(E)island und Eishalle: zwei unterschiedliche Welten
Zündfunk on Ice am 27.02.2010 in der Donau-Arena, Regensburg
Es ist Samstag, der letzte im Februar, und draußen fühlt es sich an als zeichne sich der erste Vorfrühlingstag ab, mit milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Optimale Rahmenbedingungen für den ersten Zündfunk on Ice in Regensburg, auch wenn dieser erst nach Sonnenuntergang beginnt und das auch noch in der Donau-Arena.

Ein schneller Überblick über das hiesige Zündfunk-Klientel lässt nicht unbedingt eine übermäßige Affinität zum Eissport erkennen. Vielmehr konnte man Kommentare vernehmen, die in Richtung „das letzte mal, dass ich Schlittschuh gelaufen bin, war vor 20 Jahren auf dem zugefrorenen Sarchinger Weiher„ gingen. Dies galt auch für mich. Wage kann ich mich entsinnen, dass man von der Nibelungenbrücke aus, manch einen Discolauf im alten, nicht überdachten Eisstadion am Unteren Wöhrd beobachten konnte. Discolauf, das klingt zum einen ein Bißchen nach spätsiebziger Rollschuhdisco oder Teenager-Filmkomödie, und zum anderen nach kitschig bis geschmacksverirrten Heroen aus vergangenen Tagen wie Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, Kati Witt oder Norbert Schramm. Und so klang Zündfunk on Ice eben nach einer Mischung aus Nostalgie, Kitsch, Romantik und Kindheitserinnerungen, gepaart mit guter aktueller Musik.
Jaja, der Discolauf! Wenn etwas aus der alltäglichen Wahrnehmung verschwindet, heißt es noch lange nicht, dass es das nicht mehr gibt. So auch der gute alte Discolauf. Dieser findet jeweils Mittwochs und Samstags in der Donau-Arena statt und freut sich offensichtlich großer Beliebtheit. Diese Tatsache an sich ist durchaus erfreulich, insbesondere für das wirklich sehr freundliche Personal in unserer Eishalle. Ob das der wirklich tollen Idee von Seiten unseres Lieblingsradiosenders zuträglich ist, muss sich erst beweisen. Immerhin, zwei Mal gab es Zündfunk on Ice schon, allerdings in München. Gestern im Prinzregentenstadion und Mitte Januar am Nymphenburger Kanal, beide Male mit großem Erfolg.
Im Vorfeld der Veranstaltung konnte man den Eindruck gewinnen, das Konzept würde aufgehen und etliche Indie-Eismuffel würden über ihren Schatten springen und den Weg in die Donau-Arena finden. Doch von den grob geschätzt 500 Besuchern, waren vielleicht 20 potentielle Zündfunkhörer anwesend, auszumachen hauptsächlich an ihrem Alter jenseits der 25 und den holprigen Versuchen verloren geglaubte Eislaufkünste zu reanimieren. Das Gros der Masse jedoch, bestand aus pubertierenden Teenagern mit viel Übung, viel Energie und einem unerklärlichen Drang stundenlang in einer Richtung im Kreis herumzugleiten.
Von Pirouettendrehern und Paarlauf keine Spur. Kunststücke beschränken sich auf Rückwärtslaufen und wildem Bremsen, um dem weiblichen Geschlecht mit einer ordentlichen Eissalve zu beeindrucken. Auch das heimliche Schaben der Eisfläche mit den Kufen, um ein Häufchen Schneeersatz zu produzieren, freut sich großer Beliebtheit. Kann doch mit dem gewonnene Material ein hübscher Schneeball geformt werden, der vielseitig angewendet werden kann.
Dumm nur, dass die Netze, die bei einem Eishockeyspiel dem Schutz der Zuschauer vor umherfliegende Pucks dienen, sich hinter den Djs befanden. So sahen sich Achim und Säm schutzlos den Schneeballangriffen der nach geilen Song von Frauenarzt gierenden „Aggro-Kids aus dem Bayerischen Wald“ ausgesetzt. Rückwirkend betrachtet hatte der beim Einlass etwas übertrieben wirkende Security-Check vielleicht doch seine Berechtigung. Da wundert man sich schon, dass ein Freibad noch mit einem, normalerweise unbewaffneten Bademeister auskommt.
Zum Schluss hin ließen es sich die zwei Djs auch nicht nehmen, das musikalische Niveau Richtung Eisfläche zu drücken und ihren jugendlichen Widersachern mittels von übermittelten geburtstäglichen Grüßbotschaften milde zu stimmen. Oder mit Gladbachs Rolf Rüssmanns Worten ausgedrückt: „Wenn wir hier schon nicht gewinnen können, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“

Natürlich war der gesamte Abend bei Weitem nicht so schlimm wie es sich hier anhört. Dennoch kann schon von einer schreienden Diskrepanz zwischen den musikalischen Dienstleistern vom Zündfunk und der vorhandenen Zielgruppe gesprochen werden. Da prallten einfach zwei Welten auf einander, wobei die der Zündfunk-Fans die deutlich kleinere war. Kein Wunder dass bereits nach dem ersten Drittel die Handvoll Freunde enttäuscht die Segel strichen. Nur vereinzelt hielt es den einen oder anderen bis zum Schluss. Besondere Erwähnung verdienen dabei, die in ihrer läuferischen Eleganz und Versiertheit glänzenden Missent To Denmarks Bobbel und Christian von der Kurzfilmwoche.
Die anschließende Party im Club Heimat sollte dem DJ-Duo sowohl das Herz als auch die Füße wieder aufgewärmt haben. Dort war es zum Bersten voll. An tanzen war nicht zu denken und unsere lädierten Körper lechzten nach einer gemütlichen Sitzgelegenheit. So musste die After-Show auf unsere Anwesenheit verzichten.
Das praktische Experiment Zündfunk on Ice scheint, zumindest in Regensburg, gescheitert, und das ist sehr Schade. In München lief es zum Glück anders. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, das Event außerhalb der üblichen Discolauf-Zeiten zu verlegen oder komplett auf eine andere Location auszuweichen. Unbeirrt dessen hatten wir unseren Spaß und einen in Vielerlei Hinsicht unterhaltsamen und erkenntnisreichen Abend.