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Artikel Tagged ‘Dagie Brundert’

Dagie egot sich

25. März 2010 lweser Keine Kommentare

Cinema mi Vida: Dagie Brundert, 16. Regensburger KFW, Wintergarten Kino im Andreasstadel, 20. März 2010

 

Dagie verteilt Super8-Kekse, Paul hilft.

Dagie verteilt Super8-Kekse, Paul hilft.

Die Berliner Filmemacherin Dagie Brundert bereichert seit 1988 die Kurzfilmlandschaft mit ihren wunderbaren Super8-Film-Perlen. Sie studierte in Krefeld und Berlin visuelle Kommunikation und experimentelle Filmgestaltung. Auch bei der Regensburger Kurzfilmwoche liefen ihre Filme regelmäßig im Deutschen Wettbewerb. Am Samstag stellte Daggie Brundert innerhalb ihrer Werkschau bei der Kurzfilmwoche eine Auswahl ihres bisher 24-jährigen Filmschaffens vor. Extra für diesen Tag  hatte sie sich ein Dirndl ersteigert. Aber nicht nur das: für das Wohl der Zuschauer verteilte sie selbst gebackene Bio-Super8-Lebkuchen. Daggie ist wie ihre Filme, das merkt man sofort.
Ihr Super8-Filme sind kleine, frische, verspielte und intelligente Geschichten. Sie sind Lieder, Gedichte, Musikvideos, sind abgeschlossene Mikrokosmen oder auch ganze philosophische Theorien, die die Welt erklären. Seltenen sind diese dichten und poetischen Geschichten länger als fünf Minuten (meist liegen sie eher im ein bis drei Minuten-Bereich). Dagie unterteilte die Filme in fünf Blöcke und stelle jeden Film kurz vor - natürlich mit viel Charme und Witz.
Bereits ihr erster Film (aus dem Block “Frühe und selten Sachen“) 23 Barbiepuppen kippen um besitzt die unverkennbare Dagie Brundert-Handschrift. In den drei Filmminuten geschieht nichts, als das, was der Titel vorwegnimmt. Dazu eine einfache, unbeschwerte Kinder-Melodie, gesummt von Daggie selbst. Der Film besitzt bereits alle Merkmale des typischen Dagie Brundert-Filmes: Skurilität, Verspieltheit, Rhythmus und natürlich das Filmmaterial Super8! Früh hat Dagie also ihre filmische Identität gefunden.
Die Filme des zweiten Blocks, “Zeitdehnung im Multiversum“, beschreibt phantastische Phänomene oder Geheimnisse und Gesetzmäßigkeiten des Lebens. Natürlich werden einige Geheimnisse dabei bewahrt. Zeitpunsch oder Simmie Heg und Noitam Rofni geht verschobenem oder durchbrochenem Raum-Zeit-Kontinuum auf den Grund. Die Filme leben von der Bild-Text-Symbiose. Zwei Gummibärwürmer bewegen sich in Simmie Heg und Noitam Rofni über ein Schnittmuster. Dazu hört man Dagie Brundert erklären: “Geheimnis und Information gelangen von A nach B und C usw.” Der Film erklärt weiter, wie Geheimnis und Information mittels Wurmlöchern Raum und Zeit überwinden können.
Der Block “Unterwegs sein und seltsame Dinge tun…” beinhaltet unter Anderem auch den Gewinnerfilm des Max-Bresele-Gedächtnis-Preises des Jahres 2003 Kleiner Havelländischer Hauptkanal. Ein Film zu dem Dagie durch die inhaltliche Spannung im Namen besagten Flusses inspiriert wurde.
Bei den amerikanischen Filmen aus “On the Road in Amerika” war Dagie wohl ein bisschen von der kalifornischen Sonne geblendet. Den Filmen, ausgenommen The Palm Tree Song Line, fehlt der typische Daggie-Witz, nicht aber der Rhythmus. The Palm Tree Song Line vereint beides. Die kalifornischen Palmen sehen wie Noten aus und Dagie lässt sie singen.
Das letzte Film-Kapitel “Ich ego mich” beinhalten sämtlich “egozentrierte” Filme. Dagie Brundert spielt darin die Hauptrolle. Intime Lebensbekenntnisse (Ich & mein Süßer, Foxy Lady in Winterland und Schnee gestern Schnee heute) und Kindheitserinnerungen (Milchwolken Liebe) sind darin zu finden. Aus einigen Filmen lässt sich eine gewisse Anfälligkeit für Wintermelancholie ableiten. Aber der Winter ist ja schon seit jeher für Rückblicke und Reflexionen geeignet.
Gern möchte man nach diesem Programm allen Filmhochschülern und -absolventen, mit ihren glatten Filmen, Dagie Brunderts Werke ans Herz legen, die beweisen, dass weder teure Produktionen, noch technische Hochausstattung oder bekannten Schauspieler nötig sind, um gute und spannende Filme zu machen.

 

Alle Filme von Dagie Brundert sind auf ihrer Homepage zu sehen: www.dagiebrundert.de