Dem Rolf Shimon Eden ein Denkmal
Heimspiel: einziger Dokumentarfilm The big Eden Regie Peter Dörfler
Insgeheim und mit einem Schmunzeln wurde die Berlinale 2011 das Festival der über-80-Jährigen genannt. Zwei vielbeachtete Dokumentarfilme widmeten sich jeweils einem älteren Herren, welche jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Susanne Rostocks Film Sing your Songs porträtiert den Sänger, Schauspieler und Unicef-Botschaftler Harry Belafonte. Peter Dörfler setzte mit The big Eden dem Playboy, Geschäfts- und Lebemann Rolf Shimon Eden ein Denkmal.

Aber wir sind hier nicht auf der Berlinale, sondern beim Heimspiel. Zum Heimspiel werden kaum Filme eingereicht, sondern das kleine Team, allesamt Studenten um den Medienwissenschaftler Sascha Keilholz, fordern gezielt Filme an. Wie bei der Einleitung zur Projektion von The Big Eden verraten wurde, sind 75% aller angeforderten Filme Dokumentarfilme. Vermutlich ist der Publikumszuspruch bei Dokumentarfilmen nicht sehr hoch. Jedenfalls fand sich im Programm diesmal nur eine Doku, eben jener The Big Eden. Leider war das Kino diesmal recht schwach besucht, was aber vielleicht in der undankbaren Uhrzeit begründet liegt.
Peter Dörfler nähert sich Rolf Eden auf fast zurückhaltende Weise. Ein solch extrovertierter Mensch muss nicht gebeten werden etwas von sich preiszugeben. Dörfler lässt also erzählen. Unterstützung erhält er von Edens derzeitiger Freundin Brigitte und Uschi, einer Ex. Interviewt werden neben einigen seine Exfrauen, Kinder, Enkel, auch sein Bruder oder ehemalige Kameraden aus Jerusalem. Denn eins wird schnell klar, trotz aller Zentrierung auf Party, Geld und Frauen, gab es auch einen anderen Eden: Shimon. Den will er aber lieber beiseite wischen. 1933 wanderte die jüdische Familie Eden aus Deutschland nach Palästina aus. So fällt ganz beiläufig in einer Runde mit alten Kameraden (darunter der Publizist Avi Primor und der Filmproduzent Menachem Golan), dass Herr Shimon, seiner Rolle im Unabhängigkeitskriegs wegen, als Held galt. „Ich war 18 und habe nicht nachgedacht, als ich als erster nach vorn stürmte. Heute würde ich als erster nach hinten stürmen.“ kommentiert das Eden es nur. Sein Freund der Schriftsteller Yoram Kaniuk verrät, Eden habe ihm das Leben gerettet. Er wollte zwar nichts von seiner Krebserkrankung wissen, aber zwei Tage später schickte er ihm jede Menge Geld. Nach dem Krieg reiste er nach Paris und verdiente als Musiker sein Geld. 1957 kehrte er, einer Rückkehrpämie von 6000 Mark wegen, nach Berlin zurück, was keiner seiner Freunde und Bekannten in Israel verstand. Mit dem Geld kaufte er sich seinen ersten Nachtclub den „Old Eden“. Es folgten „The new Eden“ und „The big Eden“. Auf den alten Fotos erkennt man David Niven oder Roman Polanski unter den Gästen. Auch die Rolling Stones waren da, oder Liza Minelli, Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong. Und wärenddessen Frauen, Frauen, und nochmals Frauen. Seine jetzige Freundin ist jünger als der eine oder andere Enkel. Ein Enkel sagt, es war normal, dass Opa am Abend eine andere Frau hatte als am Morgen und am Morgen darauf wieder eine andere. Immerhin hat er es so auf sieben Kinder von sieben Frauen gebraucht. Nur wenige dieser Frauen sprechen in Bitterkeit von ihm, obwohl sie jeweils mit der Schwangerschaft abgeschrieben waren. Seine Parties, Reisen und Frauen hat er selbst mit Super8-Ton-Film dokumentiert. Auf 200 Stunden Material konnte Peter Dörfler zurückgreifen. Die alten Fotos werden durch 3-D-Technik lebendig. Hier flackert der Schatten eins Baumes im Wind, dort fällt Konfetti. So werden die alten Fotos fast zu bewegten Bildern.
Am Ende ist man doch ein bisschen ermüdet und glaubt, dass es Rolf Eden ebenso geht. Er spricht sogar vom Tod, obwohl er Tod und Krankheit immer verdängt hat. Aber sein letzter Satz ist wieder so provokativ und beweist, dass man sich getäuscht hat. Eden ist noch nicht müde.
The big Eden ist es auf jeden Fall wert im Kino gesehen zu werden. Wer es beim Heimspiel verpasst hat, hat vielleicht noch die Möglichkeit dazu. Der offizielle Kinostart ist erst im Dezember 2011.
The big Eden D 2011, 90 min
Regie, Buch und Kamera: Peter Dörfler
Mit Rolf Eden, Brigitte, Ursula Buchfellner, Joram Kaniukab 08. Dezember 2011 im Kino.
www.thebigeden-film.com | heimspiel-filmfest.de











