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Archiv für Dezember, 2011

Kinowerbung

29. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

gutesneues2012

Ab 29. Dezember 2011, Ostentor-Kino, Regensburg
Film: Und dann der Regen (MEX, E, F 2010) von Iciar Bollain; Der Filmteam stöß bei den Dreharbeiten über Kolumbus auf reale Probleme der Ureinwohner Bolieviens. Der Film erhielt mehrere Publikumspreise auf verschiedenen Festivals, unter anderem beim Berlinale-Panorama. Bis 4. Januar und danach bis 17. Januar im Wintergarten, Kino im Andreasstadel
www.und-dann-der-regen.de | www.altstadtkinos.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Ab 1. Januar 2012, 17.00 Uhr, Filmgalerie, Leerer Beutel, Regensburg
Film: Dem Himmel ganz nah (D, RO 2010) von Titus Faschina; Ein Film über die untergehende Welt eines Berghirten in den transsilvanischen Karpaten. Bis 4. Januar und am 8. Januar 11.00 Uhr
gmfilms.de | www.filmgalerie.de

Ab 5. Januar 2011, Ostentor-Kino, Regensburg
Film: Huhn mit Pflaume (F, D, B 2011) von dem Regie-Duo von Persopolis Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud, bunte Tragikkomödie (nach einer Graphic Novel) im Teheran der 50er Jahre.
www.huhn-mit-pflaumen.de | www.altstadtkinos.de

Donnerstag, 5. Januar 2011, 20.00 Uhr, Alte Mälzerei, Regensburg
Konzert: Sick Sick Sick, Alison Steel und Ravenryde; Eintritt: 8 €
www.myspace.com/sicksicksickmusic | www.alte-maelzerei.de

Buchtipp: Woran denkst du jetzt? - von Gila Lustiger

28. Dezember 2011 sgruen Keine Kommentare

Tiefer Blick in den Abgrund

(Sigrid Grün)

Nachdem ihr Onkel Paul gestorben ist, treffen die beiden Schwestern Lisa und Tanja im Haus ihrer Kindheit aufeinander und unterhalten sich eine ganze Nacht lang über das bevorstehende Leben ohne den übermächtigen Onkel, der ihnen immer ein Vaterersatz war. Die Schwestern ziehen Bilanz und einiges tritt an die Oberfläche, das bislang unterdückt wurde.
Lisa, die sensiblere der beiden, hält Rückschau und versucht der Enttäuschung nachzuspüren, die sie Onkel Paul bereitet hat, der ihre Zukunft ganz anders geplant hatte: Eine große Schauspielerin sollte sie werden - und wurde doch nur eine mittelmäßige, um schließlich Dramatherapeutin zu werden, was sie aber offensichtlich auch nicht erfüllt. Die Probleme ihrer Klienten nerven sie und eigentlich hätte sie mit den eigenen Problemen schon genug zu tun.
Tanja, die energischere der beiden, konnte Onkel Pauls Vorstellungen auch nicht gerecht werden. Er hatte für sie eine Zukunft als Wirtschaftswissenschaftlerin geplant - sie sollte sich der Ungerechtigkeit in der Welt widmen und einfach etwas Bedeutendes bewegen. Stattdessen hat sie nun eine führende Position in einer Bank inne, verdient zwar eine Menge Geld, steht aber ganz offensichtlich auf der falschen Seite.
Auch in Liebesdingen unterscheiden sich die beiden Schwestern. Lisa hat immer wieder neue Liebhaber, während Tanja nach einer geschiedenen Ehe wieder verheiratet ist und eine Tochter hat. Doch auch hier täuscht die Fassade…
Die Schwestern verletzen sich in ihren Gesprächen, brechen alte Wunden auf und fügen sich neue Verletzungen zu. Und doch ist das nächtliche Gespräch auch klärend, denn bald wird klar, dass vieles nicht so ist, wie es scheint. Ein Leben ohne Onkel Paul scheint zunächst undenkbar - doch die Hinterbliebenen müssen sich ihm stellen.
Gila Lustiger gelingt ein tiefer Blick in die Abgründe einer Familie, in der sich die einzelnen Familienmitglieder oft gegenseitig zerfleischen und in der Wahrheiten ans Licht kommen, die man so nicht erwartet hätte. Nicht nur über die drei Hauptakteure Paul, Lisa und Tanja - auch die restlichen Familienmitglieder - der Vater und insbesondere die Mutter, Onkel Pauls Schwester - werden in diesem nächtlichen Kammerspiel entlarvt.
Ein faszinierendes Buch, das aufzeigt, was sich hinter der wohlgehüteten Fassade einer Familie abspielt.

9783827010179

Gila Lustiger (Autorin)
Woran denkst du jetzt?
www.bloomsbury.de
288 Seiten

Categories: Sigrid Grün Tags:

Heilige Woche - Stille Woche

22. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

Kultur Ostbayern wünscht allen Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

Wer unbedingt Kultur über Weihnachten braucht:
Im Theater gibt es lauter weihnachtlich-winterliche Stücke: Die Oper Hänsel und Gretel am 1. Weihnachtsfeiertag und Turandot am zweiten, sowie das Tschaikowski-Ballett Der Nussknacker an beiden Tagen und die Kriminalkomödie Acht Frauen (bekannt nach Francois Ozons starbesetzter Verfilmung).
www.theater-regensburg.de

Wer es nicht ganz so besinnlich mag:
ab Do. 22. Dezember 2011, 17.30/20.30 Uhr, Regina Kino, Holzgartenstr., Regensburg
Der neue Rosenmüller Sommer der Gaukler
www.sommerdergaukler-derfilm.de | www.reginakino.de

Freitag, 23. Dezember 2011, 20.00 Uhr, Jazzclub, Leeren Beutel, Regensburg
Alle Jahre wieder: RostMond Orchestra & The Blowing Santa Clauses - Ehrlich, wir können nicht anders?!? Eintritt: 9/18 €
www.rostmond.de | www.jazzclub-regensburg.de

„Anspruch und Tiefe? – Überschätzt!“

21. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

Kino / Vorpremiere: Sommer der Gaukler, in Anwesenheit von: Regisseur Marcus H. Rosenmüller, Cutter: Georg Söring, Komponisten: Gerd Baumann und Thomas Rebensburg; Regina-Kino, Regensburg

Marcus H. Rosenmüller ist seit seinem Riesenerfolg Wer früher stirbt… aktiver denn je. Fast halbjährlich erscheint ein neuer Film von ihm in den deutschen Kinos. Sein zweiter Kinofilm in diesem Jahr startet am Donnerstag offiziell in den Kinos (ein dritter namens St. Daisy - Wer’s glaubt wird selig ist abgedreht, erscheint im August 2012). Doch zuvor stellt Rosenmüller den Sommer der Gaukler gemeinsam mit anderen Teammitgliedern bereits in einigen ausgewählten bayrischen Kinos, unter anderem im Regina in Regensburg, selbst vor.

Sommer der Gaukler Team: Rebensburg, Baumann, Rosenmüller & Söring

Sommer der Gaukler Team: Rebensburg, Baumann, Rosenmüller & Söring

Im Sommer der Gaukler des Jahres 1780, strandet Emanuel Schikaneder, (geboren in Straubing, aufgewachsen in Regensburg, fahrender Schauspieler, Theatergruppenleiter, „Zauberflötenlibrettist“ und Begründer des „Theaters an der Wien“ in Wien) mittellos mit seiner Schauspielkompanie in dem Voralpenort Inzell, weil ihm die Spielerlaubnis für Salzburg verweigert wird. Der Rest ist weitestgehend Fiktion, wenngleich Drehbuchautor Robert Hültner, sich an Versatzstücken von Schikaneders Biographie schadlos hält. In jenem Bergdorf findet Schikaneder (Max von Thun) die Inspiration zu einem neuen Stück: die Bergleute rebellieren unter dem vermeintlichen Anführer Georg Vester (Maxi Schafroth) gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in den Gruben von Bergwerksbesitzer Paccoli (Rosenmüller nennt es die Vorstufe zur französischen Revolution). Gleichzeitig verliebt sich dessen Tochter Babette (Anna Maria Sturm) in den Bergrebellen wider Willen Vester, Schikaneders Truppe meutert, da alles Geld aufgebraucht ist, und Schikaneder lässt sich auf ein Experiment ein: Ist es möglich mit der Aufführung eines Schauspiels das einfache Volk zu erreichen? Es ist fast unmöglich alle Handlungsstränge, alle Ideen, alle Bilder und Anspielungen, die in Rosenmüller Film stecken aufzuführen. Letztlich „jagt das Theater das Leben und das Leben das Theater“ und jene werden zu Rebellen gemacht, die doch nur ihre Ruhe haben wollen. Es gibt fast zwei Revolutionen und Mozarts Zusammenarbeit mit Schikaneder ist besiegelt. Rosenmüller schreibt sich selbst noch mit ein, als er Mozart sagen lässt: „Schikaneder du bist großartig. Weißt du aber was dir fehlt?“ Schikaneder antwortet genervt: „Anspruch und Tiefe?“ – „Quatsch, alles überschätzt - …“ Tatsächlich kann man einem solchen prallem, opulenten, bildgewaltig, hundertfünfminütigen Rausch, von dem keine einzige Minute langweilig ist, fehlenden Tiefgang und Anspruch nicht vorwerfen. Die braucht’s dann wirklich nicht mehr.
„…Musik“ ist Mozarts Antwort und nicht mal die fehlt bei Rosenmüller. Zwei Lieder hat er in seinem Film integriert, den Bergarbeiter-Blues und den Babette-Song. Der kurze Ausflug in, und gleichzeitig die Parodie auf das Musicalgenre irritiert ganz kurz, passt dann aber so gut, dass man den Vorwurf, das sei nun doch ein bisschen zu viel, gleich wieder vergisst. Schließlich ist die Sprache in den jeweiligen Passagen so rhythmisch, das sie fast zwingend ins Lied führen muss und gleichzeitig mit der Ausführung wieder ironisch gebrochen wird. Auch die restliche Musik, ein aufwendiger Soundtrack an dem die Komponisten zwei bis drei Monate arbeiteten, ist sehr beachtenswert. Der mitgereiste Filmmusikkomponist Gerd Baumann (der auch den Soundtrack zu sieben anderen Rosenmüller-Filmen oder zu Färberböcks Sau Nummer Vier verantwortete), erklärt in Regenburg, sich gegen die anfängliche Idee echte Mozart-Musik zu verwenden, entschieden zu haben und statt dessen Musik komponierte, die so tut, als wäre sie von Mozart. Für das orchestrale der Musik, mit der Baumann, wie er zugibt wenig Erfahrung hatte, erhielt er Unterstützung von Wolfgang Roth und Thomas Rebensburg (Komponist für Rosenmüllers ersten Kurzfilm C’est la vie). Eingespielt wurde die Partitur dann vom den Münchner Symphonikern unter der Leitung von Andreas Kowalewitz. Baumann verrät, dass er, um die Figur des Schikander musikalisch zu transportieren, sich für einen Jahrmarkts-Touch entschied, den er unter anderem durch eine „quäkige“ italienische Orgel erzielte.

Eleonore (Lisa Maria Potthoff) liebt Emanuel Schikaneder (Max von Thun). (c) Movienet

Eleonore (Lisa Maria Potthoff) liebt Emanuel Schikaneder (Max von Thun). (c) Movienet

Die Ähnlichkeit zu Miloš Formans Amadeus (USA 1984) drängt sich auf. Nur ist bei Rosenmüller eben Schikaneder das durchgeknallte Genie (oder auch nur Möchtegern-Genie) und nicht Mozart. Rosenmüllers Mozart sieht mit seiner toupierten 80er-Jahre-Frisur, dem Formans tatsächlich ähnlich. Rosenmüller verneint aber Forman als bewusstes Vorbild. Stattdessen nennt er Melvin Franks Der Hofnarr (USA 1955) mit Danny Kaye in einer Doppelrolle und auch ein wenig Gérard Depardieu in und als Cyrano de Bergerac, sowie die Rolle des Jack Sparrow aus Der Fluch der Karibik als Vorbilder für die Figur des Schikaneder.

Hier noch ein paar interessanten Fakten und Querverbindungen zum Film:
Zu drei Monaten Vorbereitung, kamen 32 Drehtage und drei bis vier Monate für den Schnitt. Hauptsächlich wurde im Museumsdorf Tittling im Bayrischen Wald gedreht. Die Anfangszene entstand in der Altstadt von Bozen, die Theaterszenen im Barocktheater in Český Krumlov und ein bisschen Berg wurden in Südtirol aufgenommen.
Die unglaubliche Liebeserklärung (laut Rosenmüller Filmgeschichtsverdächtig) von Vesper an Babette wurde übrigens spontan eingebaut und in einer einzigen Nacht von Maxi Schafroth geschrieben.
Burgtheaterschauspieler und „Jedermann“ an der Seite von Birgit Minichmayr bei den Salzburger Festspielen, Nicholas Ofczarek spielt den genialen Schauspieler Wallerschenk, der in Schikaneders Frau verliebt ist.
Mit Anna Maria Sturm (Babette) und Anna Brüggemann (Magd Maria) spielen gleich zwei (ehemalige) Regensburgerinnen im Sommer der Gaukler mit.
Christian Lerch, Werkhofsleiter aus Franz X. Bogners Der Kaiser von Schexing, spielt hier einen fiesen einäugigen Vorarbeiter und ist kaum wieder zu erkennen.
Lindenstraßen-Erfinder Hans W. Geißendörfer produziert den Film (gemeinsam mit Ernst Geyer).
Produktionsleiter Thomas Blieninger produzierte auch Meine Mutter, mein Bruder und ich der neben Armenien, auch in Regensburg gedreht wurde.
Michael Kranz (Alfons der Kutscher) war in Sebastian Sterns Die Hummel als Sohn von Jürgen Tonkel zu sehen.
Der Sommer der Gaukler-Soundtrack ist bei Millaphon Records erschienen, dem Indie-Label, das Gerd Baumann zusammen mit Mehmet Scholl (Bayern München) und Till Hofmann betreibt.

Sommer der Gaukler D 2011, 105 min
Regie: Marcus H. Rosenmüller, Nach einem Roman von Robert Hültner
Musik: Gerd Baumann, Schnitt: Georg Söring, Kamera: Stefan Biebl, Szenenbild: Josef Sanktjohanser
Darsteller: Max von Thun, Lisa Maria Potthoff, Nicholas Ofczarek, Michael Kranz, Anna Maria Sturm, Erwin Steinhauer, Maxi Schafroth, u.v.m.
ab Donnerstag, den 22. Dezember 2011 im Regina-Kino
www.sommerdergaukler-derfilm.de | www.reginakino.de

Forumtheater “hochschuldiktatUR” im Elly Maldaque Theater Regensburg

18. Dezember 2011 sgruen Keine Kommentare

Bildung bolognese

(Sigrid Grün)

Das Regensburger ueTheater hat am 7. und 8. Dezember eine Theaterform auf die Bühne des Elly Maldaque Theaters gebracht, die man in Regensburg bisher wohl noch nicht erleben konnte: Forumtheater nach Augusto Boal, dem Begründer des Theaters der Unterdrückten. Das Forumtheater ist eine zutiefst demokratische und politische Form des Theaters. Das Publikum bekommt zunächst einige Szenen präsentiert, die einen unbefriedigenden Zustand zeigen – schließlich werden die Zusehenden dazu aufgefordert, zu einer gelungenen Lösung beizutragen, indem sie in die Szenen eingreifen. Jede Forumtheatervorstellung ist also anders!

Im Stück des ueTheaters, das von Kurt Raster gemeinsam mit 10 StudentInnen (5 Frauen und 5 Männer) erarbeitet und inszeniert wurde, geht es um Bildung in Zeiten des Bologna-Prozesses und um die erschreckende Vereinnahmung der Universitäten durch die Wirtschaft. 12 Szenen wurden dem Publikum demonstriert – Auszüge aus einem normalen StudentInnenleben vom Anfang bis zum Schluss – von der Studienplatzsuche bis zur Abschlussfeier.
Eine Moderatorin führte durch die Szenen und las die eingeblendeten Zwischentexte vor, die Hintergründe erläuterten.

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Bereits die erste Szene zeigt, wie viele junge Menschen, die sich für eine Wissenschaft begeistern davon abgehalten werden, ihren Wunschstudiengang anzutreten. Von einer Uni nach der nächsten wird der Student auf der Bühne abgewatscht – Biologie hat nun einmal einen hohen Numerus Clausus. Was bleibt dem Studenten da anderes übrig, als Jura zu studieren?
Auch die Wohnungssuche gestaltet sich in der Universitätsstadt Regensburg problematisch. Noch mehrere Wochen nach Vorlesungsbeginn hatten einige Studenten noch keine Bleibe – und die Kosten explodieren. Auch die überfüllten Hörsäle und Seminare, die eigentlich allen offen stehen sollten, aber nur für Studierende ab dem 5. Semester offen sind, weil diese ja bald ihren Abschluss machen müssen werden thematisiert.

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Doch nicht nur die Situation der Studierenden ist schwierig. Auch Doktoranden und wissenschaftliche Hilfskräfte müssen sich dem Druck von oben beugen – und geben ihn meist an die studentischen Hilfskräfte und Studierenden weiter.
Trotzdem muss man sich dann von den Professoren Sätze wie „Sie shoppen doch immer die ganze Zeit!“ anhören – was für ein Hohn!
Und dann wurde noch eine Prüfungssituation gezeigt, die einen als Zuschauer schon bei der ersten Demonstration am liebsten eingreifen lassen möchte. Eine Studentin wird trotz starker Schmerzen geprüft – völlig ohne Rücksicht auf ihren Zustand. Stattdessen wird ihr noch vorgeworfen zu simulieren, weil sie den Stoff angeblich nicht beherrsche. Sieht so Bildung aus? Wie kann es dazu kommen, dass an einer Institution, deren Aufgabe die Bildung des Menschen ist, ein derart menschenverachtender Umgang vorherrscht. Doch wenn man sich umhört, erfährt man, dass hier nicht übertrieben wird. Vielen Studenten geht es nicht gut – aber darauf wird keine Rücksicht genommen. Hier müsste sich grundlegend etwas ändern. Solange nicht mehr der Mensch, sondern die Verwertbarkeit für die Wirtschaft und das „Funktionieren“ im Vordergrund stehen, kann sich kein Mensch wirklich wohlfühlen und sein ganzes Potenzial entfalten.
Auch die studentische Mitbestimmung und die Rolle der Wirtschaft an den Universitäten werden aufgegriffen. Inwiefern können StudentInnen überhaupt mitbestimmen? Diese Frage sollte man sich schon stellen – und wird feststellen: Viel zu wenig! Erschreckend wenig.
Die Demonstration einer Szene, in der es um die Vergabe des Deutschlandstipendiums geht, führt schließlich vor Augen, was hinter den Kulissen läuft – auch hier ist ein realer Hintergrund gegeben: Diehl, ein deutsches Unternehmen, das unter anderem mit Waffen handelt, hat an der Nürnberger Ohm-Hochschule finanziell tatsächlich seine Finger im Spiel… In der Szene des Forumtheaters sitzen Kanzler Dr. Blaumüller, Prorektor Dr. Schluchter und Herr Leubl von der Firma Heckler & Koch gemeinsam mit einem studentischen Vertreter an einem Tisch und diskutieren die Vergabe der Stipendien. Eine Philosophie-Studentin mit überdurchschnittlich guten Noten soll gefördert werden? Wozu? Kein Rüstungsunternehmen braucht Geisteswissenschaftler!

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Zum Schluss wird eine Abschlussfeier auf die Bühne gebracht. Saufende und kiffende Studenten, eine Studentin, die sich ins gemachte Bett der Ehe setzt – kein schönes Bild – und dann als bilanzierender Schluss-Song: Fick die Uni von der Antilopengang…

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Nach der Pause wurden drei Szenen - „Professor und Dozent“, „Sie schoppen doch immer die ganze Zeit!“ und „Prüfung“ angespielt und dann dem Publikum die Möglichkeit gegeben, die Szenen und Dialoge zu verändern. Dabei kamen ausgeprochen kreative Lösungen zustande, die auch aufzeigten, welche Prioritäten die Eingreifenden setzten – etwa bei der Vergabe des Deutschlandstipendiums.

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Hier wurde etwa der studentische Vertreter ersetzt und die Eingreifende setzte sich tatkräftig und nach allen Regeln der rhetorischen Kunst für die Philosophiestudentin ein, um bei der Rüstungsfirma die Gelder locker zu machen. Ein anderer Zuschauer ersetzte den Rektor und versuchte in eine andere Richtung zu lenken. Die Szenen waren eine faszinierende Herausforderung für alle Beteiligten!
Auf Cloudtells konnte man dann auch noch am 10. Dezember online in das Geschehen eingreifen.

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Was für ein gelungener und faszinierender Theaterabend! Es ist einfach eine wunderbare Erfahrung, so engagiertes, lebendiges und cooles Theater mitzuerleben – und dann noch selbst aktiv zu werden. Man kann sich nur wünschen, dass es solches Theater öfter in Regensburg zu sehen gibt und dass viele Menschen miterleben können, wie spannend und facettenreich Theater sein kann.

www.uetheater.de

Linsensuppe aus dem Rilke-Topf und Willy Brandts Butterkuchen

16. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

Buchbesprechung: Moritz Rinke: Der Mann, der durch die Jahrhunderte fiel

Moritz Rinke, einer der erfolgreichsten Dramenautoren Deutschlands, hat mit „Der Mann der durch das Jahrhundert fiel“ seinen ersten Roman vorgelegt. Die tragikomische Familiengeschichte ist auch ein spannender Krimi. Nebenbei bietet das Buch eine kleine Kunst- und Kulturgeschichte der bekanntesten deutschen Künstlerkolonie Worpswede und gleichzeitig eine geschichtliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus dort.

Paul Wendland, ein erfolgloser Galerist eines blinden Malers aus Berlin, kehrt nach Worpswede, dem Ort seiner Kindheit zurück, um sein Erbe, das Haus seines Großvaters, vor dem Versinken im Teufelsmoor zu retten. Dort wohnt Pauls Cousin, der Buchweizenpfannkuchen bäckt und Liebesbriefe an Frauen schreibt, die er auf “landflirt.de” kennenlernt. Da dieser geistig behindert geboren wurde, wurde er vom Großvater nicht als Vollmitglied der Familie Kück anerkannt und erhielt kurzerhand den Namen Null-Kück. Pauls Großvater war der Bildhauer Paul Kück, der Büsten berühmter Persönlichkeiten wie Max Schmeling, Heinz Rühmann und Willy Brandt modellierte und in Bronze goss. Das Haus ist voll skurriler Utensilien, die die Familie mit der großen (Kunst-) Geschichte Deutschlands verbindet. Da ist der Rilke-Topf, den Pauls Großmutter angeblich von Rilkes Frau Clara geschenkt bekam, und in dem sie immer Linsensuppe kochte ebenso wie ein Stück Butterkuchen, das Willy Brand anbiss aber nicht zu Ende aß, weil eine Staatsaffäre ihn zurück nach Bonn rief. Doch nach und nach gibt das Moor nicht nur des Großvaters nationalsozialistische Verstrickungen preis, sondern offenbart auch eine Familientragödie und mindestens ein Verbrechen. Pauls anfängliche Probleme mit seiner Freundin, die in Barcelona lebt, verlieren anhand des aufgedeckten Netzes aus Lügen und Verbrechen immer mehr an Bedeutung. Mit der Figur von Pauls durchgeknallter Mutter, die ihm Salat mit der Post aus Lanzarote schickt, rechnet Rinke auch gleich noch mit der 68er Generation ab.

Rinke gelingt es in seinem Roman über den Untergang einer Familie die wichtigsten Stationen der deutschen Geschichte zu verankern. Dabei versinkt er nicht in falscher Befindlichkeit, sondern schafft es mit Lust am Erzählen und Liebe zu skurrilen Details den Leser emotional zwischen Freude und Entsetzen zu halten. Eine spannende und lustvolle Lektüre!

der-mann-der-durch-das-jahrhundert-fiel
Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel

von Moritz Rinke

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Kipenheuer und Witsch
492 Seiten
gebunden: 19,95 € (Feb. 2010)
brochiert: 9,99 € (Aug. 2011)

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www.kiwi-verlag.de

Undercover: Sommer der Gaukler im Tal des Todes

15. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

Freitag, 16. Dezember 2011, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg
Premiere: Engelbert Humperdincks Märchenspiel in drei Bildern Hänsel und Gretel. Dichtung von Adelheid Wette, musikalische Leitung: Philip van Buren, Inszenierung: Christina Schmidt
weitere Termine: 17./25.(15 Uhr)/30. Dez. 2011, 08.(15 Uhr)/11./13./15./17./19./21./28./29. Jan., 16. Feb., 14./21. März, 23. Apr., 22. Mai 2012.
www.theaterregensburg.de

Freitag, 16. Dezember 2011, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Schäffnerstr., Regensburg
Eröffnung: Stockdunkel/Im Tal des Todes, 10. (Weihnachts-) GRAZifikation mit Live-Beschallung von Bertl Wenzl; bis. 15. Januar 2011
Vorankündigung: Innerhalb der GRAZifikation 2011 läuft am Freitag, den 6. Januar 2011 um 20.00 Uhr im Kunstverein Graz der tschechoslowakische Neue-Welle-Film Spalovač mrtvol (Der Leichenverbrenner/The Cremator) Regie: Juraj Herz nach einem Roman von Ladislav Fuks, CS 1968, 95 min; Unbedingt ansehen!
www.kunstvereingraz.de

Freitag, 16. Dezember 2011, 23.00 Uhr, Heimat, Taubengässchen, Regensburg
Party: Sublime Under-Cover, ein Abend voller Coversongs mit DJ Ayli, Miss Shapes und Markus Guentner; Eintritt frei, bis 4.00 Uhr.
www.sublime-music.de | www.heimat-regensburg.de

Samstag, 17. Dezember 2011, 17.30 Uhr, Lukrezia-Markt, Haidplatz, Regensburg
Konzert: weihnachtlich oder nicht, Uncle Sally spielen Open-Air ihre Country-Perlen.
www.uncle-sally.de | www.lucrezia-markt.de

Montag, 19. Dezember 2011, 21.00 Uhr, Regina Kino, Holzgartenstr., Regensburg
Vorpremiere von Marcus H. Rosenmülller Sommer der Gaukler in Anwesenheit des Regisseurs und des Filmkomponisten Gerd Baumann. Der Film beschreibt die Abenteuer des Emanuel Schikaneder, Zauberflöten-Libretist und gebürtiger Straubinger, in einem rebellierenden Bergarbeiterdorf im Sommer 1780. Offizieller Kinostart ist am Do. 22.12.2011.
www.sommerdergaukler-derfilm.de | www.reginakino.de

ab Do. 22. Dezember 2011, 21.00 Uhr, Wintergarten Kino, Andreasstadel, Regensburg
Filmtipp: Atmen (A 2011) Regie: Karl Markovics. Wer den Film beim Heimspiel-Filmfest verpasst hat, kann ihn nun zum fast regulären Kinostart in Regensburg sehen. Bis mind. 30. Dezember
atmen-derfilm.at | www.kinos-im-andreasstadel.de

Buchtipp: “Krieg oder Frieden - Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens” von Hamed Abdel-Samad

14. Dezember 2011 jneidh Keine Kommentare

Der Tahrir-Platz in den Köpfen…

(Jan Neidhardt)

Hamed Abdel-Samad, geboren 1972, ist ein deutsch-ägyptischer Politikwissenschaftler, der die revolutionären Ereignisse in Ägypten im Frühjahr 2011 hautnah miterlebt hat.

In “Krieg oder Frieden” schildert er seine Sicht der Dinge und unterbreitet darauf aufbauend Vorschläge, wie der Westen die arabischen Staaten, die sich ihrer Diktatoren entledigt haben, unterstützen kann um nicht den Ultrareligiösen die schnell gewonnene Oberhand zu ermöglichen.

Das Buch ist eigentlich nicht bei diesen Vorschlägen am spannendsten, sondern eher in Bezug auf die Darstellung, wie stark die Vernetzung durch das Internet via Facebook und Co in den arabischen Staaten Einfluss auf die politische Entwicklung nimmt. Der “arabische Frühling” ist, wie bei Lektüre des Buchs schnell deutlich wird, eigentlich ohne das web 2.0 und gerade Facebook kaum denkbar.

Spannend sind besonders die Verhältnisse in Ägypten dargestellt, weil immer wieder auch persönlich Bezüge thematisiert werden, ohne die das Buch wahrscheinlich wesentlich trockener ausfallen würde. Abdel-Samad war schließlich am Tahrir-Platz Zeuge und Mitakteur der Demonstrationen, die letztlich zum Sturz Mubaraks führten. Der Sturz, darüber lässt das Buch auch wenig Illusion, ist aber nur ein Teilschritt in Richtung einer Verbesserung, der politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Die Ereignisse in Tunesien, in den Emiraten, Syrien und Libyen werden ebenfalls in diesen Kontext gestellt und analysiert. Interessant finde ich hier auch die Rolle, die Medien wie der Fernsehsender Al-Jazeera übernehmen und von wem und aus welchen Interessen heraus diese finanziert werden.

Es zeigt sich, dass hier sehr viele mitmischen und einmal mehr, dass der Islam, durchaus nicht die große Uniformität besitzt, die ihm westliche Medien gerne vereinfachend zuschreiben.

Das Buch ist mittlerweile vielleicht von der Geschichte schon wieder etwas überholt, man denke z.B. an den Sturz Gaddafis, der damals noch nicht vollzogen (wenn auch schon absehbar) war. Es ist spannend zu lesen, da die Ereignisse ein persönliches Gesicht bekommen und eine differenzierte Wahrnehmung der arabischen Welt ermöglicht wird.

Hamed Abdel-Samad (Autor)
Krieg oder Frieden - Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens
www.droemer.de
236 Seiten

Indisches Springkraut und Kuhmietservice

14. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

DVD/TV-Serie: Der Kaiser von Schexing, Regie : Franz Xaver Bogner

Franz Xaver Bogner: Seit Irgendwie und sowieso 1986 startete, ist der Name Franz Xaver Bogner ein Garant für Qualität in der bayrischen Serienlandschaft. Zwar ging schon der Sechteiler Zeit genug von 1981 auf seine Kappe, doch erst mit den Geschichten aus 68, seit Irgendwie und sowieso etablierte er das Genre Heimatserie neu. Er entstaubte es von Klischees, modernisierte und verankerte es dank authentischer Dialoge im bayrischen Alltag. Es folgten weitere Serien wie Zur Freiheit, Café Meineid oder München 7, die F.X. Bogner als Autor und Regisseur verantwortete. Alle fanden großen Publikumszuspruch und brachten Bogner den einen oder anderen Preis ein, darunter auch die Tassilomedaille, eine Auszeichnung vom Förderverein für Bairische Sprache und Dialekte „wegen der Echtheit der bairischen Sprache in seinen Werken und besonders der Dialoge selbst“.

Der Kaiser von Schexing
Seit 2008 läuft im Bayrischen Fernsehen Bogners jüngste Vorabendserie Der Kaiser von Schexing. Am 8. Dezember wurde die vorerst letzte Folge der fünften Staffel ausgestrahlt. Für alle Fans gibt es die Serie aber auch auf DVD. Und gleich vorweg: all Jene, die die Serie noch nicht kennen sollten sich auf keinen Fall vom Coverdesign der DVD-Boxen abschrecken lassen. Der Inhalt entspricht der gewohnten Qualität, für die Bogner bekannt ist und hat so rein gar keine Ähnlichkeit mit Dahoam ist dahoam oder Ähnlichen.

Andi Kaiser (Dieter Fischer), Sohn eines vermögenden und eigensinnigem Vaters, kehrt nach 15-jähriger Abwesenheit in seinen Heimatort - die fiktive Gemeinde Markt Schexing - zurück, just in dem Moment, als die Bürgermeisterwahl vor der Tür steht und es an geeigneten Kandidaten fehlt. Er wird vom Stadtkämmerer Hermann Nelz (Gerd Anthoff) und der Geschäftsleiterin und Standesbeamtin Rosi Specht (Dorothee Hartinger) ins Amt gehievt, um damit ihren eigenen Einfluss zu untermauern. Doch weit gefehlt, denn ganz so willenlos und lenkbar ist der „Kaiser“ dann doch nicht. Gedreht wurde „Der Kaiser von Schexing“ in den Studios des Bayrischen Fernsehens in Unterföhring, sowie an Schauplätzen in Niederseeon bei Glonn, Markt Ilsen und Rain am Lech.

Vierte Staffel: Rosi Specht (die gebürtiger Regensburgerin und Burg-Schauspielerin Dorothea Hartinger, die in Regensburg zuletzt in einer Gastvorstellung als Fräulein Else in Arthur Schnitzlers gleichnamigem Theaterstück im Turmtheater auf der Bühne zu sehen war) nimmt in der vierten Staffel eine Auszeit (im wirklichen Leben hat sie ein Baby bekommen). Im Rathaus stürzt daraufhin alles in ein mittelschweres Chaos. Braumeisterin Hannelore Herbst (die Kabarettistin Monika Gruber) schmeißt sich an Andi ran, um Rosis Job zu bekommen und verärgert damit die anderen Frauen im Rathaus. Gleichzeitig erlebt Kämmerer Nelz seinen zweiten Frühling als er sich in Karin Bäuml (Julia Koschitz) verliebt, die ihn von der Idee eines Kuhmietservices des Bauern Heilmeier Jr. (Michael Altinger) überzeugen will. Doch auch der Ort hat seine Probleme, die unter anderem in der Gemeindeversammlung diskutiert werden. Da gibt es zum Beispiel eine parasitäre Pflanze, das Indische Springkraut, das sich überall in und um Schexing ausbreitet und die einheimischen Arten verdrängt.

Bogner beweist mit solchen Themen, dass er nah an den Menschen und der Realität dran ist. Schließlich müssen sich Bauern heute ständig neue Einnahmequellen erschließen, da Landwirtschaft und Viehzucht allein ihre Existenz nicht mehr zu sichern vermögen. Das indische Springkraut wird in ganz Europa immer mehr zur Bedrohung heimischer Arten. u.s.w.
Ein bisschen unterscheidet sich die Serie, dann doch vom wirklichen Leben. Die Charaktere sind zwar eckig und kantig und alles andere als Engel, haben aber doch immer ein gutes Herz, so dass das Gute am Ende siegt. Das ist kein Verrat am Realitätsanspruch, sondern ein angenehmes Bekenntnis zur Naration. Schön, dass es noch solche Serien gibt.

der-kaiser-von-schexing-staffel-4Der Kaiser von Schexing - Staffel 4

Regie & Buch: Franz Xaver Bogner

Darsteller: Dieter Fischer, Gerd Anthoff, Dorothee Hartinger, Monika Gruber, Winfried Frey, Michael König, Christian Lerch, Florian Karlheim, Julia Koschitz, Barbara Bauer, Barbara Maria Messner, u.a.
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2 DVDs im Schuber
250 Minuten, farbe, D 2010
Sprache: Deutsch (DD 2.0/5.0)
Extras: Trailershow
BR / KNM Home Entertainment GmbH
VÖ: 08. November 2011
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weitere Informationen unter:
www.br.de | www.knm-media.de

Wenn Föhn ist…

13. Dezember 2011 lweser Keine Kommentare

DVD/Fernsehfilm: Föhnlage. Ein Alpenkrimi. Nach einem Roman von Jörg Maurer, Regie: Rainer Kaufmann

Der insgesamt vierte Heimatkrimi des Bayerischen Rundfunks wurde wieder von Rainer Kaufmann inszeniert. Für ihn ist der Alpenkrimi Föhnlage nach dem Allgäukrimi Erntedank die zweite Auftragsarbeit für die BR-Reihe. Die Vorlage zum Film stammt vom Autor und Kabarettisten Jörg Maurer.

Hauptkommissar Hubertus Jennerwein (benannt nach jenem bekannten Wilderer, der hinterrücks erschossen, zum Sinnbild für das Aufbegehren gegen die Obrigkeit wurde; gespielt von Martin Feifel) wird in seinen Heimatort Garmisch-Partenkirchen strafversetz. Kaum angekommen wird er nicht nur mit seiner Vergangenheit, sondern sogleich auch mit einem Mordfall konfrontiert. Bei den Ermittlungen stehen ihm die übereifrige, junge Kollegin aus den neuen Bundesländern Schwattke (Katharina Marie Schubert) und ihr gutmütig, geduldiger Vorgesetzte Johann Ostler (Jürgen Tonkel) zur Seite. Als Gegenspieler zum ehrlichen, aber unangepassten Jennerwein, agiert der skrupellose Bauunternehmer Harasser (Helmfried von Lüttichau). Der hat nicht nur den Ort fest im Griff und Jennerweins Ex geheiratet, sondern steht auch in Verbindung zur italienischen Mafia, auf der anderen Seite der Alpen. Das Bestatterehepaar Grasegger (Andreas Giebel und Gundi Ellert) lassen in seinem Auftrag Mafiaopfer, die der durchgeknallte Österreicher (wer sonst, wenn nicht Georg Friedrich) ankarrt, unter dem doppelten Boden ihrer Särge und schließlich unter der Erde verschwinden.

Föhnlage kommt nicht ganz ohne Klischees aus. Hier fällt vor allem der Stereotyp des obligatorischen Österreichers, gefolgt von der mittlerweile ebenso obligatorischen Rolle einer Ossi-Polizei-Kollegin auf. Beide Rollen haben natürlich erheblichen Nervcharakter. Ein bisschen zu lieblich mag auch die Landschaft inszeniert sein, ein bisschen zu gewollt und volkstümlich-skuril die eine oder andere Requisite daherkommen. Aber all das wird durch die ausnahmslos großartige Schauspielriege aufgefangen. Von Feifel bis Von Lüttichau überzeugen alle. Besonders authentisch wirkt auch Eisi Gulp in einem Gastauftritt als Techniker im Konzerthaus. Sogar der Autor des Romans, Jörg Maurer hat einen kleinen Gastauftritt als Journalist und macht dabei keine schlechte Figur. Dank der Romanvorlage, gibt es ein paar ironische Brechungen der Heimatverklärung. Die Story ist leidlich spannend, das Tempo relativ flott, jedoch auch mit den nötigen ruhigen Passagen. Rainer Kaufmann hat, zusätzlich zur herkömmlichen Herangehensweise bei bestimmten Szenen mit Super 8 und 16 mm Filmmaterial gearbeitet, z.B. um die Krankheit Akinetopsie (Bewegungsblindheit) unter der Jennerwein leidet, zu verbildlichen.
Letztlich ein Heimatkrimi, der zwar nicht an den Brenner-Fim Der Knochenmann heranreicht, aber durchaus damit verglichen werden kann. Eine kurzweilige Unterhaltung, die Humor, Spannung, Heimat und Heimatkritik vereint, liefert Föhnlage allemal.

Als Extra gibt es ein „Making of“ und eine Sammlung entfallener Szenen, die der Regisseur gemeinsam mit der BR-Redakteurin erkläret. Der kleine Teamfilm ist wie immer eher überflüssig. Die DVD enthält weiterhin ein mehrseitiges Booklet mit ein paar Hintergrundinformationen zur Heimatkrimiserie des BR. Jörg Maurer erklärt in seiner gewohnt humorvollen Art mit zum Teil ironischen Unterton, was für ihn Heimat ist. Außerdem werden im Beiheft die einzelnen Charaktere vorgestellt und die komplette Besetzung und Crew aufgelistet.

fohnlage-dvdFöhnlage - Ein Alpenkrimi

Regie: Rainer Kaufmann

Buch: Stefan Holtz / Florian Iwersen nach dem Roman von Jörg Maurer

Darsteller: Martin Feifel, Jürgen Tonkel, Katharina Schubert, Andreas Giebel, Georg Friedrich, Helmfried von Lüttichau, Gundi Ellert, u.a.
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90 min, farbe, D 2011.
Sprache: Deutsch (DD 2.0)
Extras: Making of, entfallene Szenen u.v.m.
Telepool / KNM Home Entertainment GmbH
VÖ: 04. Oktober 2011
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weitere Informationen unter:
www.br.de | www.knm-media.de