauschte es nur so in den Lautsprechern. Hauptdarsteller Peter Willmann war teilweise kaum zu verstehen, was vielleicht auch an seinem wenig differenzierten Spiel lag. Sein Jedermann ist in erster Linie ein schreiender. Gespielt wurde in Originalkostümen der Salzburger Festspiele aus dem Jahr 1959. Der Tod hatte Ähnlichkeit mit Darth Vader. Gudrun Landgrebe als Jedermanns Mutter spielt den Rest der kleinen Rolle zurückhaltend und souverän. Christine Neubauer wird ihrem Ruf gerecht und spielt die Buhlschaft derb und üppig. Doch im Grunde wurde soviel gekürzt dass man kaum von Rollen sprechen kann. Es gab nur eine Rolle, die von Jedermann, alle anderen Charaktere wurden wenn nicht ganz gestrichen, zur reinen Staffage gekürzt.

Umstritten war derJedermann schon zu seiner Erstaufführung 1911, was den Publikumserfolg jedoch nicht verhinderte. P. Willy Willmann tourt mit seiner Version seit sieben Jahren über die deutschsprachigen Open-Air-Bühnen. Auch diesem Abend waren die knapp 3000 Plätze ausverkauft. Die Frage, was Hoffmannsthal zu Willmanns verstümmelter Version seines Werkes gesagt hätte, bleibt zum Glück Spekulation. Ihre Durchlaucht und das Gros des Publikums indes schienen daran Gefallen zu finden.

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Feiern am Klaus-Kießwetter-Platz …bei jedem Wetter

21. Juli 2011 lweser Keine Kommentare

22. -24. Juli 2011, Bismarckplatz, Regensburg
Neue Filmbühne und W1 Sommerfest, mit vielen guten Bekannten und jeweils After-Hour in der Alten Filmbühne ( Hinter der Grieb 8 )
bismarckplatzfestFREITAG:
18.00 Uhr: Brics
19.15 Uhr: Nice Guy Eddie
20.45 Uhr: Mason Dixon Line

SAMSTAG:
13.00 Uhr: Vonga
14.00 Uhr: Just 4 Fun
16.00 Uhr: The Walrus
18.00 Uhr: Atomic
20.00 Uhr: SickSickSick vs. Gebr. Mayr (Alte Filmbühne/Suite15)

SONNTAG:
14.00 Uhr: Graue Substantz
16.00 Uhr: Nils Koldewey Duo
18.00 Uhr: Cosmophon
20.00 Uhr: 24 Indigo

22. Juli - 23. Oktober 2011, täglich von 8.00 – 20.00 Uhr, Krankenh. St. Josef, Regensburg
Foto-Ausstellung Reise Bilder Reise von Martin Rosner
www.rosner-foto.de

15. - 24. Juli 2011, jweils 20.30 Uhr, Schloss St. Emmeram, Regensburg
9. Thurn und Taxis Schlossfestspiele u.a.
- Fr. 22.07. Der Herr der Ringe – Das Konzert präsentiert von Christopher Lee
- Sa. 23.07. Phantom der Oper-Gala (Musical)
- So. 24.07. Das Dschungelbuch (Kindermusical um 10.30 Uhr)
www.odeon-concerte.de

Samstag, 23. Juli 2011, ab 18.30 Uhr, Feierwerk, Hansastr., München
Puch Open-Air, …fällt heuer wieder aus und wird ins Feierwerk nach München verlegt. Mit 1000 Robota, 13 & God, Mutter u.a.
www.puch-openair.de

Montag, 25. Juli 2011, 18.15 Uhr, H 24 Universität, Regensburg,
Die Abenteuer des Pinocchio. PD Dr. Susanne Dürr, innerhalb der Ringvorlesung Jugendbuch Klassiker.

ab Donnerstag, 28. Juli 2011, zweite Vorstellung, Garbo-Kino, Regensburg
Nader und Simin, Iran 2011, Regie: Asghar Farhadi, der Abräumer der Berlinale 2011
www.nader-und-simin.de | www.altstadtkinos.de

Cd-Tipp: Balkan Brass Battle

17. Juli 2011 sgruen Keine Kommentare

Wer ist der Bläserkönig?

(Sigrid Grün)

Was passiert, wenn die rumänischen Fanfare Ciocarlia gegen die serbische Gypsy-Brass Band Boban & Marko Markovic Orchestra antreten? Es gibt einen satten Sound, der garantiert keinen stillsitzen lässt. Man merkt sofort, dass der Balkan musikalisch einiges zu bieten hat. Die Jungs blasen sich hier die Seele aus dem Leib und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Ein Faustkampf ist lahmes Gehampel gegen diesen musikalischen Schlagabtausch. Mal werden die Stücke von Gesangseinlagen begleitet, mal stehen sie für sich (wahrscheinlich, weil keine Stimme mithalten könnte).
Die Aufnahme beginnt mit dem Battle call, der Aufforderung zum Kampf. Dann beginnen die Serben mit “Mrak kolo” den Kampf - und prompt antworten die rumänischen Fanfare Ciocarlia mit der Hirtensuite “Suita a la ciobanas”. Schließlich variieren beide Bands gemeinsam das bekannte James Bond Theme. Und so geht es dann fröhlich weiter mit dem satten Sound aus dem Südosten Europas. Der Zweikampf wird zum Tanz und König sind wir zum Schluss alle, weil wir Spaß an der Musik hatten, die mal entfesselt, mal getragen daherkommt - ganz wie das Leben! Und das macht diesen Bläserwettstreit auch so spannend.

Herausgebracht hat das Ganze das feine Berliner Label Asphalt Tango…

www.asphalt-tango.de

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Veranstaltungen vom 15. - 21. Juli 2011

14. Juli 2011 lweser Keine Kommentare

Freitag, 15. Juli 2011, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Schäffnerstr., Regensburg
Ausstellungseröffnung: Westpakete, Künstlergruppe Microwesten aus Berlin - bis 6.August
www.kunstvereingraz.de | www.microwesten.net

15. Juli - 4. September 2011, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Ausstellung: Retrospektive der Fotografin und Modemacherin Ré Soupault
www.kunstforum.net

15. - 24. Juli 2011, jweils 20.30 Uhr, Schloss St. Emmeram, Regensburg
9. Thurn und Taxis Schlossfestspiele u.a.
- Fr. 15.07. Giacommo Puccini: Turandot (Oper)
- Sa. 16.07. Giacommo Puccini: Turandot (Oper)
- Mo. 18.07. Hugo von Hofmannsthal: Jedermann (Theater)
www.odeon-concerte.de

Freitag, 15. Juli 2011, 19.00 Uhr, Naturkundemuseum, Regenburg
Ausstellungseröffnung: 50 Jahre Naturkundemuseum in Regensburg – 20 Jahre erdgeschichtliche Dokumentation einer fossilen Lagune des Jurameeres bei Brunn, mit Sektempfang, Vortrag Dr. Martin Röper
www.nmo-regensburg.de

Samstag, 16. Juli 2011, 17.00 Uhr, Herzogpark, Regenburg
Sommerfest des Naturkundemuseum, dass seinen 50. Geburtstag feiert und des historischen Museums, dass 75 Jahre alt wird ENTFÄLLT!

Sonntag, 17. Juli 2011, 18.30 Uhr, Jazz an der Donau, Straubing
Konzert: La Brass Banda mit ihrem Bulldog-Fahrer und Los Dos Y Compañeros.
www.jazzanderdonau.de | www.labrassbanda.com | www.losdos-online.de

Montag, 18. Juli 2011, 18.15 Uhr, H 24 Universität, Regensburg
Vortrag: Selma Lagerlöfs Nils Holgerson. Vom Schulbub zum Welterfolg Dr. Angelika Nix, innerhalb der Ringvorlesung Jugendbuch Klassiker.

Donnerstag, 21. Juli 2011, 19.30 Uhr, MS regensburg, Donaumarkt, Regenburg
Jazzschiff mit Liedern aus den 20er bis zu den 60er Jahren vorgetragen von Susanne Pointinger, begleitet von Elena Tamilova am Klavier.
www.jazzclub-regensburg.de

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Buchtipp: Theatertexte aus dem Ghetto Theresienstadt 1941-1945

11. Juli 2011 jneidh Keine Kommentare

Aus der “Als-ob”-Stadt

(Jan Neidhardt)

Theresienstadt, auf Tschechisch und heute Terezín, gelegen in Nordböhmen, ist eine Festung, die als Konzentrationslager zu trauriger Berühmtheit gelangt ist. Das Konzentrationslager wurde durch die deutschen Besatzer hier im Juni 1940 errichtet und diente zunächst als Lager für den Tschechischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten. 1941 entstand hier das sogenannte Ghetto Theresienstadt als Lager für die jüdische Bevölkerung von Böhmen und Mähren. Das Ghetto war vorübergehend auch eine Art Vorzeigeeinrichtung, in der die Nazis zu  Propagandazwecken der Welt beweisen wollten, dass sie die Juden gut behandeln würden.

Das vorliegende Buch (herausgegeben von Lisa Peschel) beinhaltet Theatertexte, die im Ghetto Theresienstadt in den Jahren 1941-45 von jüdischen Gefangenen verfasst wurden. Sicher sind Theatertexte eine Sache, die man nicht in einem Konzentrationslager erwarten würde, aber so unglaublich es aus heutiger Sicht klingt: In Theresienstadt wurde unter widrigsten Bedingungen getextet und es wurden dramatische und kabarettistische Stücke zur Aufführung gebracht.  Das Buch versammelt eine kleine Auswahl der hier entstandenen Stücke, die inhaltlich und genremäßig zunächst sehr unterschiedlich zu sein scheinen. Interessant an der Sammlung ist auch, dass alle Stücke und erklärenden Texte zweisprachig auf Deutsch und auf Tschechisch im Buch vorhanden sind. Die Texte haben meist, und das kann vielleicht zunächst überraschen, einen sehr humorvollen Anklang, oft handelt es sich um auch um gereimte Verse, mit zahlreichen Sprüchen und Anspielungen versehen. -Deshalb muss eine Übersetzungsarbeit hier auch besonders schwierig gewesen sein. Man kann sich oft nur dem Sinngehalt (sei es auf Deutsch oder auf Tschechisch)  annähern.  Ich denke aber, sprachlich ist das Wunder der Übersetzung doch geglückt und es sind  gut lesbare und oft auch überaus witzige Texte entstanden, wobei sich manches aber einfach nicht übersetzen lässt, hier springen die gut recherchierten Anmerkungen und Erklärungen im jeweiligen Anhang hilfreich ein.

Um noch einmal auf den besonderen Humor vieler Stücke zurückzukommen: z.B. “Ehrenbeleidigung”, ein Sketch von einem unbekannten Autor, über einen Mann, der u.a. den Auftrag hat “Knödel und Buchteln” an der Essensausgabe zu zählen, sich aber überhaupt keine Zahlen merken kann und dafür auf allerhand “mnemotechnische” Tricks zurückgreifen muss, ist teilweise rasend komisch erzählt und steht voller Verweise auf die deutsche Verwaltung und Bürokratie, die mit vielfältigen Nummerierungen auch zur Demütigung und Unterdrückung der Ghettobewohner beiträgt. Humor erscheint als eine Möglichkeit, sich ein Stück seiner Würde zu bewahren, vielleicht aber auch als Möglichkeit, das ganze Grauen überhaupt irgendwie zu verarbeiten, oder als Mittel sich selbst und die anderen wenigstens für ein paar Minuten aus der Situation heraus zu holen. Vieles was sich hier sehr lustig liest, lässt den Leser natürlich bei Bedenken des Hintergrunds mit einem sehr ambivalenten Gefühl zurück.

11 wenig bekannte bzw. ganz neu aufgefundene tschechische und deutschsprachige Theatertexte finden sich im Buch, die jeweils als sichtbar abgegrenzte, einzelne Texte erscheinen. Die Reihenfolge ist ohne einen inhaltlich sichtbaren Zusammenhang gewählt. Die Texte entstammen so unterschiedlichen Genres wie Sketch, Drama, Puppentheater, Liedern, Versen, Kabarett und Satire. Was vielleicht zunächst bunt gewürfelt erscheint, offenbart aber doch immer wieder eins: Wie Menschen, die oft völlig entwurzelt und von Mangel und Tod bedroht sind, versuchen eine Ausdrucksmöglichkeit ihrer Verzweiflung zu finden. Hier sieht man wiederum, dass dieses wohl oft über den Humor geschieht.
Die Texte, die hier versammelt sind, sind alle unveröffentlicht und in mühevoller Arbeit übersetzt und mit Hintergrundinformationen versehen worden. Die Zusammenarbeit mit Zeitzeugen und Nachfahren, sowie die Archivarbeit hat hier eine wichtige Rolle gespielt.

Ich fand an dem Projekt besonders spannend, die Möglichkeit den Menschen, die im Ghetto von Theresienstadt leben mussten und meist heute vergessen sind, zumindest einen Teil ihres Gesichts zurückzugeben. Auf der anderen Seite wird es auch möglich, einen Teil des Alltagslebens (so weit man unter diesen Bedingungen davon sprechen darf) zu rekonstruieren. Der künstlerische Aspekt sollte auch nicht zu kurz kommen, denn viele der Texte sind nicht nur deshalb interessant weil sie aus dem Ghetto stammen, sondern auch weil sie dem Leser darüber hinaus etwas mitteilen können. Viele Texte zeugen eben auch wie bereits angesprochen von einem herausragenden Humor und satirischen Talent.
Fotografien bieten einen Einblick in die Editionsarbeit, hier werden die Schriften gezeigt, wie sie der Herausgeberin vorlagen. Z.B. schwer leserliche Zeilen mit Schreibmaschine auf dünnes Pergamentpapier getippt. Andererseits sieht man fröhlich anmutende Plakate fürs Kabarett und Theater, die man so sicher nicht in einem Ghetto vermuten würde.

Besonders erschütternd und beeindruckend fand ich z.B. das Stück “Wir suchen ein Gespenst” von Hanuš Hachenburg. Der junge Autor dieses satirischen Puppenstücks war bei seiner Deportation erst 13 Jahre alt! Genaueres kann man über den Jungen, der wahrscheinlich 1944 in Auschwitz ermordet wurde, nicht herausfinden. Das Stück selbst zeigt eine besondere Begabung zur Satire und zu allegorischen Darstellung. Die Charakterisierung des Puppenstücks, die in dem editorischen Essay thematisiert wird, kann ich nur unterstreichen und hier wiedergeben: “Hachenburgs literarisches Experiment vibriert von Energie, schwarzem Humor und poetischer Tiefe.”, hier treten viele Figuren des traditionellen Puppentheaters auf, neben neuen Gestalten wie Polizist, Jude und Minister: “das kann man gewissermaßen als gesellschaftskritische Stichprobe auffassen.” (S.129). Hier werden die Gebeine alter Menschen als Rohstoff aufgefasst und selbst der Gevatter Tod leistet für den Diktator Sklavenarbeit. - Deutlicher kann man es wohl nicht sagen, als in diesem Puppentheaterstück aus dem Ghetto von Theresienstadt.

Lisa Peschel (Herausgeberin)
Divadelní texty z terezínského ghetta 1941-1945/ Theatertexte aus dem Ghetto Theresienstadt 1941-1945
www.akropolis.info
555 Seiten