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Artikel Tagged ‘Donau’

Buchtipp: Das Rätsel der Donauzivilisation

3. Juni 2012 jneidh Keine Kommentare

Archäologische Entdeckungen im “alten Europa”

Die Wiege von Schrift und Zahlen wird gerne in Mesopotamien angesiedelt. Somit geht man meist davon aus, dass hier die Wiege der Zivilisation in unserem heutigen Sinne stand. Neuere archäologische Funde in Osteuropa, vor allem in Rumänien, Bulgarien und dem ehemaligen Jugoslawien, zeigen aber, dass es dort bereits zwischen dem 6. und 4. Jahrtausend vor Christus Kulturen gab, die schriftliche Aufzeichnungen hinterließen und die alle Anzeichen von sogenannten Hochkulturen mitbrachten, wie etwa ein entwickeltes Städtewesen, eine Verwaltung, ausgefeilte religiöse Kulte, Handwerkstechniken, Kunst und anderes mehr, das für eine entwickelte Gemeinschaft charakteristisch ist.

Durch den eisernen Vorhang waren diese Entdeckungen zur Zeit des Kommunismus natürlich nur sehr beschränkt zugänglich und wurden auch zum Teil aus ideologischen Gründen unter Verschluss gehalten.

Im Buch erklärt der Sprach- und Kulturwissenschaftler Harald Haarmann, gut auch für Laien verständlich, wie man sich das Leben am Ende der Jungsteinzeit in den regelrechten Städten der Menschen damals vorstellen kann und welche neuen Erkenntnisse über diese Zeit vorliegen. Spannend ist, dass besonders darauf eingegangen wird, dass nicht die Griechen die eigentlichen „Erfinder“ der Zivilisation in Europa sind, sondern die sogenannten Pelasger, also die Vorläufer noch-nicht-indogermanischen Ursprungs, die viel eher in Südosteuropa siedelten. Das wird besonders spannend auch anhand sprachwissenschaftlicher Erwägungen dargestellt, die zeigen, dass bestimmte Schlüsselwörter bei den Griechen, z.B. was Landwirtschaft oder kultische Handlungen angeht, sprachlich auf ältere Vorläufer zurückgehen müssen, als auf die Indogermanen, eben die Menschen die vorher schon im „alten Europa“ gelebt haben. Z.B. ist das Baskische als heute erhaltene Sprache wohl auf solche alten Sprachen zurückzuführen.

Auch ohne sehr viel Hintergundwissen über die verschiedenen, teils heftig umstrittenen Theorien, die im Buch angeschnitten werden, ist es doch erstaunlich, was lange vor den Griechen in Europa schon für Entdeckungen gemacht wurden, dass eben schon Schrift existierte und mehrstöckige Häuser gebaut wurden, dürfte den meisten Lesern doch neu sein. Auch die Kunst der damaligen Zeit birgt erstaunliche Überraschungen, so werden Statuetten vorgestellt, die kaum von modernen Plastiken zu unterscheiden sind.

Das Buch ist eine spannende Lektüre für alle,die sich für Archäologie interessieren und die bereit sind sich auf intellektuell herausfordernde Pfade tief ins Herz des alten Europa am Ende der Steinzeit zu begeben.

Das Rätsel der Donauzivilisation - Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas

Das Rätsel der Donauzivilisation - Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas

Harald Haarmann
Das Rätsel der Donauzivilisation. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas
www.chbeck.de
283 Seiten

“Die Hummel” fliegt jetzt auf DVD

15. Juni 2011 lweser Keine Kommentare

DVD - Vorstellung: Die Hummel, Regie: Sebastian Sterns

Als Sebastian Stern im letzten Jahr seinen in Deggendorf gedrehten Debutfilm Die Hummel u.A. in Regensburg vorstellte, ahnte er wohl nicht, dass er einige Monate später den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie „Beter Nachwuchsregisseur“ erhalten würde. Im gleichen Jahr wurde Chris Kraus mit den Bayerischen Filmpreis für Poll ausgezeichnet. Kraus wiederum erhielt 2002 den Nachwuchsfilmpreis für seinen Debutfilm Scherbentanz.

Kosmetikvertreter Pit Handlos (Jürgen Tonkel) ist ein Selfmademan. Doch sein Erfolg ist in Wahrheit auf Pump und nur von kurzer Dauer. Seine finanzielle, sowie seine soziale Situation ist ein katastrophal. Seine Möbel werden gepfändet, dann verliert er seine Wohnung. Alles was ihm noch gehört, sind seine Kosmetikprodukte, die er im geleasten Auto aufbewahrt - solange er es noch hat. Er und sein Sohn Flo (Michael Kranz) sind sich fremd. Unter einem Vorwand zieht er bei ihm und dessen Gothic-Freundin Moni (Stefanie Reinsperger), ein. Seinen Kundenstamm versucht er aus ehemaligen Freundinnen zusammenzustellen. Er heuchelt Interesse, trifft sich mit ihnen zum Rendezvous und holt dann den Verkaufs-Koffer heraus. Bei seiner Jugendliebe Christiane (Inka Friedrich) bekommt er allerdings Gewissensbisse. Sein Leben besteht nur aus Lügen. Doch Beziehungen kann man nicht dauerhaft auf Lügen aufbauen. Er muss sich entscheiden: für sein Sohn und Christina oder für ein Leben wie bisher?

Mit einfachen filmischen Mitteln und reduzierten Dialogen vermittelt Sebastian Stern Autentizität und bietet seine Figuren viel Raum zur Entfaltung. Die Schauspeielerriege, allen voran Jürgen Tonkel und Inka Friedrich überzeugen auf ganzer Linie. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet und passen besetzt, wie Michael Kranz als Pits Sohn Flo und Stefanie Reinsperger als dessen Freundin Moni, sowie Gerhard Wittmann als Pits Kollege Herrmann, der sich beim Kundenbesuch in die abwesende Mutter zweier Mädchen verlieb. Sterns Charaktere sind echt. Die meisten von uns hatten irgendwann einmal einen Nachbarn wie Pit oder Freunde wie Flo und Moni.

Der Filmtitel Die Hummel, wird in einer Dialogszene aufgelöst. Dort werden seine recht behäbigen und erfolglosen Protagonisten mit Hummeln verglichen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen können Hummeln nicht fliegen, weil sie einen viel zu massigen Körperbau und zu kleine Flügel haben. Die Hummeln wissen es aber nicht und so fliegen sie dennoch.

Die DVD ist mit folgenden Extras ausgestattet: Kurze Interviews mit Sebastian Stern und Jürgen Tonkel, Entfallenen Szenen, Setfotos, Trailer.

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Die Hummel

Regie: Sebastain Stern, Drehbuch: Sebastian Stern, Peter Berecz, Kamera: Sven Zellner.

Darsteller: Jürgen Tonkel, Inka Friedrich, Michael Kranz, Steffi Reinsperger, Christian Pfeil, Andreas Borcherding, Christian Hoening, Martin Wenzl.

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87 min, farbe, D 2010.
Lighthouse Entertainment
VÖ: 27. Mai 2011

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weitere Informationen unter:
www.lighthouse-kg.com | www.diehummel.de

Donauimpressionen zu Neujahr

1. Januar 2010 sgruen Keine Kommentare

Die Schwäne sind wieder da

(Sigrid Grün)

Die große Kälte in den vergangenen Wochen hat in diesem Jahr noch mehr Schwäne als sonst ans Donauknie getrieben. Mehrere hundert Zugvögel aus Russland, vor allem Reiherenten und Schwäne, machen den Donauspazierweg an der B 8 derzeit zur romantischen Schwanenmeile.
Wer einen schönen Neujahrsspaziergang machen möchte, kann die Schwäne, verschiedene Entenarten und Blässhühner (eine Rallenart, die nicht über Schwimmhäute, sondern über Schwimmlappen an den Zehen verfügt) heute im Nebel sehen.

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Dieses alljährliche Naturschauspiel in der Nähe des nördlichsten Punktes der Donau, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

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Donaureise in die Vergangenheit - Hörbuch

28. August 2009 lweser Keine Kommentare

Eva Demski: Mama Donau

Eva Demskis Reise auf und entlang der Donau ist eine Reise in die Vergangenheit. Auch wenn sie die Gegenwart beschreibt, spiegelt sich darin immer das Vergangene. Sie vergleicht die besuchten Orte mit denen ihrer Erinnerung. Es ist ein sehr persönliches Buch. Sie reist, wenn sie am Ufer der Donau steht an die Orte ihrer Kindheit (wie in Regensburg), oder ihrer frühen Erwachsenenjahre. Als noch junge Journalistin hatte sie bereits Budapest und Bukarest besucht und beschreibt sie nun aus ihrer Erinnerung. Diese Geschichten sind interessant und voll Leben. Es scheint unwahrscheinlich, dass diese Städte heute mehr Charme und Seele besitzen als damals.

Eva Demskis Beschreibungen beginnen in Regensburg, ihrer Geburtsstadt. Dann reist sie zur Donauquelle bei Donaueschingen. Viele kurze Stopps legt sie in Donauorten nahe Regensburg ein: Donauwörth, Neuburg, Weltenburg, die Walhalla in Donaustauf und Straubing. Sogar Kallmünz, obwohl an der Naab und nicht an der Donau gelegen, erhält in dem Kapitel “Ausfüge und Nebenflüsse” eine Würdigung. Dann geht es weiter donauabwärts. In Passau besteigt sie die “Donauprinzessin”, ein Kreuzfahrtschiff. Damit geht es weiter nach Grein, Ypps, Melk, Dürnstein, Wien. Dann werden die Abstände zwischen den Stationen immer größer: es folgen Erinnerungen an Budapest 1977 und an Bukarest 1971.

Eva Demski Sprache ist facettenreich: von poetisch verklärt wenn sie im Vergangen schwelgt bis zum Teil zynisch verbittert wenn sie die Freveleien der Gegenwart beschreibt. Wer mag das nicht verstehen angesichts von Donauausbau, Betonbauten und Obi-Baumärkten in der Puszta. Die Autorin unterfüttert ihre Beschreibungen auch mit politischen, kunst- und kulturgeschichtlichen Informationen. 

Mama Donau gibt es auch als Hörbuch. Eva Demski liest hier selbst und zwar sehr überzeugend mit fester Stimme. Für die eingeflochtenen Zitate zum Beispiel von Georg Britting, Joseph Roth, Helmut Qualtinger, Tibor Déry und Günter Buchheim, erhält sie Unterstützung unter Anderem von Martin Hofer und Peter Heeg. Die Atmosphäre der Erinnerungen und der Charakter der Donau wird durch Pianobegleitung betont. Vor allem Stücke romantischer Komponisten: Schumann und Brahms, aber auch von Haydn und Beethoven, lassen die Donau plätschern, rauschen und tosen.

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Eva Damski: Mama Donau,
LOhrBär-Verlag (2007)
3 Audio-CDs; 19,90 €

Mit dem Paddelboot zum schwarzen Meer

28. August 2009 lweser Keine Kommentare

Thomas Bauer: Ostwärts. Zweitausend Kilometer Donau. Mit dem Paddelboot zum schwarzen Meer. 

Thomas Bauer hat ein Vorhaben: in dreißig Tagen mit dem Paddelboot auf der Donau von Ingolstadt zum schwarzen Meer. Es gibt alljährlich eine Donau-Kanu-Fahrt: die Tour International Danubien, die dazu fünfundsechzig Tage benötigt. Das sei die “längste und härteste Kanu-Wanderfahrt der Welt” behauptet Bauer gleich zu Anfang und macht damit eines klar: Er ist noch viel besser!

Und diese These bemüht er sich im gesamten Buch zu beweisen oder zumindest zu wiederholen.

Dass man bei einem derartigen sportlichen Gewaltakt nicht viel Zeit hat, die angrenzenden Orte und Länder kennenzulernen, ist verständlich. Dennoch lässt Bauer zu den jeweiligen Orten recherchierte Informationen einfließen und gibt ihnen damit ein Gesicht jenseits eines am Wasser vorbeirauschenden Streifen Landes. Dabei kommen dann auch ein paar skurrile Fragen zur Sprache. Ist etwa die Donau ab Passau gar nicht mehr die Donau? Sondern fließt die Donau dort vielleicht in den Inn? Und wo liegt nun wirklich die Quelle der Donau? Bei Donaueschingen, in Furtwangen oder gar in den Pyrenäen?

Ganz zu Beginn formuliert Bauer auch die seine “Reise” bestimmenden Hauptfragen: “Wie komme ich am besten voran”, “Woher bekomme ich genug zu essen und zu trinken” und “Wo finde ich einen sicheren Ort zum Schlafen”

Mit diesen Vorab-Informationen weiß man dann auch worauf man sich einlässt, wenn man zu Bauers Buch greift.

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Ostwärts hat einen festen gebunden Einband und ist mit Fotos ergänzt. Erweitert wird das Buch auch durch eine DVD, die allerdings nur wenig Zusatzinformationen bietet.
In diesem Sinne empfehle ich Bauers Ostwärts sportinteressierten, Männern und Frauen, die sich gern besonderen Herausforderungen stellen und sich informieren wollen, wie es anderen dabei ergeht.

Thomas Bauer: Ostwärts - Zweitausend Kilometer Donau. Mit dem Paddelboot zum Schwarzen Meer (Gebundene Ausgabe mit DVD)
Wiesenburg Verlag (2009)
204 Seiten; 18, 90 € 

Buchtipp: Kleine Geschichte der Ulmer Schachteln

26. August 2009 sgruen Keine Kommentare

Geschichte eines Donaukuriosums

(Sigrid Grün)

In Ulm ist sie ein wichtiges Identifikationsobjekt und beliebtes Gastgeschenk: Die Ulmer Schachtel. Doch auch weit über Ulms Grenzen hinaus, ist das schwarz-weiß bemalte, kiellose Flussschiff bekannt und beliebt. Dr. Wolf-Henning Petershagen ist der Schachtel-Experte und legt mit seiner “Kleinen Geschichte der Ulmer Schachtel” ein für jedermann verständliches und schön gestaltetes Buch vor, das ein interessantes Kapitel der Donauschifffahrt aufgreift. Der Autor räumt hier allerdings mit vielen Missverständnissen auf, die das Bild der Schachtel bislang prägten. Die Ulmer Schachtel gibt es nämlich durchaus nicht nur in Ulm, und auch die sogenannte “Schopperfuge”, die ursprünglich charakteristisch für das Donauschiff war, gehört der Vergangenheit an. Was eine Schopperfuge ist? Ganz einfach! Das ist der keilförmige “Freiraum zwischen den Brettern der Bordwände oder des Schiffbodens”, in den Moos “geschoppt” wurde, das bei Feuchtigkeit aufquoll und somit kein Wasser mehr durchgelassen hat.

Außerhalb von Ulm sind die Schachteln vor allem deshalb bekannt, weil auf ihnen im 18. Jahrhundert zahlreiche Siedler donauabwärts nach Ungarn ausgewandert sind. Diesem Kapitel in der Geschichte der “Schwabenplätte” widmet sich Petershagen ausführlich. Der Ulmer Rat war angesichts der vielen Auswanderungswilligen übrigens nicht gerade erfreut, da er befürchtete, dass seine Untertanen sich geradewegs in die “Gefahr barbarischer Sklaverei” stürzen würden. Nichtsdestoweniger war der Zustrom an der Ulmer Schiffslände enorm. Im Jahr 1786 wurden innerhalb von 3 Monaten etwa 3.000 Auswanderer gezählt.

Doch nicht nur die Situation in der neuen Heimat lag im Ungewissen, auch die Schiffsreise war riskant. Petershagen berichtet von den Gefahren, die die Donau mit sich brachte und von Havarien, denen Ulmer Schachteln zum Opfer fielen. Im Juni 1963 verkeilte sich beispielsweise die “Stadt Wien” beim Passieren einer Staustufe zwischen zwei Wehrpfeilern und zerbarst schließlich an den Stahlpfeilern einer Arbeitsbrücke. Die Passagiere konnten glücklicherweise noch rechtzeitig von Bord gehen. All dies hat der Autor in Wort und Bild dokumentiert.

Überhaupt findet der Leser und Betrachter hier beeindruckende historische Aufnahmen, die die Frühzeit der Donauschifffahrt zum Leben erwecken.

Petershagen erzählt gut verständlich und fundiert von der Geschichte der “Schachtel” und bietet damit allen an Volkskunde, Geschichte und natürlich an der (Donau)Schifffahrt Interessierten eine kurzweilige und spannende Lektüre.

Regensburger können die Ulmer Schachtel übrigens an der Donaulände bewundern. Auf einem Relief ist hier eine “Schwabenplätte oder Ulmer Schachtel” zu sehen.

Kleine Geschichte der Ulmer Schachteln

Kleine Geschichte der Ulmer Schachteln

Dr. Wolf-Henning Petershagen (Autor)
Kleine Geschichte der Ulmer Schachteln
www.klemm-oelschläger.de
79 Seiten für 12,80 Euro

Keine Probleme an Bord

23. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Seit einigen Tagen sehen Jogger, Spaziergänger und Radler, die zwischen Donau und Schillerwiese in Regensburg ihren Freizeitaktivitäten nachgehen, ein unbekanntes Schwimmobjekt: “Hakuna Matata” steht auf dem floßähnlichen Gebilde mit rotem Häuschen. Ob wohl der gegenüberliegende Ruderclub eine schwimmende Saftbar eröffnet hat oder ob gar Fahrendes Volk von Rumänien oder Bulgarien die Donau aufwärts gekommen ist?

Nein, Marek und Luise wollen zum Schwarzen Meer. Aber eigentlich ist selbst diese Aussage schon falsch, da zu konkret. Denn die Lebenseinstellung der beiden “Flößer” ist mit dem abgegriffenem Satz “Der Weg ist das Ziel” zusammenzufassen. Wie weit sie letztendlich wirklich kommen, was ist, wenn der Winter einbricht, ihr Boot zerschellt oder sie von Piraten überfallen werden, wird sich zeigen, wenn es soweit ist. Deshalb ist ihnen auch egal wie lang die Fahrt dauern wird. Wenn es ihnen irgendwo gefällt, wie in Regensburg, bleiben sie länger. Gut, in Regensburg haben sie einen Freund und dann war da noch das Bürgerfest…

Die Hakuna Matata mit ihren Eignern Marek Und Luise vor Pfaffenstein

Die Hakuna Matata mit ihren Eignern Marek Und Luise vor Pfaffenstein

Vorbereitung und Floßbau

Dieser Freund hat übrigens auch etwas damit zu tun, dass sie mit dem Floß unterwegs sind. Im Jahre 2000 hat er auf der Elbe eine Floßfahrt von Dresden nach Hamburg unternommen. Marek wollte damals eigentlich mit. Private Gründe verhinderten das. Nun will er es nachholen - mit Luise. Und was sind schon knapp 600 km zwischen Dresden und Hamburg. Wenn, dann musste es eine richtige Herausforderung sein. Also vielleicht ca. 2500 km von Donaueschingen zum Schwarzen Meer? Aber so ein Projekt bedeutet, trotz der lockeren und ungezwungen Herangehensweise der Beiden: Vorbereitung. “Wir sind ja keine Pioniere” sagt Luise, “da kann man schon auf die Erfahrungen Anderer zurückgreifen“. Dank des Internets ist das heute zum Glück alles kein Problem mehr. Tatsächlich gibt es neben einer Vielzahl Donau-Kreuzfahrt-Reisebücher auch einige Literatur zu alternativen Donaureisen mit Kanu oder Paddelboot. Da beide keinerlei Erfahrung mit der Fortbewegung im Wasser hatten, waren es vor allem grundlegende Informationen zum Floßbau und zu Genehmigungen, die sie sich telefonisch oder im Internet besorgen mussten. Nach ungefähr drei Monaten Vorbereitung ging es an die Umsetzung. Marek (30) stammt aus Chemnitz und verdingt sich als reisender Tischler. Luise (22), deren Heimatstadt Berlin ist, verdiente zuletzt ihren Lebensunterhalt als Kellnerin in einem Restaurant in der Schweiz. Nun eignete sich weder Chemnitz noch Berlin als Ausgangspunkt für eine Donaureise. Es musste ein Ort gefunden werden, wo genügend Platz vorhanden war, um das Floß zu bauen ohne Jemanden zu stören und wovon es bis zur Donau nicht all zu weit war, schließlich mussten sie das Floß, wenn es fertig war dorthin bringen. Wie so oft, spielte der Zufall dabei gehörig mit. Der erste Bauernhof, der sich ihnen durch familiäre und freundschaftliche Beziehungen auftat, erwies sich leider als ungeeignet. Doch deren Besitzer vermittelte sie an eine Familie in Peterzell im Südschwarzwald. Hans-Hartwig Lenzner und Antje Lützow entschieden sich nach kurzer Bedenkzeit dafür Mark und Luise zu helfen. Drei Wochen bauten Marek und Luise ihr Floß, während sie, wie selbstverständlich auf dem Untermühlbachhof in die Familie Lützow integriert wurden. Die Familie hatte ohnehin viele Mitglieder. Neben den bereits erwähnten Ehepaar gehörten, mehrere Kindern und einigen Tieren dazu. Auf zwei Leute mehr am Essenstisch kam es da nicht an. Marek und Luise erhielten sogar das Holz, welches sie zum Bau brauchten kostenlos von ihnen. Sie versuchten sich für die erwiesene Unterstützung durch kleine Arbeiten auf dem Hof zu bedanken. Mal hackten sie Holz, dann strichen sie ein Geländer oder räumten eine Scheune auf. Die selbstlose Hilfe, die ihnen von den Lützows entgegengebracht wurde, sollte ihnen auf ihrer Reise noch oft begegnen. Den Beweis lieferte sogleich der Besitzer einer Autovermietung. Er stellte ihnen äußerst günstig ein Fahrzeug für Transport des 1,3 Tonnen schweren Wasserfahrzeugs zu Verfügung.

Leinen los und Schiff ahoi

Am 07. Juni 2009 war es dann soweit. In Günzburg, 20 Kilometer nord-östlich von Ulm, sollte das mit 14 Schwimmkörpern, zwei Rudern und einem Motor versehene, ca. 3 x 4 Meter große Floß, zu Wasser gelassen werden. Ein richtiger kleiner Stapellauf war das wohl, bei dem viele Leute aus dem Ort, aber auch Familie Lützow und Luises Eltern anwesend waren. Das Schiff wurde mit Sekt auf den Namen Hakuna Matata getauft. Ein Satz aus der afrikanischen Sprache der Swahili, der übersetzt soviel bedeutet wie „Es gibt keine Probleme“. Ein frommer Wunsch mag man denken angesichts der ihnen bevorstehenden ca. 2500 Kilometer Donauweg.
Die ersten Kilometer hatten sie ein paar Passagiere an Bord. Eine Freundin mit zwei Kindern und einem Hund. Da war schnell klar, dass das Floß für so viele Leute auf Dauer zu klein war. Und Marek und Luise waren froh, dass sie sich nur zu zweit und nicht wie ursprünglich geplant zu sechst, auf das Abenteuer eingelassen hatten.

Bis zum Donaudurchbruch in Weltenburg ist der Motorverkehr auf der Donau verboten. Dementsprechend angenehm, ohne lästige Motorboote oder Dampfer deren Wellengang kleine Boote sofort in gefährliches Schwanken versetzt, verlief die Fahrt meistens. Naja, meistens. Bei Dillingen wurde eine Schleuse gewartet. Die Wartung war tatsächlich mit 14 Tagen veranschlagt. Zum Glück trafen sie einen netten Bauern, der ihr Floß auf den Hänger seines Traktors lud. Die Schleuse war umfahren. Wieder ein netter Mensch der selbstlos und unkompliziert Hilfe leistete.

Doch eine unangenehme Begegnung hatte sie bisher. Und zwar in Regensburg. Ein Anwohner oder Passant fühlte sich nämlich belästigt und zwar vom Anblick des unbekleideten Mareks in der Donau. Zum Glück gehörte der von ihm gerufenen Polizist wieder zu den Guten. Aber ihre Papiere wollte er doch sehen. Die waren jedoch vollzählig: eine Art Zulassung für das Boot und die Wassernutzungsgenehmigung vom Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg.

„Die Donau hat uns schon viel genommen“ sagt Marek, als ich die beiden auf ihre Blumenkästen anspreche. Nicht nur einer der Blumenkästen, auch ihre beiden Fahrräder seinen unabhängig voneinander schon auf Tauchgang gewesen. Das erste konnten sie, da es in relativer Ufernähe passiert ist, noch selbst bergen. Mit viel Geduld und einer 4 Meter langen Leiter. Doch beim zweiten hatten sie keine Chance. Ungläubig schaue ich ihre beiden Fahrräder an. Was die Donau einmal in ihren Fängen hat, gibt sie nicht ohne Weiteres her, vor allem nicht bei Hochwasser. Und zur Zeit herrschte Hochwasser. Allein in Regensburg liegen wohl hunderte Fahrräder in der Donau. Erst im Letzen Jahr wurden einige davon geborgen und zu einen riesigen gut 10-Meter-hohen Berg aufgetürmt. „Wir hatten schon den Fahrradschlüssel hinterhergeworfen“ da wir die Hoffnung aufgegeben hatten, gestand Luise. Doch dann probierten sie es doch noch bei der Feuerwehr. Die einzige Taucherstaffel im Umkreis von 100 Kilometern sei in Kelheim. Was für ein Zufall. „Aber für die Kosten eines Feuerwehreinsatz könnten sie sich zwei neue Fahrräder kaufen„, gab ich zu bedenken. Die Feuerwehrleute waren so entgegenkommend, dass sie den Einsatz als Übung deklarierten, so dass sie keinerlei Kosten hatten. „Wir haben uns mit einem Kasten Bier bedankt“.

Unglaublich! Und das in Deutschland „Da glaubt man ja wieder an das Gute im Menschen“. „Das tun wir sowieso“ erhielt ich als Antwort. Wahrscheinlich ist genau diese Einstellung die Voraussetzung um ein solches Wagnis einzugehen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen, denen sie begegnen, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Marek und Luise ein Stück Freiheit leben, von dem die Andern träumen.

Aber das alles ist ja erst der Anfang. Hoffentlich wird es so bleiben. Inzwischen haben die beiden Regensburg wieder verlassen. Also ihr zwei: weiterhin viele nette Menschen auf eurer Reise und allzeit eine Handvoll Wasser unter dem Kiel.

Experimentelle Archäologie wie sie sein soll

9. Juni 2009 sgruen Keine Kommentare

(Sigrid Grün)

Woran denkt man, wenn die Rede von Althistorikern ist? An die Arbeit in muffigen Archiven und gigantische Fußnotenapparate?
Dr. Heinrich Konen, seines Zeichens Akademischer Rat am Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Regensburg, hat in dem großangelegten Unternehmen Exploratio Danubiae etliche Exemplare der Gattung Geschichtsstudent aus dem Elfenbeinturm - oder zumindest dem Lesesaal - direkt in eine römische Galeere befördert.
Nach Navis Lusoria. Ein Römerschiff in Regensburg (erschienen 2004 im SCRIPTA MERCATURAE Verlag, St. Katharinen) tritt nun die Fertigung des Flussschiffes vom Typ “Lusoria” in den Hintergrund. In der Exploratio Danubiae bricht die Regina von Mariaort aus auf eine Fahrt mit ungewissem Ausgang auf. Über 700 Stromkilometer und 18 anstrengende Tage lagen Mitte August 2006 vor den Reginauten. Das Ziel sollte Budapest sein. Und - soviel kann man schon verraten - die Galeerenstudenten (es sind allerdings nicht nur Studenten am Ruder) haben es tatsächlich geschafft. Auch wenn die Fahrt reichlich strapaziös und das Unternehmen bis kurz vor Schluss alles andere als in trockenen Tüchern ist.
Das Experiment ist geglückt und einige interessante Fragen konnten geklärt werden. Nein, die Studenten von heute sind keineswegs verschnarchte Faulpelze, die sich gerade mal so von einem Pflichtschein zum nächsten durchs Studium hangeln. Hier sieht man, wie motiviert und unglaublich leistungsfähig junge Geisteswissenschaftler sein können, wenn man sie denn lässt. Auch das rekonstruierte Schiff hat sich als tauglich erwiesen. Und die Angaben über die Streckenleistung römischer Legionäre und Flottensoldaten, die der griechische Historiker Zosimos mit 100-150 km/Tag beziffert hat, sind ebenfalls realistisch.
Dieses Buch demonstriert eindrucksvoll, wie Geschichte viel öfter sein sollte: Spannend und lebendig.
Das Buch, das eine gelungene Mischung aus Reise- bzw. Abenteuerbericht und fundierter wissenschaftlicher Dokumentation darstellt, ist deshalb nicht nur für Historiker, sondern gerade für an (römischer) Geschichte interessierte Laien ein wahrer Leckerbissen.
Hier bleibt so gut wie keine Frage offen. Selbst das heikle Thema “sanitäre Anlagen” auf einem rekonstruierten Römerschiff wird nicht ausgespart (ich verrate allerdings nichts!) - gut so!
Sehr schön ist auch die beiliegende DVD: Eine Dokumentation des BR, die den Zuschauer hautnah miterleben lässt, was der Römer bzw. die Römerin (1/5 der Besatzung ist weiblich) von heute so leisten muss.

Man kann das Team um den gutaussehenden Geschichtsdozenten Konen zu diesem gelungenen Unternehmen und dem schönen Buch, das in der Folge entstanden ist, nur beglückwünschen.
Sehr zu empfehlen!

Florian Himmler; Heinrich Konen; Josef Löffl (Autoren):
EXPLORATIO DANUBIAE. Ein rekonstruiertes Flusskriegsschiff auf den Spuren Kaiser Julian Apostatas
Frank & Timme Verlag
124 Seiten mit DVD für 29,80 Euro

Exploratio Danubiae - Ein rekonstruiertes spätantikes Fkusskriegsschiff auf den Spuren Kaiser Julian Apostatas

Exploratio Danubiae - Ein rekonstruiertes spätantikes Flusskriegsschiff auf den Spuren Kaiser Julian Apostatas