Archiv

Artikel Tagged ‘Archäologie’

Buchtipp: Landleben im römischen Deutschland

25. Juni 2012 sgruen Keine Kommentare

Hier wird römisches Landleben lebendig

(Sigrid Grün)

In Ostbayern finden sich nicht nur in Regensburg Spuren römischen Lebens. Auch im Umland sind verschiedene Reste römischen Landlebens zu entdecken, beispielsweise in Eining. Das von etwa 80 n. Chr. bis ins 5. Jahrhundert genutzte Kohortenkastell Abusina bildet einen Endpunkt des über 500 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes. Die Römer sind in Ostbayern gewissermaßen allgegenwärtig und es lohnt, sich näher mit dem Alltagsleben in der Antike auseinanderzusetzen.
Das vorliegende Buch, Landleben im römischen Deutschland, herausgegeben von den beiden Archäologinnen Vera Rupp und Heide Birley, bietet dafür eine wunderbare Möglichkeit. Hier wird der Alltag auf dem Lande lebendig.
Das Buch ist sehr sinnvoll strukturiert und bringt in anschaulicher Form zahlreiche Informationen.
Zunächst führen einige Aufsätze von verschiedenen Autorinnen und Autoren in das Thema ein. Es geht um Quellen, wie z.B. antike Schriftsteller oder Darstellungen römischen Landlebens in der Kunst. Auch die Verwaltung im römischen Deutschland, Wasser- und Landstraßen, Ackerbau und Viehzucht, landwirschaftliche Geräte und Mühlen, Kleidung, Religion sowie Spiel, Spaß und Wellness sind Themen.
Anschließend geht es in den Aufsätzen um konkrete Villae rusticae, vici und archäologische Parks und Museen in Deutschland. Der Fokus liegt zwar auf den Spuren römischen Landlebens im Westen von Deutschland, doch auch südlichere Landgüter werden vorgestellt.
Die Texte sind sehr lebendig und spannend geschrieben und werden von vielen Bildern begleitet. Das Buch kann auch hervorragend im Schul- oder (erlebnis)pädagogischen Bereich eingesetzt werden, da es sehr gut gegliedert und didaktisch ausgeklügelt ist.

Fazit: Ein wunderschöner, spannender und informativer Bildband, der einen tollen Überblick liefert und den man rundum empfehlen kann!

9783806225730-b

Vera Rupp; Heide Birley (Herausgeberinnen)
Landleben im römischen Deutschland
www.theiss.de
194 Seiten

Buchtipp: Das Rätsel der Donauzivilisation

3. Juni 2012 jneidh Keine Kommentare

Archäologische Entdeckungen im “alten Europa”

Die Wiege von Schrift und Zahlen wird gerne in Mesopotamien angesiedelt. Somit geht man meist davon aus, dass hier die Wiege der Zivilisation in unserem heutigen Sinne stand. Neuere archäologische Funde in Osteuropa, vor allem in Rumänien, Bulgarien und dem ehemaligen Jugoslawien, zeigen aber, dass es dort bereits zwischen dem 6. und 4. Jahrtausend vor Christus Kulturen gab, die schriftliche Aufzeichnungen hinterließen und die alle Anzeichen von sogenannten Hochkulturen mitbrachten, wie etwa ein entwickeltes Städtewesen, eine Verwaltung, ausgefeilte religiöse Kulte, Handwerkstechniken, Kunst und anderes mehr, das für eine entwickelte Gemeinschaft charakteristisch ist.

Durch den eisernen Vorhang waren diese Entdeckungen zur Zeit des Kommunismus natürlich nur sehr beschränkt zugänglich und wurden auch zum Teil aus ideologischen Gründen unter Verschluss gehalten.

Im Buch erklärt der Sprach- und Kulturwissenschaftler Harald Haarmann, gut auch für Laien verständlich, wie man sich das Leben am Ende der Jungsteinzeit in den regelrechten Städten der Menschen damals vorstellen kann und welche neuen Erkenntnisse über diese Zeit vorliegen. Spannend ist, dass besonders darauf eingegangen wird, dass nicht die Griechen die eigentlichen „Erfinder“ der Zivilisation in Europa sind, sondern die sogenannten Pelasger, also die Vorläufer noch-nicht-indogermanischen Ursprungs, die viel eher in Südosteuropa siedelten. Das wird besonders spannend auch anhand sprachwissenschaftlicher Erwägungen dargestellt, die zeigen, dass bestimmte Schlüsselwörter bei den Griechen, z.B. was Landwirtschaft oder kultische Handlungen angeht, sprachlich auf ältere Vorläufer zurückgehen müssen, als auf die Indogermanen, eben die Menschen die vorher schon im „alten Europa“ gelebt haben. Z.B. ist das Baskische als heute erhaltene Sprache wohl auf solche alten Sprachen zurückzuführen.

Auch ohne sehr viel Hintergundwissen über die verschiedenen, teils heftig umstrittenen Theorien, die im Buch angeschnitten werden, ist es doch erstaunlich, was lange vor den Griechen in Europa schon für Entdeckungen gemacht wurden, dass eben schon Schrift existierte und mehrstöckige Häuser gebaut wurden, dürfte den meisten Lesern doch neu sein. Auch die Kunst der damaligen Zeit birgt erstaunliche Überraschungen, so werden Statuetten vorgestellt, die kaum von modernen Plastiken zu unterscheiden sind.

Das Buch ist eine spannende Lektüre für alle,die sich für Archäologie interessieren und die bereit sind sich auf intellektuell herausfordernde Pfade tief ins Herz des alten Europa am Ende der Steinzeit zu begeben.

Das Rätsel der Donauzivilisation - Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas

Das Rätsel der Donauzivilisation - Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas

Harald Haarmann
Das Rätsel der Donauzivilisation. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas
www.chbeck.de
283 Seiten

Buch-Tipp: Römer selbst erleben!

14. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Lebendiger Alltag bei den Römern

(Sigrid Grün)

Die Region Ostbayern war einst Teil der römischen Provinz Rätien (Raetia). Und um den Alltag in dieser Provinz um etwa 200 n. Chr. geht es in dem neu erschienen Buch Römer selbst erleben! von den erfahrenen Museumspädagoginnen Juliane Schwartz und Ermelinde Wudy.
Die beiden Autorinnen haben zahlreiche Ideen zusammengetragen, die den Alltag bei den alten Römern lebendig werden lassen. Längst ist erwiesen, dass der Mensch Gelerntes viel besser behält, wenn er es aktiv anwendet und nicht nur liest und/oder hört. Dieses Buch ist ein eindrucksvoller Beweis dafür - und die Sache macht auch noch einen ungeheuren Spaß!

Kinder und Erwachsene können hier basteln, werkeln, kochen, spielen u.v.m. Und ganz nebenbei erfährt man eine Menge über die typische Kleidung in der römischen Provinz, über das römische Leben (Geschirr, Küche und Vorratskeller, Tischsitten, Tagesablauf usw.), Schönheit und Schmuck, Götter und Riten, Spiele und über die römische Schriftkultur.
Was trug der “normale” Römer drunter? Trug er überhaupt etwas drunter? Welche Rolle spielten Schuhe? Was schmeckte den Römern? Was spielten Kinder und Erwachsene? Worauf schrieben sie? Diese und unzählige weitere Fragen werden hier ausführlich beantwortet und durch praktische Anleitungen zum Selbermachen vermittelt. Man kann sich authentische römische Kleidung selbst schneidern, auch das Färben, z.B. mit Birke wird erklärt. Rezepte zeigen auf, wie Moretum mit Mustaceus (Schafkäsepaste und Mostbrötchen), aber auch Lippenstift und Schminke selbst hergestellt werden können. Hier findet man sogar eine Anleitung zum Bau eines römischen Hausaltars.
Die Vorschläge eignen sich sowohl für die Arbeit mit Kindern (v.a. auch in Kindergruppen), als auch für eher erfahrene Handwerker. In diesem Buch findet jeder etwas. Manches ist vielleicht nicht jedermanns Sache - z.B. die Herstellung eines “Knöchelchenspiels” (man braucht dazu Sprunggelenksknochen, einen alten Kochtopf, ein spitzes Messer, eine Scheuerbürste und etwas Waschpulver…). Aber im Allgemeinen lassen sich die meisten Sachen ganz gut realisieren. Einiges kann man sicherlich auch in abgewandelter Form umsetzen.

Römer selbst erleben! bietet eine optimale Mischung aus informativen Sachbeiträgen (z.B. Lebenslauf eines Römers) und praktischen Anleitungen (z.B. Anfertigung von Schmuck etc.). Man bekommt sofort Lust, selbst aktiv zu werden - und für Groß und Klein ist das ein riesengroßer Spaß, den man nicht so schnell vergisst! Viele farbige Abbildungen (Fotos und Zeichnungen) sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des ausgeklügelten didaktischen Konzepts.

Für Erzieher, Lehrer, Museumspädagogen und Römerfans ein unbedingtes Muss!

Juliane Schwartz; Ermelinde Wudy (Autorinnen)
Römer selbst erleben! Kleidung, Spiel und Speisen - selbst gemacht und ausprobiert
www.theiss-verlag.de
96 Seiten

Categories: Sigrid Grün Tags: , ,