“Eine neue Zeit bricht an”
(Sigrid Grün)
Der Traum vom Fliegen begleitet den Menschen schon seit jeher. Mit ihm verknüpft sich stets auch der Freiheitsgedanke.
Auf der Burg Falkenstein wird seit Juni ein Stück gespielt, das den ersten bemannten Ballonflug mit den Ereignissen im Vorfeld der Französischen Revolution in Beziehung setzt. Die Erfindung der Freiheit oder Kann denn Fliegen Sünde sein? von Pit Holzwarth erzählt die Geschichte von Jean Pierre Francois Blanchard (verkörpert von Michael Schmidbauer), der im Herbst 1783 als erster Mensch mit einem Ballon die Erdanziehung überwunden hat. Der Luftfahrpionier sorgt für Begeisterung auf der einen, Furcht auf der anderen Seite. Während der Philosoph und Freigeist Marquis de Condorcet (Holger Radetzky) zur Feier des Tages einen Champagner köpft, kann die Pariser Kellnerin Joseline kaum glauben, was ihr berichtet wird.
Doch während Blanchard einen euphorischen Höhenflug nach dem nächsten absolviert, muss die bäuerliche Bevölkerung Frankreichs Hunger leiden und sich auch noch immer wieder neue Schikanen der adeligen Landesherren gefallen lassen. Die Familie Potaff wird sogar an Weihnachten vom eigenen Hof vertrieben, weil sie die Steuerschulden nicht mehr bezahlen kann.
In einem nahegelegenen Kloster träumt der Jesuitenpater Josquin (kongenial umgesetzt von Armin Eigenstetter) währenddessen ebenfalls vom Fliegen. Die Zeit - es wird eine Atmosphäre irgendwo zwischen Der Name der Rose und Monty Python heraufbeschworen - ist dafür allerdings alles andere als günstig. Der fanatische Abt Marcellus (furios verkörpert von Dagmar Kölbl) schilt Josquin einen abtrünnigen Sünder, fordert vehement Demut und verordnet Gebetsgesänge.
Die Not der Landbevölkerung holt Blanchard indessen auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Angesichts des grassierenden Elends der französischen Bauern und der himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die den Adeligen alle Rechte einräumen und jene des Volkes zusehends beschneiden, zieht sich der Flugpionier immer mehr zurück und versinkt schließlich in der Depression. Allein die Kellnerin Joseline, in deren Gasthaus Blanchard untergekommen ist, steht ihm in dieser schwierigen Zeit des Zweifels bei. Als schließlich ein Kakaohändler mit einem lukrativen Angebot lockt, beschließt der Erfinder und Ballonflieger aber doch, erneut eine Fahrt zu unternehmen - mit dem Ziel Versailles…
Was für ein überbordendes Stück hat der Regisseur Till Rickelt hier inszeniert! 27 spielfreudige Darsteller/innen begeistern das Publikum in aufwändigen Kostümen. Da geht es Schlag auf Schlag, bisweilen wird ein Gag nach dem nächsten abgefeuert und vom Scheitel (extravagante Perückenmode) bis zur Sohle (die rosa Pantöffelchen der Marquise) stimmt hier jedes kleinste Detail. Und wieder gibt es ein multifunktionales Bühnenmobiliar, das mal Ballonfahrerkorb, mal Bett, dann Altar oder Tisch ist. Es geht herrlich unverkrampft und unverschämt zu, z.B. wenn kurzerhand eine Seite aus dem Gebetsbuch gerissen wird, um darauf einen Brief an den König zu notieren.
In einem Stück über die französische Revolution dürfen freilich auch die Volksszenen nicht zu kurz kommen. Diese wirken durch ihre enorme Dynamik sehr authentisch und durch das Mitwirken des Publikums wird die Sache sogar noch spannender.
Die große Frage, die man sich stellt, bevor man das Stück gesehen hat, lautet natürlich: Wie wird das mit dem Fliegen gelöst?
An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Der Ballon steigt tatsächlich höher und höher in die Wolken auf. Man muss es einfach erleben!
Fazit: Ein Stück, hinter dem viel mehr als reiner Spaß und Unterhaltung stecken. “Eine neue Zeit bricht an. Und ich will dabei sein!” dieses Zitat aus Holzwarths Theaterstück würde sich hervorragend als Motto unserer Zeit eignen, man müsste es nur wagen zu fliegen!









Wir werden uns das Stück im atmosphärischen Burghof auf alle Fälle nicht entgehen lassen und kommende Woche darüber berichten…