Archiv

Archiv für März, 2016

Regionalfenster: Das Ende der Unschuld?

16. März 2016 ffranc Keine Kommentare

Eine subjektive Sicht auf das Regionalfenster bei der 22. Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg am 15. März 2016 in Leeren Beutel.

Es gibt Vorurteile, die einfach nicht tot zu kriegen sind. Fiat rostet, der VfL Bochum ist unabsteigbar, so zwei Beispiele.
In dieser Kategorie fällt auch die Mär von den schrulligen lokalen Filmemachern, die fehlende Professionalität und eingeschränkte finanzielle wie technische Möglichkeiten durch Originalität und Enthusiasmus wettmachen.
Von beidem war im Regionalfenter 1 wenig bis gar nichts zu sehen. Hier protzten vor allem selbstgefällige, sich selbst viel zu ernst nehmende und aufgeblasene Produktionen.
Der einsame Kämpfer von Dallas von Marcus Siebler versucht eine Beziehung zwischen Hitlers “Mein Kampf” und der Ermordung John F. Kennedys aufzuzeigen. Bebildert wird das ganze mit belanglosen, weichgezeichneten Aufnahmen von Dallas, TX, die lediglich belegen, dass der Autor offensichtlich vor Ort war. Dass diese Oberbayerische Produktion im Regionalfenster (Niederbayern/Oberpfalz) nichts zu suchen hat, sei hier nur am Rande erwähnt.
Trauma von Severin Alexandersson beleuchtet den Seelenzustand eines Vergewaltigungsopfers. Die technische und formale Umsetzung dieses schweren Themas ist dem Regisseur sicherlich gelungen. Säuerlich stößt einem jedoch die Penetranz auf, mit der ein Mittzwanziger sein Anliegens vorträgt.
Noch jünger ist der Passauer Philipp Wagner. In seinem Beitrag s’Lichtl setzt er eine Sage aus dem Bayerischen Wald filmisch um. Und sein Film sagt uns mehr über die Ambitionen des Filmemachers als über die Mystik des dunklen Waldes.
Und wiederum noch junger müsste Elena Herzog sein. Ihr Film What If wirkt wie ein typischer Schülerbeitrag. 14 Minuten Teenie-Befindlichkeiten ohne Ideen und Witz.
Dass Lukas Buckel, bzw. seine Produktionsfirma im Werbefilm zu Hause ist, wird bei jeder einzelnen Einstellung seines Filmes Argwohn überdeutlich. Kein noch so abgedroschenes Klischee und kein Versuch die billigsten Emotionen zu bedienen werden darin ausgelassen. Damit kann man möglicherweise bei seinen Business-Partnern oder Kredit-Bankern punkten, bei einer kulturellen Veranstaltung gehört so etwas in die Mülltonne.
Der Tiefpunkt des diesjährigen Regionalfensters. Und zusammen mit den vier vorhergehenden Beiträgen ein 52-Minuten-Brocken, der geschluckt werden muss. Hinzu kommt noch ein 15-minutiger Insekten-Nahaufnahmen-Film vom dem dann nicht mehr ganz so jungen Kurt Hanauer. A Movie About Strange Aliens, so der Titel seines Filmes, hätte durchaus einiges an Potenzial, war aber einfach viel zu lang. Früher hätte man so einen Film “Insekten unserer Heimat” genannt, und man hätte gewusst, was einem erwartet.
Der Vollständigkeit halber sei noch Schwafis ebenso kurzer wie witzloser Einwurf Unfair erwähnt.
War’s das? Nein, ein Lichtblick gab es doch noch, und den lieferten die Schüler des Goethe-Gymnasiums mit ihrer Superhelden-Persiflage Die Abenteuer Des Fast Unglaublichen Powerman. Beim Thema Mobbing hätte locker ein Debakel entstehen können (siehe oben). Doch stattdessen waren sie die, die die Fahnen der vermeintlichen Regionalfenstertugenden hoch hielten.
Mit Witz, Imrovisationstalent und einer erfrischenden Naivität bewiesen sie als einzige, dass man am Filme machen auch Spass haben kann, dass technische Perfektion nicht alles ist, dass Sich-Nicht-Allzu-Ernst-Nehmen eine Tugend ist und dass die Bedeutung des Wortes Ironie nicht erst mit 30 Jahren verstanden wird. Der beste Film kommt heuer von einer Schülertruppe, Chapeau.

Deutlich abwechslungsreicher und ausgewogener in seiner Zusammenstellung war dagegen das Regionalfenster 2. Einzig Kopf Stein Pflaster des Ambergers Thomas Feser hätte mit seinem Duktus noch in Fenster 1 gepasst.
Drei Filme (Modry 3000 von Joscha Batha, Finsternis von David Liese und Obscura von Elina Reimche) hatten einen eher experimentell-abstakten Charakter, drei weitere (Speeddating von Daniel Baierl, Hunds-Glück von Erik Grun und Motherlove von Lars Smekal) waren Kurzspielfilme ohne weitere Auswirkungen, Down The Lane von Thomas Bauer und Moritz Neumayr erwies sich als vorhersehbarer Witz in zwei Minuten und Felix Zimmer und Anton Weigerts Omas Nockerl konnte zumindest mit seinem Soundtrack überzeugen.
Keiner strach besonders heraus und keiner tat besonders weh. Ein ordentliches durchschnittliches Regionalfenster.

KURZFILMWOCHE die 22.

7. März 2016 ffranc Keine Kommentare

bannerkfw2016

Am kommenden Mittwoch beginnt sie endlich, die 22. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg. Dieses Jahr unter dem Motto “Crossing the Code” und mit wenig Experimenten in der Konzeption.

Neben den altbewährten Wettbewerbsprogrammen präsentiert die Kurzfilmwoche das Filmland POLEN - mit ausschließlich neueren Produktion - und ein Programm mit aktuellen Kurzfilmen aus Syrien. Der Themenschwerpunkt nennt sich “Crossing the Code” und befasst sich im weitesten Sinne mit Kommunikation, gestörter Kommunikation bzw. Nicht-Kommunikation. Hierzu findet im W1 - Zentrum für junge Kultur eine Ausstellung von Jürgen Böhm statt.
Die Werkschau gilt Stephan Müller, dessen Film Nashorn im Galopp 2014 den deutschen Wettbewerb gewann. Er wird auch in einem Workshop im W1 erklären, wie man mit einfachen Mitteln einen kreativen Film gestaltet. Passend dazu wird im Programm “Michel Gondry / Sweded Movies” gezeigt, wie die Ergebnisse dieses Workshops aussehen könnten.
Eine kleine Neuerung gibt es dennoch zu vermelden, und zwar bei der Zündfunk-Party. Schwänzer Roderich Fabian bleibt jetzt zu Hause, dafür kommt Ralf Summer aus München und darf das Foyer beschallen während im Saal Achim”60″ Bogdahn mit unserem Säm auflegen darf.

Los geht’s am Mittwoch den 09. März 2016 um 19.00 Uhr im Ostentorkino mit musikalischer Unterstützung durch das Elektropop-Duo Cato Janko aus Regensburg und mit ausgewählten Kurzfilmen aus den verschiedenen Programmen.
Viel sehen, viel hören und wenig schlafen.

Das komplette Programm finden Sie unter www.kurzfilmwoche.de