Glaubenskrieg im Schloss St. Emmeram
Giuseppe Verdi: Nabucco, Text: Temistocle Solero, Regie: György Salmeczi, mit Michele Kalmandi, Peter Berger, Martin Gurbal, Csilla Boross, Jana Wallingerová, Jurrij Gorbunov, Petr Levicek, Daniela Stratková-Sedrlová, Chor und Orchester der Janácek Oper des Nationaltheaters Brünn, bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen 2010, Regensburg

Am Freitagabend wurde mit der Brünner Inszenierung der Verdi-Dauererfolgsoper Nabucco die diesjährigen Thurn und Taxis Schlossfestspiele im Innenhof des Schlosses St. Emmeram in Regensburg eröffnet. 3000 Zuschauer genossen in wärmster Sommernacht dieser opulenten Inszenierung. Wettertechnisch gab es am Premiereabend einen klaren Vorteil gegenüber der verregneten zweiten Vorstellung am Samstag.
Zugegeben, an das sperrige Bühnenbild musste man sich erst einmal gewöhnen. Doch wenn das geschafft war oder man es aus seinem Aufmerksamkeitsfeld auszublenden vermochte, konnte man sich voll und ganz auf den Kampf der Juden für ihre Freiheit und ihren Glauben im Jahre 578 v. Chr. und die hervorragende Leistung von Sängern, Chor und Orchester konzentrieren.
Die Liebesgeschichte der Handlung zwischen Fenena und Ismael ist dem hehreren Kampf des Volkes Israel für ihre Freiheit gegen die Babyloner untergeordnet. Mit der Uraufführung der Oper 1842 wurde wohl der Nerv der Zeit getroffen. Die Italiener sehnten sich nämlich nach einer Befreiung von der Österreichisch-Habsburger Fremdherrschaft. Das Libretto stammt von Temistocle Solero. Der Auftrag es zu vertonen wurde Verdi, der sich (nach dem Tod seiner beiden Töchter und seiner Frau) in einer schweren persönlichen Krise befand, geradezu aufgedrängt. Verdis Musik ist stark textorientiert. Der musikalische Schwerpunkt liegt bei den Chören. Die Vertonung von Soleros Vers am Anfang des Gefangenenchors “Va Pensiero, sull´ali dorate” (Flieg, Gedanke, auf goldnen Schwingen), wurde zum in ganz Italien gesungenen Befreiungslied und gilt als heimliche Hymne der Italiener.
Fenena (Jana Wallingerová), die Tochter des Babylonerkönigs Nabucco (Michele Kalmandi), hatte einst Ismael (Peter Berger), dem Neffen des jüdischen Königs Zedekia, zur Flucht verholfen, der dereinst als jüdischer Gesandter in Babylon Abigail (Csilla Boross), Fenenas Halbschwester, abwies. Fenena ist mit ihm geflohen. Nun, wo die Babyloner Jerusalem belagert, spricht deshalb der Hohenpriester der Juden Zacharias (Martin Gurba) seinem Volk Mut zu, schließlich habe man Fenena, die man als Geisel einsetzen könne. Doch Abigail gelingt mit ihren Truppen als Hebräer verkleidet, der Vorstoß in die jüdische Stadt. Nochmals gibt sie Ismael die Möglichkeit sich zwischen ihr oder dem Untergang seines Volkes einschließlich Fenena, zu entscheiden. Ismael lehnt ihren Antrag ab und verhilft Fenena zur Flucht zu ihrem Vater. Daraufhin bezichtigt das jüdische Volk Ismale während es gefangen gesetzte wird, des Verrates. Währendessen hatte Nabucco seine Nachfolge nicht an Abigail, sondern an Fenena übertragen, was Erstere bewegt erneut Racheplänen zu schmieden und sich mit dem Baalpriester (Jurrij Gorbunov) zu verbünden. Als Nabucco die Pläne Abigails entdeckt, sucht er sie zu vereiteln und wird von ihr gefangen genommen. Nachdem Nabucco den Gott der Hebräer um Hilfe angefleht hat, gelingt es ihm sich zu befreien, Fenena und die Hebräer zu retten, sowie seine Thron zurückzugewinnen. Er bekennt sich zum jüdischen Glauben und gibt Ismale Fenena zur Frau.

Die Kostüme sind sehr aufwendig. Wer das mag, wird es mögen, den anderen erscheinen sie vielleicht eine Spur zu opulent. Die funktionale Bühne besteht aus einem zweigeteilten Baugerüst. Im ersten Akt stellt die vordere Seite des Gerüstes wohl den Tempelberg in Jeusaelm dar. Als Abigail mit ihren Mannen eindringt und das jüdische Volk in Fesseln legt, teilt sich der Berg. Die Bühne wird nach dem ersten Akt gedreht. Die Königsburg der Babyloner des zweiten Aktes wird durch die Rückseite der der Bühnenstellwände verbildlicht, die nun den Blick auf die Baugerüste freigibt auf denen ein paar roten Pappbildern im Stile des Futurismus befestigt sind. Sie sollen wohl den anderen Glauben der Babyloner verdeutlichen. Ab dem dritten Akt symbolisieren die schräg gestellten Gerüste die hängenden Gärten von Babylon. In ihrer Mitte thront das Götzenbild des Baals wieder im Stil des italienischen Futurismus.
Gesanglich konnte neben dem Brünner Opernchor und Barriton Michele Kalmandi (Nabucco) vor allem die Sopranistin Csilla Boross in der Rolle der Abigail überzeugen. Mit große Begeisterung und Bewunderung wurde die Brünner Inszenierung vom Publikum aufgenommen.