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Archiv für August, 2014

Tatort ab jetzt im Kino schauen

28. August 2014 lweser Keine Kommentare

Samstag, 30. August 2014, 22.30 Uhr, Kino im Andreasstadel, Regensburg
Kino-Reihe/Hard:Line. Kino Extrem: Hellraiser, GB 1987; Regie: Clive Barker
www.kino-extrem.de

Sonntag, 31. August 2014, 20.00 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Tatort jetzt im Kino: Paradies, A 2014, Regie: Harald Sicheritz; mit: Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser, Simon Schwarz; weitere Tatorte diesen Monat: 14. September (München) und 21.09. (Münster)
Eintritt: frei
www.altstadtkinos.de

Sonntag, 03. September 2014, 21.00 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
vor 50 Jahren: Goldfinger, USA 1964, Regie: Guy Hamilton; mit: Sean Connery, Gert Fröbe;
Eintritt: frei
www.altstadtkinos.de

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14. August 2014 lweser Keine Kommentare

7. bis 16. August 2014, 20.30 Uhr, Klostergarten Minoritenkirche / Filmgalerie Leerer Beutel, Regensburg
der zweite Teil der 32. Regensburger Stummfilmwoche:
Donnerstag, 14. August: HAROLD LLOYD: Safety Last!, Fred Newmeyer, Sam Taylor, USA 1923, Ausgerechnet Wolkenkratzer!, 73 Minuten, restaurierte Fassung, 35 mm, englische Zwischentitel; Live-Musik: Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (Violine & Piano, München)
Freitag, 15. August: The Pleasure Garden; 1925; Hitchcocks erste Regiearbeit; Alfred Hitchcock, 90 Minuten, UK 1925, Irrgarten der Leidenschaften, 35 mm (englische Zwischentitel); Live-Musik: Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (Violine & Piano, München)
Samstag, 16. August: Fantomas, 1913/1914; Louis Feuillade, EPISODE 2: 61 Minuten + EPISODE 4: 59 Minuten,
F 1913/1914, BluRay (französische Zwischentitel mit deutschen Untertiteln); Musik: Rainer J. Hofmann
Einführung: Nina Gosslar (ZDF/Arte)
www.filmgalerie.de

Freitag/Samstag, 22./23. August 2014, 21.45 Uhr, Filmgalerie Leerer Beutel, Regensubrg
Queerstreifen Sommer-Edition zur Überbrückung bis zum Festival im November
Freitag: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, USA 2013
Samstag: My Privat Go-Go, USA 2013
www.filmgalerie.de

Categories: Lysann Weser Tags:

Legende und Sozialkritik

11. August 2014 lweser Keine Kommentare

Fuhrmann des Todes / Körkarlen, Victor Sjöström, 106 Minuten, S 1921, viragiert, 35 mm; Live-Musik: Bertl Wenzl, Markus Stark & Rainer Hofmann;
bei der 32. Regensburger Stummfilmwoche 2014, Klostergarten der Minoritenkirche, Regensburg

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Was für ein Kontrast: nach Fritz Langs Kunstwelt im statisch inszenierten „Nibelungen“, konnte das Publikum am Samstag bei der Regensburger Stummfilmwoche mit „Fuhrmann des Todes“ ein realistisches Sozialdrama mit märchenhaften Zügen sehen. Sowohl inszenatorisch, als auch schauspielerisch wirkt der Film außerordentlich modern. Dabei ist der Film sogar etwas älter als Langs Nibelungenverfilmung. Der Film von Victor Sjöström entstand nach einer Novelle von Selma Lagerlöf von 1912, die wiederum auf einer bretonische Legende basiert. Den Auftrag erhielt er von der „schwedischen Vereinigung zur Bekämpfung von Tuberkulose“. Sjöström-Schüler Ingmar Bergmann sah den Fuhrmann des Todes / Körkarlen, als wichtigsten Film an.
Schwester Edith liegt in der Silvesternacht im Sterben und wünscht David Holm zu sehen. Bei ihm hat sie sich vor einem Jahr an Tuberkulose angesteckt, als er in ihrem Heim für Obdachlose nächtigte. Zum Abschied bat sie ihn, ihr in einem Jahr wissen zu lassen, ob ihr Beten für ihn Wirkung gezeigt hätte. Nun ist es also soweit und Edith schickt nach Holm. Doch dieser weist ihre Bitte brüsk ab, woraufhin es mit seinen Saufkumpanen zur Schlägerei und schließlich zu Holms Tod kommt. Der Fuhrmann des Todes kommt nicht nur um ihn zu holen, sondern um ihm sein Amt für das nächste Jahr zu übergeben. Denn laut einer Sage, von der bereits vorher in einer Rückblende berichtet wurde, muss immer jener, der als letzter im Jahr stirbt, dieses Amt ausführen. Holm weigert sich und der Fuhrmann, ebenfalls ein einstiger Saufkumpan Holms, geht mit ihm zurück in die Vergangenheit, als er ein glückliches Familienleben führte, besucht Schwester Edith und zeigt ihm schließlich seine Frau, die sich und ihre beiden Kinder soeben umbringen will. Endlich fleht Holm um eine Frist, um seine Frau und die Kinder zu retten. Sie wird ihm gewährt und alles wird gut – zumindest heute Nacht. Was morgen geschieht, zeigt der Film nicht mehr.
Dieses Ende, sowie die zahlreichen Rückblenden, erinnert stark an Charles Dickens Weihnachtsgeschichte von 1843 um den geizigen Ebenezer Scrooge, die übrigens bereits 1901 das erst Mal verfilmt wurde. Aus heutiger Sicht hat Sjöströms Film nur eine Schwäche: das Fehlen einer positiven Identitäsfigur, denn Schwester Edith und ihre Heilsarmee wirkt bigott und verbissen und können so für den Säufer David Holm nicht als Alternative gesehen werden.

Das extra für die diesjährige Stummfilmwoche zusammengeschlossene Trio aus Bertl Wenzl, Rainer J. Hofmann und Markus Stark begleiten den Film gefühlvoll und nur selten mit zu viel Pathos.

Das weitere Stummfilmwochenprogramm finden Sie hier:
www.kultur-ostbayern.de
www.filmgalerie.de

Siegfried in Art Deco

8. August 2014 lweser Keine Kommentare

Die Nibelungen. Siegfried, Regie: Fritz Lang, D 1922/1923, 144 Minuten, viragiert, Blu-ray; Live-Musik: Klaus Reichardt & Jan Kahlert (München); 32. Regensburger Stummfilmwoche 2014, Klostergarten der Minoritenkirche, Regensburg

In ein paar Tagen im August wird in Regensburg jedes Jahr einem alten Medium gehuldigt: dem Stummfilm. Eröffnet wurde die diesjährige und 32. Regensburger Stummfilmwoche mit dem ersten Teil von Fritz Langs Verfilmung der Nibelungensaga.
Als erstes fällt den Meisten wohl auf, dass der alte Bauer-Projektor nicht rattert. Die Kopie der Niebelungen kommt von Blu-ray. Drei Filme werden dieses Jahr so zu sehen sein. Alle drei Filme wurden aufwändig restauriert. Und nun ist die Versicherung der 35 mm Kopien (zumindest die beiden Niebelungenteile) unerschwinglich geworden. Bei Fantomas sieht es anderes aus. Dort gibt es wohl gar keine 35 mm Kopie mehr. Nina Gosslar von ZDF/Arte wird zur Rekonstruktion von Stummfilmen am 16. August vor der Fantomas-Vorführung mehr erzählen.

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Die Nibelungensaga gilt als urgermanischer Mythos. Dabei kommen die Nibelungen ebenso in der nordischen Sagenwelt vor und wurden sowohl im mittelhochdeutschen Nibelungenlied wie in der altnordischen Liederedda festgehalten. Beide Werke gehen vermutlich auf ältere Quellen zurück. Die Handlung wird auf das 4. und 5. nachchristliche Jahrhundert datiert.
Fritz Lang und seine Ehefrau die Drehbuchautorin Thea von Harbou bereiteten sich intensiv und monatelang auf die Dreharbeiten zur Nibelungenverfilmung vor. Eine Vorgehensweise, die zur damaligen Zeit nicht unbedingt üblich war, wie Nicole Litzl, Leiterin der Stummfilmwoche bei ihrer Einführung verriet. Der Film war der bis dahin aufwändigste und teuerste der Filmgeschichte. Laut einem Interview mit Fritz Lang, waren es vor allem diese beiden Filme die Goebbels 1933 dazu gebracht haben soll, Fritz Lang die Leitung des deutschen Film, natürlich im Sinne der neuen Machthaber, anzubieten. Lang emigrierte am gleichen Tag. Goebbels wollte ihn zum Staatsregisseur machen. Ein Amt das Leni Riefenstahl dann bereitwillig übernahm.
Die Nibelungen zeichnet sich vor allem durch seine Bildgewalt aus. Deutlich dem Art Deco verhaftet, sehr statisch inszeniert, schaupielerisch wenig überzeugende, lebt der Film hauptsächlich von seiner Opulenz und den Spezialeffekten. Schauspielerisch fällt nur Hanna Ralph als Brunhild positiv auf.

Die beiden Münchner Musiker Klaus Reichardt und Jan Kahlert begleiten den Film mittels diverser elektronischer Tasteninstrumente. Dabei bedienen sie sich beispielsweise wie bereits im letzen Jahr eines Trautoniums, den Nachbau des ersten Synthesizer, der 1930 entwickelt wurde, oder eines elektronischen Vibraphons. Dabei imaginierten sie zuweilen die Anwesenheit eines ganzen Orchesters. Dennoch ist die Instrumentierung nie überladen oder gar aufdringlich, sondern ganz dem Filmstoff angemessen: episch und eindringlich.

Das weitere Stummfilmwochenprogramm: www.filmgalerie.de

Stummfilmwoche

7. August 2014 lweser Keine Kommentare

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7. bis 16. August 2014, 20.30 Uhr, Klostergarten Minoritenkirche / Filmgalerie Leerer Beutel, Regensburg
32. Regensburger Stummfilmwoche. Statt in Bayreuth die Beine nach Karten in den Bauch stehen, lieber zur Stummfilmwoche. Auch da gibts diesmal deutsch Mythen und wie immer: gute Musik und natürlich gute Filme.
Donnerstag, 07. August: Die Niebelungen. Siegfried, Fritz Lang, D 1922/1923, 144 Minuten, viragiert, BluRay; Live-Musik: Klaus Reichardt & Jan Kahlert (München);
Wie schon im letzten Jahr bringen die zwei Münchner ein ganz besonderes Instrument mit: ein Trautonium entwickelt im Jahr 1930, mit dem z.B. Hitchcock in Den Vögeln eine unheimliche Atmosphäre erzeugte. Wer im letzten Jahr erlebt hat, wie die zwei Musiker Das Cabinet des Dr. Caligari vertonten, wird auch in diesm Jahr den Weg in den Garten des Museumscafes suchen.
Freitag, 08. August: Die Niebelungen II. Kriemhilds Rache, Fritz Lang, D 1923/1924, 126 Minuten, viragiert, BluRay; Live-Musik: Klaus Reichardt & Jan Kahlert (München)
Samstag, 09. August: Fuhrmann des Todes, Victor Sjöström, 106 Minuten, S 1921, Körkarlen, viragiert, 35 mm; Live-Musik: Bertl Wenzl, Markus Stark & Rainer Hofmann (R)
Sonntag, 10. August: Tabu, Friedrich Wilhelm Murnau, USA 1931, 83 Minuten, restaurierte Fassung, 35 mm, deutsche Zwischentitel; Live-Musik: Winfried Kraus (München);
Murnaus letzter Film. Er kam erst nach seim Tod in die Kinos. Gedreht z.T. mit Laienschauspielern auf Tahiti und Bora Bora entstand eine Liebesgeschicht mit dokumentarischen Zügen.
Eintritt: 12/10 €; Ausweichspielstatte bei schlechtem Wetter: Filmgalerie im Leeren Beutel

Wie schon 2012 verbindet die zwei verlängerten Stummfilmwochenenden ein moderner Stummfilm, der in der Filmgalerie zu sehen sein wird.
Montag-Mittwoch, 11.-13. August: Filmgalerie Leerer Beutel: Blancanieves/ Schneewittchen; Pablo Berger, E 2012, 104 Minuten, DCP Digitalkopie; hochgelobt und von Kritikern als bsser als The Artist bewertet.

Donnerstag, 14. August: HAROLD LLOYD: Safety Last!, Fred Newmeyer, Sam Taylor, USA 1923, Ausgerechnet Wolkenkratzer!, 73 Minuten, restaurierte Fassung, 35 mm, englische Zwischentitel; Live-Musik: Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (Violine & Piano, München)
Freitag, 15. August: The Pleasure Garden; 1925; Hitchcocks erste Regiearbeit; Alfred Hitchcock, 90 Minuten, UK 1925, Irrgarten der Leidenschaften, 35 mm (englische Zwischentitel); Live-Musik: Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (Violine & Piano, München)
Samstag, 16. August: Fantomas, 1913/1914; Louis Feuillade, EPISODE 2: 61 Minuten + EPISODE 4: 59 Minuten,
F 1913/1914, BluRay (französische Zwischentitel mit deutschen Untertiteln); Musik: Rainer J. Hofmann
Einführung: Nina Gosslar (ZDF/Arte)
www.filmgalerie.de

Buchtipp: Ostende, 1936. Sommer einer Freundschaft (Volker Weidermann)

1. August 2014 sgruen Keine Kommentare

Ein “dunkler Sommer” inmitten einer belgischen Strandidylle

(Sigrid Grün)

Der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Volker Weidermann hat sich in seinem jüngsten dokumentarischen Roman “Ostende, 1936″ der Freundschaft zwischen zwei Exilschriftstellern gewidmet, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Stefan Zweig, der Mann von Welt und Millionär und Joseph Roth, der Säufer und “Grantl-, Schimpf- und Hasskönig des Exils”. Am Strand von Ostende, im Café Flore verbringen sie gemeinsam mit einer illustren Gesellschaft, die aus verschiedenen Künstlern auf der Flucht vor dem deutschen Faschismus besteht, einen denkwürdigen Sommer. Egon Erwin Kisch und seine Frau, Willi Münzenberg, Hermann Kesten, Ernst Toller und seine junge Gefährtin Christiane Grautoff gehören ebenso zur “Gesellschaft der Stürzenden” wie Irmgard Keun, die Deutschland als einzige ohne Zwang verlassen hat. Zwar wurden ihre Schriften verboten, doch verfolgt wurde sie nicht. In diesem “dunklen Sommer” begegnet sie Joseph Roth, dessen letzte Liebe sie sein wird. Die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Menschen haben vor allem eine Gemeinsamkeit, den Alkoholismus, den sie immer wieder als einzige Möglichkeit die Welt zu ertragen beschreiben und als Grundbedingung für ihr Schreiben. Währenddessen versucht Zweig seinen schwermütigen und kranken Freund vom Trinken wegzubringen. Er ist fast wie eine Mutter, die aus dem Sohn einen besseren Menschen zu machen versucht und ihm trotzdem immer wieder Geld gibt, damit er nicht ganz unter die Räder kommt.

Volker Weidermann ist ein feinsinniges, atmosphärisches und höchst interessantes Buch gelungen. Zahlreiche Anekdoten und Zitate machen aus “Ostende, 1936″ auch noch eine äußerst unterhaltsame Lektüre, die in all der Bedrückung auch für Lacher sorgt. Ein wunderbares Sommerbuch, das ich jedem literarisch Interessierten ans Herz legen kann.

Volker Weidermann (Autor)
Ostende, 1936. Sommer einer Freundschaft.
www.kiwi-verlag.de
160 Seiten