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Archiv für November, 2012

Wirtshaus-Tragödie

30. November 2012 lweser Keine Kommentare

Theater-Premiere: Little Hero. Wirtshauskomödie von Jörg Graser; Regie: Constanze Kreusch; Theater am Haidplatz, Regensburg

Der Regionalkrimi boomt. Egal wo. Und meist ist die Qualität dabei egal. Identifikation und Heimatgefühl sind wichtig. Handlung und Sprache sind da zweit oder drittrangig. Logisch eigentlich, dass auf diesen Zug auch das Theater aufspringt und teilhaben will an klingenden Kassen.

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Gut, dass mit Little Hero von Jörg Grasser ein Text gewählt wurde, dessen Erstverwertung tatsächlich die Bühne war. Kein adaptierter Roman also, sondern ein Theaterstück, welches erst später als Lesung bzw. Hörspiel (Sigi Zimmerschied gastierte damit erst im September im Lokschuppen) und noch später als Roman verwertet wurde. Und dennoch merkt man dem Text an, dass Grasser damit stark nach einer filmischen Adaption schielt. Grasser hat bereits bei seinem Theaterstück Videoeinspielungen eingeplant. Nichts abstraktes, ergänzendes, sondern ganze Szenen. Und das ist schade. Denn es wäre Schauspielern und Regisseur sicher zuzutrauen, das Geschehen der externen Szenen auch auf der Bühne darzustellen.

An sich ist die Handlung weder spannend noch witzig. Was aber kein Kritikpunkt ist, außer das Stück wird einem als solches verkauft. Jene, die sich im Wirtshaus treffen sind gar jammervolle Gestalten. Der lethargische, ständig betrunkene Kommissar Kreuzeder (Gerhard Hermann) und die von ihrem fetten Chef missbrauchte Kellnerin Gerda (Janina Schauer), sowie die Polizeipsychologin März (Franziska Sörensen), die sich von ihrem Liebhaber schlagen lässt, um wenigstens irgendetwas im Leben zu spüren. Gut, Kreuzeders Vorgesetzter (Michael Heuberger) und der Wirt Muhrlinger (Sven Pipping) scheinen durchaus mit ihrer Rolle im Leben zufrieden, aber die zwei sind Nebenfiguren.
Dank der enormen Präsenz der Schauspieler, ist der Zuschauer jedenfalls die meiste Zeit (der Bühnenpassagen, nicht der Videoszenen) gefesselt. Janina Schauer als zuerst sich bemühende und später nur noch betrunkene Kellnerin ist wirklich zum Schreien komisch - und zum Weinen tragisch. Gerhard Hermann nimmt man den desillusionierten Polizisten dem schnell mal einen Tipp für einen Mord herausrutscht mühelos ab.

Mit einem Werner Schwab kann sich Graser zwar nicht messen. Die drei Hauptprotagonisten auf der Bühne sind aber wahre Präsidentinnen im Schwabschen Sinne.

Little Hero. Wirtshauskomödie von Jörg Graser
Regie: Constanze Kreusch
mit Gerhard Hermann, Janina Schauer, Franziska Sörensen, Michael Heuberger, Sven Pipping;
Weitere Vorstellungen: 25./27./29./30. November, 01./05./06./07./08./09./10./12./13./14./16./18./19./20./21./ 22./26./31. Dezember 2012, jeweils 19:30 Uhr
www.theaterregensburg.de

Donald Duck, in echt, in Regensburg - andere auch

29. November 2012 lweser Keine Kommentare

29.11. - 05.12. 2012, Filmgalerie, Leerer Beutel, Regensburg
Neue Filmwoche: Queer-Streifen
neben Filmen (täglich um 19.00 und 20.45 Uhr, Samstag und Sonntag auch um 17.00 Uhr) gibt es auch Folgendes:
Freitag, 30. November, 18.00 Uhr, Filmgalerie: Podiumsdiskussion „Queere Kultur in Regensburg – braucht´s des?“; Eintritt: frei
Freitag, 30. November, 23.00 Uhr, L.E.D.E.R.E.R.: Flimmerkasten-Fete zum Queerstreifen-Festival; Eintritt: 4 €
Mittwoch, 05. Dezember, 23.00 Uhr, RESI (Blaue Lilien Gasse 1): Après-Lounge zum Queerstreifen-Festival; Eintritt: frei
queer-streifen.blogspot.de | www.filmgalerie.de

Freitag, 30. November 2012, 20.00 Uhr, Buchhandlung Rupprecht, Wörthstr., Weiden
Lesung/Diskussion: Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer hat ein Problem - Digitale Demenz. Eintritt: 9 € (ausverkauft!)
www.droemer-knaur.de | www.rupprecht.de

Freitag, 30. November 2012, 20.00 Uhr, Buchhandlung Dombrowsky, St.-Kassians-Platz, Rgbg
Typo-Lesung: Die Verleger Karin Schmidt-Friderichs und Bertram Schmidt stellen den Hermann-Schmidt-Verlag, Mainz vor. Eintritt frei!
www.typografie.de | www.dombrolit.de

ab Samstag, 01. Dezember 2012, Städtische Galerie, Leerer beutel, Regensburg
Ausstellung: Ente gut - alles gut mit Originalwerken der Disney-Zeichner Carl Barks, Al Taliaferro und Floyd Gottfredson. Bis 23. Juni 2012!!! im Ernst?
www.regensburg.de

Samstag, 01. Dezember 2012, 20.00 Uhr, Orkan, Holzlände, Regenburg
Party: spielend rauschende Feste feiern, die RAM (wer ist nochmal heuer regensburger Meister?) feiert sich selbst mit DJ Sai Lo und den Gebrüdern Mayr. Bis 4.00 Uhr, Eintritt frei.
fb/Gebrüder-Mayr

Dienstag, 04. Dezember 2012, 19.00 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Bayern 2 Hörtour; geboten wird: Lesung mit Rita Russek, Lesung und Gespräch mit Uwe Dick (der BR nervt ja seit einiger Zeit seine Höhrer wieder einmal mit einem Mammutprojekt, der 12teiligen Sauwaldprosa von Uwe Dick als Art-Mix-Höspiel) und eine besondere Akustikführung von Stefan Mekiska durch die Dauerausstellung; Eintritt: 8/6 €
www.kunstforum.net | www.bayern2.de/hoertour

REGENSBURGER TANZTAGE 2012 - Solotanznacht

26. November 2012 sgruen Keine Kommentare

Zeitgenössischer Tanz vom Feinsten

(Sigrid Grün)

Am vergangenen Freitag und Samstag gab es im Rahmen der REGENSBURGER TANZTAGE 2012 am Theater der Universität ein ganz besonderes Highlight zu sehen: Die Solotanznacht, die die Preisträger des Internationalen Solo-Tanz-Theater Festivals Stuttgart 2012, präsentierte.

Vier Tänzer und zwei Tänzerinnen begeisterten das Regensburger Publikum zwei Stunden lang mal mit bewegenden, mal mit erheiternden Darbietungen. Zum Schluss gab es noch zwei wunderbare Zugaben zu sehen, in denen die Tänzer zwischen dem Schlussapplaus gemeinsam erarbeitete Einlagen performten.
Zu Beginn tanzte Rodrigue Ousmane, der den ersten Preis in der Kategorie Choreografie erhalten hatte. In “Leda” verarbeitet der Tänzer aus dem Tschad seine Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Plastikproblem in seiner afrikanischen Heimat. Das Bühnenbild: ein von der Decke hängendes Seil mit daran befestigten Plastiktütchen, eine “Plastikbehausung”, aus der Ousmane sich zu Beginn schälte und in der er auch immer wieder verschwand und weitere Plastikbeutel und Gegenstände aus Kunststoff, die auf der Bühne verteilt waren. Mittendrin in dieser Plastikwelt ein Mensch, der mal hilflos, mal in wütendem Hiphop-Style zu überleben versucht.
Ganz anders und ebenfalls großartig: Cass Mortimer Eipper, der in Stuttgart den 3. Preis in der Kategorie Tanz erhalten hatte. Zu modernem Jazz zeigte er, was den Menschen antreibt. Er brachte nicht nur das brodelnde der Leidenschaft auf den Punkt, sondern setzte auch witzige Akzente.
Ebenso der in Israel geborene Eran Gisin, der das Glück tanzte. “Happiness is state - of mind…” Gisin zeigte eindrucksvoll, wie man eine Sprachklangfläche mit Leben füllen kann. Er hatte in Stuttgart den 2. Preis Choreografie verliehen bekommen.
Nach der Pause zeigte Hugo Marmelada aus Portugal “Stepping over stones”. Auch hier konnte man Hiphop-Elemente ausmachen - und der Tänzer schaffte es, mit seinem ausdrucksstarken Tanz das Publikum zu verzaubern. In Stuttgart war er deshalb schon mit dem Publikumspreis und dem 2. Preis Tanz ausgezeichnet worden.
Schließlich tanzte die Deutsche Verena Wilhelm “Fire and Forget I”, ein bedrückendes und bewegendes Tanzstück, in dem auf authentisches Tonmaterial eines Luftangriffs auf Bagdad zurückgegriffen wurde. Hier wurde viel mit Licht gearbeitet - und Verena Wilhelms präzise Performance im roten Bühnenoutfit nahm einem teilweise den Atem. In Stuttgart hatte sie dafür den 3. Preis in der Kategorie Choreografie erhalten.
Zuletzt war die zauberhafte Szene “Whiskers” der überaus charismatischen Kanadierin Eleesha Drennan zu sehen. Angelehnt an Clarissa Pinkola Estes’ “Wolfsfrau” zeigt Drennan in einem einfachen weißen Kleid eine Transformation. Kraftvoll, pointiert und einfach zauberhaft war dieser Solotanz, der mit dem 1. Preis Tanz gewürdigt worden war.

Fazit: Die Solotanznacht war ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass auch in Regensburg zeitgenössischer Tanz vom Feinsten zu sehen ist. Steht zu hoffen, dass die nächsten Tanztage an diesen Erfolg anknüpfen können!

www.regensburger-tanztage.de

Queer-Streifen sind Hetero-Gen

22. November 2012 lweser Keine Kommentare

22.-28. November 2012, Kinos im Andreasstadel + Ostentor-Kino, Regensburg
4. Heimspiel Filmfest, mit etwas abgeändertem Konzept und mit Christian Petzold, Niklaus, Peter oder Tom Schilling, Christian Klandt, Ryan Haysom, Pola Schirin Beck & Burkhardt Wunderlich, Hélène Cattet & Bruno Forzani, u.v.m.
www.heimspiel-filmfest.de | www.kinos-im-andreasstadel.de | www.altstadtkinos.de

Freitag, 23. November 2012, 19.30 Uhr, Theater am Haidplatz, Regensburg
Premiere: Little Hero Wirtshauskomödie von Jörg Graser; Regie: Constanze Kreusch;
Weitere Vorstellungen: 25./27./29./30. November, 01./05./06./07./08./09./10./12./13./14./16./ 18./19./20./21./ 22./26./31. Dezember 2012, jeweils 19:30 Uhr
www.theaterregensburg.de

Samstag, 24. November 2012, 19.00 Uhr, galerie konstantin b., Am Brixner Hof, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Stadtsichten. Foto –und Wachsarbeiten des Stuttgarters Gert Wiedmaier. Die Ausstellung geht bis zum 20. Januar 2013.

Samstag, 24. November 2012, 20.00 Uhr, Andreasstadel Saal 4.OG, Regenburg
Chefredakteure packen aus: TITANIC-Taskforce unterwegs mit Leo Fischer, Mark-Stefan Tietze und Michael Ziegelwagner.
www.facebook.com/TITANICTaskforce | www.kuenstlerhaus-andreasstadel.de

Samstag, 24. November 2012, 21.00 Uhr, W1, Weingasse, Regenburg
Konzert: Come Back Harriet (München) und I Have No Mouth Aan I Must Scream (Berlin); präsentiert von Sublime
www.reverbnation.com/comebackharriet | www.nomouth.net | www.sublime-music.de
Und hier zur Online-Petition zur Rettung der Alten Filmbühne und der Heimat:
www.openpetition.de/petition/online/rettung-der-alten-filmbuehne-in-regensburg

Mittwoch, 28. November 2012, 18.00 Uhr, Garbo-Kino, Weißgerbergraben, Regensburg
Der Dauerbrenner Aufschneider im Double Feature für 8,00 € (A 2010, Regie: David Schalko) TV-Film in zwei Teilen, u.A. mit Josef Hader, Georg Friedrich, Meret Becker, Christoph Grissemann und Adele Neuhauser
www.altstadtkinos.de

Mittwoch, 28. November 2012, 20.00 Uhr, Alte Mälzerei, Regensburg
Konzert: Deutschland bedeutendsten Band kommt mit einem Akt, eine Treppe hinabsteigend - F.S.K. , Eintritt: 13/16 €
www.buback.de | www.alte-maelzerei.de

29.11. - 05.12. 2012, Filmgalerie, Leerer Beutel, Regensburg
Neue Filmwoche: Queer-Streifen
neben Filmen (täglich um 19.00 und 20.45 Uhr, Samstag und Sonntag auch um 17.00 Uhr) gibt es auch Folgendes:
Freitag, 30. November, 18.00 Uhr, Filmgalerie: Podiumsdiskussion „Queere Kultur in Regensburg – braucht´s des?“; Eintritt: frei
Freitag, 30. November, 23.00 Uhr, L.E.D.E.R.E.R.: Flimmerkasten-Fete zum Queerstreifen-Festival; Eintritt: 4 €
Mittwoch, 05. Dezember, 23.00 Uhr, RESI (Blaue Lilien Gasse 1): Après-Lounge zum Queerstreifen-Festival; Eintritt: frei
queer-streifen.blogspot.de | www.filmgalerie.de

Donnerstag, 29. November 2012, 22.00 Uhr, Foyer Velodrom, Regensburg
Nachtdienst Folge 2: Fest feiern wie sie fallen mit Mitglieder des Schauspielensembles und des Jungen Theaters über Jubilare des Jahres 2012 (z.B. Marylin, Karl May u Wilhelm Busch)
Eintritt: 7,50
www.theaterregensburg.de

Buchtipp: Pina Bausch und das Tanztheater Wuppertal von Ursula Kaufmann

21. November 2012 sgruen Keine Kommentare

“Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern, was sie bewegt.” (Pina Bausch)

(Sigrid Grün)

Es gibt keinen, der das Tanztheater in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts derart reformiert hat wie Pina Bausch, das „Wuppertaler Tanztheaterwunder“. 1940 als Tochter eines Gastwirts in Solingen geboren, wurde sie schon früh für den Tanz entdeckt. Mit 14 nahm sie schließlich ein Tanzstudium an der renommierten Essener Folkwang Schule auf. Kein Geringerer als Kurt Jooss, seinerseits ein Schüler von Rudolf von Laban, war ihr Lehrer. Ihre Zeit an der Juilliard School und an der Met in New York prägte ihr ganzes Leben – und doch entschied sich sich dazu, wieder nach Deutschland zurückzukehren, als das Folkwang Ballett rief. Zeit ihres Lebens wollte sie tanzen – und arbeitete dann doch überwiegend als Choreografin. 1973 wurde sie schließlich Leiterin der Ballettsparte am Wuppertaler Tanztheater und ist seitdem untrennbar mit diesem Haus verbunden. Pina Bausch begründete eine neue Form des Tanztheaters. Ihre Inszenierungen waren irritierend – so irritierend, dass viele Zuschauer, die nur das bürgerliche, das klassische Ballett kannten, empört den Saal verließen. Pina Bauschs Tanztheater war ganz anders. Nicht erstarrt in vorgeschriebenen Posen und einer angestaubten Ästhetik, sondern absolut lebendig, das Leben auslotend. Vor allem auch den Alltag und die Tiefpunkte. Bauschs Choreografien brachten Bilder, die so stark waren, wie man es im Bereich des Tanztheaters noch nicht kannte. Alltägliche Bewegungen setzten gänzlich andere Akzente als die Maniriertheit des klassischen Balletts. Pina Bausch entdeckte die Schönheit der Menschen in ihren natürlichen Bewegungen und damit berührte sie ihr Publikum. Sie präsentierte keine schönen Bilderbögen, wie das klassische Tanztheater, sondern die großen menschlichen Themen wie Liebe, Angst und Tod. Bausch ließ ihre Tänzer zwischen Angst und Hoffnung agieren und zwischen Einsamkeit und Ekstase. In über 40 Stücken, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 weltweit entwickelte, zeigte sie eindrucksvoll auf, wie eindringlich und berührend und wie nah am Alltag Tanztheater sein kann. Auch die Ausstattung ihrer Stücke war immer etwas ganz besonderes. Pina Bausch – das sind wehende bunte Kleider, ungewöhnliche Bühnenräume, Waldboden, Nelken und Gestrüpp etwa. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1980 zeichnete ihr Gefährte Rolf Borzik für die Bühnenräume verantwortlich.
Vieles von dem Großartigen, von dem Neuen und Revolutionären, das Pina Bausch geschaffen hat, konnte die außergewöhnlich begabte Fotografin Ursula Kaufmann im Bild einfangen. Tänzer, die sich hingeben, auseinanderstiebende Wassertropfen, ungewöhnliche Bühnenräume. Man spürt, wie bewegend die ausdrucksstarken Stücke Pina Bauschs sind. Voller Dynamik und voller Wahrheit. Diesen Bildband zu betrachten ist ein Genuss. Ein einführender Text von Pina Bausch – über ihr Leben und ihre persönliche Entwicklung, Essays von der Journalistin Gudrun Norbisrath und einige Reden (u.a. von Jürgen Flimm) sowie ein ausführliches Werkverzeichnis und eine Biografie am Ende des Buches, ergänzen den Band auf perfekte Weise.
Ausstattung (Goldschnitt!) und Druckqualität lassen keine Wünsche offen. Dem Verlag Edition Panorama ist mit diesem beeindruckenden Bildband eine angemessene Würdigung des „Wuppertaler Tanztheaterwunders“ gelungen. Dazu kann man den Machern nur gratulieren!

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Ursula Kaufmann (Fotografin)
Pina Bausch und das Tanztheater Wuppertal
www.editionpanorama.com
320 Seiten mit über 380 Fotografien in Farbe

Veranstaltungstipp: Solotanznacht - Internationale Preisträger

21. November 2012 sgruen Keine Kommentare

REGENSBURGER TANZTAGE präsentieren zeitgenössischen Tanz in Reinform

Junge Choreografinnen und Choreografen aus der ganzen Welt zeigen am Freitag (23.11) und Samstag (24.11) am Theater an der Universität jeweils ab 20.00 Uhr, was sie mit jungen Tänzern erarbeitet haben. Zu sehen sind die preisgekrönten Produktionen des Internationalen Solo-Tanz-Theater-Festivals von Stuttgart 2012. Ein Programm voller Überraschungen und Entdeckungen.

Zu erleben sind die Preisträger Eran Gisin (Israel) “Emotions, job, emotions, once a day”, Verena Wilhelm (Deutschland) “Fire and Forget I”, Eleesha Drennan (Kanada & U.K.) “Whiskers”, Hugo Marmelada (Portugal) “Stepping over stones”, Cass Mortimer Eipper (Australien) “BodySong” und Rodrigue Ousmane. In seinem Solo geht es um den Plastikmüll (in Tschad “Leda” genannt), der ganz Afrika wie ein buntes Blumenmeer überzieht. Ousmane tanzt den Protest, der auch die Abholzung, das Aussterben von Tierarten, die Verschmutzung der Flüsse meint. Er tanzt dies “so ehrlich, so persönlich, dass es wie eine Urform der Choreografie ist.”

11 Freunde auswärts

15. November 2012 lweser Keine Kommentare

ab Donnerstag, 15. November 2012, 21.00 Uhr, Wintergarten-Kino, Andreasstadel, Regensburg
Kino: 3 Zimmer/Küche/Bad, Regie: Dietrich Brüggemann (ein ehemaliger Regensburger); läuft bis Mittwoch und dann wieder ab dem 29. November
3zkb-film.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Freitag, 16. November 2012, 21.00 Uhr, Wintergarten-Kino im Andreasstadel, Regensburg
Konzert im Kino: Diamond Dogs mit ganz vielen Gästen.
www.facebook.com/DiamondDogsGermany | www.kinos-im-andreasstadel.de

Freitag, 16. November 2012, 23.00 Uhr, Leerer Beutel (Bertoldstr.) Regensburg
Party: S|U|B|L|I|M|E im November mit garantierter Shoegaze-Atmo draußen. “I close my eyes,
The fog rose high” mit Marc Zimmermann und Pacult.
www.sublime-music.de

Samstag, 17. November 2012, 16.00 Uhr, Stadtbücherei, Haidplatz, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Istanbul, mit scharfe Soße? Buchillustrationen von Alexandra Klobouk vorgestellt von Jürgen Huber. Die Ausstellung geht bis 19. Januar 2013.
www.alexandraklobouk.com | www.regensburg.de

Samstag, 17. November 2012, 19.00 Uhr, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Zwischen Japan und Amerika. Emil Orlik - Ein Künstler der Jahrhundertwende
www.kunstforum.net

Samstag, 17. November 2012, 19.30 Uhr, Theater am Haidplatz, Regensburg
Premiere: Schillers Die Räuber von; Regie: Marcus Lobbes
Weitere Vorstellungen: 22./23.November, 01./11./14./18./22. Dezember 2012, 06. Januar 2013; jeweils 19:30 Uhr
www.theaterregensburg.de

Samstag, 17. November 2012, 20.00 Uhr, Alte Mälzerei Club, Regensburg
11 Freunde - ein Multi-Media-Abend von Philipp Köster und Jens Kirschneck. Eintritt 11/14 €
www.11freunde.de | www.alte-maelzerei.de

Montag, 19. November 2012, 20.00 Uhr, Music Academy (Zollerstr.) Regensburg
Lesung: Christoph Süß: Morgen letzter Tag! Ich und du und der Weltuntergang“ - oder sag einfach ja zur Apokalypse!
www.br.de | www.buecherwurm.net

Mittwoch, 21. November 2012, 18.45 Uhr, Kino im Andreasstadel, Regensburg
Regisseur zu Gast: Grimme-Preisträger Frieder Wagner stellt seinen Dokumentarfilm Todesstaub von 2007 vor, der die Auswirkungen von Uranmunition thematisiert.
www.videogold.de | www.kinos-im-andreasstadel.de

Donnerstag, 22. November 2012, 21.00 Uhr, Ostentor-Kino, Adolf-Schmetzer-Str., Regensburg
Eröffnung des 4. Heimspiel Filmfestes, mit etwas abgeändertem Konzept und mit Leos Caraxs Holy Motors. Das Festival geht bis zum 28. November.
www.heimspiel-filmfest.de | www.kinos-im-andreasstadel.de | www.altstadtkinos.de

Diamond Dogs live im Kino im Andreasstadel

14. November 2012 ffranc Keine Kommentare

Diesen Sommer haben die Diamond Dogs von sich hören gemacht. Mit cleaner E-Gitarre, Kontrabass und markanter Stimme bringen sie eine einzigartige Mischung aus melancholischem Roadmovie-Sound mit Surfgitarreneinflüssen auf die Bühne. Tom Waits meets Johnny Cash, Marlene Dietrich und Tarantino-Soundtrack. Donna Diamond und Dickie Diamond nennen es Country Noir. Am Freitag, 16. November um 19.00 Uhr laden die beiden Diamantenhunde zum Konzert ins Kino im Andreasstadel und bringen Überraschungsgäste der Regensburger Musikszene mit.

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OK, normalerweise bringen wir keine offiziellen Promo-Texte. Aber die Ausnahme bestätigt ja die Regel und wir legen jedem dieses Konzert wirklich ans Herz. Dirschl und Starzinger waren schon immer super und die Diamond Dogs sind es auch. Bei der diesjährigen Frankreichwoche hatten sie quasi an gleicher Stelle ihren Einstand und wussten das Publikum zu begeistern. Jetzt sind sie wieder da, mit einmaliger Unterstützung von Musikern von SickSickSick, Chambergrass, Delir Noir u.a. sowie mit einem echten Klassikkonzerteveranstalter an der Klarinette!!!
Hingehen, wenn’s noch nicht ausverkauft ist.

www.facebook.com/DiamondDogsGermany | www.kinos-im-andreasstadel.de

Verloren in Dolores, getanzt, gefilmt

13. November 2012 ffranc Keine Kommentare

Erik Grun, regensburger Dauerfilmer und frisch dekorierter Kulturförderpreisträger geht wieder fremd, und das ist gut so. Ein Tanzfilm ist es dieses Mal geworden, gar ein Regensburg-Tanzfilm. Zwei Jahre schon ging er zusammen mit Hans Krottenthaler von der Alten Mälzerei und Fotograf Hubert Lankes mit dieser Idee schwanger. Zu den Tanztagen 2012 hat sich der Traum der tanzbegeisterten Akteure endlich erfüllt.

Glückliche Tanzfilmväter mit Tänzerin

Glückliche Tanzfilmväter mit Tänzerin


Basierend auf einem simplen Drehbuch Gruns um eine Vierer-Beziehung zwischen einem Mann und drei Frauen ist ein einstündiger Film entstanden, der in gewohnter grunscher Manier in sagenhaften drei Tagen abgedreht wurde. Der Plot ist denkbar dünn wie Grun selbst zugibt, dennoch ist dem Regisseur ohne Zweifel ein stimmiger, kurzweiliger und wahrhafter Tanzfilm gelungen. Ohne die Komik (also kaum) und den üblichen Darstellern (also fast) seiner bayerischen Komödien, ohne Dialoge - von einigen verzerrt gefluchten Sätzen auf Spanisch abgesehen - kommt Verloren in Dolores ganz gut aus, auch zur Überraschung seines Spielleiters. Das liegt zum einen an den vier Protagonisten, die durch ihre meist improvisierten und selbst choreografierten Tänzen den Film zu großen Teilen tragen. Die beiden Argentinier Carlos Osatinsky und Mercedes Appugliese, Silke Woschnjak aus Österreich und die in Regensburg lebende Berenika Kmiec sind die vier tanzenden Hauptdarsteller. Die wahren Stars des Filmes scheinen indes tatsächlich die Stadt Regensburg, und vor allem die Wohnung des Kameramanns Hubert Lankes zu sein. In diesem Interieur voller Kram und Kuriositäten, schweift das Auge gerne mal auf die Details im Hintergrund und am Rande. Selbstredend hat Herr Lankes seine Bude ins rechte Licht gesetzt, und fand dort sogar einen geeigneten Platz, um eine beeindruckende Gefängnisszene zur gestalten. Überhaupt kann die gesamte Fotografie, wie schon bei dem ersten gemeinsamen Grun-Lankes-Projekt Fleischeslust, als hervorragend bezeichnet werden. Die Tanzszene auf dem Parkdeck ist, auch Dank der hervorragenden Witterung, ein echter Augenschmaus, ebenso wie die in einer Altstadt-Parfumerie. Die ganzen Drehorte, von den Klassikern Steinerne Brücke, Dom, Haidplatz usw. bis hin zu weniger ausgelutschten Locations wie Spitalkirche, Mälzerei-Keller, Sarchinger Weiher, Bayerwaldstraße und eben erwähnte Parkdeck und Parfümerie geben dem Film ein regensburger Antlitz, ohne in den üblichen Welterbe-Mittelalter-Klischees abzudriften. Im Kontext von getanzten Stadtführungen und Bewerbungscastings sehen die altbekannten Stadtwahrzeichen irgendwie schön seltsam verdreht aus.
Der einzig zu kritisierender Punkt ist die Musik von Jean Marc Toillon. Zwar passend zu den jeweiligen Szenen, jedoch nicht besonders originell und meist schrecklich arrangiert. Das klingt zu sehr nach Musik aus Werbespots oder nach furchtbarem Reisevideo-Soundtrack. Auch ein paar musikalische Pausen zwischendurch hätten dem Film sicher nicht geschadet. Aber zum Glück gibt’s auch noch Norbert Vollaths Bassklarinette für Liebhaber lieblicher Klänge und dröhnende Techno-Beats einer New Yorker Combo für Loveparade-Nostalgiker.

Wer also einen echten Grun, einen echten Tanzfilm und ein echtes Stadtportrait sehen möchte, hat ab Donnerstag, den 15. November um 19.00 Uhr in der Filmgalerie im Leeren Beutel die Möglichkeit hierzu. Die Premiere am 14. im Saal des Leeren Beutels ist eigentlich schon ausverkauft. Garbo-Kino-Betreiber Achim Hofbauer ließ schon durchblicken, dass er Verloren in Dolores um die Weihnachtszeit herum auch in seiner Spielstätte zeigen werde.

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Verloren in Dolores, D 2012, 60 Min

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Drehbuch, Regie: Erik Grun
Kamera: Hubert Lankes
Musik: Jean Marc Toillon
Tanz: Carlos Osatinsky, Mercedes Appugliese, Silke Woschnjak, Berenika Kmiec, Company Raum B uva.

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14. bis 18. November, jeweils 19.00 Uhr in der Filmgalerie im Leeren Beutel, 6/5 Euro

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www.regensburger-tanztage.de | www.filmgalerie.de

Die Stille in Prag. Jaroslav Rudis liest morgen in der Weinschenkvilla

12. November 2012 sgruen Keine Kommentare

Der Sound der Einsamkeit

(Sigrid Grün)

Der Sommer geht zu Ende in Prag. Und fünf (Wahl)Prager blicken zurück auf ihr Leben, um ein Resümee zu ziehen. Petr, der Straßenbahnfahrer mit Hündin Malmö, ist ein versponnener Loser, der von den Tiefen des Mariannengrabens und der großen Liebe träumt, während er seine Straßenbahn durch Prag führt. Eines Tages liest er Vanda auf, die fast achtzehnjährige Kokserin aus zerrütteten Familienverhältnissen, die in der Punk-Band “Kill the Barbie” singt und gerade von ihrem Bandkollegen betrogen worden ist. Die beiden verbringen eine Nacht miteinander und verabreden sich zum Punk-Konzert, das “Kill the Barbie” am Abend spielen wird. Hana arbeitet im Kulturministerium und kehrt gerade von einer Konferenz in Lissabon nach Prag zurück. Dort hat sie einen One-Night-Stand gehabt, der sie nachhaltig beeindruckt. Sie beschließt, sich von ihrem langjährigen Freund zu trennen und neu anzufangen. Wayne ist ein Anwalt aus Delaware, der um seinen Bruder, der im Irakkrieg kämpft, bangt. Er ist mit Hana liiert. Vladimir, ein ehemaliger Perkussionist im Prager Symphonieorchester, ist seit dem Tod seiner Frau einsam. Er will die Stille in Prag zurück und kämpft dafür - auch mit allerlei unerlaubten Mitteln.
Am Abend treffen alle Figuren im Stil eines Episodenfilms - wie Short Cuts oder Magnolia - beim Konzert im Musikclub Akropolis zusammen…

Jaroslav Rudiš ist mit “Die Stille in Prag” ein Buch gelungen, das gleichzeitig still und laut ist und die Stimmung in der pulsierenden böhmischen Metropole im 21. Jahrhundert wunderbar einfängt. Der Autor schreibt über Dinge, die er genau kennt - er ist mit der Musikszene, insbesondere der Punkszene, vertraut und weiß um das Lebensgefühl in der Stadt. Er beschreibt den Blick vom “Sommerberg”, der Letná-Höhe so treffend, dass man meint, am Ende des Sommers selbst über die Moldau zu blicken. Und er lässt den Sound der Einsamkeit hörbar werden.
“Die Stille in Prag” ist melancholisch und poetisch, witzig und klug - ein Buch, das ich nur empfehlen kann!

Morgen, am 13. November, liest Jaroslav Rudiš im Rahmen der Herbstlese(n) des Bohemicums Regensburg aus “Die Stille in Prag”.

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Jaroslav Rudiš (Autor)
Die Stille in Prag
www.randomhouse.de
240 Seiten

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