Archiv

Archiv für Oktober, 2011

Veranstaltungen

27. Oktober 2011 lweser Keine Kommentare

ab 28. Oktober 2011, 19.30 Uhr, Turmtheater Regensburg
„Mei Fähr Lady“, einen Bairisch-Crash-Kurs mit Prof. Zehetner,
einer Chinesin, einem Manager und einem Rapper…Inszenierung: Joseph Berlinger

Freitag, 28. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Brandlbräu (Ostengasse), Regensburg
letzte Vorstellung der Zugabe: Christoph Maltz Kasperletheater „Kasperl stoppt die Finanzkrise“ mit den Puppen von Helmut Wolf

Freitag, 28. Oktober 2011, 21.00 Uhr, W1, Regensburg
Konzert: Monokini (Surfzeug)

Samstag, 29. Oktober 2011, 22.00 Uhr, Büro, Keplerstr., Regensburg
passend zur Zeitumstellung findet mal wieder eine extra lange Nacht im Büro. Bis 4.00 Uhr (Winterzeit) legt der tatsächlich noch lebende DJ Säm auf.
www.buero-regensburg.de

Samstag, 29. Oktober 2011, 22.00 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg,
“7 Days” von Daniel Grou (KAN 2010 ) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: ab 18 Jahren. Weitere Infos zur Reihe:
hardline.blog.de

Montag, 31. Oktober 2011, 22.45, Filmgalerie Leerer Beutel, Regensburg
Gruselkurzfilme

Mittwoch, 2. November 2011, 20.45 Uhr, Filmgalerie Leerer Beutel, Regensburg
Film: in Zusammenarbeit der donumenta mit CinEScultura „Objectivo braila/ Ziel Braila“ (E 2010) von Antonio

Categories: Lysann Weser Tags:

Buchtipp und Lesung: Die 10 größten Erziehungsirrtümer

25. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

Was läuft falsch und was könnte man besser machen?

(Sigrid Grün)

Wenn zwei Hirnforscher über Erziehung schreiben, klingt das schon mal spannend - immerhin will man als Erziehender wissen, was man falsch macht und wie man es besser machen könnte.
Ralph Dawirs und Gunther Moll haben nun die 10 größten Erziehungsirrtümer aufgegriffen und schreiben unterhaltsam darüber, wie aktuell die heute (immer noch) übliche Erziehungspraxis ist.
“Iss deinen Teller leer!” und “Nur die Leistung zählt!” sind zwei solche Klassiker. Welcher Vater oder welche Mutter hat sich noch nie Sorgen über die optimale Nährstoffzufuhr des eigenen Kindes gemacht? Hier wird gerne mit Druck und Drohungen gearbeitet. Und eigentlich ist heute auch schon hinlänglich bekannt, dass solche Methoden eher kontraproduktiv sind und das Kind entweder Angst bekommt oder einen nicht mehr ernst nimmt.
Trotzdem halten sich solche Grundsätze immer noch beharrlich.
Wie aber sollte eine “gute” Erziehung aussehen?
Dawirs und Moll gehen der Sache auf den Grund, ohne belehrend zu wirken. Und letztendlich ist es gar nicht so schwer ein Kind so zu erziehen, dass es glücklich ist.
Bei dem Buch handelt es sich um keinen Erziehungsratgeber - und das ist gut so! Man sollte keine konkreten Tipps erwarten. Als Leser wird man auf alle Fälle zum Nachdenken angeregt. Etwa wenn es um das Thema Fernsehen geht. In den USA gibt es zum Beispiel den Sender BabyFirstTV (mittlerweile gibt es auch schon eine deutschsprachige Version!), dessen Zielgruppe die 6 Monate bis 3 Jahre alten Kinder umfasst. Der Sender wirbt damit, dass seine “Tagesprogramme fesseln und unterhalten, während Nachtprogramme dabei helfen, Ihr Baby zu beruhigen und auf den Schlaf einzustimmen.” Kein Wunder, dass es einen derartigen Kanal gibt, konsumieren in den USA doch 70% der unter 2-jährigen Kinder täglich Fernsehen und Videos. Ganz so beliebt ist das Fernsehen in deutschen Familien noch nicht, aber immerhin nutzen auch hierzulande viele Eltern den Fernseher als Babysitter. Wie unsinnig das ist, erläutern die Autoren in einem eigenen Kapitel - allerdings verteufeln sie das Medium Fernsehen nicht vollständig. Bei größeren Kindern können ausgesuchte Sendungen schon in Maßen gesehen werden. Heute wird man schwer daran vorbei kommen. Allerdings sollte man auch ältere Kinder nicht vor den Fernseher abschieben - um mal zwischendurch seine Ruhe zu haben.
Die zehn Fragen, die im Mittelpunkt stehen, lauten:
1. Brauchen Eltern einen Erziehungsführerschein?
2. Kleine Kinder, kleine Sorgen?
3. Macht Essen groß und stark?
4. Macht Fernsehen dumm?
5. Sind Computer gefährlich?
6. Ist Erziehung nur eine ernste Angelegenheit?
7. Zählt nur die Leistung?
8. Mutter oder beste Freundin? Wie der Vater, so der Sohn?
9. Die “verdorbene Jugend” - sind Normen und Werte noch zeitgemäß?
10. “Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst” - brauchen Jugendliche Erziehung?
Amüsant - und manchmal auch erschreckend - sind die Passagen, in denen die Autoren z.B. aus beliebten Foren zitieren (etwa netmoms). Das Buch ist abwechslungsreich und spannend, amüsant und informativ. Eine lohnende Lektüre - nicht nur für Eltern, sondern auch für alle, die es werden wollen oder die anderweitig mit Kindern zu tun haben!

Heute findet ab 20.30 Uhr bei Bücher Pustet (Gesandtenstraße) in Regensburg eine Lesung mit Moderation des Autors Ralph Dawirs statt.

38d39a31e4

Ralph Dawirs; Gunther Moll (Autoren)
Die 10 größten Erziehungsirrtümer und wie wir es besser machen können
www.beltz.de
216 Seiten

Buchtipp: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend von Andreas Altmann

24. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

Eine deutsche Geschichte

(Sigrid Grün)

Andreas Altmanns Buch zu lesen ist eine überwältigende Lektüreerfahrung. Man frisst sich durch die Seiten und fragt sich stellenweise bei jedem Satz “wie, wie, wie, wie nur kann ein junger und schutzloser Mensch das aushalten?”

Der Autor, preisgekrönter Reisereporter und Wahlpariser, schreibt hier über seine Kindheit und Jugend im “Gnadenort” Altötting: Das ganze Leben der Familie kreist um ein Epizentrum, um ein schwarzes Loch, das alles verschlingt: F.X. Altmann, seines Zeichens “Rosenkranzkönig”, Ehemann und Vater von vier Söhnen und einer Tochter. Nach der Rückkehr aus dem Krieg ist er kein fühlender Mensch mehr - zumindest zeigt er es in keiner Weise im familiären Umfeld - sondern eine verrohte Bestie, die ihrem furor teutonicus freien Lauf lässt. Die Mutter weiß dem Vater nichts entgegenzusetzen, zumal die katholische Erziehung sie dazu zwingt, ihrem Gatten Untertan zu sein. Als sie sich während der vorübergehenden Abwesenheit ihres Mannes einen regelrechten Bunker im eigenen Haus baut, wirft er sie aus dem Haus um mit der Haushälterin zu leben.

Und so wachsen die Brüder, die schon von Geburt an auf ihre “Schwänze” reduziert werden und die kleine Schwester in einer vergifteten Atmosphäre auf, die einem den Atem nimmt.

Der Vater - im Gnadenort Altötting von allen geachtet - misshandelt seine Kinder körperlich und seelisch. Und auch die Lehrer prügeln drauflos, wenn es nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen. Der Religionslehrer bringt den Jungen schon früh den Ekel vor allem Weiblichen ein - und diese Traumatisierung sitzt tief.

Andreas Altmann schreibt offen über das Wachwerden seiner Sexualität, über erste sexuelle Erfahrungen und über die Unterdrückung all dieser Gefühle durch das streng katholische Umfeld. Und das wirklich Wunderbare und Berührende, das Besondere an diesem Buch, ist die absolute Offenheit des Autors. Diese hat nichts mit Exhibitionismus zu tun - sondern damit, dass man die Verletzlichkeit des Menschen klar herausstellt und aufzeigt, welches schlimme Vergehen es ist, wenn diese Verletzlichkeit von Erwachsenen missbraucht wird.

In einem umfangreichen Nachwort schreibt der Autor darüber, wie es in seinem Leben weiterging. Er berichtet von seinem umfassenden Gefühl, selbst unzulänglich zu sein - etwa in seinem Beruf als Schauspieler. Er macht eine Therapie nach der anderen, doch erst im Alter von 34 Jahren erkennt er, was er wirklich will und kann: Reisen und darüber schreiben. Mittlerweile ist Altmann einer der bekanntesten Reiseschriftsteller Deutschlands - ich kannte ihn auch aufgrund einiger seiner Reisebücher schon bevor ich dieses Buch las.

Nach der Lektüre dieses Buches kann man sich nur wünschen, dass möglichst viele Menschen in Deutschland es lesen, denn es ist ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dieses Buch sollte in Schulen gelesen werden - v.a. in Bayern und im ganzen Land. Ich bin mir sicher, die Schüler wären begeistert! Und sie könnten sicherlich mehr lernen, als aus sämtlichen Schullektüren zusammen.

Unbedingt lesen!

Der Autor liest heute abend bei Bücher Pustet in Passau, am 10. November bei Bücher Pustet (Gesandtenstraße) in Regensburg und am 22. November bei Pustet in Landshut.

51oxvoodbol_sl500_aa300_

Andreas Altmann (Autor)

Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

www.piper-verlag.de

256 Seiten

Buchtipp: Unterwegs im Namen des Herrn von Thomas Glavinic

23. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

Ein 200-seitiges Balkan-Roadmovie

(Sigrid Grün)

Thomas Glavinic und sein Freund, der Fotograf Ingo, machen sich auf den Weg zur Gospa, der Heiligen Muttergottes von Medjugorje. Gemeinsam mit einem Bus voller Mitpilger fahren sie von Wien aus 14 Stunden in den bosnischen Wallfahrtsort, um herauszufinden was dran ist am Pilgern, das Hape Kerkeling vielleicht gerade dank  seiner “glaubensbesoffenen Putzigkeit” (S. 36) so populär gemacht hat. Schon die Busfahrt mit dem pilgererfahrenen Reiseleiter, der die beiden ganz offensichtlich ungläubigen Mitreisenden skeptisch beobachtet, ist die Hölle. Fastende Fundamentalistinnen, der Kappenmann, ein Liliputaner, ein einstmals sexbesessener Tennislehrer, eine intelligente Psychiaterin und viele andere Mitpilger sorgen schon mal für Aufregung. Und das Programm vor Ort ist straff und nix für Memmen: Um 3.00 Uhr nachts sollen Berge bestiegen werden, Zapfenstreich ist dafür schon um 23:00 Uhr. In der Gemeinde Cenacolo lernen die Pilger bekehrte Ex-Junkies und Schwester Annalinda Antilopa kennen, die keine Gnade kennt und jegliche Sünde hart verurteilt - außer sie wird gebeichtet :-)
Schon nach einem Tag steht fest: Hier halten die beiden Jungs es nicht bis zum Schluss aus. Als Glavinic auch noch die Hammer-Angina vor dem Herrn kriegt und selbst mit reichlich Alkohol runtergespülte Medikamentencocktails keine Linderung herbeiführen, beschließen der ungläubige Thomas und der hyperaktive Ingo zu türmen. Sie buchen einen Flug von Split nach Wien und Papa Glavinic muss aus dem nahegelegenen Mostar anreisen, um seinen Sohn und dessen Kumpel ins 130 Kilometer entfernte kroatische Split zu verfrachten. Und dann geht’s rund… Bei einem “Freund” von Vater Glavinic sollen die beiden Wallfahrtsflüchtlinge übernachten - aber Schlaf finden sie nicht! Und auch die Rückreise gestaltet sich ganz anders als geplant.

Was für eine Geschichte! Wieder einmal hat Thomas Glavinic ein Buch verfasst, das man nicht zur Seite legen kann. Da braucht er wirklich keine Xanor einwerfen, um die Angst, schlechte Bücher zu schreiben in den Griff zu bekommen. Der Autor setzt sich auf eine sehr spannende Weise mit dem Thema Katholizismus auseinander. Da wird die Bigotterie als das entlarvt was sie ist: Hässlich und roh.
Dazu findet man auf Seite 83 eine sehr erhellende Stelle: “Das ist es: Mich machen diese harten Gesichter mittlerweile aggressiv. In keinem Gesicht erkenne ich das, was ich erwartet habe, nämlich mindestens Offenheit und Freundlichkeit, wenn schon keine Liebe. Hier haben alle diesen harten Blick, mit Ausnahme der Psychiaterin und des Tennislehrers, und beide gehören eigentlich nicht hierher. Ich habe hier noch keinen einzigen Menschen gesehen, der Lebensfreude ausstrahlt oder zumindest das Gefühl vermittelt, er würde seinen Brüdern und Schwestern im Glauben mit Sympathie begegnen. Die hier, die mögen überhaupt niemanden, das sind bloß verstörte und verängstigte, im Grunde ganz rohe Seelen.”
Glavinic kann die Mitpilger wunderbar lebendig charakterisieren - so hat man z.B. das Bild von der gläubigen Bäurin mit dem schönen Gesicht ganz gut vor Augen, wenn man immer ihr verwundertes “Jööööh!” zu hören bekommt. Auch den Reiseleiter, der ein ganz schmieriger Vertretertyp ist, wird allein schon durch seine Sprache hervorragend getroffen, wenn er stets “betten” statt “beten” sagt.
Und auch die Spliter Partygesellschaft ist einfach der Knaller! Der fette Ivica, der sein Geld mit dubiosen Geschäften verdient, ist natürlich auch ein Fan der Gospa, die ihm immer zur Seite steht.

Fazit: So muss gute Unterhaltung aussehen! Der neue Glavinic ist einfach ein Pageturner, der nicht nur unterhält, sondern auch einen interessanten Einblick in eine Welt gewährt, die viele von uns sicherlich nicht kennen. Ich habe auf alle Fälle große Lust bekommen, mal zumindest nach Altötting zu fahren, um mir diesen Wahnsinn mal selbst anzusehen :-)

Glavinic_23739_MR.indd

Thomas Glavinic (Autor)
Unterwegs im Namen des Herrn
www.hanser-literaturverlage.de
208 Seiten

WAAhnsinnszeiten: 1000 Robota und Kontakte gleichzeitig in Regensburg

20. Oktober 2011 lweser Keine Kommentare

20.-22. Oktober 2011, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Donumenta: Donau-wohin? Die Zukunft der Wiege der europäischen Kultur internationales Symposium für Kunst und Kultur im Donauraum
Donnerstag: 18.00 Uhr Eröffnung,
20.00 Uhr Lesung in deutscher und serbischer Sprache Zoran Živkovićs Die fünf Wunder der Donau (Die Schauspielerin Anna-Maria Wasserburg liest vermutlich den deutschen Part),
21.00 Uhr Balkan Party mit DJ Spoma
www.donumenta.de

21.-23. Oktober 2011, Andreasstadel, Stadtamhof, Regensburg
Kulturtage im Künstlerhaus Andreasstadel unter dem Motto Variation in Weiß-Blau mit offenen Ateliers und als besonderes Schmankerl täglich um 18.00 Uhr im Kino Werner Herzogs und Herbert Achternbuschs Herz aus Glas aus dem Jahre 1976, ihrem Film über den Mühlhiasl und die Glasmacherkunst im Bayerischen Wald.
www.kuenstlerhaus-andreasstadel.de | www.kinos-im-andreasstadel.de | www.akademiesalon.de

Samstag, 22. Oktober 2011, 19.00 Uhr, Kunst- und Gewerbeverein, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Bezirksfotoschau Niederb./Oberpfalz präsentiert von der Fotografischen Gesellschaft Regensburg e.V., Einführung: Georg Pauluhn, bis 06.11.2011
www.kunst-und-gewerbeverein.de | fgr.donau.de

24./25./27./28. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Brandlbräu, Ostengasse, Regensburg
Zugabe wegen großen Nachfrage: Christoph Maltzes Kasperletheater Kasperl stoppt die Finanzkrise mit den Puppen von Helmut Wolf

Montag, 24. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Alte Mälzerei, Regensburg
ON3-Lesereihe unter dem Motto Stadt, Land, Schluss, auch spielt und liest 1000 Robota, Eintritt: frei
www.on3.de | 1000robota.com

Montag, 24. Oktober 2011, 21.00 Uhr, Heimat, Regensburg
Konzert: Kontakte (UK) und Lost Rivers (Tübingen), veranstaltet von den frisch gekürten Kulturförderpreisträgern S|U|B|L|I|M|E.
www.sublime-music.de | www.heimat-regensburg.de | www.kontaktemusik.blogspot.com | www.myspace.com/thelostrivers

Dienstag, 25. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Alte Mälzerei Club, Regensburg
Konzert: Senioren-Deutsch-Pop aus Köln mit Erdmöbel, Support: Friedemann Weise. Eintritt: 20/24€, warum sind die denn so teuer?
www.alte-maelzerei.de | www.erdmoebel.de

Di./Mi., 25./26. Oktober 2011, 19.45 Uhr, Akademiesalon-Kino, Andreasstadel, Regensburg
weiter in der François Truffaut-Reihe mit dem Krimi Die Frau nebenan / La femme d’à côté (F 1981) mit dem jungen schlanken Gérard Depardieu und Fanny Ardant.
Vermutlich dienstags: deutsche, mittwochs: französische Fassung mit deutschen Untertiteln.
www.kinos-im-andreasstadel.de

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Goldenes Faß, Spiegelgasse, Regensburg
Lesung: Angela Kreuz liest aus ihrem Roman WAAhnsinnszeiten. Keine Doku, sondern Liebeswirren in den 80ern in Wackersdorf.
www.angelakreuzinfo.de | www.goldenes-fass-regensburg.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Buchtipp: Der Augenjäger von Sebastian Fitzek

19. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

Nervenzerfetzende Spannung made in Germany

(Sigrid Grün)

Sebastian Fitzek gilt als König des deutschen Psychothrillers - gerne bemüht man Vergleiche mit Stephen King. Zu Recht! Was dieser Autor, der in zahlreiche Fremdsprachen (u.a. für den englischen und den amerikanischen Markt!) übersetzt wurde schreibt, ist einfach nervenzerfetzend.
Sein aktuellster Thriller, “Der Augenjäger” ist die Fortsetzung des “Augensammlers”. Doch auch ohne den Vorgänger gelesen zu haben, kann man den Nachfolgeband lesen. Allerdings ist es schon von Nutzen, die Geschichte einiger wichtiger Figuren, wie etwa des Mediums Alina zu kennen.
Worum geht es?
Dr. Zarin Suker, seines Zeichens genialer Augenchirurg, ist neben seinem Brotberuf leider auch praktizierender Psychopath. Nachts öffnet er einigen seiner Patientinnen die Augen - mehr als denen lieb sein kann, denn er entfernt ihnen die Augenlider, um sie anschließend zu vergewaltigen. Diese Frauen begehen daraufhin alle Selbstmord, denn sie sind dieser Traumatisierung einfach nicht gewachsen - kann man verstehen! Da man Dr. Suker aus Mangel an Beweisen nicht mehr länger in U-Haft festhalten kann - immerhin hat er niemanden persönlich umgebracht und niemand kann mehr gegen ihn aussagen - wird die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev um Hilfe gebeten. Immerhin ist sie dazu in der Lage allein durch die Berührung eines Menschen Visionen wahrzunehmen, die zur Aufklärung der Untaten beitragen könnten. Doch im Vorgängerroman hat sie sich eigentlich geschworen, ihre außersinnlichen Fähigkeiten nicht mehr zu bemühen… Warum sie es schließlich doch tut und wie es weitergeht, sollte jeder Psychothrillerfan selbst lesen - denn nichts ist schlimmer als ein Psychothrillerspoiler!

Sebastian Fitzek hat mit dem “Augenjäger” wieder einmal einen soliden Psychothriller vorgelegt, der sich ohne weiteres mit amerikanischen Vorbildern messen kann. Für Liebhaber dieses Genres ist das Buch auf alle Fälle zu empfehlen, auch wenn manche Wendungen und Begebenheiten doch recht unwahrscheinlich wirken und vielleicht eher ins Reich der Fantasy gehören. Gut unterhalten wird man bei diesem Pageturner auf alle Fälle - nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Zart besaitete sollten von der Lektüre absehen - das Buch ist voller Schilderungen von Grausamkeiten und Verstümmelungen etc. Aber vermutlich wird man als Thriller-Verächter auch nicht zu diesem Buch greifen…
Sebastian Fitzek liest heute Abend in der Alten Mälzerei aus seinem jüngsten Buch. Angeblich sollen seine Lesungen (für Thrillerfans) ein ganz besonderes Erlebnis sein ;)

51vsobh84kl_sl500_aa300_

Sebastian Fitzek (Autor)
Der Augenjäger
www.droemer-knaur.de
432 Seiten

Buchtipp: EisTau von Ilija Trojanow

18. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

“Letztlich wird das Murmeln des Meeres verstummen, denn was sollte dem Wasser seine Geheimnisse abringen, wenn nicht das Eis”

(Sigrid Grün)

Ilija Trojanow, dessen großes Thema die Begegnung verschiedener Kulturen ist, widmet sich in seinem jüngsten Roman einer Thematik, die aktueller kaum sein könnte: Die Ausbeutung der Natur durch den Menschen.
Zeno ist der Mann, der das Eis liebt. Als Glaziologe (Gletscherwissenschaftler) hat er “seinen” Gletscher, den er ausmisst und so gut kennt wie kein anderer. Als der Alpengletscher stirbt, das Eis von Geröll und Schutt überlagert wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er trennt sich von seiner Frau und gibt seinen Lehrberuf an der Universität auf, um auf einem Kreuzfahrtschiff in die Welt des Eises, das Niemandsland - die “Terra Nullius”, zu reisen und auf dem Schiff zu arbeiten. Zeno versucht den Touristen die Bedeutung dieses einzigartigen und empfindlichen Lebensraumes nahe zu bringen - stößt allerdings rasch an seine Grenzen, wenn er feststellt, welche Ignoranz ihm entgegenschlägt. Die Menschen betrachten gerne die Naturschönheiten der Antarktis - die besondere Tierwelt, die atemberaubend schöne Welt des Eises - aber wenn sie von der Reise zurückkehren, ändern sie nichts an ihrem Lebensstil, der zur Ausbeutung der Natur beiträgt. Als Zeno zum Expeditionsleiter ernannt wird, weil sein Vorgänger mit Verdacht auf Schweinegrippe ins Krankenhaus muss, eskaliert die Reise ins Eis. Ein Aktionskünstler hat vor, ein riesiges SOS aus den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes in der Arktis aufzustellen - um ein Zeichen zu setzen. Zeno entlarvt dieses “Kunstprojekt” als verlogener Scheinversuch, die Welt zu retten und greift schließlich zum Mittel der Gewalt, um die Sache zu verhindern.

Die 12 Kapitel sind alle nach Koordinaten benannt, an denen sich der Großteil der Handlung zuträgt. Jedem dieser Kapitel, in denen Zeno aus seiner eigenen Perspektive berichtet und in zahlreichen Rückblenden auch seine Kindheit und Jugend sowie seine Zeit an der Universität und sein Eheleben Revue passieren lässt, folgt eine Art P.S. Darin findet man verworrene Wortfetzen - Nachrichtenmüll, den die Medien völlig beliebig produzieren und damit der Sache in keiner Weise gerecht werden. Die BREAKING NEWS finden sich als sinnloses Gebrabbel zwischen sinnlosem und beliebigem Gebrabbel wieder. Diese Gegenüberstellung von Zenos persönlicher Geschichte und völlig sinnentleertem Meldungsmüll lässt die Geschichte noch eindringlicher erscheinen. Hier kämpft jemand ohne Hoffnung und scheinbar ohne Nutzen - allein weil er im Recht steht - und kann nichts ausrichten.
Ilija Trojanow hat hier eine bewegende Geschichte geschrieben. Die Sprache ist poetisch und voller kleiner Kostbarkeiten - Wortneuschöpfungen etwa, die der Sache einen gewissen Zauber verleihen.
Ein Buch, das man sowohl aufgrund seiner Thematik als auch aufgrund der wunderbaren Umsetzung nur empfehlen kann!

Heute Abend liest der Autor bei Bücher Pustet in der Gesandtenstraße.

Trojanow_23757_MR3.indd

Ilija Trojanow (Autor)
EisTau
www.hanser-literaturverlage.de
176 Seiten

Categories: Sigrid Grün Tags:

zauberhafte belgrader Tristesse

15. Oktober 2011 lweser Keine Kommentare

Ljubav i drugi zločini / Liebe und andere Verbrechen von Stefan Arsenijević (SRB, D, A, SLO 2009) bei der serbischen Filmwoche der donumenta

Die serbische Filmwoche begann mit zwei wunderbaren Filmen: mit Emir Kusturicas zauberhaft-schrillem Balkan-Klassiker Schwarze Katze, weißer Kater und der europäischen Koproduktion von Stefan Arsenijević Ljubav i drugi zločini / Liebe und andere Verbrechen.

liebe-und-andere-verbrechen

In der tristen und trostlosen Plattenbausiedlung „Neu-Belgrad“, kämpft jeder um eine bescheidene Existenz. Auch eine Hand voll Menschen um den Kleinganoven Milutin, deren Leben anhand eines einzelnen Tages in Liebe und andere Verbrechen dargestellt wird. Bald wird klar, dass jeder der Figuren eine Vergangenheit hat, die ihn nicht loslässt. Diese Geheimnisse werden angedeutet, aber nicht ergründet. Was ist zwischen Milutin und seiner einstigen großen Liebe geschehen, oder zwischen Anica, Milutins Freundin, und ihrem Ex-Mann? Warum hört Milutin immer wenn er hadert “Bésame mucho“. Warum spricht Ivana, Milutas Tochter, nicht? Nur das Geheimnis Stanislavs, Milutins rechte Hand, wird nach und nach, ganz unspektakulär und fast beiläufig aufgedeckt. Er liebt Anica seit er ein kleiner Junge ist und träumt davon als Zauberkünstler mit ihr irgendwo ein neues Leben zu beginnen. Als er bemerkt, dass sie Milutin verlassen und heimlich verschwinden will, verlangt er von ihr ihn mitzunehmen. Um sie zu überzeugen besucht er mit ihr kleine Orte im Beton des Vororts, die er mit ihr verbindet. Hier hat sie ihn gescholten, als er sich mit einem Freund prügelte. Von dort hat er sie seither stets beobachtet. Anica ist skeptisch und doch nimmt auch sie ihn mit zu einem Ort ihrer Vergangenheit. Stanislavs Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Mutter und Milutin und vielleicht auch der Zweifel daran, dass Anica ihn irgendwann wirklich lieben könnte, lässt ihn zögern. Letztlich bleibt er und lässt Anica allein ziehen.
Der Film besitzt trotz aller Tristesse und aller Hässlichkeit des Vororts einen feinen leisen Humor, der immer wieder schmunzeln lässt. Auch die Menschlichkeit hat an diesem rauen kalten Ort ihren festen Platz. Milutin, der ohne zu zögern gegen säumige Schutzgeldzahler vorgeht, kümmert sich voll Hingabe um sein Tochter. Stanislav bezahlt einen Restaurantbesitzer dafür, dass dieser seine Mutter im Restaurant singen lässt. Anica, beschenkt vor ihrem heimlichen Abgang alle Menschen in ihrer Umgebung. Und sie legt einen Teil des Geldes, dass sie aus Milutins Tresor stielt wieder zurück. Milutin wiederum hat für sie extra etwas mehr hineingelegt.
Trotz aller Hässlichkeit ein so traurig schöner Film mit unzähligen Versionen von „Bésame mucho“ und einem Soundrack von Nacked Lunch. Ein Film zum Nachdenken, Lächeln und Weinen.

Ljubav i drugi zločini / Liebe und andere Verbrechen von Stefan Arsenijević;
SRB, D, A, SLO 2009
mit Anica Dobra, Vuk Kostić, Milena Dravić, Feda Stojanović, Hanna Schwamborn

die serbische Filmwoche der donumenta in der Filmgalerie im Leeren Beutel dauert noch bis Mittwoch, den 19. Oktober.
Außerdem läuft am Mittwoch, den 2. November 20.45 Uhr in Zusammenarbeit der CinEScultura Objectivo braila/Ziel Braila (E 2010) von Antonio Quirós. Darin führt die Suche nach einer Frau einen Taxifahrer und dessen Freund 8500 Kilometer durch ganz Europa.
www.donumenta.de | www.filmgalerie.de

Alle zu Gast in REGENSBURG

13. Oktober 2011 lweser Keine Kommentare

13.-19. Oktober 2011, jeweils 19.00 und 21.00 Uhr, Filmgalerie, Regensburg
Donumenta: Serbische Filmwoche
Mit Schwarze Katze, weißer Kater von Emir Kusturica aus dem Jahr 1998, und sechs neuen serbischen Filmen ab 2004.
www.donumenta.de | www.filmgalerie.de

Noch bis 27. November 2011, Stadtmuseum, Zeughausstr., Amberg
Ausstellung: Ein Hamburger zu Gast in Amberg - HORST JANSSEN, mit Zeichnungen und Skizzen aus der Sammlung Prof. Stefan Blessin.
www.stadtmuseum.amberg.de

Freitag, 14. Oktober 2011, 19.00 Uhr, galerie konstantin b., Am Brixener Hof, Regensburg
Ausstellung: Schauplatz für zwei Herren in Anwesenheit der beiden Herren Herbert Weber und Peter Engel und der Möglichkeit zur dialektischen Auseinandersetzung in der eigens für diese Austellung komplett umgebauten Galerie.
www.herweber.ch

tops-und-flops-aus-dem-designlabor

Freitag, 14. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Schäffnerstr., Regensburg,
Ausstellungseröffnung: Tops und Flops im Designlabor. Ja, das klingt wirklich interessant! Unter Mitwirkung der Fachakademie für Raum- und Objektgestaltung des Bezirks Oberpfalz in Cham (was es alles gibt?!?) und außerdem ermöglicht ein Wettbewerb, selbst Designer zu sein. Der Siegerentwurf wird am 28. Oktober, 20 Uhr von einer Jury prämiert und der Designer mit einem attraktiven Preis geehrt. Das alles bis 05. November 2011.
www.kunstvereingraz.de | www.bezirk-oberpfalz.de

Freitag, 14. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Festsaal Naturkundemuseum, Regensburg
Konzert: mit den Klezmeyers, einem Trio aus Berlin, die wohl Klezmer und Meyer verbinden, oder so…
www.klezmeyers.de | www.nmo-regensburg.de

Samstag, 15. Oktober 2011, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg
Operetten-Premiere: Die lustige Witwe von Franz Lehár, für alle die sie noch nicht kennen oder nicht genug bekommen können. Musikalische Leitung: Arne Willimczik, Inszenierung und Choreografie: Olaf Schmidt.
Weitere Termine: 20./22./26./30. Okt., 10./11./18. Nov., 04./18./27./31. Dez. 2011
www.theaterregensburg.de

Samstag, 15. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Regina-Kino, Holzgartenstr., Regensburg
Film-Premiere: Dreiviertelmond, präsentiert von Regisseur Christian Zübert und Hauptdarsteller Elmar Wepper. Nein, nicht Fritz!
www.dreiviertelmond.de | www.reginakino.de

Sonntag, 16. Oktober 2011, 16.00 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Probebühne, Regensb.
Kinder- und Jugendtheater-Premiere: Tina Müller: Türkisch Gold. Inszenierung: Sarah Kohrs, mit Yvonne Klamant und János Kapitány. Geeignet ab 13 Jahre. Weitere Termine:
18./20./21./22./23./25./26./27./28. Okt., 01./02./03./04./06./15./17./19./21./25./30. Nov. 2011,
www.theaterregensburg.de

Di./Mi., 18./19. Oktober 2011, 19.45 Uhr, Akademiesalon-Kino, Andreasstadel, Regensburg
weiter in der François Truffaut-Reihe mit dem letzten Doinel-Film Liebe auf der Flucht / L’amour en fuite (F 1979) natürlich mit Jean-Pierre Léaud und Claude Jade.
Vermutlich dienstags: deutsche, mittwochs: französische Fassung mit deutschen Untertiteln.
www.kinos-im-andreasstadel.de

Dienstag, 18. Oktober 2011, 20.30 Uhr, Bücher Pustet, Gesandtenstr., Regensburg
Lesung: Weltensammler-Autor Ilija Trojanow liest aus seinem neuen Roman Eistau.
Eintritt: 8,- bzw. 6,- €
www.ilija-trojanow.de | www.pustet.de

Dienstag, 18. Oktober 2011, 20.30 Uhr, Regina-Kino, Holzgartenstr., Regensburg
Film-Vorpremiere: Eine ganz heiße Nummer, vorgestellt von der Autorin Andrea Sixt, Schauspielerin Gisela Schneeberger und Regisseur Markus Goller. Alter Hut auf bayerisch!
www.eineganzheissenummer.de | www.reginakino.de

Mittwoch, 19. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Alte Mälzerei, Club, Regensburg
Lesung: Der deutsche Stephen King Sebastian Fitzek liest aus seinem Psychothriller Der Augenjäger, Huuaah… dubios. Eintritt: 12,-/14,- Euro
www.sebastianfitzek.de | www.alte-maelzerei.de

Donnerstag, 20. Oktober 2011, 20.00 Uhr, Stadtbücherei, Haidplatz, Regensburg
Lesung: Die Grande Dame des deutschen Krimis Ingrid Noll (Die Apothekerin, Der Hahn ist tot) liest aus ihrem aktuellen Buch Ehrenwort. Eintritt: 10,-/8,- Euro
www.regensburg.de | www.diogenesverlag.de

Donnerstag, 20. Oktober 2011, 18.00 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Donumenta XIII: Donau – wohin?, ein internationales Symposium des donumenta-Netzwerks für Kunst und Kultur im Donauraum vom 20. – 22. Oktober 2011. Eröffnung und Begrüßung um 18.00 Uhr, danach um 20.00 Uhr Lesung Zoran Živković: Die fünf Wunder der Donau, und um 21.00 Uhr Balkan-Party mit DJane Spoma aus München. Freitag und Samstag geht’s weiter mit Vorträgen und Diskussionen. Das gesamte Programm als PDF unter www.donumenta.de

Categories: Filippo Franco, Lysann Weser Tags:

Wild, dynamisch, bunt und schrill: Katharina Blum

9. Oktober 2011 lweser Keine Kommentare

Theater: Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entsteht und wohin sie führen kann, Theater am Haidplatz, Regensburg
Bühnenstück nach einer Erzählung von Heinrich Böll, bearbeitet von Margarethe von Trotta

die-verlorene-ehre-der-katharina-blum

Die Geschichte Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll, ist seit der Verfilmung durch Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1975 mit Angela Winkler in der Hauptrolle, international bekannt. Und gehört seither neben Tom Toelles Millionenspiel (D 1970) zur deutlichsten Medienkritik im deutschen Film.

Nach Dem blauen Engel inszeniert Johannes Zametzer nun also wieder ein Theaterstück nach einer Literaturverfilmung in Regensburg. Denn die Bühnenfassung Margarethe von Trottas orientiert sich ganz deutlich am Filmdrehbuch. Außerdem gibt es einige Gemeinsamkeiten der Inszenierungen. Zametzer setzte bereits im Blauen Engel Gesichtsmasken als Verfremdungseffekte ein. Diese kommen auch in Die verlorene Ehre der Katharina Blum vor. Zametzer überzeichnet die Figuren, legt die Regieanweisungen und Doppelbesetzungen bloß und benutzt eine Reihe weiterer Verfremdungseffekte. So wird Staatsanwalt Hach (Oliver Severin), zum Entertainer, der dem im hellerleuchteten Saal sitzenden Publikum, am Mikro Regieanweisungen und Erläuterungen zuruft. Dabei wird der Theaterraum auch mal zum Flugzeug.

Katharina Blum (Anna Dörnte) gerät nach einer Liebesnacht mit einem Terroristen, den sie auf einer Karnevalsparty ihrer Tante kennengelernt hat, in die Hände der Staatsmacht. Sie wird von Polizei und Presse systematisch diffamiert und Opfer einer Verleugnungskampagne, die ihr alles nimmt – ihren Job, ihre Mutter und natürlich ihren Ruf, oder altmodisch gesagt: die Ehre. Böll, der selbst Opfer einer Hetzkampagne (angeführt von der Bild-Zeitung) geworden war, stellt hier einfache Gegensatzpaare gegenüber: Gut/Opfer/Unschuld = Katharina Blum gegen Böse/Täter/Schuld = Polizei, Staatsgewalt, Presse. Wo K. in Kafkas Prozess Opfer bleibt, wird Katharina Blum am Ende selbst zur Täterin und also zum Kleistschen Michael Kohlhaas. Gewalt entsteht aus Gewalt, wie der Titel vorwegnimmt. Keiner verteidigt Katharinas Blums Ehre, also muss sie sie selbst verteidigen.

Zametzers Inszenierung ist wild, dynamisch, bunt und schrill. Umso stärker scheint die Tragödie hinter der Party auf der Bühne hervor. Umso stärker wird Katharina Blums Isolation und Verletzung sichtbar. Eine starke Inszenierung mit einem großartigen Ensemble.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Theater am Haidplatz, Regensburg
Bühnenstück nach einer Erzählung von Heinrich Böll, bearbeitet von Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorf,

Inszenierung: Johannes Zametzer; Bühnenbild: Peter Engel
mit Anna Dörnte, Oliver Severin, Michael Haake, Doris Dubiel, Daniel Tille, Paul Kaiser, Gabriele Fischer, Christoph Bangerter, Paul Kaiser

jeweils 19.30 Uhr im Theater am Haidplatz; weitere Termine: 02./04./05./10./13./14./15./16./19./20./21./24./26./27./28./29. Oktober, 02./03./04./05./06./08./09. November 2011

www.theaterregensburg.de