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Buch-Tipp: “untitled” von Joachim Bessing

14. April 2013 sgruen Keine Kommentare

Liebenderweise

(Sigrid Grün)

Was nützt die Liebe in Gedanken? Nichts, denn das soll sie auch überhaupt nicht. Aber, dass sie alles sein kann, in Zeiten von iPad und iPhone, das zeigt uns Joachim Bessing in seinem neuen Roman “untitled”, der so heißt wie das letzte von Martin Margiela kreierte Parfum, das nach Buchsbaum und Weihrauch riecht und ein bisschen wie der Aschenbecher vom Vorabend. “Untitled”, “ohne Betreff” steht auch über den Nachrichten, die sich die Liebenden in diesem Roman zusenden. Die überwiegend digitale Liebe, die trotz der Entkörperlichung so stark körperlich ist, dass der Schmerz schier unerträglich wird, ist Bessings großes Thema.

Vor einem Bücherregal in einer Berliner Privatwohnung kommen sie sich näher. Der Ich-Erzähler und J., die Philosophin Julia. Ein Büchlein über den antiken Philosophen Plotin (”Plo-tiehn!”) ist der erste Gesprächsgegenstand der beiden und dann wird auf dem Klo geküsst. Nein, nicht geküsst. Zahncreme wird “küssenderweise” aus dem Gesicht entfernt. Und das ist die größte Kusserfahrung, die der Erzähler jemals gemacht hat. Seelenverwandte haben sich gefunden. Doch Julia ist verheiratet und das möchte sie auf keinen Fall ändern. Und so nimmt die Geschichte den Lauf, den solche Geschichten eben nehmen. Man kennt es ja, vom Werther natürlich und von vielen anderen.
Überlandflüge, Modeschauen, Drogen - das war die Welt des Modejournalisten bis zu diesem denkwürdigen Moment vor dem Berliner Bücherregal. Von da an ist seine Welt Julia. Alles andere rückt in den Hintergrund. Tausende Nachrichten, (”Im Zweifel für den Zweifel!” lautet die erste), Songs und Fotos werden verschickt. Der jeweils andere ist stets gegenwärtig. Und wenn sie sich dann wirklich sehen wird phänomenal geküsst. Aber meistens sehen sie sich nicht im Real Life. Die Liebe ist überwiegend virtuell und so intensiv, wie Liebe nur sein kann. Ist das dann überhaupt noch Liebe, fragt der Protagonist einmal seine Therapeutin, oder ist es schon Wahn? Auf alle Fälle ist es irre intensiv und es kostet fast das Leben, das nur noch Julia ist. Wie ist es, wenn man alles verliert und da nur noch Schmerz zu sein scheint, wenn nicht nur das iPhone, sondern auch noch das Gesicht zerbricht? Joachim Bessing lässt seinen digitalen Werther davon erzählen. Viel hat sich nicht geändert, am Leiden an der Liebe. Nur können wir mittlerweile ganz anders daran teilhaben. Joachim Bessing ist ein Roman gelungen, der unsere Zeit und das alles verschlingende Thema Liebe so präzise einfängt, dass es schlichtweg nicht möglich ist, sich der Geschichte zu entziehen. Unbedingt lesen!

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Joachim Bessing (Autor)
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www.kiwi-verlag.de
304 Seiten

Buch-Tipp: Rund um Regensburg - Rother Wanderführer

12. April 2013 sgruen Keine Kommentare

Der beste Wanderführer für die Region

(Sigrid Grün)

“Rund um Regensburg” ist der vierte Wanderführer der Autorin Eva Krötz. Die passionierte Wandererin und Radfahrerin wurde zufällig Autorin. Als sie auf der Suche nach einem guten Wanderführer für den Oberpfälzer Wald war, wandte sie sich an den Rother Verlag, der für seine guten Wanderführer bekannt ist. Da das Gebiet damals noch eine weiße Fläche auf der Rother-Deutschlandkarte war, fragte der Verlag gleich nach, ob Eva Krötz nicht selbst einen Wanderführer für die Region verfassen wolle. Nachdem sie eine Beispieltour (”Steinerne Wand”) entworfen und dem Rother Verlag zugeschickt hatte, war schnell klar, dass sie den Wanderführer machen würde. Die Überarbeitung des Wanderführers “Bayerischer Wald” und der neue Band zum “Goldsteig” folgten. Nun widmet die Regensburger Autorin sich der Region rund um ihre derzeitige Heimatstadt. Auf 52 Touren führt sie uns durch die Domstadt (Tour 1) und durch das abwechslungsreiche Umland.
Dabei gelingt es ihr, die Vielfalt dieser Region pefekt einzufangen. Von den anmutigen Landschaften im Altmühl- und Labertal, über stadtnahe Wanderungen, Donaurandbruch und Gäuboden bis hin zu den urigen Landschaften des Bayerwaldes und dem Hollertauer Hopfenland ist alles dabei. Eva Krötz, die seit ihrer Kindheit wandert und ihre Leidenschaft zum Beruf machen konnte, hat für jeden Geschmack die passende Wanderung parat. Ob mit Kindern (diese Strecken sind besonders abwechslungsreich, so dass keine Langeweile aufkommt - etwa die Kolmberger Steinewanderung, bei der man zahlreichen Fantasiegestalten aus Stein begegnet - Tour 14), anspruchsvoll (z.B. mit abschüssigen Wegen), kurz (1,5 Stunden) oder lang (knapp 7 Stunden) - 52 Touren mit zahlreichen abwechslungsreichen Varianten abseits der offiziell markierten Wanderwege bieten jedem die Möglichkeit, die Region wandernd zu erkunden.
Jede Wanderung ist ausführlich beschrieben - insbesondere die Varianten abseits der markierten Pfade versprechen dabei besondere Erlebnisse. Die Ausgangspunkte sind häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Höhenunterschiede, Anforderungen, Einkehrmöglichkeiten und zusätzliche Tipps (etwa zu besonderen Sehenswürdigkeiten an der Strecke) ergänzen die Tourbeschreibung. Zahlreiche Farbfotos, Kartenausschnitte und Höhenprofile vermitteln sehr gut, was auf einen zukommt. Besonders sympathisch sind die Fotos, von denen so manches dem Betrachter ein Lächeln auf die Lippen zaubert, etwa, wenn die Autorin vergeblich versucht, den “Wackelstein” hoch über dem Regental (Tour 20) zu bewegen - das Geheimnis ist, dass man sich einfach auf den Stein stellen muss!
Die GPS-Tracks für alle Wanderungen kann man sich beim Verlag kostenlos (mit Passwort) herunterladen.

Mittlerweile arbeitet Eva Krötz schon an neuen Projekten. Derzeit bereitet sie ein Wanderbuch für den Bayerischen Wald vor, das im Rother Verlag in der Reihe “Wandern & Einkehren” erscheinen wird. Deshalb hofft sie auf viele Sonnentage im Mai, denn dann wird sie die Wanderungen entwerfen und die Fotos machen. Die Lieblingstour der Autorin ist übrigens die Kaitersberg-Arber-Hochtour, die härteste Tour hat sie im Rahmen der Goldsteig-Wanderung absolviert. 30 Kilometer an einem Tag und dazu noch das frühe Aufstehen sind wahrlich kein Spaziergang! Auf ihren Touren erlebt sie aber auch häufig Lustiges, vor allem dann, wenn ihr Wanderer mit einem ihrer Führer begegnen. Manchmal spricht sie diese Leute an, erwähnt aber nie, dass sie die Autorin des kompakten roten Büchleins ist, das ihr Gegenüber in Händen hält.
Ein Jahr lang hat Eva Krötz für den neuen Wanderführer recherchiert. Jedes Wochenende waren sie und ihr Mann gemeinsam unterwegs. Das Wetter spielt für sie keine große Rolle. Viele Strecken sind bei jeder Witterung reizvoll. Für den dieses Jahr spät anbrechenden Frühling empfiehlt die Autorin die lieblichen Landschaften des Bayerischen Jura - etwa über den Alpinen Steig zur Ruine Loch (Tour 35). An den Kalkmagerrasenhängen blühen zur Zeit die Küchenschellen. Auch die Kuppenalb (Wanderung zur Wallfahrtskirche am Habsberg - Tour 39) sei derzeit besonders zu empfehlen. Am Wochenende soll es perfektes Wanderwetter geben - Eva Krötz’ neuer Wanderführer ist der perfekte Begleiter für einen Ausflug in die Region!

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Eva Krötz (Autorin)
Rother Wanderführer. Rund um Regensburg. Bayerischer Jura - Vorderer Bayerischer Wald.
www.rother.de
223 Seiten; 187 Fotos

Buch-Tipp: Der Komet

6. März 2013 sgruen Keine Kommentare

Was wäre wenn…?

(Sigrid Grün)

… der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand nach dem ersten (gescheiterten) Attentatsversuch in Sarajewo kehrt gemacht hätte und nicht der Erste Weltkrieg losgebrochen wäre? Auch nicht der Zweite Weltkrieg und der Kalte Krieg? In dieser Geschichte ist Franz Ferdinand vernünftig: “Ich bin doch ned deppat, i fohr wieder z’haus!”, entscheidet er und das Habsburgerreich, Europa und der unbedeutende Rest der Welt haben das ganze herrliche 20. Jahrhundert vor sich… Was bedeutet das? Das gute alte Europa ist ein Kontinent voller Kultur, Juden und Psychoanalytiker, Deutschland ist führende Forschernation, der Mond preußische Kolonie, Wien ist das Zentrum der Welt - der Wiener Schmäh allgegenwärtig - und Amerika ein unbedeutender Kontinent, der von Hinterwäldlern und Cowboys beherrscht wird, die gerne mal ein dubioses Getränk namens Loka Koka (oder so ähnlich) konsumieren. Anglizismen? Fehlanzeige! Ein langhaariger Finne aus Karelien erfindet ein “tragbares, von einer Batterie betriebenes Telefon” und nennt es matkapuhelin - ein ins Deutsche schier nicht übersetzbares Wort.

Und zwei Menschen träumen ein Jahrhundert, das ganz anders verläuft als es in der Realität dieser Geschichte der Fall ist. Biehlolawek und D. in Grusinien sehen Nacht für Nacht im Traum Tod und Vernichtung, Kriege und Deportierte. Sie sehen Unfassbares, das ihren Psychoanalytikern kalte Schauer über den Rücken jagt. ‘Wie kann man nur von solch grotesken Alpträumen heimgesucht werden?’, fragt man sich in Wien und in Georgien. Dabei sind die beiden Analysanden völlig unbedeutende Personen. Biehlolawek soll zwar einen geisteskranken Großvater namens Hüttler gehabt haben, der sich als Porträtpostkartenmaler verdingte, der georgische D. soll mit einem ehemals kriminellen Poeten verwandt sein. Aber wirklich aufschlussreich ist das ja nicht…

Und dann droht Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich das Unheil über diese ganze wunderbare Welt hereinzubrechen. Der Wiener Hofastronom Dudu Gottlieb wird in die preußische Kolonie auf dem Mond beordert und dort erfährt er, dass ein Komet erwartet wird. Währenddessen vergnügt sich seine Ehefrau Barbara mit dem unscheinbaren Jüngling Alexej von Repin. Als der Kaiser den Untergang der Welt proklamiert, versinken manche in der Depression und andere werden von einem seltsamen Endzeitaktionismus heimgesucht…

Hannes Stein ist mit diesem klugen und amüsanten Buch ein wunderbares Gedankenexperiment gelungen, dessen Lektüre einfach ein großer Spaß mit vielen Aha-Erlebnissen ist. Es gelingt ihm, den Charme der Donaumonarchie so fabelhaft ins anbrechende 21. Jahrhundert herüberzuretten, dass es eine wahre Freude ist, sich in die von ihm beschriebene Zeit hineinzuversetzen. Die vielen kleinen Anspielungen lassen den Leser nicht selten laut auflachen und über das grausame 20. Jahrhundert nachdenken, das so ganz anders hätte laufen können. Ein Leseerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

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Hannes Stein (Autor)
Der Komet
www.galiani.de
272 Seiten

Wirtshauskultur in der Oberpfalz

16. Februar 2013 lweser Keine Kommentare

Buchvorstellung: 50 historische Wirtshäuser in der Oberpfalz

In Genuss mit Geschichte werden 50 historische Wirtshäuser in ganz Bayern vorstellt. Nun gibt es, herausgegeben vom Oberpfälzer Kulturbund, auch einen historischen Wirtshausführer speziell für die Oberpfalz. Wieder werden 50 Gasthäuser vorgestellt. Wieder wurden die Artikel von verschiedenen Autoren (31 genau) aus der Heimat-, Denkmal- und Archivpflege geschrieben. Von Waldsassen bis Mintraching, von Gnadenberg bis Bad Kötzting sind solche Kleinode zu finden. Geordnet sind sie grob geographisch (entgegen dem Uhrzeigersinn, startend bei ca. 10.30 Uhr). Die Karte auf der hinteren Innenseite hilft bei der Orientierung.

Als sich Wirt Löschenkohl im Knochenmann weigert Brenner zu bedienen, sagt letzter ironisch: „Hier ist der Gast noch König.“ Löschenkohl antwortet: „Das ist kein Gasthaus, das ist ein Wirtshaus.“ In den 50 hier vorgestellten Wirtshäusern wird es Ihnen hoffentlich nicht so ergehen.

Auf drei bis vier Seiten werden die einzelnen Lokale mit kurzem geschichtlichen Abriss, baulichen Änderungen, sowie mit zahlreichen Fotos vorgestellt. Dabei erfolgt meist auch eine kurze Beschreibung der Umgebung, der Stadt- oder Gemeindegeschichte, der Prägungen und vorherschenden Traditionen.
Am Ende gibt es jeweils eine kurze Zusammenfassung mit Adresse, Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Besonderheiten, wie z.B. dem Prädikat „musikantenfreundliches Wirtshaus“. Das muss kurz erklärt werden, was leider im Buch nicht geschieht. Nach Steiermarkschen Vorbild, die zur Belebung alter Tradition bereits 1980 die Initiative einführten, wurde in Niederbayern und der Oberpfalz 1996 das Konzept aufgegriffen. Mit dem Siegel werden Wirtshäuser ausgezeichnet, die Musiker für Speis und Getränke in ihren Räumlichkeiten spielen bzw. proben lassen. Damit soll das spontane (nicht gewerbsmäßige) Singen und Spielen in den Lokalitäten gefördert werden. Mittlerweile wurden über 500 Wirtshäusern in beiden Regierungsbezirken das Prädikat verleihen.
Ein gesondertes Kapitel widmet sich dem „Zoigl vom Kommunalbrauer“. Zoiglstuben, sind „Wirtshäuser auf Zeit“, die vor allem in der Nordoberpfalz verbreitet sind. Sie haben meist nur ein paar Tage im Monat geöffnet, immer dann wenn die Bürger auf Anwesen mit uralten Kommunalbraurechten ihr untergäriges, ungefiltertes Bier gebraut haben. Ganz uneigennützig verweist das Buch auf weiterführende Literatur, die sich vertieft mit den Zoiglstuben beschäftigt.

Das Buch bietet einen schönen Einblick in die lebendige Wirtshauskultur der Oberpfalz. Lassen Sie sich inspirieren und machen Sie sich auf. Es gibt sicher für Jeden noch ein paar schöne, alte Wirtshäuser zu entdecken. Oder vielleicht sieht man eine oft besuchtes Lokal plötzlich mit anderen Augen.

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50 historische Wirtshäuser in der Oberpfalz

herausgegeben von Oberpfälzer Kulturbund

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Verlag Friedrich Pustet
192 Seiten
durchgehend farbig bebildert
gebunden; 22,00 €

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www.verlag-pustet.de | www.oberpfaelzerkulturbund.de

Geschenkbuch-Tipp: Der viktorianische Vibrator

19. Dezember 2012 sgruen Keine Kommentare

Kurioses für den Gabentisch

(Sigrid Grün)

Wer noch auf der Suche nach einem besonderen Geschenk ist, sollte sich dieses Buch näher anschauen! Vor allem Männer, die nicht selten recht heikle Leser sind, werden an dieser Lektüre sicher Freude haben!

Worum geht es? Radioaktive Zahncreme, Musikhören übers Telefon, Röntgenstrahlen als unterhaltsamer Zeitvertreib für Kinder und galvanisierte Leichen fürs Wohnzimmer? Hört sich alles ziemlich verrückt an. Wenn man dann noch herausfindet, dass ernsthaft geplant wurde Nordsee und Mittelmeer trocken zu legen, um die neu gewonnenen Flächen für Landwirtschaft und Verkehr zu nutzen, wähnt man sich endgültig im Tollhaus angelangt. Aber nein: Wir befinden uns einfach nur im Europa und Amerika des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in jener Zeit als der “Fortschritt” förmlich explodierte (was bekanntermaßen auch oft wirklich der Fall war!). Wissenschaft bizarr mag man denken, aber wenn man den enormen Fortschritt und auch den Glauben daran sieht, wie er im “Viktorianischen Vibrator” vorgestellt wird, wird einem auch klar, dass das Übermaß neuer Erkenntnisse nicht nur der Wissenschaft den Kopf verdrehen musste - plötzlich erschien alles möglich, dank Elektrizität und neuen Wegen der Kommunikation. Erstaunlich ist besonders der Weg der Elektrizität, die zunächst zu kaum etwas anderem Nutze war, als auf dem Jahrmarkt den Ladies die Haare zu Berge stehen zu lassen. Erst langsam und über verschlungene Pfade kam man dahinter, welches Potential hier verborgen lag. Aber auch hier spielten damals wie heute Scharlatanerie (zahlreiche Beispiele aus der Medizin), gefährliches Halbwissen und besonders die Lust an der Unterhaltung eine gewichtige Rolle. Im Buch wird auch deutlich, dass es bei Erfindungen sehr oft einfach nur darum geht, Geld zu machen und wenn sich die Sache gut vermarkten lässt, steht ein schnöder Plagiator schließlich als Wohltäter der Menschheit da. Frank Patalong, Autor und Journalist beim Spiegel, hat hier ein sehr gut untersames wissenschafts- und wirtschaftsgeschichtliches Buch geschrieben, das durchaus auch kritische Blicke auf unsere heutige Zeit aufwirft. Zum Beispiel ist die Entwicklung der modernen Kommunikationsmedien bisher kaum den Kinderschuhen entwachsen und wird sicher in späteren Zeiten bei unseren Nachfahren das ein oder andere Schmunzeln hervorrufen. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man, dass man nie weiß wohin die Reise geht, was heute noch Spielerei ist, kann der große Wurf der Zukunft sein und was heute das große Ding zu sein scheint, gefährlicher Unsinn. Es bleibt also immer spannend, genau wie dieses Buch…

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Frank Patalong (Autor)
Der viktorianische Vibrator. Törichte bis tödliche Erfindungen aus dem Zeitalter der Technik
www.luebbe.de
285 Seiten

Buchtipp: Kunstschuss - Die schönsten Fußballfotos aller Zeiten

15. Dezember 2012 sgruen Keine Kommentare

Magische Momente - 100 Jahre Fußballgeschichte vom Feinsten

(Sigrid Grün)

Fußball ist ein Sport, der immer schon große Geschichten produziert hat, die man nicht vergisst. In diesem Bildband findet man genau solche Geschichten. Besonders schön: Hier werden nicht nur die großen Geschichten von Maradona und Pele erzählt, sondern auch leise Geschichten, z.B. von Miss Casey, der englischen Lehrerin in Pumps, die ihren Schülern demonstriert, wie man einen richtigen Einwurf ausführt, oder zwei älteren Damen, die sich plötzlich in einem Fan-Auflauf wiederfinden und nicht wissen, wie sie nun über die Straße kommen sollen.

Das Buch zeigt magische Momente aus fast 100 Jahren Fußballgeschichte. Zu sehen sind englische, südamerikanische, deutsche, italienische und Szenen aus vielen anderen Ländern. Die Bilder erzählen Geschichten, zeigen die Emotionen, die der Ballsport freisetzt - mal schwelgt man in Erinnerungen an unvergessliche Momente, etwa an Fußballweltmeisterschaften, mal muss man lauthals loslachen, zum Beispiel beim Anblick von Mr. Bumble, dem Maskottchen vom FC Barnet, der vor einer Burgerbude ansteht oder von Torwart Gordon Banks, der einen Hund, der auf den Platz gelangt ist, einfängt. Sepp Maier ist ja bekanntlich an einer Ente gescheitert.

Zu sehen sind Spieler und Fans, Insassen einer Augenklinik, die gebannt der Übertragung eines Spiels im Radio lauschen, besondere Plätze (etwa mit einem schattenspendenden Baum in der Mitte) u.v.m.
Interessant ist auch die Einleitung, die u.a. von den Veränderungen erzählt, die sich in der Sportfotografie, speziell im Fußball, vollzogen haben. Während es früher problemlos möglich war die Spieler unter der Dusche oder sogar in ihrem Schlafzimmer (mit Blick auf den Pokal) abzulichten, hat sich das Verhältnis von Fotografen und Spielern sehr stark verändert. Zu oft wurde das Vertrauen missbraucht - heute ist vieles skandalträchtig, was früher völlig ok gewesen wäre, etwa rauchende Fußballer in einer riesigen Badewanne.

Reinaldo Coddou H., dem Mitbegründer der 11 FREUNDE ist hier eine bemerkenswerte Auswahl gelungen. Es ist kaum möglich, das Buch zur Seite zu legen, denn die Geschichten sind einfach zu vielfältig, bewegend, erheiternd. Unbedingt ansehen! Und wer noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für einen fußballbegeisterten Mitmenschen ist, sollte hier zugreifen - dieser Bildband macht einfach glücklich!

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Reinaldo Coddou H. (Herausgeber)
Kunstschuss. Die schönsten Fußballfotos aller Zeiten
www.editionpanorama.com
232 Seiten

Buchtipp: Die schönsten Langlaufgebiete. Bayerischer Wald

7. Dezember 2012 sgruen Keine Kommentare

Übersichtlicher Langlaufführer für die Region Ostbayern

(Sigrid Grün)

Ob klassisch, gemütlich oder sportlich - Langlaufen ist im Winter der perfekte Ausgleich und im Bayerischen Wald kann man in märchenhafter Umgebung beim Sport entspannen und etwas für die Kondition tun. Gerade die Region Ostbayern hat für alle Langlaufbegeisterten eine Menge zu bieten. Die passionierten Langläufer Rosemarie und Georg Loth haben nun einen übersichtlichen und ausgesprochen informativen Langlaufführer mit 50 ausgewählten Langlaufstrecken verfasst, der die Region von Regensburg bis Passau abdeckt, inklusive grenzüberschreitende Touren im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich.
Die 50 ausführlich beschriebenen Loipen umfassen die Gebiete Lamer Winkel, Zellertal, Sumava, Zwieseler Winkel, das Rachel-Lusen-Gebiet, das Dreiländereck und den Vorderen Bayerischen Wald. Auch die 150 km lange Bayerwaldloipe, die durch vier der genannten Regionen verläuft, wird ausführlich vorgestellt. Im Anhang werden praktischerweise auch noch zahlreiche Langlaufstrecken in Stadtnähe (Regensburg/Regensburger Wald, Straubing/Bogen/Deggendorf sowie Passau/Passauer Wald) in Kurzform aufgegriffen.
Auf mehreren einführenden Seiten gehen die Autoren auf Loipenauswahl und Planung, Verhalten und Sicherheit, Ausrüstung, Laufstil und Fahrtechnik (von klassisch über Skating bis hin zum Nordic Cruising) sowie auf die Langlaufregionen im “Woid” ein.
Die Loipen eignen sich sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Langlaufhasen - es wird nach den Schwierigkeitsgraden “leicht”, “mittel” und “anspruchsvoll” unterschieden. Jede Loipe wird kurz charakterisiert, anschließend werden Ausgangspunkt, Höhenlage, Steigungen, Streckenlänge/Laufstil, Laufrichtung, Orientierung, Anforderungen sowie Varianten aufgelistet. Besondere Hinweise, weitere Tipps, Einkehr- und Sehenswürdigkeiten sowie Infomöglichkeiten an Touristinformationen etc. ergänzen die Kurzinfos. Schließlich wird der Streckenverlauf genau beschrieben, so dass man sich als Sportler sehr gut orientieren kann und auch auf Gefahrenstellen und Kombinationsmöglichkeiten wird aufmerksam gemacht. Höhenprofil und Fotos, sowie Kartenausschnitte vermitteln einen guten ersten Eindruck von der Strecke.
In den Klappendeckeln sind eine Übersichtskarte der Region, sowie eine tabellarische Auflistung der vorgestellten Loipen abgedruckt, zudem die Kartenlegende und hilfreiche Informationen (Tourismusverbände, Infomöglichkeiten zu Loipenzustand und Schneeberichte, Wetterberichte, Notruf, Öffentliche Verkehrsmittel).
Dem Verlag und den Autoren ist mit diesem handlichen Büchlein ein sehr hilfreicher und übersichtlicher Langlaufführer für die Region “Bayerischer Wald” gelungen, der keine Wünsche offen lässt. Langläufer und alle, die es werden wollen, finden hier ein praktisches und unentbehrliches Helferchen für das traumhaft schöne Langlaufgebiet im Osten Bayerns.

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Rosemarie und Gorgh Loth (Autoren)
Die schönsten Langlaufgebiete. Bayerischer Wald mit angrenzendem Böhmerwald
www.rother.de
144 Seiten mit 80 Farbabbildungen

Buch-Tipp: Kunst und Psyche. Familienverhältnisse - von Tilmann Moser

24. Oktober 2012 sgruen Keine Kommentare

Künstler auf der Couch

(Sigrid Grün)

Tilmann Moser ist Psychoanalytiker und verfügt über reichlich Erfahrungen im Bereich Familien- und Paartherapie. Dieser Erfahrungsschatz und sein großes Interesse für Kunst haben ihn dazu veranlasst, sich dem Thema “Familienbeziehungen” zu widmen. Bilder sind ein Spiegel der Seele, sowohl des Künstlers als auch des Betrachters, bei dem sie bestimmte Reaktionen auslösen. Tilmann Moser gelingt es mit seinen tiefenpsychologischen Deutungen bekannter Kunstwerke einiges über die Zeit und den Entstehungshintergrund, aber auch über die Persönlichkeit des Künstlers auszusagen.
Wie hat sich das klassische Familienmodell in den vergangengen Jahrhunderten geändert? Ganz klar ist eine Entwicklung ablesbar. Während früher Großfamilien dominierten, findet man in der Moderne oft nur noch Paare - ohne Kinder oder nur mit ein bis zwei Nachkommen.
Auf 60 farbigen Abbildungen, die Kunstwerke als Ganzes oder im Detail zeigen, kann der Betrachter nachvollziehen, wie sich der Umgang der Künstler mit dem Thema Familie gewandelt hat - und wie sich eben auch das Bild von der Familie geändert hat. Welche Konflikte wurden früher ausgetragen und welche Probleme dominieren moderne Paar- und Familienkonstellationen?
Moser nähert sich dem Thema indem er Bildkomplexe thematisch zusammenfasst: “Die heilige Familie”, “Paarbeziehungen - Alles begann mit Adam und Eva”, “Familiendynamik - Glück und Verstrickung”, “Eltern und Großeltern” und “Familien im Elend”. Von der Barockmalerei, über Familienporträts aus der Zeit des Biedermeier und surrealistische Bilder bis hin zu zeitgenössischer Kunst (etwa Antje Stockers “Die innere Familie” von 2010) ist vieles vertreten.
Neben den historischen und biographischen Entstehungshintergründen lässt Tilmann Moser auch immer eine fundierte tiefenpsychologische Deutung in die Bildinterpretationen einfließen. Die Bildbeschreibungen und -interpretationen wirken dabei stets lebendig und sind sehr gut lesbar, nicht zuletzt, weil der Autor auf jeglichen psychoanalytischen Fachjargon verzichtet.

Fazit:
Tilmann Moser ist ein ausgesprochen spannendes Werk gelungen, das die Augen für ein Thema öffnet, das sowohl in der Kunst als auch in der Psychoanalyse eine wichtige Rolle spielt. Dabei kann ein psychoanalytischer Zugang die Kunstanalyse und die Betrachtung von Kunstwerken die Psychoanalyse erleichtern. Damit befruchten sich die beiden Zugangsweisen gegenseitig.

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Tilmann Moser (Autor)
Kunst und Psyche. Familienverhältnisse
www.belser-verlag.de
128 Seiten

Buch-Tipp: Träume in Zeiten des Krieges

21. Juli 2012 sgruen Keine Kommentare

“Vielleicht sind es Mythen ebenso sehr wie Tatsachen, die selbst in Zeiten des Krieges die Träume am Leben halten?”

(Sigrid Grün)

Ngugi wa Thiong’o, geboren 1938 in Kamirithu/Limuru in Kenia, gilt seit mehreren Jahren als heißer Anwärter auf den Nobelpreis für Literatur. Eines seiner bedeutendsten Werke ist Wizard of the Crow (dt. “Herr der Krähen”), eine großartige Satire, die den Typus des autokratischen afrikanischen Diktators in einzigartiger Weise umschreibt.

Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit hat - wie der Untertitel es ankündigt - die Kindheit und Jugend des Kenianers zum Thema. Von der Geburt in eine polygame Gemeinschaft hinein bis zum Eintritt in die Oberschule beschreibt der Autor den Alltag in der afrikanischen Provinz Limuru. Der kleine Ngugi wächst gemeinsam mit seinen Brüdern und vielen Halbgeschwistern bei seiner Mutter und weiteren Frauen seines Vaters auf dem väterlichen Grund und Boden auf. Nach innerfamiliären Konflikten und der Pleite des Vaters verlässt die Mutter das Haus und Ngugi und sein Bruder folgen ihr bald. Die Mutter kämpft sich als Alleinerziehende durch und möchte ihren Söhnen ein besseres Leben ermöglichen - durch Schulbildung. Sie stellt hohe Anforderungen und verpflichtet Ngugi dazu, stets sein Bestes zu geben. Dieser Wunsch treibt den Jungen an. Während er tagsüber als Teil einer traditionellen Bauernfamilie eine “normale” kenianische Kindheit durchläuft - mit selbstgebauten Schubkarren und vergnüglichen Kinderspielen, sitzt er nachts über seinen Aufgaben und gibt sein Bestes. Mit Erfolg. Denn er wird später an einer der renommiertesten Oberschulen des Landes aufgenommen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, der nicht nur durch die ärmlichen Verhältnisse und Konflikte im Elternhaus führt, sondern auch durch die schrecklichen Kriegsjahre, die geprägt sind von grausamen Festnahme- und Ermordungsaktionen des Regimes. Als sich der große Bruder der Mau-Mau-Guerilla anschließt, die für die Befreiung der Afrikaner kämpft, sieht sich Ngugi mit großen Ängsten konfrontiert. Denn er darf den Aufenthaltsort seines Bruders in den Bergen nicht verraten. Eines Tages gerät er gemeinsam mit seinem Schulfreund Kenneth in eine der gefürchteten Massenüberprüfungen, in deren Rahmen man von einem “gakunia”, einem Kapuzenmann, denunziert werden konnte - was eine Internierung oder gar die Ermordung durch die Soldaten zur Folge haben konnte. Die Ängste des Jugendlichen machen einem bewusst, welche unfassbaren Dinge damals in Kenia geschahen - und es erscheint als unerträglicher Hohn, dass diese schrecklichen Menschenrechtsverletzungen von der verantwortlichen britischen Regierung bis ins Jahr 2012 offiziell geleugnet wurden.
Ngugi wa Thiong’o hat ein wichtiges und ein berührendes Buch über seine Kindheit geschrieben. Anders als bei den Kindheitserinnerungen des nigerianischen Nobelpreisträgers Wole Soyinka steht nicht der kleine Junge im Mittelpunkt der Erzählung, sondern eher die Welt um diesen Jungen herum. Oft erzählt er fast nüchtern vom Leben in Kenia in den schweren Zeiten des Mau-Mau-Krieges. Andererseits sind manche Passagen sehr persönlich, etwa wenn es um seine Beschneidung geht. Vor allem ist “Träume in Zeiten des Krieges” aber eine Entwicklungsgeschichte, die aufzeigt, wie ein Junge, der einer traditionellen kenianischen Bauernfamilie entstammt und immer barfuß lief, in eine andere Welt gelangt - in jene der Oberschule und der Schuhe.
Thomas Brückner hat das Buch wunderbar übersetzt und mit einem sehr gelungenen und aufschlussreichen Nachwort versehen.
Fazit:
Träume in Zeiten des Krieges ist ein Buch, das ebenso berührt wie informiert. Es ist wichtig, Menschen wie Ngugi wa Thiong’o Gehör zu schenken, denn sie erzählen von einer Zeit, in der sich Ungeheuerliches zugetragen hat und die noch nicht lange zurückliegt. Und zugleich erzählt hier eine große Erzählstimme von einer Kindheit zwischen Mythen und Tatsachen in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

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Ngugi wa Thiong’o (Autor)
Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit
www.a1-verlag.de
264 Seiten

Buchtipp: Alois Nebel von Jarolav Rudis und Jaromir 99

22. Februar 2012 sgruen Keine Kommentare

Wenn der Nebel sich lichtet

(Sigrid Grün)

Eine abgelegene Eisenbahnstation im tschechoslowakisch-polnischen Grenzgebiet, Ende der achtziger Jahre: Alois Nebel, ein begeisterter Eisenbahner, ist hier Fahrdienstleiter. Eigentlich legt er seine Uniform nie ab und zwischen seinen Schichten liest er auf der Diensttoilette alte Fahrpläne und Kursbücher. Die Eisenbahn mit ihren klaren Regeln und Zeiten gibt ihm Sicherheit. Diese Sicherheit braucht er auch. Denn, immer wenn sich der Nebel um das alte Bahnhofsgebäude lichtet, tauchen die Geister der Vergangenheit hier auf. Dämonen des 20. Jahrhunderts, die per Bahn in den kleinen Ort einreisen. Einmal erscheint z.B. eine ganze Horde SS-Leute, die um Wasser bittet (allerdings in denkbar rüdem Ton), dann auch russische Soldaten auf der Jagd nach Deserteuren und schließlich Deutsche, die aus dem Land vertrieben wurden. Der Weg von Alois Nebel führt ihn jedenfalls in die Nervenheilanstalt, hier lernt er „den Stummen“ kennen, der es ihm schließlich möglich macht, auch zu seiner Vergangenheit Zugang zu finden und die Geister, die ihn heimsuchen zu bekämpfen. Die tschechische Graphic Novel kam ursprünglich in drei Teilen heraus – auf Deutsch ist sie jetzt in einem Band erhältlich.
„Alois Nebel“ schafft eine düstere, gleichzeitig aber auch lebendige, liebenswürdige Atmosphäre, die man einem solchen Genre, das vielleicht ein bisschen an den amerikanischen Film noir der 40er Jahre angelehnt ist, sonst eigentlich nicht zutraut. Das Buch verströmt einiges dieser ganz eigentümlichen Atmosphäre, die sich in Grenzregionen oft findet, man sieht sich ans Ende der Welt versetzt, gleichzeitig aber auch an einen Ort, an dem viele Menschen vorbeikommen und der für Geschichten gut ist. Von solchen Geschichten finden sich viele, die Zeit und Grenzen überschreiten in dieser Graphic Novel, die auch von den Bildern her einen besonderen Augenschmaus bietet. Die Scherenschnitte wirken sehr lebendig und stecken voller Andeutungen und Zeichen, auch sprachlich ist der Comic sehr gut gelungen, wobei man natürlich, wenn man tschechische Literatur ein bisschen kennt, vermuten kann, dass eine Übersetzung immer auch einiges an Sprachwitz einbüßen lässt. Mir hat die Lektüre der drei Teile von Alois Nebel (Weißbach / Hauptbahnhof / Das goldene Gebirge) sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf die Verfilmung, die in Tschechien bereits viele Zuschauer in die Kinos gelockt hat.

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Jaroslav Rudiš (Text); Jaromír »Jaromir 99« Švejdík (Illustrationen)
Alois Nebel
www.voland-quist.de
360 Seiten