Urban Priol und der Club der Rothaarigen
W. A. Mozart: Die Zauberflöte, Libretto von Emanuel Schikaneder, Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2012, Schloss St. Emmeram, Regensburg
Gleich vornweg: Nein, die Inszenierung der Zauberflöte bei den diesjährigen Thurn und Taxis Schlossfestspielen hat nichts mit Sherlock Holmes und auch nichts mit politischen Kabarett zu tun, wie unsere Überschrift vielleicht nahe legen mag.

In diesem Jahr feiern die Schlossfestspiele ihr zehnjähriges Bestehen. Vielleicht war auch deshalb bei der Eröffnung mit Mozarts Zauberflöte eine besonders große Zahl prominenter und pseudoprominenter Gäste anwesend, von denen die Hausherrin nur einen namentlich erwähnte. Die anderen Vorgestellten mussten sich bei der Begrüßung mit einer kurzen Umschreibung begnügen. Neben „einer wichtigen Persönlichkeit aus Ruanda“ und dem „Botschafter von Barbados“ nebst besonders herzlich willkommen geheißener Gattin, begrüßte Ihre Durchlaucht auch „den Wissenschaftsminister Bayerns“ und die “Wirtschaftsministerin“ (gemeint war vermutlich die Europaministerin Emilia Müller), sowie „den Oberbürgermeister“. Bei der Vorstellung des Ministerpräsidenten Ungarns Urban Priol - Tschuldigung, ich meine natürlich: Viktor Orbán, gab sie nicht nur einen recht langen ungarischen Satz zum Besten, sondern ließ die Robert-Schumann-Philharmonie auch die ungarische Nationalhymne intonieren. Von den fast 3000 Gästen stand der Großteil dabei auf. Der Großteil allerdings nur, denn neben einigen Applaus- und Standing Ovationen-Verweigerern, gab es auch vereinzelte Buh-Rufe. Der hauptsächlich wegen seines antidemokratischen Mediengesetzes in Kritik geratene rechte Politiker, wird davon vielleicht nicht allzu viel mitbekommen haben.
Die Handlung der Zauberflöte, deren Libretto bekanntlich der temporäre Wahl-Regensburger Emanuel Schikaneder schrieb, ist wirr, widersprüchlich und geheimnisvoll. Schikaneder soll das Libretto umgeschrieben haben, nachdem Wenzel Müller eine Oper nach der gleichen Vorlage („Lulu oder die Zauberflöte“) ankündigte. Das soll die Brüche und logischen Aussetzer erklären. Ein anderer Erklärungsansatz besteht darin, dass Schikaneder das Libretto möglicherweise nicht allein schrieb.
Wilgenbus Inszenierung, von der man sich recht viel versprach, immerhin handelt es sich um einen namenhaften, hochgelobten Regisseur, konnte leider in der ersten Hälfte nicht zünden. Bühnenbild und Auftritte wirkten statisch und einfallslos. Ein großes weißes Dreieck in der Mitte dominierte lange Zeit das Bühnenbild. Unmotiviert hingen Planetenpappscheiben an der Decke und die drei Drachen hatte man sich wohl von Peter Maffay ausgeliehen. Die Drei Knaben waren mehr damit beschäftigt, in ihre Spieluhr rein und raus zu klettern, als dort wirklich zu wirken. Lag es an diesen Details, dass einige Zuschauer nach der Pause nicht wieder erschienen, oder doch am, zum Ende der Pause einsetzenden Regen? Zwar gewann die Aufführung in der zweiten Hälft, wurde bunter, abwechslungsreicher und lebhafter, doch bis dahin musste man schon eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen. Die Pappscheiben, nach der Pause angestrahlt, wenn nicht über Regensburg, so doch auf der Bühne einen sternenklareren Nachthimmel imaginierten. Warum Papageno, Tamino sowie ein weiterer Herr sich mit feurig rotem Haar schmückten, blieb indes auch am Ende ein Rätsel.
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte
eine Produktion der Oper Chemnitz. Inszenierung: Dominik Wilgenbus, Musikalische Leitung: Frank Beermann, Chor der Oper Chemnitz und die Robert-Schumann-Philharmonie. Mit André Riemer, Guibee Yang, Julia Bauer, Andreas Kindschuh, Kouta Räsänen, u.a.Heute noch bei den Schlossfestspielen sonst an der Oper Chemnitz
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