Buchtipp: Tatar mit Veilchen von Jaromir Konecny
Schwejk reloaded
(Sigrid Grün)
In manche Männer muss man sich unweigerlich verlieben. Jozef – mit Kosenamen Pepa genannt - ist so ein Mann. Er ist der lächelnde Held von Jaromir Konecnys jüngstem Roman, der den schönen Titel „Tatar mit Veilchen“ trägt.
Pepa ist dreißig, passionierter Alltagsphilosoph und lebt seit seiner Kindheit mit seiner Oma im schönen Hultschiner Ländchen. Eigentlich ist er Tscheche, aber weil er einen Großvater hat, der nicht nur Deutscher war, sondern auch noch Angehöriger der SS, halten ihn seine tschechischen Kneipenkumpels eher für einen Deutschen. Sein Leibgericht ist Tatar mit Topinky und dazu trinkt er natürlich am liebsten Bier. Seine Freundin Hanka träumt davon in dem verschlafenen nordmährischen Städtchen eine Boutique zu eröffnen und drägt Pepa deshalb dazu, nach Deutschland zu fahren und sich eine satte Entschädigung zu holen, die sie sich von dem toten SS-Opa verspricht. Auch Pepas Großmutter sähe es gerne, wenn ihr Enkel sich in das Heimatland ihres verstorbenen Mannes begeben würde. Zunächst zögert er, doch schließlich lässt er sich doch auf die Deutschlandreise ein. Er bekommt von der stolzen Großmutter 300 Euro und den SS-Ausweis des Großvaters in die Hand gedrückt und fährt mit dem Bus nach München. Dort erlebt er natürlich einen Kulturschock und lernt eine Menge dazu. In Deutschland befinden sich Klo und Bad in einem Raum, Kartoffelpuffer werden mit Apfelmus gegessen und nicht mit Knoblauch oder “Wurscht”, es gibt bettelnde Taoisten und Pimmelkatholiken, ausbeuterische Wirtinnen und Paula, eine Malerin, deren Haar nach Veilchen duftet und bei der Pepa schließlich als Au-pair-Mädchen unterkommt. Natürlich sorgt der ewig lächelnde Tscheche, dem der Schelm im Nacken sitzt, für eine Menge Veränderungen.
Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich so oft laut lachen musste, wie hier. Jaromir Konecny, der bekannte und mehrfach preisgekrönte Autor aus der Bühnenliteraturszene, hat mit „Tatar mit Veilchen“ nicht nur eine äußerst komische Culture Clash Comedy geschrieben, sondern auch eine poetische und „schöntraurige“ Geschichte, die einen zum Nachdenken über das Leben in Deutschland und in unserem Nachbarland anregt. Den Schelm Pepa und seine Bier trinkenden Kumpels, die sich so ihre Gedanken zu allen möglichen Dingen machen, muss man einfach lieben. Der Humor ist derb, befreiend und nicht selten zutiefst weise – eine wunderbare Alternative zum platten Comedian-Gedussel, das man in Deutschland als „Humor“ vorgesetzt bekommt.
Zusätzlich zum Buch erhält man hier eine Cd, auf der Jaromir Konecny mit seinem zauberhaften tschechischen Akzent einige Kapitel aus dem Buch in gekürzter Fassung vorliest.
Unbedingt lesen und anhören!
Jaromir Konecny (Autor)
Tatar mit Veilchen
www.voland-quist.de
192 Seiten und 42 Minuten auf Cd





