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Nettes Ratespiel für Regensburger

28. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Ludwig Bemelmans: Die blaue Donau, Hörspiel, Lohrbär-Verlag

Die Handlung spielt in Regensburg, Ende des 2. Weltkrieges.
Auf einer kleinen Insel in der Donau leben vier Menschen, die dort Rettich anbauen und ein frommes, genügsames Leben, abseits der politischen Geschehnisse, führen.
- Bis Gauleiter Stolz („das Tier mit der menschlichen Stimme„) beschließt, dass dies der Idylle zu viel sei. Durch Intrigen und Tranksahle versucht er dem ein Ende zu bereiten und es gelingt ihm auch - bedingt. Denn auch er muss dabei einige Federn lassen, bis zum Showdown, dem Fliegerangriff der Alliierten.

Das Hörbuch ist ein Who-is-Who der Regensburger Kulturszene (Sogar der Übersetzer hat eine kleine Rolle). Doch was bei kleineren Rollen kaum stört und für den Eingeweihten halbwegs charmante und unterhaltsam sein mag, ist für den, der all die „bunten Hunde“ nicht kennt, doch eher lästig. Zu viele Laien, die versuchen einer Sprecherrolle gerecht zu werden und daran scheitern. Nun, Laienschauspieler bzw. -sprecher müssen aber noch kein Grund für Misserfolg sein (siehe Fassbinder).

Und tatsächlich kann man der kleinen Produktion durchaus etwas abgewinnen.
Zum einem sind nicht alle Sprecher gleich untalentiert. Schließlich gibt es den Erzähler Peter Heeg (Schauspieler!), der doch einiges heraus reißt. Stellvertretend unter den Laien, könnte man Eva Demski (wenngleich vielleicht nicht in der passenden Rolle besetzt) als positive Ausnahme hervorheben und auch Eginhard König hat durchaus einige annehmbare Passagen. Außerdem steht außer Frage, dass das Hörspiel prinzipiell im Dialekt angesiedelt sein sollte. Das verleiht Charme und Authentizität.

Nicht zuletzt profitiert das Hörspiel natürlich von der guten Vorlage, die von Ironie und Satire durchzogen ist und eine treffliche Groteske auf den damaligen Zeitgeist bildet (Bemerkenswert, denn Bemelmans lebte bereits seit 1914 in den USA). Ebenso leistet die Musik der Negerländer einen großen Beitrag zum Gelingen des Hörbuchs. Sie bildet gleichzeitig ethnologische und emotionale Atmosphäre und ist damit tragender Pfosten des Spannungsbogens.

Eine 6-seitige Beilage mit einer Art Vorwort (zum Buch, allerdings und nicht zum Hörspiel), des Übersetzers Florian Sendtner dient als kleine Erhellung der Entstehung der Erzählung. Details über Bemelmans Biographie, seine Verhältnis zu Regensburg, das tatsächliche Regensburg während der Naziherrschaft und die Tatsache dass die Erzählung erst gut 60 Jahre nach ihrer Erscheinung ins Deutsche übersetzt wurde, sind interessante Zusatzinformationen.

Fazit: für Regensburger ein nettes Ratespiel. Auch dem zu empfehlen, der lieber hört als liest, denn das Stück besitzt Qualitäten, die es lohnen sich damit auseinander zusetzen (ob als Buch oder Hörspiel mag jeder selbst entscheiden).

 

Ludwig Bemelmans: Die Blaue Donau

Ludwig Bemelmans: Die Blaue Donau

Ludwig Bemelmans: Die blaue Donau
LohrBär-Verlag
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www.lohrbaerverlag.de