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Solo für den Teufel im Regensburger Elly Maldaque Theater

Der Teufel zu Gast an der Papstuni

(Benjamin Heinrich)

Zwischen dem 8. und dem 10. Juni konnte man im Regensburger Elly Maldaque Theater auf dem Campus der Papstuni eine Reise durch die Kirchengeschichte unternehmen, die den ganzen Wahnsinn aufzeigt, der in den Gedankengebäuden der meisten Religionen vorherrscht. Gespielt wurde Kurt Rasters Stück “Solo für den Teufel”, das der Autor mit Sigrid Grün in der Hauptrolle auch selbst inszeniert hatte. Fast eineinhalb Stunden führt uns der Teufel hier vor Augen, was wir glauben.

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Das Stück ist mal ernsthaft und nachdenklich stimmend, oft amüsant mit kabarettistischen Elementen - und manchmal gefriert einem das Lächeln auf den Lippen, etwa wenn der Teufel in die Rolle eines Priesters schlüpft, der einem kleinen Kind mit seinen Erzählungen von der Hölle Angst einjagt. Im katholischen Bayern wird man von solchen Szenen schon gehört haben, oder man hat es selbst erlebt.
Kurt Raster hat das Stück sehr gut strukturiert. Zunächst erläutert der Teufel Jenseitsvorstellungen, Vorstellungen von Gut und Böse und schließlich widmet er verschiedenen zentralen Figuren des christlichen Glaubens jeweils einen Abschnitt. Wer ist der Teufel? Ist er wirklich der Böse, der die Menschen zur Sünde verführt? Oder ist er nicht vielmehr der “Gott der Freiheit” und damit der “Todfeind jedweden Herrschers”? An dieser Stelle zeigt sich auf eindrucksvolle Weise die emotionale Tiefe, die diese Figur hat. Mit Tränen in den Augen erzählt der anarchistische Teufel von der Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt. Nicht der zürnende, strafende Gott, sondern er, der Lichtbringer ist der wahre Held.
Und Gott? Ist er wirklich ein liebender, verzeihender Himmelvater, der es nur gut mit seinen Schäfchen meint? Was sagt die Bibel dazu? Wenn man die heilige Schrift beim Wort nimmt, wird man sich wundern über diesen Gott, den Sigrid Grün als wütendes Rumpelstilzchen verkörpert. Hier blickt kein allmächtiger und allgütiger Greis aus einer Wolke hervor - hier tobt einer, weil er um seine Macht fürchtet. Und prompt fliegen der tumbe Adam, der sich nichtsahnend am Sack kratzt, und die kluge Eva, die mit diesem Mann geschlagen wurde, aus dem Garten Eden heraus. Ist das schlimm? Nein, meint der verschmitzte Teufel, weil Christen dürfen da ohnehin nicht viel Spaß haben. Stattdessen herrscht im Paradies die Schadenfreude vor. Kirchenvater Tertullian frohlockt angesichts der ganzen Strafen, die die sündigen Mitmenschen ereilen.
Auch Jesus wird so gezeigt, wie ihn die Bibel beschreibt. Und hier ist er beileibe kein gütiger Messias, der alle lieb hat. Heute würde man dem Kerl wohl eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Auch die Rolle seiner Mutter, der ewigen Jungfrau Maria, wird unter die Lupe genommen. Was konstruiert die Theologie hier zurecht, nur um das Hymen dieser Frau zu retten? Ist Klein-Jesulein wirklich auf einem Lichtstrahl in die Welt gerutscht und warum ist Maria bis zum Schluss Jungfrau, obwohl die Bibel mehrfach von Jesu’ Brüdern spricht?  Und dann klingt das Stück aus mit einem berührenden Appell an jeden einzelnen Menschen.

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Sigrid Grün schlüpft in unzählige Rollen, springt von einer Figur in die nächste, wenn sie Dialoge zwischen dem Pfarrer und einem Kind oder zwischen Gott und dem Kind spielt und lässt in einer herrlich komischen Beichstuhlszene zwei Charaktere aufeinanderprallen, die einfach zum Schießen sind. Adam und Eva, Gott, Papst Benedikt, ein schmieriger Vertretertyp, Tertullian, Augustinus und viele weitere Figuren werden hier in 80 Minuten lebendig. Zwischendurch tritt der Teufel auch immer wieder aus der Szene heraus um aus der Perspektive des Autors die eigenen Erfahrungen mit dem Glauben zu reflektieren. Christlich sozialisiert und in einem katholischen Internat erzogen, beginnt diese Figur sich als Jugendlicher und junger Erwachsener Fragen zu stellen. Wie kann es Gerechtigkeit auf der Welt geben, wenn es keinen Gott gibt, der den im Diesseits Leidenden einen Ausgleich im Jenseits gewährt? Diese Frage steht neben vielen anderen im Zentrum dieses teuflischen Solos. Ein Stück also, das auf alle Fälle Fragen aufwirft und dazu anregt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ein Stück, bei dem gelacht werden kann, angesichts der Absurdität des Glaubens - und das die Zuschauer mit dem Vorsatz entlässt, selbst all dies zu vollbringen, was man vielleicht manchmal auch ganz gerne einer höheren Instanz überlassen möchte.
Im Anschluss an jede Vorstellung boten der Autor/Regisseur und die Darstellerin noch jeweils die Möglichkeit einer Diskussion an, die vom Regensburger Publikum sehr gut angenommen wurde. Schnell wurde klar: Das Thema bewegt alle - Junge wie Alte, Gläubige wie Atheisten.

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Das Regensburger ue-Theater, das für die Inszenierung des Stückes verantwortlich zeichnet, bietet Interessierten, die das Stück verpasst haben einen Live-Mitschnitt einer Vorstellung an.

Ab Herbst geht die Gruppe mit dem Stück auf Deutschland- und Österreichtournee. Buchungen, DVD und weitere Infos unter

www.uetheater.de

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