Große Freiheit Nr. 8
Fatih Akin: Soul Kitchen
Spätestens seit Gegen die Wand (2004), zählt Fatih Akin zu den ganz großen deutschen Regisseuren der Gegenwart. Nach Crossing the Bridge (2005) und Auf der anderen Seite (2007), nun also wieder ein neuer Film von ihm. Diesmal ist es eine Komödie. Das gab es das letzte Mal von Akin mit seinem zweiten Film Im Juli (2000). Seither waren die meisten seiner Filme Tragödien.

Tja… Also, um es mal vorwegzunehmen: Das war nichts. Gut, Soul Kitchen ist schon eine ganz passable Komödie, die funktioniert. Aber er ist kein Film, der Filmgeschichte schreiben wird. Er besteht in der Hauptsache aus Versatzstücken, Klischees und Alt-Herren-Gags. Soul Kitchen wirkt wie eine Mischung aus Rossini und Lambock. Nur eben zehn Jahre danach.
Doch zuerst zum Inhalt: Zinos Kazantsakis (Adam Bousdoukos) hat das Imbiss-Restaurant Soul Kitchen in einem etwas abgelegeneren Hamburger Viertel, das grade im Kommen ist. Adam ist Prekariat. Dass heißt: er ist selbstständig, kann auch einigermaßen davon leben, doch für Umsatzsteuer oder Krankenversicherung reicht es nicht mehr. Außerdem hat er eine Freundin (Pheline Roggan), die eine Stelle in Shanghai antritt, einen Bruder (Moritz Bleibtreu), der im Knast sitzt (und nur Freigang bekommt, wenn er einen Job vorweisen kann) und einen alten “Schulfreund“ (Wotan Wilke Möhring), der als Immobilienspekulant nichts unversucht lässt um an Zinos Grundstück zu kommen.
Zinos schafft es mit Hilfe des eigenwilligen Gourmet-Kochs Shayn (Birol Ünel) Soul Kitchen zum angesagten Szenentreff zu machen. Dann bekommt Zinos einen Bandscheibenvorfall. Seine Beziehung scheint er nur retten zu können, wenn er Nadine nach China nachreist. Doch dazu braucht er einen Geschäftsführer fürs Soul Kitchen. Eine Verantwortung, die Niemand tragen will - außer sein spielsüchtiger Bruder.
Solche Filme macht man eigentlich am Anfang seiner Karriere. Wenn man jung ist und noch nichts zu sagen hat, weil man noch nichts erlebt hat. Dann macht man einen Film über sich selbst und die eigene Szene. Akin gibt zu, dass er mit Soul Kitchen ein Film über seinen Kiez und über Hamburg machen wollte und zwar jetzt, bevor er zu alt dafür würde. Hinzu bat er viele seiner Freunde. Das Drehbuch schrieb Akin gemeinsam mit seinem Freund und Hauptdarsteller Adam Bousdoukos. Moritz Bleibtreu und Birol Ünel sind schon seit Im Juli an Akins Seite, Gökgöl seit Gegen die Wand. Dann noch Fatihs Bruder und Moritzs Mutter und schon haben wir eine bunte Filmfamilie. Multi Kulti ist schon lange nichts Besonderes mehr, sondern Teil normaler Szenekultur jeder größeren Stadt (auch wenn für Akin herkunftsbedingt sicher präsenter). Sonst, ist die Handlung vorhersehbar und die Charaktere sind überzeichnet. Die zum Teil ziemlich derben Alt-Herren-Witze gipfeln in einer Orgie (ausgelöst durch einen Nachtisch mit Aphrodisiaka) und entfalten dort ihren vollen fahlen Geschmack.
Aber wie gesagt: Soul Kitchen ist (dennoch) eine ganz passable Komödie, die funktioniert. Dass heißt sie ist flott und lässig, mit überzeugenden Schauspielern. Und sogar mit ein paar fundierten Gegenwartsanalysen: z.B. Der junge, ledige und männliche Selbstständige, der nur nicht krank werden darf. Die Stadt in der zu leben für die “Normal”-Verdiener infolge Immobilienpreisexplosionen immer unerschwinglicher wird (eine Realität die auch in Regensburg gegenwärtig ist). Die Bedrohung von Familie und Beziehungen durch Globalisierung.
Soul Kitchen, D 2009, 100 min
Regie: Fatih Akin
Darsteller: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Anna Berderke, Lucas Gregorowicz, Wotan Wilke Möhring, Demir Gökgöl, Pheline Roggen, Dorka Gryllus, Monika Bleibtreu
www.soul-kitchen-film.comSoul Kitchen läuft im Ostentor-Kino in Regensburg.