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Artikel Tagged ‘Burghofspiele Falkenstein’

“Eine neue Zeit bricht an”

20. Juli 2010 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Der Traum vom Fliegen begleitet den Menschen schon seit jeher. Mit ihm verknüpft sich stets auch der Freiheitsgedanke.

Blanchard in schwindelnder Höhe

Blanchard in schwindelnder Höhe

Auf der Burg Falkenstein wird seit Juni ein Stück gespielt, das den ersten bemannten Ballonflug mit den Ereignissen im Vorfeld der Französischen Revolution in Beziehung setzt. Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? von Pit Holzwarth erzählt die Geschichte von Jean Pierre Francois Blanchard (verkörpert von Michael Schmidbauer), der im Herbst 1783 als erster Mensch mit einem Ballon die Erdanziehung überwunden hat. Der Luftfahrpionier sorgt für Begeisterung auf der einen, Furcht auf der anderen Seite. Während der Philosoph und Freigeist Marquis de Condorcet (Holger Radetzky) zur Feier des Tages einen Champagner köpft, kann die Pariser Kellnerin Joseline kaum glauben, was ihr berichtet wird.

Der verbotene Traum vom Fliegen

Der verbotene Traum vom Fliegen

Doch während Blanchard einen euphorischen Höhenflug nach dem nächsten absolviert, muss die bäuerliche Bevölkerung Frankreichs Hunger leiden und sich auch noch immer wieder neue Schikanen der adeligen Landesherren gefallen lassen. Die Familie Potaff wird sogar an Weihnachten vom eigenen Hof vertrieben, weil sie die Steuerschulden nicht mehr bezahlen kann.

Der finstere Abt

Der finstere Abt

In einem nahegelegenen Kloster träumt der Jesuitenpater Josquin (kongenial umgesetzt von Armin Eigenstetter) währenddessen ebenfalls vom Fliegen. Die Zeit - es wird eine Atmosphäre irgendwo zwischen Der Name der Rose und Monty Python heraufbeschworen - ist dafür allerdings alles andere als günstig. Der fanatische Abt Marcellus (furios verkörpert von Dagmar Kölbl) schilt Josquin einen abtrünnigen Sünder, fordert vehement Demut und verordnet Gebetsgesänge.
Die Not der Landbevölkerung holt Blanchard indessen auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Angesichts des grassierenden Elends der französischen Bauern und der himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die den Adeligen alle Rechte einräumen und jene des Volkes zusehends beschneiden, zieht sich der Flugpionier immer mehr zurück und versinkt schließlich in der Depression. Allein die Kellnerin Joseline, in deren Gasthaus Blanchard untergekommen ist, steht ihm in dieser schwierigen Zeit des Zweifels bei. Als schließlich ein Kakaohändler mit einem lukrativen Angebot lockt, beschließt der Erfinder und Ballonflieger aber doch, erneut eine Fahrt zu unternehmen - mit dem Ziel Versailles…

Blanchard, Kakaohändler Duport und Joseline

Blanchard, Kakaohändler Duport und Joseline

Was für ein überbordendes Stück hat der Regisseur Till Rickelt hier inszeniert! 27 spielfreudige Darsteller/innen begeistern das Publikum in aufwändigen Kostümen. Da geht es Schlag auf Schlag, bisweilen wird ein Gag nach dem nächsten abgefeuert und vom Scheitel (extravagante Perückenmode) bis zur Sohle (die rosa Pantöffelchen der Marquise) stimmt hier jedes kleinste Detail. Und wieder gibt es ein multifunktionales Bühnenmobiliar, das mal Ballonfahrerkorb, mal Bett, dann Altar oder Tisch ist. Es geht herrlich unverkrampft und unverschämt zu, z.B. wenn kurzerhand eine Seite aus dem Gebetsbuch gerissen wird, um darauf einen Brief an den König zu notieren.
In einem Stück über die französische Revolution dürfen freilich auch die Volksszenen nicht zu kurz kommen. Diese wirken durch ihre enorme Dynamik sehr authentisch und durch das Mitwirken des Publikums wird die Sache sogar noch spannender.
Die große Frage, die man sich stellt, bevor man das Stück gesehen hat, lautet natürlich: Wie wird das mit dem Fliegen gelöst?
An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Der Ballon steigt tatsächlich höher und höher in die Wolken auf. Man muss es einfach erleben!

"Es lebe der König!"

"Es lebe der König!"

Fazit: Ein Stück, hinter dem viel mehr als reiner Spaß und Unterhaltung stecken. “Eine neue Zeit bricht an. Und ich will dabei sein!” dieses Zitat aus Holzwarths Theaterstück würde sich hervorragend als Motto unserer Zeit eignen, man müsste es nur wagen zu fliegen!

www.burghofspiele-falkenstein.eu

Veranstaltungstipp: Burghofspiele Falkenstein

11. Juni 2010 sgruen Keine Kommentare

Der Traum vom Fliegen

(Sigrid Grün)

Am kommenden Samstag wird im Innenhof der Falkensteiner Burg die Premiere des Stückes Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? stattfinden.

Nach mehreren Shakespeare-Stücken und den Abenteuern des Odysseus inszeniert Regisseur Till Rickelt nun ein relativ unbekanntes Stück, in dem es um den Traum vom Fliegen in den Zeiten der beginnenden Französischen Revolution geht. Man kann gespannt sein!

Vom 19.6 bis zum 31.7 spielt die Falkensteiner Truppe das Stück mehrfach. Die lauschige Atmosphäre im Burghof sollte man sich nicht entgehen lassen!

Termine, Preise und Anfahrtsweg finden Sie unter www.burghofspiele-falkenstein.eu

“Männer muss man ziehen lassen”

6. Juli 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Falkenstein kann auf eine lange Festspieltradition zurückblicken: Seit 1921 finden im lauschigen Burghof Historienspiele statt. Kriegsbedingt kam es zu längeren Unterbrechungen. Seit 1976 haben professionelle Regisseure die Spielleitung übernommen und die Falkensteiner Burghofspiele damit zu einem Glanzlicht des ostbayerischen Festspielsommers gemacht.

Bereits seit 2004 zeichnet Till Rickelt für die Inszenierungen auf der Burg verantwortlich. Nach Viel Lärm um nichts (2004/05) und Romeo und Julia (2006/07), hat sich der Shakespeare-Spezialist Rickelt mit den Abenteuern des Odysseus auf Neuland begeben. “Schwere Kost!” mag man sich zunächst denken, gehört doch Homers Epos zum unumstrittenen Kanon der abendländischen Literatur, der nicht eben für seine Simplizität bekannt ist. Dass die Wahl schließlich auf Chris Alexanders Bearbeitung fiel, lässt doch noch eine Annäherung an Shakespeare erkennen: Nebenhandlungen, die meist von den komischen Charakteren getragen werden, kontrastieren das Hauptgeschehen.

Bereits zu Beginn des Stückes wird der Zuschauer ins antike Griechenland entführt. Der Prolog ertönt zunächst in griechischer, anschließend in deutscher Sprache aus dem Off. Die Kostüme (Bianca Schmid-Hedwig) sind ein bunter Mix aus Zeitgenössischem und Modernem. Das Bühnenbild (Thomas Wilnhammer) ist einfach und ungeheuer vielseitig verwendbar. Die leere Bühnenweite ist mit einem multifunktionalen Symbolmobiliar bestückt: Ein Holzbogen, der sich u.a. zur Wippe umfunktionieren lässt, wird als Hügel, Brücke, Sitzgelegenheit, Reling und in den Wellen schaukelndes Schiff genutzt.
Das Licht ist stimmig, der Ton stellenweise etwas zu laut für den intimen Arkadenhof.

Penelope und Amme

Penelope und Amme

Zur Handlung: In 20 Episoden erzählt das Stück von der reichlich komplizierten Heimkehr des Königs von Ithaka. Zehn Jahre wartet die treue Penelope (Katrin Huber) geduldig auf ihren Angetrauten, zehn lange Jahre, in denen sie sich mit lästigen Freiern (Holger Radetzky, Christiane Auburger, Luzia Kölbl, Uwe Kölbl) und einem pubertierenden Sohn (Julian Strobl) herumschlagen muss. Währenddessen macht der Gatte so einiges mit: Er verliert Gefährten, legt den gefräßigen Zyklopen Polyphem (Holger Radetzky, Erika Nelz, Julia Bauer) mit einer Fackel lahm, lässt bei den Frauen aber nichts anbrennen. Die Sehnsucht nach der Heimat Ithaka und allzu männliche Bedürfnisse bilden widerstreitende Pole und so schleppt sich der Held von einer Lebensabschnittspartnerschaft zur nächsten. Die betörende Zirze (Margit Trimpl), die göttliche Kalypso (Susanne Bierlmeier), die sich Odysseus als weinerliche Despotin zum “Schoßhund” auserkoren hat und natürlich Nausikaa, die schöne Prinzessin von Phäakien (Luzia Kölbl), sind ganz verrückt nach dem virilen Kerl. Und die arme Penelope muss sich vom schmierigen Eurymachos (Holger Radetzky), der im Zuhälterdress in Erscheinung tritt, erpressen lassen. Wie gut, dass Odysseus in einem fulminanten Showdown, in dem es alles andere als zimperlich zugeht, die Kohlen aus dem Feuer holt. So mancher Kopf muss rollen, bis Odysseus seine Penelope endlich in die Arme schließen kann, während Nena näselnd “Ich geh mit dir wohin du willst” nudelt.

Gyros und Elpenor

Gyros und Elpenor

Besonders hervorzuheben ist die komödiantische Leistung von Dagmar Kölbl, die mit viel Mutterwitz die Amme gibt und eine verblüffende Ähnlichkeit (auch in der Darstellung) mit Marianne Sägebrecht aufweist. Auch das Gespann Gyros-Elpenor (Josef Meinzinger und Armin Eigenstetter), das bei jedem Auftritt ein wahres Gag-Feuerwerk zündet, sorgte für reichlich Lacher. Highlights sind auch die Szene in Phäakien, in der Luzia Kölbl, Susanne Bierlmeier und Uwe Kölbl überzeugen konnten, sowie die Episode mit Odysseus (Josef Mackiewicz) und Kalypso (Susanne Bierlmeier).

Odysseus und Nausikaa

Odysseus und Nausikaa

Wir halten fest: Rickelt ist der an Shakespeare angelehnten Komödie treu geblieben. Er lässt es ordentlich krachen und holt extrem viel aus den Darstellern heraus. Der Zuschauer kann sich auf eine fantasievolle und ausdrucksstarke Inszenierung freuen, die einen enormen Drive entwickelt und somit zum Volkstheater im besten Sinne avanciert. Ansehen!

www.burghofspiele-falkenstein.eu

Veranstaltungstipp: Burghofspiele Falkenstein

3. Juli 2009 sgruen Keine Kommentare

Dieses Jahr gibt es im Rahmen der Burghofspiele Falkenstein Die Abenteuer des Odysseus in einer Inszenierung von Till Rickelt zu sehen.3madchen052

Bereits am 20.6 war Premiere. Wer sich das Stück noch ansehen möchte, hat noch sechsmal die Gelegenheit dazu:

Heute, am 3.Juli um 20.30 Uhr,
am Sonntag, den 5.7 um 18.00 Uhr,
am Samstag, den 11.7 um 20.30 Uhr,
am Samstag, den 18.7 um 20.30 Uhr,
am Freitag, den 24.7 um 20.30 Uhr,
sowie am Samstag, den 25.7 um 20.30 Uhr.

Einlass ist jeweils um 19.00 Uhr bzw. am 5.7 um 16.30 Uhr.
Der Eintritt kostet an der Abendkasse 12,- Euro bzw. 9,- Euro für Kinder ab 6 und Schüler (VVK: 10,- / 7,-)

f_burg_08_196_bearbeitet-1Wir werden uns das Stück im atmosphärischen Burghof auf alle Fälle nicht entgehen lassen und kommende Woche darüber berichten…

www.burghofspiele-falkenstein.eu