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De Gainsbourg à Gainsbarre als Film

Gainsbourg - Der Mann der die Frauen liebte (F 2009, R: Joann Sfar, D: Eric Elmosnino, Laetitia Casta, Lucy Gordon) im Ostentor-Kino

Filmische Biographien, sogenannte Biopics (scheußliches Wort) sind seit einiger Zeit ziemlich angesagt. In Deutschland kamen z.B. nacheinander die der großen Diven Marlene Dietrich, Romy Schneider und Hildegard Knef heraus. Ganz aktuell ist der deutsche Dichterfürst wieder dran. Auch Klimt und Mahler durften ihren Lebenslauf zur Verfügung stellen, genauso wie die Politiker Richard Nixon oder Harvey Milk. Dass Musiker ebenfalls sehr gefragt sind, beweisen z.B. Walk the line (Johnny Cash), I´m not there (Bob Dylan) oder Control (Ian Curtis).

Nach Edith Piaf ist nun eine weitere französische Musiker-Legende an der Reihe: Serge Gainsbourg, der kettenrauchende Sänger, Autor, Komponist und Provokateur, dessen Markenzeichen seine Glubschaugen und die riesigen abstehenden Ohren waren - und der trotz seines Aussehens die schönsten und begehrtesten Frauen des Landes betörte. Juliette Greco, Brigitte Bardot und Jane Birkin waren die berühmtesten seiner Geliebten bzw. Frauen.

Der Film beginnt ganz sympathisch mit der Kindheit des Sohnes russisch-jüdischer Einwanderer im Nazi-besetzten Frankreich. Der freche, schlagfertige und frühreife Knabe, erwählt eine lebendig gewordene Juden-Karikatur als Freund, die ihm immer ähnlicher und durch den gesamten Film begleiten wird. Ein kluges Mittel um zu verdeutlichen, dass nicht alles eins zu eins der echten Biographie Gainsbourgs entspricht. Auch wenn Gainsbourg und Boris Vian einander bewunderten, hat sich ihre im Film gezeigte Begegnung in der Realität wohl ganz anders abgespielt. Auch die fantastische Begegnung mit den vier Frères Jacques dürfte ein bisschen anders ausgefallen sein. Leider behält der Film seinen schwungvollen und fantasiefreudigen Ton des ersten Drittels nicht bis zum Ende bei. Der Mittelteil des Filmes ist hauptsächlich in seine Frauengeschichten eingeteilt, das letzte Drittel dann in die verschieden Musikphasen: Nazirock („Rock around the Bunker“), Kohlkopfrock („L’homme à la Tête de Chou“) und Reggae („Aux armes etc.“). Der Film verlangt im letzten Drittel immer detailierte Vertrautheit mit dem musikalischen Œuvre Gainsbourgs. Zwar ist es verständlich sich der Verführung hinzugeben zu Gainsbourgs Songs Videoclips aus Versatzstücken seines Lebens herzustellen, doch 127 min sind dafür definitiv zu lang. Regisseur und Comicautor Joann Sfar begeht den mittlerweile üblichen Fehler kein Ende zu finden und in die eigenen Bilder verliebt zu sein. Auch wenn der Film mehr sein will als ein normaler „Biopic“, ist er es letztlich doch nicht.

Übrigens: Der kürzlich verstorbene Regisseur Claude Chabrol tritt in einer kleinen, witzigen Rolle als Musikproduzent auf, der Sänger Katerine gibt einen viel zu korpulenten Boris Vian, die Hände des Kanadiers Gonzales spielen Klavier und Regisseur Sfar besetzte sich selbst als Georges Brassens.

Gainsbourg -Der Mann der die Frauen liebte läuft im Ostentor- und danach im Garbo-Kino in Regensburg.

www.altstadtkinos.de | www.gainsbourg-derfilm.de

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