“Ächz, Seufz, Zack, Bumm?!? Literatur und Comics?!
Unter diesem Motto ist noch bis 30.09.2012 eine Ausstellung im Literaturhaus Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg zu sehen.
Der Comic scheint sich in den letzten Jahren mehr und mehr aus der Schmuddelecke wegzubewegen, in die ihn Pädagogik und bürgerliches Kulturverständnis eingentlich von Anbeginn seines Entstehens abgeschoben hatten. Die nicht nur für Comicfans interessante Ausstellung in den Räumlichkeiten des Literaturarchivs Sulzbach-Rosenberg zeigt, wie sich in den letzten Jahren der Comic den Weg in die Feuilletons erobert hat und auch renommierte große Verlage, die Bildgeschichten gerne in Form der Graphic Novel in ihr Programm aufnehmen und sie als Literatur deklarieren.
Alois Nebel, eine tschechische Graphic Novel, die Anfang des Jahres bei Voland & Quist erschien, ist ein aktuelles Beispiel, dem in der Ausstellung sogar ein eigener Raum gewidmet ist. Alois Nebel, der Fahrdienstleiter, der auf der einsamen Bahnstation im deutsch-tschechischen Grenzgebiet von den Schatten der Vergangenheit verfolgt wird, erzählt im Holzschnitt und mit allen Attributen des klassischen Comics mitteleuropäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Hier überschneiden sich Genres wie Comic, Roman und Sachinformation auch in ästhetisch einmaliger Weise.
In der Ausstellung sind u.a. Originalzeichnungen der beiden Autoren Jaromir 99 und Jaroslav Rudis zu sehen, sowie weiterreichende Informationen zum Hintergrund der Geschichte.

Jaromir99 - Comicautor und Sänger der Band Priessnitz
Die beiden Autoren waren übrigens zur Eröffnung der Ausstellung am 24.05.12 anwesend und traten hier auch mit Priessnitz (einer zur Zeit in Tschechien sehr angesagten Band - file under: Rockgitarre und Gesang und natürlich auf Tschechisch) auf. Zwischen den Songs gab es Geschichten rund um Alois Nebel und Informationen über Undergroundkultur in der Tschechoslowakei (vor 1989). Man konnte u.a. erfahren, dass sich die Autoren in die Psychiatrie einweisen ließen, um dem Militärdienst zu entgehen. Aus dieser Zeit stammt auch ein wichtiger Teil der Inspiration zum Comic.

Jaroslav Rudis und Kameramann
Die Ausstellung hat aber auch sonst einiges zu bieten: So wird hier z.B. ein neu aufgefundenes Original von Wilhelm Busch gezeigt. Die Bildgeschichte “Der Kuchenteig” wurde vor einigen Jahren im Archiv des J.E. von Seidel-Verlages entdeckt und zeigt offenbar eine Vorstufe zu Max und Moritz mit dem gewohnt martialisch-pädagogischen Anspruch eines Wilhelm Busch.
Für mich als Fan besonders interessant ist auch der Ausstellungsbereich zum österreichischen Comiczeichner Nicolas Mahler, der mit seinen “Alten Meistern”, einer Comicadaption von Thomas Bernhards Roman, es tatsächlich fertig brachte, den Suhrkamp Verlag zu “knacken” und in dazu zu bringen, ein Comic in sein Programm aufzunhemen.
Die Ausstellung ist zu sehen im:
Literaturhaus Oberpfalz
Rosenberger Str. 9
92237 Sulzbach-Rosenberg
Telefon (09661) 8159590
online erreichbar unter:
info@literaturarchiv.de
www.literaturarchiv.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr
(außer an Feiertagen)
Sonntag 14-17 Uhr






Das fotografierte Objekt hingegen konnte jede Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Die verlassene Schlosserei Scheuerer befindet sich im Hinterhof des Anwesens am Brixener Hof 11, in dem auch die Galerie konstantin b. seit ihrem gezwungenem Wegzug aus Stadtamhof, Quartier fand. Die Schlosserei ist noch heute bereits von der Straße aus zu erkennen: Ein kunstvoll geschmiedetes Schild mit goldenem Schlüssel schmückt die Hausfront. Obwohl der Betrieb bereits seit 1985 ruht, haben die Besitzer des Anwesens keine Kosten und Mühen gescheut, das Schild bei der Sanierung des Hauses, ebenfalls zu restaurieren. Doch nicht nur das: unangetastet befinden sich die Schlosserei noch in ihrer alten Räumlichkeit. Wenn man durch das Fenster sieht, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Seit 1925 ist die Werkstatt an diesem Ort (gegründet wurde sie bereits 1905). Und doch wirkt alles so lebendig. Der Schlossermeister ist nur kurz eine Brotzeit holen und muss gleich wieder da sein, denkt man. Jede Feile, jede Maschine liegt in nostalgischer Patina und schwerer Schönheit da und wartet auf die Rückkehr des Schlossers. Die Entscheidung der Nachkommen die Schlosserei zu erhalten, kann nicht oft genug Anerkennung gezollt werden.
