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Archiv für Juli, 2012

Cd-Tipp: Italienische Chitarrone-Virtuosen

30. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

Beeindruckende Klangvielfalt der “Giraffe unter den Instrumenten”

(Sigrid Grün)

Der extrem langhalsige Chitarrone - auch Theorbe genannt - gehört zur Familie der Lauteninstrumente und war im 17. Jahrhundert insbesondere in Italien und auch in Frankreich populär. Die Laute war das klassische Begleitinstrument für den Gesang, der in der damaligen Zeit eine außerordentlich wichtige Rolle spielte, da der Text im Zuge des “stile recitativo” im Vordergrund stand. Ziel dieses neuen Musikstils war es, die Dramen der Antike zu neuem Leben zu erwecken.
Der Ursprung des Chitarrone ist in Norditalien anzusiedeln. Die bekanntesten Vertreter waren Giovanni Girolamo Kapsberger (ca. 1580-1651), Bellerofonte Castaldi (1581-1649) und Alessandro Piccinini (1566 - ca. 1638).
Auf dieser Cd findet man einige wunderbare Ausschnitte aus dem Werk dieser drei Chitarrone-Virtuosen interpretiert von Jakob Lindberg.
Es ist erstaunlich, welche Klangfülle man mit der “Giraffe unter den Instrumenten” erzielen kann. Die eigenwillige Stimmung - die obersten beiden Saiten waren eine Oktave tiefer gestimmt - stellte hohe Anforderungen an die Musiker. Sie alle setzten kunstvolle Arpeggien ein, aber jeder der drei Virtuosen schaffte es, einen eigenen Stil zu kreieren.
Der Klang der Stücke ist mal lebhaft, mal betörend, im Stile einer typischen Lautenfantasie des 16. Jahrhunderts. Piccininis Stil wirkt expressiver als der von Kapsberger und Castaldi.
Der Interpret, Jakob Lindberg, ist gebürtiger Schwede und absolvierte sein Studium am Londoner Royal College of Music, wo er sich bereits während der Ausbildung auf die Musik der Renaissance und des Barock spezialisierte.
Die Cd ist ein beeindruckender Beleg für die klangliche Vielfalt dieses außergewöhnlichen Instrumentes. Freunden von Lautenmusik aber auch von anderen Saiteninstrumenten, kann man sie nur wärmstens empfehlen!

7318590018996

Giovanni Girolamo Kapsberger; Bellerofonte Castaldi; Alessandro Piccinini (Komponisten); Jakob Lindberg (Chitarrone)
Italian Virtuosi of the Chitarrone
www.classicdisc.de
Best.-Nr.: 7318590018996

Veranstaltungstipp: Literaturfest in Beratzhausen

27. Juli 2012 jneidh Keine Kommentare

Freitag und Samstag, den 3. und 4. August:

Literatur- und Kunstfest in Beratzhausen auf den Laberwiesen am Essenbügl.

Der Markt Beratzhausen lädt zu Lesungen, Kabarett, Liedermachern und Geschichtenerzählern.

Im Rahmen der Literaturtage im Oberpfälzer Jura findet in Beratzhausen am ersten Augustwochenende am Essenbügl an der Laber ein Literatur- und Kunstfest statt.

Los geht es am Freitag den 3. August um 20.00 Uhr im Kulturzelt am Essenbügl. Hier liest Siegfried Schüller satirische Gedichte und Kurzgeschichten, begleitet durch die Weltmusikgruppe Didge´n´Drums. Der Autor aus Mühlhausen am westlichen Rand der Oberpfalz unterhält mit Satire aber auch gesellschaftskritischen Stücken. Didge´n´Drums spielen Didgeridoo in Kombination mit afrikanischen Schlaginstrumenten. Die Stücke sind oft improvisiert und die archaischen Töne sind geeignet, den Zuhörer in die musikalische Urzeit zurückzuführen.

Samstag, den 4. August findet von 14-16.00 Uhr am Essenbügl eine Mal- und Schreibwerkstatt rund um den Skulpturenpark statt. Die Teilnehmer können sich bei einer Schnitzeljagd näher mit den einzelnen Skulpturen beschäftigen und selbst kreativ werden. Die Beiträge werden im Stadel ausgestellt und um 19.00 Uhr mit Hilfe des Publikums prämiert. Jeder Teilnehmer erhält einen Preis.

Zusätzlich gibt es von 15-16.00 Uhr ein Musik-Mitmachprogramm für Kinder von 4-10 Jahren im Kulturzelt mit dem Liedermacher und Musikpädagogen Fredman Lill.

Ab 16.30 wird es im marokkanischen Königszelt des Liedermachers spannend: “Von Tamtam auf BastScho“, eine Lesung mit Andrea Kreuz, Dieter Lohr und Rolf Stemmle mit musikalischer Begleitung, wartet auf den Zuhörer. In den Erzählungen geht es “ums Ausbüchsen aus der heimischen  Enge und gleichzeitig ums Dableiben und die verzwickte Schwerkraft des Vertrauten.”

19.00 Uhr schließlich werden Bilder und Texte des Wettbewerbs prämiert und eine Vernissage der Sommerakademie mit den Arbeiten der Meisterklasse von Professor Constantin Flondor findet statt.

Weiter gehts mit Festivals

26. Juli 2012 lweser Keine Kommentare

27. - 29. Juli 2012, Bismarckplatz, Regensburg
Featival I: Bismarckplatzfest von der Neuen Filmbühne und dem W1 und täglicher After-Hour in der Alten Filmbühne
FREITAG:
18.00 Uhr: Polar Birds
19.15 Uhr: Transhuman Nature
20.45 Uhr: The Trashing Days

SAMSTAG:
14.00 Uhr: Mortimer
16.00 Uhr: Ohrange
18.00 Uhr: Splashing Hill
20.00 Uhr: Sacco & Mancetti

SONNTAG:
14.00 Uhr: Hans Wax & Nylea Mata-Castilla
16.00 Uhr: Diamond Dogs
18.00 Uhr: Lokomotive Blokschoij
20.00 Uhr: Nixon in China

27. - 29. Juli 2012, Stadtpark, Regensburg
Featival II: Wein- und Musikfest
eine paar Empfehlungen hier:
Freitag, 27.07.2012, 17.00 Uhr: Zarate, 19.30 Uhr: Lawaschkiri
Samstag, 28.07. 2012, 21.30 Uhr: Blink and Remove -Videoprojektionen
Sonntag, 29.07. 2012, 19.00 Uhr: Mason Dixon Line
www.regensburg.de

27. - 29. Juli 2012, Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz, Regensburg
Featival III: Klangfarbenfestival mit dem gefühlt gleichen Programm wie all die Jahre davor und den 17 Hippies
www.klangfarben.org

27. - 29. Juli 2012, Schloßbrauerei, Eichhofen
Featival IV: Brauereifest mit hoffentlich einem kühlen Bier und u.a. Paper & Places, Klezmeyers und den Silver Beatles.
www.eichhofener.de

27. - 29. Juli 2012, Nürnberg
Featival V: 37. Bardentreffen, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt auf Kanada
Weiterhin for free! Mit u.A. Die Dissidenten, und den lokalen Lieblingen Sutcliff, Buddy and the Huddle & Wrong Kong
Und alle die es nicht nach Nürnberg schaffen, können die Bardentreffen-CD des Jahres 2012 für 12 Euro ab Freitag dem 20. Juli 2012 auf amazon.de und direkt beim Hersteller, bei HEARTMOON erstehen
www.bardentreffen.de

Samstag, 28. Juli 2012, 23.00 Uhr, Akademiesalon Kino, Andreasstadel, Regensburg
Filmromanze: Downloading Nancy (Johan Renck, USA 2008) innerhalb der Film-Reihe von Florian Scheuerer Hard Line - Kino Extrem. Zutritt: ab 18 Jahren. Weitere Infos zur Reihe: hardline.blog.de

Montag, 28. Juli 2012, 20.00 Uhr, im osten, Regensburg
Hidden Gig: mit den regensburgern Diamond Dogs, die ihre Musik definitiv als Country Noir bezeichnen und den sorbischen Berlinern Berlinska Dróha (Folk/Punk). Dies dürfte das beste Konzert des Jahres in Regensburg werden… aber, es ist eine rein private Veranstaltung und man darf da nicht hingehen.
www.hotdogs-diamonddogs.de | www.berlinskadroha.sor

Die drei ??? bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen

22. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

Die drei ??? Kids fürchtet jeder Übeltäter

(Sigrid Grün)

Justus, Peter und Bob aus Rocky Beach jagten heute ab 10.30 Uhr ihren Erzfeind “Skinny” Norris auf der Bühne der Thurn und Taxis Schlossfestspiele.
Rocky Beach: Onkel Titus’ Schrottplatz (”Gebrauchtwarencenter Jonas”) ist der beliebteste Treffpunkt der drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Als Onkel Titus eine urhässliche Standuhr anschleppt, die er auf einer Auktion erstanden hat, ist Tante Mathilda sauer. Doch bald stellt sich heraus, dass eine kniestige Meckertante genau hinter dieser Uhr her ist und ihr Mündel, das elternlose Mädchen Elizabeth dazu nötigt, eine Zahlenkombination in die Uhr hineinzurufen. Die drei Detektive ahnen, dass sich dahinter ein spannendes Geheimnis verbirgt und als dann auch noch ein nächtliches Phantom auf dem Schrottplatz auftaucht, das Justus in die Flucht schlagen kann, begeben sich die drei ??? auf die Suche nach dem Geheimnis der Uhr. So schlau wie sie dank des leckeren Kirschkuchens von Justus’ Tante Mathilda sind, kommen sie bald dahinter, wie der Uhr ihr Geheimnis entlockt werden kann. Doch das ist erst der Anfang eines spannenden Abenteuers der drei Detektive…

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Sechs Schauspieler stellten hier etwas auf die Beine, das sich wirklich sehen lassen kann. Sie agierten so, dass das junge Publikum der Geschichte gut folgen konnte und bewiesen eindrucksvoll (u.a. auch bei Doppelbesetzungen), was schauspielerisches Können ausmacht - besonders zugute halten kann man den Darstellern, dass sie die Tonprobleme, die sich durch Aussetzer bei der Verstärkung der Headsets, souverän überspielen konnten. Die drei ??? Kids überzeugten durch witzige Regieeinfälle und eine starke Umsetzung durch die Schauspieler. Auch das variable Bühnenbild muss lobend erwähnt werden. Vor der Kulisse der fiktiven kalifornischen Kleinstadt Rocky Beach konnten die Bühnenteile gedreht werden, wobei unterschiedliche Handlungsorte etabliert wurden - Onkel Titus’ Schrottplatz, der Stadtplatz von Rocky Beach mit dem Fred Fireman Brunnen, der eine zentrale Rolle spielt und ein unterirdisches Höhlensystem.
Die Geschichte basiert auf der “Drei ??? Kids”-Folge Der singende Geist.
Abgesehen von den kleinen Tonproblemen eine rundum gelungene Vorstellung mit überzeugenden Darstellern und raffiniertem Bühnenbild!

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Roger Cicero bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen

21. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

“In diesem Moment” tanzten die Menschen im Regen

(Sigrid Grün)

Eigentlich will kein Mensch, dass es bei einem Open Air-Konzert regnet. Eigentlich sollte es eine laue Sommernacht sein. Aber in ganz seltenen Fällen ist ein Konzert bei Regen ein besonderes Erlebnis - dann nämlich, wenn der Musiker es schafft, das Publikum im Regen tanzen zu lassen und eine Stimmung schafft, die das Wetter nebensächlich erscheinen lässt. Genau das hat Roger Cicero am Freitagabend bei den Regensburger Schlossfestspielen geschafft.

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Die Tribüne war voll und der Ausnahmesänger und seine großartige Big Band verzauberten das Regensburger Publikum. Nach diesem unterhaltsamen Konzert muss festgestellt werden: Roger Cicero ist nicht nur ein besonders guter Sänger, sondern ein großartiger Entertainer, der mit viel Charme und Witz durch den Abend führte. Dabei sang er nicht nur die Songs von seinem aktuellen Album “In diesem Moment” - mit dem gefühlvollen und eingängigen Titelsong - sondern auch mal ein Lied von den Sportfreunden Stiller oder von Sting. Er erzählte von seinem musikalischen Werdegang, seiner ersten Gage, die er in Kinderschokolade und Yps-Hefte investierte und den Einflüssen, die ihn zu dem machten, der er heute ist. Trotz Regens schlenderte er singend durchs Publikum, wies den ihm von einem Mitarbeiter der Schlossfestspiele angebotenen Regenschirm mit einem charmanten “Du, ich brauch den nicht!” ab und ließ das Regensburger Publikum singen und tanzen. Der Regen, der mal grämlich-nieselig, mal strömend war, spielte bei der außergewöhnlichen musikalischen Leistung des Sängers und seiner Big Band nur eine Nebenrolle.
Die Big Band verdient auf alle Fälle eine gesonderte Erwähnung, denn sie überzeugte durch einen perfekten Sound - mal swingig, mal getragen. An diesem Abend bewiesen die Musiker und Roger Cicero, wie facettenreich ihr Repertoire ist. Man kann die Veranstalter zu ihrer Auswahl der Künstler nur beglückwünschen! Immerhin hatte sich Roger Cicero schon einmal bei den Schlossfestspielen als Gast bewährt. Auch damals hatte es übrigens in Strömen geregnet. Aber ein richtig guter Entertainer kann das einfach vergessen machen.

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Buch-Tipp: Träume in Zeiten des Krieges

21. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

“Vielleicht sind es Mythen ebenso sehr wie Tatsachen, die selbst in Zeiten des Krieges die Träume am Leben halten?”

(Sigrid Grün)

Ngugi wa Thiong’o, geboren 1938 in Kamirithu/Limuru in Kenia, gilt seit mehreren Jahren als heißer Anwärter auf den Nobelpreis für Literatur. Eines seiner bedeutendsten Werke ist Wizard of the Crow (dt. “Herr der Krähen”), eine großartige Satire, die den Typus des autokratischen afrikanischen Diktators in einzigartiger Weise umschreibt.

Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit hat - wie der Untertitel es ankündigt - die Kindheit und Jugend des Kenianers zum Thema. Von der Geburt in eine polygame Gemeinschaft hinein bis zum Eintritt in die Oberschule beschreibt der Autor den Alltag in der afrikanischen Provinz Limuru. Der kleine Ngugi wächst gemeinsam mit seinen Brüdern und vielen Halbgeschwistern bei seiner Mutter und weiteren Frauen seines Vaters auf dem väterlichen Grund und Boden auf. Nach innerfamiliären Konflikten und der Pleite des Vaters verlässt die Mutter das Haus und Ngugi und sein Bruder folgen ihr bald. Die Mutter kämpft sich als Alleinerziehende durch und möchte ihren Söhnen ein besseres Leben ermöglichen - durch Schulbildung. Sie stellt hohe Anforderungen und verpflichtet Ngugi dazu, stets sein Bestes zu geben. Dieser Wunsch treibt den Jungen an. Während er tagsüber als Teil einer traditionellen Bauernfamilie eine “normale” kenianische Kindheit durchläuft - mit selbstgebauten Schubkarren und vergnüglichen Kinderspielen, sitzt er nachts über seinen Aufgaben und gibt sein Bestes. Mit Erfolg. Denn er wird später an einer der renommiertesten Oberschulen des Landes aufgenommen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, der nicht nur durch die ärmlichen Verhältnisse und Konflikte im Elternhaus führt, sondern auch durch die schrecklichen Kriegsjahre, die geprägt sind von grausamen Festnahme- und Ermordungsaktionen des Regimes. Als sich der große Bruder der Mau-Mau-Guerilla anschließt, die für die Befreiung der Afrikaner kämpft, sieht sich Ngugi mit großen Ängsten konfrontiert. Denn er darf den Aufenthaltsort seines Bruders in den Bergen nicht verraten. Eines Tages gerät er gemeinsam mit seinem Schulfreund Kenneth in eine der gefürchteten Massenüberprüfungen, in deren Rahmen man von einem “gakunia”, einem Kapuzenmann, denunziert werden konnte - was eine Internierung oder gar die Ermordung durch die Soldaten zur Folge haben konnte. Die Ängste des Jugendlichen machen einem bewusst, welche unfassbaren Dinge damals in Kenia geschahen - und es erscheint als unerträglicher Hohn, dass diese schrecklichen Menschenrechtsverletzungen von der verantwortlichen britischen Regierung bis ins Jahr 2012 offiziell geleugnet wurden.
Ngugi wa Thiong’o hat ein wichtiges und ein berührendes Buch über seine Kindheit geschrieben. Anders als bei den Kindheitserinnerungen des nigerianischen Nobelpreisträgers Wole Soyinka steht nicht der kleine Junge im Mittelpunkt der Erzählung, sondern eher die Welt um diesen Jungen herum. Oft erzählt er fast nüchtern vom Leben in Kenia in den schweren Zeiten des Mau-Mau-Krieges. Andererseits sind manche Passagen sehr persönlich, etwa wenn es um seine Beschneidung geht. Vor allem ist “Träume in Zeiten des Krieges” aber eine Entwicklungsgeschichte, die aufzeigt, wie ein Junge, der einer traditionellen kenianischen Bauernfamilie entstammt und immer barfuß lief, in eine andere Welt gelangt - in jene der Oberschule und der Schuhe.
Thomas Brückner hat das Buch wunderbar übersetzt und mit einem sehr gelungenen und aufschlussreichen Nachwort versehen.
Fazit:
Träume in Zeiten des Krieges ist ein Buch, das ebenso berührt wie informiert. Es ist wichtig, Menschen wie Ngugi wa Thiong’o Gehör zu schenken, denn sie erzählen von einer Zeit, in der sich Ungeheuerliches zugetragen hat und die noch nicht lange zurückliegt. Und zugleich erzählt hier eine große Erzählstimme von einer Kindheit zwischen Mythen und Tatsachen in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

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Ngugi wa Thiong’o (Autor)
Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit
www.a1-verlag.de
264 Seiten

ABBA Mania bei den Schlossfestspielen

20. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

“Come on Regensburg, make some noise!“

(Sigrid Grün)

Glück mit dem Wetter hatte der voll besetzte Schlosshof bei ABBA Mania. Aber nicht nur das: ABBA Mania, vier echte Musikstars auf der Bühne sorgten für ausgezeichnete Unterhaltung und Stimmung im Publikum. Optisch überzeugend erweckten Nadine Edwards als Agnetha, Debbie Watt als Frida, Dale Forbes als Benny (am Klavier) und Steve Bryden an den Gitarren, die siebziger Jahre zu neuem Leben. Alles passte: Kimono und Schlaghose, typische Frisuren und Originalstiefel – eine perfekte Illusion. Soundtechnisch wurde alles rausgeholt. Fast alle bekannten Songs des schwedischen Quartetts wurden auf die Bühne gebracht. Auch um tolle Sondereinlagen waren ABBA Mania nicht verlegen: Bei „Money Money Money“ regnete es Geld! Kein echtes, versteht sich, aber doch besonders angefertigte ABBA-Geldscheine, die als Erinnerung an einen tollen Abend sicher auch einen bleibenden Wert besitzen. Das Publikum ging auch gut mit und war sichtlich in Partylaune, klatschte, schunkelte und stampfte mit den Füßen. Die Leute waren kaum auf ihren Sitzen zu halten und kamen Fridas Aufforderung „Come on Regensburg, make some noise“ nur zu gern nach.
Als Zuschauer hatte man nie den Eindruck, dass es sich bei ABBA Mania um eine reine Retro- oder gar Coverband handelt - alles wirkte original und eigenständig, eine perfekte Illusion, die dem einen oder anderen sicher das Lebensgefühl der Ära der Siebziger Jahre wieder zurückbrachte.
Drei Stunden - bis knapp vor Mitternacht - dauerte die musikalische Party auf den Spuren einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Jeder, der da gewesen ist wird bestätigen können, dass hier Unterhaltung vom Feinsten geboten wurde.

www.odeon-concerte.de

Ruhe vor den Ferien

19. Juli 2012 lweser Keine Kommentare

Die Ruhe zwischen den Open-Air-Festival-Stürmen von letzter und nächster Woche sollte man zur Entspannung nutzen. Schwester einpacken und ab in die Wanne / den See, auf den Mont Blanc steigen oder an Bert von Ernie & Bert gedenken, der jetzt verstorben ist und einst als der deutsche Ozzy galt [ -> Beweis ]. Sonst heute noch:

Donnerstag, 19. Juli 2012, 20.30 Uhr, Akademiesalon Kino, Andreasstadel, Regensburg
Cinoche: Je vais bien, t’en fais pas (F, 2006) de Philippe Loiret. Französischer Film in Originalfassung präsentiert von Marianne Mion.
www.kinos-im-andreasstadel.de

Samstag, 21. Juli 2012, 14.00 Uhr, Spital Brauerei, Katharinenplatz, Regensburg
Was ist eine Million Dollar im Vergleich zu ein Jahr lang Freibier? Zu gewinnen beim Spital Brauereifest - mit Spielen, Super-Wirkes-Modenschau, Brauereiführung und a Musi. Bis 21.00 Uhr.
www.spital.de

Samstag, 21. Juli 2012, 17.00 Uhr, Obstwiese, Lueg, Jetzendorf
Was auswärtsiges: Puch Open Air - mit Ja, Panik, Damenkapelle, Stabil Elite u.a. Und das bei dem Open-Air-Wetter!
www.puch-openair.de

Samstag, 21. Juli 2012, 19.00 Uhr, galerie konstantin b., Am Brixener Hof, Regensburg
Vernissage 1: Sommerauslese - mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Galerie (Inken Hilgenfeld, Stephanie Sabatier, Liz Zitzelsberger, Matthias Eckert, Peter Engel und Florian Topernpong). Die Ausstellung geht bis 09. September 2012.

Samstag, 21. Juli 2012, 19.00 Uhr, Galerie Carola Insinger, Distelhausen, Pielenhofen
Vernissage 2: Zweimal unbekannt - Georgine Csilla Halász (Skulptur) und Barbara Sophie Höcherl (Malerei) und Begrüßung (Stefan Göler). Die Ausstellung geht bis 26. August 2012, inklusive Sommerfest mit Tres Hombres am Samstag, den 28. Juli 2012.
www.galerie-distelhausen.de

Buchtipp: Nichtstun. Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen

16. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

Die “leeren” Zeiten des Alltags

(Jan Neidhardt)

Wenn man Oscar Wilde vertrauen darf, dann ist “Nichtstun [...] die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt”.
Das lässt sich auch leicht verifizieren. Die meisten Leute hassen es untätig z.B. auf die Reparatur des Autos warten zu müssen, oder Verspätungen in öffentlichen Verkehrsmitteln hinzunehmen, selbst wenn es sich nur um wenige Minuten von durch äußere Umstände auferlegte Untätigkeit handelt.
Bewusstes Nichts-tun oder auch Gar-nichts-tun, wie z.B. bei manchen Formen der Meditation, davon träumt man vielleicht schon öfter, wenn einem der Stress über den Kopf zu wachsen scheint, aber wer das einmal ausprobiert hat, weiß auch, wie schwierig es uns heute fällt einfach mal Stillstand zuzulassen.
Von dem was mit uns passiert, wenn vermeintlich nichts passiert, handelt das Buch der beiden schwedischen Ethnologen Billy Ehn und Orvar Löfgren “Nichtstun - Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen”.
Das gut lesbare und streckenweise sehr spannende Buch nähert sich auf kulturwissenschaftliche Weise durch Beobachtung, Befragung und Auswertung von Romanen jenen Zuständen, die hier auch als Hinterhöfe der Kultur beschrieben werden.
Das “Nichtereignis” wird nach drei Kategorien aufgeschlüsselt: Dem Warten, den Routinen und den Tagträumen. Es wird deutlich, wie wichtig z.B. Tagträume sind und wie sie, obwohl oft als unproduktive auch antisoziale Zeitverschwendung gebrandmarkt, in Wahrheit oft eine Quelle von Kreativität aber auch Erholung sind.
Routinen machen unseren Alltag zu dem was er ist, stellen aber auch, trotzdem sie als langweilig verachtet sind, eine ökonomische Stütze dar und sind auch - öfter als man meint - durchaus lustbetonte Verrichtungen, bei denen man wiederum gerne auf Tagträume zurückgreifen kann, wie z.B. beim Abwasch oder Malerarbeiten.
Das Warten stellt schließlich eine ganz essentielle Kulturerfahrung dar. Schon Kinder müssen Abwarten lernen, müssen ihre Bedürfnisse zugunsten mehr oder weniger organisierter Abläufe im Zaum halten. Wartezeiten können natürlich auch vielfach genutzt werden, man kann sie aber auch bewusst verstreichen lassen. Kulturtypisch ist auch die Erfahrung in der westlichen Welt, dass viele Menschen Teile ihres Lebens (oder auch das ganze) in einer Art Warteschleife zu verbringen scheinen.
Das Buch zeigt einfach sehr schön, dass eben “ungenutzte” Zeit, ob wir das anerkennen können oder nicht, ein sehr wichtiger Teil unseres Lebens ist. Es zeigt, dass der Umgang mit dieser Zeit immer durch kulturelle Vorstellungen geprägt ist, abhängig von Zeit und Herkunft des betroffenen Menschen. Und es ist auch ein Buch, das Hoffnung machen kann, in Hinsicht darauf, dass eben in Zeiten der Ereignislosigkeit auch Potenzial zur Veränderung und zu einem kreativen Umgang mit sich selbst steckt.
Man muss es nur zulassen…

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Billy Ehn; Orvar Löfgren (Autoren)
Nichtstun. Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen
www.his-online.de
303 Seiten

Buch-Tipp: Alice Bhattis Himmelfahrt von Mohammed Hanif

15. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

Unsere Liebe Frau von Karachi

(Sigrid Grün)

Nach Mohammed Hanifs großartigem Erstling Eine Kiste explodierender Mangos legt der Autor nun mit “Alice Bhattis Himmelfahrt” erneut ein brillantes Werk vor, das das heutige Pakistan lebendig werden lässt.

Alice Bhatti ist Hilfsschwester und Heilige, Christin und Kriminelle - zumindest, wenn man dem Gericht glaubt, das sie nach einem schweren ärztlichen Kunstfehler, den man der jungen Schwester in die Schuhe geschoben hat, zu einem Aufenthalt in der Besserungsanstalt verurteilt. Nach ihrer Entlassung kehrt sie zunächst nach French Colony, das Christenghetto von Karachi, zurück. Ihr Vater, der Kanalarbeiter Joseph Bhatti soll besondere Fähigkeiten haben: Angeblich kann er Magengeschwüre durch Gebete heilen. Ein junger Schreiber, den Alice aus der Besserungsanstalt kennt, hilft ihr dabei in dem völlig überfüllten “Herz Jesu”-Krankenhaus unterzukommen. Während sich der 17-Jährige um seine sieche Mutter im Endstadium ihrer Krebserkrankung kümmert, packt Alice an, wo sie kann. Die zunächst schroff und abweisend wirkende Oberschwester Hina Alvi unterstützt sie bald im harten Klinikalltag. Rettung erfährt sie auch durch Teddy, einen muskelbepackten Muslim, der für eine mehr als zweifelhafte Sondereinheit der Polizei als Handlanger arbeitet. Teddy verliebt sich schlagartig in Alice, trägt sie auf Händen aus dem Chaos der Irrenabteilung des “Herz Jesu” und hält um ihre Hand an. Erstaunlicherweise lässt sich Alice darauf ein und ehelicht Teddy auf einem U-Boot. Doch die Beziehung entpuppt sich bald als Ehehölle. Die religiösen und charakterlichen Gegensätze scheinen unüberwindlich und schließlich mündet das Ganze in einer Katastrophe, die eine christliche Umdeutung durch Joseph Bahatti erfährt.

Dem pakistanischen Autor Mohammed Hanif, der für seinen Erstling mehrere Preise erhielt, schafft es in diesem Buch erneut lebendige Figuren zu kreieren, die dem Leser die Gesellschaft und Kultur Pakistans nahe bringen. Eingebettet in eine bewegende Handlung wird eine Geschichte erzählt, die auf die soziale Situation und die mangelnden Frauenrechte in Pakistan und anderen muslimischen Ländern aufmerksam macht. Ein Buch, das sowohl sprachlich-stilistisch als auch inhaltlich brillant ist. Unbedingt lesen!

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Mohammed Hanif (Autor)
Alice Bhattis Himmelfahrt
www.a1-verlag.de
272 Seiten