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Les bien-aimés und die Nova Vlna

Kino-Premiere/Frankreichwoche: Die Liebenden. Von der Last, glücklich zu sein / Les bien-aimés, F 2011, Regie: Christophe Honoré

dieliebenden

Der hochkarätig besetzte Film Die Liebenden von Christophe Honoré, erinnert nicht nur durch seinen Untertitel an die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Auch Details des ersten Abschnitts gleichen Milan Kunderas berühmten Roman. Ähnlichkeiten beider Geschichten finden sich z.B. in einem der männlichen Protagonisten (tschechischer Arzt), sowie in Ort (Prag/Paris) und Zeit (um den Prager Frühling). Ein weiterer Vergleich, der sich unweigerlich aufdrängt ist der mit Jacques Demys Die Regenschirme von Cherbourg. Denn in Die Liebenden wird ebenso wie in den „Regenschirmen“ gesungen. Dort beginnt es in einem Schuhgeschäft, hier in einem Regenschirmladen, jeweils Anfang der 60er Jahre.
Der Film der neben Paris und Prag, auch in London, Montréal und Reims spielt, ist in verschieden Dekaden bis in die 00er Jahren unterteilt. Über die Jahrzehnte kann man zuerst Madeleine (Ludivine Sagnier, Catherine Deneuve) und später auch ihre Tochter Vera (Chiara Mastroianni) bei ihren verschiedenen Liebesbemühungen, beobachten. Trotz Überlänge, sind diese Neigungen nicht immer nachvollziehbar. Man könnte einwenden, dass genau das das Wesen der Liebe ausmacht, welches eben nicht unbedingt mit dem Verstand zu fassen ist.
Die verschiedenen Jahrzehnte, werden hauptsächlich durch Kleidung, Autos und verschiedene Alltagsutensilien dargestellt (von denen der ein oder andere allerdings seiner Zeit vorweggenommen wird). Historische Ereignisse, wie der Einmarsch der russischen Panzer in Prag oder der 11. September geschehen nur am Rand. Die Handlung wird nicht dadurch, sondern allein durch die persönlichen Empfindungen der Protagonistinnen vorangetrieben. Nicht der Panzer wegen verlässt Madeleine ihren Mann und Prag, sondern weil er sie betrügt. Nicht der Terroranschläge in New York wegen bringt sich Vera um, sondern… Ja warum eigentlich? Auch die Motivation für diese Tat bleibt dem Zuschauer ebenso ein Rätsel, wie die seltsame Liebe zu dem homosexuellen Schlagzeuger, den sie nur kurz in London kennengelernt hat. Und auch das ist ein nichtrationaler Vorgang, dem Wesen der Leibe nicht unähnlich.

Für all jene, die sich mit der Nova Vlna (der tschechoslowakischen Neuen Welle) auskennen, dürfte der ein oder andere Name ein paar Assoziationen auslösen. So lautet der Familienname des tschechischen Arztes Jaromil „Passer“. Ivan Passer gehörte neben Miloš Forman, der den alten Jaromil spielt, zu den Vertretern der Neuen Welle. Ivan Passer taucht übrigens sogar im Abspann auf. Der Vorname Jaromils Tochter wiederum erinnert an Věra Chytilová, die ebenfalls Vertreterin der neuen Welle war.

Die Liebenden. Von der Last, glücklich zu sein F 2011, 135 min
Regie + Drehbuch: Christophe Honoré,
Darsteller: Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Louis Garrel, Miloš Forman, Paul Schneider, Radivoje Bukvic

Läuft weiter bis 23. Mai im Wintergarten. Kino im Andreasstadel
www.kinos-im-andreasstadel.de | www.dieliebenden.senator.de

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