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Auflehnung oder Gehorsam/Bosheit oder Leiden – Die Perspektiven der Frau seit Menschenbeginn

Die Geschichte Lilith, Ballett von Olaf Schmidt und Gorgette Dee, Uraufführung im Velodrom, 16. Oktober 2010, Regensburg
Getanzt von Rutuki Kanazawa, Julia Leidhold, Ayumi Noblet, Natalia Palshina, Bobby Briscoe, Fabian Moreira Costa, Brendon Feeney, Alister Noblet, Jonatan Salgado
Mit Georgette Dee (Gesang) und Eva Herrmann (Klavier)

lilithDie Geschichte von Adams erster Frau Lilith, ist alt und dennoch relativ unbekannt und nebulös. Bereits in den Mythen der Sumerern und Babyloniern 1800 vor Christus spielt sie eine Rolle. Im Gilgamesch-Epos, dem ältesten überlieferten literarischen Material, kommt sie ebenso vor, wie im Buch Jesaja (Jes. 34, 14 ELB) der Bibel. Meist wurde ihre Figur dämonisiert. Heute steht die Figur der Lilith in erster Linie für die Emanzipation der Frau. Sie hat sich sowohl Adam, als auch Gott widersetzt. Eva war Adam Untertan, da aus seiner Rippe geschaffen. Lilith jedoch war aus dem gleichen Material wie Adam geschaffen worden und leitete daraus ihre Gleichberechtigung her.

Chansonniere Georgette Dee und Ballettdirektor Olaf Schmidt haben sich des Mythos´ angenommen und ein Ballett daraus erarbeitet, dessen Uraufführung am vergangenen Samstag im Velodrom gefeiert wurde.
Georgette Dee spaziert als Lilith in wallenden roten Gewändern, Diven- und Entertainer-gleich durch die Inszenierung. Sie singt, erzählt, reißt Witze und vermag dennoch keine Geschlossenheit oder Zusammenhang der einzelnen Motive herzustellen. Arg zerfahren und beliebig wirken die einzelnen Bilder aneinandergereiht. Gleichwohl vermögen sie der tänzerischen und choreographischen Qualität wegen, für sich allein genommen durchaus zu überzeugen.

Nach der Pause trägt die Dee ein Kleid, welches wohl aus mehreren Fallschirmen zusammengenäht worden sein muss. Dieser riesige rote Wasserfall (Kostüme: Heide Schiffer-El-Fouly) ist sowohl funktional als auch eine Augenweide. Zwei Tänzerinnen verbergen sich bei Goethes Erlkönig-Interpretation in ihm und gegen Ende formiert sich das komplette Ballettensemble mit ihm zu einem Schleiertanz mit überraschendem Höhepunkt.

Obwohl das Ballett die Geschichte Liliths ebenfalls auf ihren Emanzipatorischen Gehalt hin untersucht, entwickelt sich daraus hauptsächlich ein Geschlechter- bzw. Rollen-Tausch. In Travestie-Manier staksen und tanzen die Herren in High Heels über die Bühne, es gibt ein Soli eines Tänzers im Kleid und natürlich ist die Kunstfigur Georgette Dee selbst Teil dieses Geschlechtertausches. Den größten Applaus erhält jedoch ein Bild in dem die scheinbar „gewohnten“ Rollenverhältnisse wiederhergestellt wurden, als die Damen in rosa Sommer-Kleidchen die klassische Frauenrolle tanzen. In Analogie dazu tanzen die Herren in einem andern Bild in Bermudashorts mit freien Oberkörper das Imponiergehabe eines gängigen männlichen Rollenbildes.

Letztlich hat das Ballett Die Geschichte Lilith eher Cabaret-Charakter mit Unterhaltungswert, ob das Publikum dem Mythos Lilith dadurch näher kommt, bleibt fraglich.

Weitere Vorstellungen: 16./27./29./30. Okt., 6./8./9./24./25. Nov., 28./29. Dez. jeweils 19.30 Uhr im Velodrom, Regensburg
www.theaterregensburg.de

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