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Archiv für Mai, 2014

29. Mai 2014 lweser Keine Kommentare

29. Mai- 06. Juni 2014, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
2. Regensburger Dokumentarfilmtage
www.kinos-im-andreasstadel.de

30. Mai 2014, Kunstverein Graz, Regensburg
Ausstellung: Zettel Traum
2000 gesammelte Zettel von Holger John
Veranstaltung zum 100. Geburtsjahr von Arno Schmid in
Kooperation mit der Buchhandlung Dombrowsky
Kurator: Jürgen Huber
bis 28. Juni 2014
www.kunstvereingraz.de

Dienstag, 03. Juni 2014, 21.15 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Film: Chinatown, Regie: Roman Polanski, mit Jack Nickelson, USA 1974; Innerhalb der Reihe vor 40 Jahren; Eintritt: frei
www.altstadtkinos.de

Categories: Lysann Weser Tags:

22. Mai 2014 lweser Keine Kommentare

Freitag, 23. oder Samstag, 24. Mai 2014, 16.00 Uhr, Stadtbücherei Regensburg
Spürnasen auf Verbrecherjagd, einen Nachmittag Detektiv sein; für alle Schüler der 3. und 4. Klasse; Eintritt: frei; Anmeldung bis 21. Mai unter 0941/507-3432 oder krottenthala.paula@regensburg.de

Freitag, 23. Mai 2014, 20.00 Uhr, Dreieiningkeitskirche, Regensburg
Lesung: Gioconda Belli die nigaraguanische Schriftsterllin internationalen Renommees,
liest; Musik aus Lateinamerkia gibt es auch; Eintritt: VVK: 15/12 €, AK: 18 €
Veranstaltung im Rahmen der spanischen Film und Kulturwoche
www.cinescultura.de

Freitag, 23. Mai 2014, 21.00 Uhr, H 5 (Am Ostbahnhaof 9), Regensburg
Konzert: Krawehl

Samstag, 24. Mai 2014, 19.00 Uhr, galerie konstantin b (Am Brixener Hof 11), Regensburg
zur Eröffnung der Ausstellung Denken ist Plastik mit Arbeiten aus den Jahren 1986-1990 von Wolfgang Grimm.

Samstag, 24. Mai 2014, 20.30 Uhr, Thon Dittmar Palais, Regensburg
Premiere/Freilichttheater/ Schauspiel: Der Diener zweier Herren, Komödie von Carlao Goldoni (17007-1793), Inszenierung: Karin Koller
weiter Vorstellunge: 27. Mai, 04./05./06./08./09./10/11./13./14./16./18./19./20./27. Juni, 02./04./05./06./07. Juli 2014, jeweils 20.30 Uhr
www.theaterregensburg.de

Sonntag, 25. Mai 2014, 19.30 Uhr, Velodrom, Regensburg
Uraufführung/Tanz: TANZ.FABRIK!zwei / Jungen Choreographen; Künstlerische Leitung Yuki Mori;
Gastchoreograf Taulant Shehu; Musiker/ Taiko-Drums Leonard Eto; Für die diesjährige Tanz.Fabrik! lassen sich die Tänzer von der Ausstellung „Heimat? Osteuropa in der zeitgenössischen Fotografie“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie inspirieren.
weiter Vorstellungen: 14./17./29.Juni 2014; je 19:30 Uhr
www.theaterregensburg.de

Sonntag, 25. Mai 2014, 15.00 Uhr, Städtische Galerie Leerer Beutel, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Wolfgang Grimm - Eine Werkschau; bis 07. September 2014
Es sprechen: Joachim Wolbergs (Oberbürgermeister der Stadt Regensburg), Dr. Helmut Hein, Dr. Reiner Meyer (Leiter der Städtischen Galerie)
Musikalische Rahmung: Stefan Göler und Manfred Schimchen

Moontag, 26. Mai 2014, 20.00 Uhr, Lappersdorf
Konzert: Konstanitn Wecker beim Zelt-Festival; K. W. ist aber schon AUSVERKAUFT

29 MAI - 6 JUNI 2014, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
2. Regensburger Dokumentarfilmtage
www.kinos-im-andreasstadel.de

Categories: Lysann Weser Tags:

Kaiser, Bayer, Wüstung, Rock’N'Roll und Zwischennutzung

15. Mai 2014 lweser Keine Kommentare

Donnerstag, 15. Mai 2014, 21.00 Uhr, W1 (Weingasse), Regensburg
Konzert: Satoos aus Hamburg, Vorband: Dress aus Regensburg; Eintritt: 5 €
www.myspace.com/w1_regensburg

Donnerstag, 15. Mai 2014, Historisches Museum / St. Ulrich / Dom, Regensburg
Eröffnung der Landesausstellung Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser! Endlich wieder in Regensburg! Bis 02. November 2014.
www.hdbg.de

Freitag, 16. Mai 2014, 21.00 Uhr, Tiki Beat, Regensburg
Konzert: Steve Train & His Bad Habits Rock’N'Roll und sonst so, aus Augsburg. Support: Miss Grace & The Ramblers
fb/stevetrain.andhisbadhabits | fb/MissGraceTheRamblers | fb/tikibeatregensburg

Freitag, 16. Mai 2014, 22.00 Uhr, Foyer Velodrom, Regensburg
Nachtschicht: Werther trifft Rio Reiser „Schämt euch ihr Nüchternen!, Schämt euch, ihr Weisen!“ Vom Leiden des „nicht anders können!“ Wenn zwei Stürmer & Dränger sich eine Bühne teilen. Goethes „Werther“ trifft auf Musik, die 200 Jahre nach Beendigung seiner Leiden wieder versucht, die Suche nach Liebe in Worte zu fassen. Rio Reiser’s Musik. Texte aus „Werther“; mit Mia Constantine und Felix Steinhardt. Eintritt: 7,50 €
www.theaterregensburg.de

16./17./18. Mai 2014, Cinemax, Regensburg
Jufinale. Bayrisches Jugendfilmfestival, Sonderthema: Europa
www.jufinale.de

Samstag, 17. Mai 2014, ab 11.00 Uhr, ehem. Fotostudio, Baumhackergasse 1, Regensburg
Alternativkultur: con_Temporary, so heißt eine Initiative zur temporären Nutzung von leer stehenden Immobilien. Das erste Objekt ist das ehemaligen Fotoatelier an der Baumhackergasse / Ecke Keplerstraße. Es gibt Musik, Lesungen und anderes. Das genaue Programm unter:
fb/contemporaryrgb

Samstag, 17. Mai 2014, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg
Premiere/Musiktheater: Wüstung (Vastation). Nach der Wahl ist vor der Wahl, Oper von Samy Moussa, Koproduktion mit der Münchner Bienale
weitere Vorstellungen: 20./30. Mai, 1. 17./22. Juni, 14./18. Juli 2014
www.theaterregensburg.de

Sonntag, 18. Mai 2014
internationaler Museusmstag
welche Museen dabei sind erfahrren Sie hier:
www.museumstag.de

21. Mai 2014, 22.00 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Film: Paris, Texas, Regie: Wim Wenders, mit Nastassja Kinski, D/F/GB 1984; Innerhalb der Reihe vor 30 Jahren; Eintritt: frei
www.altstadtkinos.de

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Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling: Tussikratie. Warum Frauen nichts falsch und Männer nichts richtig machen können

11. Mai 2014 sgruen Keine Kommentare

Let’s talk about gender

(Sigrid Grün)

Soeben hat sich Conchita Wurst beim ESC in den Showhimmel gesungen und damit bewiesen, dass das Geschlecht scheinbar eine Kategorie geworden ist, die keinen großen Geist stört. Immerhin, auf der Showbühne ist die bärtige Dragqueen der Star - aber im Alltag? Gab es nicht schon auf Jahrmärkten bärtige Jungfrauen, die als Attraktionen vorgeführt wurden? Eine Frau, die als Mann geboren wurde kommt auch in der aktuellen Neuerscheinung “Tussikratie” zu Wort. Wir sind viel mehr als ein Häkchen auf einer Liste biologischer Merkmale. Und trotzdem ist das Geschlecht eins der maßgeblichen Themen unserer Zeit, denn die Zugehörigkeit zu einem von nur zwei Geschlechtern ist traditionell mit Zuschreibungen von Macht verbunden. Die dadurch geschaffenen Strukturen aufzubrechen ist ein wichtiges Ziel, das sich insbesondere der Feminismus auf die Fahnen geschrieben hat.
Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, zwei Frauen um die dreißig, haben nun ein Buch verfasst, das sich kritisch mit einer ganz bestimmten Haltung auseinandersetzt, die sie selbst als “Tussikratie” bezeichnen - die Herrschaft der Tussi, die nicht etwa eine Gleichberechtigung von Mann und Frau fordert, sondern lediglich, dass der Spieß einfach umgedreht wird. Frauen sollen nun das Steuer in die Hand nehmen und die Männer mal den Abwasch machen lassen, denn immerhin waren die bisher die bösen Unterdrücker. Jetzt sollen sie mal sehen, wie das ist. Doch ist diese schlichte Umkehrung der Verhältnisse wirklich dazu geeignet, dem ohnehin überaus komplexen Alltag, in dem wir leben erfolgreich zu begegnen? Sollte nicht eher eine Annäherung der Geschlechter angestrebt werden und nicht einfach eine Diskriminierung der Männer? Einfach ist es ja schon, bestehende Verhältnisse einfach umzudrehen, denn dann müsste auch nicht so viel darüber nachgedacht werden, wie es sich besser machen ließe. So wären die Geschlechterrollen weiterhin klar. Frauen wären einfach nicht mehr die Opfer, sondern das starke Geschlecht und Männer könnten die freigewordene Opferrolle ruhig übernehmen. Was so drastisch klingt, ist in vielen Bereichen schon Realität. In puncto Verhütung sitzt beispielsweise definitiv die Frau am längeren Hebel. Wenn sie ein Kind will und der Mann nicht, dann ist es möglich, dass sie sich schwängern lässt ohne dass Mann das weiß. Abgesehen von Kondomen gibt es kein zuverlässiges Verhütungsmittel für Männer, aber nicht unbedingt, weil die sich aus der Verantwortung stehlen würden, sondern weil es nicht gewünscht ist. Unternehmen, die bereits den Kassenschlager “Pille” produzieren, würden sich ja ihr Geschäft versauen, wenn sie plötzlich ein Konkurrenzprodukt zu ihrem Hit auf den Markt werfen würden. Auch Quotenregelungen können keine Lösung sein, denn letztendlich profitieren alle Beteiligten davon, wenn ein verantwortungsvoller Posten schlichtweg vom Besten oder eben der Besten besetzt wird. Das Geschlecht allein sollte dabei keine entscheidende Kategorie sein.
Aber sind Frauen denn wirklich so benachteiligt in der Arbeitswelt? Die Gender Pay Gap (dtsch. Geschlechter-Lohnlücke) ist in unseren Köpfen ziemlich stark verankert. Frauen verdienen im Durchschnitt viel weniger als Männer. Sie sind benachteiligt. Das ist einfach so. Oder? Selten wird hinter die Zahlen geschaut. Die Unterschiede zwischen dem Einkommen von Frauen und Männern sind durch verschiedene Faktoren bedingt, u.a. dadurch, dass Frauen sehr viel häufiger in Teilzeit arbeiten und diese Stellen nunmal nicht so gut bezahlt sind wie Vollzeitstellen. Auch Gehaltsverhandlungen werden von Frauen oft anders geführt als von Männern und dann sind es natürlich die klassischen weiblichen Berufsbilder, etwa im sozialen Bereich, die nicht so gut bezahlt werden. Aber ist es nicht auch so, dass viele Frauen auch schlichtweg andere Dinge wollen als ihre männlichen Kollegen, die z.B. unter dem Druck stehen Geld zu verdienen, um wenigstens einen Großteil des Familieneinkommens zu bestreiten. Die Zeiten in denen der Mann arbeiten geht und allein mit seinem Einkommen die ganze Familie durchbringt sind nämlich längst vorbei. Aber ist es dann wirklich ein Gender Problem oder ein Wertekonflikt, der uns z.B. soziale Berufe als nicht so wichtig wie etwa technische Berufe erscheinen lässt und damit auch eine unattraktive Bezahlung nach sich zieht? Ist es dann auch noch in Ordnung, wenn Jungs beim “Boys Day” gesagt wird, sie sollten doch einen sozialen Beruf ergreifen, weil dann einfach mehr Männer in den Frauenberufen wären? Und Mädchen parallel beim “Girls Day” dazu ermuntert werden die richtig guten Jobs, z.B. im Technikbereich zu ergreifen? Einfach nur, damit das Ganze mal nicht mehr so stark nach typischem Männer- und klassischem Frauenjob aussieht? Wie fühlt sich ein Junge, dem beigebracht wird, dass er doch einen Beruf ergreifen soll, in dem man weniger verdient - einfach nur weil er ein Junge ist und nicht nur die Mädchen die Drecksarbeit machen sollen?
Aber nicht nur Männer leiden unter der Tussikratie, sondern auch Frauen selbst setzt diese Haltung unter großen Druck. Wenn wir Frauen alles erreichen können - Kerl, Kind, Karriere - dann müssen wir das auch irgendwie, denn alles andere würde bedeuten, dass wir unsere Möglichkeiten nicht ausschöpfen und kläglich versagen.
Natürlich gibt es noch Benachteiligungen von Frauen. Und das ist sehr schlimm! Friederike Knüpling, selbst leidenschaftliche Boxerin, schreibt z.B. über das Boxen als Sport, in dem Frauen keinen leichten Stand haben. Selbstverständlich ist es wichtig wirkliche Benachteiligungen zu verurteilen und Änderungen herbeizuführen. Nur kann die Lösung nicht eine simple Umkehrung sein. Das Buch ist in keiner Weise frauenfeindlich - im Gegenteil! In einem Brief an die Frauen richtet Theresa Bäuerlein einen engagierten Appell an die Frauen, in dem es vor allem darum geht, dass es keinen Sinn hat nun quasi in die Männerrolle zu schlüpfen. Geschlecht ist einfach nicht die entscheidende Kategorie! So einfach und gleichzeitig schwer ist es, denn wenn eine so scheinbar simple Kategorisierungsmöglichkeit wegfällt… Ja, was dann? Dann müssen wir uns etwas Neues überlegen. Und das ist manchmal ganz schön schwierig.

Fazit: “Tussikratie” ist ein Buch, dem ich viele LeserInnen wünsche, denn es zeigt auf, dass manche Ansätze, die wir verfolgen nicht zu einer wirklichen Lösung, sondern lediglich zu einer Verschiebung des Problems führen. Wenn Geschlechterverhältnisse einfach nur umgekehrt werden, führt dies lediglich dazu, dass vorhandene Rollenbilder zusätzlich zementiert werden - schlichtweg unter geänderten Vorzeichen. Die Autorinnen rutschen dabei nicht in die Polemik ab, sondern bringen Verständnis für Angehörige jedweden Geschlechts auf, was vermutlich vor allem daran liegt, dass sie sich von der Vernunft leiten lassen. Eine erhellende Lektüre - sehr zu empfehlen!

Theresa Bäuerlein; Friederike Knüpling (Autorinnen)
Tussikratie. Warum Frauen nichts falsch und Männer nichts richtig machen können
www.randomhouse.de
320 Seiten

Kino und Kunst

8. Mai 2014 lweser Keine Kommentare

ab 08. Mai 2014, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
Kino: Über-Ich und Du, Regie: Benjamin Heisenberg; mit Georg Friedrich
nach Heisenbergs hochgelobten Film Der Räuber mit Spannung erwartet.
www.kinos-im-andreasstadel.de

Freitag, 09. Mai 2014, 19.00 Uhr, Art Affair, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Pavel Roucka

Freitag, 09. Mai 2014, 19.00 Uhr, Galerie Isabelle Lesmeister, Regensburg
Ausstellungseröffnung: Atmosphere, Malerei von Jenny Forster und Skulptur von Jeremy Homes

Samstag, 10. Mai 2014, 21.00 Uhr, Filmbühne, Regensburg
Video-Release-Party: Kompoluzzer stellt seinen “Surf-Techno + Orient-Dubstep + French No Wave + Swedish-Non-Ikea-Psychedelia” vor.

14. Mai 2014, 22.00 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Film: Bei Anruf Mord, Regie: Alfred Hitchcock, mit Grace Kelly, USA 1954; Innerhalb der Reihe vor 60 Jahren; Eintritt: frei
www.altstadtkinos.de

ab 15. Mai 2014, Filmgalerie Leerer Beutel, Regensburg
Kino: Vergiss mein ich, Regie: Jan Schomburg, mit Maria Schrader, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld; Jan Schonburgs zweiter Film, nach seinem großartigem Debüt Über uns das All wurde ebenfalls gespannt erwartet. Diesmal steht eine Frau mit retrograder Amnesie, die sich selbst und ihre Familie wieder neu kennenlernen muss, im Mittelpunkt.
www.filmgalerie.de

Donnerstag, 15. Mai 2014, 21.00 Uhr, W1 (Weingasse), Regensburg
Konzert: Satoos aus Hamburg, Vorband: Dress; Eintritt: 5 €
www.myspace.com/w1_regensburg


Vorschau:

Freitag, 23. oder Samstag, 24. Mai 2014, 16.00 Uhr, Stadtbücherei. Lesesaal (Haidplatz) Regensburg
Spürnasen auf Verbrecherjagd, einen Nachmittag Detektiv sein; für alle Schüler der 3. und 4. Klasse; Eintritt: frei; Anmeldung bis 21. Mai unter 0941/507-3432 oder krottenthala.paula@regensburg.de

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“Verrücktes Blut” im Akademietheater Regensburg

6. Mai 2014 sgruen Keine Kommentare

Dann eben mit Gewalt…

(Sigrid Grün; Fotos: ADK)

Migration und Bildung sind nicht erst seit Thilo Sarrazins stark populistischen Thesen ein heißes Eisen. In Frankreich erschien zwei Jahre vor Sarrazins umstrittenem Bestseller ein Film von Jean-Paul Lilienfeld mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle. Der Titel: “La journée de la jupe” (dtsch. “Heute trage ich Rock”). Ort der Handlung ist eine Brennpunktschule in einem Pariser Banlieu, einem der Vororte, die durch gewalttätige Ausschreitungen im Jahr 2005 zu traurigem Ruhm gelangten. Isabelle Adjani verkörpert in diesem Film eine Lehrerin namens Sonia, die mit ihrer Klasse Moliére durchnehmen will. Doch der unmotivierte und gewaltbereite Haufen hat darauf überhaupt keine Lust. Durch Zufall gelangt Sonia in den Besitz einer Feuerwaffe, die einem Schüler aus der Tasche fällt. Sie bringt ihre Zöglinge damit in ihre Gewalt und fängt endlich mit dem Unterricht an. Im Verlauf dieser Stunde kommen immer tragischere Zusammenhänge ans Licht - während draußen die Polizei versucht eine Stürmung des Klassenzimmers vorzubereiten, finden im Raum dramatische Dialoge und Auseinandersetzungen statt, die offenbaren, in welch aussichtslosen Situationen die Jugendlichen leben. In “Heute trage ich Rock” eskaliert die Lage schließlich - ein Schüler und die Lehrerin verlieren ihr Leben. Die Geschichte ist durchweg tragisch und endet, wie es sich für eine richtige Tragödie auch gehört mit dem Tod. Solche Geschichten rütteln auf, sie machen betroffen, gelacht wird nicht. Irgendwann mag man sich solche Geschichten nicht mehr anhören. Das ist schlimm, aber eben eine häufige Reaktion. “Kenn ich schon!”, denkt sich mancher und zappt weiter, wenn sowas auf Arte oder 3Sat kommt.

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Der Dramaturg Jens Hillje und der Regisseur Nurkan Erpulat haben aus der höchst dramatischen französischen Vorlage eine Geschichte gemacht, der sie einen mehr als passenden Titel verpasst haben: “Verrücktes Blut” - denn verrückt und aberwitzig, das ist die Adaption für die deutsche Bühne auf alle Fälle. Das Spiel mit Klischees, die ironische Verfremdung, die sich durch das ganze Stück zieht und die darin gipfelt, dass die Figuren aus ihren Rollen treten und deutsche Volkslieder über die schöne Heimat singen, machen aus “Verrücktes Blut” ein Stück, das einem den Atem nimmt. Momente absoluter Anspannung werden entweder durch Schüsse, die die Amok-Pädagogin abfeuert oder durch groteske Pointen, die das Publikum eigentlich zwangsweise mit Lachsalven beantworten muss, gelöst. Lachen und Gewalt gehören oft zusammen und in “Verrücktes Blut” wird diese Gewaltkomik in Vollendung aufs Tapet gebracht.

In der deutschen Brennpunktschule steht nicht Moliére auf dem Stundenplan, sondern Schiller - ein Projekt steht an und die überforderte Lehrerin Frau Kehling schafft es nicht einmal, sich bei ihrer disziplinlosen Horde einigermaßen Gehör zu verschaffen. Die Aggro-Affen in Trainingsklamotten tanzen um das Alpha-Männchen Musa, dessen Herrschaft auf Angst und Gewalt beruht. Der Kurde Hasan hält sich ganz abseits, der ist in der Hackordnung ganz unten, noch unter den Mädchen, die sich hier zunächst als genau das gebärden, als was sie von ihren durchweg patriarchalisch sozilisierten männlichen Mitschülern bezeichnet werden: Schlampen.
Wo ist da Platz für den Schiller’schen Idealismus? Wie kann ein spielender Mensch da frei sein, wo man für alles, was dem Wort des Babo widerspricht auf die Fresse kriegt? Wie vermittelt man die Klassik einem respekt- und disziplinlosen Haufen? In der Realität müsste die Antwort natürlich lauten: Gar nicht! Im Stück geht es aber eben doch, weil der Babo das Pech hat, seine Pistole zu verlieren. Und die kriegt dann die Lehrerin in die Finger und die erkennt schnell, dass es eben doch ein einziges Mittel gibt: Dann eben mit Gewalt! Bildung, Frieden und Freiheit werden hier mit vorgehaltener Waffe vermittelt - und “Es funktioniert!”, freut sich Frau Kehlig, die plötzlich Zuhörer hat und endlich ihren Unterricht durchziehen kann. Natürlich ist das keine “How-to-Anleitung”, hier plädieren die Macher freilich nicht für Gewalt als adäquates Mittel der Wissensvermittlung - aber sie deuten durch diesen ironischen Wink auf die gesellschaftliche Situation hin, die nun mal in unserem Lande herrscht.

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Bei Anika Kühls Inszenierung im Regensburger Akademietheater stimmt einfach alles. Zunächst natürlich die Besetzung - Meike Fabian als Lehrerin Frau Kehlig spielt sich durch fast die ganze Palette an Emotionen, die einen Menschen so befallen können. Todesangst und Trauer wechseln sich mit Begeisterung und Verzweiflung ab. Mal hebt sie im pädagogischen Flow ab, um sich dann mit einem bedrohlichen Pistolenschuss wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Was sie leistet ist einfach nur atemberaubend. Und unglaublich ist auch das Ensemble, das sich aus Schauspielstudenten des 1. und 2. Ausbildungsjahres und - man höre und staune! - zwei Externen (einem türkischen Politikstudenten und einem jungen Mann aus Afghanistan) rekrutiert. Hier hat man tatsächlich das Gefühl eine Klasse vor sich zu haben. Es schiebt kein trotziger Mittdreißiger das Becken nach vorne um den Macho-Türken zu mimen. Die Schauspieler sind wirklich jung und authentisch. Das Kopftuchmädchen, verkörpert von Gamze Uguzcan, überzeugt ebenso durch starkes Spiel wie der aggressive Obermacker Musa (Julian Kühndel). Philipp Adam gibt den arroganten Deutschen, der Musa aber auch nichts entgegenzusetzen hat und sich eben unterordnet. Mona Fischer und Barbara Trottmann sind die Tussis, zu denen sie von ihren Mitschülern gemacht werden - und die es schließlich - Schiller und Kehlig sei Dank - schaffen, sich aus dieser Rollenzuschreibung zu befreien. Ferdinand Reitenspies ist trotz seiner alles überragenden Größe der Underdog, der sogar von der Lehrerin auf die Fresse kriegt und als Karl Mohr beweisen muss, was er als Hasan eigentlich nicht kann: Dass er Eier in der Hose hat. Die beiden Externen überzeugen durch Präsenz und Authentizität.
Das starke Schauspiel wird auch noch durch Gesangs- und Tanzeinlagen (deutsche Volkslieder und orientalische Tänze) ergänzt. Die musikalische Leitung hatte Esther Baar, die auch die Liedeinlagen am Klavier begleitete. Reinhold Bauer sorgte mit seinen Percussioninstrumenten für zusätzliche Spannung. Für die Choreographie zeichnete Wolfgang Maas verantwortlich. Abendspielleitung hatte die Regieassistentin Marie-Claire Nickl.
Die Premiere war ein großer Erfolg, den sich auch der frischgebackene Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs nicht entgehen ließ. Man kann dem Team um Anika Kühn zu dieser Inszenierung nur gratulieren!

Weitere Vorstellungen gibt es noch am Donnerstag, 15., Freitag, 16. und Samstag, den 17. Mai jeweils um 19.30 Uhr im Akademietheater im Schenkerturm.

www.adk-regensburg.de

2. Mai 2014 lweser Keine Kommentare

01. Mai 2014, Kunstverein Graz, Regensburg
Ausstellung: Se acabaron las vacas gordas - die fetten Jahre sind vorüber
Comics aus Katalonien
Ausstellung im Rahmen des Spanischen Film- und
Kulturfestivals cinEScultura
Gastkuratorin: Montserrat Terrones
in Zusammenarbeit mit Pedro Álvarez Olañeta
bis 17. Mai 2014
www.kunstvereingraz.de
www.cinescultura.de

1.-4. Mai 2014, Parkplatz Donauarena, Regensburg
4 Tage Flohmarkt

ab 01. Mai 2014, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
Kino: Die Erfindung der Liebe, Regie: Lola Randl
www.kinos-im-andreasstadel.de

Freitag, 02. Mai 2014, 20.00 Uhr, Kursaal, Bad Abbach
Kabarett: Django Asül

02.- 12. Mai 2014, Weiden
30. Weidner Literaturtage
mit Michael Krüger, Axel Hacke, Inge Jens, Denis Scheck u.v.m.
http://www.weidener-literaturtage.de

ab 07.Mai 2014, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
NS Vorbehaltsfilme, jeweils mit Einführung
Start heute, 18.45 Uhr: Jud Süß D 1940, Regie: Veit Harlan; Einführung: Josef Lommer
www.kinos-im-andreasstadel.de

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