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Artikel Tagged ‘Bayerischer Wald’

Buchtipp: Die schönsten Langlaufgebiete. Bayerischer Wald

7. Dezember 2012 sgruen Keine Kommentare

Übersichtlicher Langlaufführer für die Region Ostbayern

(Sigrid Grün)

Ob klassisch, gemütlich oder sportlich - Langlaufen ist im Winter der perfekte Ausgleich und im Bayerischen Wald kann man in märchenhafter Umgebung beim Sport entspannen und etwas für die Kondition tun. Gerade die Region Ostbayern hat für alle Langlaufbegeisterten eine Menge zu bieten. Die passionierten Langläufer Rosemarie und Georg Loth haben nun einen übersichtlichen und ausgesprochen informativen Langlaufführer mit 50 ausgewählten Langlaufstrecken verfasst, der die Region von Regensburg bis Passau abdeckt, inklusive grenzüberschreitende Touren im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich.
Die 50 ausführlich beschriebenen Loipen umfassen die Gebiete Lamer Winkel, Zellertal, Sumava, Zwieseler Winkel, das Rachel-Lusen-Gebiet, das Dreiländereck und den Vorderen Bayerischen Wald. Auch die 150 km lange Bayerwaldloipe, die durch vier der genannten Regionen verläuft, wird ausführlich vorgestellt. Im Anhang werden praktischerweise auch noch zahlreiche Langlaufstrecken in Stadtnähe (Regensburg/Regensburger Wald, Straubing/Bogen/Deggendorf sowie Passau/Passauer Wald) in Kurzform aufgegriffen.
Auf mehreren einführenden Seiten gehen die Autoren auf Loipenauswahl und Planung, Verhalten und Sicherheit, Ausrüstung, Laufstil und Fahrtechnik (von klassisch über Skating bis hin zum Nordic Cruising) sowie auf die Langlaufregionen im “Woid” ein.
Die Loipen eignen sich sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Langlaufhasen - es wird nach den Schwierigkeitsgraden “leicht”, “mittel” und “anspruchsvoll” unterschieden. Jede Loipe wird kurz charakterisiert, anschließend werden Ausgangspunkt, Höhenlage, Steigungen, Streckenlänge/Laufstil, Laufrichtung, Orientierung, Anforderungen sowie Varianten aufgelistet. Besondere Hinweise, weitere Tipps, Einkehr- und Sehenswürdigkeiten sowie Infomöglichkeiten an Touristinformationen etc. ergänzen die Kurzinfos. Schließlich wird der Streckenverlauf genau beschrieben, so dass man sich als Sportler sehr gut orientieren kann und auch auf Gefahrenstellen und Kombinationsmöglichkeiten wird aufmerksam gemacht. Höhenprofil und Fotos, sowie Kartenausschnitte vermitteln einen guten ersten Eindruck von der Strecke.
In den Klappendeckeln sind eine Übersichtskarte der Region, sowie eine tabellarische Auflistung der vorgestellten Loipen abgedruckt, zudem die Kartenlegende und hilfreiche Informationen (Tourismusverbände, Infomöglichkeiten zu Loipenzustand und Schneeberichte, Wetterberichte, Notruf, Öffentliche Verkehrsmittel).
Dem Verlag und den Autoren ist mit diesem handlichen Büchlein ein sehr hilfreicher und übersichtlicher Langlaufführer für die Region “Bayerischer Wald” gelungen, der keine Wünsche offen lässt. Langläufer und alle, die es werden wollen, finden hier ein praktisches und unentbehrliches Helferchen für das traumhaft schöne Langlaufgebiet im Osten Bayerns.

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Rosemarie und Gorgh Loth (Autoren)
Die schönsten Langlaufgebiete. Bayerischer Wald mit angrenzendem Böhmerwald
www.rother.de
144 Seiten mit 80 Farbabbildungen

Buch- und Veranstaltungstipp: Rother Wanderführer Goldsteig

25. Juni 2012 sgruen Keine Kommentare

Goldene Routen durch Ostbayern

(Sigrid Grün)

Ein neuer Qualitätswanderweg durchzieht Ostbayern von Nord nach Süd und führt den Wanderer in insgesamt 38 Etappen durch Oberpfälzer und Bayerischen Wald: Der Goldsteig, der mit etwa 660 Kilometern Länge großteilig grenznah zum Nachbarland Tschechien verläuft. In der 8. Etappe teilt er sich in zwei Hauptstränge auf: Die Nord- oder Kammvariante und die Süd- oder Kernroute.
Im vorliegenden Wanderführer widmet sich die erfahrene Wanderautorin Eva Krötz (u.a. Rother Wanderführer Oberpfälzer Wald, Rother Wanderführer Bayerischer Wald) nun diesem neuen Fernwanderweg, der von Marktredwitz bis Passau verläuft und sich in Oberviechtach gabelt.
Der Name “Goldsteig” leitet sich zum einen von der “Goldenen Straße”, dem einstigen Salzhandelsweg von Nürnberg nach Prag, ab, der den Goldsteig bei Neustadt an der Waldnaab kreuzt, zum anderen von den echten Goldfunden, die früher in der Gegend gemacht wurden.

Eine Übersichtskarte und touristische Hinweise bilden den Einstieg in den kompakten Wanderführer. Auch regionaltypische Ausdrücke (wie z.B. Butzlkouh und Dotsch, aber auch Bräuche wie das Wasservogelsingen und das Wolfsaustreiben) werden thematisiert. Im Anschluss erläutert die Autorin Zubringer- und Alternativwege zum Goldsteig, etwa rund um den Hohen Stein, den Venezianersteig vom historischen Nabburg zur Burg Obermurach oder von Bodenmais zur Chamer Hütte am Kleinen Arber - mit den Rißlochfällen, den größten Wasserfällen des Bayerischen Waldes. Man merkt diesem Kapitel an, dass hier eine eine ortskundige Expertin, die die Gegend ganz genau kennt am Werk ist.
Im Anschluss beginnt die Beschreibung der einzelnen 38 Etappen - ab Etappe 8 wird zunächst der Nordweg beschrieben, im Anschluss die Südroute.
Die Etappen sind sehr gut beschrieben und lassen sich gut erwandern. Bei jeder Etappe findet man jeweils die Streckenlänge und Wanderdauer, Routenkärtchen, Höhenprofile, Ausgangspunkt, Höhenunterschiede, Anforderungen, Einkehrmöglichkeiten und Unterkünfte sowie Einkaufsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Badeseen, Zuwege und weitere Informationen und Tipps. Zahlreiche Farbfotos vermitteln einen sehr guten Eindruck davon, was den Wanderer auf der Strecke erwartet. Auch GPS-Tracks können heruntergeladen werden.
Auf dem Goldsteig ist eine Menge geboten - nicht nur landschaftlich, sondern auch kulinarisch und kulturell - immerhin gehört der Qualitätswanderweg zu den “Top Trails of Germany”.
Eva Krötz ist mit diesem handlichen Buch wieder einmal ein hervorragender Wanderführer gelungen, der Lust auf die Route durch Ostbayern macht und dabei ein wertvoller Begleiter ist.

Am kommenden Donnerstag, 28.06.2012, 19.00 Uhr, präsentiert Eva Krötz ihren neuen Wanderführer in der Buchhandlung Freytag & Berndt (Kohlenmarkt 1, 93047 Regensburg). Im Rahmen einer abwechslungsreichen Diashow führt die die Gäste über idyllische Wege durch Ostbayern. Michael Körner, der Produktmanager des Goldsteigs vom Tourismusverband Ostbayern e.V., gibt zudem einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und das Wegemanagement des neuen Fernwanderwegs. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

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Eva Krötz (Autorin)
Rother Wanderführer Goldsteig. Von Marktredwitz nach Passau
www.rother.de
200 Seiten

Auto- und Freizeitkarte Bayerischer Wald von freytag & berndt

8. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

Hervorragende Karte

(Sigrid Grün)

Die neue Auto- und Freizeitkarte Bayerischer Wald von Freytag & Berndt ist ein echter Hingucker: Schön gestaltet, übersichtlich, sehr genau und aktuell - und: man bekommt noch ein gutes Stück Westböhmen mit dazu! Mehr kann man sich von einer Karte eigentlich nicht wünschen!
Sie ist wohl die beste, die man derzeit vom Bayerischen Wald finden kann. Auch die Verarbeitung ist sehr gut - die Karte ist auch nach häufigem Gebrauch noch völlig intakt und an den Faltstellen ist die Lesbarkeit kein bisschen eingeschränkt.
Die Karte im Maßstab 1:150.000 reicht von Wernberg-Köblitz (sogar ein bisschen darüber - fast schon Weiden!) im Norden, bis Landshut und Passau im Süden. Regensburg ist auch noch mit drauf - und sogar ein extra Innenstadtplan der Domstadt. Radwander- und Mountainbikerouten sind ebenso verzeichnet wie Kultur-und Freizeiteinrichtungen (z.B. Golfplätze, Heilbäder, Bergwerke, Kirchen, Schlösser u.v.m.) Im angehängten Infoheftchen findet man ein ausführliches Ortsverzeichnis mit Postleitzahlen, eine Legende, 10 Ausflugstipps (mehrsprachig) und den bereits erwähnten Innenstadtplan von Regensburg.

Fazit: Derzeit die beste und schönste Freizeitkarte vom Bayerischen Wald - unbedingt zu empfehlen!

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Freytag & Berndt (Herausgeber)
Auto- und Freizeitkarte Bayerischer Wald. Mit 10 Top-Ausflugs-Tipps
www.freytagberndt.com
Maßstab 1:150.000

Buchtipp: Rother Wanderführer Bayerischer Wald von Eva Krötz und Nikolaus Pollmann

8. Oktober 2011 sgruen Keine Kommentare

Kreuz und quer durch das größte Waldgebirge Europas

(Sigrid Grün)

Der Bayerische Wald hat als Mittelgebirge vor allem Wanderbegeisterten eine Menge zu bieten. Nun liegt aus dem Rother Verlag ein neuer Wanderführer für den Bayerischen Wald vor, den Eva Krötz (von der auch ein sehr guter Wanderführer für den Oberpfälzer Wald bei Rother erschienen ist) und Nikolaus Pollmann erarbeitet haben.
In einer umfangreichen Einführung erhält man Hinweise zum Umgang mit dem Wanderführer und touristische Tipps (Anforderungen, Gehzeiten, Wandern mit Kindern, Gefahren, Ausrüstung, Karten, Wandern mit GPS-Gerät - online sind auf der Seite von Rother die GPS-Tracks zu diesem Wanderführer verfügbar, Einkehr und Unterkünfte, Klima, Anreise, Infrastruktur und Hinweise zum Nationalpark).
Außerdem werden Wanderwege und Fernwanderwege vorgestellt: Der Goldsteig, der Pandurensteig, der Baier- und der Böhmweg, der Gunthersteig, die Goldenen Steige, der Ostbayerische Jakobsweg und der Pilgerweg Vianova.
Dann werden die Ausgangspunkte der Wanderungen, die sich auch hervorragend als eigenständige Ausflugsziele eignen, vorgestellt: Arrach, Bad Kötzting, Bayerisch Eisenstein, Bischofsmais, Bischofsreut, Bodenmais, Brennberg, Buchenau, Chammünster, Falkenstein, Finsterau, Frauenau, Freyung, Furth im Wald, Hauzenberg, Kellberg, Lalling, Lam, Lohberg, Neukirchen beim Heiligen Blut, Passau, Sankt Englmar, St. Oswald und Spiegelau, Waldkirchen, Weißenstein, Viechtach und Zwiesel.
12 Vorschläge für “Top-Touren” runden die Einleitung ab.
Schließlich beginnt der Tourenteil, der in die folgenden Regionen eingeteilt ist:
Naturpark Oberer Bayerischer Wald
Naturpark Bayerischer Wald
Nationalpark Bayerischer Wald
Passauer Land

22 leichte Wanderungen und 28 mittelschwere Touren sind zu finden. Der überwiegende Teil ist auch für Kinder geeignet. Von Cham im Norden bis Passau im Süden wird der ganze Bayerische Wald erwandert. Berge und Aussichtstürme, Wasserfälle und Wege an Flüssen entlang, Nationalpark-Tierfreigelände und Felsenlabyrinth, Steinernes Meer und Baumwipfelpfad - so facettenreich ist der Bayerische Wald! Kurze und längere Wanderungen und sogar mehrtägige Touren (z.B. die große Nationalparkdurchquerung) sind hier zu finden.
Kartenausschnitte und Höhendiagramme ermöglichen eine rasche Orientierung. Bei jeder Route wird auf Anforderungen, Höhenunterschiede, Einkehrmöglichkeiten (wenn vorhanden) und Varianten hingewiesen. Oft ergänzen weitere Tipps die Beschreibung des Wanderweges. Schließlich werden die einzelnen Stationen kurz und prägnant beschrieben. Viele Farbfotografien vermitteln einen ersten Eindruck von den vorgestellten Wanderungen.
Enthalten sind z.B. die Wanderungen “Durch das Lixenrieder Felsenlabyrinth zum Dachsriegel”, “Kaitersberg-Arber-Hochtour”, “Kleiner Arbersee”, “Über die Rißlochfälle zum Großen Arber”, “Felsen am Teufelstisch”, “Ruine Weißenstein auf dem Pfahl”, “Brotjacklriegel”, “Wackelstein und Steinernes Kirchlein”, “Dreisessel und Steinernes Meer”, “Spuren der Holztrift im Waldgeschichtlichen Wandergebiet”, “Nationalpark-Tierfreigelände und Baumwipfelpfad”, “Höllbachspreng und Großer Falkenstein”, “Auf Uferwegen durch das Ilztal”, “Zur Panomaraaussicht im Berggasthof Gut Lichtenau”, “Durch die Saußbachklamm und ein Gartenschau-Rundweg” u.v.m.
Viele grenznahe Wanderungen ermöglichen auch einen Kurzausflug in die Tschechische Republik!

Fazit: Ob Tourist oder Einheimischer, Natur- oder Kulturfreund, Wanderprofi oder Anfänger - der Wanderführer Bayerischer Wald hält für jeden eine Menge Tourenvorschläge bereit. Die Strecken sind abwechslungsreich und hervorragend beschrieben, das Format ist perfekt - das Buch passt in eine Hosentasche. Hier bleiben keine Wünsche offen!

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Eva Krötz und Nikolaus Pollmann (Autoren)
Rother Wanderführer Bayerischer Wald. Cham - Bodenmais - Zwiesel - Freyung - Passau. 50 Touren
www.rother.de
200 Seiten mit 95 Farbabbildungen

Buchtipp: Entdeckertouren Bayerischer Wald

25. März 2011 sgruen Keine Kommentare

Wandern im größten Waldgebirge Europas

(Sigrid Grün)

Der Völkerkundler, Redakteur und Autor Herwig Slezak beweist in seinem neuesten Buch, dass Ostbayern gerade für Wanderer immer eine Reise wert ist. Neben dem Naturerlebnis Bayerischer Wald hat die Region auch kulturell und kulinarisch interessierten Gästen eine Menge zu bieten.
In einer kurzen Einführung erläutert der Autor Lage, Geologie, botanische Besonderheiten, sowie die kulturelle Entwicklung des Bayerwaldes. Auf drei Seiten fasst Slezak die wichtigsten reisepraktischen Informationen zum stressfreien Wandern im Bayerischen Wald zusammen. Anschließend kann man sich auf 30 interessante Touren freuen, die nach den Schwierigkeitsstufen “leicht”, “mittel” und “schwierig” eingeteilt sind.
Fast zwei Drittel (19 von 30) Touren sind auch für Kinder geeignet.
Die Touren sind weitgehend als Rundwege konzipiert, so dass man bequem zum Ausgangspunkt zurückkehren kann. Zwischen 1 ein Viertel und 6 Stunden reiner Wanderzeit kann man wählen. Sehr schön ist, dass auch die angrenzende Tschechische Republik nicht ausgeschlossen wird: Die Tour Nummer 5 führt den Wanderer zum Beispiel zum größten Natursee Tschechiens (den Cerne jezero, den Schwarzen See). Mit Hilfe des jeweiligen Kartenausschnittes und der exakten Wegbeschreibung kann man sich auch als unerfahrener Wanderer gut orientieren.
Die Auswahl der Routen ist sehr gelungen und abwechlsungsreich. Der Autor weist auch auf Besonderheiten abseits des Pfades hin.
In Infokästen findet man Wissenswertes zur Region, Hinweise zum Tourencharakter, zu Ausgangs- und Endpunkt, Anfahrt, Gehzeiten, Markierungen, Einkehrmöglichkeiten u.v.m.)
Vom Hohen Bogen (östlich von Cham) im Norden, bis zum Erlautal (östlich von Passau) im Süden führen die Touren quer durch Vorderen und Hinteren, Oberen, Mittleren und Unteren Byerischen Wald.
Slezaks schön bebilderter Wanderführer bietet eine Vielzahl neuester Besichtigungstipps - z.B. den 2009 errichteten Baumwipfelpfad am Infozentrum Lusen oder den “Waldwipfelweg” von Maibrunn in der Nähe von St. Englmar.

Schier unendliche Wälder, plätschernde Bäche, zahlreiche Seen, 130 Gipfel und die “schönsten Geotope” Bayerns hat die Region unter anderem zu bieten: Also, nix wie hin!

Herwig Slezak (Autor)
Entdeckertouren Bayerischer Wald. 30 genussvolle Rundwege in wilder, ursprünglicher Natur

www.bruckmann.de
144 Seiten

“Eine neue Zeit bricht an”

20. Juli 2010 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Der Traum vom Fliegen begleitet den Menschen schon seit jeher. Mit ihm verknüpft sich stets auch der Freiheitsgedanke.

Blanchard in schwindelnder Höhe

Blanchard in schwindelnder Höhe

Auf der Burg Falkenstein wird seit Juni ein Stück gespielt, das den ersten bemannten Ballonflug mit den Ereignissen im Vorfeld der Französischen Revolution in Beziehung setzt. Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? von Pit Holzwarth erzählt die Geschichte von Jean Pierre Francois Blanchard (verkörpert von Michael Schmidbauer), der im Herbst 1783 als erster Mensch mit einem Ballon die Erdanziehung überwunden hat. Der Luftfahrpionier sorgt für Begeisterung auf der einen, Furcht auf der anderen Seite. Während der Philosoph und Freigeist Marquis de Condorcet (Holger Radetzky) zur Feier des Tages einen Champagner köpft, kann die Pariser Kellnerin Joseline kaum glauben, was ihr berichtet wird.

Der verbotene Traum vom Fliegen

Der verbotene Traum vom Fliegen

Doch während Blanchard einen euphorischen Höhenflug nach dem nächsten absolviert, muss die bäuerliche Bevölkerung Frankreichs Hunger leiden und sich auch noch immer wieder neue Schikanen der adeligen Landesherren gefallen lassen. Die Familie Potaff wird sogar an Weihnachten vom eigenen Hof vertrieben, weil sie die Steuerschulden nicht mehr bezahlen kann.

Der finstere Abt

Der finstere Abt

In einem nahegelegenen Kloster träumt der Jesuitenpater Josquin (kongenial umgesetzt von Armin Eigenstetter) währenddessen ebenfalls vom Fliegen. Die Zeit - es wird eine Atmosphäre irgendwo zwischen Der Name der Rose und Monty Python heraufbeschworen - ist dafür allerdings alles andere als günstig. Der fanatische Abt Marcellus (furios verkörpert von Dagmar Kölbl) schilt Josquin einen abtrünnigen Sünder, fordert vehement Demut und verordnet Gebetsgesänge.
Die Not der Landbevölkerung holt Blanchard indessen auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Angesichts des grassierenden Elends der französischen Bauern und der himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die den Adeligen alle Rechte einräumen und jene des Volkes zusehends beschneiden, zieht sich der Flugpionier immer mehr zurück und versinkt schließlich in der Depression. Allein die Kellnerin Joseline, in deren Gasthaus Blanchard untergekommen ist, steht ihm in dieser schwierigen Zeit des Zweifels bei. Als schließlich ein Kakaohändler mit einem lukrativen Angebot lockt, beschließt der Erfinder und Ballonflieger aber doch, erneut eine Fahrt zu unternehmen - mit dem Ziel Versailles…

Blanchard, Kakaohändler Duport und Joseline

Blanchard, Kakaohändler Duport und Joseline

Was für ein überbordendes Stück hat der Regisseur Till Rickelt hier inszeniert! 27 spielfreudige Darsteller/innen begeistern das Publikum in aufwändigen Kostümen. Da geht es Schlag auf Schlag, bisweilen wird ein Gag nach dem nächsten abgefeuert und vom Scheitel (extravagante Perückenmode) bis zur Sohle (die rosa Pantöffelchen der Marquise) stimmt hier jedes kleinste Detail. Und wieder gibt es ein multifunktionales Bühnenmobiliar, das mal Ballonfahrerkorb, mal Bett, dann Altar oder Tisch ist. Es geht herrlich unverkrampft und unverschämt zu, z.B. wenn kurzerhand eine Seite aus dem Gebetsbuch gerissen wird, um darauf einen Brief an den König zu notieren.
In einem Stück über die französische Revolution dürfen freilich auch die Volksszenen nicht zu kurz kommen. Diese wirken durch ihre enorme Dynamik sehr authentisch und durch das Mitwirken des Publikums wird die Sache sogar noch spannender.
Die große Frage, die man sich stellt, bevor man das Stück gesehen hat, lautet natürlich: Wie wird das mit dem Fliegen gelöst?
An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Der Ballon steigt tatsächlich höher und höher in die Wolken auf. Man muss es einfach erleben!

"Es lebe der König!"

"Es lebe der König!"

Fazit: Ein Stück, hinter dem viel mehr als reiner Spaß und Unterhaltung stecken. “Eine neue Zeit bricht an. Und ich will dabei sein!” dieses Zitat aus Holzwarths Theaterstück würde sich hervorragend als Motto unserer Zeit eignen, man müsste es nur wagen zu fliegen!

www.burghofspiele-falkenstein.eu

Veranstaltungstipp: Burghofspiele Falkenstein

11. Juni 2010 sgruen Keine Kommentare

Der Traum vom Fliegen

(Sigrid Grün)

Am kommenden Samstag wird im Innenhof der Falkensteiner Burg die Premiere des Stückes Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? stattfinden.

Nach mehreren Shakespeare-Stücken und den Abenteuern des Odysseus inszeniert Regisseur Till Rickelt nun ein relativ unbekanntes Stück, in dem es um den Traum vom Fliegen in den Zeiten der beginnenden Französischen Revolution geht. Man kann gespannt sein!

Vom 19.6 bis zum 31.7 spielt die Falkensteiner Truppe das Stück mehrfach. Die lauschige Atmosphäre im Burghof sollte man sich nicht entgehen lassen!

Termine, Preise und Anfahrtsweg finden Sie unter www.burghofspiele-falkenstein.eu

Buchtipp: Streifzüge durch den Bayerischen Wald

20. Januar 2010 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Dem Bayerischen Wald unterstellte man ja früher eine gewisse Abgelegenheit - hinter den Bergen bei den sieben Zwergen oder so ähnlich. Dass sich hier auch schon in vergangenen Zeiten bei weitem nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht gesagt haben, zeigt Rudolf Reiser nun eindrucksvoll in seinem neuen Buch Streifzüge durch den Bayerischen Wald auf.

Ja sapperment, der Lenin im Bayerwald?! Und der Nietzsche auch? Na gut, der war da zwar geistig schon jenseits von Gut und Böse, aber auf alle Fälle da! Und noch ganz andere Geistesgrößen und wichtige Gestalten der Weltgeschichte. Ganz berühmt ist zum Beispiel der Chamer Nikolaus Luckner, der später Marschall von Frankreich wurde und dem tatsächlich die Marseillaise gewidmet worden ist. Das muss man sich mal vorstellen - wenn am 14. Juli in Frankreich die Feuerwerke die Nacht erhellen und aus unzähligen Kehlen “Allors enfants de la Patrie!” erklingt, singen die eigentlich alle für einen waschechten Ostbayern. Schon beeindruckend!
Oder Willy Brandt. Der erholte sich weiland ausgesprochen gerne in Grafenau. Extra für ihn wurde sogar ein Schreibtisch samt Stuhl “nach [seinen] genauen anatomischen Maßen” angefertigt, die beide in der “Kanzlersuite” seines Hotels (Sonnenhof) aufgestellt worden sind.

Rudolf Reisinger erzählt aber nicht nur von Berühmtheiten, die aus dem Bayerwald kommen oder ihn mal besucht haben. Er zeichnet auch seine Entwicklung nach. Vom bigotten Schnupferparadies, das von zweifelhaften Predigern mit einer ausgesprochenen Doppelmoral regiert wird, zum modernen, weltoffenen Weltnaturerbe, das sich sehen lassen kann. Streifzüge durch den Bayerischen Wald greift viele (kultur)geschichtliche Themen auf, die ebenfalls klar machen, welche Entwicklung dieser schöne Flecken Erde durchgemacht hat.

Eine interessante, spannende und oft überraschende Lektüre, die den Leser von Donaustauf bis vor die Tore von Passau mitnimmt.
Sehr zu empfehlen!

Rudolf Reiser (Autor)
Streifzüge durch den Bayerischen Wald. Das heimliche Weltnaturerbe - seine Geschichte und Gäste
www.mz-buchverlag.de
160 Seiten für 14,90 Euro

Wallfahrtskirche Heilbrünnl bei Roding

26. August 2009 sgruen Keine Kommentare

Kirche mit eigener Quelle

(Sigrid Grün)

Westlich von Roding befindet sich an einem Uferhang des Regens eine ganz besondere Kirche, die viele Besucher anlockt.  “Heilbrünnel”, oder früher “Hochbrünnel” genannt, heißt die hochgelegene Wallfahrtskirche, die im 17. Jahrhundert mitten im Wald errichet wurde. In der Mitte des Kirchenschiffes steht ein ovales, gebuckeltes Brunnenbecken aus rot-weiß gesprenkeltem Marmor. In dieses Becken ergießt sich das Quellwasser des Heilbrünnls, dem große Heilkraft nachgesagt wird.

Hauptaltar mit Andachtsbild

Hauptaltar mit Andachtsbild

Der Name der Wallfahrtskirche weist bereits auf die Entstehung des Kultes hin. Ein Hirte, der seine Schafe in den Abendstunden an der Quelle trinken ließ, entdeckte im Wasser ein Bild der Muttergottes. Er wollte danach greifen, doch das Bild entglitt ihm immer wieder. Noch am gleichen Tag berichtete er dem Rodinger Pfarrer von seinem Erlebnis. Dieser begab sich am nächsten Tag in feierlicher Prozession zur Quelle und nahm das Marienbild aus dem Wasser. Schnell wurde ein Bildstock errichtet. 1668 folgte eine Kapelle, die von vielen Kranken besucht wurde, die sich Heilung erhofften. Bald ist der Andrang so groß, dass die Kapelle 1684 erweitert werden muss. 1730 entstand der Rokokobau, wie wir ihn heute kennen. Die Ausstattung ist für Rokoko-Verhältnisse relativ gediegen - man wird von der Pracht nicht gleich “erschlagen”. Betritt man die Wallfahrtskirche, überkommt einen ein heimeliges Gefühl. Die Lage inmitten des Waldes und die leise murmelnde Quelle lassen den Besucher zur Ruhe kommen.

Aus einer Kreuzwallfahrt (Christuswallfahrt), auf die noch ein Kreuzbild im linken Seitenaltar hinweist, ist hier eine Marienwallfahrt entstanden.
Das Gnadenbild der Muttergottes, eine Ikone aus dem 17. Jahrhundert, bildet den Mittelpunkt des Hochaltares, der von vier Säulen verziert wird. Zwei große Engel halten es empor, darüber befinden sich zwei Putten, die einen roten Vorhang fernhalten. Das Gnadenbild ist eine Kopie des Gnadenbildes der Alten Kapelle in Regensburg. Dieses wiederum ist dem berühmten Gnadenbild “Salus populi Romani” in der Basilika S. Maria Maggiore in Rom nachempfunden.
Joachim und Anna, die Eltern Mariens, flankieren das Marienbild. Die überlebensgroßen Figuren stammen übrigens aus dem nahegelegenen Kloster Reichenbach.
Im linken Altar befinden sich der heilige Florian, der Feuerschutzpatron, der heilige Josef mit dem Zimmermannswerkzeug sowie der Apostel Petrus mit Kreuz und Schlüssel.
Am rechten Seitenaltar bildet das Bild des heiligen Sebastian den Mittelpunkt. Daneben ist die heilige Irene zu sehen, die den Märtyrer gepflegt hat. An dieser Stelle hat sich früher ein Pestbild befunden, das allerdings nach Prag verkauft wurde. Die Figuren des Apostels Paulus (mit Schwert und Buch), des heiligen Wendelin und des heiligen Leonhard schmücken ebenfalls den rechten Seitenaltar. Im 19. Jahrhundert war am Heilbrünnl noch der Leonhardiritt üblich.

Eine Bilderfolge an der Orgelempore erzählt von der Entstehung der Wallfahrtskirche.

Entstehungsgeschichte der Wallfahrt

Entstehungsgeschichte der Wallfahrt

Vor allem an den “Frauentagen”, d.h. an den Sonntagen um Maria Heimsuchung, Maria Magdalena, Mariä Aufnahme in den Himmel und Maria Geburt, pilgern zahlreiche Gläubige zum Heilbrünnl.

Neben der Kirche befindet sich eine Gaststätte, vor der Kirche ist der große Marienbrunnen zu sehen. Wer 10 Pfennige bereit hält, kann sogar die Forellen füttern. Außerdem gibt es noch eine sehr gut gepflegte Kneipp-Anlage, die den Besuchern eiskalte Arm- oder Fußbäder ermöglicht.
Die Wallfahrtskirche Heilbrünnl ist eine besonders beeindruckende Andachtsstätte - ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.

Forellenfutter nur 10 Pfennig!

Forellenfutter nur 10 Pfennig!

Buchtipp: Naturschatz Bayerischer Wald

18. August 2009 sgruen Keine Kommentare

Kreuz und quer durch eine der schönsten Regionen Europas

(Sigrid Grün)

Wilfried und Lisa Bahnmüller haben bereits mehrere Bücher über Ostbayern publiziert. Unter anderem über Regensburg, Passau und über die bayerische Donau. Nun liegt endlich auch ein Band über den Bayerischen Wald vor.
Darin geht es um Natur und Kultur, um die märchenhafte Landschaft und um Kirchen, Klöster und (ost)bayerische Bräuche.
In einer mehrseitigen Einführung widmen sich die Autoren der Geschichte des Bayerischen Waldes und erklären die Route, der sie im Bildband folgen werden.
Die Rundfahrt ist in drei Abschnitte gegliedert. Von Regensburg aus geht es donauabwärts Richtung Passau. Donaustauf, die Benediktinerabtei Frauenzell, Brennberg, Falkenstein, Straubing, das Prämonstrantenkloster Windberg, das Kloster Metten und die Abtei Niederaltaich sind nur einige Stationen, die einem auf dem Weg nach Passau begegnen.
Auf der Bundesstraße 85 geht es vom Dreiburgenland nach Rinchnach, über Regen, Viechtach, Kötzting, Cham und Roding, Nittenau und Regenstauf schließlich zurück nach Regensburg.
Die dritte Route folgt dem tschechischen und österreichischen Grenzverlauf. Von Rötz über Waldmünchen, Furth im Wald, Neukirchen, Bodenmais und den Großen Arber, Zwiesel, Frauenau und Spiegelau, Freyung und Ringelai geht es schließlich wieder nach Passau.
Der umfangreiche Bildteil zeigt eindrucksvolle Kirchenbauten, festliche Bräuche (Kötztinger Pfingstritt usw.) und natürlich die oft noch ursprüngliche Natur, für die der “Woid” bekannt ist.
Sowohl Touristen als auch Einheimische werden hier viele interessante Ausflugsziele finden, die jedem etwas zu bieten haben. Kunst, Kultur, Natur - der bayerische Wald ist immer eine Reise wert!
Eine ergänzende Karte wäre aus Gründen der Übersicht noch wünschenswert gewesen. Da es sich aber um einen Bildband und erst in zweiter Reihe um einen Reiseführer handelt, ist das auch nicht wirklich zu bemängeln.

Der deutsch-englische Paralleldruck macht aus dem Bildband auch ein tolles Gastgeschenk. Sehr zu empfehlen!

Lisa und Wilfried Bahnmüller (Autoren; Fotografen)
Naturschatz Bayerischer Wald. Landschaft - Kultur - Leute. Deutsch / Englisch
Bayerland Verlag
108 Seiten für 19,90 Euro