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Niederbayernkrimis - der neue Heimatfilm

25. April 2014 lweser Keine Kommentare

DVD/Heimatkrimi/TV-Ausstrahlung: Paradies 505. Ein Niederbayernkrimi - Regie: Max Färberböck und Dampfnudelblues, Ein Eberhoferkrimi - Regie: Ed Herzog

Am morgigen Samstag strahlt das Bayerische Fernsehen zwei niederbayerische Krimis als Double-Feature aus. So etwas hat es wohl bisher noch nie gegeben. Anlaß genug sich mit der Lage des Heimatfilmes generell und die der lokalen Kriminalkomödien im besonderen auseinanderzusetzen.

Sendetermine BR-Heimatkriminacht
Samstag, 26. April 2014, Bayerisches Fernsehen

20.15 Uhr: Dampfnudelblues, Ein Eberhoferkrimi, Regie: Ed Herzog, mit: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz,
22.00 Uhr: Paradies 505, Ein Niederbayernkrimi, Regie: Max Färberböck, mit: Johanna Bittenbinder, Florian Karlheim

paradies-505-dvdParadies 505 - Ein Niederbayernkrimi

Regie: Max Färberböck

Buch: Christian Limmer, Musik: Sebastian Horn, Gerd Baumann, Dominik Schreiber

Darsteller: Johanna Bittenbinder, Florian Karlheim, Stefan Betz, Moritz Katzmair, Tim Seyfi, Hannes Ringlstetter, u.v.m.
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89 min, farbe, D 2012
Sprache: Deutsch
Extras: Booklet, Making of, entfallene Szenen
Telepool / KNM Home Entertainment GmbH
VÖ: 21. Oktober 2013
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weitere Informationen unter:
www.br.de | www.knm-media.de

dampfnudelblues-dvdDampfnudelblues - Ein Eberhoferkrimi

Regie: Ed Herzog

Buch: Christian Zübert nach dem Roman von Rita Falk, Musik: Martin Probst

Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Ilse Neubauer, Eisi Gulp, Siggi Zimmerschied, u.v.m.
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87 min, farbe, D 2012
Sprache: Deutsch
Extras: Booklet, Making of, Interviews
Telepool / KNM Home Entertainment GmbH
VÖ: 06. Dezember 2013
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weitere Informationen unter:
www.daserste.de | www.knm-media.de

Prinz Achmed lockte

15. August 2013 lweser Keine Kommentare

Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Regie: Lotte Reiniger, D 1926, Live-Musik: Gebr. Teichmann / Leopold Hurt, 31. Regensburger Stummfilmwoche 2013, Klostergarten der Minoritenkirche, Regensburg

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Hochgenuss für Film- und Musikliebhaber mit Lotte Reiniger

18. März 2013 lweser Keine Kommentare

Lotte Reiniger, die Kurzfilmwoche zu Gast in der Hochschule für katholische Kirchenmusik, Regensburg

kufi2013_lotte-reiniger1Mit großer Spannung wurde bei der diesjährigen Regensburger Kurzfilmwoche auf eine neue Zusammenarbeit der besonderen Art geblickt: die des Festivals mit der Hochschule für katholische Kirchenmusik und gleichzeitig mit der Regensburger Stummfilmwoche. Das mag nur auf den ersten Blick eine absolute Neuheit sein, denn mit den “Plattenfilmen” gibt es ja bereits eine Tradition der Live-Vertonung von Kurzfilmen bei der Kurzfilmwoche. Zugegeben, das ist nur halb-live, kommt doch die Musik, die aufgelegt wird, aus der “Konserve”.

Die Studenten der Hochschule für Kirchenmusik vertonten einige der liebevoll gestalteten Silhouettenfilme von Lotte Reiniger aus den Jahren 1921 bis 1954, die sich neben der Detailgenauigkeit auch durch viel Witz auszeichnen. Dabei offenbarte sich eine musikalische Bandbreite, die von Kirchenmusikstudenten nicht unbedingt erwartet wurde. Da gab es zarte Einzelbegleitung mit Orgel (Max Pöllner) zu Carmen oder Cello (Stefan Shen) zu Galathea, eine Adaption der Pygmalionsage. Ein klassisches Ensemblespiel mit zwei Violinen, Kontrabass, Klavier, Klarinette und Cello kam bei einer Adaption des Rattenfängers von Hameln zum Einsatz. In der Auftragsarbeit, die Reinigner zum Tag der Hausmusik produzierte, werden statt Kinder Musikinstrumente entführt. Zum Kleinen Schornsteinfeger waren jazziger Clubsound und bekannte Filmmusikmotive von James Bond bis zum Rosaroten Panther zu hören. Henriette Olbertz, Katrin Schmidmayr und Armin Weinfurter sind ein eingespieltes Trio mit Astor-Piazzolla-Vorliebe, die mit Cello, Klavier und Geige, Reinigers Dornröschen in Tangoflair versetzten. Der fliegende Koffer von 1921, nach einem Märchen von Hans Christian Andersen, das im fernen China spielt, wurde von Franzi Kießl und Kristin Schorr mit Geige und einer Vielzahl Percussioninstrumenten zauberhaft akzentuiert. Georg Zeller (Klavier, Akkordeon und Kazoo) und Stefan Shen (Cello, Geige) unterstrichen den Witz von Reinigers expressionistischem Aschenputtel aus dem Jahr 1922 sogar mit Gesang und mit Hilfe eines Luftballons.
Dass die Kirchenmusikstudenten dabei nicht hinter den routinierten Vertonungen der Stummfilmwoche zurückstehen müssen, bestätigten neben einigen Gästen auch Nicole Litzl, die Leiterin der Regensburger Stummfilmwoche, die mit viel Hindergrundwissen zum Stummfilm im Allgemeinen und dem Silhouettenfilm im Besonderen, sowie mit einigen Anekdoten aus Lotte Reinigers Leben, durch den Abend führte.
Die Zuschauer der knapp dreistündigen Veranstaltung hätten gut eine kleine Pause vertragen können. Insgesamt war der Abend ein Hochgenuss für Film- und Musikliebhaber.
Mit einigen kleinen Verbesserungen (z.B. einer etwas größeren Projektion, einem geheizten Konzertsaal und einer professionelleren Vorstellung der Musiker) wäre es wünschenswert, wenn diese Art der Zusammenarbeit weitergeführt und ausgebaut würde.

Alle, die Lust auf mehr Lotte Reiniger bekommen haben, können bei der 31. Regensburger Stummfilmwoche im August 2013, ihren Langfilm, und den ersten Lang-Trickfilm der Filmgeschichte überhaupt (1923-1926), Die Abenteuer des Prinzen Achmed sehen. Vertont wird er von den Gebrüdern Teichmann und Leo Hurt.
Bei der Kurzfilmwoche, die noch bis zum 20 März geht, kann man morgen, am Dienstag 21.00 Uhr im Ostentor-Kino die Plattenfilme sehen und hören. Es soll noch Karten geben.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de | www.hfkm-regensburg.de
Mit Dank an www.photographie-fischer.de

Auf das Timing kommt es an, auch in Bayern

15. März 2013 ffranc Keine Kommentare

Bavarian MuVis bei der 19. Regensburger Kurzfilmwoche am 15.03.2013 @ Filmgalerie im Leeren Beutel

Das einzige Programm der Reihe The World of Shorts - The World of Music bei der diesjärigen Kurzfilmwoche in dem ausschließlich Musikvideos gezeigt werden, nennt sich Bavarian MuVis. Kurator Stefan Grunwald-Wiese hat darin ganze 26 Beiträge von ausschließlich bayerischen Interpreten versammlet, daher auch der Programmname. Ein gewagtes Unterfangen. Weniger durch die eingeschränkte geografische Auswahl, als darin begündet, A) eine möglichst große Bandbreite sowohl in musikalischer als auch in filmischer Hinsicht zu zeigen, und B) dass Musikvideos allzu oft aus cineastischem Blickwinkel nach unten ausschlagen, weil das Hauptanliegen vieler Musiker darin besteht, als Person einen möglichst guten Eindruck zu machen. Andererseits bot das “Genre” des Musikvideos Filmemachern schon immer die Möglichkeit sich möglichst frei und experimentell auszutoben.
Dass die Bavarian MuVis sowohl das eine als auch das andere unter Beweis stellt ist selbstredend. Auffallend jedoch ist, dass weder ein fränkischer Beitrag, noch einer aus früheren Regionalfenstern, wie die eines Säm Wagners oder Blink & Remove, den Weg ins Programm fanden.

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Zwei Videos waren eigentlich total überflüssig: ein Live-Mitschnitt mit animiertem Intro von Hans Söllner und eine Studio-Session von Nixon In China - beides filmisches Nichts! Zwei andere fielen aus unterschiedlicher Sicht aus dem Rahmen. Die United Balls als einzige Vertreter aus der Musikvideo-Steinzeit (1981) und das Ost Hafen Duo mit einer Musik jenseits aller Kategorien und einem Bild als stilllebenhafte Homage an den Gäuboden.
Besonders beliebt im Musikvideo-Biz scheint die Stop-Motion-Technik zu sein. Egal ob als Realfilm (Slut), Puppenanimation (The Notwist) oder Zeichentrick (Missent to Denmark), die Ergebnisse darin erübrigen nicht einer gewissen Niedlichkeit, sind ansonsten sehr durchschnittlich, wenig originell und meist mies bis gar nicht choreografiert.
Wie wichtig Timing bei Musikvideos ist zeigen die Höhepunkte dieses Programms. Blumentopf aus München haben zu einem der wahrscheinlich bescheuertsten Deutsch-Hip-Hop-Nummern ein Zu-Fuß-Roadmovie ohne Schnitt realisiert, nicht besonders originell, aber eben perfekt getimt und schlüssig. Ebenso Ebow mit einem reinen “Tanzfilm” im Eighties-Look, beige GT mit einer eher grafischen Optik und anheimelnden Szenen aus einem Nordoberpfälzischen Auto-Tuning-Treffen, und der Fast-Oldie der Sportfreunde Stiller Wellenreiten ‘54, mit simplen Aufnahmen aus einem Freibad mit Dreifach-Sprungturm.

Drei Videos, die besonders herausstachen, waren zum einen Fittenbudes Wings. Der einzige Teilnehmer, der einem kleinen Spielfilm glich und völlig vom musikalischen Takt losgelöst, das Coming-Out eines Lehrers thematisiert. ZiehGäuner aus dem Bayerischen Wald haben mit Ihrem Film zu Mamabua nicht nur einen Mitreißer erster Güte, sondern auch ein traumhaftes Video aus 50er-Jahre-Found-Footage und darin integrierten und nicht merkbaren Aufnahmen der Band geschaffen. Ein perfekter Spaß auf ganzer Linie und ein positiver Beitrag aus der ON3-Werkstatt des Bayerischen Rundfunks, die ansonsten eher aufgeblasene Teenie-Selbstdarstellung unterstützt. Und zu Guter Letzt sei noch Zombie Nations Gizmode erwähnt, ein perfekt choreografierter, klassischer Musikclip mit optimal ins Bild gesetzten Aufnahmen aus Tokyo. Einfach, gut, stimmig.

Die anschließend im Foajee der Filmgalerie stattfindende Foyerstelle-Party war ebenso stimmungvoll wie schlecht besucht. Um so mehr konnten die Anwesenden beinahe schulterzuckend über die sich viral mündlich verbreitenden Neuigkeit des Ausfalls der morgigen “großen” Zündfunk-Party hinwegsehen. Ihren Spass hatten sie ja schon gehabt, egal ob flätzend im Fatboy oder aktiv auf den Tanzplanken des Leeren Beutels. Wer die Feuerstelle nicht ehrt, ist des Zündfunkes nicht wert.

Alle, die sich einen Überblick über bayerische Musikvideoproduktionen verschaffen möchten und über einen breitgefächerten Musikgeschmack verfügen, können sich noch heute und am Dienstag den 19.03.2013 im W1, jeweils um 21.00 Uhr die “Bavarian MuVis” anschauen.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de

Ansonsten sind alle Videos auch im Web zufinden, wie zum Beispiel aus Sympathie-Gründen:

Verloren in Dolores, getanzt, gefilmt

13. November 2012 ffranc Keine Kommentare

Erik Grun, regensburger Dauerfilmer und frisch dekorierter Kulturförderpreisträger geht wieder fremd, und das ist gut so. Ein Tanzfilm ist es dieses Mal geworden, gar ein Regensburg-Tanzfilm. Zwei Jahre schon ging er zusammen mit Hans Krottenthaler von der Alten Mälzerei und Fotograf Hubert Lankes mit dieser Idee schwanger. Zu den Tanztagen 2012 hat sich der Traum der tanzbegeisterten Akteure endlich erfüllt.

Glückliche Tanzfilmväter mit Tänzerin

Glückliche Tanzfilmväter mit Tänzerin


Basierend auf einem simplen Drehbuch Gruns um eine Vierer-Beziehung zwischen einem Mann und drei Frauen ist ein einstündiger Film entstanden, der in gewohnter grunscher Manier in sagenhaften drei Tagen abgedreht wurde. Der Plot ist denkbar dünn wie Grun selbst zugibt, dennoch ist dem Regisseur ohne Zweifel ein stimmiger, kurzweiliger und wahrhafter Tanzfilm gelungen. Ohne die Komik (also kaum) und den üblichen Darstellern (also fast) seiner bayerischen Komödien, ohne Dialoge - von einigen verzerrt gefluchten Sätzen auf Spanisch abgesehen - kommt Verloren in Dolores ganz gut aus, auch zur Überraschung seines Spielleiters. Das liegt zum einen an den vier Protagonisten, die durch ihre meist improvisierten und selbst choreografierten Tänzen den Film zu großen Teilen tragen. Die beiden Argentinier Carlos Osatinsky und Mercedes Appugliese, Silke Woschnjak aus Österreich und die in Regensburg lebende Berenika Kmiec sind die vier tanzenden Hauptdarsteller. Die wahren Stars des Filmes scheinen indes tatsächlich die Stadt Regensburg, und vor allem die Wohnung des Kameramanns Hubert Lankes zu sein. In diesem Interieur voller Kram und Kuriositäten, schweift das Auge gerne mal auf die Details im Hintergrund und am Rande. Selbstredend hat Herr Lankes seine Bude ins rechte Licht gesetzt, und fand dort sogar einen geeigneten Platz, um eine beeindruckende Gefängnisszene zur gestalten. Überhaupt kann die gesamte Fotografie, wie schon bei dem ersten gemeinsamen Grun-Lankes-Projekt Fleischeslust, als hervorragend bezeichnet werden. Die Tanzszene auf dem Parkdeck ist, auch Dank der hervorragenden Witterung, ein echter Augenschmaus, ebenso wie die in einer Altstadt-Parfumerie. Die ganzen Drehorte, von den Klassikern Steinerne Brücke, Dom, Haidplatz usw. bis hin zu weniger ausgelutschten Locations wie Spitalkirche, Mälzerei-Keller, Sarchinger Weiher, Bayerwaldstraße und eben erwähnte Parkdeck und Parfümerie geben dem Film ein regensburger Antlitz, ohne in den üblichen Welterbe-Mittelalter-Klischees abzudriften. Im Kontext von getanzten Stadtführungen und Bewerbungscastings sehen die altbekannten Stadtwahrzeichen irgendwie schön seltsam verdreht aus.
Der einzig zu kritisierender Punkt ist die Musik von Jean Marc Toillon. Zwar passend zu den jeweiligen Szenen, jedoch nicht besonders originell und meist schrecklich arrangiert. Das klingt zu sehr nach Musik aus Werbespots oder nach furchtbarem Reisevideo-Soundtrack. Auch ein paar musikalische Pausen zwischendurch hätten dem Film sicher nicht geschadet. Aber zum Glück gibt’s auch noch Norbert Vollaths Bassklarinette für Liebhaber lieblicher Klänge und dröhnende Techno-Beats einer New Yorker Combo für Loveparade-Nostalgiker.

Wer also einen echten Grun, einen echten Tanzfilm und ein echtes Stadtportrait sehen möchte, hat ab Donnerstag, den 15. November um 19.00 Uhr in der Filmgalerie im Leeren Beutel die Möglichkeit hierzu. Die Premiere am 14. im Saal des Leeren Beutels ist eigentlich schon ausverkauft. Garbo-Kino-Betreiber Achim Hofbauer ließ schon durchblicken, dass er Verloren in Dolores um die Weihnachtszeit herum auch in seiner Spielstätte zeigen werde.

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Verloren in Dolores, D 2012, 60 Min

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Drehbuch, Regie: Erik Grun
Kamera: Hubert Lankes
Musik: Jean Marc Toillon
Tanz: Carlos Osatinsky, Mercedes Appugliese, Silke Woschnjak, Berenika Kmiec, Company Raum B uva.

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14. bis 18. November, jeweils 19.00 Uhr in der Filmgalerie im Leeren Beutel, 6/5 Euro

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www.regensburger-tanztage.de | www.filmgalerie.de

Film-Tipp: Jonas

7. September 2012 sgruen Keine Kommentare

Stell dir vor es ist Schule und du musst wieder hin

(Sigrid Grün)

Christian Ulmen kann so überzeugend in alltägliche Rollen schlüpfen, dass Grenzen zwischen Realität und Film verwischen - das hat er eindrucksvoll bereits in “Mein neuer Freund” bewiesen.
In “Jonas” drückt er wieder die Schulbank. Bisher Schulversager und -abbrecher, darf er an einer brandenburgischen Gesamtschule nun noch einmal sein Glück versuchen. Zunächst auf Bewährung. Ulmen ist der einzige “echte” Schauspieler, der hier agiert. Alle anderen Darsteller sind tatsächlich Lehrer und Schüler. Was allerdings unbedingt gesagt sein muss: Alle Akteure waren eingeweiht. Auch wenn hier der Eindruck entstehen soll, dass mit versteckter Kamera gefilmt wurde und alle Schüler und Lehrer ganz natürlich auf den Chaoten Jonas reagieren, ist dem natürlich nicht so. Der Film gibt also vor, eine Dokumentation zu sein, gleichzeitig weiß man aber, dass es sich um Fiktion handelt, was nicht unbedingt schlecht ist, da “Jonas” für eine mehr oder weniger ernst gemeinte Dokumentation einfach zu albern und hanebüchen wäre. Immerhin verliebt er sich in seine schon etwas reifere Musiklehrerin und traut sich da auch einiges, was selbstverständlich vollkommen in die Hose geht…
Ansonsten wird der Schulalltag recht authentisch gezeigt. Es geht um das Horrorfach Mathematik (mit Logarithmen, die Jonas zunächst überhaupt nichts sagen), verschiedene Lehrertypen, die man vielleicht noch aus der eigenen Schulzeit kennt, können bewundert werden und das Schülerdasein in der heutigen Zeit wird auch ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Schulische Aktivitäten, in diesem Fall das Gründen einer Schulband, kommen ebenfalls nicht zu kurz. “Jonas” ist durch Christian Ulmens überzeugende Darstellung ein unterhaltsamer Film, der aufzeigt, dass Schule keineswegs nur langweilig ist: Schule ist, was du draus machst!
Die Atmosphäre wirkt ausgesprochen authentisch, da ja alles - bis auf Ulmen - tatsächlich echt ist. Negative Schulerfahrungen werden positiv verarbeitet. Jonas kriegt trotz seiner eher mäßigen Leistungen doch noch eine Chance und kann im Rahmen eines Schulkonzerts mit der neuen Band zeigen, was in ihm steckt. In puncto Musik muss ohnehin festgestellt werden, dass hier eine sehr schöne Auswahl getroffen wurde, Deichkind und die Sterne sind zu hören und sogar Helge Schneider singt ein tolles Liedchen über die Schule.
Fazit: Ein Film, der unterhält und an die eigene Schulzeit erinnert. Allerdings sollte man keine allzu ernst gemeinte Doku erwarten. Meine Empfehlung!

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Robert Wilde (Regisseur)
Jonas
www.eurovideo.de
110 Min.; ab 6

30 Jahre Regensburger Stummfilmwoche

5. August 2012 lweser Keine Kommentare

30. Regensburger Stummfilmwoche, Freitag 3. August 2012, Klostergarten der Minoritenkirche - Expertengespräch mit Nina Goslar (arte, ZDF) und Sabrina Zimmermann (Aljoscha-Zimmermann-Ensemble) und Nosferatu, Regie: F.W. Murnau, D 1921/22; musikalisch begleitet vom Aljoscha-Zimmermann-Ensemble

Zum dreißigsten Geburtstag der Regensburger Stummfilmwoche wollten die Organisatoren den treuen Zuschauern etwas Besonderes bieten. So luden sie am Freitag bei freiem Eintritt zu einem Expertengespräch ein. Nicole Litzel vom Organisationsteam der Stummfilmwoche befragte zuerst Nina Goslar, die bei arte und ZDF für Stummfilm verantwortliche Produzentin. Sie sprang spontan für den erkrankten Werner Sudendorf von der deutschen Kinemathek in Berlin ein. Während des Gesprächs kamen einige interessante Hintergrundinformationen zum Vorschein. Wussten Sie zum Beispiel, dass heute nur circa 10% der deutschen Stummfilme erhalten sind? Oder dass eine Nitrokopie, das damals übliche Filmmaterial, eine Haltbarkeit von ca. 100 Jahren hat, so dass die Filmrestauratoren im Moment also gegen die Zeit arbeiten. Ein wenig spezieller wurde es, als es um Musikfassungen ging. Die meisten Stummfilme hatten von Anfang an eine eigene Filmmusik. Zwar sind leider davon nur die wenigsten erhalten, ein populäres Beispiel für eine noch vorhandene Originalpartitur ist jedoch die zu Metropolis. Sie war lange der einzige Hinweis darauf, dass von der damaligen Film-Version ein gutes Stück fehlt. Da die Partitur außerdem über tausend Angaben zum Film beinhaltet, war in diesem Fall die Musik ein wichtiger Baustein zur Restaurierung des Filmes.
Originalpartituren oder auch nur die dafür nötigen Tantiemen aber, kosteten Geld, die sich kleinere Kinos nicht leisten konnten. Darum gab es eine Art Musik-Katalog, in dem verschieden Melodien einzelnen Situationen und Stimmungen von Filmen zugeordnet wurden. Herausgegeben hat sie Giuseppe Becce, der “Quasi-Urvater” der deutschen Filmmusik. Frau Goslar spielte einige Beispielmotive vor. Der Zuschauer/-hörer konnte versuchen zu erraten für welche Situation sie gedacht waren.

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Als Überleitung zu Nosferatu, dem Jubiläumsfilm des Abends und den das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble musikalisch begleiten würde, interviewte Frau Goslar dann Sabrina Zimmermann (vormals Hausmann). Deren Vater, Aljoscha Zimmermann, der bekannteste zeitgenössischen Stummfilmkomponist, hinterließ ihr bei seinem Tod im Jahr 2009, über 400 Partituren. Allein acht Versionen habe er zu Noseferatu geschrieben. Auf jeder Notenblattseite gäbe es bei Zimmermann Synchronangaben. Zusätzlich spielt die Improvisation aber auch eine wichtige Rolle. Zimmermanns Filmmusik kann man als klassische, sehr dramatisch-emotionale Filmmusik bezeichnen. Bestens geeignet für den Horror-Film-Klassiker Nosferatu, zu dessen Inhalt man eigentlich nicht viel sagen muss.
Murnau griff unautorisiert auf Bram Storkers Roman Dracula zurück. In Folge dessen kam es zu Prozessen, die die Produktionsfirma in den Ruin trieb. Die Rechteinhaber forderten gar die Vernichtung sämtlicher Filmkopien. Glücklicherweise misslang dieses Unterfangen.

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Seit Bestehen der Regensburger Stummfilmwoche erweist sich Nosferatu immer wieder als Publikumsmagnet. So auch diesmal. Schön, dass das Publikum neben vielen Stammgästen, auch aus überraschend vielen jungen Leuten bestand. Die Nachfrage war diesmal so groß, dass sogar mehrere dutzend Menschen abgewiesen werden mussten. Beeindruckend bleibt, wie souverän das kleine AKF-Team um Nicole Litzel und Dario Vidojković alle organisatorischen Herausforderungen löst: Aufbau, Kasse, Einlass, Technik, hier einen Zusatzstuhl oder leere Gläser für das Restaurant organisiert, dort schnell ein Interview gegeben und sich trotzdem herzlich um Musiker und Gäste gekümmert. Von der Organisation im Vorfeld (wie Filmauswahl, Filmkopien, Aufführungsrechte ect.) ganz zu schweigen!
Alles Gute, liebe Stummfilmwoche, für die nächsten 30 Jahre.

Bevor es am darauf folgenden Wochenende mit Trotzheirat, Orlacs Hände und Die drei Musketiere weiter geht, kann man bis dahin den diesjährigen Oscarabräumer The Artist (F/USA 2011) in der Filmgalerie ansehen. Eine schöne Idee mit dieser jungen Stummfilmhommage die zwei Stummfilmwochenenden zu verbinden.
Donnerstag 09.08.: Trotzheirat, Regie: Edgar Sedgwick/Buster Keaton, USA 1929
Live-Musik: Rainer J. Hoffmann
Freitag 10.08.: Orlacs Hände, Regie: Robert Wiene, A 1924
Live-Musik: Bertl Wenzl & Markus Stark
Samstag 11.08.: Die drei Musketiere, Regie: Fred Niblo, USA 1921
Live-Musik: Klaus Reichardt & Jan Kahlert
www.filmgalerie.de

„War das das Glück nach dem du dich sehntest?“

4. August 2012 lweser Keine Kommentare

Die Frau, nach der man sich sehnt, Regie: Kurt Bernhardt, D 1929; musikalisch begleitet vom Aljoscha-Zimmermann-Ensemble, 30. Regensburger Stummfilmwoche, Donnerstag, 2. August 2012, Klostergarten der Minoritenkirche

Eine laue Sommernacht, eine große Zuschauerzahl und erwartungsvolle Gesichter. Was kann man sich mehr wünschen, zumindest aus Sicht des AKF (Arbeitskreis Film), dem Veranstalter des vielleicht ältesten Stummfilmfestivals Deutschlands. Die 30. Regensburger Stummfilmwoche wird mit einem recht unbekannten Film eröffnet, der auch an den Tod Marlene Dietrichs erinnert, der sich 2012 zum zwanzigsten Mal jährt. In Die Frau, nach der man sich sehnt aus dem Jahr 1929 inszeniert Kurt Bernhardt die spätere Diva in ihrer ersten Hauptrolle auch erstmals als Femme Fatale.

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Industriellensohn Henri Leblanc (der Schwede Uno Henning) verfällt auf seiner Hochzeitsreise der routinierten Verführerin Stascha (Marlene Dietrich). Sie benutzt ihn, um sich ihres aktuellen Geliebten Dr. Karoff (Fritz Kortner) zu entledigen oder zumindest sich ihm zu entziehen. Mit Karoff verbindet sie ein dunkles Geheimnis - vermutlich verschwor sie sich zuvor mit ihm gegen einen dritten, wie jetzt mit Leblanc gegen Karoff. Eine überraschende Wandlung widerfährt im Laufe des Filmes Staschas Gesinnung. Liebt sie Leblanc letztlich wirklich und ist ihre Reue über den Mord an ihrem Mann etwa echt? Dass am Ende ein paar Fragen offen bleiben liegt vielleicht an den unglücklich gesetzten Zwischentiteln, vielleicht auch am schwachen Drehbuch. Der aufgebauschte Einstiegskonflikt einer halbherzigen Heirat zwischen den Kindern einer bankrotten und einer florierenden Unternehmerfamilie, wird angesichts des neuen Dreieckskonfliktes, ebenso wie die zuvor eingeführten Person einfach fallen gelassen.
Der späte Stummfilm, der wie Stummfilmwochenorganisatorin Nicole Litzel bei der Einführung erwähnte, vom technischen Standpunkt der Zeit, auch schon ein Tonfilm hätte sein können, wirkt sehr modern. Seine Spannung erhält der Film hauptsächlich durch den Schnitt. Es ist ein Film der Blicke. Ab dem Auftritt der Dietrich werden ständig Blicke gegeneinander geschnitten: Marlenes verführerischer Blick - Leblancs interessierter. Kortners lüstern-verlangender Blick – Marlenes verachtend-kühler. Leblancs zweifelnder - Marlenes verzweifelter Blick. Karloffs misstrauischer – Marlenes unschuldig-verletzter Blick. u.s.w. Beeindruckend wie sich Spannung und Konflikt allein durch diese Blicke darstellen lassen und ein Beweis des Potentials und er Leistung des Genres. Ein weiterer unverzichtbarer Beitrag zur Stimmungserzeugung ist natürlich die Musik. Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble, bestehend aus Sabrina Zimmermann (Geige) und Mark Pogolski (Piano) begleiteten nach der Partitur von Aljoscha Zimmermann den Film musikalisch und unterstützten damit die anfängliche Leichtigkeit und die später tragische Wendung.

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Nebenbei: Das Drehbuch von Ladislaus Vajda (der Vater von Ladislao Vajda, dem Regisseur von Es geschah am helllichten Tag) basiert übrigens auf einen Roman von Kafka-Freund und -Verleger Max Brod. Regisseur Kurt Bernhard machte später als Curtis Bernhardt in Hollywood Karriere. Außerdem gibt es in Eine Frau, von der man sprich die wahrscheinlich erste Drive In-Szene der Filmgeschichte.

Dass es nach der Pause wie aus Kübeln zu Regnen begann, tat der Stimmung an diesen Abend übrigens keinen Abbruch. Zwar bot die Ausweichspielstätte, die Filmgalerie im Leeeren Beutel, in die man nach dem Wettereinbruch gemeinschaftlich umzog, nicht für alle Besucher einen Sitzplatz, aber man rückte zusammen, gab Sitzkissen herum und machte es sich auf dem Fußboden oder Fensterbrettern gemütlich. Fast so wie im Hörsaal - nur schöner.

Die Frau, nach der man sich sehnt, D 1929
Regie: Kurt Bernhardt, Drehbuch: Ladislaus Vajda nach Max Brod, Kamera: Curt Courant + Hans Scheib
Darsteller: Marlene Dietrich, Fritz Kortner, Uno Henning, Oskar Sima, Frieda Richard

Les bien-aimés und die Nova Vlna

9. Mai 2012 lweser Keine Kommentare

Kino-Premiere/Frankreichwoche: Die Liebenden. Von der Last, glücklich zu sein / Les bien-aimés, F 2011, Regie: Christophe Honoré

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Der hochkarätig besetzte Film Die Liebenden von Christophe Honoré, erinnert nicht nur durch seinen Untertitel an die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Auch Details des ersten Abschnitts gleichen Milan Kunderas berühmten Roman. Ähnlichkeiten beider Geschichten finden sich z.B. in einem der männlichen Protagonisten (tschechischer Arzt), sowie in Ort (Prag/Paris) und Zeit (um den Prager Frühling). Ein weiterer Vergleich, der sich unweigerlich aufdrängt ist der mit Jacques Demys Die Regenschirme von Cherbourg. Denn in Die Liebenden wird ebenso wie in den „Regenschirmen“ gesungen. Dort beginnt es in einem Schuhgeschäft, hier in einem Regenschirmladen, jeweils Anfang der 60er Jahre.
Der Film der neben Paris und Prag, auch in London, Montréal und Reims spielt, ist in verschieden Dekaden bis in die 00er Jahren unterteilt. Über die Jahrzehnte kann man zuerst Madeleine (Ludivine Sagnier, Catherine Deneuve) und später auch ihre Tochter Vera (Chiara Mastroianni) bei ihren verschiedenen Liebesbemühungen, beobachten. Trotz Überlänge, sind diese Neigungen nicht immer nachvollziehbar. Man könnte einwenden, dass genau das das Wesen der Liebe ausmacht, welches eben nicht unbedingt mit dem Verstand zu fassen ist.
Die verschiedenen Jahrzehnte, werden hauptsächlich durch Kleidung, Autos und verschiedene Alltagsutensilien dargestellt (von denen der ein oder andere allerdings seiner Zeit vorweggenommen wird). Historische Ereignisse, wie der Einmarsch der russischen Panzer in Prag oder der 11. September geschehen nur am Rand. Die Handlung wird nicht dadurch, sondern allein durch die persönlichen Empfindungen der Protagonistinnen vorangetrieben. Nicht der Panzer wegen verlässt Madeleine ihren Mann und Prag, sondern weil er sie betrügt. Nicht der Terroranschläge in New York wegen bringt sich Vera um, sondern… Ja warum eigentlich? Auch die Motivation für diese Tat bleibt dem Zuschauer ebenso ein Rätsel, wie die seltsame Liebe zu dem homosexuellen Schlagzeuger, den sie nur kurz in London kennengelernt hat. Und auch das ist ein nichtrationaler Vorgang, dem Wesen der Leibe nicht unähnlich.

Für all jene, die sich mit der Nova Vlna (der tschechoslowakischen Neuen Welle) auskennen, dürfte der ein oder andere Name ein paar Assoziationen auslösen. So lautet der Familienname des tschechischen Arztes Jaromil „Passer“. Ivan Passer gehörte neben Miloš Forman, der den alten Jaromil spielt, zu den Vertretern der Neuen Welle. Ivan Passer taucht übrigens sogar im Abspann auf. Der Vorname Jaromils Tochter wiederum erinnert an Věra Chytilová, die ebenfalls Vertreterin der neuen Welle war.

Die Liebenden. Von der Last, glücklich zu sein F 2011, 135 min
Regie + Drehbuch: Christophe Honoré,
Darsteller: Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Louis Garrel, Miloš Forman, Paul Schneider, Radivoje Bukvic

Läuft weiter bis 23. Mai im Wintergarten. Kino im Andreasstadel
www.kinos-im-andreasstadel.de | www.dieliebenden.senator.de

Sans Dessus Dessous/Drunter und Drüber

4. Mai 2012 lweser Keine Kommentare

Eröffnung der 10. französischen Film- und Kulturwoche am 02. Mai 2012, Kinos im Andreasstadel, Regensburg

Die Eröffnung der französischen Film- und Kulturwoche hat sich im Laufe seines Bestehens zu einem wahren Geheimtipp entwickelt. In der jetzigen Form, als „bunter Abend“, existiert sie (mit einer Ausnahme) seit sieben Jahren – also nicht ganz so lange wie die von Medard Kammermeier und Marianne Mion initiierte Frankreichwoche selbst. Der wohl charmanteste Abend in der Regensburger Kulturlandschaft, hat schon viele regionale Kulturgrößen auf die kleine Bühne im Wintergarten-Kino gebracht. Richard Kattan und Stefan Göler von den Tres Hombres, Eberhard Geyer und Thomas Röder, Catherine Hummel von der Deutsch-Französische Gesellschaft, der Kosmos Ost-Singkreis oder das Ost-Hafen-Duo sind nur einige derer, die die Veranstaltung mit Beiträgen bereichert haben. Zu den festen Konstanten des Abends gehören auch Bertl Wenzl (Die Negerländer), Rainer J. Hofmann (Trio Tricolore), Pedro Alvarez-Olañeta (CinEScultura-Spanische Film- und Kulturwoche) und Moderator Boris Kasbauer.

In diesem Jahr konnte man als Einstimmung auf den Abend Louis Malles Tour de France-Film Vive le Tour aus dem Jahr 1962 sehen. Nicht ohne Grund folgte Comme d’habitude, ein Lied von Claude François aus dem Jahr 1967, das Frank Sinatra als Vorlage zu seinem Hit My Way diente. Der erste Live-Beitrag stammte von einer neuen Band, die der Moderator als junge Hoffung aus Montpellier ankündigte, den Diamond Dogs. Diese entpuppten sich jedoch als alte Bekannte aus Regensburg: die bisher als Elektro-Duo bekannten Dirschl & Starzinger, haben sich nicht nur umbenannt, sondern sich auch einem anderen Genre verschrieben. Mit Kontrabass und E-Gitarre interpretierten sie sehr rock n´rollig einen dreisprachigen Marlene-Dietrich-Song aus dem Jahr 1948. In den Ruinen von Berlin (von Friedrich Holländer komponiert) stammt aus dem Billy Wilder Film Eine auswärtige Affäre. - Und das Publikum tobte! Was für ein Einstieg!

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Bedächtiger, aber nicht weniger emotional, rezitierte Christoph Maltz ein (fast schon obligatorisches) Heinrich Heine Gedicht. In Die Grenadiere, imaginierten zwei aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrende französische Soldaten ihren Heldentod. Im Anschluss trug er eine wenig bekannte Übersetzung des Liebesgedichtes Cet amour von Jacques Prévert (dem Autor von Kinder des Olymps) vor. Christoph Maltz legte sich so ins Zeug, dass Lutz Görner, der deutschen Gedicht-Rezitator par excellence, gegen ihn ganz schön blass aussieht.

Eine Wiederaufführung erfuhr anlässlich des Zehnjahresjubiläums, einer der beliebtesten Beiträge von vor sechs Jahren: Die Tanzeinlage von eben jenem anfänglich gespielten Claude François. Cloclo (Boris Kasbauer) und seinen Claudettes (Marianne Mion, Kathrin Kupitz, Dagmar Reinecke, Catherine Botteron) brachten mit Alexandrie, Alexandra 70er Jahre Disco Feeling in den Wintergarten. Der einstige Frauenschwarm hat aus heutiger Sicht doch einiges an Sex-Appeal eingebüßt. Die unfreiwillige Komik des Originalvideos, das im Hintergrund projiziert wurde, machte der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Die Ü40-Tänzer auf der Bühne tanzten sich die Seele aus dem Leib und machten dabei keine schlechte Figur.

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Rainer J. Hofmann und Pedro Alvarez-Olañeta schlossen sich wieder zum Duo zusammen und boten mit Akkordeon und Gitarre ein mexikanisches Lied aus dem Soundtrack zu Wim Wenders Film Paris, Texas dar. Warum dieser Film französisch ist, wird Pedro Alvarez-Olañeta am Freitag erklären, wenn er den von ihm ausgewählten Film in der Reihe „Cadeaux“ bei der Frankreichwoche vorstellen wird. Als Zugabe pfiffen beide ihren gemeinsamen Klassiker.

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Nach einer filmischen Sarkozy-Persiflage band Medard Kammermeier das Publikum mit einem Quiz in das Bühnengeschehen ein. Das Publikum und drei Kandidaten sollte die französische Herkunft deutscher Wörter erraten. Außer bei „Fisimatenten“ und „Etepetete“ misslang das aber, und der Kinobetreiber konnte einige seiner Freikarten behalten.

Anschließend überraschte Boris Kasbauer das Publikum indem er das angekündigte Duo Martin Haygis (Beige GT, Mason Dixon Line) und Anja Lange (Groß, Grün Und Grausig) zu einem Trio komplettierte. Als Dalida und Alain Delon ersangen und erspielten sie mit Paroles, Paroles (einem Cover des italienischen Originals von Mina und Alberto Lupo) die Herzen des Publikums. Sowohl optisch (Smoking und 70er Jahre Abendkleid), als auch musikalisch und schauspielerisch hätten sie mit dieser Interpretation die berühmten Vorbilder mühelos in den Schatten gestellt.

Auch Bertl Wenzl eroberte jene Herzen (die des Publikums). Mit seiner Gitarre, einem selbstgeschriebenem Text und viel bayrischem Akzent gab er ein skurriles Liebeslied zum Besten. Etwas spöttelnd kommentierte der Moderator diese charmant-schräge Darbietung mit den Worten: „Ein Saxophon ist eben doch etwas anderes als ein französischer Text“. Bertl Wenzl wird in der bereits erwähnten „Cadeaux“-Reihe, in der zehn Freunde des Festivals einen französischen Herzensfilm vorstellen, den wohl ungewöhnlichste Film der Reihe präsentieren. Claude Faraldos „Anarcho-Komödie“ Themroc aus dem Jahr 1972 mit Michel Piccoli kommt übrigens ohne Dialoge aus.

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Eine Aufzeichnung eines Serge Gainsbourg Songs bildete die Überleitung zum letzten Live-Auftritt des Abends. Die “Diamond Dogs aus Montpellier” performten eine Serge Gainsbourg-Komposition, die dieser 1964 für France Gall komponierte. 1995 wurde Laisse tomber les filles von April March unter dem Titel Chick habit gecovert. Diese Coverversion gab das Duo im Andreasstadel zum besten. Da die Diamond Dogs so unglaublichen Publikumszuspruch fanden, wir es demnächst übrigens ein Kino-Konzert von ihnen geben.

Der Abend hat seine Bestimmung wieder voll erfüllt: er hat dem Publikum auf seine gewohnt liebenswerte, chaotische, aber gleichzeitig hochwertige Art, Lust auf eine Woche französischen Film und Kultur und auf Sans Dessus Dessous gemacht.