zauberhafte belgrader Tristesse
Ljubav i drugi zločini / Liebe und andere Verbrechen von Stefan Arsenijević (SRB, D, A, SLO 2009) bei der serbischen Filmwoche der donumenta
Die serbische Filmwoche begann mit zwei wunderbaren Filmen: mit Emir Kusturicas zauberhaft-schrillem Balkan-Klassiker Schwarze Katze, weißer Kater und der europäischen Koproduktion von Stefan Arsenijević Ljubav i drugi zločini / Liebe und andere Verbrechen.

In der tristen und trostlosen Plattenbausiedlung „Neu-Belgrad“, kämpft jeder um eine bescheidene Existenz. Auch eine Hand voll Menschen um den Kleinganoven Milutin, deren Leben anhand eines einzelnen Tages in Liebe und andere Verbrechen dargestellt wird. Bald wird klar, dass jeder der Figuren eine Vergangenheit hat, die ihn nicht loslässt. Diese Geheimnisse werden angedeutet, aber nicht ergründet. Was ist zwischen Milutin und seiner einstigen großen Liebe geschehen, oder zwischen Anica, Milutins Freundin, und ihrem Ex-Mann? Warum hört Milutin immer wenn er hadert “Bésame mucho“. Warum spricht Ivana, Milutas Tochter, nicht? Nur das Geheimnis Stanislavs, Milutins rechte Hand, wird nach und nach, ganz unspektakulär und fast beiläufig aufgedeckt. Er liebt Anica seit er ein kleiner Junge ist und träumt davon als Zauberkünstler mit ihr irgendwo ein neues Leben zu beginnen. Als er bemerkt, dass sie Milutin verlassen und heimlich verschwinden will, verlangt er von ihr ihn mitzunehmen. Um sie zu überzeugen besucht er mit ihr kleine Orte im Beton des Vororts, die er mit ihr verbindet. Hier hat sie ihn gescholten, als er sich mit einem Freund prügelte. Von dort hat er sie seither stets beobachtet. Anica ist skeptisch und doch nimmt auch sie ihn mit zu einem Ort ihrer Vergangenheit. Stanislavs Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Mutter und Milutin und vielleicht auch der Zweifel daran, dass Anica ihn irgendwann wirklich lieben könnte, lässt ihn zögern. Letztlich bleibt er und lässt Anica allein ziehen.
Der Film besitzt trotz aller Tristesse und aller Hässlichkeit des Vororts einen feinen leisen Humor, der immer wieder schmunzeln lässt. Auch die Menschlichkeit hat an diesem rauen kalten Ort ihren festen Platz. Milutin, der ohne zu zögern gegen säumige Schutzgeldzahler vorgeht, kümmert sich voll Hingabe um sein Tochter. Stanislav bezahlt einen Restaurantbesitzer dafür, dass dieser seine Mutter im Restaurant singen lässt. Anica, beschenkt vor ihrem heimlichen Abgang alle Menschen in ihrer Umgebung. Und sie legt einen Teil des Geldes, dass sie aus Milutins Tresor stielt wieder zurück. Milutin wiederum hat für sie extra etwas mehr hineingelegt.
Trotz aller Hässlichkeit ein so traurig schöner Film mit unzähligen Versionen von „Bésame mucho“ und einem Soundrack von Nacked Lunch. Ein Film zum Nachdenken, Lächeln und Weinen.
Ljubav i drugi zločini / Liebe und andere Verbrechen von Stefan Arsenijević;
SRB, D, A, SLO 2009
mit Anica Dobra, Vuk Kostić, Milena Dravić, Feda Stojanović, Hanna Schwamborndie serbische Filmwoche der donumenta in der Filmgalerie im Leeren Beutel dauert noch bis Mittwoch, den 19. Oktober.
Außerdem läuft am Mittwoch, den 2. November 20.45 Uhr in Zusammenarbeit der CinEScultura Objectivo braila/Ziel Braila (E 2010) von Antonio Quirós. Darin führt die Suche nach einer Frau einen Taxifahrer und dessen Freund 8500 Kilometer durch ganz Europa.
www.donumenta.de | www.filmgalerie.de








