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Barfuß auf Nacktschnecken

6. Mai 2011 lweser Keine Kommentare

Barfuß auf Nacktschnecken / Pieds nus sur les limaces, innerhalb der 9. Französischen Film- und Kulturwoche, Wintergarten Kino im Andreasstadel, Regensburg

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Clara (Diane Kruger) muss sich nach dem Tod ihrer Mutter um ihre geistig (oder psychisch) behinderte Schwester Lily (Ludivine Sagnier) kümmern. Schwere Aufgabe, denn auf den ersten Blick wirkt diese fasst normal.
Zur formalen Darstellung der beiden ungleiche Schwestern, verwendet Regisseurin Fabienne Berthaud zwei verschiedene Kameramethoden: Die Wackelkamera mit schnellen Schnitten für die emotionale und triebhafte Lily und die feste für die aufgeräumte, stabile Clara. Bereits bei der Zeichnung der Charaktere möchte man aufschreien. Einerseits ist Lily nicht allein überlebensfähig, andererseits verfügt sie über die ausgefeiltesten psychoanalytischen Fähigkeiten und vermag ihrer Schwester die (vermeidlichen) Fehler deren Lebensweges aufzuzeigen. Überhaupt verherrlicht die Regisseurin Lily bis zum Überdruss und stilisiert sie zur Sehnsuchtfigur, eine Art Minon mit verruchtem Touch - Heilige und Hure in einem – ähnlich den Frauenfiguren in Betty Blue / 37°2 le matin oder in Ein mörderischer Sommer / L’été meurtrier. Die Distanzlosigkeit zu ihrer Hauptfigur wird auch in einer Unmenge an Nahaufnahmen deutlich: viel Haar, Mund und Bein, bzw Po. Die Triebhaftigkeit wird außerdem durch eine Vielzahl von Essensszenen verdeutlicht. Zusammengenommen ist alles zeitweise nur schwer zu ertragen. Andererseits wird nicht glaubhaft vermittelt, dass das Leben Claras im Gegenzug so verdammenswert und unfrei ist, wie uns der Film suggerieren möchte. Die meisten anderen Charaktere (Claras Ehemann, ihre Schwiegermutter, die Jugendlichen des Dorfes, die Nachbarin, die Gäste in Paris) werden im Gegenzug negativ gezeichnet. Die romantische Ausstattung des Filmes (Rüschenunterhosen, kurze Kleidchen), wirkt teilweise ebenso aufgesetzt wie die skurrilen Elemente (Knitting-Art im Wald, Pantoffeln u.Ä. aus toten Tieren).
Nur in wenigen Momenten vermochte mich der Film zu überzeugen. Die stärkste Szene war die Badeszene, in der Claras Handeln einerseits völlig nachvollziehbar ist, man andererseits dennoch entsetzt von der Heftigkeit ihrer Reaktion ist.

Ich bin mir sicher, dass der Film dennoch ein (überwiegend weibliches) Publikum finden und auch begeistern wird. Viele werden darin ein Aufruf zur Freiheit, zum Anderssein und Unangepastem sehen.

Barfuß auf Nacktschnecken / Pieds nus sur les limaces
R: Fabienne Berthaud, F 2010
D : Diane Kruger, Ludivine Sagnier, Denis Menochet, Brigitte Catillon, Jacques Spiesser, Anne Benoît
www.barfuss-auf-nacktschnecken.de

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läuft im Wintergarten, Kino im Andreasstadel bis 25.Mai 2011
www.kinos-im-andreasstadel.de