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Artikel Tagged ‘Ballett’

Wagner zwischen Wallküren und Wirklichkeit

1. Februar 2013 lweser Keine Kommentare

Premiere/Tanztheater mit Orchester: Ich, Wagner. Sehnsucht! Theater am Bismarckplatz, Regensburg

Zum 200sten Geburtstag Richard Wagners schuf der neue „Ballettdirektor“ am Regensburger Theater Yuki Mori ein Tanzstück in zwei Teilen. Bereits der Titel deutet diese Zweiteilung an. Während der erste Teil „Ich, Wagner“ sich weitgehend chronologisch an Wagners Biographie orientiert, wirkt der zweite Teil „Sehnsucht“, der aus Versatzstücken Wangers Werken zusammengesetzt ist, assoziativ. Mit orchestraler Begleitung unter Leitung von Philip van Buren entstand ein emotionales und spannendes Tanzstück.

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Unumstritten vereint Wagner in seiner Figur eine ungeheuere Ambivalenz: einerseits das musikalische Genie und andererseits der Antisemit und Egomane, der sich vor allem mit seinen theoretischen Werk wie „Das Judentum in der Musik“ historisch gesehen ins moralische Abseits degradierte. Alle Facetten dieser umstrittenen und gefeierten Person und der Rezeption zu beleuchten, hätte die Möglichkeit der circa zweistündigen Aufführung gesprengt. Mori beschränkte sich auf wenige Figuren aus Wagners Leben, die diesen in seinem Schaffen beeinflussten. Neben seinen zwei Frauen Minna (Andrea Vallescar) und Cosima (Caroline Fabre), gibt Mori auch Wagners Gönner Otto Wesendonck (Riccardo Zandoná) und dessen Gattin Mathilde (herausragend: Ina Brütting), die zu Wagners Muse und wahrscheinlich auch Geliebten wurde, Raum. Mit Alessio Burani als König Ludwig II bekommt auch Wagners prominentester Mäzen im Stück seinen Platz. Zärtlich gestaltet sich Ljuba Avvakumova und Shota Inoues Tanz, die Wagners Wunschtraum verkörpern. Das einfache aber effektive Bühnebild verortet die Handlung räumlich in ein Zimmer des gehobenen Bürgertums des vorletzten Jahrhunderts, a la Villa Wahnfried. Zusätzlich zu Wagners Musik wird im ersten Teil auch Musik von Alexander Zemlinsky und Ernest Chausson, die stark von Wagner beeinflusst wurden, verwendet. Nach der Pause bricht Yuki Mori mit der narrativ geprägten Erzählstruktur des ersten Teils und lässt im Ensembletanz Wagners Erinnerungen zu fleischgewordenen Helden und Walküren werden.

Großartg!

Ich, Wagner. Sehnsucht!
Choreographie/Inszenierung: Yuki Mori;
Musikalische Leitung Philip van Buren;
mit: Claudio Costantino, Caroline Fabre Andrea Vallescar Ina Brütting, Riccardo Zandoná, Ljuba Avvakumova, Shota Inoue, Harumi Takeuchi, Alessio Burani, Fabian Moreira Costa, Pablo Sansalvador
weitere Vorstellungen: 01./17. Februar, 02./09. März, 28. April, 09./18./21./24. Mai, 09./23./29. Juni, 13./17. Juli 2013; jeweils 19.30 Uhr
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Creative Attack zum letzten

4. Juli 2012 lweser Keine Kommentare

Creative Attack - Junge Choreografen VIII - letzte Vorstellungen am Freitag, den 06. Juli 2012, um 19.30 Uhr im Velodrom

Zum 8. Mal dürfen die Mitglieder des Balletts Regensburg ihr Können als Choreographen unter Beweis stellen. Nur vier Stücke von drei Choreographen (Tu Ngoc Hoang, Andrea Bibolotti und Jonatan Salgado Romero) gab es diesmal zu sehen.

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Spätromantischer bis Moderner Abschied

13. März 2012 lweser Keine Kommentare

Ballett-Premiere/Uraufführung: Schatten: Mahler - Verklärte Nacht, Ballett von Olaf Schmidt und Walter Matteini mit Orchester, musikalische Leitung: Arne Willimczik; Theater am Bismarckplatz, Regensburg

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Vier Tanz-Stücke vereint Olaf Schmidt in seiner letzten großen Ballettaufführung mit Orchesterbegleitung am Theater Regenburg. Unterstützung erhielt er dabei von italienischen Gastchoreographen Walter Matteini. Die Kompositionen, auf die Schmidt und Matteini für die Themensammlung Schatten zurückgreifen, stammen von Arnold Schönberg, Gustav Mahler und Arvo Pärt.

Mit Frates, einem Stück für Streichorchester des estnischen Komponisten Arvo Pärt aus dem Jahr 1977/1990, beginnt der Abend assoziativ mit Begegnungen von sechs Menschen in einem Treppenhaus. Die Idee diese Begegnungen auf verschiedenen Etagen in einer einzigen Ebene darzustellen ist gelungen. Nur die roten waagerechten Neonbalken im Hintergrund zeigen das Stockwerk an, in dem sich die Begegnung abspielt. Eine kühle Umgebung für einen warmen Klangkosmos aus Streicher und Percussions, denen Pärt mittels Klanghölzer eine japanische Note gibt. Tom Tykwer benutzte das Stück als Filmmusik für seinen Film Winterschläfer.

Walter Matteinis Choreographie zu Arnold Schönbergs Verklärte Nacht bezieht sich direkt auf das Gedicht Richard Dehmels, dass den Komponisten zu seinem Stück „für sechs Streichinstrumente“ (1899/1917) inspirierte. Spätromantisch beeinflusst und alles andere als atonal kommt diese Musik aus Schönbergs Frühwerk daher, und liefert eine stimmungsvolle Atmosphäre für eine, von Matteini eher düster und der klassischen griechischen Tragödie angelehnten Inszenierung um Schwangerschaft, Schuld und Vergebung. Acht Tänzer stellen das von Dehmel beschriebene Paar im Mondschein dar. Dominiert wird die Choreographie ganz unromantisch von stakkatohaften, epileptischen Bewegungen. Wie ein roter Faden ziehen sich weiße Seile durch die Inszenierung. Sie hängen von der Decke auf die Bühne herab und setzten sich auf den Kostümen der Tänzer fort. Symbolisieren sie Gefangenschaft? Die Interpretation als Nabelschnur mutet ein wenig eindimensional an. Eine Schwangerschaft als Gefängnis der Frau, oder die Gesellschaft, die ein Gefängnis aus Konventionen bildet, setzt da schon eine Ebene tiefer an.

Nach der Pause ließ Schmidt zum Cantus in Memory of Benjamin Britten (1977/1980) von Arvo Pärt durch sechs Tänzer das Schicksal unzähliger Soldaten in Stalingrad verdeutlichen. Als Einsieg wurde der letzte Brief eines deutschen Soldaten an seine Eltern vorgelesen. Auch Olaf Schmidts Großvater fiel in Stalingrad. Am Ende bedeckt der Schnee (symbolisiert durch ein riesiges weißes Tuch) die Toten und die (Toten-)Glocken Pärts haben ihre Prophezeiung erfüllt.

Mit den Kindertotenliedern (1901/1904) von Gustav Mahler nach den gleichnamigen Gedichten Friedrich Rückerts beschließt der Abend. Trotz des schweren Themas schaffte es Mahler eine positive, hoffnungsvolle Stimmung zu schaffen. Seine Kindertotenlieder beginnen in Mol und enden in Dur. Auch Schmidts Choreographie widerspiegelt diese positive Färbung. Sie ist die temporeichste und dynamischste der vier Choreographien mit den fließensten Bewegungen. Katharina Hebelkova singt die Gedichte Rückerts. Der Anspruch Mahlers, die Stimme solle dabei wie ein Instrument klingen, geht ganz auf.

Mit: Rutsuki Kanazawa, Yahsmine Maçaira, Mana Miyagawa, Natalia Palshina, Giselle Poncet, Silke Woschnjak • Andrea Bibolotti, Mattia Cambiaghi, Tu Ngoc Hoang, Fabian Moreira Costa, Brendon Feeney, Jonatan Salgado • Philharmonisches Orchester Regensburg sowie Jasmin Etezadzadeh, Katerina Hebelkova
Weitere Vorstellungen: 13./24./31. März, 07./15. (15 Uhr)/21./29. April, 12. Mai, 23. Juni 2012; jeweils 19.30 Uhr.
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Die Farbe des Vergessens

11. November 2011 lweser Keine Kommentare

Ballett-Premiere: Der Nussknacker - Erinnerungen an das Vergessen, Velodrom, Regensburg

E.T.A. Hoffmann, der Meister des Phantastischen in der Romantik, inspirierte mit seinem Kunstmärchen Nussknacker und Mausekönig Tschaikowskis zu dem Ballett Der Nussknacker. Nach Dornröschen und Schwanensee beendet Olaf Schmidt mit dieser Ballett-Inszenierung seine Tschaikowski-Triologie am Theater Regensburg.

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Schmidt versucht das Märchenhafte des Stoffes zu verdeutlichen und gleichzeitig aktuelle Bezüge herzustellen. Er öffnete mit seiner Interpretation des Stücks eine neue Ebene: Altern, Demenz und Tod. Ihm gelingt es das schwere Thema mit einem solchen Feingefühl, mit Anmut und Schönheit zu integrieren, dass man zwar gerührt aber nicht niedergeschlagen in die Nacht entlassen wird. Neben dem Ballettensemble hat Schmidt für seinen Nussknacker 17 ältere Laien verpflichtet. Diese sind nicht Staffage, sondern gleichrangig neben den Tänzern, die ihrerseits die Erinnerungen der Alten verkörpern. Die Choreographie wechselt zwischen den Motiven und Zeitebenen, eben so wie zwischen klassischen und modernen Tanzelementen. Tänzer und Alte tragen Weiß, die Farbe des Vergessens, wie Schmidt betont. Anfangs kämpfen sich die Tänzer noch ungelenk in Filzpantoffeln über die Bühne, doch bald werden sie abgestreift. Die Erinnerung ist zwar ebenso gebrechlich, wie der Körper, doch in der Erinnerung ist der Körper ungebrochen.
Das ausdrucksstarke Schlussbild entlehnte Schmidt einer Verfilmung von Shichiro Fukazawas Buch Narayama bushiko. Ein junger Mann trägt eine alte Frau im Schneefall zum Sterben auf einen Berg.

Neben den weihnachtlichen Motiven, auch den musikalischen, passt Olaf Schmidts stimmungsvoll intelligente Inszenierung wunderbar in die Adventszeit und ist eine echte Alternative zum Christlkindlmarkt, nicht nur weil es im Velodrom mollig warm ist, sondern weil dort die Weihnacht garantiert weiß ist.

Der Nussknacker, Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Velodrom, Regensburg
Choreographie und Inszenierung: Olaf Schmidt, Bühne: Manuela Müller, Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly;
mit: Mana Miyagawa, Rutsuki Kanazawa, Tu Ngoc Hoang, Fabian Moreira Costa, Brendon Feeney, Jonatan Salgado, Silke Woschnjak, Giselle Poncet, Natalia Palshina, Audrey van Herck, Andrea Bibolotti, Mattia Cambiaghi, Rosalinde Koch, u.a.
Weitere Aufführungen: 12./13./14./22./23./24. Nov., 10./11./12. (11 Uhr)/23./25./26.(15 Uhr)/28./29. Dez. 2011, 27./31. Jan. 2012, jeweils 19.30 Uhr
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Die Paarbeziehung, getanzt

1. Juni 2011 lweser Keine Kommentare

Ballett: Creative Attack - Junge Choreografen VII, Velodrom, Regensburg

Zum siebenten Mal haben sich die Ballett-Ensemblemitglieder des Theaters Regensburg selbst als Choreografen betätigt. Sieben ganz unterschiedliche Choreographien sind das Resultat. Der Ton ist diesmal etwas schwerer und nachdenklicher als gewohnt und männerdominiert. Formal fällt auf, dass in drei verschiedenen Stücken mit Silhouette oder Schatten gearbeitet wurde. Der klassische Spitzentanz ist kaum vertreten.

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Den Einstieg gibt Brendon Feeneys feurige Choreographie Arms Race. Rutsuki Kanazawa und Fabian Moreira Costa tanzen eine Paarbeziehung mit ihren kämpferischen Facetten. Brendon Feeney komponierte gemeinsam mit Tu Ngok Hoang auch die Musik.
Weiter geht es mit einer Choreographie von Julia Leidhold, die wegen Schwangerschaft, selbst nicht mittanzte. Bobby Briscoe und Brendon Feeney verdeutlichen darin tänzerisch Abnablungsversuche und Emanzipationsstreben. Sie stellt die Frage inwieweit unser WEG vorbestimmt ist, oder wieweit wir uns von dieser Bestimmung befreien können und welche Spuren wir im Leben hinterlassen.
Imaginists von Alister und Ayumi Noblet ist das umfangreichste der Stücke. In einem Präludium und sieben Kapiteln tanzen die einzelnen Beteiligten, Visionen und Vorstellungen, die nur ihnen zugedacht waren. Mit kleinen eingeblendeten Sentenzen wird am Ende der Tanz mit Worten zusammengefasst. Besonders gelungen ist dabei die Darstellung einer schicksalhaften Verbindung von Esskultur, Orchestertradition und Tanz. Die Silhouetten der Ballettmitglieder winden sich vor einer roten japanischen Sonne zu Tschaikowsky, dirigiert von Rutsuki Kanazawa.

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Nach der Pause geht es weiter mit Bobby Briscoes Love Song. Auch hier geht es wieder um die Paarbeziehung von Mann und Frau. Die verschiedenen Kommunikationsverhalten der beiden Geschlechter werden aussagekräftig verdeutlicht - und am Ende bleibt immer einer allein.
In The other side von und mit Tu Ngoc Hoang und Rutsuki Kanazawa, wagen zwei Menschen den Lebensweg sowohl allein, als auch gemeinsam. Die beiden Choreografen benutzten die Videoeinblendungen ihres Tanzes, während beide live dazu vor der Leinwand tanzen. Die verschiedenen Variationen verdeutlichen die verschiedenen Möglichkeiten im Leben.
In Alister Noblets zweites Stück Was just 2 destructive verdeutlicht er gemeinsam mit seiner Partnerin, zu harten Beats, die gewaltsame und zerstörerische Seite einer Paarbeziehung.
Beschlossen wird der Abend mit Tu Ngoc Hoangs zweitem und zweigeteilten Stück Element. Er scheint hierzu bei Pina Bausch in die Lehre gegangen zu sein. Die männlichen Ensemblemitglieder tanzen eine Hommage an das Element „Wasser“.

Die interessante kraftvolle Mischung zeigt wieder einmal wie viel kreatives Potential in den jungen Tänzern steckt. Schön, dass das Theater Regenburg regelmäßig die Möglichkeit bietet dieses Potential zu entfalten.

Dritte und letzte Vorstellung: 2. Juni, 19.30 Uhr
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Prokofjews „Romeo und Julia“

6. April 2011 lweser Keine Kommentare

Romeo und Julia, Ballett mit Orchester, Musik: Sergej Prokofjew, Inszenierung und Choreographie: Olaf Schmidt; Theater am Bismarckplatz, Regensburg

„…die Stätt` ist Tod, bedenk nur, wer du bist, …“

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In der Spielzeit 2002/2003 wurde Sergej Prokofjews Romeo und Julia das letzte Mal in Regensburg aufgeführt. Die Inszenierung und Choreographie vom damaligen Ballettdirektor Ricardo Fernando war modern und legte einen anderen, gar handlungsveränderten Fokus (Romeo tötete am Ende die wahnsinnig gewordenen Julia). Von der damaligen Besetzung ist 2011 nur noch Leonardo Barbu dabei: 2003 noch der Romeo, bzw. Tybald, gibt er acht Jahre später Bruder Lorenzo.

Die 2011er Inszenierung ist in gewohnter Olaf Schmidt-Manier eine Mischung aus klassischem Ballett, modernerem Ausdruckstanz und Schauspiel. Olaf Schmidt geht wieder zu Shakespeares Romeo und Julia zurück und meistert die größte Schwierigkeit (Sterbende, Bewusstlose und Tote tanzen zu lassen) zumeist recht überzeugend. Sergej Prokofjews hatte übrigens zuerst vor, sein Ballett aus eben genannten Grund, glücklich enden zu lassen. Der Tanz Romeos (Jonatan Salgado) mit der tot geglaubten Julia (Ayumi Noblet) in der Gruft ist eine gelungene Interpretation, die zutiefst berührt.

Zur Versinnbildlichung der festgefahrenen Struktur der beiden verfeindeten Familien benutzt Schmidt Rüschen-Halskrausen. Alle Mitglieder des Hofes beider Familien tragen sie. In kleinen Akten des Widerstandes verweigert z.B. Julia sie. Das erinnert an die Verwendung des Tutu in Schmidts grandiosen Schwanensee-Inszenierung. Ein bisschen sehen die Rüschen-Halskrausen sogar wie Miniatur-Tutus aus. Neben Jonatan Salgado und Ayumi Noblet überzeugent Liana Bertini (seit dieser Spielzeit neu im Ensemble) als Julias Amme, die ihren Tanz mit einer facettenreichen Mimik bereichert. Auch Tu Ngoc Hoang als provozierend kindlicher Mercutio hat das Publikum ganz auf seiner Seite. Sein Duell mit Tybalt (gewohnt hervorragend: Fabian Moreira Costa) inszeniert Schmidt als Stierkampf. Tybalts Tod wird von Julias Mutter (Julia Leidhold) eindrucksvoll betrauert.

Das dominante Bühnenbild überlastet und erdrückt teilweise leider die großartige Choreographie, sowie die hervorragende Ensemble- und Orchesterleistung. Gerade die anfängliche Leichtigkeit von Musik und Tanz leidet unter dem bedrückend, massig wirkendem Gebilde.

Die musikalische Leitung hat, in seiner ersten Produktion am Theater Regensburg, Philip van Buren inne.

Weitere Vorstellungen: 8./10.(15 Uhr)/17./25./29. April, 24./28. Mai, 11./23. Juni, 16. Juli 2011
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Liebe und Tod

28. Januar 2011 lweser Keine Kommentare

Ballett: NordNordWest-Bolero von Olaf Schmidt, Theater am Bismarckplatz, Regensburg

Als erstes sei festgehalten, dass es sich bei Olaf Schmidts neuer Inszenierung um zwei (nicht miteinander verbundene) Stücke handelt.
„Ich bin nur toll bei Nordnordwest“ lässt Shakespeare Hamlet zu Güldenstern sagen. Doch weil Hamlet eben nicht verrückt war, und das für Ballettdirektor Olaf Schmidt die Quintessenz der Shakespeareschen Tragödie ist, benannte er sein „Hamlet-Ballett“ genau danach: „NordNordWest“. Das war der erste Teil - und der Rest war: Bolero. Die sieben Bilder (bzw. Tänze oder Lieder), die Tangos und Boleros also, wurden mit einer Ausnahme, alle bereits 2004 als Olaf Schmidts Einstand im Theater Regensburg, 2006 im Theater Ingolstadt unter dem Titel „Bolero“, bzw. 2007 wieder in Regensburg unter dem Titel „Vier Mal Leben-Bolero“ aufgeführt. Auch „NordNordWest“ gab es in ähnlicher Form bereits vor elf Jahren am Badischen Staatstheater Karlsruhe, wo Olaf Schmidt vor Regensburg arbeitete.

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Bolero
Die Mischung aus diesen beiden, so gar nicht zusammenpassenden Teilen, wirkt zunächst beliebig und auch ein wenig verstörend. Doch wenn man sich umgestellt, Tragik und Tod Hamlets beiseite gedrängt hat, vermag man sich auf die spielerischen Boleros einzulassen. Hier wird die gesamte Bandbreite der Paarbeziehung getanzt. Was eignet sich besser den Kampf der Geschlechter (auch wenn bei einzelnen Stücken nur Frauen oder nur Männer miteinander tanzen) darzustellen, als ein Tango oder ein Bolero, dieser Inbegriff an Feuer und Leidenschaft, diese Mischung aus Hingabe und Verweigerung. In Ravels Bolero, dem letzen Stück, tanzt wieder das gesamte Ensemble. Ein buntes Potpourri an Charakteren probiert, korrigiert, bis sich die unterschiedlichen Paare zusammengefunden haben. Ein rauschhafter Sog, dem sich keiner entziehen kann.

NordNordWest
„Die Tragödien meines Gottes Shakespeares sind tatsächlich vorgefertigte Ballette“ sagte Stendhal 1818. Bezüglich der Ballett-Adaption der Shakespeareschen Dramen, befindet sich Olaf Schmidt also in prominenter Gesellschaft und folgt einer längeren Tradition.
Nun ist Hamlet allerdings nicht Romeo und Julia. Das heißt Olaf Schmidt hat nicht den Luxus (oder den Zwang) auf eine fertige, durchgehende Komposition wie von Prokofieffs Romeo und Julia zurückgreifen zu können. Schmidt besteht darauf, dass sein Ballett eben nicht Hamlet sei, sondern nur davon inspiriert. Für ihn seien die traumhaften Sequenzen des Stückes am wichtigsten. Entsprechend verwendet er für NordNordWest einzelne, ganz unterschiedliche Musikstücke (alle wieder aus der Dose), z.B. Bachs Cello Suite Nr. 4, Benjamin Brittens Simple Symphony, oder Werke von Gustaf Mahler und Arnold Schoenberg. Eine abwechslungsreiche Bandbreite.
Auch nutzt Olaf Schmidt, wie bereits bei Carmina Burana, einen Kunstgriff. Er setzt die Schauspielerin Sivia von Spronsen als Erzählerin ein. Er schuf für sie eine neue Rolle: den unsichtbaren Hauptprotagonisten des Stücks: den Tod. Ihr Part passt sich ganz gut in die Inszenierung ein, wirkt nur selten störend, ist nicht zu dominant und nicht reine Erläuterung. Vielmehr handelt es sich um eine atmosphärische Zugabe und den Versuch Shakespeares Text miteinzubinden. Leider wurden dabei vor allem auf die großen, allgemein bekannten Formeln gesetzt. Eine Reduktion, die dem Anspruch wohl nicht gerecht wird, so dass die Frage erlaubt sei, ob die Rolle wirklich nötig war. Denn auch Jenen, denen Shakespeare vertraut ist, fiel es, trotz Erzählerin, nicht allzu leicht die Tänzer/innen sofort den Figuren, die Tänze den Szenen zuzuordnen. Und sollte ein Ballett was es zu sagen hat nicht durch den Tanz ausdrücken und Worte überflüssig werden lassen? Doch wollen wir nicht päpstlicher sein als der Papst.
Die Choreographien waren durchweg überzeugend. Ayumi Noblet als Ophelia hat eine eigenartig kindlich, flapsige und gleichzeitig packende Bühnenpräsenz. Hamlet wird von Brendon Feeney getanzt, der allerdings von fern Rosenkranz (Fabian Moreira) zum Verwechseln ähnlich sieht. In zwei Szenen setzte Schmidt effektvoll Wasser ein. Hauchfeine Wasserfontänen aus einem entrollten Gartenschlauch reizen die bereits wahnsinnig gewordene Ophelia zum Spiel. In der nachfolgenden Szene ergibt der nasse Boden eine optisch reizvolle Kulisse für die Tänzer.

Trotz einiger konzeptioneller Zweifel, bleibt die Choreographie und die Leistung des Ballettensembles großartig.

Es gibt nur noch zwei weitere Aufführungen: am kommenden Sonntag, den 30. Januar und am 24. Februar 2011.

Aber am 19. März 2011, 19.30 Uhr, feiert das Ballett Romeo und Julia (Musik von Sergej Prokofjew)  inszeniert von Olaf Schmidt im Theater am Bismarckplatz Premiere. Diesmal sogar mit echtem Orchester!
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Auflehnung oder Gehorsam/Bosheit oder Leiden – Die Perspektiven der Frau seit Menschenbeginn

19. Oktober 2010 ffranc Keine Kommentare

Die Geschichte Lilith, Ballett von Olaf Schmidt und Gorgette Dee, Uraufführung im Velodrom, 16. Oktober 2010, Regensburg
Getanzt von Rutuki Kanazawa, Julia Leidhold, Ayumi Noblet, Natalia Palshina, Bobby Briscoe, Fabian Moreira Costa, Brendon Feeney, Alister Noblet, Jonatan Salgado
Mit Georgette Dee (Gesang) und Eva Herrmann (Klavier)

lilithDie Geschichte von Adams erster Frau Lilith, ist alt und dennoch relativ unbekannt und nebulös. Bereits in den Mythen der Sumerern und Babyloniern 1800 vor Christus spielt sie eine Rolle. Im Gilgamesch-Epos, dem ältesten überlieferten literarischen Material, kommt sie ebenso vor, wie im Buch Jesaja (Jes. 34, 14 ELB) der Bibel. Meist wurde ihre Figur dämonisiert. Heute steht die Figur der Lilith in erster Linie für die Emanzipation der Frau. Sie hat sich sowohl Adam, als auch Gott widersetzt. Eva war Adam Untertan, da aus seiner Rippe geschaffen. Lilith jedoch war aus dem gleichen Material wie Adam geschaffen worden und leitete daraus ihre Gleichberechtigung her.

Chansonniere Georgette Dee und Ballettdirektor Olaf Schmidt haben sich des Mythos´ angenommen und ein Ballett daraus erarbeitet, dessen Uraufführung am vergangenen Samstag im Velodrom gefeiert wurde.
Georgette Dee spaziert als Lilith in wallenden roten Gewändern, Diven- und Entertainer-gleich durch die Inszenierung. Sie singt, erzählt, reißt Witze und vermag dennoch keine Geschlossenheit oder Zusammenhang der einzelnen Motive herzustellen. Arg zerfahren und beliebig wirken die einzelnen Bilder aneinandergereiht. Gleichwohl vermögen sie der tänzerischen und choreographischen Qualität wegen, für sich allein genommen durchaus zu überzeugen.

Nach der Pause trägt die Dee ein Kleid, welches wohl aus mehreren Fallschirmen zusammengenäht worden sein muss. Dieser riesige rote Wasserfall (Kostüme: Heide Schiffer-El-Fouly) ist sowohl funktional als auch eine Augenweide. Zwei Tänzerinnen verbergen sich bei Goethes Erlkönig-Interpretation in ihm und gegen Ende formiert sich das komplette Ballettensemble mit ihm zu einem Schleiertanz mit überraschendem Höhepunkt.

Obwohl das Ballett die Geschichte Liliths ebenfalls auf ihren Emanzipatorischen Gehalt hin untersucht, entwickelt sich daraus hauptsächlich ein Geschlechter- bzw. Rollen-Tausch. In Travestie-Manier staksen und tanzen die Herren in High Heels über die Bühne, es gibt ein Soli eines Tänzers im Kleid und natürlich ist die Kunstfigur Georgette Dee selbst Teil dieses Geschlechtertausches. Den größten Applaus erhält jedoch ein Bild in dem die scheinbar „gewohnten“ Rollenverhältnisse wiederhergestellt wurden, als die Damen in rosa Sommer-Kleidchen die klassische Frauenrolle tanzen. In Analogie dazu tanzen die Herren in einem andern Bild in Bermudashorts mit freien Oberkörper das Imponiergehabe eines gängigen männlichen Rollenbildes.

Letztlich hat das Ballett Die Geschichte Lilith eher Cabaret-Charakter mit Unterhaltungswert, ob das Publikum dem Mythos Lilith dadurch näher kommt, bleibt fraglich.

Weitere Vorstellungen: 16./27./29./30. Okt., 6./8./9./24./25. Nov., 28./29. Dez. jeweils 19.30 Uhr im Velodrom, Regensburg
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Kreative Attacke

1. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

creative attack - Junge Choreografen VI, Velodrom, Regensburg

Zum sechsten Mal finden sich nun schon die Ensemble-Mitglieder des Balletts zusammen, um jeweils eigene Choreografien vorzustellen. Das Ergebnis ist wie jedes Jahr nicht nur eine Überraschung und bunte Mischung, sondern auch eine “kreative Attacke”.
Acht Choreografien von insgesamt neun Choreografen, getanzt von ca. zwölf TänzerInnen in verschiedenen Konstellationen sind zu sehen. Die große Bandbreite erstreckt sich sowohl über die tänzerische, wie die inhaltliche und musikalische Ebene. Zu sehen sind klassischer Spitzentanz mit Tutu zu Tschaikowski, moderner Tanz zu Eigenkompositionen oder vergnügliche Massenszenen, angesiedelt im Theatermilieu zu bekannten Filmmusiken.

Bobby Briscoe ist gleich mit drei Arbeiten zu sehen. Er huldigt vor allem dem klassischen Balletttanz. Thema, Tanz, Musik und Kostüme zeichnen sich bei ihm durch klassische Schönheit und Romantik aus. Im Eröffnungsstück stellt er Vier Ballerinen (Rutsuki Kanazawa, Sara Leimgruber, Ayumi Noblet und Natalia Palshina) auf die Spitze. Mendelsohn revisted mit Sara Leimgruber und Bobby Briscoe erhielt besonderen Publikumszuspruch. In Ever after kämpfen Julia Leidhold und Brendon Feeney als Prinz und Prinzessin zu Tschaikowski um ihre Beziehung - selbstredend mit Happy End. Überhaupt fand das Thema Beziehung starkes Interesse bei den Arbeiten. Vier der acht Stücke widmen sich den schwierigen Verhältnis zwischen Mann und Frau. Besonders beeindruckend war das Stück Netz von Tu Ngoc Hoang, Natalia Palshina, Bendon Feeney und dem noch immer verletzten Fabian Moreira Costa. Zu einer atmosphärischen, modernen Eigenkomposition von Tu Ngoc Hoang und Sainho Namchelok, entwinden sich Tu Ngoc Hoang und Natalia Palshina einem Netz aus Beziehungen. In perfekter Synchronisation kämpfen sie mit- und gegeneinander, um am Ende festzustellen, dass sie sich dem Netz nicht entziehen können. Ayumi und Alister Noblet versuchen in Moi… moi ausssi ebenfalls die Abgründe der Paarbeziehung auszuloten.

Tu Ngoc Hoang und Natalia Palshina - - - - (c) Theater Regensburg

Tu Ngoc Hoang und Natalia Palshina (c) Theater Regensburg

Sara Leimgruber wird nach Ende der Spielzeit Regensburg verlassen, um an die Züricher Ballettschule zu gehen. Junge Choreografen VI ist ihre letzte Produktion, nicht verwunderlich also, dass ihre Kollegen sie hier noch einmal besonders huldigen. Auch Julia Leidholds Choreografie Einfall ist ihr gewidmet. Allerdings werden darin die interessanten Ansätze durch eine ausgesprochen scheußliche Musikauswahl abgewertet. Am 17. Juli steht Sara Leimgruber in Regensburg das letzte Mal auf der Bühne. Doch nicht nur deshalb erhielt ihre Choreographie mit dem bezeichnenden Namen off stage mit Abstand den größten Applaus. Der ganz normale Wahnsinn eines Balletttages hinter der Bühne wird hier von nahezu dem gesamten Ensemble, inklusive einiger Helfer, frisch und mitreissend dargestellt. Ob Rivalitäten, Liebeleien oder Enttäuschungen - alles ist vetreten. Man weiß gar nicht wohin zuerst das Auge lenken in diesem bunten Treiben. Ein uneingeschränktes und reines Vergnügen, dass am Ende der Vorstellung jedoch noch besser platziert gewesen wäre.

Kritik und Klischee oder Die Fetisch-Päpstin

3. Mai 2010 lweser Keine Kommentare

Carmina Burana, Ballett von Olaf Schmidt, Musik von Carl Orff, Theater am Bismarckplatz, Regensburg, April 2010

Codex Buranux - die mittelalterliche Liedersammlung
Die Handschrift Codex Buranux wurde 1803 im Zuge der Säkularisierung im Kloster Benediktbeuren wiederentdeckt. Die Sammlung von über 250 überwiegend in lateinischer Sprache geschriebenen, aber auch mit mittelhochdeutschen und romanischen Versen versehenen Liedern, ist wahrscheinlich zwischen 1220 und 1250 in der Steiermark oder in Neustift bei Brixen entstanden. Es handelt sich um die größte überlieferte Sammlung weltlicher, mittelalterlicher Lieder. Trink-, Natur- und Liebeslieder, vor allem aber die Vagantenlieder parodieren und kritisieren erstaunlich unbefangen die Kirche. 1847 veröffentlicht Andreas Schmeller den Codex unter dem Namen Carmina Burana.

Carl Orff und die Carmina Burana
Die 4. Auflage der Carmina Burana aus dem Jahre 1904 wurde die Textquelle für Carl Orff. Seine gleichnamige szenische Kantate wurde 1937 in Frankfurt a. M. uraufgeführt und war von da an über lange Zeit meistgespielte “Oper” des deutschen Sprachraums. 24 Lieder wählte er aus dem Codex aus, die er in drei Teile gliedert: I. Teil Prima Vere (Natur), II. Teil In Taverne (Genuss und Völlerei) und den III. Teil der Cour d´amours (Liebe). Eine durchgehende Handlung ist kaum ersichtlich. Orff stellt den weltlichen Texten des Codex sakrale Melodien gegenüber. Diese einfachen klaren Melodien wirken unmittelbar und eindringlich.

Olaf Schmidt und Die amerikanische Päpstin von Esther Vilar
Ballettdirektor Olaf Schmidt und Dramaturgin Christina Schmidt haben diese losen Szenen durch eine durchgehende Handlung zu verbinden gesucht. Dazu bedienten sie sich Esther Vilars Theaterstückes Die Amerikanische Päpstin. Dort wird 2034 Johanna II als erste Frau zur Päpstin gewählt. Dieser sprechenden Päpstin stellt Olaf Schmidt eine tanzende entgegen: jene Johanna, die angeblich im 9. Jahrhundert als Mann verkleidet zwei Jahre Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche war.
Johanna II, gespielt von Silvia van Spronsen, sieht in ihrem schwarzem Latex-Kleid mit überdimensioniertem silbernem Kreuz-Anhänger, so aus, als käme sie gerade von einer Fetish- oder Gothic-Party. (Kostüme: Heide Schiffer-El-Fouly) Dazu passt allerdings das restliche Bühnebild z.B. ein goldner Barock-Sessel mit rotem Samt, auf dem Jonna II thront oder das riesige Metall-Kreuz welches von der Decke zu Boden gelassen wird, jene mittelalterlichen Johanna (Julia Leidhold) einschließend. „Das Kreuz als Kerker“ wirkt wie ein zu Boden donnernder Holzhammer. Von intelligenter und feinsinniger Symbolik kann hier nicht die Rede sein. Der ohnehin schon an Pathos kaum zu übertreffende Musik Carl Orffs (die in der Regensburger Aufführung ausnahmslos aus der Dose kommt) wird also kaum etwas entgegengesetzt. Für all jene, die mit den Texten der Carmina Burana nicht vertraut sind, wird sie hier anschaulich dem Unverbindlichem entrissen. Vielleicht ist das die eigentliche Leistung dieser Aufführung. Die Mischung von Ballett mit Schauspiel vereint Vergangenes mit Zukünftigem und verankert es in der Gegenwart.

Carmina Burana läuft noch am 2. (15 Uhr), 17. und 18. Mai 2010, jeweils 19.30 Uhr im Theater am Bismarckplatz.