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Schnellschuss nach Hinten

28. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Erik Grun: Die Mitgift, Premiere im Museumshof, Regensburg, den 15.05.2009

Petrus zumindest ist mit ihm. Erik Gruns Filmvorführungen im idyllischen Innenhof des Museumscafés sind weder von Wölkchen noch Temperatureinbrüchen getrübt. So also auch diesmal, bei der Premiere seines neusten Filmes Die Mitgift. Mit ihm ist scheinbar auch eine große Fangemeinde, denn obwohl Erik Gruns neuer Film nur kurzfristig und bescheiden angekündigt wurde, war die Premiere gut besucht.

Bemerkenswert ist auch Gruns filmischer Output. Auf ungefähr 14 Langfilme hat er es bisher gebracht (ein paar mehr oder weniger, wer zählt das schon so genau). Um auf eine solche Anzahl zu kommen, muss man schnell arbeiten. Fünfeinhalb Tage habe er für Mitgift gedreht und sechs Stunden vierzig Minuten geschnitten. Beachtlich, beachtlich. Doch wenn man den Film sieht, wünscht man sich der Regisseur hätte sich ein bisschen mehr Zeit gelassen.

Xaver (Wolfgang Berger), ein ekelhafter Aufschneider mit kriminellem Charakter, ist Betreuer psychisch kranker Patienten. Dabei scheut er sich nicht seine Schutzbefohlenen zu übervorteilen, wenn es sich anbietet. Um an den vermeintlichen Münzschatz seines neuen Klienten Heinz (Heinz Müller), ein Eisenbahnnarr von naiver Gutgläubigkeit, zu gelangen, zieht er alle Register. Heinz hat ein altes Haus in einer bayrischen Ortschaft geerbt und sich in Anna, die Küchenhilfe des örtlichen Wirtshauses verliebt. Ganz logisch ist die Handlung ab hier dann nicht mehr.

Doch die Zuschauerzahlen geben Erik Grun wohl Recht. Sein Publikum hat er sicher. Er brach mit den Raith-Schwestern sogar den Zuschauerrekord des Garbos. Seit Almrausch (2007) hat Grun sein Genre gefunden: Niederbairisches Volkstheater als Film.  Auch dieser Film wird wieder sein Publikum haben.

Schade, dass Erik Grun in seinen Langfilmen nicht ebenso experimentierfreudig und sorgfältig ist, wie in dem sechsminütigen Vorfilm “Fleischeslust”. Ein Vegetarier (Hans Schröck), ein Fleischesser (Peter Kollross), ein Juror. Ein Wettkampf zwischen zwei Lebenseinstellungen. Je reduzierter die Form, um so stärker scheint Grun. Dabei war der Film nur der Test einer neuen Kamera. Der Test ist geglückt. Fleischeslust wirkt nicht mehr wie ein Amateurvideo, sondern wie Film, wie richtiger echter Film, wie Zelluloid! Die schauspielerischen Leistungen (der Film ist ohne Dialoge) der beiden Hauptdarsteller sind sehr überzeugend, die Kamera (Hubert Lankes) ist perfekt gesetzt. Die Musik (Patrik Ehrlich) schafft eine surreale, bedrohliche Atmosphäre.

 

Erik Grun mit Technik und Publikum

Erik Grun mit Technik und Publikum

 

Erik Grun - Von der Sozialkritik zum niederbairischen Volkstheater
Erik Grun fabuliert gern, dass merkt man nicht nur an der Anzahl seiner Filme, sondern auch im Gespräch. Dass er dabei die Grenze zwischen Realität und Fiktion nicht all zu genau zieht, ist sicher hilfreich für sein künstlerisches Schaffen. In diesem Kontext sind auch alle nachstehenden Informationen zu lesen.

Erik Grun ist Jahrgang 1966 und aufgewachsen in Nordhausen (Thüringen). In seiner Jugend sei er Torwart der DDR-Fußball-Jugendnationalmannschaft gewesen. (Das erfährt man beim traditionellen Regensburger Kurzfilmwochen-Fußballmatch, wo er wirklich beeindruckend hält). Er bezeichnet sich selbst als gescheiterten Schauspieler, einer Stimmbandlähmung wegen. Wenn er in seinen Filmen jedoch eine Rollen übernimt, ist das meist eine Bereicherung, was seine Aussage Lüge straft. 1994 sei er durch einen Zufall nach Bayern gekommen. Im Übergangslager Hannover habe er angegeben ihm sei egal wohin er käme, nur nicht nach Bayern. Dann sei er eingeschlafen, als er auf den Bus nach Baden-Württemberg gewartet habe. Währenddessen seien dann die Richtungsschilder ausgetauscht worden und so sei er doch in Bayern gelandet. In Eggenfelden um genauer zu sein. Dort habe er dann eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert. Als Krankenpfleger arbeitet er noch immer. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Denn obwohl er mittlerweile keine Verluste mehr mit seinen Filmen macht, wird jeder Gewinn gleich wieder in den nächsten Film investiert. Dabei arbeite er immer mit kleinstmöglichem Team, eigentlich noch immer no- statt low-budget. Der aufwendigste Film sei bisher D´Raith-Schwestern und da Blaimer (2008) gewesen. Da habe er mit 120 Statisten in fünf Wirtshäusern gedreht. Doch auch diese Dreharbeiten haben nur neun Tage gedauert.

Mehrere seiner Filmen spielen im Krankenhausmilieu (oder artverwandten). Erik Grun bestätigt, dass das reale Leben ihm zumindest die Impulse für seine Stoffe gebe. “Seine Krankenschwestern” seien auch weiterhin wichtig für sein Schaffen, denn sie seien der Indikator dafür ob seine Filme funktionieren oder nicht. Seit er keine sozialkritischen Inhalte mehr habe, sondern Komödien mache, sehen sie sich die Filme auch gern an. Und diesen Entschluss habe er letztlich treffen müssen. Er musste sich die Frage stellen, ob er Filme machen wolle, die vielleicht einmal im Jahr auf einen Kurzfilmfestival laufen und die Niemanden interessieren, oder eben Filme, die die Leute verstehen und gern sehen. Den Erfolg, den er jetzt habe, sei nur den Umschwung zur Komödie geschuldet. Das bayrische Sujet tue sein Übriges dazu. Seit Marcus H. Rosenmüllers Wer früher stirbt ist länger tot scheint das Bayrische im Film ein Erfolgsgarant zu sein. Genau das, was er mache funktioniere. Er bezieht sich auf Filme wie Grenzverkehr oder Kleinohrhasen. Und damit ist vielleicht alles gesagt.

Nein, etwas gibt es natürlich noch: Der Blick in die Zukunft. Schließlich wäre Erik Grun nicht Erik Grun, wenn er nicht bereits an den nächsten Filmen arbeiteten würde. Seine neuen Projekte sind Bierathon 09 für Juni und Bayernwaldblues für Juli. Der nächste erst wieder im September.

Übrigens: Im Juni wird Die Mitgift im Garbo zu sehen sein