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Archiv für Februar, 2015

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

28. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Warum baut der Hechtbauer keine Hechte an?

(Pep Schwarz-Weißflach)

Eckeckauuuu! Kennt ihr das? Ihr freut euch total auf etwas und dann entpuppt es sich als riesige Enttäuschung. Es verspricht was ganz Tolles zu sein und dann - Hundekuchen! In meinem Revier gibt es ein Haus, das von den Streichelmenschen sehr gerne und regelmäßig besucht wird, obwohl Monster draufsteht. Das hat mir natürlich wohlige Schauer über den Katzenbuckel gejagt. Am allerallerbesten fand ich aber den Namen: Hechtbauer! Da sollte es also mitten auf dem Campus einen Bauern geben, der auch noch Hechte anbaut! Ihr müsst wissen: Ich liebe Fisch. Dafür würde ich töten. Also, einen Fisch, keinen Streichelmenschen oder so. Ich beschloss also den Hechtbauern zu besuchen. Frohen Mutes tigerte ich vom Audimax an der Studentenkanzlei vorbei, unter dem Minitunnel durch und fand mich unmittelbar vor der Tür des vermeintlichen Fischbauern wieder. Es dauerte auch gar nicht lange, bis sich eine kleine Herde quiekender Streichelfrauen näherte, die mir kieksend und ihre Handspiegel zückend die Tür öffneten. Naja, das mit den Spiegeln wird wohl nicht besser. Auch beim Fischbauern entdeckte ich gleich ein großes rundes Exemplar an der Decke. Ich konnte mich selbst darin sehen. Und rund um mich - kein einziger Fisch! Ich schwöre es bei meiner Katerehre - auf den ersten Blick konnte ich überhaupt nichts entdecken, das meine feinen Geschmacksnerven angesprochen hätte. Ich streckte meine rosa Fellnase in die Luft und nahm Witterung auf. Kuh und Schwein und Hühnchen konnte ich durchaus erschnuppern. Aber keinen Fisch! Was für eine Enttäuschung. Was taten die vielen Streichelmenschen nur alle hier? Und warum waren sie nicht enttäuscht ob der leeren Versprechungen? Ich beschloss sie zu beobachten. Vielleicht könnte ich einmal eine Seminararbeit in Psychologie verfassen, in der es um den Umgang mit enttäuschten Erwartungen ginge. Streichelmenschen scheinen damit ja keinerlei Probleme zu haben. Hinter einer Art Fenster entdeckte ich auch schon die Quelle des Fleischduftes. Einige Streichelmenschen standen am Fenster, um sich zwischen Brot versteckte Fleischstücke in kleine Tüten packen zu lassen. Die schwarze Ekelbrühe gab es ebenfalls hinter dem fensterartigen Schrank. Ich wollte schon einen Satz machen um hinaufzuspringen, da entdeckte mich eine Streichelfrau: “Meeeeeeiiiii!! Der Peeeep!” Und schon wollten mir alle auf einmal ihren Spiegel zeigen. Das war mir einfach zu viel. Mit aufgestellten Haaren flitzte ich aus dem Haus. Zum Glück war die Tür gerade offen. Und jetzt kann ich die ganze Zeit nur an leckersten Fisch denken und bin am Verzweifeln, weil der Uniteich zugefroren ist! Eckeckauuuuuu!

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Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

28. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Elstergeschenk

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaauuu! Gestern lebte ich einfach in den Tag hinein. Ich finde, dass man das ab und an ganz bewusst machen sollte, damit die Gedanken im Katerkopf wieder frei fliegen können. Wieder strahlte die Sonne, aber ihr Licht wärmte noch nicht so wie ich mir das gewünscht hätte, weshalb ich den Vormittag überwiegend schlafend im Rechenzentrum verbrachte. Das Rechenzentrum ist der Ort an der Uni, der am wärmsten ist, weshalb ich mich insbesonders im Winter gerne dort aufhalte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum die Temperatur höher als die sonstige Durchschnittstemperatur ist, aber es ist so. Möglicherweise, weil den Streichelmenschen vom vielen Rechnen die Köpfe rauchen? Ich mag die Rechenstreichler gerne, sie sind auf eine besondere Weise freundlich, ohne die geringste Spur von Aufdringlichkeit.
Den Vormittag verträumte ich also in aller Ruhe an einem kuscheligen Plätzchen. In meinen Träumen war es richtig warmer Sommer. Die Mäuse auf der PT-Wiese liefen wohlgenährt durch die Gegend und waren leicht zu pflücken. Die Welt strahlte in einem milden Schein und über mir kreiste Pica, der ich in der Zwischenzeit eine resolute Erziehung zu einer gewissen Basishöflichkeit angedeihen hatte lassen. Und diese Maßnahme hatte auch gefruchtet, schaffte es Pica doch mittlerweile mich nicht in jedem zweiten, sondern nur in jedem vierten Satz zu beleidigen. Ich selbst wirkte ganz entspannt und sah geflissentlich über ihr noch nicht ganz perfektes Benehmen hinweg. Pica erzählte mir von den Weiten ihres Revieres und ich sehnte mich danach mit ihr den Luftraum zu erkunden. Sie forderte mich dazu auf ihr zu folgen und flog los. Ich tigerte hinter ihr her, ohne darüber nachzudenken, dass ich diesem Vogel niemals folgen könnte und ehe ich es richtig wahrnehmen konnte, befand ich mich über der Uni. Ich sah das PT-Gebäude unter mir verschwinden und überflog bereits die Zentralbibliothek, als mir einfiel, dass ich doch ein Kater war und kein Vogel und genau in diesem Augenblick näherte ich mich dem Dach des Rechenzentrums und konnte Picas verschwimmende Silhouette noch hinter den Sportanlagen ausmachen. Kurz bevor ich auf dem Dach landete, wachte ich auf und hatte tatsächlich so etwas wie Sehnsucht nach diesem Vogel. Ist es nicht seltsam, wie die Welt sich verändert, wenn man sich mal anders verhält als man es sonst zu tun pflegt?
Nach dem Aufstehen machte ich mich sofort auf den Weg zur Wiese. Ich überlegte lange, ob ich Pica von Poldi erzählen sollte. Vielleicht wüsste sie Rat. Aber ich verwarf den Gedanken, weil ich nicht wie ein Jammerkater dastehen wollte, was ja auch nicht der Realität entsprechen würde! Ich wunderte mich über mich selbst, da ich so milde gestimmt war und alles in einem sanften Licht sah. Oder war das einfach nur eine der Mäuse von gestern? Vielleicht die, die ich gemeinsam mit Pica erjagt hatte? Oder lag es am Frühling? Mit irgendwelchen Sexualhormonen konnte es jedenfalls nicht zusammenhängen, das war schon mal gewiss. Bereits auf den Treppen, die zwischen dem Zentralen Hörsaalgebäude und dem PT-Trakt Richtung Wiese führen, sah ich sie. In großem Bogen kreiste sie über der Wiese und ich bildete mir ein, dass es ein suchendes Kreisen war. Ich erhöhte mein Tempo, um mir den Schlaf aus den Knochen zu laufen. Natürlich hatte sie mich auch schon längst gesehen. Kurz bevor ich bei der Wiese ankam, landete sie in ihrem Nest und blickte nickend in meine Richtung. Ich blieb in einigem Abstand zum Baum stehen, um meinen Kopf nicht so stark verdrehen zu müssen. Das sähe möglicherweise lächerlich oder erbärmlich aus, so als wäre ich der Unterlegene.
“Schäck, schäck, schäck, schäck, Kaaaaaaterchen! Wo warst du? Schäck, schäck, schäck!”
“Ich hab geschlafen und geträumt!”
“Faulpelz! Schäck, schäck, schäck!”
“Was hat schlafen mit Faulheit zu tun?”
“Schäck, schäck, schäck, die Sonne scheint! Da wird nicht geschlafen! Schäck, schäck, schäck!”
“Bei Sonnenschein schläft man sogar besonders gut!”
“Schäck, schäck, schäck, schäck. Jaaaa. Guuuut. Schäck, schäck, schäck. Kaaaaterchen, ich hab was für dich! Schäck, schäck, schäck!”
Ich will ehrlich sein… Meine Herzfrequenz erhöhte sich merklich. Ich kenne das. Passiert mir sonst nur bei meinen Studien, zum Beispiel wenn ich versteckte intertextuelle Bezüge entdecke, die ein scheinbar wirres Ganzes in ein perfektes Mosaik verwandeln, dessen Steinchen einem vollkommen vertraut vorkommen. Und jetzt löste eine Elster, deren Präsenz bis vor Kurzem bei mir für Beklemmungen gesorgt hatten, dieses Gefühl aus. Pica hatte etwas für mich? Sie hatte etwas für mich!
“Soooo?”
“Schäck, schäck, schäck! Jaaaa! Schäck, schäck, schäck! In meinem Nest! Schäck, schäck, schäck!”
Sie hatte etwas für mich! In ihrem Nest!
“Mmmmjaaaaa?”
“Schäck, schäck, schäck, jaaaa! Komm rauf und hol’s dir! Schäck, schäck, schäck!”
Ich spannte schon die Muskeln, um mit Schwung den Stamm hinauf zu klettern, doch dann wurde mir bewusst, dass das Nest sich viel zu weit in der Krone befand. Die dünnen Astausläufer würden mich nicht tragen und ein Absturz wäre mir denkbar peinlich gewesen.
“Ich pass doch da gar nicht rein! Ich will dein Nest auf keinen Fall kaputt machen! Und die Streichelmenschen halten mich dann vielleicht für einen Räuber!”
“Schäck, schäck, schäck, versteh schon, Katerchen! Schäck, schäck, schäck! Dann schmeiß ich’s dir runter!”
Unter kurzem Aufflattern beförderte sie einen kleinen, runden Gegenstand aus ihrer Behausung, der in der Sonne glänzte. Er landete zwei Sprünge entfernt und ich erkannte gleich, dass es sich um ein Ding handelte, das auf den braunen Flaschen steckte, die Streichelmenschen gerne leerten. Mir war bereits aufgefallen, dass sie diese kleinen Deckel einfach überall liegen ließen.
“Danke!”
“Schäck, schäck, schäck! Was ist das? Schäck, schäck, schäck!”
Dass Pica nicht wusste, um was es sich dabei handelte, versetzte mir einen kleinen Stich.
“Es ist wunderschön, Pica! Nochmals danke!”
Auf diese Weise würde sie sicher auch über kurz oder lang lernen, sich höflicher auszudrücken. Ich könnte ja einfach ein positives Vorbild sein!
“Schäck, schäck, schäck! Schööön! Schäck, schäck! Egal! Was ist es? Schäck, schäck?”
“Es ist… Es handelt sich dabei um… Es bedeutet Freundschaft!”
“Schäck, schäck! Es bedeutet Freundschaft?! Schäck, schäck, schäck! Ich hab’s auf der Straße gefunden! Schäck, schäck! Wer wirft denn sowas weg, schäck, schäck?!”
“Maaaau, Pica, das weiß ich auch nicht! Ich verstehe nicht, warum das jemand fortgeworfen hat. Vielleicht ist es eine schrecklich traurige Geschichte, die dahinter steckt. Aber vielleicht hat es jemand auch für dich hingelegt!”
“Schäck, schäck, schäcklich traurig? Für mich hingelegt? Schäck, schäck, schäck! Wozu?! Schäck, schäck! Was kann man damit machen? Schäck, schäck, schäck!”
Pica anzulügen brach mir das Herz, aber ihr die Wahrheit zu sagen, wäre noch schlimmer gewesen. Was war nur mit mir los?
“Man bewahrt es auf und freut sich daran!”
“Aha! Schäck, schäck, schäck! Dann nimm es mit! Schäck, schäck, schäck!”
“Danke!”
“Jaja, schon gut, schäck, schäck, schäck! Versteck’s gut, damit es keiner klaut! Schäck, schäck, schäck!”
Das würde ich tun. Ich versteckte es zunächst neben dem Baumstamm und pflückte gemeinsam mit Pica einige Mäuse von der PT-Wiese, die gerade eher einem Sumpfgebiet glich. Später würde ich das Elstergeschenk in einer geheimen Ecke des PT-Gebäudes verbergen. Einige Streichelmenschen liefen an Pica und mir vorbei und merkten überhaupt nicht, was los war. Wie konnten sie nur so unaufmerksam sein! Sahen sie denn nicht, dass die Sonne ein so seltsames Licht spendete? So mild wie nie? Meeeeaaaauuu!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

27. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Vetter Veit

(Pep Schwarz-Weißflach)

Schnurrrrr. Was für ein herrlicher Frühlingstag gestern doch war! Nach dem versponnenen Ein-Satz-Schnarch-Tag war ich wieder voller Energie - kein Wunder, bei der Sonne… Zudem musste doch endlich die Elster-Affäre aus der Welt geschafft werden. Und die Dackelgeschichte, die sich in den letzten Tagen zwar etwas beruhigt hatte, da ich so auf die Elster fixiert war, aber abgehakt ist Poldi noch lange nicht. Ich hatte die Nacht wieder einmal im PT-Gebäude verbracht und wurde von der Sonne geweckt. Sofort verspürte ich den Wunsch wichtige Angelegenheiten zu erledigen. Schluss mit Prokatzination! Auf ins Gefecht!
Meine To-do-Liste sah also folgendermaßen aus:
O Elster erledigen
O Maus fangen
O Maus fressen
O endlich wieder humane Feldforschung betreiben
O Heizungsnickerchen
O Dackel erziehen
O wieder was fürs Studium machen
O Heizungsnickerchen
O Streichelmenschen-Wellness
O noch ne Maus fangen
O Maus II fressen
O Heizungsnickerchen
O endlich meine Hundefeldforschungsergebnisse auswerten und mit Pfotennoten versehen (davor also nochmal Recherche!)
O Heizungsnickerchen
O Schnurren schnurren
Ich fing also ganz oben an, schleckte meine Pfoten und hielt erstmal Ausschau. Vom Gebäude aus konnte ich das Federvieh nicht sehen und bei dem herrlichen Sonnenschein wollte ich ohnehin nach draußen. Eine freundliche Streichelfrau öffnete mir auch gleich die Tür und los ging’s. Ich suchte den Himmel ab, checkte das Elsternest und das Dach der Uni. Nix. Na gut, bis Punkt 1 abgehandelt werden könnte, war sicher ein Sonnenbad drin. Ich suchte mir eine schwarze Riesenblechdose aus, um mich darauf zu sonnen. Es war herrlich, die natürliche Wärme wieder einmal auf meinem Katerpelz zu spüren. Und während mich die Sonnenstrahlen kitzelten und mich beinahe schon zum Punkt 5 der To-do-Liste katapultiert hätten, hörte ich plötzlich ein hektisches Geflatter. Das konnte nur eins bedeuten: Sie war da! Ich öffnete die Augen und sah sie auch gleich. Sie hockte auf einer Laterne und wippte mit ihrem langen Schwanz. Und sie hielt erstaunlicherweise den Schnabel! Was war nur los? Ich wollte mich auf sie stürzen, um endlich zu Punkt 2 übergehen zu können, mittlerweile stand die Sonne nämlich schon hoch. Ich peitschte mit meinem Schwanz und in meinem klugen Katerkopf ging es hoch her. Sollte ich sie geschickt anlocken, um sie am Standort zu verspeisen oder mich auf sie stürzen? Und dann kam mir plötzlich mein fetter Vetter Veit in den Sinn. Er war der Sohn des Bruders meiner Mutter und einen Sommer älter als ich. Als Katzenkind auf meinem oberpfälzer Heimatbauernhof war ich beeindruckt von seiner stoischen Lebensphilosophie und seiner raumgreifenden Präsenz. Seine Körperfülle war in der Tat ein biologisches Wunder, das sich aber nicht allein in einem hohen Volumen ausdrückte, sondern auch in der einzigartigen Fähigkeit einem Fladen gleich mit seiner Umwelt zu verschmelzen. Er war rot-getigert und sah sowohl in einem reifen Ährenfeld als auch vor einem Strohballen haargenau wie seine Umgebung aus. Wäre er nicht so fett gewesen, hätte er sich im blonden Haar der Streichelbäurin verstecken können. Vetter Veit war mein größtes Vorbild. Seine Philosophie lautete: Wenn du nicht kämpfen willst, lass es!
Und da fiel es mir wie Fischschuppen von den Augen… Musste ich wirklich gegen die Elster kämpfen? Gab es nicht eine klügere Alternative? Eigentlich wollte ich überhaupt nicht gegen sie kämpfen. Um ehrlich zu sein, wollte ich sie erstmal kennen lernen. Ich hatte schon so viel über Elsterintelligenz gelesen und war fasziniert davon. Möglicherweise könnte ich etwas von ihr lernen. Wie konnte es nur so weit mit mir kommen? Ich mochte doch sonst keine Vögel auf meinem Speiseplan - also, keine ungerupften.
Und während mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, flatterte sie auf die Uniwiese und riskierte damit ihr Leben. Es hätte nur eines beherzten Satzes bedurft, um sie vom löchrigen Rasen zu pflücken. Ich staunte. Und in diesem magischen Moment, in dem ich so etwas wie Bewunderung für den Mut der Elster aufbrachte, riss sie den Schnabel auf. Für meinen Geschmack zwar ein bisschen weit, aber so ist sie nun mal…
“Kaaaaterchen! Schäck, schäck, schäck. Hab dich schon vermisst. Schäck, schäck, schäck. Beinah! Schäck, schäck, schäck.”
“Ich dich auch, Federvieh!”
“Schäck, schäck, schäck, schäck. Dacht ich mir! Schäck, schäck, schäck, schäck!”
Und in diesem Augenblick sah ich Vetter Veit vor mir. Im Weizenfeld. Oder vielmehr: ich sah ihn nicht, wusste allerdings, dass er da sein musste und mir zumaunzte: ‘Wenn du nicht kämpfen willst, lass es!’ Da war auf einmal alles ganz einfach.
“Sag mal, Elster, ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass wir uns einander noch gar nicht vorgestellt haben?”
“Stimmt! Schäck, schäck, schäck! Pica pica! Schäck, schäck, schäck, schäck!”
“Sag mal, stotterst du etwa?”
“Schäck, schäck, schäck! Spaßbaum! Das sind Vor- und Zuname! Dacht ich mir schon, dass du sowas nicht kennst! Schäck, schäck, schäck, schäck, schäck!”
Die enorme Lautstärke, die sie beim Krächzen entwickelte war immer noch eine harte Bewährungsprobe für mein Nervenkostüm, aber ich visualisierte meinen fetten Vetter und blieb ruhig.
“Ich heiße Pep Schwarz-Weißflach! Sogar mit doppeltem Zunamen! Aber du kannst mich Pep nennen…”
“Pica! Schäck, schäck, schäck, schäck! Du kannst mich Pica nennen! Schäck, schäck, schäck, schäck!”
Und dann erzählte ich ihr von den Wahnsinnsarien. Nein, ich erzählte ihr von den Nicht-Wahnsinnsarien, die ich ja verpasst hatte. Die ganze Geschichte und zwar nicht die ausgedachte, sondern die wahre. Einfach so. So einfach! Und alles, alles war gut an diesem schönen Tag im Vorfrühling. Meine To-do-Liste habe ich verworfen. Braucht kein Kater! Wir haben zusammen zwei Mäuse gejagt. Ich eine und Pica eine. Und dann habe ich geschlafen und wunderschön geträumt. Dank Vetter Veit… Schnurrrrr.

26. Februar 2015 lweser Keine Kommentare

Freitag, 27. Februar 2015, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg
Ausstellungseröffung: [gwàx]
bis 22. März 2015
www.kunstvereingraz.de

Freitag, 27. Februar 2015, 15.00 Uhr, Cafe Pernsteiner (Von der Tann Str. 40), Regensburg
Lesung: Vásclav Havels Briefe aus dem Gefängnis an seine Frau Olga vorgestllt von Dr. Horst Dähne (1. Vorsitzende der Ackermanngemeinde Nürnberg)
www.keb-regensburg.de

Sonntag, 01. März 2015, 11.00 Uhr, Ostdeutsche Galerie Regensburg
Ausstellung: Stefan Moses. Lovis-Corinth-Preis 2014
läuft bis 31. Mai 2015

Categories: Lysann Weser Tags:

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

26. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Lost in linguistischen Labyrinthen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaau! Der ganze Sozialstress der vergangenen Tage ist nicht eben dazu geeignet, mich fröhlich zu stimmen, weshalb ich gestern beschloss sowohl den dämlichen Dackel als auch die elende Elster aus meinem Katerkopf zu verbannen und mich wieder vermehrt meinem Studium zu widmen, insbesondere meinen Sprachstudien, in deren Rahmen ich auch erfahren habe, dass der Tag des Schachtelsatzes wäre, den ich auch gebührend feiern wollte, denn genau wie Thomaus Mann liebe ich Hypotaxen, die sich Jahresringen gleich um eine Mitte winden, die Nebensatz um Nebensatz gebiert, und sich damit gleichsam immer weiter entfernt vom ursprünglich Gemeinten, bisweilen für Verwirrung sorgend, was aber vielleicht gar nicht das Schlechteste ist für einen von Elster- und Dackelgedanken geplagten klugen Katerkopf, der sich nach Ruhe seht und sich gerne in einem Gedankenstrudel verlieren möchte, in unendlich mäandernden Sätzen, die so unaufgeregt sind wie ein glatter Bergsee bei vollkommener Windstille, ganz im Gegensatz zu hektischen, zerhackten Parataxen, in denen Dackel und Elstern ja zu kommunizieren pflegen, von denen ich mich - verständlicherweise - abgrenzen möchte, was allerdings so einfach nicht ist nach den vergangenen Tagen, die so voller konflikthafter Begegnungen waren, dass ich mich flüchten wollte in die Untiefen der Universität oder alternativ in linguistische Labyrinthe, welche den Irrgänger in sich aufnehmen und trösten mit dem allgegenwärtigen Gefühl des bewussten Sich-Verlierens, das manchmal tatsächlich ein Trost sein kann, eine stetige Sicherheit in der Unsicherheit der heutigen Zeit bietet, wobei mir gerade auffällt, dass mein Gerede möglicherweise wirr und beklommen wirken mag, obwohl ich doch ganz dezidiert für eine fröhliche Wissenschaft plädiere, wie die von Friedrich Mietzsche postulierte - auch ich würde Wissenschaft lieber auf eine ausgelassene und lustige Art praktizieren, eine Wissenschaft, die sich nicht in einen Elfenbeinturm zurückzieht, sondern für alle offen ist, die gerne Gedanken jagen und mit ihnen spielen, wie ich das mit Mäusen auf der Uniwiese tue, worüber ich möglicherweise meine Doktorarbeit schreiben möchte, die von vielen Katzen und Streichelmenschen, von mir aus auch von Elstern und Dackeln gelesen werden soll, eine Abhandlung also, die zeigt, welche Freude das Denken zu bereiten vermag und wie man sich in Sätzen verlieren, durch sie hindurchschlüpfen kann, um letztendlich nach einem einzigen Satz bereits festzustellen, dass man nach einem derartigen labyrinthisch-linguistischen Spaziergang ein Nickerchen machen möchte, da auch Kopfarbeit anstrengt und man sich davon erholen muss und wenn einer fragt: Ich bin auf der Heizung! Meeeeaaaau!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

25. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Erstens kommt es anders und zweitens schäck, schäck, schäck

(Pep Schwarz-Weißflach)

Maaaaaau! Gestern war die Elsteraufregung wieder groß. Am frühen Morgen lief ich rastlos durch die Gänge des PT-Gebäudes und versuchte das Federvieh über der Uniwiese auszumachen. Nix! Nach fünf weiteren Runden - ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet - sah ich sie dann. Sie saß in ihrem Parkplatzbaumnest und hielt Ausschau. Vor Aufregung begann ich mit dem Schwanz zu peitschen. So konnte ich ihr nicht gegenübertreten. Sie sollte mich nur in einem gefassten Zustand sehen. Um mich etwas zu beruhigen, lief ich eine weitere Runde durch Psychologie, Medien- und Kulturwissenschaft, am Dekanat vorbei und zuletzt ging ich meine Wahnsinnsariengeschichte vor der PT-Katzeteria noch einmal im Katerkopf durch: Paukenversteck, Transport, Mülltonne. Ich fügte noch einige dramatische Details bei, um der Sache etwas mehr Würze zu verleihen. Herzrasen, Todesängste, schmutziges Fell, all so’n Kram. Und dann lief ich los. Jetzt oder nie! In wenigen Minuten hätte ich die Sache hinter mich gebracht…
Ich kam bis zur Glastür. Und dann kam kein Streichelmensch, der sie mir geöffnet hätte. Es war zum Mäusemelken! Ich wartete und wartete. Selbst verzweifeltes Maunzen half nichts. Draußen zog die Elster große Kreise über meinem Revier. Sicher hielt sie Ausschau nach Mäusen und nach mir. Verzweifelt blickte ich durch die Glastüren und ich sah schon meine Mäusefelle davonschwimmen. Ich musste klare Reviergrenzen setzen. Und dazu musste ich vermaust nochmal nach draußen! In meinem Katerkopf flüsterten leise Zweifel eine grässliche Botschaft: Pep, wie willst du dieses Revier verteidigen, wenn du es nicht einmal schaffst, durch eine Tür zu gehen?
Wo waren diese Streichelmenschen nur, wenn man sie brauchte?
Als ich mich gerade in eine rechtschaffene Rage hineingesteigert hatte, öffnete mir ein Streichelmann die Tür, nicht ohne mir vorher grob über den Pelz zu fahren. Ich stand so unvermittelt im Freien, dass ich fürchtete meine Geschichte nicht mehr im Katerkopf zu haben. Egal, ich musste die Affäre Elster beenden. Entschlossen tigerte ich Richtung Parkplatz. Doch auf halbem Wege stieß dieses Federvieh auf mich herab und wagte es, mich in meinen schönen Katerschwanz zu zwicken! Es war ungeheuerlich! Der wilde, ungezähmte Instinktkater in mir schlug alle Empfehlungen des beherrschten Katertiers in den Wind und wollte nur noch eines: Dieses elende Vieh fressen! Schlagartig drehte ich mich also um und versuchte die Elster zu erwischen. Keine Gnade! Sie hatte es selbst so gewollt. Doch mein Versuch sie aus der Luft zu pflücken schlug fehl. Schon zwickte sie mich erneut in den Schwanz. Ich wandte mich um, schlug zu - sie flatterte auf und griff wieder hinterrücks an. So ging das viele Male. Diese wilde und vergebliche Jagd erschöpfte mich. Die Sache musste aber gelöst werden!
“Hör auf!”, rief ich. Für unbedarfte Streichelmenschen hörte es sich vielleicht wie ein “Meeeaaaau!” an - in Wirklichkeit war es aber der erschöpfte Aufschrei eines Verzweifelten, der sich noch das letzte Quäntchen Katerehre bewahren wollte.
“Du musst ‘bitte, bitte!’ sagen! Schäck, schäck, schäck!”, keckerte die Elster.
“Niemals!”
Sie stieß auf mich herab und zwickte mich in die Schulter.
“Also, mir gefällt das Spielchen sehr gut! Schäck, schäck, schäck!!”
“Mir auch!” Hier hätte ein Unbeteiligter möglicherweise ein schlichtes “Miau!” gehört, es war aber das Aufstöhnen eines unschuldigen Folteropfers, das nicht bereit war etwas verloren zu geben, das ihm zustand - sein Revier, seine Mäuse, sein Leben! Wild entschlossen versuchte ich sie weiterhin zu erwischen. Und ich scheiterte. Natürlich könnt ihr euch jetzt über mich lustig machen und meine Katerehre in Zweifel ziehen. Ich hätte euch auch nicht die Wahrheit erzählen müssen. Aber wahre Stärke beweist nun mal der, der sich auch schwach zeigen kann.
Wie die Geschichte ausging? Sie verlor irgendwann die Lust, setzte sich gelangweilt in ihr Nest und ließ ihr höhnisches Geschäcker ertönen.
“Schäck, schäck, schäck, schäck! Wo warst du Kater?”
“Ich habe dich gesucht!”
“Schrei nicht so rum! Schäck, schäck, schäck!!!”
“Du schreist doch hier!”
“Nein, das ist meine Stimme, du Fellwurst! Ich kann nicht leiser! Schäck, schäck, schäck!!”
“Und ich will nicht leiser!”
“Guuuut, schreien wir uns eben an! Schäck, schäck, schäck, schäck!! Erzähl mir sofort alles von den Wahnsinnsarien!! Schäck, schäck, schäck!”
“Das hätte ich schon gemacht! Aber du hast mich zu sehr geärgert! Glaubst du allen Ernstes, dass ich so loco in meinem Katercoco bin, dir nach der Aktion noch was von der Katzenmusik zu erzählen?!”
“Kaaaaterchen! Schäck, schäck, schäck, schäck, schäck!!!”
“Du musst ‘bitte, bitte!’ sagen!” Leider ist Rache manchmal ganz schön schnurrig…
“Niemals! Schäck, schäck, schäck, schäck, schäck!”
Unter boshaftem Geschäckere flog sie auf und war bald hinter der Technischen Hochschule verschwunden.
Vermaust nochmal. Die ganze Geschichte, die geschmiedeten Pläne, Gram und Sorgen - das hätte ich mir alles sparen können. Es kommt doch immer anders als man denkt…
Ich musste mich nach diesem anstrengenden Elstermezzo jedenfalls ausführlich ausruhen. Maaaaaau!

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24. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Flatterhaftes Federvieh!

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meaaaaaau! Nachdem ich mich gestern Morgen endlich dazu aufgerafft hatte, die Sache mit der Elster zu klären, machte ich mich gleich auf den Weg um es hinter mich zu bringen. In der Nacht hatte ich nämlich geträumt, dass ich in einer Pauke säße, auf die immer wieder eingeschlagen wurde. Mein Katerleib bebte unter dem Einfluss der Eigenfrequenz des Schwingkörpers. Baaaaaum, baaaaaaauuuuum, badabaaaaaaum! Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass es sich um einen Alptraum handelte. Aber selbst Alpträume haben ihr Gutes! Ich wachte mit gesträubtem Katerfell auf, fand mich in der kuscheligen Umgebung der heimischen Wohnung wieder und hatte einen Plan. Ich würde die Elster nicht anlügen, aber die ganze Wahrheit sollte sie auch nicht wissen. Auf keinen Fall die Geschichte mit meinem geliebten Katzenkörbchen. Manche Dinge sind für andere einfach nicht so wichtig wie für einen selbst, oder? Ich erzähle doch auch nicht jedem, was ich fresse und wo ich mich am liebsten kratze. Stellt euch nur mal vor, jeder würde hinausposaunen, was er so die ganze Zeit tut - wäre das nicht absurd? Ich möchte schließlich auch nicht wissen, was genau mit den Mäusen passiert, die die Elster sich fängt.
Meine Geschichte sollte also folgendermaßen lauten: Lange bevor das Konzert überhaupt anfing, versteckte ich mich hinter der Bühne, um die Wahnsinnsarien ja nicht zu verpassen. Ich bin schließlich ein gewissenhafter Kater, der viel auf Versprechen gibt. Mir war bewusst, dass ich auf herkömmlichem Wege nicht einfach in den Saal spazieren konnte. Zu oft war ich aus Theatern und Konzertsälen bereits hinausgeworfen worden. Ich musste also anders vorgehen. Der Plan mich in einer Pauke zu verstecken, um in den Orchestergraben zu gelangen erschien mir zwar gewagt, aber selbstverständlich setzte ich ihn in die Tat um, wenngleich es mit einem enormen Aufwand verbunden war unter das Fell zu gelangen. Die Chance, dass ich sonst entdeckt werden könnte, war aber einfach zu groß, so dass ich das nicht unbeträchtliche Risiko auf mich nahm. Mit angehaltenem Kateratem saß ich also im Inneren des Instruments und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Seltsamerweise befanden sich auch andere Dinge im Paukenkessel, die ich aber in der Dunkelheit nicht eindeutig identifizieren konnte. Bald schon merkte ich, dass das Instrument von einem Streichelmenschen ergriffen und an einen anderen Standort bewegt wurde. Ich machte mich ganz schwer, um ja kein Geräusch zu erzeugen. Wie erstaunt war ich da, als das Instrument mit einer entschiedenen Bewegung in die Höhe geworfen und umgekippt wurde! Ich flog samt Paukenfell und Kesselinhalt in einen recht großen Behälter, in dem es unangenehm nach Unrat roch. Wenig später wurde es wieder stockdunkel. Ich befand mich ganz sicher nicht in einem Orchestergraben…
An dieser Stelle wollte ich die Geschichte abbrechen, um der Elster Zeit zum Überlegen zu geben und die Dramatik meiner Situation zu unterstreichen. Es wäre auch ein Intelligenztest für das Federvieh. Würde sie das Ganze deuten können? Oder hatte sie keine Ahnung vom Leben der Streichelmenschen. Ich war stolz auf meine Geschichte, das kann ich offen sagen. Natürlich ließ mich die Landung im Müll auch etwas dumm dastehen, aber das ist eigentlich gar nicht schlecht, wenn man einen Gegner fürchtet. Er soll sich in Sicherheit wiegen und dann, wenn er denkt, dass man soooo klug ja nicht sein kann, spielt man seinen Trumpf aus!
Diese Geschichte wollte ich der Elster also auftischen. Ich ging alles x-mal in meinem klugen Katerkopf durch. Auf dem Weg an die Uni, auf der Uniwiese und schließlich im PT-Gebäude, von dem aus ich immer einen Blick auf die Wiese warf als gegen Mittag ein grässliches Schneegestöber einsetzte. Und was soll ich sagen? Die Elster hat es mir verdorben! Heute ist sie nicht aufgetaucht - obwohl ich mir doch extra so eine schöne Geschichte zurecht gelegt habe. Alles für die Ratz! Na, danke. Flatterhaftes Federvieh! Meaaaaaau!

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23. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

In Deckung

(Pep Schwarz-Weißflach)

Eckeckaaauaaau. Gestern war vielleicht ein verschnarchter Tag! Dabei fing er recht aufregend an. Morgens bin ich in mein Revier getigert, nicht ohne vorher ausgiebig den Luftraum zu checken. Die Elster schien wer-weiß-wo zu sein, jedenfalls nicht in ihrem Nest über dem PT-Parkplatz. Ich kam mir vor wie ein elender Einbrecher - und das in meinem eigenen Revier. Unfassbar! Aber mir wollte wirklich keine Lösung für das Wahnsinnsariendilemma einfallen. Eine Notlüge wäre für mich moralisch durchaus vertretbar gewesen, allein, mir wollte keine einfallen, die ich für gut genug befunden hätte.
Ich brachte also den Weg entlang der Uniwiese zwischen Technischer Hochschule und PT-Gebäude rasch und unauffällig hinter mich und bog vor der Philosophie/Theologie scharf nach rechts ab, um in die Rechtswissenschaft zu gelangen. Dieses Gebäude ist nämlich immer offen. Es ist mir ein Rätsel nach welchen Regeln die Streichelmenschen die verschiedenen Unitrakte mit Leben füllen - das geht wohl nach dem Monde. Nur in der Rechtswissenschaft scheint offensichtlich immer die Sonne, zumindest scheren die sich keinen Deut um Schließzeiten. Zu meinem großen Glück! Hier konnte ich in Deckung vor der elenden Elster gehen. Achja, so elend ist sie ja im Grunde genommen nicht. Nur frech, nachgerade unverschämt. Und mit solch einem Verhalten komme ich einfach nicht zurecht. Vielleicht sollte ich mal versuchen ihr ein wenig Benimm beizubringen, aber was Elstereltern versäumt haben, kann ihr vermutlich auch kein Akatermiker mehr beibringen.
Ich konnte keine richtig schöne Heizung finden und kuschelte mich deshalb zunächst in den abgelegten Pelz eines Streichelmenschen. Selbstverständlich weiß ich mittlerweile, dass man diese Dinger als “Jacke” oder “Mantel”, bisweilen auch als “Parka” bezeichnet. Was der genaue Unterschied ist, habe ich immer noch nicht so richtig begriffen. Ich habe diese Wörter alle einmal nachgeschlagen und herausgefunden, dass z.B. das Wort “Parka” aus der Sprache der Inuit stammen soll, die im ewigen Schnee leben (grässliche Vorstellung, ob es dort auch Katzen gibt?). Dort heißt parqaaq schlichtweg “Hitze”, was ich für wenig einfallsreich halte. Der deutsche Dichter Adelbert von Chamisso hat das Wort dann im Deutschen etabliert. Über diesen etymologischen Pelzbetrachtungen schlief ich ein. Mein Schlaf war unruhig und von wilden Elsterträumen beherrscht. Mir wurde schnell klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Eine Lösung musste her, denn immerhin will es bald Frühling werden und den möchte ich auf gar keinen Fall in diesem grauen Betonklotz verbringen - Heizungen hin oder her. Richtige Sonnenwärme auf dem Katerpelz kann man nicht ersetzen!
Ich tigerte unruhig in die Bibliothek und wollte von dort aus einen Blick auf die Uniwiese werfen. Wenn die Elster dann auch nicht zu sehen wäre, dachte ich mir, könnte es doch durchaus sein, dass ihr etwas zugestoßen war. Vielleicht war sie ja tot und ich zermarterte mir den Kopf wegen einer läppischen Ausrede! Nein, tot sollte sie nun auch wieder nicht sein. Verreist! Genau, verreist sollte sie sein. Von mir aus in den Süden. Egal, Hauptsache weg! Dann könnte ich mich wieder völlig unbefangen draußen bewegen…
Ich blickte aus dem Fenster und sah als erstes die Elster, die über der Wiese kreiste. Das bedeutete also Hausarrest. Da hätte ich gleich zuhause bleiben können. Da ist die Deckung schöner, das Futter besser, die Couch kuscheliger. Ich verbrachte den Rest des Tages mit Dösen. Wenn so ein sozialer Elsterstress auf einem lastet, kann man nämlich auch nichts lernen. Katzentration nicht möglich. Vermauster Mist war das! Am Abend dann, passierte aber doch noch etwas Schönes. Mein Frauchen holte mich ab. So müsste das jeden Tag sein. Wenn ich ihr nur klar machen könnte, dass ich zur Zeit am liebsten auch im Körbchen zur Uni getragen würde. Würde… Ja, das ist ist das, was mir zur Zeit wohl fehlt. Achje, ich kann mich ja selbst kaum ertragen, wenn ich so herummaunze, aber diese ELSTER! Eckeckaaauaaau.

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

22. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Abgetaucht

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaau! Den gestrigen Tag habe ich auf der heimischen Heizung verbracht. Warum? Weil mir keine gute Geschichte für die Elster einfallen wollte. Sie würde es sicher nicht gern hören, dass ich das Katzenmusikkonzert verpasst habe und wer weiß, wann diese Wahnsinnsarien wieder ins Audimax kommen. Ich hätte ihr natürlich erzählen können, dass es ganz großartig war und die Sopranisten-Streichelfrau wunderbar gemaunzt hätte. Ich hätte versuchen können die Katzenmusik nachzumaunzen, immerhin habe ich auch eine musikpädagogische Ausbildung genossen. Hätte, hätte, Katzentoilette…
So eine Art Kater bin ich nicht. Ich halte mich normalerweise nicht an Versprechen, also, ich versuche zu vermeiden, dass jemand mir überhaupt eins abluchst. Versprechen schränken mich in meiner Freiheit ein. Das ist bei mir nunmal so. Ich habe schon belauscht, dass Streichelmenschen da ganz anders sind. Sie lieben Versprechen! Und sie leiden oft schrecklich darunter. Sowohl der, der das Versprechen gibt, als auch der, der es einfordert. Streichelmenschen sind seltsame Wesen. Ich lasse mich auf solche Spielchen am liebsten erst gar nicht ein, aber diese blöde Elster - die ja angeblich sehr intelligent sein soll - hat mir das Versprechen unter vorgehaltenem Schnabel abgenommen. So ein vermauster Mist!
Ich verbrachte also den ganzen Tag auf der Heizung, vor dem Futternapf und auf dem Sofa. Zuhause sorgt mein Frauchen immer für ein ausgesprochen kuscheliges Ambiente, das ich an der Uni sehr vermisse. Der nüchterne Betonbau könnte wirklich besser mit Kuscheldecken ausgestattet werden. Dann würden sicher auch die Streichelstudenten noch lieber hingehen. Zur Zeit ist ja fast gar nichts los. Und ich bin mir sicher, dass das an der Ungemütlichkeit liegt, die bei dieser Mausekälte natürlich noch schrecklicher ist als im Frühling und im Sommer, wenn man sich den Pelz von der Sonne wärmen lassen kann. Ich frage mich wirklich, was für ein seltsamer Streichelmensch das wohl gewesen sein mag, der sich diese hässliche Uni ausgedacht hat. Wahrscheinlich hat ihn insgeheim die Architektur der alten Maya fasziniert und er versuchte etwas zu konstruieren, das einer Sonnenpyramide nachempfunden sein sollte: Grauer Klotz und viele Stufen.
Dazu muss ich sagen: Herr Architekt! Das ist gehörig danebengegangen. Abgesehen davon, dass das Flair einer vorkatztekischen Ruinenstadt im 21. Jahrhundert nicht so der Burner ist, gibt es in unseren Breiten auch viel zu wenig Sonne, die den hässlichen Klotz aufwärmen könnte. Aber ich will mich nicht weiter beschweren, eigentlich bin ich nur so schrecklich frustriert, weil ich immer noch nicht weiß, was ich der Elster erzählen soll. Vielleicht fällt mir auf dem Weg zur Uni noch was ein… Meeeeaaaaau!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

21. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Im Auftrag der Elster oder Katzenmusik interrupta

(Pep Schwarz-Weißflach)

Schnurrrrr! Ihr werdet nicht glauben, was gestern alles passiert ist. Nach dem tristen Grau der vergangenen Tage schien endlich wieder die Sonne. Aber nicht nur das! Ich habe mit einem intelligenten Gegenüber sinnvoll kommuniziert - und zwar weder mit meinem Spiegelbild noch mit einer Katze! Nein, ich habe es tatsächlich geschafft, Kontakt zur Elster aufzunehmen. Wie es dazu kommen konnte, erzähle ich euch jetzt…
Nach den Erkundigungen, die ich in der Bibliothek über Rabenvögel im Allgemeinen und Elstern im Besonderen angestellt hatte, beschloss ich, diese Vögel mal auf die Probe zu stellen. Konnte es wirklich sein, dass sie so klug waren? Studierten sie etwa auch an der Uni? Waren sie wie ich Schwarz-Weißhörer? Allein schon die farbliche Ähnlichkeit ihres Federkleides mit meinem Katerpelz machten mich neugierig. Und Neugierde ist immer noch die beste Medizin gegen Ärger. Zumindest bei mir ist das so. Ärger ist nämlich meist das Ergebnis einer Grenzverletzung - die Elster hat sich in meinem Revier eine meiner Mäuse geschnappt und mich auch noch dabei verhöhnt. Eigentlich ein katerklarer Fall. Normalerweise hört da der Denkprozess auf. Ich aber frage mich: Was steckt wirklich dahinter? Möglicherweise ist es auch ihr Revier und sie hat sich darüber geärgert, dass ich darin gewildert habe und eine ihrer Mäuse fangen wollte. Vielleicht hat sie mich deshalb beschimpft. Was dann? Wenn man eine schwierige  Situation weiterdenkt, bleibt man nicht im Ärger stecken, sondern versucht herauszufinden, was die Ursache ist. Und wenn die erstmal klar ist, ist oft auch der ganze Ärger verschwunden. Probiert das doch einmal aus! Wenn ich mich ärgere, ärgere ich mich meist sowieso über mich selbst. Diesmal wollte ich aber herausfinden, was es mit der Elster auf sich hatte. Gleich nach dem Aufwachen am Morgen - ich hatte die Nacht im Audimax verbracht - begab ich mich auf die PT-Wiese. Egal was passierte - es wäre gut. Das hatte ich mir schon vorher überlegt. Wäre keine Elster da, würde ich einfach in Ruhe eine Frühstücksmaus fangen. Wäre sie da, würde ich versuchen Kontakt aufzunehmen.
Sie war da. Vor mir.
Groß, schwarz-weiß und laut.
Sie zog weite Kreise über der Wiese und setzte sich ab und an in ihr Nest in einem der kahlen Parkplatzbäume. Mir wurde damit schlagartig bewusst, dass dies hier nicht erst seit gestern ihr Zuhause und damit natürlich auch ihr Revier war. Ich war hier also nicht mehr der König, aber auch nicht mehr alleine. Die ganze Zeit schon nicht. Ich duckte mich hinter einen der quadratischen Felsblöcke auf der PT-Wiese. Bei schönem Wetter turne ich gerne darauf herum, nun versteckte ich mich dahinter, um mir eine kurze Bedenkzeit auszubedingen. Das Versteckspiel hätte ich mir aber auch sparen können - die Vogelperspektive ist einfach nicht zu toppen. Die Elster landete schäckernd auf der Kante des Felsblocks und sprach mich an. Ja, sie sprach mich tatsächlich an! Ich musste überhaupt nichts tun. Es war beeindruckend…
Sie: “Schäck, schäck, schäck, wohnst du hier?”
Ich: “Ja. Nein. Ja. Eigentlich nicht, aber überwiegend doch.” - Ich war überrumpelt und sonderte solch peinliches Gestammele ab. Ich darf gar nicht daran denken.
Sie: “Ja, wie jetzt? Was nun?”
Ich: “Eigentlich wohne ich hier nicht, aber das ist mein Revier!”
Sie: “Schäck, schäck, schäck, tatsächlich?” - Ganz schön frech der Vogel!
Ich: “Ja, tatsächlich! Seit ganz schön langer Zeit. FH, PT, Audimax, Wirtschaft und Recht, Mausa, Bibliothek, Verwaltung, Mathe, Physik, Bio, Vorklinikum, Sport… Alles meins!” - Ok, vielleicht klang das ein wenig angeberisch, aber es entsprach ja immerhin der Wahrheit.
Sie: “Schäck, schäck, schäck, schäck!!”
Ich: “Und du?”
Sie: “Mir gehört der Luftraum…”
Ich: “Das trifft sich ja gut. Da komm ich so selten hin.”
Sie: “Und die Mäuse. Und die fliegen ja bekanntlich seltenst durch die Luft…”
Ich: “Achja, die Mäuse. Ja, die gehören aber eigentlich schon auch mir. Sind ja auch genügend da, oder?”
Sie: “Klar, Mann! Mäuse fress ich sowieso nicht so gern. Aber im Winter, da muss ich die Proteine ja irgendwie reinkriegen, schäck, schäck, schäck! Ich hab kein Problem damit, wenn du die auch jagst. Aber, pass auf, Kleiner! Ich hab da ein Anliegen…”
Ich: “Ein Anliegen? Und was hab ich damit zu tun?”
Sie: “Ich hab beobachtet, dass du auch drin bist. In den Gebäuden da. Da flieg ich nie rein. Bin doch keine dreckige Taube!”
Ich: “Ja… Und?”
Sie: “Schäck, schäck, schäck, schäck. Und heute abend, da kommt eine Sopranistin da in dieses Gebäude und ich würde so gerne hören, wie diese Wahnsinnsarien klingen, die sie da singt. Ich möchte das auch so gerne mal versuchen. Könntest du dir das anhören und mir davon erzählen?”
Ich: “Waaaaaaas?”
Sie: “Du gehst da hin und erzählst mir davon, schäck, schäck, schäck, schäck!!”
Was soll ich sagen… Ihr aggressives Geschäckere hat mich überzeugt. Um eine lange Geschichte abzukürzen: Ich bin am Abend im Audimax auf und ab getigert und habe einen günstigen Moment abgewartet. Als sich die Türen öffneten packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und begab mich unauffällig in den Orchestergraben. Da sollten eigentlich die Nürnberger Symphoniker sitzen, taten sie aber nicht. Soeben wollte ich in der Garderobe nachsehen, was mit den Musikern los war, als mich ein Streichelmann aus dem Graben pflückte. Er und eine Streichelfrau trugen mich in einen kleinen Hörsaal. Es muss sich um den H10 gehandelt haben, ich hab’s an dem Tafelputzeimer erkannt. Die beiden Streichelmenschen spielten ein bisschen mit mir, was ich im Grunde genommen viel angenehmer fand als der Katzenmusik zu lauschen. Da bin ich mal ehrlich. Auf diesem Wege möchte ich den beiden herzlich dafür danken! Wenig später holte mich auch schon mein Frauchen ab. Ich war froh endlich wieder nach Hause zu kommen, aber die Katzenmusik und die Wahnsinnsarien habe ich verpasst. Was soll ich nur der Elster erzählen, deren Namen ich noch nicht einmal weiß? Ach, irgendwelche Schnurren werden mir schon in den Sinn kommen. Von diesem aufregenden Tag muss ich mich sowieso noch ausführlich auf der heimischen Heizung erholen. Schnurrrrr!