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Artikel Tagged ‘Französische Film und Kulturwoche’

Les bien-aimés und die Nova Vlna

9. Mai 2012 lweser Keine Kommentare

Kino-Premiere/Frankreichwoche: Die Liebenden. Von der Last, glücklich zu sein / Les bien-aimés, F 2011, Regie: Christophe Honoré

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Der hochkarätig besetzte Film Die Liebenden von Christophe Honoré, erinnert nicht nur durch seinen Untertitel an die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Auch Details des ersten Abschnitts gleichen Milan Kunderas berühmten Roman. Ähnlichkeiten beider Geschichten finden sich z.B. in einem der männlichen Protagonisten (tschechischer Arzt), sowie in Ort (Prag/Paris) und Zeit (um den Prager Frühling). Ein weiterer Vergleich, der sich unweigerlich aufdrängt ist der mit Jacques Demys Die Regenschirme von Cherbourg. Denn in Die Liebenden wird ebenso wie in den „Regenschirmen“ gesungen. Dort beginnt es in einem Schuhgeschäft, hier in einem Regenschirmladen, jeweils Anfang der 60er Jahre.
Der Film der neben Paris und Prag, auch in London, Montréal und Reims spielt, ist in verschieden Dekaden bis in die 00er Jahren unterteilt. Über die Jahrzehnte kann man zuerst Madeleine (Ludivine Sagnier, Catherine Deneuve) und später auch ihre Tochter Vera (Chiara Mastroianni) bei ihren verschiedenen Liebesbemühungen, beobachten. Trotz Überlänge, sind diese Neigungen nicht immer nachvollziehbar. Man könnte einwenden, dass genau das das Wesen der Liebe ausmacht, welches eben nicht unbedingt mit dem Verstand zu fassen ist.
Die verschiedenen Jahrzehnte, werden hauptsächlich durch Kleidung, Autos und verschiedene Alltagsutensilien dargestellt (von denen der ein oder andere allerdings seiner Zeit vorweggenommen wird). Historische Ereignisse, wie der Einmarsch der russischen Panzer in Prag oder der 11. September geschehen nur am Rand. Die Handlung wird nicht dadurch, sondern allein durch die persönlichen Empfindungen der Protagonistinnen vorangetrieben. Nicht der Panzer wegen verlässt Madeleine ihren Mann und Prag, sondern weil er sie betrügt. Nicht der Terroranschläge in New York wegen bringt sich Vera um, sondern… Ja warum eigentlich? Auch die Motivation für diese Tat bleibt dem Zuschauer ebenso ein Rätsel, wie die seltsame Liebe zu dem homosexuellen Schlagzeuger, den sie nur kurz in London kennengelernt hat. Und auch das ist ein nichtrationaler Vorgang, dem Wesen der Leibe nicht unähnlich.

Für all jene, die sich mit der Nova Vlna (der tschechoslowakischen Neuen Welle) auskennen, dürfte der ein oder andere Name ein paar Assoziationen auslösen. So lautet der Familienname des tschechischen Arztes Jaromil „Passer“. Ivan Passer gehörte neben Miloš Forman, der den alten Jaromil spielt, zu den Vertretern der Neuen Welle. Ivan Passer taucht übrigens sogar im Abspann auf. Der Vorname Jaromils Tochter wiederum erinnert an Věra Chytilová, die ebenfalls Vertreterin der neuen Welle war.

Die Liebenden. Von der Last, glücklich zu sein F 2011, 135 min
Regie + Drehbuch: Christophe Honoré,
Darsteller: Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Louis Garrel, Miloš Forman, Paul Schneider, Radivoje Bukvic

Läuft weiter bis 23. Mai im Wintergarten. Kino im Andreasstadel
www.kinos-im-andreasstadel.de | www.dieliebenden.senator.de

Sans Dessus Dessous/Drunter und Drüber

4. Mai 2012 lweser Keine Kommentare

Eröffnung der 10. französischen Film- und Kulturwoche am 02. Mai 2012, Kinos im Andreasstadel, Regensburg

Die Eröffnung der französischen Film- und Kulturwoche hat sich im Laufe seines Bestehens zu einem wahren Geheimtipp entwickelt. In der jetzigen Form, als „bunter Abend“, existiert sie (mit einer Ausnahme) seit sieben Jahren – also nicht ganz so lange wie die von Medard Kammermeier und Marianne Mion initiierte Frankreichwoche selbst. Der wohl charmanteste Abend in der Regensburger Kulturlandschaft, hat schon viele regionale Kulturgrößen auf die kleine Bühne im Wintergarten-Kino gebracht. Richard Kattan und Stefan Göler von den Tres Hombres, Eberhard Geyer und Thomas Röder, Catherine Hummel von der Deutsch-Französische Gesellschaft, der Kosmos Ost-Singkreis oder das Ost-Hafen-Duo sind nur einige derer, die die Veranstaltung mit Beiträgen bereichert haben. Zu den festen Konstanten des Abends gehören auch Bertl Wenzl (Die Negerländer), Rainer J. Hofmann (Trio Tricolore), Pedro Alvarez-Olañeta (CinEScultura-Spanische Film- und Kulturwoche) und Moderator Boris Kasbauer.

In diesem Jahr konnte man als Einstimmung auf den Abend Louis Malles Tour de France-Film Vive le Tour aus dem Jahr 1962 sehen. Nicht ohne Grund folgte Comme d’habitude, ein Lied von Claude François aus dem Jahr 1967, das Frank Sinatra als Vorlage zu seinem Hit My Way diente. Der erste Live-Beitrag stammte von einer neuen Band, die der Moderator als junge Hoffung aus Montpellier ankündigte, den Diamond Dogs. Diese entpuppten sich jedoch als alte Bekannte aus Regensburg: die bisher als Elektro-Duo bekannten Dirschl & Starzinger, haben sich nicht nur umbenannt, sondern sich auch einem anderen Genre verschrieben. Mit Kontrabass und E-Gitarre interpretierten sie sehr rock n´rollig einen dreisprachigen Marlene-Dietrich-Song aus dem Jahr 1948. In den Ruinen von Berlin (von Friedrich Holländer komponiert) stammt aus dem Billy Wilder Film Eine auswärtige Affäre. - Und das Publikum tobte! Was für ein Einstieg!

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Bedächtiger, aber nicht weniger emotional, rezitierte Christoph Maltz ein (fast schon obligatorisches) Heinrich Heine Gedicht. In Die Grenadiere, imaginierten zwei aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrende französische Soldaten ihren Heldentod. Im Anschluss trug er eine wenig bekannte Übersetzung des Liebesgedichtes Cet amour von Jacques Prévert (dem Autor von Kinder des Olymps) vor. Christoph Maltz legte sich so ins Zeug, dass Lutz Görner, der deutschen Gedicht-Rezitator par excellence, gegen ihn ganz schön blass aussieht.

Eine Wiederaufführung erfuhr anlässlich des Zehnjahresjubiläums, einer der beliebtesten Beiträge von vor sechs Jahren: Die Tanzeinlage von eben jenem anfänglich gespielten Claude François. Cloclo (Boris Kasbauer) und seinen Claudettes (Marianne Mion, Kathrin Kupitz, Dagmar Reinecke, Catherine Botteron) brachten mit Alexandrie, Alexandra 70er Jahre Disco Feeling in den Wintergarten. Der einstige Frauenschwarm hat aus heutiger Sicht doch einiges an Sex-Appeal eingebüßt. Die unfreiwillige Komik des Originalvideos, das im Hintergrund projiziert wurde, machte der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Die Ü40-Tänzer auf der Bühne tanzten sich die Seele aus dem Leib und machten dabei keine schlechte Figur.

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Rainer J. Hofmann und Pedro Alvarez-Olañeta schlossen sich wieder zum Duo zusammen und boten mit Akkordeon und Gitarre ein mexikanisches Lied aus dem Soundtrack zu Wim Wenders Film Paris, Texas dar. Warum dieser Film französisch ist, wird Pedro Alvarez-Olañeta am Freitag erklären, wenn er den von ihm ausgewählten Film in der Reihe „Cadeaux“ bei der Frankreichwoche vorstellen wird. Als Zugabe pfiffen beide ihren gemeinsamen Klassiker.

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Nach einer filmischen Sarkozy-Persiflage band Medard Kammermeier das Publikum mit einem Quiz in das Bühnengeschehen ein. Das Publikum und drei Kandidaten sollte die französische Herkunft deutscher Wörter erraten. Außer bei „Fisimatenten“ und „Etepetete“ misslang das aber, und der Kinobetreiber konnte einige seiner Freikarten behalten.

Anschließend überraschte Boris Kasbauer das Publikum indem er das angekündigte Duo Martin Haygis (Beige GT, Mason Dixon Line) und Anja Lange (Groß, Grün Und Grausig) zu einem Trio komplettierte. Als Dalida und Alain Delon ersangen und erspielten sie mit Paroles, Paroles (einem Cover des italienischen Originals von Mina und Alberto Lupo) die Herzen des Publikums. Sowohl optisch (Smoking und 70er Jahre Abendkleid), als auch musikalisch und schauspielerisch hätten sie mit dieser Interpretation die berühmten Vorbilder mühelos in den Schatten gestellt.

Auch Bertl Wenzl eroberte jene Herzen (die des Publikums). Mit seiner Gitarre, einem selbstgeschriebenem Text und viel bayrischem Akzent gab er ein skurriles Liebeslied zum Besten. Etwas spöttelnd kommentierte der Moderator diese charmant-schräge Darbietung mit den Worten: „Ein Saxophon ist eben doch etwas anderes als ein französischer Text“. Bertl Wenzl wird in der bereits erwähnten „Cadeaux“-Reihe, in der zehn Freunde des Festivals einen französischen Herzensfilm vorstellen, den wohl ungewöhnlichste Film der Reihe präsentieren. Claude Faraldos „Anarcho-Komödie“ Themroc aus dem Jahr 1972 mit Michel Piccoli kommt übrigens ohne Dialoge aus.

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Eine Aufzeichnung eines Serge Gainsbourg Songs bildete die Überleitung zum letzten Live-Auftritt des Abends. Die “Diamond Dogs aus Montpellier” performten eine Serge Gainsbourg-Komposition, die dieser 1964 für France Gall komponierte. 1995 wurde Laisse tomber les filles von April March unter dem Titel Chick habit gecovert. Diese Coverversion gab das Duo im Andreasstadel zum besten. Da die Diamond Dogs so unglaublichen Publikumszuspruch fanden, wir es demnächst übrigens ein Kino-Konzert von ihnen geben.

Der Abend hat seine Bestimmung wieder voll erfüllt: er hat dem Publikum auf seine gewohnt liebenswerte, chaotische, aber gleichzeitig hochwertige Art, Lust auf eine Woche französischen Film und Kultur und auf Sans Dessus Dessous gemacht.

François, Jean-Luc, Jean-Pierre, und die anderen?

11. Mai 2011 lweser Keine Kommentare

Deux de la Vague / Godard trifft Truffaut; 9. französischen Film- und Kulturwoche, Filmtheater im Andreasstadel, Regensburg

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Emmanuel Laurent beleuchtet mit seinem Dokumentarfilm Deux de la Vague / Godard trifft Truffaut die Freundschaft der beiden bekanntesten Vertreter der Nouvelle Vague: François Truffauts und Jean-Luc Godard. Beide schrieben für die, 1951 von André Bazin gegründete, Film-Zeitschrift Cahiers du cinéma. Sie gingen dabei mit dem damaligen französischen Film scharf vor Gericht. So scharf, dass Truffaut 1958 die Akkreditierung für Cannes verweigert wurde. Seine Rache war der Triumpf seines Debutfilmes Sie küssten und sie schlugen ihn / Les quatre cents coups, der im folgenden Jahr die goldenen Palme erhielt. Auch Godards Debutfilm Außer Atem / A bout de souffle, von 1959, dessen Story ihm Truffaut überlies, wurde sofort zum großen Erfolg.

Vierzig Jahre später schrieb der Filmhistoriker Antoine de Baecques für dieses Magazin. Von 1996-98 war er dort Chefredakteur. Er schrieb, neben mehreren Büchern zur Nouvelle Vague, auch das Drehbuch zu Laurents Film. Außerdem spricht er neben der Schauspielerin und Regisseurin Isild Le Besco die Off-Kommentare.
Emmanuel Laurent Film besteht fast ausschließlich aus Archivmaterial. Private Fotos von Truffaut und Godard sind zu sehen, ebenso wie Zeitungs- und Filmausschnitte. Dennoch ist der Film keine Minute langweilig. Die einzigen zeitgenössischen Aufnahmen sind die von Isild Le Besco, die schweigend rumsitzt oder durch Paris geht. Es mag zwar plausibel erscheinen, mit ihr eine Brücke zum französischen Gegenwartskino zu schlagen - nach der Nouvelle Vague, ist das Kino schließlich nicht mehr dasselbe wie vor ihr - doch erschließt sich diese Brücke dem Zuschauer nicht unbedingt beim Betrachten des Filmes. Wer mit dem französischen Gegenwartskino nicht vertraut ist, ist eher verstört, fragt sich wer das ist und vermag sie überhaupt nicht in den Kontext des Filmes einzuordnen.
Einen weiteren Fokus des Filmes legt Laurent auf Jean-Pierre Léaud, der seit seinem vierzehnten Lebensjahr, seit Sie küssten und sie schlugen ihn, in fünf Filmen, Truffauts Alter Ego Antoine Doinel verkörperte. Truffaut, Doinel und Léaud verschmolzen beinah zu synonymer Bedeutung. Die Archivbilder machen deutlich wie ähnlich sich Truffaut und Léaud auch äußerlich waren. Um sich von Truffaut und dieser Rolle, zu emanzipieren, spielt Léaud immer wieder auch für Godard und geriet so zwischen den Einfluss zweier Überväter. Auch dazu gibt es viele Originalinterviews und Fotos von Léaud über Jahrzehnte hinweg.
Die Qintessenz beider Arbeit kommt in den Statments der Regisseure zum Ausdruck: Während Truffaut mit seinen Filmen nicht alles anders, sondern besser machen wollte als das alte “Cinema de qualité”, wollte Godard die Filmkunst von Grund auf revolutionieren. So driften die Wege beider ab Mai 1968 allmählich auseinander. Während Truffaut zum klassischen Erzählkino zurückkehrt, verharren Godards Filme in Selbstrefferenz und werden irgendwann zu reinen politischen Pamphleten. 1973, nach Die amerikanische Nacht, kommt es zum endgültigen Bruch beider, der bis zu Truffauts frühem Tod 1984 anhielt.

Deux de la Vague / Godard trifft Truffaut
Regie: Emmanuel Laurent, Frankreich 2009, 91 min
mit: Isild Le Besco

läuft auch vom 13.-18. Mai im Filmtheater im Andreasstadel, Regensburg
www.kinos-im-andreasstadel.de | godard-trifft-truffaut.de

Barfuß auf Nacktschnecken

6. Mai 2011 lweser Keine Kommentare

Barfuß auf Nacktschnecken / Pieds nus sur les limaces, innerhalb der 9. Französischen Film- und Kulturwoche, Wintergarten Kino im Andreasstadel, Regensburg

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Clara (Diane Kruger) muss sich nach dem Tod ihrer Mutter um ihre geistig (oder psychisch) behinderte Schwester Lily (Ludivine Sagnier) kümmern. Schwere Aufgabe, denn auf den ersten Blick wirkt diese fasst normal.
Zur formalen Darstellung der beiden ungleiche Schwestern, verwendet Regisseurin Fabienne Berthaud zwei verschiedene Kameramethoden: Die Wackelkamera mit schnellen Schnitten für die emotionale und triebhafte Lily und die feste für die aufgeräumte, stabile Clara. Bereits bei der Zeichnung der Charaktere möchte man aufschreien. Einerseits ist Lily nicht allein überlebensfähig, andererseits verfügt sie über die ausgefeiltesten psychoanalytischen Fähigkeiten und vermag ihrer Schwester die (vermeidlichen) Fehler deren Lebensweges aufzuzeigen. Überhaupt verherrlicht die Regisseurin Lily bis zum Überdruss und stilisiert sie zur Sehnsuchtfigur, eine Art Minon mit verruchtem Touch - Heilige und Hure in einem – ähnlich den Frauenfiguren in Betty Blue / 37°2 le matin oder in Ein mörderischer Sommer / L’été meurtrier. Die Distanzlosigkeit zu ihrer Hauptfigur wird auch in einer Unmenge an Nahaufnahmen deutlich: viel Haar, Mund und Bein, bzw Po. Die Triebhaftigkeit wird außerdem durch eine Vielzahl von Essensszenen verdeutlicht. Zusammengenommen ist alles zeitweise nur schwer zu ertragen. Andererseits wird nicht glaubhaft vermittelt, dass das Leben Claras im Gegenzug so verdammenswert und unfrei ist, wie uns der Film suggerieren möchte. Die meisten anderen Charaktere (Claras Ehemann, ihre Schwiegermutter, die Jugendlichen des Dorfes, die Nachbarin, die Gäste in Paris) werden im Gegenzug negativ gezeichnet. Die romantische Ausstattung des Filmes (Rüschenunterhosen, kurze Kleidchen), wirkt teilweise ebenso aufgesetzt wie die skurrilen Elemente (Knitting-Art im Wald, Pantoffeln u.Ä. aus toten Tieren).
Nur in wenigen Momenten vermochte mich der Film zu überzeugen. Die stärkste Szene war die Badeszene, in der Claras Handeln einerseits völlig nachvollziehbar ist, man andererseits dennoch entsetzt von der Heftigkeit ihrer Reaktion ist.

Ich bin mir sicher, dass der Film dennoch ein (überwiegend weibliches) Publikum finden und auch begeistern wird. Viele werden darin ein Aufruf zur Freiheit, zum Anderssein und Unangepastem sehen.

Barfuß auf Nacktschnecken / Pieds nus sur les limaces
R: Fabienne Berthaud, F 2010
D : Diane Kruger, Ludivine Sagnier, Denis Menochet, Brigitte Catillon, Jacques Spiesser, Anne Benoît
www.barfuss-auf-nacktschnecken.de

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läuft im Wintergarten, Kino im Andreasstadel bis 25.Mai 2011
www.kinos-im-andreasstadel.de

Wo ist der Notausgang?

6. Mai 2011 lweser Keine Kommentare

Eröffnung der 9. französischen Film- und Kulturwoche, Akademiesalon, Regensburg

Am Mittwoch wurde die 9. französische Film- und Kulturwoche mit einer gewohnten Mischung aus Filmen, Texten und Musik eröffnet. Durch den Abend führte wieder Maitre Kasbauer, unterstützt vom Patron (Medard Kammermeier) und Madame Mion, den beiden Verantwortlichen für die alljährliche Woche voll Frankreich in Regensburg.
Eine Woche, die in diesem Jahr unter dem etwas umstrittenen Motto „Sortie de Secours/Aspekte des Überlebens“ steht. Marianne Mion deute gar eine Zensur an. Durch wen diese verhängt wurde, verriet sie allerdings nicht. Glücklicherweise hakte Moderator Kasbauer noch einmal nach. Er wollte von den Veranstaltern wissen, was nun eigentlich so schlimm an der derzeitigen Situation in Frankreich sei, dass es Notausgänge bedürfe. Aufgrund der verhängten Zensur blieb Madam Mion auch bei dieser Antwort im Vagen. Sie sprach vom sich verstärkenden Arm-Reich-Gefälle, von zunehmender Fremdenfeindlichkeit, enttäuschten Hoffnungen, also von nicht unbedingt rein frankreichspezifischen Problemen. Nach diesem kurzen, ernsten Zwischenspiel, kehrte der heitere Ton der Veranstaltung mit Bertl Wenzl (Die Negerländer) zurück, der mit geborgter Gitarre eine musikalische Eigenkomposition passend zum Thema darbot. Er ging dabei nicht nur auf die aktuelle politische Situation in Frankreich, sondern auf die der ganzen Welt ein.
Bertl Wenzl spielte gemeinsam mit Stefan Göler (Tres Hombres, Akademie Regensburg) auch das erste Livestück des Abends. Eine Instrumentalvariation von “Frère Jacques”, welches auf Nachfragen des Moderators ebenfalls sehr viel politischen Subtext enthielt. Zuvor erzählte Marianne Mion mit verzückter Begeisterung und entzückend französischem Akzent das Märchen von „Peau d’âne/Eselshaut“, dass in Deutschland wohl höchstens durch Jacques Demys Verfilmung mit Catherine Deneuve bekannt ist. Der Akkordeonist Thomas Röder gab nach langer, ausschweifender Einleitung mit vielen skurrilen Anekdoten von persönlicher Färbung und mit historischer Tragweite, „Nathalie“ von Gilbert Becaud zum Besten. Sehr persönlich ging es auch zu, als Medard Kammermeier ein französisches und ein deutsches Gedicht aus eigener Feder vortrug. Als Höhepunkt ist vielleicht die Auktion anzusehen, auf der französische Produkte als Wege des Überlebens im Exil, versteigert wurden. Der Auktionator Monsieur Kasbauer hat zu diesem Zwecke extra bei einer französischen Rinderversteigerung sein Handwerk erlernt. Die Idee entstand in Anlehnung an Serge Gainsbourg, der einst die Marseillaise ersteigerte.
Señor Alvarez-Olañeta, der ebenso wie Bertl Wenzl, verlässliche Konstante des Eröffnungsprogrammes ist, kam auf Grund widriger Umstände minimal zu spät, so dass wir auf seinen Beitrag im nächsten Jahr gespannt sein könne.
Letztlich verleihen die kleinen privaten Bekenntnisse aller Beteiligten zu Frankreich, der
Veranstaltung alljährlich ihren besonderen Charme. Durch kritische Aspekte wird dieser Charme keinesfalls geschmälert, sondern allenfalls authentischer.

9frankreichwoche2011

www.kinos-im-andreasstadel.de

Französische und spanische Film- und Kulturwoche

6. Mai 2010 lweser Keine Kommentare

Noch bis 12. Mai 2010, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
8. Französische Film- und Kulturwoche / Semaine Culturelle du Cinéma Francais; das diesjährige Thema: Ich und die Anderen / Les Autres et moi-même. Diesmal mit überwiegend Filmen aus den 2000er Jahren. Die einzigen Ausnahmen bilden Delicatessen von Jean-Pierre Jeunet aus dem Jahr 1990 und La Voie Lactée / Milchstraße von Luis Buñuel aus dem Jahr 1969. Milchstraße läuft in Kooperation mit der zeitlich anschließenden Spanischen Film- und Kulturwoche.
www.kinos-im-andreasstadel.de, www.spanische-Filmwoche.de

hut_lilo07. / 08. Mai 2010, 14.00-20.00 Uhr, Hutsalon Lilo, Schwarze-Bären-Str. 1, Regensburg
Offizielle Eröffnung des neuen Ateliers nach dem Umzug in die Schwarze-Bären-Str. 1 (2. Stock). Hüte, Mützen und Accessoires gibt’s sicher, alles andere bleibt eine Überraschung…
www.lilokincaid.de

Samstag, 08. Mai 2010, 19.00 Uhr, galerie konstantin b., Am Brixener Hof, Regensburg Ausstellungseröffnung campo - Gemälde und Zeichnungen von Wolfgang Zapf, mit Musik von Richard “Quetschkommod” Kattan. Die Ausstellung geht noch bis 04. Juli 2010.

Samstag, 08. Mai 2010, 20.00 Uhr, Turmtheater, Am Watmarkt, Regensburg
Premiere: Joseph Berlingers Finnischer Tango, mit Martin Hofer und Birgit Otter. Vor zwei Jahren wurde das Stück bereits im Hesperidengarten aufgeführt. Also eigentlich eine Wiederaufnahme. Eintritt:15 €, weitere Vorstellungen unter:
www.regensburgerturmtheater.de

Sonntag, 09. Mai 2010, 14.00 Uhr, Domplatz, Regensburg, Der König kommt zurück. Das Reiterstandbild König Ludwigs I. kehrt nach Jahren wieder an seine angestammten Platz zurück. Am 8. Mai 1902 wurde das Reiterstandbild enthüllt und später von den Nazis schon wieder verbannt. Und, am 8. Mai vor 65 Jahren wurden wir übrigens befreit.

Sonntg, 09. Mai 2010, 14.00 Uhr, Wiese gegenüber dem Andreasstadels, Regensburg, Pique-Nique boulodrome. Die diesjährige etwas abgespeckte Französische Film- und Kulturwoche/ Semaine Culturelle du Cinéma Francais, verzichtet leider nicht nur auf den legendären bunten Eröffnungsabend, sondern auch auf das Maifest im Orphée. Dafür gibt es in diesem Jahr erstmals ein französisches Picknick, vielleicht auch in Vorbereitung auf das Pique-nique der Kulturen in Weiß im Juli. Also, die Boules-Kugeln vom Dachboden geholt und den Picknick-Korb gepackt!

Montag, 10.Mai 2010, 21.00 Uhr, Heimat, Regensburg, Missent to Denmark / FM Belfast

Mittwoch, 12. Mai 2010, 19.15 Uhr, Akademiesalon Kino im Andreasstadel, Regensburg, La Voie Lactée / Milchstraße von Luis Buñuel aus dem Jahr 1969. Die Französisch-Deutsch-Italienische Koproduktion des spanisch - französisch -mexikanischen Regisseurs über zwei Clochards auf dem Jacobsweg, läuft sowohl im Rahmen der französischen als auch der Spanischen Film- und Kulturwoche. Leider kommt die Projektion nur von DVD. O m dt.U, wohl in der französischen 97 min - Version (die Deutsche wäre 101 min lang)

Mittwoch, 12. Mai 2010, Uhr, Heimat
, Regensburg, Konzert: Lali Puna

Donnerstag, 13. Mai 2010, Hof der Bodega, Regensburg, Eröffnung der Cinemania 2010, der 3. Spanischen Film- und Kulturwoche, die vom 13. -23. Mai 2019 an verschiedenen Orten in Regensburg (und München) stattfindet. In diesem Jahr ist die Region Galicien (natürlich in Spanien und nicht in Polen) Schwerpunkt. Vorrausschauender Weise wurde die Cinemania in diesem Jahr wegen der Fußball WM nach vorn verlegt. So schließt sie direkt an die französische an, die Vorbild für die spanische Film- und Kulturwoche war. Organisiert wird die Cinemania von Studierenden der Universität Regensburg unter Leitung von Pedro Álvarez-Olañeta, dem Arbeitskreis Film und dem Forschungszentrum Spanien der Uni Regensburg. Über zwanzig Gäste aus Galicien werden während der zehn Tage zu Gast in Regensburg sein. Das vielseitig und abwechslungsreiche Programm besteht aus Ausstellungen, Konzerten, Tagungen, die Literatur-Musik-Performance um Manuel Rivas Werk Bücher brennen schlecht die sowohl in Gloria in Regensburg, wie in der Pasinger Farbrik in München zu sehen sein wird. Außerdem wird eine offizielle Delegation aus der Stadt Santiago de Compostella, der Hauptstadt Galiciens erwartet. Das Filmprogramm wird in diesem Jahr nicht nur in der Filmgalerie im Leeren Beutel zu sehen sein, sondern auch im Museeumshof.
Das filmische Programm ist folgendermaßen gliedert:
1. Filme rund um den Jakobsweg. Dabei werden nicht nur spanische Produktionen zu sehen sein, sondern auch vor allem Koproduktionen von Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Italien und Spanien. Der Jakobsweg ist eben ein europäisches Thema.
2. Galizische Kurzfilme. Unter Anderem gibt es ein Programm von Kurzfilmen von Albert Ponte. Er war schon mehrmals in Regensburg z.B. als Jury-Mitglied bei der Regensburger Kurzfilmwoche 2008 und bei seiner Werkschau bei der ersten Cinemania. Im Juli 2009 drehte er in Regensburg den Kurzfilm Ein Wort von dir. Dieser Film wird neben drei Anderen Kurzfilmen aus dem Jahren 2009 und 2010 von Albert Ponte selbst vorgestellt.
3. Galizische Langfilme von 1925 bis 2008
4. Hommage an Antón Reixa - einer der vielseitigsten Künstler Galiciens.
5. Die Welt aus Kinderaugen - Diese Perspektive ist ein besonderes Kennzeichen des spanischen Filmes.
6. Animationsfilme - ein Kurzfilmprogramm und ein Langfilm

Halten Sie Ausschau nach dem Programmheft. Mehr Infos gibt es auch im Wohin und unter: www.spanische-Filmwoche.de

Ein Schiff wird kommen

29. April 2010 lweser Keine Kommentare

30.04-11.09. 2010, MS Regensburg, 19.30 bzw. 20.00 Uhr, Das Regensburger Schiff oder Herr Schikaneder (er)findet die Zauberflöte, Eine Posse in zwei Akten nach Emanuel Schikaneder von Michael Kohlhäufl und Michala Schießl mit Martin Hofer, Heinz Müller, Heike Ternes u.A. Regie: Dirk Arlt, eine Produktion des Kulturturm Regensburg; Eintritt: 24 € zzg. VVG; Die einzelnen Termine und Startzeitenfinden Sie unter www.regensburgerturmtheater.de

Freitag, 30. April 2010, 21.00 Uhr, Büro, Regensburg, Konzert: Bratfisch Eintritt frei

Freitag, 30. April 2010, 21.00 Uhr, Kammerspiele, Kleines Haus, München, Konzert: 3 Normal Beatles. Eintritt: 9 / 5 €

Samstag, 01. Mai 2010, 19.00 Uhr, Spital-Keller, Regensburg, CD-Präsentation Uncle Sally. www.uncle-sally.de

Samstag, 01. Mai 2010, 20.30 Uhr, Zimmer 4, Regensburg, Konzert: Der Postmann und der Mann ohne Hund. www.derpostmannunddermannohnehund.de |

05.-12. Mai 2010, Andreasstadel, Regensburg, Französische Film- und Kulturwoche/ Semaine Culturelle du Cinéma Francais; das diesjährige Thema: »Ich und die anderen / Les autres et moi-même«. Diesmal leider ohne den legendären Eröffnungsabend, aber dafür spielen die Negerländer französische Lieder.

Wenn der Duft von Maiglöckchen Erinnerung weckt

21. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

7. Französische Film- und Kulturwoche: Familles et souvenirs 6. - 13. Mai 2009
Eröffnung am 6. Mai 2009 im Wintergarten/ Kino im Andreasstadel: souvenirs, souvenirs
Fête du muguet (Fest des Maiglöckchens). 1. Mai-Feier am 9. Mai im Orphée

Eine Woche lang im Mai gibt es jedes Jahr in Regensburg ein reges französisches Kulturleben. Die französische Film- und Kulturwoche (Im Folgenden kurz Frankreichwoche genannt) findet in diesem Jahr bereits zum siebten Mal statt. Zu verdanken hat Regensburg das Medard Kammermeier und Marianne Mion, die diese Woche gemeinsam mit Unterstützung von Freunden und Sponsoren im Namen des Arbeitskreis Film, organisieren. Die Frankreichwoche steht in diesem Jahr unter dem Thema “Familles et souvenirs” (Familien und Erinnerungen). Das merkt man der Veranstaltung an. Eine sehr familiäre Stimmung herrschte zumindest bei der Eröffnungsfeier im Wintergarten und bei der Fête du muguet (Fest des Maiglöckchens) im Orphée.

Normalerweise ist der Eröffnungsabend der Frankreichwoche auch ihr Höhepunkt. Mit viel Herzblut treten hier alljährlich zahlreiche Regensburger Künstler auf. Dieses Jahr war die Veranstaltung leider nicht so gut besucht wie in den letzten Jahren und auch der Flow war nicht der gleiche wie in den Jahren zuvor.

Der Abend wurde von Marianne Mion mit entzückendem französischen Akzent eröffnet. Moderator Boris Kasbauer wies darauf hin, dass es sich, trotz der schwarzer Kleidung und des Blumengestecks, nicht um eine Trauerfeier handele, wenngleich Erinnerungen stets auf etwas Vergängliches verweisen.

Der unumstrittenen Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Kosmos Ost Singkreises mit Freunden. Kosmos Ost – die berühmt berüchtigte Fußballdamenmannschaft der Kinokneipe - kann auch singen und beweist dabei viel Kreativität: Ihre Interpretationen, “C’est la ouate” von Caroline Loeb und ein Song von Stereolab waren absolut überzeugend. Besonders hervorzuheben sind auch die Gesangs- und Pfeifdarbietungen von Rainer J. Hofmann und Pedro Alvares Olaneta, die bereits zum zweiten Mal als Duo das Publikum begeisterten. Wie immer ging auch diesmal einiges schief. Der angekündigte Christoph Malz erschien erst gar nicht und ein vom Moderator extra für diesen Abend übersetzter Videoclip wollte partout nicht laufen. Das gehört dazu, und mit mehr Perfektion wäre die Veranstaltung wohl nicht halb so charmant.

Rainer Hofmann & Bertl Wenzl

Rainer Hofmann & Bertl Wenzl

In Frankreich schenkt man sich am 1. Mai Maiglöckchen. Das bedeutet Glück für das gesamte Jahr. Ob das auch am 9. Mai funktioniert? Am 9. Mai jedenfalls feierte das Orphée (das europaweit bekannte Regensburger Restaurant und Hotel französischer Art) im Rahmen der Frankreichwoche, den 1. Mai. Die Tische waren natürlich mit Maiglöckchen geschmückt und es gab eine extra für diesen Abend zusammengestellte Speise- und Getränkekarte. Mit dem Akkordeon sorgte Rainer Hofman (Trio Trikolore) für die angemessene musikalische Untermalung. Unterstützung erhielt er dabei von Bertl Wenzel (Die Negerländer) am Saxophon. Die Gäste waren Exil-Franzosen, Freunde und Bekannte der Organisatoren und weitgereiste Gäste des Hotels.

Auf der Frankreichwoche gibt es außerdem die Party Tour de France mit Thomas Bohnet im leeren Beutel, cinéfête (französisches Kino für Schulklassen), eine multilinguale Lesung mit musikalischer Begleitung, ein interkulturelles Seminar und natürlich jede Menge französische Filme: eine Mischung aus Neuheiten und Klassikern.

Wollen wir hoffen, dass Herr Kasbauer mit der Leugnung einer Trauerfeier Recht hatte und es im nächsten Jahr eine 8. Französische Film- und Kulturwoche geben wird.