Home > Sigrid Grün > “Männer muss man ziehen lassen”

“Männer muss man ziehen lassen”

(Sigrid Grün)

Falkenstein kann auf eine lange Festspieltradition zurückblicken: Seit 1921 finden im lauschigen Burghof Historienspiele statt. Kriegsbedingt kam es zu längeren Unterbrechungen. Seit 1976 haben professionelle Regisseure die Spielleitung übernommen und die Falkensteiner Burghofspiele damit zu einem Glanzlicht des ostbayerischen Festspielsommers gemacht.

Bereits seit 2004 zeichnet Till Rickelt für die Inszenierungen auf der Burg verantwortlich. Nach Viel Lärm um nichts (2004/05) und Romeo und Julia (2006/07), hat sich der Shakespeare-Spezialist Rickelt mit den Abenteuern des Odysseus auf Neuland begeben. “Schwere Kost!” mag man sich zunächst denken, gehört doch Homers Epos zum unumstrittenen Kanon der abendländischen Literatur, der nicht eben für seine Simplizität bekannt ist. Dass die Wahl schließlich auf Chris Alexanders Bearbeitung fiel, lässt doch noch eine Annäherung an Shakespeare erkennen: Nebenhandlungen, die meist von den komischen Charakteren getragen werden, kontrastieren das Hauptgeschehen.

Bereits zu Beginn des Stückes wird der Zuschauer ins antike Griechenland entführt. Der Prolog ertönt zunächst in griechischer, anschließend in deutscher Sprache aus dem Off. Die Kostüme (Bianca Schmid-Hedwig) sind ein bunter Mix aus Zeitgenössischem und Modernem. Das Bühnenbild (Thomas Wilnhammer) ist einfach und ungeheuer vielseitig verwendbar. Die leere Bühnenweite ist mit einem multifunktionalen Symbolmobiliar bestückt: Ein Holzbogen, der sich u.a. zur Wippe umfunktionieren lässt, wird als Hügel, Brücke, Sitzgelegenheit, Reling und in den Wellen schaukelndes Schiff genutzt.
Das Licht ist stimmig, der Ton stellenweise etwas zu laut für den intimen Arkadenhof.

Penelope und Amme

Penelope und Amme

Zur Handlung: In 20 Episoden erzählt das Stück von der reichlich komplizierten Heimkehr des Königs von Ithaka. Zehn Jahre wartet die treue Penelope (Katrin Huber) geduldig auf ihren Angetrauten, zehn lange Jahre, in denen sie sich mit lästigen Freiern (Holger Radetzky, Christiane Auburger, Luzia Kölbl, Uwe Kölbl) und einem pubertierenden Sohn (Julian Strobl) herumschlagen muss. Währenddessen macht der Gatte so einiges mit: Er verliert Gefährten, legt den gefräßigen Zyklopen Polyphem (Holger Radetzky, Erika Nelz, Julia Bauer) mit einer Fackel lahm, lässt bei den Frauen aber nichts anbrennen. Die Sehnsucht nach der Heimat Ithaka und allzu männliche Bedürfnisse bilden widerstreitende Pole und so schleppt sich der Held von einer Lebensabschnittspartnerschaft zur nächsten. Die betörende Zirze (Margit Trimpl), die göttliche Kalypso (Susanne Bierlmeier), die sich Odysseus als weinerliche Despotin zum “Schoßhund” auserkoren hat und natürlich Nausikaa, die schöne Prinzessin von Phäakien (Luzia Kölbl), sind ganz verrückt nach dem virilen Kerl. Und die arme Penelope muss sich vom schmierigen Eurymachos (Holger Radetzky), der im Zuhälterdress in Erscheinung tritt, erpressen lassen. Wie gut, dass Odysseus in einem fulminanten Showdown, in dem es alles andere als zimperlich zugeht, die Kohlen aus dem Feuer holt. So mancher Kopf muss rollen, bis Odysseus seine Penelope endlich in die Arme schließen kann, während Nena näselnd “Ich geh mit dir wohin du willst” nudelt.

Gyros und Elpenor

Gyros und Elpenor

Besonders hervorzuheben ist die komödiantische Leistung von Dagmar Kölbl, die mit viel Mutterwitz die Amme gibt und eine verblüffende Ähnlichkeit (auch in der Darstellung) mit Marianne Sägebrecht aufweist. Auch das Gespann Gyros-Elpenor (Josef Meinzinger und Armin Eigenstetter), das bei jedem Auftritt ein wahres Gag-Feuerwerk zündet, sorgte für reichlich Lacher. Highlights sind auch die Szene in Phäakien, in der Luzia Kölbl, Susanne Bierlmeier und Uwe Kölbl überzeugen konnten, sowie die Episode mit Odysseus (Josef Mackiewicz) und Kalypso (Susanne Bierlmeier).

Odysseus und Nausikaa

Odysseus und Nausikaa

Wir halten fest: Rickelt ist der an Shakespeare angelehnten Komödie treu geblieben. Er lässt es ordentlich krachen und holt extrem viel aus den Darstellern heraus. Der Zuschauer kann sich auf eine fantasievolle und ausdrucksstarke Inszenierung freuen, die einen enormen Drive entwickelt und somit zum Volkstheater im besten Sinne avanciert. Ansehen!

www.burghofspiele-falkenstein.eu